Die crossmediale Rundfunkgebühr

Eigentlich ist der neue Rechercheverbund aus NDR, WDR und SZ eine tolle Sache. Konzentration der Kräfte und so. Aber findet da nicht eine unzulässige Vermischung von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und privater Presse statt?

Alles wird crossmedial. Anything goes. Jeder kann mit jedem, der Spiegel mit Springer, Springer mit der APO, die CDU mit der SPD, die Grünen mit Bouffier, Lanz mit …

Aber lassen wir das.

Jetzt wollen auch WDR, NDR und SZ qualitäts-journalistisch miteinander gehen. Das ist toll. Denn wenn künftig die neue Investigativ-Truppe aus allen Medienrohren schießt – Fernsehen, Rundfunk, Web, Zeitung, Buch (vielleicht sogar Merchandising?) – wackelt die Republik.

Die journalistische Enthüllung – möglichst groß gehypt – ist die neue Zweckgesellschaft des Medienbetriebs: 87 Journalisten aus 45 Ländern starten gleichzeitig … Wie bitte? Kampagnenjournalismus? Neinnein. Aktivistischer Journalismus?? Iwo. Solche Sachen machen nur die Bösen im Web.

Nun also Leyendecker – Mascolo – Goetz. Gemeinsam werden sie die Akte Hoeneß enthüllen (*hüstel*). Über ihnen thronen – wie Jeff Bezos bei der Washington Post oder Pierre Omidyar bei der GPS-Post (Greenwald-Poitras-Scahill) – die millionenschweren Intendanten Tom Buhrow und Lutz Marmor als Geld gebende Schutzmantelmadonnen. Das ist eine Win-Win-Situation.

Weil die schwäbischen SZ-Besitzer knausern (und selbst Milliardäre wie Hubert Burda mit Qualitätsjournalismus nicht mehr überleben können), müssen Geld und Infrastruktur für teuren Journalismus künftig aus den öffentlich-rechtlichen Anstalten kommen. Das ist die klammheimliche Ausweitung der Rundfunkgebühr zur Kulturflatrate.

„Beispielhaft“, jubelt NDR-Intendant Lutz Marmor, „gut für alle“, juchzt SZ-Chefredakteur Kurt Kister, „ein Vorzeigeprojekt“, jauchzt WDR-Intendant Tom Buhrow.

 

Ein erster Schritt

Im April vergangenen Jahres stand in der FAZ eine scharfe Polemik gegen den Plan des nordrhein-westfälischen Medienstaatssekretärs Marc Jan Eumann. Dieser wolle „mit der Rundfunkgebühr die Presse finanzieren“.

Eumann plant eine kleine Stiftung zur Unterstützung der Lokalpresse. Diese „Stiftung“, polemisieren seine Gegner, sei „nur ein erster Schritt auf dem Weg zu Eumanns Ziel: öffentlich-rechtliche Zeitungen und Online-Angebote, finanziert durch die Rundfunkgebühr, die seit 1. Januar Haushaltsbeitrag heißt.“

Weiter heißt es: „Eumann streitet das energisch ab – und wirbt zugleich offensiv für eine Ausdehnung des Gebührenmodells … Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Eumann auf die Frage, ob er die Rundfunkgebühr in eine Medien- oder Kulturabgabe umwandeln will: ‚Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir den Strukturwandel bei der Finanzierung der Herstellung der Öffentlichkeit, der sich gerade vollzieht, gesellschaftlich begleiten.’“

Jetzt haben einige Verleger ihre Abwehrhaltung offenbar aufgegeben.