Banking als Teil des Medienwandels

| 27.08.2014 | 3 Kommentare

Nicht nur Schellackplatten sind relativ selten geworden - auch die Banken haben sich von Formaten verabschiedet. Oder wie oft schreiben Sie noch Schecks aus?

Die Digitalisierung hat inzwischen nahezu alle Branchen (und Lebensbereiche) erfasst. Damit einher geht eine Verschmelzung von Medien bzw. Formaten, die bisher getrennt voneinander existierten.

Besonders augenfällig wird diese Entwicklung beim Thema Streaming, wie u. a. aus dem Beitrag Der Streaming-Effekt – Die Welt der Kunst im Zwischenspeicher der SZ hervorgeht. Erste, große “Opfer” dieser neuen Form des Konsums waren die Musik-und die Filmbranche.

Auch im Banking können wir seit einiger Zeit das Verschwinden altbewährter Formate wie Banknoten, Kontoauszüge, Überweisungsträger, Schecks und Lastschriften beobachten. Kontoinformationen verschmelzen immer häufiger mit Informationen aus anderen Medienkanälen – genannt seien nur Social Media. Das verschafft Unternehmen, die Plattformen für die Kommunikation über das Internet anbieten, wie facebook und Twitter, einen nicht zu unterschätzenden Vorteil.

Aber auch andere Anbieter, die über eine große Expertise bei der Suche, Bereitstellung und Verwertung von Informationen verfügen, wie Google, Amazon, PayPal und Apple, sind dabei, diesen neuen Medienkanal zu besetzen. Hinzu kommen noch Telekommunikationsunternehmen, Kreditkartenunternehmen, Einzelhändler und – abgeschlagen – die klassischen Medienkonzerne. Und nicht zu vergessen: die wachsende Zahl der FinTech-Startups. Selbst Mobilitätsdienstleister wie Automobilhersteller und die Bahn haben den Markt inzwischen für sich entdeckt.

Ziel fast all dieser Bemühungen ist das Segment Mobile Payments. Wie an keiner anderen Stelle laufen hier die verschiedenen Informationsströme zusammen. Wer es schafft, in diesem Segment eine Schlüsselposition einzunehmen, kann daraus großen Profit ziehen – nicht nur aus Werbeeinnahmen.

Insofern ist nicht mehr die Frage, ob die Banken den Wettlauf bei den Mobile Payments gewinnen können. Das ist, sofern die These stimmt, dass die bisherigen Medienkanäle im Bereich Zahlungsverkehr verschmelzen, schlicht nicht mehr möglich – dafür ist die Konkurrenz zu stark und der Vorsprung einiger Anbieter bereits zu groß. Die Entwicklung lässt sich nicht mehr zurückdrehen.

Das Problem liegt auf einer anderen Ebene: Die Banken werden ihre Rolle neu definieren müssen, um im Spiel bleiben zu können.
 
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