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Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit

Freitag | 15.12.2017

Diese Verjüngungskur muss scheitern

Sechs Einwände gegen das Jugendangebot von ARD und ZDF

Am Anfang war das soziale Netzwerk. Die Website des damaligen SWF3 (heute SWR) entstand aus einem Diskussionsforum im Fido-Netz und mutierte Anfang 1995 zur offiziellen Vertretung dieser damals noch jungen Radiowelle. Auch Fritz.de und die Website von Radio Bremen 4 entstanden außerhalb der Sender, aus der Mitte der jungen Netzkultur. Dann erfolgten die offiziellen Gründungen in Bayern, Bremen, Hessen usw., schließlich auch im Sommer 1996 die der ard.de. Die Kommunikation mit den Nutzern trat nun in den Hintergrund. Immerhin jedoch blühten auf einigen dieser Websites eigenständige Produktionen auf: eigens für das Web konzipierte Features und Kurse, dazu umfangreiche Beratungsangebote wie die Datenbank des ARD-Ratgebers Recht. Wir hätten heute geringere Sorgen, wenn es dabei hätte bleiben dürfen. Aber auf dem öffentlich-rechtlichen Großtanker entwickelte sich erst ein Verständnis des Medienwandels und seiner Folgen für die Zukunftsfähigkeit des Rundfunks, als schon ein völlig anderer organisatorischer und rechtlicher Kurs vorgezeichnet war. Die
Internet-Angebote laufen im Beiboot von Radio und Fernsehen mit, aber speziell der Kontakt zur jüngeren Generation ist längst abgerissen.

Nun will die Medienpolitik mit dem Online-Jugendangebot, das gegen den Widerstand der Sender durchgesetzt wurde, das seit zwanzig Jahren systematisch aufgegebene Terrain zurückgewinnen. Die wichtigsten Absichten dieser Initiative: Bindung der unter 35-Jährigen an das beitragsfinanzierte System, Markenbildung für Qualitätsinhalte im Web und im Mobile-Bereich, neue, „junge“ Impulse aus Online-Produktionen für Radio und TV. Dies wird medienpolitisch und medienrechtlich gerahmt durch den Public-Value-Auftrag an das öffentlich-rechtliche Programm.

Das von ARD und ZDF verabschiedete Konzept wird nun einer öffentlichen Konsultation unterzogen, bei der von Vertretern korporierter Interessen sicher nichts Neues vorgebracht wird. Interessanter wären da schon Stellungnahmen junger Mediennutzer. Kaum zu erwarten ist jedoch, dass eingefleischte ProSieben-Zuschauer und Youtube-Nutzer ein Interesse an einer Äußerung haben, abgesehen davon, dass sie sich dazu auf eine Website des Landes Sachsen-Anhalt verirren müssten.

Ich nenne hier sechs Schmerzpunkte des Konzepts, an denen es – sollte es keine größeren Korrekturen geben –, vermutlich scheitern wird.

  1. Die Online-Medien werden, nach einigen Grundsatzerklärungen, im inhaltlichen Teil des Konzepts im wesentlichen als Verbreitungsmedien verstanden. Wenn Kommunikation stattfinden darf, dann über die bereits verteilten Inhalte. Der entscheidende Faktor für die Vergabe des Grimme-Online-Awards an „HyperboleTV“* war – so die Begründung der Jury: „Aktuelle Themen werden pointiert und modern in Bewegtbild übersetzt, der Diskurs dazu über sämtliche Social-Media-Kanäle angefeuert und das Feedback wiederum in die eigenen Formate eingespeist.“ Die Einbindung der Formatentwicklung in die Nutzerkommunikation ist eine Marke, die das Konzept des Jugendangebots klar verfehlt.
  2. Comedy, Gaming, Interaktion, Datenjournalismus: Alle Schlagworte aus journalistischen Debatten der letzten Jahre tauchen im Konzept auf, und mit all diesen Merkmalsangeboten (um nicht zu sagen: Tricks) soll die junge Zielgruppe an die journalistische Substanz der öffentlich-rechtlichen Arbeit herangeführt werden. Gescheiterte Versuche wie die Wochenwebschau, heute+ und der WDR-Youtube-Kanal #dreisechzig, deren Nutzung kaum über die eigenen Redaktionen hinausreicht, zeigen jedoch, dass das Bemühen um „Authentizität“ im administrativen Gefüge der Sender zerschrotet wird, und am Ende kommt ein bemühtes Berufsjugendlichentum heraus.
  3. Die Idee, zunächst ein „Content-Netzwerk“ aufzubauen und nicht, jedenfalls nicht ausschließlich, ein Portal, hat überzeugende Seiten. ARD und ZDF hilft es bei der Zielgruppe nicht weiter, wenn Angebote mit diesen Dachmarken gelabelt werden. Bedenklich erscheint mir jedoch auch hier die Betonung der Angebotsseite und die Vernachlässigung der Kommunikationspraxis und -methodik, von der die Akzeptanz vermutlich mehr abhängt als von einem guten Gesicht oder gelegentlichen viralen Inhalten. Bestätigt wird dieses Bedenken im Abschnitt „Partizipation der Zielgruppe“, in der die Einbindung von Youtube-Stars und mitlaufende Nutzungstests angedeutet werden. Die Bereitschaft zuzuhören wird in eine indirekte Sphäre verschoben, für den direkten Austausch mit den Nutzern der diversen Online-Plattformen scheint es (bislang) keine Idee zu geben.
  4. Einen echten Eiertanz vollführen die Autoren des Konzepts im Abschnitt „Erfolgsmessung“: Quantitative Kriterien sollen die Erfolgsbewertung nicht allein bestimmen – und dann werden doch wieder ausschließlich quantitative Messmethoden angedeutet. Es fehlt jegliches Gespür dafür, dass die Orientierung an Klickraten, die im Dschungel der vielfältigen Internet-Angebote ohnehin nicht mehr die Fernsehquoten der 1970er Jahre erreichen, die Glaubwürdigkeit des Jugendangebots beschädigen muss. Die Relevanz eines Angebots könnte – parallel – auf zwei Wegen ermittelt werden: durch die direkte Kommunikation mit den Nutzern und durch eine regelmäßige, unabhängige medienwissenschaftliche Begutachtung.
  5. Das Jugendangebot soll die junge Zielgruppe perspektivisch an das gesamte beitragsfinanzierte Angebot heranführen. Diese Perspektive entbehrt nicht der Absurdität. Das Auftrags- und Programmverständnis der traditionellen Medien bleibt unangetastet. Wenn das Jugendangebot für dieses System eine Chance bieten soll, dann doch wohl diese, dass Fernsehen und Radio an das Internet und seine Nutzer herangeführt werden. Ihm die Bahnung des Rückwegs der Internetnutzer auf die Fernsehcouch ins Aufgabenheft zu schreiben, ist eine Todesdrohung für beide Seiten: für das Jugendangebot selbst und für den traditionellen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
  6. Schließlich ist auch der Rahmen des Angebots zu bedenken. Die anfangs genannten Ziele – Akzeptanz, Markenbildung, Programmimpulse – sind ein guter Auftrag für das gesamte beitragsfinanzierte System. Dieses aber denkt nicht daran, eine Transformationsstrategie zu entwickeln. Radio und Fernsehen müssten um ihres eigenen Bestandes willen lernen, sich als Internet-Medien zu begreifen. Es dürfte keine redaktionelle Entscheidung geben, bei der Online und Mobile keine Rolle spielen (dann wäre übrigens auch das Problem des „Sendungbezugs“ von Online-Angeboten vom Tisch). Es bedarf keiner allzu finsteren Phantasie, um zu prognostizieren, dass das neu geschaffene 43-Millionen-Feigenblatt das Nachdenken über die Transformation des Gesamtsystems wieder um einige Jahre verschieben wird. Damit hätte die Politik dem von ihr gewollten System einen Bärendienst erwiesen. Der Rundfunkbeitrag ist nicht in Stein gemeißelt, und Initiativen zur Reduktion des teuersten und ineffektivsten Public Service der Welt (wie einige Kritiker vorrechnen) könnten in Windeseile Erfolg haben.

 

*„HyperboleTV“ entstand im Rahmen des vom Autor geleiteten Projektes Grundversorgung 2.0 an der Leuphana Universität Lüneburg. 

 

Dieser Beitrag erschien in leicht modifizierter Fassung auch auf http://digitale-grundversorgung.de.

 


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14 Kommentare

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Lusru | 22.07.2015 | 12:35 Uhr

@Patrick S | 22.07.2015 | 10:51 Uhr

>@Lusru
Das ist viel Quatsch den sie da schreiben…
Mehr muss man zu ihren Kommentar nicht schreiben…<

Da gebe ich Ihnen völlig recht: "mehr muß mann nicht dazu schreiben", aber kann man schreiben, könnte man, so man kann

Dessen ungeachtet wird aus Ihrer Antwort nicht klar, wo Sie sich getroffen fühlen, oder war es ein Volltreffer auf allen Flanken?
Sie können doch gern anderer Meinung sein, nur dazu sollten Sie auch eine haben, die Sie dagegen stellen können

Patrick S | 22.07.2015 | 10:51 Uhr

@Lusru
Das ist viel Quatsch den sie da schreiben…
Mehr muss man zu ihren Kommentar nicht schreiben…

Lusru | 21.07.2015 | 15:38 Uhr

@Peter und @Patrick
Es tut mir leid, Ihre Argumente, vor allem die Art der Bezeichnungen und der Duktus, die Sie wählen, sind die gleichen Alten Hüte, wie sie die knetigen der ARD und des ZDF sind:
nicht konsumierbar, weil fern jeder gesellschaftlich relevanten Wertbarkeit, und fern aller jugendlichen Interessen – nicht bemerkt?
Sie versuchen hier die alte systemfremde Schlacht des geblümten Werbezeiten-Verpackers Privatfunk gegen die Örelis zu schlagen, bitte welche Sau (!!) interessiert sich bei den jungen Leuten denn dafür?

Das sind reine plakative weil propagandistische Geschäftsargumente der Privatlobby zwecks Steigerung des Werbevolumens und an keiner Stelle Interessenvertretung derer, die gerade 10 geworden und noch nicht 35 sind.
Fehlt nur noch, daß Sie die Finanzierung des Straßenbaues durch jeden Nutzer privat verlangen, um diesbezügliche Abgaben zu beschränken – oder brauchen Sie keine Straßen?
Das schließt keinerlei „Privatstraßen“ aus, zeigt aber, wie wenig vaustauschbar doch das ist, zeigt den Unsinn Ihrer diesbezüglichen Vorstellungen, als ob Ihnen nicht bekannt ist, daß die Installation von Funksystemen für Bevölkerung nicht maßgeblich von eben den von Ihnen bekritelten Örelis überhaupt erst in Gang gesetzt und entwickelt wurde: Ja, da kommt er her, der Privatfunk.
Vergessen sie Ihre Spitzfindigkeiten

Das alles bedeutet nicht, daß ich zu genau diesen großen Medien-Tankern der Örelis etwa nichts zu bemerken habe:
Volle Zustimmung zu allen Punkten des Autors Prof. Dr. Hermann Rotermund!
Solange die ARD und das ZDF nicht ihr (selbst) gefaßtes und strikt administratorisch statt sachlich durchgesetztes Sendungsbewußtsein als obligatorisches Sprachrohr des politisch amtierenden Establishment (das diese Führungskader ja etabliert hat) beendet und sich nicht wahrhaftig zum „öffentlich gerechtfertigten“ Sprachror ihrer Nutzer macht, solange kann ARD und ZDF machen was sie wollen: es wird stets eine alte Tante, die immer weniger Menschen „begleiten“ möchten in ihren Abstiegstendenzen.
Allem voran ist sofort jegliche privatwirtschaftliche und damit kommerziell geprägte Quotenbewertung angeblicher Sehbeteiligungen abzuschaffen, da für inhaltliche Programmbewertung völlig irrelevant bei der Gestaltung von Programmen nach diesen Kriterien.
Dann ist umgehend die durchgängige interaktive Teilhabe der Zuschaue zum und im laufendem Programm, kombiniert mit der digitalen Schiene zu installieren.
Grundsätzlich sind alle sogenannten „Sparten“-Einteilungen aufzuheben, der Mix zwischen „erhabener“ und sogenannter „Volkskultur“ breit gängig durchzusetzen, um die unterschiedlich interessierten Zuschauer auch mit den ihnen noch nicht oder weniger bekannten Programmangeboten zu konfrontieren und deren gleichwertige Berechtigungen in unserem Leben wieder erleben zu lassen, letzlich auf diesem unplakativen Weg auch die Gemeinsamkeiten von alten und jungen Zuschauern zu fördern, statt die Generationen weiter zu entfremden – das sollte strikt als Sparten-Schmalspur den darauf bereits spezialisierten Privatfunkern überlassen werden.

Läuft das alles so , sind auch Bedingungen für spezielle Projekte gegeben, die explizit jüngste und junge Leute wie eben solche Medien und Techniken so aufzubringen, daß die Jüngsten die Eltern dafür interessieren wollen, ja: wollen.

Und dazu gehört durchgängig die unmittelbare Teilhabe der Zuschauer im Programm, nicht nur durch verdeckte Meinungsäußerungen oder ähnl.

Und:
TV-Programme, die noch immer darauf setzen, außerhalb der Nachrichten und Berichterstattungen ganztags täglich mindestens 10 Morde und 35 Gewalttätigkeiten über viele Stunden zum Hauptgegenstand ihrer bewegten Bilder zu machen, sollten sich nicht wundern, wenn sie sich damit mitschuldig machen an einer allgemeinen Verrohrung unsere Gesellschaft, deren Teile nicht mehr bereit sind, aufeinander zu zu gehen und Ausgleich herzustellen, weil ihnen inzwischen jahrzehntelang ein völlig anderes imaginär es scheinbares Bild von Gesellschaft vermittelt wurde, in der die geballte Kraft intelligenter Konfliktbewältigung grundsätzlich dominiert zeigt, daß Tötungen von Menschen unnötig sein können.

Alles, was davor an Millionen verschüttet wird, sollte wenigstens dazu benutzt werden, diese hier aufgezählten Elemente zu üben, entsprechend andere Bücher in Auftrag zu geben, neue Teilhabekonzepte zu testen, bei den jüngsten angefangen, ohne wieder mit fehlendem Sachverstand und Situationsnähe anderen poppigen Erscheinungen hinterher zu jagen.
Die Örelis erhalten ihr Geld von den Zuschauern nicht für das Hinterherjagen, sondern für das Vorpreschen, das Entwickeln von Neuem, das Beseitigen jeder Knete, allen Instrumentalismus in den Sendern, auch nicht für den Religions- und Parteienproporz in den Redaktionen, den Leitungen und in den Gremien – wenn Örelis versagen, dann ist dieser seltsam verschleiert praktizierte Proporz wohl der erste Todesstoss, weil er die benötigte Kreativität im Grundsatz verhindert.

Den Hinweisen des Autors kann nicht genug Gewicht verliehen werden, was @Peter und @Patrick nicht einmal von ihren Ansichten abbringen muß, auch dort gibt es reichlich Knete, die darauf wartet, die Renditevorstellungen der Privateigner bei ihrem Unternehmensziel „Verkauf von Werbezeiten“ – ob mit oder ohne Programm als geblümtes Packpapier für Werbespots, zu steigern, wenn es sein muß, auch mit mehr Toten am Tag, TV als Schlachterei.

Peter | 16.07.2015 | 19:46 Uhr

Ich habe festgestellt, dass ich meinen Vorschlag unter 03.07.2015 | 06:00 Uhr klarer formuliert muss: Mit Nettoeinkommen der Bevölkerung ohne Sozialhilfeempfänger und Spitzen-Einkommen über bspw. 150 000 Euro pro Jahr ist ein Gesamtwert gemeint, der ähnlich dem BIP ermittelt wird.
Und von diesem Betrag gibt es dann einen Anteil, vermutlich zu messen in Promille, der vielleicht heute 1 Mrd. Euro entsprechen würde, morgen vielleicht weniger wird, wenn die Menschen weniger verdienen und übermorgen vielleicht wieder mehr, wenn die Einkommen in der Mitte der Gesellschaft steigen.
Mit dieser Berechnung müssten die ÖR dann auskommen, ewig. Dann läge ihr Hauptinteresse nicht mehr im eigenen Wachstum in Relation zu den anderen, sondern im Wohlstand der Bevölkerung. Programmentscheidungen könnten dann nicht mehr dazu führen, das die Bevölkerung stärker belastet wird, wie es jetzt der Fall ist. Und wie gesagt: Es wäre noch immer eine Menge Geld!

Peter | 08.07.2015 | 06:13 Uhr

@ M. Boettcher | 07.07.2015 | 18:08 Uhr

Mir fiele da noch viel mehr ein. Warum müssen zwei Intendanten mehr verdienen als die Bundeskanzlerin? Warum verdienen sie alle mehr als der jeweilige Ministerpräsident? Ist dieser eine Lebensausschnitt mit dem Namen Fernsehen etwa wichtiger als alles, was sonst das Leben ausmacht?
Weil es viel anstrengender ist, den „Nabel der Welt“, das Fernsehen zu verwalten?
Für mich gilt noch immer der Grundsatz: Wer Menschen gegen ihren Willen Geld vom Netto nimmt, sollte mit äußerster Sparsamkeit glänzen. Andernfalls gibt es zu diesem Tun nicht nur keinen gesellschaftlichen Konsens, es wird sogar als Unterdrückung empfunden. Bezahlt wird nur noch, um in Ruhe gelassen zu werden. In anderen Zusammenhängen nennt man so etwas Schutzgeld.
90 % der Angebote der Öff-Sender sind so verzichtbar, dass man sie in den Bereich der freiwilligen Bezahlung verschieben kann. Aber vielleicht hat da ja jemand Angst vor der Wahrheit?

M. Boettcher | 07.07.2015 | 18:08 Uhr

@Gerald Fix: ich bezweifle, dass eine Halbierung der finanziellen Mittel zum Zusammenbruch des ÖRR führen würde. Zunächst kann man ohne Verlust auf das ZDF verzichten, – als Adenauerfunk erfunden und als Spielwiese für das Ego der Minsterpräsidenten betrieben, – was knapp 25% einspart. Sodann kann man sich eine Reihe Regionalprogramme der ARD schenken. Z. B. sind die Landesprogramme des NDR nur entstanden, weil die Ministerpräsidenten der beteiligte Bundesländer ihren politischen Einfluss erhöhen wollten. Auch auf diverse Rundfunkprogramme der großen Sender könnte man problemlos verzichten. Schließlich könnte man die Ausgeben für Fußball und sportliche Großereignisse ebenso reduzieren wie für die Jauchs, Pilawas, Kerners, Wills etc., ohne dass das Programm inhaltlich darunter leiden würde. Bis 50% Reduktion sehe ich überhaupt kein Problem, was zu Beiträgen/Gebühren von ca. 8 € pro Monat führen würde. Wenn man etwas genauer hinsieht, entdeckt man sicher weiteres Reduktionspotential. Warum z. B. muss eigentlich 24 Stunden auf allen Fernsehkanälen gesendet werden? Sind Nachtwächter eine relevante Zielgruppe?

Patrick S | 06.07.2015 | 19:10 Uhr

@C. Mayer
Jugendliche schauen solche Sendungen weil es seit Jahren keine Alternativen von den ÖR für sie gibt. Außerdem schauen sie ja auch andere Sendungen.

ZDFNeo ist eben auch nur eine Alibi Veranstaltung. Der hat auch nur ein geringes Budget und dort kommen hauptsächlich auch nur Wiederholungen von Sendungen die für ältere produziert wurden. Mit den paar wenigen Sendungen für Junge die dort kommen kann man niemanden hinlocken. Deshalb wird der Jugendkanal auch scheitern wie ZDFNeo. Weil es einfach nur eine halbherzige Alibi Lösung ist. Wenn man mehr Junge erreichen will muss man das Hauptprogramm ändern und wirklich mehr Geld für Jungen in die Hand nehmen!

Die Übertragungen der Rockkonzerte funktioniert ja auch und wird angenommen. Deren Quoten ist ja doppelt und dreimal so hoch wie das restliche Programm der „Digitalsendener“. Aber mit zwei, drei Rockkonzerten im Jahr kann man keinen Sender für Junge machen oder Junge an einen Sender binden.

Gerade für Junge Menschen sind 17,50 im Monat viel Geld und unsere ÖR geben pro Jahr 8000 Millionen Euro aus. Da ist viel einsparpotenzial vorhanden. Was aber nicht genutzt wird. Sowas ist für die Akzeptanz auch nicht förderlich. Niemand gibt gerne mehr aus als es müsste und bei unsere ÖR geht es um Milliarden Beträge.

Peter | 06.07.2015 | 16:17 Uhr

@C. Mayer | 05.07.2015 | 19:56 Uhr

Ihre Argumentation enthält einen großen Denkfehler. Sie geht davon aus, dass Fernsehen eine förderungswürdige Freizeitbeschäftigung ist. Das ist es aber nicht.

Die 17,50 Euro (bei denen es übrigens nicht bleiben wird, wenn man sich nicht wehrt, und die es auch nicht nur sind, weil der Beitrag der Firmen wie Mehltau auf allen Preisen liegt) sind IN JEDEM FALL als Mitgliedsbeitrag in einem Verein (Sportverein, Kulturverein…etc.), als Mitgliedsbeitrag in der städtischen Bibliothek, als Fahrkarte für eine Kurzreise, für ein Treffen mit Freunden, als Eintrittskarte beim Sinfonierorchester, für gesundes Essen, ein Ersatzteil für das Fahrrad des Kindes usw., usf. besser, deutlich besser angelegt.

Ich erlaube mir, ihnen dazu aus einem Buch zu zitieren:

…“Während die Prozentsätze derer, für die das Handy oder das Internet zu einem Suchtmittel zu werden droht, bei den jüngeren deutlich über dem Durchschnitt liegen, sind die Älteren überproportional unter denen vertreten, die dem Fernsehen nicht widerstehen können…“

an anderer Stelle: ..“ Menschen mit intakter Selbststeuerung benutzen Internet, Smartphones und das Fernsehen für konkrete, definierte Vorhaben und Zwecke. Sie machen sich die Potenziale des Präfontalen Cortex zunutze und treffen eine gezielte Auswahl. Süchtige dagegen suchen im Bildschirm ein nicht näher definiertes Glück.“ …

Aus „Joachim Bauer, Selbststeuerung – Die Wiederentdeckung des freien Willens.“

Und den Suchtstoff sollen wir per Zwangsgeld liefern? Übrigens erhielt ich von einer Staatskanzlei, als ich mich als Nicht-TV-Besitzer über die Verdreifachung des Rundfunkbeitrages ab 1.1.2013 beschwerte, die sinnige Auskunft, dass es Privatfernsehen in Deutschland nicht ohne öffentlich-rechtliches Fernsehen geben könne. So als ob der Süchtige therapiert würde, wenn man neben die Linie Kokain noch einen gesunden staatlichen (äh…staatsfernen) Apfel legt.

Im übringen ist, wie bereits gesagt, der Betrag von 17,50 Euro für die Jugendlichen in einem schnellen Internetzugang auch besser angelegt, denn dort ist der Grad der Selbstbestimmtheit bei der Nutzung einfach höher als bei der linearen Berieselung durch die Öffentlich-Rechtlichen.

Das Argument, man fände dieses oder jenes gute Angebot bei den Privaten nicht, ist ebenso falsch. Erstens gibt es Pay-TV, es ist technisch möglich. Und zweitens wissen wir nicht, wie die Angebote aussähen, wenn es die Zwangszahlung nicht oder nur in viel geringerem Maße gebe.
Private und ehrenamtliche (!) alternative Angebote konnten sich nur am Rande der öffentlich-rechtlichen Angebote entwickeln, denn TV war in seinen Anfängen nur öffentlich-rechtlich.
Meist wird irgendein persönlich für gut befundenes Angebot von ARD und ZDF ins Feld geführt, um den ganzen riesigen Apparat zu rechtfertigen. Das ist in etwa so, als ob man einen zwangsfinanzierten Autohersteller erhalten muss, der 99 Schrottmodelle und ein brauchbares Modell herstellt, weil es angeblich nicht möglich wäre, dieses brauchbare Modell anderweitig entstehen zu lassen, ohne so große Lasten für die Gesellschaft. Mit einer solchen Argumentation schützt man in Wirklichkeit nur die Verschwendung.

@
Gerald Fix | 05.07.2015 | 19:53 Uhr

Danke für das Lob. Mein Vorschlag, die Bindung an ein Nettoeinkommen der Bevölkerung, aus dem Spitzen-Einkommen (wie bei den ÖR – 2 Intendanten jeder mehr als die Bundeskanzlerin) heraus gerechnet sind, erfordert für den Umbau tatsächlich einen Plan. Zuerst muss der Grundsatz Programmfreiheit gleich Finanzierungsfreiheit vom Tisch, denn der ist wie der Befehl an die Krebszelle, sich zu teilen und zu vermehren.
Der Plan wird aber niemals aus den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten kommen. Eine einfache Frage: Wenn jemand einen Betrieb ohne echtes wirtschaftliches Risiko führt, aber trotzdem jedes Jahr 300 000 Euro aufs Privatkonto überwiesen bekommt, in einer extrem teueren Immobilie residiert usw… – Wie soll der noch erkennen (wollen), das er Bestandteil der Fehlleitung gesellschaftlicher Ressourcen ist?
Der Plan kann nur aus der Politik kommen. Und die wird sich nur bewegen, wenn Parteien nicht mehr gewählt werden, die auf einen Begrenzungs-Plan für die ÖR-Sender verzichten.
Gerade die jungen Menschen, die Pendler und die kleinen Selbstständigen werden sich noch eine Weile ärgern und aufregen. Aber dann genau das tun.

C. Mayer | 05.07.2015 | 19:56 Uhr

Ob man Jugendliche, die sich „Gute Zeiten,schlechte Zeiten oder irgendwelche getürkten Reality-Soaps oder Containershows mit dümmlichen Herumgelabere jahrelang angesehen haben, die über YouTube Filmchen von hinfallenden Kleinkindern, schwimmenden Katzen oder Personen beim Burger-Wettessen konsumieren mit halbwegs sinnvollen Sendungen gewinnen kann, erscheint mir doch recht zweifelhaft. Den Kritikern der Öffentlich-Rechtlichen möchte ich gerne Recht geben, dass das Vorabendprogramm des ZDF Fernsehen für Rentner ist, schon daran erkennbar, an welche Zielgruppe sich die Werbung richtet. Wo ist aber das Problem, auf einen der Digitalkanäle (z.B. zdf_neo unzuschalten. Dort wird man nicht mit Werbung behelligt und es ist definitiv kein Rentnerfernsehen.
Die Sender EinsPlus und ZDF-Kultur übertragen Rockkonzerte, z.B. Wacken, Rock am Ring und Wiederholungen des legendären Rockpalast. Das ist ein Angebot an jüngere Zuschauer, das man bei den Privaten vergeblich sucht.
Ob der Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro angemessen ist, möchte ich nicht beurteilen. Für den Preis von 2 Kinokarten kann ich wenn ich wollte jeden Tag in HD und ohne Werbeunterbrechung mehrere Spielfilme ansehen. Ein Spielfilm, der im Privat-TV gesendet wird bittet mich mit ca. 30 Minuten meiner Zeit für Werbeunterbrechungen zur Kasse und in HD fallen auch noch 60 Euro Jahresgebühr an. Auch Freizeit, hat ja einen gewissen Wert und den will ich nicht bei dümmlichen Werbespots vor dem Fernseher vertrödeln.

Gerald Fix | 05.07.2015 | 19:53 Uhr

@Peter
Schöne Zusammenfassung – allerdings erlaube ich mir, in einem Punkt anderer Meinung zu sein. Bereits eine Halbierung der finanziellen Mittel würde wahrscheinlich einen vollständigen Zusammenbruch des Systems bewirken, eine Reduzierung auf eine Milliarde ist illusorisch. Das deutsche öffentlich-rechtliche System arbeitet nach dem Gießkannenprinzip – Geld wird in alle Richtungen ausgegossen. Dort wo dann zufällig was wächst, wird ein Brunnen gebaut. Ihr Vorschlag würde einen Plan erfordern, den haben die nicht.

Peter | 04.07.2015 | 15:15 Uhr

@Patrick S 3.07.2015 23.27 Uhr

Wenn ein junger Mensch seine erste eigene Wohnung bezieht, dann ist wahrscheinlich das erste, was ihm in den Briefkasten flattert, die Geldforderung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Das geschieht zu einem Zeitpunkt, da in der Regel das Geld ohnehin sehr knapp ist. Das ist der Grund, warum die „ÖR zur Zeit keinen guten Ruf bei den Jungen Menschen..“ haben. Die Orientierung des Programmangebotes an Rentnern, Krimi-Fans und Serien-Süchtigen steht mit Sicherheit an zweiter Stelle, dann man muss ja mit dem Schrott nicht seine Freizeit vergeuden, man soll ihn nur zahlen.
Zum Beispiel möchte der junge Mensch in seiner ersten eigenen Wohnung einen schnellen Internetanschluss. Sein Budget ist aber begrenzt. Und nun stünde er vor der Entscheidung, schneller Internetanschluss oder Rundfunkbeitrag. Theoretisch. Praktisch wird sie ihm abgenommen. Wenn das Geld fürs schnelle Netz dann nicht mehr reicht: Sein Problem! Deshalb hätten die Granden in den Sendern auch so gern ein „trimediales“ Angebot gehabt, damit der Widerspruch nicht so auffällt. Haben die Minister-Präsidenten aber nicht erlaubt dem ach so staatsfernen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Der richtige Weg, die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei jungen Menschen zu verbessern, wäre eine sehr deutliche Senkung des „Rundfunkbeitrages“. Das hat mit „kaputt sparen“ überhaupt nichts zu tun. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland senden auf 23 Fernsehsendern und etwa 70 Radiosendern rund um die Uhr. Sie betreiben hunderte Internet-Angebote in Form von Websites, Apps usw….Sie haben umfangreiche sogenannte „off air“-Angebote, also Veranstaltungen mit sehr geringen oder null Eintrittsgeldern und sie geben sogar Gedrucktes heraus.
Angenommen, der „Rundfunkbeitrag“ würde von etwa 9 Milliarden Euro (nach neuesten Schätzungen betragen die Mehreinnahmen mit der „Umstellung“ 1,8 Mrd. Euro)auf eine Milliarde pro Jahr gesenkt, so wäre das noch immer unglaublich viel Geld. Mit diesem Geld produzierten die ÖR dann eben deutlich weniger parallel, sondern konzentrierten sich auf wenige Angebote, die aber so gut sind, dass sie alle Bevölkerungsgruppen ansprechen, also ggf. vom Jugendlichen bis zum Rentner, dann hätten sie Akzeptanz in der Bevölkerung.
Im Moment ist der „Rundfunkbeitrag“ in seiner jetzigen Höhe aber nicht mehrheitsfähig. Wahrscheinlich ist nichteinmal ein „Rundfunkbeitrag“, also unter Androhung von Zwang eingetriebene Abgaben von einem Einkommen, das bereits durch Steuern und Sozialabgaben vermindert ist, überhaupt mehrheitsfähig. Das würde sich ändern, wenn man in den Anstalten sparsam lebte und einige wenige, aber gute Programmangebote machen würde.
Das jetzige System erhält sich nur durch ein Agieren knapp unterhalb der Wutgrenze und eine strukturelle Überlegenheit gegenüber jenen Menschen, die sich zu Recht über die Verschwendung beim ÖR aufregen.
Wie sieht das konkret aus: Der Rundfunkbeitrags-Staatsvertrag enthält eine Fülle von Möglichkeiten, noch mehr Geld aus Betrieben und Haushalten heraus zu holen. Die werden aber nur „nach und nach“ in Anwendung gebracht. Man wartet, bis sich die Betroffenen an die eine Zahlung gewöhnt haben, dann beginnt man die nächste einzufordern (für das „nicht rein privat“ genutzte Auto, die Nebenwohnung, Betriebsstätten mit 0 Arbeitnehmern). Jene Personengruppen, die vom Rundfunkbeitrag am stärksten betroffen sind, sind auch die, die am schlechtesten in der Position sind, den Widerstand gegen den Rundfunkbeitrag zu organisieren: Pendler, hart arbeitende Menschen mit einem Einkommen knapp über Hartz IV, kleine Selbstständige..
Jene, die Zeit haben, können sich vom Rundfunkbeitrag befreien lassen.
Jene, die Geld haben, leiden unter 17,50 Euro pro Monat (und ggf. zusätzlichen zu Geldforderungen führenden Tatbeständen..) nicht genug, um sich um den Widerstand zu kümmern. Dann gibt es noch diese oder jene Sendung, die diesen Menschen gefällt oder sie partizipieren selbst durch öffentliche Darstellung ihrer Anliegen oder Aufträge – und schon kommt auch von dort kein Widerstand.
Das nennt man insgesamt „strukturelle Überlegenheit“.
Doch bei jenen, die hart arbeiten und sich kaum wehren können, steigt allmählich die Wut. Das treibt sie ggf. auch in die Arme von Extremisten.
Vielleicht sollte man unter diesem Aspekt einmal über den „Demokratiebeitrag“ nachdenken. Dass Seifenopern nicht der Demokratie dienen, ist sicher auch schon vorher klar.

Patrick S | 03.07.2015 | 23:27 Uhr

Ich denke auch dass das Jugendangebot scheitern wird. Die ÖR haben zurzeit keinen guten Ruf bei den Jungen Menschen und das könnte sich nur mit einer großen Anstrengung der ÖR ändern. Die Alibi Lösung des Online Jugendkanals ist viel zu wenig. Man müsste auch das Programm in den Hauptsendern ändern und endlich mal Programm für alle gleichermaßen machen anstatt nur die gleichen Gruppen anzusprechen (Krimi-Fans, Rentner).

Es ist ja nicht so das Jugendliche nur noch im Internet sich bewegen… sie sehen ja noch fern. Solange die ÖR nichts Substanzielles im Fernsehprogramm ändern solange werden sie auch keinen Erfolg haben. Ich weiß auch nicht warum Jugendliche auf den Online Jugendangebot der ÖR zurückgreifen sollen.
Im Internet gibt es ja genug etablierte alternativen für sie und bis jetzt haben die ganzen „Jugendsendungen“ der ÖR eher mit schlechter Nachahmung der Privaten Konkurrenz geglänzt. Ich weiß nicht warum das jetzt anders sein solle.

Auch finde ich die Summe des Angebotes für die Jugendlichen zu wenig. Die ÖR haben über 8000 Millionen Euro zur Verfügung und wollen jetzt 45 Millionen für das Jugendangebot ausgeben. Da stimmt das Verhältnis nicht.

Peter | 03.07.2015 | 06:00 Uhr

Der Autor hat recht. Aber es war auch nichts anderes zu erwarten. Aus einem System, das sich per Drohbrief, Schufa-Eintrag und Gerichtsvollzieher am Leben erhält, um Fernseh-Millionäre zu füttern, kann nichts Sinnvolles heraus kommen. Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Aber die Wahl der Mittel wirkt auf jene zurück, die sie einsetzen. Das sind ARD und ZDF. Man hält sich für Gott und die anderen für dumm, weil sie noch zahlen, um in Ruhe gelassen zu werden.
Mit dem Rundfunkbeitrags-Staatsvertrag wurden die Anstalten praktisch ins Paradies geschossen. Niemand, der menschenwürdig leben will, kann sich ihren Geldforderungen mehr entziehen.
Wer hat den Rundfunkbeitrag beschlossen?
Landtage.
Die also muss man sich weiter warm halten, damit sie nicht auf die Idee kommen, mal einen Staatsvertrag zu verabschieden, der das Wachstum des öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehapparates wirksam und endgültig begrenzt.
Nun stellen wir uns doch mal vor, über einen interaktiven Kanal würden die Journalisten bei ARD und ZDF mal aufgefordert, zu recherchieren, was Landtagsabgeordnete so alles tun. Vielleicht mit ein paar konkreten Hinweisen gespickt.
Das würde ja wirklich auffallen, das sie dann garnichts tun, es sei denn, der Abgeordnete ist ohnehin ein Gegner der Finanzierungsform, die ARD und ZDF so satt ausstattet, das 43 Millionen in den Sand gesetzt sowieso keine Rolle spielen.
Deshalb muss der „Jugendkanal“ zwangsläufig angebotsorientiert bleiben. In der üblichen Masche der selbsternannten Volks-Belehrer. Ein anderes Konzept als das oben beschriebene konnte garnicht heraus kommen. Um weiter viel Geld zu erhalten, darf man es sich mit der „zweiten Ebene“ dieser Gesellschaft nicht allzu sehr verderben. Man selbst ist ja die erste Ebene. Zumindest vom Einkommen her.
Das einzige, was den öffentlichen-rechtlichen Rundfunk in Deutschland zu einer Institution machen würde, die der Gesellschaft nützt, anstatt sie vor allem auszubeuten, wären eine klare Grenze seines Wachstums. Man könnte beispielsweise vom Rundfunkbeitrag befreite geringe Einkommen und Einkommen auf der Höhe von Intendanten- und Programmdirektorengehältern herausrechnen, also eine Art Nettoeinkommen des Mittelstandes in Deutschland ermitteln. Von diesem Betrag würde dann ein klar bestimmter Anteil in Form des Rundfunkbeitrages an die Anstalten fließen. Und es dürfte nie einen Cent mehr geben, es sei denn, es steigt auch dieses Nettoeinkommen.
Plötzlich lägen im ureigensten Interesse der Anstalten nicht mehr Menschen, die vor dem Fernseher via Vorabend-Serie verdummen, träge werden und dann zahlen, ohne nachzufragen. Plötzlich hätten die Anstalten Interesse an einer leistungsfähigen Bevölkerung, weil die netto mehr verdient. Und plötzlich würden die Anstalten jede Art von Steuerverschwendung recherchieren und anprangern, also schlicht und einfach ihren Job machen, anstatt Milliarden für wenig Sinnvolles und aufgeblähte Apparate zu verschwenden.
Nur kann eine solche Veränderung nicht aus den Anstalten selbst kommen. Dort hat man nur eines im Sinn: Wachsen!

Nils Dob. | 03.07.2015 | 03:15 Uhr

Durchaus valide Kritik. Kann jedoch nicht ganz nachvollziehen, warum man nicht von Herausforderungen spricht anstatt von „[…] Schmerzpunkte(n) des Konzepts, an denen es – sollte es keine größeren Korrekturen geben –, vermutlich scheitern wird.“ Eine Chance könnte man dem Ganzen schon geben. Abwarten, was tatsächlich aus dem Konzept entsteht…