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Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit

Freitag | 15.12.2017

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Name: Stefan Heidenreich
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Mitglied seit: 2008-09-26 12:55:02
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Über mich: Stefan Heidenreich lehrt an der Unversität Köln. Er forscht und schreibt zu den Themen Medien, Ökonomie und Kunst. Zuletzt erschien sein Buch "Forderungen" (Merve, 2015).
 

Letzte Kommentare

Gespaltene Medienwelt: Wahlkampf gegen die Medien 

Die Darstellung hinterlässt bei mir doch ein paar Fragezeichen:
– dass Trump jenseits der Medien auf eine ökonomische Wirklichkeit trifft, in der die Spaltung angelegt ist, wird mit keinem Wort erwähnt.
– Trump hat nicht mehr Wähler gewonnen als die republikanischen Kandidaten vor ihm. Den Unterschied macht Clinton, die gegenüber Obama Wähler verloren hat.
http://imgur.com/TOGIbcP
Zu erklären wären also viel eher die Verluste Clintons. Dafür liefert der Ansatz wenig. Und wenn wir das schon auf Deutschland übertragen wollen, dann liegt das Problem nicht allein bei der AfD, sondern viel mehr bei den ehemaligen „Volksparteien“ CDU und SPD.
– die Forderung nach verstärktem Einsatz der öffentlich-rechtlichen Medien ruft genau jenes staatlich sanktionierte Medienestablishment zu Hilfe, das von den Wählern abgestraft wurde. Das ist nicht nur demokratisch fragwürdig, sondern wird auch absehbar ein Fehlschlag – und vermutlich ein sehr teurer. Das einzige, was damit sicher erreicht wird, ist Zulauf für jede Partei, die die Abschaffung des Gebühren-Rundfunks fordert.

Warum Böhmermann in den Knast gehört

Knast? Für einen „eitlen Angriff auf Verteidigungslinien …“. Das macht ja nicht mal juristisch Sinn.
Ganz zu schweigen davon, dass diese Bewertung des Falls jedes Verständnis für Ironie und künstlerische Freiheit vermissen lässt.
Von da aus macht die Verbindung zum Kampf für Rechte von Jouranlisten in der Türkei überhaupt keinen Sinn. Wer damit anfängt, Knast für Komiker zu fordern, braucht über Rechte von Journalisten nichts weiter sagen.

Das Facebookariat übernimmt: Demokratie jenseits der Parteien?

Alltagsrassismus gab’s immer. Meistens gingen die Leute nicht wählen. Jetzt haben sie’s getan. Das ist nicht schlecht. Eine Art Weckruf. Im übrigen denke ich, dass die sogenannte „Flüchtlingskrise“ wieder vorbei gehen wird. Dann stellt sich raus, dass die Zornigen außer Zorn politisch nichts anzubieten haben. Und dann werden sie sich hoffentlich, so wie das bei solchen Leuten üblich ist, selbst zerlegen.

Das Facebookariat übernimmt: Demokratie jenseits der Parteien?

Ich würde zwischen einzelnen, auch großen Demonstrationen und einer Bewegung unterscheiden. Zwei zusätzliche Faktoren machen die Bewegung aus: sie reicht zeitlich und räumlich über die Demo hinaus, besteht also aus vielen Leuten, die lange und organisiert gemeinsame Meinungen vertreten. In dem Sinn haben wir keine linke Bewegung, sondern nur eine Partei und daneben viel Aktivismus ohne Zusammenhang und deshalb leider mit geringen längerfristigen Folgen.

Das Facebookariat übernimmt: Demokratie jenseits der Parteien?

Gefährlich sind die, die glauben wir könnten „Zusammenhalt“ nur gegen die Fremden herstellen. Das ist genau die Demagogie, vor der sie warnen.

Das Facebookariat übernimmt: Demokratie jenseits der Parteien?

Ich finde es wichtig, die Sachen beim Namen zu nennen. Wer wegen ihrer Rasse, Herkunft oder Religion Ängste vor „Fremden“ schürt, argumentiert rassistisch. Das ist nun einmal so. Es ist wichtig, das auch zu sagen. Das Problem sind nicht die Zuwanderer – die gibt es in unserer Gegend in Mitteleuropa seit den Neandertalern – sondern Leute, die uns einreden wollen, Fremde seien gefährlich und würden „den Zusammenhalt der Gesellschaft“ schwächen.

Das Facebookariat übernimmt: Demokratie jenseits der Parteien?

Ich weiss nur von einer linken Partei. Sonst gibt es noch Neoliberale verschiedener Intensität und Färbung. Aber stimmt schon: die Unterscheidung taugt nicht mehr wirklich. Mit „Rechte“ meinte ich Rassisten.

Griechenland Exit: Was gilt - Verträge oder Demokratie?

meinen Eindruck, dass es nicht ums Geld geht und dass die Verwaltungen auf beiden Seiten im Grunde schon augehandelt haben, was zu tun ist, bestätigt dieser detailreiche und hervorragende Komentar zum Stand der Verhandlungen:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=25100
Wenn das Theater durch ist, wird die Sache allerdings erst wirkich spannend – vor allem dann, wenn Syriza gelingt woran die Troika gescheitert ist, nämlich eine Wende zum Besseren herbei zu führen.

Kein Kredit für Antisemiten: Wie SPIEGEL und WELT die Regierung in Athen enttarnen

@Mitscherling: Nein, von Lügenpresse zu reden, macht überhaupt keinen Sinn. Es gibt einzelne Artikel, die daneben liegen. Und zwar in Zeitungen genau so wie im Netz. Ich habe sowohl von Weber wie auch von Fleischhauer kluge und gute Texte gelesen. Genau so in der Welt und im Spiegel. Das Gerede von Lügenpresse und kaputtem System ist ausgesprochen gefährlich und pauschalisiert, wo Diskussionen und begründete Urteile gefragt sind.

Donnerstag-Crash: Hinweise auf Ursache verdichten sich

@mh
Die Futures scheinen es nach dem Bericht der CSI-Chicago, wo sie gehandelt werden nicht gewesen zu sein. Sie haben den MArkt offenbar eher stabilisert.
„Conclusion? HFT and futures are innocent.“
kommentiert.
http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/05/14/231601/csi-chicago/
Auch die HFT-Trades haben offenbar zum Stabilisierung beitragen. Nachdem sie wieder loslegten. Leider nichts dazu, ob der temporäre Ausfal eines Teils des HFT-Trading & das Ausweichen auf andere Märkte war. Ich würde bei der Vermutung bleiben. Aber die Lage wird komplizierter…
sh

Donnerstag-Crash: Hinweise auf Ursache verdichten sich

@mh
lustiges interview. danke!
„i have no idea about thursdays events.“ sagt er und: „rise of complextiy coupled with a rise of debt.“ dann redet er über kredit. wichtiges thema, hat aber wenig mit donnerstag zu tun.
super interessant, minute 10:10: „The black swan depends on the observer. for some it might have been a grey swan or a white swan.“ also genau das, was zu erwarten war.

mir hat die „schwarzer schwan“-these nie gefallen. sie kam den investoren, die 2008 übers ohr gehauen wurden, als ausrede grade recht und war deshalb so beliebt. es zeigt sich ja jetzt, dass die banken genau auf den fall am amerikanischen häusermarkt gewettet haben, während sie gleichzeitig investoren ins sinkende boot holten – es handelte sich also für die Gold- und Ackermänner ganz und gar nicht um einen „schwarzen schwan“.
auch im fall des „flash-crash“ würde ich eher nach strukturellen ursachen suchen. dabei ist mir die die rolle der „dark pools“ aufgefallen, die nur deshalb so grosse marktanteile haben, weil institutionelle trader nicht mehr gewillt sind, die nachteile des HFT an den normalen märkten hinzunehmen. (dark pool ist keine namensgebung von verschwörungs-spinnern, sondern eine halb-amtliche bezeichnung für diese märkte.)
das werde ich mir bei gelegenheit mal genauer ansehen …
sh

Donnerstag-Crash: Hinweise auf Ursache verdichten sich

@mh
danke! das macht sinn. und passt gut zum rest.
sh

My Crash: wie es zum Einbruch der Kurse kam

Stimmt, es hätte heissen müssen:
Einige plausbile Vermutungen darüber, wie es zum Einbruch der Kurse kam.
Mein Fehler, ich gelobe Besserung …

Hier noch eine Vermutung, die Sinn macht und in dieselbe Richtung geht:
http://paul.kedrosky.com/archives/2010/05/run_on_the_shad.html schreibt:
„For the first time we have large providers of this shadow liquidity, algorithms and high-frequency sorts, that individually account for large percentages of daily trading activity, and, at the same time, that can be turned off with a switch, or at an algorithmic whim. As a result, in market crises, when liquidity was always hardest to find, it now doesn’t just become hard to find, it disappears altogether.“
Unterdessen zirkulieren die erste Berichte der Börsenaufsicht, die das Ausweichen auf illiquide elektronische Handelsplätze verantwortlich machen, aber sie zirkulieren nicht öffentlich, deshalb auch nur Vermutungen auch bei http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=aRxPqkzPF3G8&pos=4

My Crash: wie es zum Einbruch der Kurse kam

Die NZZ schreibt jetzt auch von fehlender Liquidität, aufgrund vom Rückzug des Computerhandels:
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/waren_computer_schuld_am_crash_1.5665565.html
„Einige haben sich zudem ab einem gewissen Zeitpunkt aus dem Handel zurückgezogen. Aus Sicht des Investors war das sinnvoll, aus Sicht des Marktes war es fatal: So brach teilweise die Liquidität zusammen. Orders gingen ins Leere.“
Das nenne ich fehlende Liquidität, Seekingalpha auch und die NZZ auch. Ich glaube wir müssen das nicht weiter diskutieren.
Bestimmt warten viele gerne und mit bangem Herzen auf nächsten Monat, wenn die ersten Kommentare – gerne auch im Amtsblattstil – zu den wasserdichten Artikeln über den hochoffiziösen Untersuchungsbericht herauskommen.
Vielleicht sehen wir ja bis dahin die so wunderbar effizienten Märkte noch ein paar Mal rotieren. So haben alle ihre Vergnügen !
;-)
S

My Crash: wie es zum Einbruch der Kurse kam

@mh
vielleicht gilt ja David White auf Seeking Alpha als eine seriösere Quelle. Er bestätigt meine Vermutung.
http://seekingalpha.com/article/203606-one-theory-about-what-happened-in-thursday-s-market?source=hp_wc
„What is more likely is that HFT traders turned off their programs, which usually pushes the market to the up side, in order to avoid losses. This caused a problem because the liquidity was no longer there. This meant that bid prices could fall quickly and dramatically. They did.
Of course, HFT traders started to turn their programs back on when they realized people would soon be bargain hunting. I am sure most made tons of money quickly as the market quickly pushed back up hundreds of points.“

Er tut’s im übrigen auch unter Liquidität ab …
Aber das kann man diskutieren. Wie den Rest auch. Ich sehe es als einen wirklich großen Vorteil von Blogs, Vermutungen äußern zu können, um sich dann über deren Stichhaltigkeit zu streiten. Macht Sinn.

Abgesehen davon: natürlich ist der Zacken nicht ein isoliertes Phänomen, das etwa durch Regulierung der HFT-Systeme zu beheben wäre. Im Hintergrund stehen systemische Risiken.
Schon eine Weile her, dass Trichet dazu gesprochen hat.
http://www.ecb.int/press/key/date/2009/html/sp091210_1.en.html
„Sizable amounts of debt relative to capital and short-term funding have more dramatic effects in situations of stress. For example, intermediaries’ losses can trigger “fire sales” of already largely illiquid assets“
Und der sollte als Quelle ja nun wirklich mit triple AAA geratet sein.

More to come.
Stefan

My Crash: wie es zum Einbruch der Kurse kam

@mh @egeck:
Stimmt schon, niemand mit dem Nickname Tyler Durden setzt einen offiziellen Untersuchungsbericht ab. Sollten wir mit Blog-Posts lieber warten, bis er rauskommt? 2011 oder so? Dass das nur den Status einer begründeten Vermutung hat, will ich gar nicht bestreiten. Trotzdem schein mir seine Erklärung von allen, die ich bisher gelesen habe, am ehesten als plausibel. Zumal mit Daten gut unterfüttert.
– das Verschwörungstheorie-Argument ist natürlich ein Totschlag-Hammer, der im übrigen auf Zerohedge nicht unbedingt zutrifft. Aber ich bin auch neugierig, was die „seriöseren“ Blogs schreiben.
– die Fat-Finger Theorie ist ein Witz. Wenn die Börsen kein MIttel gegen Vertipper hätten, gäbs solche Crashs alle zwei Wochen.
– Natürlich schnellen bei solchen Bewegungen die Umsätze hoch. Und trotzdem hat die Liquidität, an die sich Marktteilnehmer dank des Computerhandels gewöhnt haben, gefehlt, um die Sell-Orders zu normalen Preisen zu bedienen.
– Die Sache mit den Handelsprogrammen und dem einen Weg stimmt natürlich so auch nicht. Wo die einen Positionen schließen, machen anderen welche auf – eins so halbautomatisch wie das andere. Wenn’s nicht so wäre, würden Aktien entweder Null oder Unendlich viel kosten.
– die sogenannte Chart-Technik halte ich nun wieder für einen Aberglauben, der nur als Self-fullfilling prophecy funktioniert.
– Welche Computertrades zu welchem Zeitpunkt auf welcher Plattform abgestellt wurden, und welche weiter gehandelt haben .. das muss sicher im Einzelnen untersucht werden und auf die Ergebnisse bin ich auch neugierig.

Grüsse,
Stefan

Wenn Nullen Summe ziehen

richtig: Ich hätte gleich löschen und gar nicht auf Abwege eingehen sollen. Im übrigen: sich über etwas zu ärgern und das ungefiltert herauspusten, das sollte ihnen nicht allzu fremd sein, nehme ich an. Wo nehmen sie jetzt nur die Geduld oder den anhaltenden Groll her, auch noch in irgendwelchen vermeintlichen Dritt- und Viert-Verquickungen herumbohren zu wollen? Ich schreibe am nächsten Text … sehr langweilig … zu einer Banker-Rede auf bis.org. Im übrigen habe ich ihren letzten Artikel „Die kleine Schweiz ..“ gerne und mit Gewinn gelesen.

Wenn Nullen Summe ziehen

@ Don Alphonso: Was nicht zum Text gehört – also auch meinen eigenen ersten Kommentar – haben wir lt. http://carta.info/kommentarkodex/ heute morgen rausgespült. Sie hätten das von ihrer Gefolgschaft aufgebrachte Möchtegern-Skandälchen gerne noch ein wenig ausgewalzt? … „Dumme Kommentare lösche ich relativ frühzeitig und mit großem Vergnügen. Es bringt nichts, sich auf Diskussionen einzulassen, die nur das Ziel haben, Leute persönlich anzugreifen.“ …

Wenn Nullen Summe ziehen

Carta läuft nebenher – zum Spass!
War eigentlich zu erwarten, dass der Don und seine Fans persönlich werden, sobald’s aus dem Wald so zurückruft, wie er reinbrüllt. Zum Glück muss ich Don A. keine Angaben zu meiner Gehaltsabrechnung machen. Ich frage auch nicht nach seiner.
Im übrigen hatte der Deutschlehrer ja vielleicht recht. Nicht auszuschließen. Und wenn Satire auf Vorurteilen und Halbwissen baut, taugt sie eben nichts. Kann ja mal vorkommen. Warum die Aufregung?

Mehr Kapitalismus wagen: Freier Fall für freie Unternehmen!

Wunder der Ironie. Merve im Gewand von März. Im übrigen bin ich kein Gegner des Marktes. Nur sollte er beizeiten in Schranken gewiesen werden und nicht erst, wenn es zu spät ist. Tatsächlich scheint ja hinter Merkel der gute alte Ottmar Issing das Heft in der Hand zu halten. Deswegen wollte sie ja auch dem Glos nichts glauben. Was wohl auch für Münchner Partei-Hofschranzen im allgemeinen gilt. (Sehr amüsant, seine Kommentare zum Abgang, übrigens. Ich war in Indien und konnte nicht darüber schreiben.) Aber die Kompetenz von Issing würde ich nicht bezweifeln. Also immerhin hat die Regierung gute Berater. Und vieleicht ist es tatsächlich einfach noch ZU FRÜH, um eine Pleite zuzulassen.
sh

"Schirme für alle": die Inszenierung von Geborgenheit

Als Exportweltmeister gehört Deutschland bis dato zu den größten Globalisierungsgewinnern. Protektionismus wäre tatsächlich ein Problem. Allerdings wird die Investitionsgüter-Industrie kaum weiterlaufen wie bisher, wenn international Überproduktion herrscht. Schirm hin, Schirm her.
Zurecht ärgern sich unsere Handelspartner darüber, dass hier nichts konsumiert wird. Ein paar „Schirme“, die im Sinn einer ausgeglicheneren globalen Integration den Binnenkonsum anregen, wären durchaus angesagt.
Um im schiefen Bild zu bleiben: es wäre wohl ziemlich falsch, alle Schirme unter den Teppich zu kehren.

Der Neoliberalismus wird uns erhalten bleiben – als Technik des Selbst

kurz gefragt: Neoliberalismus + Subjekt = Risiko + Eigenverantwortung
Also: Ohne die Krise gab’s mehr Subjekt-Neoliberlismus. Und nun mit Krise dasselbe.
Wenn aber weniger Leute arbeiten müssen, dann haben sie mehr Zeit. Zeit, die sie nur nutzen, um weiter zu vereinzeln? Dagegen spricht das boomende Sozialleben zu Krisenzeiten.
Oder glaubst du, wir sind dem Hang zur „Ver-Eignung“ vollständig ausgeliefert?
Was ist mit Facebook, Communities .. etc? Auch neoliberale Verschwörung? Dann die Frage: was wäre denn eine Bewegung weg vom Neoliberalismus. Die alte SPD? Gewerkschaften? Lafontaine? Oder mehr à la Foucault: Freundschaft? Nur so .. oder gibt’s auch noch ein paar neuere Wege?