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Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit

Sonntag | 24.09.2017

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Letzte Kommentare

Die politisch naiven und gefährlichen Makroökonomen: Spieltheoretische Egomanen

Das ist das Problem der Modellierer. Sie verwechseln Ursache und Wirkungen. Wie wird innovativ? Wie reagieren Unternehmen auf Disruptionen? Mit welchen Produkten und Diensten hat man Erfolg und, und. Welche Rolle spielt da Merkel? Mir ist Deine Replik zu monokausal.

Die politisch naiven und gefährlichen Makroökonomen: Spieltheoretische Egomanen

Man dreht am Nachfrageschräubchen und schon kommt der Aufschwung wie durch Zauberhand?

Die politisch naiven und gefährlichen Makroökonomen: Spieltheoretische Egomanen

Was soll ich eigentlich mit der Formulierung anfangen, dass meine Kritik an den Simplifizierungen der Makroklempner „gefährlich“ sei. Ich habe einige Interviews zu diesem Thema geführt, einiges an Daten ausgewertet, viele Statements eingeholt und wichtige Verwerfungen der einschlägig bekannten Modelle ins Feld geführt. Man kann da anderer Meinung sein und fröhlich disputieren. Aber „gefährlich“ ist das nicht. Gefährlich ist eher die Anmaßung der Prognostiker, wenn sie ihre kruden Ansichten in die Finanzwelt oder die reale Politik schleppen.

Die politisch naiven und gefährlichen Makroökonomen: Spieltheoretische Egomanen

@Makrointelligenz Ich verlange doch keine Denkbarrieren gegenüber Modellrechnungen, Algorithmen, spieltheoretische Sandkasten-Buddeleien oder sonstige Simulationsmaschinchen. Es geht um die realpolitischen Verwerfungen, die auf Basis dieser Theoreme in die Welt gesetzt werden. Und da können auch preisgekrönte Wissenschaftler nicht beanspruchen, in Watte gepackt zu werden.
Etwa die Herren Myron Scholes und Robert Merton, die für ihre „Verdienste“ sogar mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurden. Ihre theoretischen Fata-Morgana-Obsessionen setzten sie in dem Hedge Fonds „Long-Term Capital Management“ in die Praxis um. „Die Instrumente, mit denen sie arbeiteten, waren damals nur einer Minderheit von Eingeweihten vertraut: ABCPs, Carry Trades, CDOs, Optionen, Leerverkäufe, Derivate und andere, noch exotischere ‚Produkte‘“, schreibt Hans Magnus Enzensberger in seinen „Mathematischen Belustigungen“ (edition unseld). In den ersten Jahren erwirtschafteten sie mit einem Eigenkapital von nur vier Milliarden Dollar eine Rendite von 30 bis 40 Prozent. Das biblische Mirakel der Brotvermehrung mutet dagegen kümmerlich bescheiden an.

Die Modelle der preisgekrönten „Wissenschaftler“ beruhen eben auf die von mir aufgeführten modelltheoretischen Simplifizierungen. Die Modelle, mit denen Händler, Banken und Versicherungen arbeiten, sind, wie der Mathematiker Yuri Manin sagt, in hohem Maße in der Software ihrer Computer codiert. Damit gängeln diese Programme als eine Art Kollektiv-Unbewusstes das Verhalten der Akteure.

Aber gerade die unerwarteten Umstände schaufelten das Spekulationsgrab, in das Scholes und Merton hineinfielen. Der Hedge Fonds LTCM kollabierte 1998, führte zu einem Verlust von über vier Milliarden Dollar und machte einen Rettungsplan notwendig, an dem sich bekannte Namen als Samariter betätigten: Bear Stearns, Lehman Brothers, Merill Lynch, Morgan Stanley und Goldman Sachs – natürlich auch die Deutsche und Dresdner Bank. Scholes wurde wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 40 Millionen Dollar verurteilt, arbeitet aber nach wie vor als Fondsmanager. Und Merton? Er lehrt wieder Ökonomie an der Harvard Business School, wo er die Analysten der Zukunft ausbildet – mit Betonung auf Anal und wenig lyse. Für beide Spekulatius-Luschen beantrage ich die Aberkennung des Nobelpreises, wenn das überhaupt geht. Schließlich müssen auch des Dopings überführte Tour-de-France-Sieger ihre Krone wieder zurückgeben.

@dr.do Zur Frage der Firmenjäger und der Gründung von Phantom-GmbHs: Das habe ich doch zusammen mit einem Fernsehjournalisten bis ins kleines Detail recherchiert. Hier nur das Beispiel Grüner Punkt: Die KKR-Tochter Deutsche Umwelt Investment AG in Düsseldorf hatte zwar formal die Übernahme des DSD vollzogen. Hinter der DUI stand eine Beteiligungsgesellschaft, die sämtliche Aktien übernommen hatte: die Blade Lux Holding Two S. mit Sitz in Luxemburg. Dahinter befand sich wiederum die Blade MEP Beteiligungs GmbH. Interessant war der Geschäftszweck: „Gegenstand des Unternehmens: Erwerb, Halten und Verwalten sowie Veräußerung von Beteiligungen an Kapitalgesellschaften, an denen die Blade Lux Holding One S. .r.l mit Sitz in Luxemburg, und/oder die Blade Lux Holding Two S. .r.l, mit Sitz in Luxemburg, unmittelbar oder mittelbar beteiligt sind, sowie an Personengesellschaften, die Beteiligungen an solchen Kapitalgesellschaften halten im Zusammenhang mit der Beteiligung von Organmitgliedern, Führungskräften und Mitarbeitern verschiedener Unternehmen der Blade-Gruppe an solchen Gesellschaften; die Blade-Gruppe umfasst die Gesellschaften, die unmittelbar oder mittelbar von der Blade Lux Holding One S. .r.l mit Sitz in Luxemburg, abhängig sind. Die Gesellschaft betreibt keine Geschäfte, für die eine gesetzliche Erlaubnispflicht besteht”, so lautete der Eintrag im Handelsregister.

Die politisch naiven und gefährlichen Makroökonomen: Spieltheoretische Egomanen

Aber mal Scherz beiseite. Die zwei Vorschläge ändern das Problem mitnichten. Schon gar nicht die Auswüchse im Sektor der Schattenbanken.

Die politisch naiven und gefährlichen Makroökonomen: Spieltheoretische Egomanen

Fein, dann solltest Du das politisch durchsetzen. Böse und gut, darüber habe ich nicht geschrieben.

Die politisch naiven und gefährlichen Makroökonomen: Spieltheoretische Egomanen

So oberflächlich ist die Beschäftigung mit der Homunculus-Ökonomie gar nicht. Und Private Equity ist nur ein Beispiel für die Verwerfungen, die man im Finanzkapitalismus verorten kann. Und es geht mitnichten nur um Steuerersparnisse. Es geht um sittenwidrige Renditeversprechen an die Anteilseigner der Fonds, die teilweise über 30 bis 40 Prozent Rendite einsacken. Aber das sind nur die Auswüchse einer Ideologie, die sich weit von der Realwirtschaft und von den Menschen entfernt hat.

Zwischenbilanz zu Spitzers "DigitaleDemenz"

Hallo Martin, vielen Dank für diese Fleißarbeit. Das war sicherlich quälend. In meiner Kolumne habe ich mich auf die unglaublich simplifizierenden Darstellungen von Spitzer in der Bild-Zeitung kapriziert. http://www.theeuropean.de/gunnar-sohn/11994-der-hirnforscher-manfred-spitzer Und da bin ich halt nicht auf den Trick hereingefallen, den Du gut beschrieben hast: “Die Ergebnisse Ihrer Forschungen bestreite ich ja gar nicht, aber …” Ich habe Spitzer an der dümmlichen Darstellung seiner Thesen auf Bild-Zeitungsniveau gemessen. Mehr hat er nicht verdient.

Die Social-Media-Blase: Nennen wir es Beziehungsinflation

Wenn man die Ökonomie der Aufmerksamkeit als neue Währung heranzieht, gehen die Ausführungen von Haque ins Leere. Gerade die neuen Verbindungen im Netzwerk, die über den eigenen Bekanntenkreis hinausgehen, sind eine Bereicherung. Und hier kommt es auf das Geben und Nehmen an. Je größer die Bereitschaft zum offenen Austausch, desto stärker wächst das Netzwerk an, desto mehr kann man von seinen losen Verbindungen profitieren. Ohne die sozialen Netzwerke würde es diesen höchst interessanten Austausch an Informationen nicht geben. Und welche Organisationskraft Social Media hat, konnten Jack Wolfskin und Co. schmerzlich erfahren.

Der Zeitungsphilister von gestern als digitaler Bohèmien von heute

In der zweiten Auflage des Reichensperger-Werkes ist zu lesen:
Angebunden: Schmitz, J. R., De Moralität der Bekanntschaften beleuchtet an dem Charakter der Ehe. Auch: Inwiefern Bekanntschaften für eine nächste Gelegenheit (occasio proxima) zur Unzucht anzusehen sind. Als Zugabe: Dieselbe Frage in Betreff der heutigen Tanzlustbarkeiten. 2 Vorträge. Köln, Schwann, 1864.

Das ist ja ein moralischer Rundumschlag: Unzucht und Tanzlustbarkeiten. Herrliche Lesefrucht – Danke für den Hinweis. Habe das Opus gerade bei zvab bestellt.

Deutsche Blogger besetzen die FAZ

Du hast das FAZ-Beuteschema sehr treffend analysiert. Das durchzieht sich nun schon seit Monaten durch das Schirrmacher-Feuilleton, um krampfhaft die Debattenhoheit im Web zu erobern. Um nichts anderes geht es Frankie-Boy.

Video & Folien zum grandiosen Vortrag von Prof. Peter Kruse

Mist, habe ich leider versäumt. Hoffe auch einen Video-Link.

#rp10: Inzest im digitalen St. Nirgendwo

Jaucher (äh Jauer) hat zwar ein langes Stück über einige Blogger geschrieben, allerdings in einem Stil, der sehr verräterisch und herablassend ist.

#rp10: Inzest im digitalen St. Nirgendwo

diese Anti-Blogger-Suada der FAZ wird allmählich langweilig. Der Autor Jaucher macht seinem Namen alle Ehre…..