Frankreich-Wahl: Ein Pyrrhussieg für die EU

Nun ist der vielfach herbeigesehnte Wahlerfolg Emmanuel Macrons eingetreten. Zur Stichwahl wird er nicht nur als Europas Wunschkandidat, sondern wohl auch als Favorit antreten. Ein guter Zeitpunkt, um einen kritischen Blick auf das Geschehen zu werfen.

Macron ist ein ehemaliger Banker, der die Ressentiments gegen das „Establishment“ weitaus geschickter als Le Pen zu nutzen wusste. Er hat sich nicht zu dessen Gegner erklärt, er hat sich gleich völlig außerhalb positioniert. Mit Einbezug seines Werdegangs ein geschickter Schachzug.

Der gut aussehende Schwiegersohntyp hat sich als fleischgewordene Ratio vermarktet, dabei hat er mit Vorliebe in der Tonart Hoffnung vorgetragen. Das scheinbar unbefleckt von jener politischen Substanz, die nicht Teil der Geschichte einer der ältesten Demokratien Europas ist.

Liebe Linke, was ihr auch immer feiern mögt, so deutlich wie in diesem Ergebnis hat sich das Versagen der Linken lange nicht mehr gezeigt.

Um das zu verdeutlichen, bedarf es einer etwas umfassenderen Betrachtung: Die entwickelten Industrienationen stecken in einer andauernden strukturell bedingten Krise. Konstruktionsfehler der EU verschärfen diese für große Teile ihrer Mitglieder. Eine Hauptrolle kommt dabei Deutschlands Kurs interner Abwertung zu. Manchen sicher besser bekannt unter einer seiner Folgen, Deutschlands langfristigen Handelsüberschüssen.

Genau jener zutiefst arbeitnehmerfeindliche, und international spannungserzeugende, Kurs ist das Einzige, was übrig bleibt, wenn man Macrons Liturgie auf die konkrete Marschrichtung reduziert. Macrons Erfolg könnte daher die EU sogar nachhaltiger zersetzten, als es die meisten sogenannten EU-Gegner faktisch könnten.

Bezeichnend ist zudem die beinahe beleidigende Einseitigkeit der meisten sogenannten Qualitätsmedien: an kaum einer Stelle auch nur ein kritisches Wort zu Macron. Das gesamte Geschehen wurde regelmäßig auf die dürftige Aufteilung „EU-Gegner“ versus „EU-Freunde“ reduziert, oder darauf zugespitzt. Hintergrundberichte und Differenzierung? Mangelware.

Von Beginn an auffallend war Macron die mediale Manifestation des „vernünftigen“ „weiter wie bisher“, aus deutscher Sicht jedenfalls. Wer auch immer, wie auch immer, davon abwich, erhielt sogleich ein Stigma, vorzugsweise das des EU-Gegners.

Nicht nur Europas Linke steht vor einem Scherbenhaufen, auch die deutschen Medien haben abermals ihre Unfähigkeit bewiesen umfassend und objektiv zu berichten. Alles in allem wenig Grund zum Feiern, nicht nur für Linke.

 


 

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