Deutsche Kreditwirtschaft arbeitet an PayPal-Alternative

| 24.06.2014 | 4 Kommentare

Allerdings nicht mit Hochdruck. Aber immerhin.

Am vergangenen Mittwoch veröffentlichten zahlreiche Medien eine recht umfassende Darstellung der neuen Konkurrenz der Banken:  Internetfirmen drängen ins Bankgeschäft. Regelmäßigen Lesern meines Blogs und meiner Kolumne für das Wall Street Journal dürften zwar die meisten Inhalte bekannt vorgekommen sein, dennoch war das ein gut zu lesender Überblick, was sich auf technologischer Ebene im Banking tut bzw. noch nicht tut (siehe auch Prof. Nils Hafner: Was Banken wohl zu Banken macht).

Über eine der von Reuters bereitgestellten Informationen aus dieser Zusammenfassung habe ich noch nichts geschrieben, nämlich, dass die deutsche Kreditwirtschaft an einer PayPal-Alternative arbeitet.

Die Autoren schreiben:
 

“Die Größe und der Erfolg der Ebay-Tochter haben die Finanzbranche aufgeschreckt. Die deutschen Banken basteln unter dem Dach des Branchenverbands Deutsche Kreditwirtschaft an einer Alternative zu PayPal, wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen berichten.

„Wir glauben, dass wir ein besseres Angebot als Paypal hinbekommen“, sagt ein mit dem Thema vertrauter Manager. Er setzt darauf, dass die meisten Deutschen beim Bezahlen im Internet lieber einen Service ihrer Bank nutzen als das Angebot eines Internetkonzerns aus Kalifornien.”

 
Das Gerücht waberte schon längere durch die FinTech- und Payment-Szene, hat dort aber bisher weder für Sorgen und noch nicht einmal für Aufregung gesorgt. “Facebook und Co. im Payment-Rausch” kommentierte ich vor einigen Wochen die Weltmeisterschaften im Ankündigen neuer Lösungen im traditionellen oder mobilen Zahlungsverkehr. Doch trotz der Ankündigungseuphorie beim mobilen Bezahlen ist der Durchbruch am europäischen und amerikanischen Markt bisher ausgeblieben.

Selbst, wenn die einzelnen mobilen Anwendungen technisch ausgereift erscheinen: Es gibt zu viele proprietäre Inseln, die die Akzeptanz bei Kunden und Händlern erschweren. Hier hätten die Banken einen klaren Wettbewerbsvorteil, sollten sie sich tatsächlich auf einen einheitlichen Standard einigen. Wenn aber – wie bei SEPA – wieder nur der kleinste gemeinsame Nenner gesucht wird, dann muss sich wohl kein FinTech sorgen, es sei denn, der Gesetzgeber hilft wieder nach und erklärt die Lösung zum Standard.

Wann eine Lösung präsentiert werdn wird, ist nicht klar. Im Juli bin ich auf einer Veranstaltung des Bankenverbands und werde mich dort umhören. Die britischen Banken sollen für die clevere mobile Lösung paym 6 Jahre gebraucht haben.

 

Beschworener Bankenwandel

Ansonsten wird in dem gut zu lesenden Beitrag von Reuters wieder intensiv der Bankenwandel beschworen und mit markigen Zitaten unterlegt, wie etwa vom Chef der Hypovereinsbank, Theodor Weimer:
 

“Die digitale Revolution ist kein Trend mehr, sondern eine fundamentale Umwälzung. Wie wir im 19. Jahrhundert eine Veränderung durch die industrielle Revolution hatten, haben wir jetzt eine Veränderung durch die Digitalisierung.“

 
Der Wandel wird freilich schon seit Jahren beschworen. Darauf weise ich in meiner 50. Kolumne für das Wall Street Journal hin:

 

“In den vergangenen zwei Jahren habe ich über viele Veränderungen und neue Ideen geschrieben. Ein buntes Aufblühen lässt zwar noch auf sich warten, von einer großen Dürre kann aber keine Rede sein. Es gibt eine putzmunterer Digital-Finance-Szene, die die vor allem untereinander beschworene ‚Disruption‘ sucht. Die Entscheidungsträger der Finanzbranche schauten zunächst desinteressiert bis skeptisch auf die neuen Entwicklungen, orientieren sich aber in jüngster Zeit neu.

Die Beletage der Finanzwelt spürt, dass ‚digital‘ nicht nur etwas mit manchmal vernachlässigten Kundenbedürfnissen zu tun hat, sondern auch für immer mehr Mitarbeiter zu einem attraktiven Arbeitsplatz gehört. Dennoch, in der Priorität vieler Institute rangiert das Überwinden der digitalen Kluft weiter hinter Regulierung, Bilanzreparatur und Kostenoptimierung. Dass viele neue Entwicklungen genau dabei helfen können, scheint sich langsam in Banken herumzusprechen.

Seit Jahren wiederholen sich die Prophezeiungen, die dem Banking, wie wir es kennen, den Untergang prophezeien. Selbst wenn man sie mit rockiger Musik unterlegt, werden solche Ankündigungen nicht besser. Inflationär wird dabei das Attribut ‚disruptiv‘ verwendet. Das ‚Disruptive‘ oder ‚Revolutionäre‘ kam aber noch nie per Ansage. Ich lese seit 20 Jahren über ‚Revolutionen im Finanzsektor‘. Trotz der angeblich das Vertrauen so erschütternden Finanzkrise wird aber im Finanzsektor vor allem mit traditionellen Geschäften wieder viel Geld verdient.”

 
Die Reuters-Autoren haben auch bei einigen Netzgiganten nachgefragt, allerdings:
 

“Google, Apple und Facebook wollen sich zu ihren Plänen in der Finanzbranche nicht äußern. Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass die amerikanischen Giganten bald zum Angriff blasen. Apple hat das neueste iPhone laut Konzernchef Tim Cook auch deshalb mit einem Fingerprint-Sensor ausgestattet, weil das Unternehmen Interesse am Bezahlen über das Handy hat. Erste Erfahrungen mit Geldüberweisungen hat der Konzern bereits auf seiner Musikplattform iTunes gesammelt.”

 
Erfrischend ist, zu lesen, dass sich meine Beobachtungen aus vielen Gesprächen der letzten Monate bestätigen: dass nämlich das Interesse der traditionellen Finanzhäuser an neuen Lösungen gewachsen ist.
 
Crosspost vom Blick Log