Hate Speech – Facebook liefert nicht

Dass Facebook als modernes Unternehmen an das Thema Hate Speech herangeht wie der letzte Waffenschieber an seinen CSR-Bericht ist wenig überzeugend.

Dass Hate Speech im Internet kein einfaches Thema und Counter Speech als ein möglicher Teil der Reaktion darauf noch vollkommen unterentwickelt ist – geschenkt. Dass ein Unternehmen auch eine Zeit lang überfordert sein darf, sich mit anderen zusammen auf die Suche macht, in schwieriger Abwägung von Meinungsfreiheit und Restriktion, und dabei Fehler machen wird – geschenkt. Dass Facebook nicht alleine Verantwortung tragen muss und Nichts alleine lösen kann – geschenkt.

Aber dass Facebook als modernes, globales und finanzstarkes Unternehmen an dieses nun wirklich breit diskutierte und immer noch hoch aktuelle Thema herangeht wie der letzte Waffenschieber an seinen CSR-Bericht, ist wirklich mehr als verwunderlich. Da half offensichtlich weder die eigene Erfahrung in eher halbgarer und eigenartiger Pressearbeit beim Besuch von Journalisten in Dublin, noch das live gestreamte Versprechen von Gründer „Zuck“ an Kanzlerin Merkel, noch all die jüngsten Ankündigungen und der Besuch von Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in Berlin. Die Vorstellung der „Counter Speech Tour“ gegen Hass im Netz ging daneben.

(Nachtrag im Februar 2017: die ehemals öffentliche Aufzeichnung wurde offensichtlich auf „privat“ gestellt. Schade. Mehr dazu bei Meedia oder beim NDR.)

 

Im letzten Jahr schrieb ich auf dem Blog Slippery Slopes: „Der aktuell unbestrittene Hassinkubator Nummer ein, ­Facebook, verhält sich mit dem Ruf nach ‚Counter Speech’ mindestens hilflos“. Daran hat sich bis auf weiteres Nichts geändert. Leider. Und dann weiter: „Wo bleibt die Einsicht, dass der Umgang mit Hass allen (den Medien, der Politik, den Unternehmen, vor allem aber uns selbst) Arbeit machen und uns einiges kosten wird? Wir müssen das leisten und investieren, neue Ideen entwickeln, schlau und gestaltend“.

In diesem Sinne: weiterhin frohes Schaffen.

 


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