Robin Meyer-Lucht

Kostenlos-Kultur ≠ Urheberrechtsverletzung: 10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten

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Die Debatte um Internet und Urheberrecht zeigt vor allem eines: den Unwillen weiter Teile des Führungspersonals hierzulande, sich auf die neue Wissensökonomie des Internets einzulassen. Statt zu gestalten wird gezetert. Dabei kann das Urheberrecht allein die alten Institutionen nicht retten.

27.04.2009 | 

Das Unbehagen über das Internet ist in offene Wutausbrüche umgeschlagen:

Am Donnerstag schimpfte Susanne Gaschke auf der Titelseite der ZEIT, dass “die Umsonst-Mentalität des Netzes die Produktionsbedingungen von Kultur, Wissenschaft und Journalismus bedroht”. Sie fordert von-der-Leyen-Stoppschilder zur Durchsetzung des Urheberrechts — um “intellektuelle Finsternis” zu verhindern.

Am Samstag echauffierte sich Sandra Kegel auf der Titelseite der F.A.Z. über die “zutiefst kunst- und geistesfeindliche Haltung” des Internets. Die “Texträuber” im Internet würden sich dem “copy und pay” verschließen und seien somit “Parasiten”. In der gleichen Ausgabe durfte Roland Reuß noch einmal erklären, warum “die Nötigung zum digitalen Publizieren” unsere Kultur gefährdet.

Hier ist tatsächlich ein Kampf der Kulturen ausgebrochen: Ralf Bendrath möchte sich auf Netzpolitik.org die “immer weiter verbreiteten Kulturtechniken” nicht verbieten lassen und mahnt, “die technisch bedingte Nachhaltigkeit unserer Demokratie” nicht zu gefährden.

Marcel Weiß verliert so langsam die Geduld: “Deutschland ist in keinster Weise auf die umwälzenden Änderungen durch das Netz vorbereitet.”

Die Debatte zeigt tatsächlich vor allem eines: den Unwillen, sich auf die neue Wissensökonomie des Netzes einzulassen. Statt zu gestalten zetern die Vertreter der alten Medienelite. Dabei kann auch das Urheberrecht ihre alten Positionen nicht retten.

Hier 10 Thesen von mir zu dieser Debatte:

1. Das Kernproblem vieler Medienunternehmen ist die technologisch und ökonomisch bedingte Erosion ihrer Positionen in Markt und Gesellschaft. Ihre angestammten Oligopole  schmelzen dahin. Vor allem der technologisch erweiterte Wettbewerb um Leser und Anzeigengelder, die neue Vielfalt der Wissensproduktion, bedrängen die alten Institutionen, etwa die journalistischen Verlage — nicht grassierende Urheberrechtsverletzungen.

2. Mit dem Netz steht eine neue Infrastruktur für eine neue Wissensökonomie bereit, der sich die klassischen Eliten in diesem Land mit großer Geste verschließen. Statt die neue Ordnung zu gestalten, pochen sie auf ihre klassischen Geschäftsmodelle. Die Forderungen um das Urheberrecht stehen hier vor allem auch für den legalistischen Versuch, die alte Ordnung ins neue Medium zu übertragen. Dies muss aber aufgrund des neuen Wettbewerbs und der neuen technologischen Basis misslingen.

3. Das Internet gefährdet unsere Kultur? Na sicher, und das ist auch gut so. Unsere bisherige Kultur ist nicht das Ergebnis einer höheren Vorsehung, kein normativer Fixpunkt, sondern lediglich die nach den bisherigen technologischen Mitteln beste Antwort auf die Fragen und Ansprüche der Gesellschaft. Die bisherige Medien- und Wissensordnung ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Dies zeigt das Verhalten vieler Nutzer, die sich nun mit Wonne im Netz von ihr verabschieden.

4. Die “Kostenlos-Kultur” des Internets ist Ausdruck dieser neuen Wettbewerbs- und Technologie-Verhältnisse. Dabei sind viele der Inhalte nicht kostenlos, sondern werbefinanziert. Die Werbefinanzierung wiederum wird (neben Makrozahlungen, wenn sich die Modelle denn durchsetzen) der dominante Finanzierungsmodus der Inhalte-Industrie im Netz sein: Zeitungen, Bücher, Musikindustrie — sie alle werden im Netz nach dem Modell des (Kabel-)Fernsehens funktionieren.

5. Es ist hochgradig peinlich, wie die Qualitätspresse sich hier zu Verklärern in eigener Sache machen lässt: Gaschke trennt nicht zwischen Kostenlos-Kultur und Urheberrechtsverletzungen. Kegel macht die Pirate Bay-Betreiber kurzerhand zu “Texträubern”, obwohl dies ganz sicher keine Hauptanwendung ihres Angebots ist. Statt zu differenzieren wird hier zur eigenen Selbstvergewisserung in der Krise grob verallgemeinert.

6. Die Adaptionsverweigerung der Medieneliten in Deutschland wird langsam zum Problem. Dieses Land befindet sich in einem Ideenwettbewerb mit anderen Kulturen, was man eigentlich mit dem Netz anfangen kann. Hierzulande wird aber lieber über Google gemeckert als überlegt, in welchen Segmenten man Google herausfordern kann. So ist man tatsächlich nicht für die Veränderungen gerüstet.

7. Es gibt kein Recht auf die völlige Ignoranz neuer technologischer Mittel und die Nutzung überkommener Geschäftsmodelle: Die Medienindustrie ignoriert weite Teile der technologischen Potenziale des Internets, weil sie nicht zu ihrem Geschäftsmodell passen — etwa die Möglichkeit, Kinofilm-Premieren zugleich auch im Netz stattfinden zu lassen. Wer sich dem neuen Medium derart verweigert, ist an der Misere auch selbst schuld. Das einzig wirklich Erfolg versprechende Mittel gegen massenhafte Urheberrechtsverletzungen sind legale Angebote, die besser und bequemer sind als die der Piraten.

8. Das Urheberrecht muss in der Tat im Netz verstärkt geschützt werden. Produzenten haben ein Recht darauf zu entscheiden, wann und zu welchem Preis sie ihr Werk veröffentlichen. Das uneingeschränkte Herunterladen von Musik und Filmen hat nichts mit einer “technisch bedingten Nachhaltigkeit unserer Demokratie” zu tun. Hier wird zusammengerührt, was nicht zusammen gehört. In einer sozialen Marktwirtschaft ist jeder auch für die externen Effekte seines Handelns verantwortlich. Das gilt nicht nur für Banker, sondern auch für Downloader.

9. In der neuen Wissensökonomie des Internets wird die nicht- oder teilkommerzielle Produktion von Inhalten ein sehr viel größeres Gewicht haben. Daher handelt es sich hier auch um einen Kampf zwischen zwei Modi der Kulturproduktion: Zwischen kommerzieller und nichtkommerzieller Inhalteproduktion — und ihren unterschiedlichen Produktionsvoraussetzungen.

10. Das Schlimme an dieser Internet-Debatte ist der insgesamt strukturkonservative Impuls weiter Teile der Wissensindustrie in diesem Land. Die Sache folgt einem normativ-autoritären Impuls, der leider verkennt, dass am Ende der Nutzer entscheidet, in welcher Medienwelt er leben möchte.

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55 Kommentare

  1. Tobias Schwarz |  27.04.2009 | 07:58 | permalink  

    Das Problem mit #8 ist, daß das eben nicht isoliert zu haben ist, so ist das halt mit dem Informationsparadoxon: Wenn man physisch verlorengegangene Ausschließbarkeit (und damit Handelsbarkeit) institutionell und technisch wieder einbauen will, verringert man zum einen absurderweise den Wert der zu handeln beabsichtigten Information gegenüber der ungeschützten Information, denn die geschützte ist ja weniger bequem zu nutzen (Apple/DRM), und zum anderen müßte die Gesellschaft bereit sein, die Kosten für soziale und technische Kontrolle und Verzicht auf positive externe Effekte zu tragen, nur um das Funktionierens der “unsichtbaren Hand” unter Bedingungen zu simulieren, von denen Adam Smith nun wirklich nichts ahnen konnte. Brad DeLong aus Berkeley hat das vor langer, langer Zeit schon mal vorgedacht…

    http://econ161.berkeley.edu/oped/virtual/technet/spmicro.html

  2. 6 vor 9: Ringier, Kerner, 20 Minuten » medienlese.com |  27.04.2009 | 08:55 | permalink  

    [...] 2. “10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten” (carta.info, Robin Meyer-Lucht) “Die Debatte um Internet und Urheberrecht zeigt vor allem eines: den Unwillen weiter Teile des Führungspersonals hierzulande, sich auf die neue Wissensökonomie des Internets einzulassen. Statt zu gestalten wird gezetert.” [...]

  3. Matthias Spielkamp |  27.04.2009 | 09:14 | permalink  

    Robin,
    den Artikel habe ich bisher nur überflogen, aber zur Einseitigkeit der FAZ-Berichterstattung habe ich mich gerade erst geäußert: Wie die FAZ Pamela Samuelson verwurstet. Oder: Reim dich, oder ich schlag dich – http://immateriblog.de/?p=520. Bei Kegel scheint es offensichtlich, dass sie einfach keine Ahnung hat, aber die Massivität, mit der die FAZ hier vorgeht, ist schon verwunderlich.

  4. ralf schwartz |  27.04.2009 | 09:43 | permalink  

    Hallo Robin, folge Dir grundsätzlich, möchte nur Deinen Schlußsatz (“…dass am Ende der Nutzer entscheidet, in welcher Medienwelt er leben möchte.”) relativieren, denn genau das wird in diesem Moment massiv be- wenn nicht gar ver-hindert.
    Die Entscheider in Wirtschaft und Politik fühlen sich und ihre Macht massiv vom Internet bedroht. Immer noch nicht können sie mit der Freiheit des Menschen, sei er Konsument oder Bürger, umgehen. Immer noch macht sie ihnen Angst.
    Freiheit ist für sie nichts Positives. Freie, selbstständige Menschen sind in den Augen der Wirtschaft unberechen-, unplanbar. Freie, selbstständige Menschen sind in den Augen der Politik unregierbar – vor allem benötigen diese dann keine Hilfe, keine Lenkung mehr. Die Politik würde überflüssig, meint die Politik.
    Dabei wäre das die größte Leistung der Politik: der freie Mensch, der ständig über sich hinauswächst, der nicht mehr Angst haben muß, sondern frei, kreativ, innovativ die Dinge angeht, die größer sind als er selbst und so seinen und unser aller (auch den der Politik und Wirtschaft) Wohlstand mehrt!

  5. Malte Herwig |  27.04.2009 | 10:20 | permalink  

    Sicher: Bei der Kritik traditioneller Medien an der Kostenlos-Kultur im Internet geht es auch um Besitzstandswahrung. Aber der entscheidende Punkt ist doch der: womit verdient man als Journalist seinen Unterhalt, wenn man für seine Artikel und Recherchen nicht mit barer Münze bezahlt wird? Ich hätte kein Problem damit, exklusiv im Internet zu publizieren, wenn ich a) So viele meiner Leser/innen erreiche wie über die Holzmedien und b) Meine Artikel entsprechend honoriert werden, so dass ich Rechercheaufwand und Lebenshaltungskosten finanzieren kann. Qualität ist exklusiv und damit teuer. Wer einen Qualitätsblog nebenbei als Hobby betreibt, hat – so verdienstvoll das ist – noch keine Antwort auf die wirtschaftliche Zukunft des Journalismus gefunden.

  6. jan |  27.04.2009 | 10:27 | permalink  

    mir kommt es so vor, als hätten sie den artikel von susanne gaschke vorsätzlich falsch verstanden. kernpunkt ihrer ausführungen waren ja urheberrechtsverletzungen in der literatur, als aktueller aufhänger wurde dazu der pirate-bay-prozess genannt. es ging nur in ein oder zwei nebensätzen um den journalismus.

    ich denke, da muss man auch trennen: auf der einen seite die medienbetriebe, deren versagen in den vergangenen 15 jahren mehr als offensichtlich ist. hier gebe ich ihnen durchgehend recht. was aber die kunst betrifft, liegen die dinge etwas anders: im gegensatz zur in rheuma versteinerten tageszeitung wird das buch (in reinertextform, gedruckt oder als e-book) auch in 5, 15 oder 25 jahren relevanz im kulturellen diskurs haben. das liegt auch daran, dass in büchern anders kommuniziert wird als in journalistischen produkten. gaschke hat recht, wenn sie sagt, dass der mühsame produktionsprozess von literatur momentan ohnehin schon lausig vergolten wird. wer schützt die autoren davor, dass die margen durch piraterie noch geringer werden? hier muss ein neues bewusstsein her.

  7. Kai Schächtele |  27.04.2009 | 10:35 | permalink  

    Es stimmt ja, viele Vertreter des alten Medienzeitalters tun sich sehr schwer, die Gesetzmäßigkeiten des neuen zu erkennen und sie für sich nutzbar zu machen. Es sind aber nicht nur manche Kreative und ihre vermeintlichen Advokaten, die zetern. Die Verfechter der Öffnung aller Schleusen zetern munter mit.

    Beim taz-Kongress etwa am vorvergangenen Wochenende ging es in einem Panel um die Veränderungen, die angesichts von E-book und Kindle auf die Buchbranche zukommen werden. Ein Verfechter der schrankenlosen Verbreitung allen Wissens sagte: “Viele Autoren könnten ja langsam auf die Idee kommen: ,Hartz IV und Wohngeld ist auch nicht viel weniger als das, was ich im Moment verdiene.` Und dann könnten sie ihre Arbeiten kostenlos ins Netz stellen und alle hätten etwas davon.”

    Abgesehen davon, dass die dahinter stehende Haltung auf einem kuriosen Verständnis des Solidarprinzips fußt, zeigt eine solche Aussage: Wir kommen in dieser Debatte nur weiter, wenn die Vordenker aus beiden Welten gemeinsam daran arbeiten, den Ansprüchen der Nutzer und Netzkulturellen genauso gerecht zu werden wie den ökonomischen Notwendigkeiten der Kreativen.

    Aber dafür liefert der obige Beitrag ja eine gute Grundlage.

  8. Modernisierungsversagen der Medieneliten « Wir sprechen Online. |  27.04.2009 | 10:44 | permalink  

    [...] (3), Web (960), Zeitungen (26) Carta: 10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten; http://tr.im/jNhB   [...]

  9. Silverdome |  27.04.2009 | 10:47 | permalink  

    Das Urheberrecht wirds nicht richten? – Wie leicht sich sowas sagt. Und ist dabei doch der Knackpunkt. Das Urheberrecht wird nämlich sehr wohl richten, und zwar nur das Urhebererrecht. Und das ist “gestalten”; allerdings nicht als Enteignungs-, also rechtsfreie Ideologie. Der Wind dreht sich. Die Rechtsexperten fast aller grossen Parteien haben sich am Wochenende zum “Heidelberg Appell” positiv geäußert.

  10. Tom |  27.04.2009 | 11:14 | permalink  

  11. Wittkewitz |  27.04.2009 | 14:01 | permalink  

    Viele Autoren, die sich bei diesem Thema zu Wort melden können ja noch nicht einmal Urheberpersönlichkeitsrechte und Leistungsschutzrechte voneinander trennen bzw. die einzelnen ständig wachsenden Verwertungsarten qualifizieren. Die Krakeeler bei ZEIT und FAZ dokumentieren sehr gut die Recherchetiefe dieser Zeitungen, die ich selber vor 10 Jahren hin und wieder selber noch gerne las. Dass der Werbekuchen nicht mit der Zahl der vielen Zeitungen, Magazine und Zeitschriften mitgewachsen ist, ist vielen klar. Dass diese neuen Angebote zum großen Teil auf der Grundlage professioneller Zuarbeiten vieler PR-Autoren/Agenturen basiert ist ja auch bei Print und Rundfunk offenbar. Von daher ist es nur natürlich, dass die Krähen nicht auf den anderen Krähen rumhacken sondern auf den eingeschleppten exotischen Tieren aus dem Ausland (Blogger), scheint auch kein Ausdruck gesteigerter mentaler Leistungsfähigkeit zu beruhen.

    Es ist sehr bezeichnend, dass es weiterhin sehr erfolgreiche Printprodukte gibt, die sich kaum in dieser Weise einlassen.

    Tun wir es wie diese und verfolgen wir doch lieber spannende Themen und nicht weiter die Nabelschau von diesen verzogenen Gören…

  12. Naive |  27.04.2009 | 14:56 | permalink  

    @Wittkewitz: warum schreiben sowas immer Leute, die im Netz geloost haben? Waren Sie auch ähnlich sicher, als Sie noch für verity die PR machten?

  13. Wittkewitz |  27.04.2009 | 15:21 | permalink  

    @Naive

    Da sie Anoym bleiben kann ich leider nicht auf Ihre fehlenden Argumente eingehen. Aber Sie können mir gerne per PM Ihre Einlassungen zusenden, dann kann ich detaillietr antworten, wo ich bei Verity sicher war, als ich für die vier Jahre lang die PR verantwortete. Leider kann ich aufgrund des Zeitraums nicht mehr jede PI oder Aussage auf einer Pressekonferenz oder Pressetour erinnern, aber sie werden mir sicher auf die Sprünge helfen.

    Was genau meinen Sie mit im Netz loosen? Können Sie dieses argumentum ad hominem qualifizieren oder soll das einfach mal so eine globale Aussage sein, die Sie schon immer mal loswerden wollten. Dann kann ich dazu nichts sagen, weil ich zuwenig tiefenpsychologisches Vorwissen habe und mich Ihre Kindheit auch wenig interessiert.

    Wenn Sie schon schießen, dann bitte ich etwas genauer zu treffen oder zumindest ein wenig zielen. Es wirkt sonst etwas unmotiviert?

  14. Gisela Schmalz |  27.04.2009 | 16:03 | permalink  

    Ja, hoffentlich: “der Nutzer entscheidet, in welcher Medienwelt er leben möchte”

    Hier die 30 Thesen meinerseits, auf die hier offenbar auch referiert wurde : http://yeseconomy.net/.

  15. steffino |  27.04.2009 | 16:19 | permalink  

    »über die “zutiefst kunst- und geistesfeindliche Haltung” des Internets«

    google ist nicht das internet.

  16. Robin Meyer-Lucht |  27.04.2009 | 16:37 | permalink  

    @ Tobias Schwarz: In der Tat geht es um die Frage, welche gestellschaftlichen Kosten höher sind – die zur Stärkung des Urheberrechts oder die Kollateralschäden einer verstärkten Kontrolle. Ich tendiere hier zum Mitelweg.

    @ Jan: Ich hoffe, ich habe Gaschke nicht falsch verstanden. Sie wirft Kultur, Wissenschaft und Journalismus in den gleichen Urheberrechtsproblem-Topf. Sie übersieht dabei, dass alle drei völlig andere Probleme haben, die das Urheberrecht nur teilweise zu lösen vermag.
    Auch die Literatur muss sich fragen, wie sie die Potenziale des Internets für sich zu nutzen gedenkt, anstatt nur darauf zu pochen, dass Books einfach nur eBooks werden.

    @ Kai Schächtele: Ich denke auch, beide Extrempositionen bringen uns nicht weiter.

    @ Malte Herwig: Sie stellen die Frage: Wie kann ich das Alte im Neuen errichten, oder?

    @ Silverdome: Das Urheberrecht allein wird es nicht richten….

    @ Tom: Die Frage erübrigt sich ja wohl…

  17. Robin Meyer-Lucht |  27.04.2009 | 16:40 | permalink  

    @ Steffino: “was da und anderorts online geplant wird”

  18. OlafKolbrueck |  27.04.2009 | 16:52 | permalink  

    Verlage erinnern derzeit ein wenig an den jungen Goethe, der über die Raubdrucke des Werthers zunächst erfreut war und sich dann später mühselig das Copyright von den einzelnen deutschen Staaten zurückholte.

    Ähnlich mühen sich die Verlage nun, die mit Blick auf Reichweite selbst mitbefeuerte Kostenloskultur wieder in die Flasche zu bekommen. Rechtsbehelfe über Leistungschutzrechte sind da nur ein holpriger Weg aus der Krise, der ausgerechnet von den neoliberalen Freunden eines offenen Marktes skizziert wird.

    Der Kostenloskultur lässt sich in der Tat nur durch bessere und convenientere Lösungen begegnen, die preis-würdig sind. Eigenartiger Weise denken sich die Verlage wie weiland auch die Musikindustrie zunächst einen Markt, um dann den passenden Kunden dafür zu finden, anstatt den Kunden zu folgen und den Markt danach auszurichten. Wer das nicht schafft, wird auch von keiner Pay-Wall und keiner Gema gerettet.

  19. Jeeves |  27.04.2009 | 16:58 | permalink  

    Mir kommt’s vor als ob:
    die, denen nix geklaut wird, die aber selbst gerne kostenlos Musik, Fotos und Texte aus dem Internet ziehen —> dass die gegen das Urheber-Recht sind, und Ihr kostenloses Bedienen als “Freiheit” deklarieren
    und
    alle, die geschädigt sind, also bestohlen werden, —> für das Urheber-Recht sind, denn sie müssen davon leben.
    Ich bin auf der Seite der Urheber.

  20. Robin Meyer-Lucht |  27.04.2009 | 17:11 | permalink  

    @ Jeeves: Ich habe versucht, das mit der Unterscheidung zwischen kommerzieller und nichtkommerzieller Produktion aufzudröseln. Es gibt im Netz viele, die ohne Bedürfnis nach direkter Refinanzierung publizieren — und denen dann eher wichtig ist, dass sie günstig an das Ausgangsmaterial herankommen. Auf der anderen Seite stehen die, denen vor allem wichtig ist, dass ihre Kreativität auch eine finanzielle Grundlage hat.

    Letztere sollten aber nicht glauben, dass allein die fehlende Durchsetzung des Urheberrechts ihr Problem ist. Es besteht mindestens genauso darin, sich im Netz nicht neu erfinden zu wollen.

    gruss,

    rml

  21. Klaus Graf |  27.04.2009 | 17:23 | permalink  

    Nur These 8 ist daneben: http://archiv.twoday.net/stories/5668847/

    Wir müssen weg von einer Kultur der Monopolgewinne, die z.B. auf dem Feld der Patente zur weltweiten Verelendung beiträgt. Wenn Menschen sich hinsichtlich des “geistigen Eigentums” Dinge nehmen, die sie sich ohnehin hätten nicht leisten können, ist das hierzulande eine Straftat, in den ärmsten Ländern aber schlicht Notwehr.

  22. Wittkewitz |  27.04.2009 | 17:31 | permalink  

    Es geht ja weniger um Urheberechte als um tragende Geschäftsmodelle, auch honoriert werden. Dabei spielt die angepeilte Zielgruppe eine ebenso große Rolle wie die Nutzung der besonderen Möglichkeiten des Web. Es hat schon einen Grund, warum Google und Amazon erfolgreicher sind als andere. Und man kann nicht behaupten, es seien besonders begüterte Gründer gewesen, die mit einem großen Polster im Rücken ein Geschäftsmodell langsam aufbauten. Die Investoren kamen erst nach und nach. Bei Twitter wird das Ganze schon spannender. Die etlichen Parallelen zur Musikbranche sind hier nur zum Teil bereits realistisch, da es wenig kommerzielle Aufführungspraxis von Autoren oder Künstlern gibt, die Texte in Festivals vortragen. Aber vielleicht ist genau das das Problem der Textwerker. Die Komponisten lassen sich jedes Aufführen bezahlen, die Musiker lassen sich jedes Darstellen bezahlen und die Autoren sind so dumm, alle denkbaren Verwertungen in die Hände der druckmaschinenbesitzenden Oligarchen zu legen. Sie krakeelen sogar in deren Namen ohne sich darüber klar zu werden, dass Ihr Ansprechpartner die Leser (Musikliebhaber/Fans) sind.

    Es wird wohl Zeit, zu verstehen, dass Content nicht mehr an Papier gebunden ist. Leider sind die Autoren bisher wenig bereit ihre Leser zu suchen (außer den Bloggern). Da erscheint es einfach nach Vater Staat und seinen Gesetzen zu rufen. Diese Diskussion verklärt aber die eigentliche Aufgabe, selber den Arsch hoch zu bekommen und seine Autorenschaft in Geld zu verwandeln – vielleicht gibt es ja bald jamendo für Autoren…Zarte Anfänge gibt es ja schon.

  23. Gummig |  27.04.2009 | 18:36 | permalink  

    Guten Abend,

    sonst nicht meine Art oder mein Metier, aber dennoch ein paar kurze Kommentare zu Ihren Thesen:

    1. Richtig. Aber diese Institutionen konnten auch nur deshalb wirtschaftlich abgesichert arbeiten und damit Arbeitsplätze bewahren, weil sie sich auf einen Schutz der von ihnen geschaffenen gewerrblichen Schutzrechte verlassen konnten. Das dies jetzt erodiert, ist ein Fakt, aber keiner, der Grund zum Jubeln gibt.

    2.

    Falsch. Die Regeln der Ökonomie werden durch das Netz nicht verändert. Am Ende müssen Erträge stehen, die allen Beteiligten – ob natürliche oder juristische Personen – angemessene Vergütung bieten. Dies muss jede neue Ordnung auch in Zukunft sicherstellen. Das mag ohne Schutz des Urheberrechts gelingen – aber derzeit sind solche alternativen Szenarien schlicht nicht sichtbar. Und das ist ganz unabhängig davon, ob eine “klassische Elite” dies moniert oder nicht. Derart tendentiöse Argumetation dient der Sache nicht.

    3.
    Unentschieden. Der Wert ganz großer Teile der im Internet veröffentlichten Beiträge ist eher zweifelhaft; selten kann das Niveau kommerziell finanzierter oder öffentlich geförderter Werke aus Wissenschaft oder Kultur erreicht werden. Auch wenn sich die “Netzelite” noch so wichtig nimmt.

    4.
    Theoretisch ja. Praktisch sehr fraglich. Mikro-Payment ist seit 15 Jahren eine Totgeburt, und Werbung nicht das Allheilmittel, schon mangels Masse. Inzwischen müssen alle Beteiligten Miete zahlen, ihre Kinder zur Schule schicken und Altersvorsorge betreiben. Also eher eine romantische Vorstellung.

    5. Richtig. Jedenfalls, was die Rhetorik betrifft. Feinziselierte Lösungen werden aber nicht helfen – zu schnell und zu grob sind die Veränderungen.

    6.
    Falsch. Es sind nicht die hier schon mehrfach gescholtenen “Eliten”, denen man Versagen vorwerfen muss, sondern dem Versäumnis, solche Eliten zu fördern. Google wurde nämlich nicht von Absolventen einer Gesamtschule in Kreuzberg, sondern von Eliteuniversitäten in Kalifornien gegründet und betrieben, und genau solcher Kompetenzen bedarf es, wenn man hier Paroli bieten möchte (und amerikanischem Unternehmergeist, wo wir schon dabei sind).

    7. Reine Rhetorik, sorry, und längst bekannt. Leider nur theoretisch richtig.

    8. Richtig. Übrigens ein gutes Argument für das Pirate-Bay-Urteil. Und “Veranwortung” ist immer eine feine Sache.

    9. Mag sein. Zum Thema Mieten, Schulkinder, Altersvorsorge siehe oben. Aber veilleicht erlebt ja das Mäzenatentum eine Renaissance.

    10. Genau. Weil das Leben ja auch ein Wunschkonzert ist. Vielleicht ja auch ein Modell für andere Industrien. Hat das eigentlich schon jemand den OPEL-Mitarbeitern verraten?

    Beste Grüße

    CG

  24. Robin Meyer-Lucht |  27.04.2009 | 18:47 | permalink  

    @ Klaus Graf: Also http://archiv.twoday.net/stories/5668847/ scheint mir ein Beispiel für Klärungsbedarf in Sachen faires Zitieren…..

    Zum Thema “Notwehr” und arme Länder: http://www.nytimes.com/2009/04/27/technology/start-ups/27global.html?ref=technology

  25. Robin Meyer-Lucht |  27.04.2009 | 18:50 | permalink  

    @CG: Das “Versäumnis, solche Eliten zu fördern” finde ich einen sehr guten und wichtigen Hinweis.

    “Google wurde nämlich nicht von Absolventen einer Gesamtschule in Kreuzberg, sondern von Eliteuniversitäten in Kalifornien gegründet” werde ich mir merken.

  26. Kosumentenethik und das Internet | Björn Sievers |  27.04.2009 | 19:03 | permalink  

    [...] trauriger ist, was Robin-Meyer-Lucht formuliert: Das Schlimme an dieser Internet-Debatte ist der insgesamt strukturkonservative Impuls weiter Teile [...]

  27. Wittkewitz |  27.04.2009 | 19:10 | permalink  

    @grummig
    zu1) Nein, weil es vor dem Web schlicht keinen Content gab sondern als Produkt nur Buch, Zeitung oder Rundfunk. Der Autor war schlicht nie Marktteilnehmer sondern nur der Verbreiter/Vervielfältiger.

    zu2) Social Commerce beispielweise ist eben eine neue Art Ökonomie zu betreiben (cluetrain maifesto), die extrem profitabel ist, wenn man sie beherrscht. Viele Verlage beherrschen sie nicht.

    zu3) Ich kann den meisten frisierten Artikeln in den teuren großen Fachwissenschaftlichen Magazinen auch nicht soviel abgewinnen. Qualität hängt mitnichten mit großen Verlagen zusammen, Profitabilität schon gar nicht – siehe Springer Science… Aber schön, dass Sie den terminus öffentlich geförderter Studien und wissenschaftl. Arbeiten anbringen. Da sind wir dann ganz nahe an open access.

    zu4) Werbung ist ein Spiegel der Konjunktur. Wir sehen das gerade wieder. Es besteht also kein Anlass Werbung grundsätzlich infrage zu stellen. Mikropayment wird immer da funktionieren, wo es ein Angebot gibt, dass auf eine Nachfrage trifft. Es ist allerdings war, dass das Abschreiben amerikanischer Blogs kein Angebot darstellt und insofern kein Geschäftsmodell darstellen kann. Das lernen viele deutsche Blogs/Webangebote sehr sehr sehr langsam. Aber wenn es ein Unternehmertum geben würde, und die Parteien tun aktuell alles dagegen, dann könnte es sehr schnell klappen.

    zu5) Im Gegenteil die Veränderung gehen sehr langsam, weil erst die potenziellen Kunden sie realisieren müssen. Es nützt nix, wenn innovative Konzepte auf wenig experimentierfreudige Nutzer treffen.

    zu6) Machen wir uns nix vor, jedes Jahr entlässt China und Indien zusammen soviele Absolventen von Unis wie wir Arbeitslose haben. Der Zug ist einfach schon längst weg

    zu 7) Es ist keine Rhetorik aber es ist auch nicht ganz richtig. Es ist einfach nicht mehr möglich, Herrscher der Druckereien zu spielen und damit eine Marktmacht auszuüben. Das Primat der wenigen Verlage und Kanaäle gilt nur noch für eine Generation, dann ist Schluß. Wer in 5 Jahren den Distributionskanal Web nicht ausgebaut hat für seine Produkte braucht gar nicht mehr teilzunehmen an der Globalisierung der Märkte. Mikropayment und Piratebay hin oder her. Es steht und fällt mit dem Geschäftsmodell und dem Angebot. Wenn beides nicht am Markt entwickelt wird ist Schluß. Das heißt, der Kunde entwickelt entweder mit oder der Anbeiter verschwindet..

    zu 8)Ich kann nicht erkennen ob mit den Produzenten auch die Autoren/Komponisten etc. gemeint sind. In jedem Fall ist das Schützen eine technische Angelegenheit die außerhalb von DRM stattfindet. Wer will kann ja walled gardens aufziehen und schauen was passiert. Ich denke es geht bei dieser technischen Angelegenheit eher um Zusatzdienste, die eben nicht jeder braucht. Inhalt zu verstecken macht sie nicht nutzwertiger…

    zu9) Kultur bedeutet Pflege. Es gibt schlicht keine Kulturproduktion sondern nur eine Produktion von Waren oder Dienstleistungen. Viele können beides im Netz nicht unterscheiden. Das ist nicht der Fehler des Internet. Ich denke es geht eher um Glaubwürdigkeit als um Kommerzialisierung. Früher waren Massenmedien glaubwürdiger und deshalb wurde für ihre Ware bezahlt. Dann erhoben sie den Anspruch Dienstleister zu sein und boten Mehrwertdienste an, die wenig Mehrwerte boten aber nahe an PR waren. Heute hat genau dies ihre Geschäftsgrundlage zerstört und sie wundern sich wie das kam. Schauen Sie sich dpa und news aktuell an und die Entwicklungen im Web. Genau dieselbe Entwicklung machen jetzt alle Kunden der dpa durch.

    zu10) An dieser Stelle ist wieder Zeit für die radikale Verhinderung von Unternehmertum in Deutschland durch Banken und Politik durch idellen und sturkturellen Bunkerbau seit Jahrzehnten.

  28. lutzland.blog » Heidelberger Apell & Co |  27.04.2009 | 19:38 | permalink  

    [...] Emofehlenswert vor diesem Hintergrund die Lektüre von “Kostenlos-Kultur ? Urheberrechtsverletzung: 10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medi…. [...]

  29. Malte Herwig |  27.04.2009 | 20:46 | permalink  

    @Robin Meyer-Lucht: Das “Alte” im Neuen errichten klingt ein wenig tendenziös. Aber wenn Sie mit dem Alten genaue Recherche, Informationsreichtum und gute Sprache meinen, dann ja. Übrigens leidet “das Neue” auch an alten Fehlern, die ihm gar nicht unbedingt anzulasten sind. Wenn selbst auf Qualitätswebseiten wie SPON Tipp- und Schreibfehler zunehmen, hat das nichts mit dem Internet zu tun: man kann ja auch Online-Artikel gegenlesen, nur braucht man dafür ein neues, internet-affines Modell der Schlussredaktion.

    Gegenfrage: Soll das Internet auf die oben genannten Vorzüge des “alten Journalismus” verzichten?

  30. links for 2009-04-27 - Claudia Sommer Me, myself and I - » Blog Archiv |  27.04.2009 | 21:02 | permalink  

    [...] 10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten (tags: Medien Internet) [...]

  31. sascha |  27.04.2009 | 22:02 | permalink  

    Gerade Punkt 8 sollte meiner Meinung nach verstärkt Beachtung finden. Völlig unabhängig davon, dass Urheber mit ihrer Arbeit vielleicht auch Geld verdienen möchten, möchten sie vielleicht auch wissen, in welchem Zusammenhang ihre Werke auftauchen und genutzt werden – ob kommerziell oder nicht. Denn was ist mit einer Illustration, die beispielsweise auf einer rechtsextremen Seite genutzt wird oder dem Essay, dessen Meinung man längst nicht mehr vertritt?

  32. Lesetipps für die Tage 27. April bis 28. April | Blogpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 |  28.04.2009 | 00:06 | permalink  

    [...] Kostenlos-Kultur ≠ Urheberrechtsverletzung: Robin Meyer-Lucht hat auf carta.info 10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten niedergeschrieben. These #3 z.B. : quot;Das Internet gefährdet unsere Kultur? Na sicher, und das ist auch gut soquot; …. Finde ich auch. [...]

  33. bwl zwei null · Internetzensur in Deutschland denkbar |  28.04.2009 | 07:02 | permalink  

    [...] Stärken bündeln. Aber dazu ist der Graben wohl zu tief und die Interessen zu unterschiedlich. Robin Meyer-Lucht spricht von “Adaptionsverweigerung” der (alten) Medieneliten und macht sie darauf [...]

  34. Zensursula und die Rumpelstilzchen | Open Source PR |  28.04.2009 | 11:26 | permalink  

    [...] zum Beispiel Robin Meyer-Lucht, der bei Carta in 10 Thesen darlegt, weshalb Frau Kegel und die anderen Rumpelstilzchen der Altmedien eben nur meckern, statt sich mit [...]

  35. Uwe Sander |  28.04.2009 | 13:13 | permalink  

    @rml: “Mit dem Netz steht eine neue Infrastruktur für eine neue Wissensökonomie bereit, der sich die klassischen Eliten in diesem Land mit großer Geste verschließen. Statt die neue Ordnung zu gestalten, pochen sie auf ihre klassischen Geschäftsmodelle.” (These 2)

    Was Zeitungen und Zeitschriften angeht, stimmt das doch gar nicht. Anders als die Musikindustrie, die lange defensiv agierte, haben die Verlage in den letzten Jahren offensiv das Web mit Inhalt gefüllt und sogar ihre Archive geöffnet. Zugleich haben sie keineswegs auf ihr klassisches Geschäftsmodell gepocht, das bekanntlich auf Mischfinanzierung basiert. Vielmehr haben sie auf Werbefinanzierung gesetzt, also genau das getan, was hier empfohlen wird (These 4).

    Doch leider: So funktioniert die famose “neue Wissensökonomie” nicht.

  36. Technologie « Demilitarisierte Zone |  28.04.2009 | 15:01 | permalink  

    [...] wir uns in einem Dilemma. Sobald etwas neues entdeckt wird, sorgt eine Gruppe von Leuten, die zu blöd sind damit umzugehen, dafür, daß es weniger oder gar nicht funktioniert, bevor überhaupt [...]

  37. Endstation: World Wild Web? « Mythopoeia 2.0 |  28.04.2009 | 18:20 | permalink  

    [...] bleibt nurmehr Spielraum für Spekulationen über die tatsächlichen [...]

  38. Dr. Klaus Graf |  28.04.2009 | 19:20 | permalink  

    Was soll das heissen, http://archiv.twoday.net/stories/5668847/, sei ein Beispiel für Klärungsbedarf in Sachen faires Zitieren. Ich habe die Thesen komplett mit Quelle dokumentiert und eine kritisch kommentiert.

  39. Thorstena » Nachtrag: Internet und Zensur |  28.04.2009 | 19:21 | permalink  

    [...] sorgt), Marcell Weiss (der Deutschland auf dem besten Wege zum Techno-Entwicklungsland sieht) und Robin Meyer-Lucht (der der Medienelite “Unwillen” konstatiert, “sich auf die neue Wissensökonomie [...]

  40. Tim |  28.04.2009 | 22:54 | permalink  

    @ Uwe Sander / 34

    <Vielmehr haben sie auf Werbefinanzierung gesetzt, also genau das getan, was hier empfohlen wird (These 4).
    Doch leider: So funktioniert die famose “neue Wissensökonomie” nicht.

    Das kann man heute doch noch gar nicht sagen, weil wir erst am Anfang der Marktbereinigung stehen. Es dürfte ja allen klar sein, daß es in 10-15 Jahren zum Beispiel nicht mehr alle publizistischen Einheiten in Deutschland geben wird, weil sich dieses Angebot online einfach nicht finanzieren läßt. Aber wenn es bundesweit online nur 5-10 Qualitätsangebote gäbe, die in ihrer Funktion den heutigen Tageszeitungen ähneln, wäre doch viel gewonnen. Und für diese Angebote ließen sich sicher Finanzierungsmöglichkeiten finden. Wenn man den Kuchen in weniger Stücke aufteilen muß, bleibt für alle mehr übrig.

    Ich glaube, daß das Informationsangebot in 10 Jahren international, national und auch regional sehr viel hochwertiger sein wird als heute. Die große Gefahr ist allerdings, daß die Verlage (und unsere Freunde vom Staatsfernseh … pardon: staatsfernen Rundfunk) alles tun werden, um die Politik zu Gegenmaßnahmen gegen das Unvermeidliche zu bewegen. Mit dem bekannten Effekt, daß notwendige Entwicklungen verzögert werden.

    Mir fällt es beispielsweise schon heute schwer, mich durch Tageszeitungen zu wühlen, weil ich zu vielen Themen Blogs und fachkundige Webangebote kenne, die einfach gründlicher recherchieren und kenntnisreicher kommentieren. Dieses unglaubliche Potential des Netzes wird künftig sicher noch viel besser kanalisiert und nutzbar gemacht werden. Und wo “Leser” (wird in 10 Jahren sicher der falsche Begriff sein, ich weiß) sind, ist auch Geld.

  41. Interessante Postings aus meinem Feedreader - 29. April 2009 | (( echoraum )) |  29.04.2009 | 06:07 | permalink  

    [...] Kostenlos-Kultur ? Urheberrechtsverletzung: 10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten [...]

  42. Uwe Sander |  29.04.2009 | 06:54 | permalink  

    @Tim: Haben sich denn in der Vergangenheit irgendwo 100%ig werbefinanzierte Qualitätsangebote herausgebildet? Im Radio? Im Fernsehen? Im Printsektor? Bei Print haben sich meines Wissens seit Gutenberg solche Angebote nicht entfaltet. Im Radio und Fernsehen haben wir – ganz im Gegenteil – eine Spirale der Qualitätsabflachung erlebt (bezogen auf die durchschnittliche Qualität des Angebots).

  43. links for 2009-04-28 | Nerdcore |  29.04.2009 | 08:04 | permalink  

    [...] Kostenlos-Kultur ? Urheberrechtsverletzung: 10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten… (tags: copyright) [...]

  44. Robin Meyer-Lucht |  29.04.2009 | 12:40 | permalink  

    @ Tim und Uwe Sander:

    Viele Zeitungen sind viel zu spät offensiv ins Netz gestartet und sie machen auch heute noch vor allem Zeitungen im Internet – statt sich zu fragen, wie man die Fagen des Qualitätsjournalismus mit neuen Mitteln beantworten kann (siehe hierzu Rusbridger-Interview). Rusbridger ist im Grunde ein sehr gutes Beispiel, wie eine andere, vorwärtsgerichtete Haltung aussehen könnte. Der Guardian-Chef betont vor allem auch immer wieder die neue Wettbewerbssituation gepaart mit der neuen Technik.

    Zur Werbefinanzierung kann ich Tim nur zustimmen. Die wird mittelfristig funktionieren. Sie wird auch Qualitätsjournalismus finanzieren. Nur müssen wir bis dahin noch durch eine fürchterliche Konsolidierung. Und es wird weniger Journalisten geben.

    Der Vergleich, dass bislang die Werbefinanzierung noch nie Qualität getragen habe, greift zu kurz: Printmedien sind so teuer in der Distribution, dass sie eine zweite Erlösquelle brauchen, um Qualität zu refinanzieren. Im Rundfunk ergibt sich insgesamt durch die starke öffentlich-rechtliche Komponente eine Sondersituation.

    @ alle: Vielen Dank für die vielen sehr guten Kommentare.

  45. Susan Boyle und Youtube: ITV guckt in die Röhre « TV… und so |  29.04.2009 | 15:21 | permalink  

    [...] 29.4.: In diesem Zusammenhang auch relevant: “10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten” bei carta. Zitat: “Die Medienindustrie ignoriert weite Teile der technologischen Potenziale [...]

  46. Brusselsblogger |  30.04.2009 | 13:22 | permalink  

    Der Vergleich in Punkt 4 mit dem Kabelfernsehen war mir gar nicht so bewusst, ist aber sehr einleuchtend. Weiß zwar nicht ob ich will, dass das ganze Internet (und alle darauf erscheinenden Tageszeitungen) auf ein Kabelfernseh-Niveau fällt, aber eine mögliche (und wahrscheinliche) Entwicklung.

  47. Robin Meyer-Lucht |  30.04.2009 | 15:54 | permalink  

    @ Brusselsblogger: Die Analogie bezieht sich zunächst einmal auf das Geschäftsmodell (nämlich Werbefinanzierung und Bundle-Abos). Mit HBO scheint es da ja auch positive Beispiele zu geben …

  48. Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland (Teil 2 von 3) » netzwertig.com |  30.04.2009 | 16:35 | permalink  

    [...] nicht Regulierung und Kontrolle sehen. (Man verstehe mich nicht falsch: Man findet auch auf Carta gute Texte. Wie bei den klassischen Medien sind sie aber rar gesät.) [...]

  49. Robin Meyer-Lucht: lesenswert und diskussionswürdig « Die Kanzlei bei der Hedinger Kirche |  30.04.2009 | 19:26 | permalink  

    [...] 30 04 2009 Diesen Beitrag zum Thema Urherberrechtsverletzung und Kostenlos-Kultur habe ich hier gefunden. Er focussiert auf 10 Thesen und ist absolut lesenswert und diskussionswürdig. Wenn mehr [...]

  50. Verweigerung im Wandel: Dem Journalismus sind seine Leitideen abhanden gekommen — CARTA |  11.05.2009 | 17:17 | permalink  

    [...] Meyer-Lucht: Kostenlos-Kultur ? Urheberrechtsverletzung: 10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten Pascal Zwicky: Ohne staatliche Interventionen als Fundament für einen besseren Journalismus [...]

  51. Qualitätsjournalisten bei der Arbeit — CARTA |  18.05.2009 | 19:50 | permalink  

    [...] würden nichts vermissen: Sie kämen so nur schneller an aktuelles Material. Und die Qualitätsjournalisten hätten mehr Zeit zum Telefonieren, denn augenscheinlich kommt die Qualität ihrer Arbeit [...]

  52. Ich hab Dir eine Welle geschickt: Google’s Wave will die E-Mail der Zukunft sein — CARTA |  02.06.2009 | 12:06 | permalink  

    [...] und schneller machen könnte. Robin Meyer-Lucht hat dieses Phänomen treffend als Modernisierungsversagen [...]

  53. Linguistische Todsünden « Linguistiker |  14.10.2009 | 10:21 | permalink  

    [...] mehrere „linguistische Todsünden“ begangen habe. Da es gegenwärtig wohl modern ist, für jede Kleinigkeit xy-Punkte-Listen zu verfassen, schliesse ich mich dem Trend an und stelle hier nun [...]

  54. eldersign.de » Blog Archiv » Das Tagblatt, die Winterbilder und die Kostenloskultur |  11.01.2010 | 22:36 | permalink  

    [...] der Verlag Schwäbisches Tagblatt – befeuerten Diskussion um die angeblich so schlimme Kostenloskultur im Internet, wagte ich die ketzerische Frage: “Wie sieht es denn mit einem Honorar [...]

  55. Endstation: World Wild Web? | Mythopoeia 2.0 |  29.03.2013 | 14:26 | permalink  

    [...] bleibt nurmehr Spielraum für Spekulationen über die tatsächlichen [...]

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