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Freitag | 24.11.2017

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Urheberrecht? Ersatzlos streichen!?

Tja, Wolfgang Michal, ein bisschen mehr Arbeit hättest du dir mit deiner Replik auch machen können. Das war ja nicht nur in Deutschland so, dass die Autoren mehr verdienten als in England, da gibt es inzwischen reihenweise Studien, die in unterschiedlichen Ländern, die jeweils zu unterschiedlichen Zeiten die Umstellung machten, zu genau den gleichen Ergebnissen kommen: Das Urheberrecht nützt der Druckerpresse (den Verwertern), schadet aber den Autoren.

Und es schadet auch den Lesern, und zwar extrem drastisch. Das gesamte 20ste Jahrhundert (bis knapp vor der Erstveröffentlichung von Mickey Mouse) ist praktisch Tabula Rasa, zumindest bei Amazon. Gibbet nicht. Kannst du nicht kaufen, wird auch nicht wieder aufgelegt. Die Bücher davor, egal wie obskur, anscheinend schon, kein Problem. Irgendwer hat sie eingescannt und lässt sie einen Book-on-Demand-Publisher drucken. Das letzte frei verfügbare Jahrzehnt hat genauso viele Werke wie das gerade laufende, und das, obwohl heute natürlich viel mehr geschrieben wird wie vor 100 Jahren. Aber dank Copyright verwaisen die Werke, und man kann sie sich vielleicht noch in einer Bibliothek ausleihen:

http://www.theatlantic.com/technology/archive/2012/03/the-missing-20th-century-how-copyright-protection-makes-books-vanish/255282/

So, und nachdem Du ja keiner bist, der sich vor der Arbeit drückt: Der nächste Link ist deine Hausaufgabe, da haben sich nämlich zwei Ökonomen relativ viel Mühe gemacht, Fakten zusammenzutragen. Das liest du jetzt durch. Das passt nicht auf 140 Zeichen, aber der Schluss ist weitgehend der gleiche. Sie kommen bei Software zum Schluss, Copyleft statt abschaffen, aber ansonsten: Abschaffen. Nicht unbedingt über Nacht, man muss den Leuten ja Zeit lassen, sich ein neues Geschäftsmodell zu finden:

http://www.dklevine.com/general/intellectual/againstfinal.htm

Ach ja, du kaufst dir das Buch natürlich, und lädst es nicht runter, gell? Raubsaugen ist böse, erst recht, wenn die zwei irregeleiteten Copyright-Abschaffer das freiwillig online stellen. Schließlich sind die zwei Autoren zwar Uni-Professoren, und damit ist ihre Forschung bereits bezahlt, aber als echter Urheberrechtsfetischist kannst du die doch nicht ohne ein Zubrot lassen!

Das Argument mit dem Geschäftsmodell stimmt aber: Das ist Merkantilismus, das Monopoly des Mittelalters. Gehe nicht über Los, sondern geh‘ direkt nach 1624 zurück, zur Statute of Monopolies, da findest du den Grund dafür, warum England so schnell reich geworden ist, und Deutschland mit seinen vielen Zunftordnungen so lang arm geblieben ist: Weil man dort praktisch alle derartigen mittelalterlichen Geschäftsmodelle einfach über den Haufen geworfen hat, und diese Monopole abgeschafft hat. Nur beim geistigen Eigentum konnte man sich nicht vorstellen, dass es ohne klappt.

Mangelnde Vorstellungsgabe ist aber eher ein Zeichen für mangelnde Intelligenz als für korrekte Analyse. Aber du bist ja ein intelligenter Mensch, der sich auch Mühe macht, seinen Standpunkt mit Fakten zu untermauern, statt wie Sven Regener einfach nur Stammtischparolen herunterzupoltern.

Viel Spaß bei der Lektüre, und nächste Woche darfst du dich wieder melden ;-). Hoffentlich dann etwas fundierter.