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Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit

Samstag | 21.10.2017

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Letzte Kommentare

Die „Facebook-Revolution“ - Gedanken zum Einfluss des Internets auf politische Umbrüche

Ok, wer Struktur und Kritik will, soll welche haben. Loben kann ja jeder. :-)

Zur Struktur:
Ist gut so. Allerdings machen andere aus den vier Abschnitten vier Einzelartikel. Da würde sich auch keiner beschweren. Oder anders ausgedrückt: Das ist fast ein bisschen zu viel Stoff für eine zielgerichtete Diskussion.

Zur Einzelkritik:
1. Abschnitt: Facebook-Revolution. Wie gesagt, Kritik an der unreflektierten Berichterstattung ist berechtigt. Thema damit durch.

2. Abschnitt: Die 37 Mechanismen. Super Aufzählung und Analyse. Der Bezug auf Ägypten im Zwischenergebnis ist aber hier irgendwie fehl am Platz, denn die Analyse ist viel grundlegender und verdient eine eigene Diskussion. Diese sollte sich IMHO darum drehen, was die Auswirkung der 37 Mechanismen auf den Prozess der politischen Willensbildung auch und insbesondere bei uns ist.

3. Abschnitt: Eingriffsmöglichkeiten ins Internet. Räumt mit dem Mythos des „unzerstörbaren Internets“ auf. Gut, das mal so auf dem Punkt zu bringen und die Eingriffe von Diktatoren mit den Wünschen unserer Law-and-Order Politiker zu vergleichen. Auch hier ist eine eigene Diskussion notwendig.

4. Abschnitt: Das Empowerment des Publikums. Ist im direkten Zusammenhang mit dem 2. Abschnitt zu sehen und sollte auch zusammen diskutiert werden. Zustimmung zu den einzelnen Punkten, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Demokratisierung der Meinungsäußerung die Leitkraft des aktuellen Mediensystems in Frage stellt. Es wird Verschiebungen geben, aber die Bündelung von Meinungen muss weiterhin erfolgen, um Macht auf die Entscheider auszuüben. Wie das passiert, wird sich sicherlich verändern, aber die Leitfunktion von FAZ & Co. wird weiterhin gegeben sein.

Fazit: Trotz meiner kleinen Kritik ein extrem wertvoller Artikel, dessen einzelne Aspekte separate Diskussionen Wert sind. Ich hoffe, sie werden noch geführt.

Die „Facebook-Revolution“ - Gedanken zum Einfluss des Internets auf politische Umbrüche

Ich rege mich über die Verbreitung der „Facebook-Revolution“ nicht auf. Natürlich hätte etwas mehr Sorgfalt und Differenzierung bei der Quellen-Recherche zum Zitat nicht schaden können, aber die Presse braucht halt die prägnante Überschrift. Nun ist es halt „Facebook-Revolution“, was soll’s.

Viel spannender als die Ausführungen zu Ägypten sind die Mechanismen des Internets und die Auswirkungen auf die Demokratie in unseren Landen. Das gehört noch weiter vertieft zusammen mit der Diskussion der Frage, welche Rahmenbedingungen rechtlicher und gesellschaftlicher Natur geschaffen werden müssen, dass die Gesellschaft als Ganzes – und nicht der kleine Teil der Netizens – dabei mitgestaltet und dementsprechend auch davon profitiert.

Wir beschweren uns immer wieder gerne über die Unbeholfenheit der Politiker beim Umgang mit Netzthemen und den unverständlichen Entscheidungen, die damit einhergehen. Das ist einfach, denn wir beschäftigen uns zum Teil den ganzen Tag mit dem Medium und haben allein deshalb einen riesigen Informationsvorsprung. Nur können wir schlecht verlangen, dass die Entscheider in den Parlamenten innerhalb kürzester Zeit sich auf den gleichen Stand der Dinge bringen, dann über den Tag hinaus denken und danach weise weitreichende Entscheidungen treffen.

Die Frage ist, wie wir unseren Volksvertretern ohne parteipolitische Zuspitzungen, Lobbyismus und die übliche Polemik die Grundlagen einer Netzgesellschaft (oder wie auch immer man das nennen will) näher bringen. Sonst bleibt die schöne neue Netzwelt bis auf weiteres eingesperrt in der gedanklichen Enge der heutigen Entscheidungsträger.

Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets?

Ein paar Gedanken zum Like-Button (und bitte korrigiert mich jemand, sollte ich da etwas nicht verstanden haben). Ich bin mir nämlich nicht so sicher, ob die Wirkung so außerordentlich ist, wie vielfach gesagt wird.

Wenn ich als FB-Nutzer auf einen Button auf einer Webseite klicke, sehen das meine Freunde auf Facebook und interessieren sich vielleicht auch dafür – zumindest theoretisch. Denn wenn ich eine gewisse Anzahl von Kontakten habe, diese fleißig auf Like-Buttons klicken und ich nicht permanent auf meine Timeline gucke, dann bekomme ich die meisten Nachrichten schlicht nicht mit – sie laufen durch, ohne dass ich sie wahrnehme. Der virale Effekt dürfte daher recht begrenzt sein.

Als Webseitenbetreiber ist es zwar nett, einen Button zu haben – denn je mehr „likes“ ich habe, desto beliebter ist die jeweilige Webseite (und vielleicht fließt die Anzahl der likes ja auch mal in die Google Ranking-Kriterien mit ein). Ich kann auch ggf. sehen, wer meine Seite gut findet – aber was dann weiter? Soll ich jeden einzelnen FB-Nutzer, der bei mir geklickt hat, händisch verfolgen, um ihm etwas zu verkaufen? Das scheitert am unverhältnismäßigen Aufwand und auch daran, dass ich mich mit privaten Nutzern erst einmal befreunden muss, um ihnen eine Nachricht zu schicken.

In der derzeitigen Form sind meiner Meinung nach die like-Buttons daher etwas überbewertet. Das ändert sich erst, wenn Instrumente von Facebook oder anderen geschaffen werden, welche die dort gewonnene Daten strukturieren und damit besser nutzbar machen.

Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets?

Der Analyse stimme ich fast uneingeschränkt zu – bis auf einen Punkt: Ich bin mir nicht sicher, ob Facebook derzeit schon unter Profitabilitätszwang steht. Natürlich verlangen die Investoren ihren ROI, aber das muss ja nicht über Gewinnbeteiligung laufen. Es sieht mir eher so aus, dass ein Exit über IPO die wahrscheinlichere Variante ist:

Ich sehe ehrlich gesagt auch mit den Neuerungen noch keine konkret umsetzbaren Geschäftsmodelle für Facebook abseits Google-ähnlicher Werbung. Bis Facebook also einen der Größe bzw. dem investierten Kapital angemessenen Gewinn ausweisen kann, dauert es noch ein wenig, wie der Vergleich mit Google zeigt. Und selbst wenn Facebook seine Einnahmen deutlich steigern kann, ist ein IPO mit 20 bis 30 Mrd. US-Dollar Börsenwert für die Investoren kurz- bis mittelfristig trotzdem die attraktivere Option.

Damit ist die strategische Vorgabe für Facebook klar: Noch mehr wachsen und sich unersetzlich machen, um den Unternehmenswert zu steigern. Genau das tut es mit den neuen Features, wie ja sehr detailliert dargelegt wurde.

Darum werden auch die Like-Buttons kostenfrei bleiben, denn sie dienen der tieferen Verzahnung von Facebook mit dem Rest des Webs und somit dem Wachstumsziel. Daher wird sich Facebookk auch um Nutzerverluste kümmern Denn der Aussage, dass Nutzerverluste Facebook mehr nutzen als schaden, stimme ich nicht zu. Über den Netzwerkeffekt leidet bei weniger Nutzern der Nutzen für die verbleibenden Teilnehmer, welche dann eher einen Grund zum Absprung haben. Es ist also im Interesse von Facebook, dem entgegenzuwirken. Ob allerdings die paar Aigner-Fans die Wahrnehmungsschwelle überschreiten, wage ich mal zu bezweifeln.

Spannend wird es IMHO, sollte Facebook wirklich an die Börse gebracht werden und dann den Rentabilitätszwängen der Großinvestoren ausgesetzt werden. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was dann mit den bis dahin gesammelten Daten alles angestellt wird, um die dann geforderten Umsatzziele zu erreichen.

Facebook: Ein Zwischenruf.

@omx00: Wenn ich als (Bundes!)Minister von einem Thema keine Ahnung habe, dann lasse ich mich darin schlaumachen. Dazu habe ich meinen Stab. Alleine die Diskussionen hier und anderswo im Netz zeigen, dass es ausreichend Leute gibt, die das Thema vollständig durchdrungen haben und Führungspersönlichkeiten beratend zur Seite stehen können.
Ich habe an die politische Führung durchaus den Anspruch, ein Thema, welches ich zur zukünftigen Entwicklung des Landes für entscheidend halte (die Web-Nutzung als Ganzes, nicht Facebook im Besonderen), zu verstehen und dieses aktiv zu gestalten. Von jedem CEO wird gefordert, ein Bild von der Zukunft seines Unternehmens zu entwerfen und dieses dann umzusetzen. Vielleicht bin ich zu optimistisch, dass ich darauf warte, dass irgendeine Regierung so etwas noch mal tut. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben.

Facebook: Ein Zwischenruf.

Wie immer eine sachlich fundierte Analyse mit kühlem Kopf, der ich hundertprozentig zustimme.
Für mich ist die Wahl des offenen Briefes als Eingreifmittel schlichtweg der Unkenntnis des Themengebiets geschuldet. Alle anderen genannten Aktionen (Hintergrundgespräche etc.) verlangen eine intensive Beschäftigung mit Web 2.0 allgemein, der darin inhärenten Datenschutzproblematik im besonderen und mit den sozialen Netzen als Ganzes. Hat man davon keine Ahnung, macht man sich in Fachgesprächen lächerlich.
Da das dummerweise auf so ziemlich die ganze politische Klasse zutrifft (Ausnahmen bestätigen die Regel), wird halt lieber Handeln inszeniert. Und da ist der offene Brief nur der kleine Bruder der Sperrgesetze…