Media Entrepreneure könnten Mäzene ohne Geld sein

Müssen Journalisten heutzutage auch Unternehmer sein? Nein, das müssen sie auf keinen Fall. Aber ein Teil von ihnen sollte es. Klingt kompliziert? Nun: Die Medienbranche ist kein Ponyhof, gell?!

Julian Heck hat auf Carta die Diskussion angezettelt, ob Journalisten auch Unternehmer sein müssten. Stefan Aigner und Hardy Prothmann widersprachen. Recht haben… alle drei.

Journalismus ist, so habe ich es bereits im Studium gelernt, ein meritorisches Gut. Heißt vereinfacht gesagt: Keiner will’s, jeder braucht’s. Sowas verkauft sich gelinde gesagt mies. Anders verhält es sich mit Katzenbildern. Die braucht eigentlich kein Mensch, aber andererseits… Schaut selbst, hier.

Die wenigen, die nun von den Katzen wieder zu diesem Artikel zurückgekommen sind, interessieren sich wirklich für den Journalismus als solchen. In diesem Sinne habe ich die gewünschte Lesergruppe durch gezielten Einsatz von Katzen eingegrenzt. Miau!

Auf den ersten Blick ist alles Mist

Jeder in einer Redaktion weiß: Unfallfotos und Tierbabys gehen immer. Denkt ein Journalist unternehmerisch, so der Vorwurf, würde er mehr in Katzen machen als in Investigativ-Stories. Er würde sich von redaktionellen Qualitätsstandards trennen und die Ellbogen ausfahren. Andererseits: Denkt ein Journalist nicht unternehmerisch, so der andere Vorwurf, macht er tollen Journalismus, den aber keiner anschaut und für den erst recht keiner zahlt.

Also, alles Mist? Auf den ersten Blick ein klares: Ja. Wäre es nicht so, müssten wir ja nicht darüber diskutieren, oder? Und das zeigt schon, dass es die perfekte Lösung nicht gibt. Wie wäre es demnach mit der folgenden Behilfskonstruktion:

Nicht alle Journalisten sollen unternehmerisch handeln, aber sehr wohl einige Menschen, die Journalisten sind.
Ich kann mir schon denken, dass man mir hier Erbsenzählerei vorwerfen wird. Stellen wir doch mal klar: Ja, ich bezeichne mich als Journalist. Aber ich bin deshalb nicht nur Journalist. Das ist situationsabhängig: Ich bin auch Leichtathlet, Freund, BVB-Fan, Mensch, Säugetier, Deutscher und vieles mehr – vielleicht auch Erbsenzähler. In meiner Rolle als Journalist sollte ich journalistisch handeln (Ganz nach Forrest Gumps „Dumm ist der, der Dummes tut“). Wenn ich jemanden interviewe, die Relevanz eines Themas abwäge oder Fakten prüfe, also einer journalistischen Tätigkeit nachgehe, dann hat unternehmerisches Denken außen vor zu bleiben.

Unternehmertum ist manchmal unvermeidbar

Wenn irgendwer in unserer Branche nur Journalist ist, dann ist das auf jeden Fall genug. Viele sind es aber nicht. Einige, weil sie ihren Job verloren haben und sich selbst etwas Neues aufbauen wollen, andere weil sie innerhalb medialer Arbeitsverhältnisse auf Positionen gelandet sind, auf denen Sie auch unternehmerische Verantwortung übernehmen müssen und wieder andere, weil sie sich aus freien Stücken und zum Teil journalistischen Motiven dafür entschieden haben (z.B. Krautreporter).

Wie mit einer solchen Situation umgehen? Natürlich sollten die Personen während ihres journalistischen Arbeitens nun nicht auf einmal auch Unternehmer sein. Dann wären sie schlechte Journalisten. Sich aber nur auf seinen Job als Journalist zu beschränken, wäre dennoch falsch. Wer in Führungsverantwortung oder bei der Gründung eines eigenen journalistischen Unternehmens nicht unternehmerisch denkt, handelt fahrlässig, sowohl gegenüber seinen Mitstreitern als auch gegenüber den Lesern.

Diese Person ist dann nämlich zwangsläufig nicht nur Journalist, sondern auch Unternehmer. Ich kenne viele Kollegen, die tolle journalistische Vorhaben gestartet haben. Die wenigsten haben Finanzierungskonzepte. Einige, weil sie diese Seite der Medaille für nicht so wichtig erachteten, andere, weil sie naiv denken, dass würde sich von alleine mit Anzeigen oder Spenden ergeben. Zudem gibt es eine nicht zu vernachlässigende dritte Gruppe, die schon aus Prinzip nichts mit diesen Fragen zu tun haben will.

Ein Gründer, der sich nicht um Finanzfragen kümmern will, sollte meines Erachtens aber entweder noch im Sandkasten sitzen oder stinkreich sein. Bei allen anderen ist das kein akzeptabler Zustand, egal ob sie eine Taxi-App machen, bedruckte Postkarten oder eben ein journalistisches Medium. Denn ohne Unternehmertum ist das Produkt über kurz oder lang wieder weg vom Fenster – selbst wenn es mit einem Grimme Online Award honoriert wurde.

Wer das nicht machen will – und dafür gibt es gute Gründe – sollte entweder auf Jobs verzichten, in dem auch Unternehmertum gefragt ist, oder er sollte sich entsprechend kompetente Personen dazu holen. Aber das ist gerade für Start-Ups nicht immer eine Option. Zudem sollte man nicht vergessen, dass man dann Einfluss aus der Hand gibt. Wer ist es denn, der derzeit meist entlässt, der Investigativ-Journalist oder der Manager?

Ein Journalist, der auch Unternehmer ist, wird nicht zwingend zu einem schlechteren Journalisten.
Ich bin durch meinen Job auch nicht zwingend zu einem schlechteren Leichtathleten geworden. Wohl aber gibt es Momente, in denen ich Prioritäten setzen muss. Dann entscheidet sich, ob ich gerade Journalist oder Leichtathlet bin. Gerade Menschen, die für den Journalismus brennen, sollten nicht allein mit Kritik, sondern auch mit einem gewissen Vertrauensvorschuss auf Leute zugehen, die Journalist und Unternehmer zugleich sind oder sein wollen. Im Idealfall sind sie nämlich so etwas wie Mäzene, also Förderer des Journalismus. Nur dass sie nicht ihr Geld für eine gute Sache geben, sondern ihre Tätigkeit als Unternehmer.

Also: Nein, Journalisten sollten nicht Unternehmer sein. Aber Menschen, die Journalismus ermöglichen wollen, sollten nicht nur Journalisten sein.

 

Dies ist der vierte Debattenbeitrag zum Thema „Journalisten als Unternehmer?“. Die Reihe wird in loser Folge fortgesetzt.