Die Herausforderung Europas
Begleitet von Anschlägen wie in Brüssel, Kriegen und Flüchtlingsströmen beginnt eine Neuordnung der Regionen rund um Europa. Merkels Ansatz in der Flüchtlingspolitik bleibt richtig. Denn dem globalisierten Terror ist nicht national zu begegnen. Europa wird sehr viel mehr Verantwortung übernehmen müssen.
Der Terror geht weiter. Und wer es dramatisch liebt, kann sagen, er rücke näher. Tatsächlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland ein Anschlag gelingen wird. Dass dies bislang noch nicht geschah, ist einerseits Glück, andererseits auch der wohl immer noch vorhandenen Sorgfalt deutscher Sicherheitsbehörden zu verdanken oder vielleicht auch dem Respekts der Terroristen vor ihr.
Auf jeden Fall habe sich die Terroristen für ihren jüngsten Anschlag die Hauptstadt eines der desolatesten Staaten Europas ausgewählt. Doch wird das nicht ihr einziges Motiv gewesen sein. Denn Brüssel ist auch zugleich der Regierungssitz Europas. Ihm gilt der Terror, nicht nur weil die USA nach ihrer gelungenen Abschottung als Angriffsziel ziemlich ausfallen. Europa repräsentiert in vielen seiner Regionen, wo gegen die Terroristen kämpfen: Kein ideales, aber ein einigermaßen ordentliches Leben in Selbstbestimmtheit, Demokratie und Freiheit unter den Bedingungen des Rechts. Die Gnadenlosigkeit, mit der sich die Terroristen gegen das Leben anderer und ihr eigenes wenden, zeigt, dass sie nur noch für den Tod einstehen. Sie haben sich selbst durch eine Religion verblendet, deren Repräsentanten sich nur mühsam auf die Moderne einstellen. Doch wer nur für den Tod lebt, ist ohne Zukunft. Die westlichen Werte, Freiheit, Recht, Wohlstand, Sex und Drogen werden sich durchsetzen, weil sie dem Wesen des Menschen am nächsten kommen.
Das ist eine Frage der Zeit, im Zweifel bitterer Zeiten. Und zugleich eine politische Herausforderung Europas. Denn dem globalisierten Terror ist nicht national zu begegnen, selbst wenn sich Ungarns Regierung unter russischen Schutz begäben würde. Jeder nationale Rückzug gefährdet die Sicherheit in den einzelnen Nationen Europas. Das gilt für die unmittelbare Terrorabwehr, aber erst Recht für jeden Versuch, ihn längerfristig einzudämmen.
Europa wird sehr viel mehr politische, ökonomische und auch militärische Verantwortung für die Regionen übernehmen müssen, aus denen die Terroristen menschliche, politische und materielle Kraft schöpfen. Dass dies der EU auch in Krisenzeiten gelingen kann, hat der von Angela Merkel initiierte und jüngst verabschiedete Flüchtlingsplan gezeigt. Bei allen Schwächen bleibt das der einzige Weg für Europa und auch im Kampf gegen den Terror: Es wird nur gemeinsam gelingen, und es wird viel Kraft, Ressourcen und Geld erfordern.
Begleitet von Anschlägen, Kriegen und Flüchtlingsströmen beginnt eine Neuordnung der Regionen rund um Europa. Britische Ängste und polnische Selbstvergessenheit bieten keine Zukunft. Vielleicht festigen die anhaltenden Anschläge die europäische Staatengemeinschaft.
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8 Kommentare
Alles was passiert rückt eine Ablösung des Merkel-Regimes näher. Leider droht uns nach dessen Ende keine linke Wende.
Jetzt hat ein Anschlag ganz Brüssel lahm gelegt. Es rächt sich die mangelnde Dezentralisierung der Europäischen Union bitterlich, sowie die allgemeine Unfähigkeit der Behörden in Belgien.
„Bei allen Schwächen bleibt das der einzige Weg für Europa und auch im Kampf gegen den Terror: Es wird nur gemeinsam gelingen, und es wird viel Kraft, Ressourcen und Geld erfordern.“
Das wird bereits seit 911 getan. Irgendwann ist Zeit für eine Umkehr von der Hysterie, und robustere Bekämpfung des Islamismus.
„Die westlichen Werte, Freiheit, Recht, Wohlstand, Sex und Drogen werden sich durchsetzen, weil sie dem Wesen des Menschen am nächsten kommen.“
Auf der einen Seite dekonstruieren wir ständig unsere Kultur, wenn es darum geht uns weis zu machen, dass Fremde und uns gar nichts trennt. Dann aber reden wir plötzlich von westlichen Werten, hier provokativ inklusive „Sex und Drogen“. Irgendwann reduzieren die Menschen die Bedrohung auf die banale Tatsache: Wenn wir keine Muslime zu uns gelassen hätten, gäbe es auch keine gewalttätigen Islamisten. Dann haben wir den Salat.
Die westlichen Werte, Freiheit, Recht, Wohlstand, Sex und Drogen werden sich durchsetzen, weil sie dem Wesen des Menschen am nächsten kommen.
Angesichts einer solchen Formulierung frage ich mich unwillkürlich: „Was muss man eigentlich nehmen, um solche Sätze abzusondern?“ Wobei es nicht nur um den Einschub „Sex und Drogen“ geht, der seltsam deplatziert wirkt. Sondern auch darum, dass der Verfasser dieses Satzes offenbar blind ist für die Tatsachen, nämlich dass den viel beschworenen „westlichen Werten“ in eben den Ländern, die sich dieser so oft rühmen, in Wahrheit seit Jahren der Garaus gemacht wird. Einige Stichworte mögen reichen: Vorratsdatenspeicherung und NSA/GCHQ-Beschnüffelung kontra Freiheit, CETA/TTIP und die Schiedsgerichte kontra Recht, Hartz IV und Altersarmut kontra Wohlstand.
Europa wird sehr viel mehr politische, ökonomische und auch militärische Verantwortung für die Regionen übernehmen müssen, aus denen die Terroristen menschliche, politische und materielle Kraft schöpfen.
Was soll denn z. B. aus der „militärischen Verantwortung“ für diese Regionen heraus kommen? Betrachten wir dazu die Ergebnisse des „War on terror“, so ist nach knapp 15 jahren ein totaler Fehlschlag militärischer Gewalt festzustellen. Es gibt nicht ja weniger sondern mehr Terror, der gerade in unsere Städte eingezogen ist, und mehr „failed states“. Und das gerade wegen der übernommenen „militäischen Verantwortung“, was nämlich lediglich Neusprech für Intervention meint. Die Zahl der von den USA in den letzten 100 Jahren durchgeführten Militätaktionen ist schier endlos. Bei diesem Irrsinn sollen wir nun mitmachen? Nein, niemals, und wenn hier 100 Gaucks das herbeireden wollen. Und ebenfalls nein: Frau Merkels Ansatz bleibt nicht richtig, er war es nämlich nie. Dublin III, das sämtliche Anrainer Deutschlands zu Pufferstaaten machte, war einzig im Interesse Deutschlands, das stets darauf verweisen konnte, die hier Einreisenden kämen aus einem sicheren Herkunftsland. Nun Solidarität und gemeinsames Handeln von den Ländern zu verlangen, denen man diese stets aus Eigennutz versagte, ist lediglich hilflos, dumm, unverschämt und wird nicht verfangen oder zur Lösung beitragen. Wie auch der Rücktransport und die Kriminalisierung von Flucht vor Krieg rein nichts lösen wird. Im Übrigen: das einzige, was Angela Merkel interessiert, ist und bleibt Angela Merkel sowie der Erhalt ihrer aktuellen Position im Staat. Sie, die Zaudernde, zur Macherin hoch zu jazzen, ist zwar verbreitet jedoch vergebliche Liebesmüh.
Ich hätte die Welt gerne sauber in Schwarz und Weiß aufgeteilt, wobei ich selbstverständlich zu den Guten (= Weiß) gehöre. Leider hält sich die Welt nicht an dieses bequeme Schema, sie erdreistet sich, unübersichtlich zu sein. Und das, ohne vorher um Erlaubnis gefragt zu haben.
Zugegeben, der Westen hält nur solange an seinen vielbeschworenen Werten fest, solange es ihm nutzt. Hier gäbe es noch so viel zu tun, angefangen bei einer gerechteren Aufteilung des Reichtums. Aber man muss auch die Frage stellen, ob Religionen im Allgemeinen und der Islam im Besonderen demokratiekompatibel sind. Ich habe da ehrlich gesagt meine Zweifel. Genauso daran, ob an aller Unbill in der Welt bloß der Westen schuld ist. Pauschalisierungen sind in jeglicher Hinsicht falsch. Ob es „die“ Muslime trifft oder „den“ Westen.
Die Welt ist erheblich komplexer geworden, und heute muss uns der sprichwörtliche Sack Reis interessieren, der in China umfällt. Es wäre schön, wenn es darauf eine einfache Antwort gäbe. Doch die gibt es offenbar nicht. Es sind verrückte Zeiten. Ich fürchte, dass dadurch vor allem die Verrückten gestärkt werden, man denke nur an Donald Trump. Doch das ist genau das, was die Terroristen wollen. Und wenn ich mir den Vormarsch der Rechtspopulisten in Europa ansehe, muss man neidlos anerkennen: Es funktioniert. Leider.
Die Kommentare sind besser als der Artikel, …
…denn leider Herr Sommerfeld, passt zwar die Überschrift heutzutage immer in die Zeit, doch die Worte darunter sind nicht nur dumm gewählt, sondern falsch.
Nicht mehr, sondern weniger und schon überhaupt nicht mit den USA.
Viele Grüße
PS: Wenn „Wohlstand – Sex und Drogen“ jetzt Werte sind, dann gute Nacht!
„Europa wird sehr viel mehr politische, ökonomische und auch militärische Verantwortung für die Regionen übernehmen müssen, aus denen die Terroristen menschliche, politische und materielle Kraft schöpfen.“
Genau! Für französische Banlieues, belgische Molenbeeks und deutsche Dinslakens – wobei ich das „militärisch“ vorsichtshalber streichen würde.
Ich finden den Artikel zwar gut geschrieben und inhaltlich kann ich mich mit ihm an vielen Stellen anfreunden, aber mir ist der Fokus zu sehr auf außen gerichtet. Daneben befürchte ich, dass sich die Herausforderungen der EU nicht einfach auf wenige Kernthemen verengen lassen. Neben Beiträgen zur Lösung globaler Probleme, wie von Ihnen angemahnt, würde ich die Globalisierung, den Wettbewerb der EU-Staaten (untereinander), die (entgegengesetzten) Nationalinteressen, die (ausufernde) Agrarpolitik, die Regulierung der Finanzmärkte, die Digitalisierung, den Schutz der gemeinsamen EU-Außengrenze oder die Integration neuer EU-Mitglieder als Herausforderungen für die EU sehen – und es gibt noch viele weitere.
https://publixphere.net/d/2311
Lieber Mister Ede
Mit den von Ihnen genannten und zu lösenden Problemfeldern stimme ich voll überein. Und sicher gehören zu den Quellgebieten des Terrors Dinslaken und Syrien, die Banlieues und Libyen. Gerade die Situation in Frankreich schien und scheint mir aussichtslos. Bei einem kürzlichen Besuch in Rio war es für mich aber eine interessante Erfahrung, dass es gelungen ist, etliche Favelas zu „integrieren“, nicht militärisch, obwohl auch das gemacht wurde. Sie haben Strom, Wasser und auch Internet, erhalten jetzt einen U-Bahn-Anschluss. Viele Busfahrer und Verkäuferinnen wohnen dort. Allerdings fehlt dort die religiöse Radikalisierung.
Ich habe die vage Hoffnung, dass die anhaltenden Terroranschläge eine Gegenentwicklung zur auseinander strebenden EU auslösen könnten.
Lieber Mitscherling,
Leider lassen Sie mich im ungewissen, was Sie mit Ihren schlichten Etiketten „dumm“ und „falsch“ ist.
Dass mein Hinweis auf Sex und Drogen, anders als in den Achtundsechzigerzeiten Widerspruch auslöst, überrascht mich nicht, das ist sicher auch eine Folge der seit dem eingetretenen Liberalisierung. Man muss kein Anhänger von Wilhelm Reich sein, um zu wissen, dass totalitäre Regime und autoritäre Gesellschaften immer die Ausübung der Sexualität gemassregelt und damit viele Menschen in Unglück gestürzt haben. Beide Filme über Fritz Bauer führen noch einmal nachdrücklich vor Augen, wie Restauration und Schwulen-Verfolgung mit einander verflochten waren. Darum ist das Recht, seine Sexualität nach eigener Facon ausüben zu können, für mich ein Wert der freien Gesellschaft, und sie muss sich daran messen lassen. Die Scharia, nach der der Islamische Staat seine Mitglieder führt, verbietet Zigaretten und Alkohol. Der IS verfolgt Raucher in den eigenen Reihen. Auch das unterscheidet sie von unserer Gesellschaft
Lieber Martin (Boettcher)
Es rührt mich durchaus, dass Du fast jeden meiner Beiträge mit umfassenden Kritiken versiehst. Und dafür danke ich. Wenn ich darauf bislang nicht eingegangen bin, sollte das nicht unhöflich sein. Aber ich hatte den Eindruck, dass wir beide zwar in Deutschland, aber in so unterschiedlichen Republiken leben, dass eine Diskussion nicht weiter führt. Mein Deutschland besteht (im Monat, in dem eine Rentenerhöhung angekündigt wird) eben nicht aus Altersarmut, die drohen könnte, aber zur Zeit noch kein Problem ist, und Beschnüffelung. Ich lebe in einem einem freien Land, in dem die Lebenserwartung der Menschen (nicht nur im Osten) sensationell angestiegen ist, ein Wert, der sehr viel über die Lebensbedingungen der Menschen aussagt. Natürlich gibt es schwere Probleme, wie die nachlassende soziale Durchlässigkeit, aber sie sind zu lösen. In letzterem liegt unser Dissens.
Darüber ließe sich streiten, aber hier herrscht oft ein Tonfall vor, der das Eingehen auf andere und damit andere Meinungen ausschließt. Das unterscheidet sich zum Beispiel von meinem Facebook-Account, wo Leute mit ganz unterschiedlichen Herkünften und Erfahrungen mit einander diskutieren, aber eben auf den anderen eingehen. Da ich meine Kräfte ein wenig konzentrieren muss, diskutiere ich lieber auf fb.
Schöne Ostertage.
Lieber Franz,
1. hast Du beim Vornamen falsch geraten.
2. habe ich m. W. zu 4 deiner 9 Beiträge einen Kommentar verfasst, also zu gerade einmal 44,4%.
3. ich finde es gut, dass du versuchst in einen Dialog mit den Lesern deiner Beiträge einzugehen. Eine Pflicht deinerseits sehe ich aber nicht, so dass eine Entschuldigung entbehrlich ist.
4. ich denke nicht, dass wir in verschiedenen Republiken leben. Dass ich deine Wahrnehmung der Welt, der Republik und der Politik nicht unbedingt teile, zumindest Positionen in den Bereichen, zu denen du dich hier äußerst, ändert daran nichts. Dass du persönlich keine Altersarmut kennst, freut mich für dich. Dass du deshalb für alle anderen deiner Mitmenschen Wohlstand unterstellst, halte ich für Folge eines Mangels an Empathie, von Unwissenheit, Ignoranz oder Dummheit deinerseits. Suche dir bitte aus, was dich am wenigsten verletzt. NB: auch wenn die Lebenserwartung allgemein gestiegen ist, sterben arme Menschen früher.
Bestreitest du ernsthaft die Beschnüffelung der Bürger, wo schon H. von Brentano diese in einem Schreiben an Kanzler Adenauer beschrieb? Von Telefonüberwachung – Deutschland ist nicht nur Exportweltmeister – hast du nie gehört oder gelesen, Vorratsdatenspeicherung ist dir unbekannt, Diskussionen über den sogn. Lauschangriff oder der Fall Traube sind an dir vorbei gegangen? Und auf welchem Planeten warst du die letzten 3 Jahre, in denen das Thema dan E. Snowdon breit publiziert und diskutiert wurde?
Wie du auf die Idee kommst, ich hielte Probleme in sozialen Fragen für unlösbar, verschließt sich mir. Ich vermisse lediglich ernste Anstrengungen dazu. Wobei mich das nicht sonderlich wundert, müssten dazu doch nicht wenige Maßnahmen zurück genommen und politisch ein anderer Weg beschritten werden. Leider wird das nicht passieren und die Partei, der man das nicht ganz unberechtigt im Wesentlichen anlastet, wird womöglich noch zu deinen und meinen Lebzeiten Geschichte sein. Die letzten Wahlen zeigen diesbezüglich ja einen deutlichen Trend.
Zu guter Letzt: wir werden uns sicher nie via Facebook austauschen. Der Grund ist simpel. M. E. gilt: wenn dich etwas nichts kostet, dann bist du das Produkt. Wovon Mark Z. seine Einnahmen generiert sollte bekannt sein.
Ich wünsche dir auch schöne Ostertage.
Lieber M. Boettcher, bei meinem schlechten Namensgedächtnis bin ich froh, nach drei Jahrzehnten noch den Nachnamen zu erinnern. Und wie lautet Dein richtiger Vorname?
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