Brafus 2014: Was hat die WM mit Brasilien gemacht?

Seit dem 6. Juni haben Christian Frey, Birte Fuchs und Kai Schächtele von dem anderen Brasilien berichtet, das über der Fußball-WM beinahe vergessen wurde, von den sozialen Problemen, von den Menschen.

Am 6. Juni, als Brasilien noch als Favorit der Fußballweltmeisterschaft galt, haben die Drei ihre multimediale Reisereportage begonnen. Und sind von ihrer ersten Gastgeberin Francisca nachdenklich begrüßt worden:

Lange haben wir uns gestern mit Fran über ihr Leben [unterhalten] und darüber, warum sie so traurig ist, wenn sie an Brasilien denkt. Das Problem ihres Landes sei nicht, dass es zu wenig Geld gibt. Sondern, dass ihre Landsleute den falschen politischen Führern folgen. Nichts wäre nach ihrer Meinung deshalb fataler für die Zukunft Brasiliens, als wenn die Seleção diese WM gewönne.

Diesen Problemen sind sie in den letzten Wochen für ihr crowdgefundetes Projekt nachgegangen, in kleinen und großen Städten, in Condominios und Favelas, in den Bergen und beim Samba, bei Obdachlosen, in der U-Bahn, im Bus, in Bars, auf Demos und auf Fan-Festen. Manchmal kamen sie vor lauter Einladungen mit dem Berichten kaum nach. Dabei haben sie herausgefunden, dass, obwohl der Protest klein ist, er in allen Staaten stattfindet. „Qualität ist wichtiger als Quantität.“

Aber vor allem haben sie Menschen erlebt, die wütend sind, die Veränderungen wollen, die nach ihren Möglichkeiten dazu beitragen möchten; für die es um mehr geht als um ihr ganz persönliches „Essen, Haus, Arbeit“. Die Berichterstatter überlassen ihren Gesprächspartnern in teilweise anrührenden Interviews die Schilderung und zeigen in Wort und Bild eine Wirklichkeit, die von unseren Vorstellungen von Brasilien Lichtjahre entfernt ist.

Morgen ist das Endspiel und zugleich der Tag, an dem Fuchs, Frey und Schächtele ihre Reportage beenden wollen. Damit endet auch ein weiteres, erfolgreiches journalistisches Experiment:

Lest nach, was „neben“ der WM alles passiert ist. Es lohnt sich.

Hoffentlich können die drei Journalisten noch ein paar Tage verschnaufen und wirklich ein bisschen Sonne und Caipirinha genießen. [Nachtrag: können sie.] Und dann: Willkommen daheim. Wir sind schon gespannt auf euer nächstes Projekt.