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Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit

Sonntag | 23.07.2017

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Letzte Kommentare

Rundfunk für alle

Kulturflatrate, was ist das? Gemeint ist sicher nicht die Subventionierung der Ware die sich längst gut verkauft. Leider geschieht genau das bei GEMA und GEZ. Das heisst alles, was oben im Long-tail der Quoten auftaucht, braucht keine Zwangsabgaben. Das Geschaeft uebernehmen die Privaten. Die Quote braucht also einen Schwellwert, ab dem statistisch und dynamisch zwischen Kulturgut und Ware unterschieden werden kann. Im Prinzip würde es der inhaltlichen Qualitaet nicht besonders schaden wenn auf Torrent-Portalen, die Top 100 der Blockbuster nur noch zum Verkauf angeboten werden.

Weiterhin deutet „Flatrate“ auf eine Abgabe hin die weder etwas mit Haushalten, noch Endgeraeten zu tun hat, sondern mit IP Traffic und Internetzugang. Aehnlich einer Benzinsteuer ist es recht schmerzlos mit den wachsenden Traffic progressive Abgaben pro Internetanschluss abzugreifen. Auf Print und Rundfunk focussierte Verwertungsgesellschaften aber auch das Rundfunkgebuehrenmodell sind mit Bedingungen des Internets strukturell ueberfordert.

http://www.facebook.com/editnote.php?draft&note_id=280120049989&id=705016676

Von vielen Stilen zuviele: Das Ende der feinen Unterschiede

wer einmal eine beliebige woche durch die berliner club kultur tingelt sieht viele der derzeit kursierenden kulturpessimistischen behauptungen schlicht nicht bestaetigt: in einem relativ engen gebiet der elektronischen tanzmusik das von branchenfremden gerne „elektro“ genannt wird. hat sich eine weltweit anerkannte und auch wirtschaftlich tragfaehige musikkultur entwickelt, die hochgradig ausdifferenziert ist und konstant genug liebhaber und kunden findet sodass sich davon eine vielzahl der beteiligten unternehmungen tragen kann, der bis in den etablierten kulturbetrieb reicht. einzelne partyserien, clubs, labels, djs, stile, blogs, netzradios und onlineplattformen bieten mehr als genug speziell zugeschnittene auswahl, die alles andere als beliebig ist, und ganz gut das abbildet was derzeit an elektronischer musik international relevant und gefragt ist.

das kann man fuer den bereich deutsche rockmusik, deutschen hiphop und importierten alternative rock leider nicht so recht behaupten, hier existiert kein wirklich lebendiges oekosystem (ausserhalb bestimmter oasen wie hamburg und grosser festivals im sommer). ohne label promotion und leitartikel in fachmagazinen und im radio und tv laeuft nichts. diese art von massenmedial angetriebenem mini-mainstream produktionen im stil der spaeten 80er und fruehen 90er jahre hat es eben recht schwer, denn im internet wird mehr und mehr entschieden was heute popkultur ist – auch wenn die auswahl manchmal verwirrdend sein mag.

spotify, last.fm haben immer wieder probleme den neuerscheinungen nachzukommen, itunes und pandora ohnehin. am ehesten findet man noch auf myspace und youtube ein paar aktuelle demotracks, doch nur ueber speziallaeden wie boomkat, zeroinch, hardwax oder beatport laesst sich der gehobene eigenbedarf decken, auch die rolle von branchenorientierten radios wie rinsefm oder subfm in uk ist nicht zu unterschaetzen. dieser grad an feiner ausdifferenzierung bei ueber jahre gleichbleibenden grundsound wird von rockmusik seit langem leider nicht erreicht. viele orientieren sich darum an klassischem backkatalog material, sprich oldies.
das heisst die musik ist weiterhin immer nur so gut/bloed wie seine kunden/user bzw. die medien und labels die sie vertreten.

Freies WLAN vor dem Aus: Keine Mittelklassefunksubvention in Berlin

es gibt eine reihe kommunaler wlan projekte. es gibt lobenswerte und unterstuetzenswerte recht innovative freie wlan netzwerke, kommerzielle wie cloud und t-mobile, es gibt kommerzielle sharing modelle wie fon. keines dieser projekte hat sich bisher wirklich als erfolgsprinzip technisch durchsetzen koennen. mir ist keine grosstadt bekannt in der ein flaechendeckendes wlan netz problemlos einsatzfaehig waere. ja nicht einmal ein flughafen an dem das „einfach“ fer alle funktionieren wuerde. vermutlich sind die investitionen in 3G frequenzen noch nicht komplett abgeschrieben, jedenfalls ist heute das UMTS netz fuer die meissten guenstiger und problemloser einsetzbar als kommunales WLAN. die technik hat sich nicht durchsetzen koennen, ebenso wie WIMAX. dagegen ist die liste der gescheiterten projekte lang und das schon seit jahren. wider besseres wissen wurde in berlin trotzdem lobbyarbeit betrieben, die nun gescheitert ist. schade, man haette gleich in freifunk investieren sollen.

Abendblatt.de: Die Paid-Content-Schranke hat eine Google-Hintertür

kicher. bei dieser entscheidung haben wohl gewisse substanzen die blut-hirnschranke in den redaktionshirnen im abendblatt ueberwunden. es ist keine hintertuer sondern ein effektives auslagern des first clicks auf die google server. durch das der-erste-click-ist-frei-modell konditioniert sich schnell ein nutzer pattern das es moeglichst darauf anlegt nicht auf den zeitungswebsites zu landen, bzw. schnell beim ersten lesen abspeichern und dann forwarden, wie bei der NYT. im endeffekt wissen die user dann langfristig dass sie besser bei aggregatoren nachschauen, und in den archiven der zeitungen in der bezahl-falle-stecken.

Future Shock: Wo sind die Debatten zur Zukunft?

diese scenarien klingen doch sehr hausbacken, fantasielos und technikglaeubig. irgendwo abgeschrieben wahrscheinlich.

im bereich humanmedizin, pharmazie, viriologie, experimentellen physik, finanzmathematik, nichtletalen waffentechnik, breitbandtechnik, verhaltenspsycholgie und hirnforschung gibt es doch wesentlich brisanteres und spannenderes zu finden.

Wenn Nullen Summe ziehen

gerade nochmal reingelesen. die unerträglichkeit des geschreibsels von don alfonso hat viel mit der unerfreulichkeit des objekt seiner studien gemeinsam. er kommt zwar nicht an die brillianz eines thomas bernhard oder die penetranz eines florian illyes heran, aber die dumpfheit der westdeutschen saturierten mittelschichten denen er durch diffuse ironie zu entkommen versucht wird doch zumindest auf symptomatisch unkonsequente weise transportiert.

Neues Gebührenmodell: Internetnutzer sollen GEZ-Vollzahler werden

GEZ, GEMA, GVL sollten in ein Kulturflatratemodell uebergehen. Der neue Rundfunkstaatsvertrag schraenkt ohnehin die Moeglichkeiten der Onlineaktivitaeten empfindlich ein. Und wo bleiben die Archive? Die kleinstaatliche Wegelagerei hat keine Zukunft im Netz, besser waere das gleich auf EU Ebene zu koordinieren und auch hier mit der Diskussion und Lobbyarbeit anzusetzen.

Meinungsstreit auf dem Niveau des Duells

ein kuemmerlicher anblick wie hier auf regierungsebene verschlafen wird, wie
sehr die „gratismentalitaet“ der netzkultur laengst mit der restkultur verwoben
ist. die administrative intelligenz, die auf der ebene der bundesnetzagentur
moeglich war, waere auf den bereich der kulturindustrie anzuwenden.
urheberrecht, rundfunkabgaben und verwertungsgesellschaften schaffen ein
dickicht an sonderregelungen, nationalen ausnahmen und unrentablen
volkswirtschaftlichen transaktionskosten die auf einen neuen nenner zu bringen
sind: kulturflatrate. um in der schwarz-gelben rethorik zu bleiben: nur im
interesse der grossverlage und aussterbenden wirtschaftszweige zu argumentieren
schafft keine innovation und konkurrenzfaehigen standorte. ein kulturminister
der sich fuer die medien zustaendig sieht sollte nicht zum zoodirektor
verkommen.

Mathias und seine Meisterin Arianna

interessant dass nun der „elephant im raum“ der new economy evangelisten nun von Springer beim namen genannt wird: „web communism“.

„its simply wrong to think that in the web world everything has to be offered for free. i think this theory, that only a free access to information is i have to admit one of the most absurd theories that i heard, its a very late intellectual outcomes of web communists. only if every is for free it’s democratic, i mean how absurd,is it more democratic to go to a supermarket to get a can of beer for free? yes i would prefer i would admit. but if this is a fundament for democracy i would radically disagree. “

http://www.youtube.com/watch?v=ar6pCxwtUBk#t=17m30s

als grundlage der demokratie kann wohl weiterhin das grundgesetz gelten, besonders die interpretation der fuer jeden „frei zugänglichen quellen“.

Grundgesetz: Artikel 5.
(1) [1] Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. [2] Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. [3] Eine Zensur findet nicht statt.

http://lexetius.com/GG/5

es wird vielleicht zeit die enkel adenauers mal beim wort zu nehmen, statt eine neue ideologische hexenjagd vorzubereiten. trotzdem das thema digitaler kommunismus im herz der „neuen oekonomie“ verspricht spannend zu werden in zeiten einer globalen wirtschaftskrise.