KommPol 2014 · Wenn Zeitungen über Öffentlich-Rechtliche schreiben

Wie ausgewogen ist die Presseberichterstattung zur Zukunft des öffentlichen Rundfunks? Eine Studie der Universität Zürich prüft dies im Ländervergleich.

Brauchen wir heute noch einen öffentlichen Rundfunk? Soll sein Leistungsauftrag auf neue Plattformen wie das Internet ausgeweitet werden? Und ist die Gebührenfinanzierung noch legitim?

Solche Fragen stehen in allen Ländern zur Debatte, die einen öffentlichen* Rundfunk haben. Wie bei manchem medienpolitischen Thema dringen sie jedoch nur punktuell zu einer breiten Öffentlichkeit durch. Dabei wäre ein gesellschaftlicher Diskurs darüber wünschenswert.

Aus Mangel an anderen Foren kann dieser Diskurs primär in den (Massen-)Medien selbst geführt werden. Die Forschung hat jedoch gezeigt, dass der sogenannte Medienjournalismus hohe Anforderungen an Journalistinnen und Journalisten stellt. Wenn überhaupt über solche Themen berichtet wird, dann oft nur selektiv oder parteilich, vielfach unter Zuhilfenahme von „opportunen Zeugen“ aus dem intermediären Wettbewerb.

 

Presseverlage und öffentlich-rechtlicher Rundfunk bilden Debattenzirkel

Dass dies gerade bei der Berichterstattung der Presse über den öffentlichen Rundfunk zutrifft, scheint logisch – stehen die beiden doch bei der Etablierung ihrer Internetplattformen in direktem Konkurrenzverhältnis. Systematisch erforscht wurde die Frage jedoch bisher kaum. Die einzige Studie im deutschsprachigen Raum wurde von Maria Löblich durchgeführt.

Anhand von 82 Artikeln der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Frankfurter Rundschau, dem Spiegel und der taz zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag analysierte sie, wie das Online-Angebot des öffentlichen Rundfunks bewertet wird. Löblich kam zum Ergebnis, dass die Presse die öffentliche Meinungsbildung einengte, indem sie vor allem negativ wertete und wenig alternative Deutungsmuster anbot.

Doch wie wird generell – also auch dann, wenn gerade keine Gesetzesreform ansteht – über den öffentlichen Rundfunk berichtet? Wie schreiben Zeitungen, die sich nicht an eine gesellschaftliche Elite wenden? Und wie sieht die Debatte in kleineren Mediensystemen wie der Schweiz, Österreich oder Irland aus, wo der öffentliche Rundfunk eine noch zentralere Rolle innehat als in Deutschland? Ob sich hier ebenfalls die von Löblich gefundenen Tendenzen nachweisen lassen, soll in der Studie beleuchtet werden.

 

Unterschiedliche Schwerpunkte der Berichterstattung

Erste Resultate zeigen, dass in den letzten Jahren vor allem die Gebührenerhebung und das Online-Engagement des öffentlichen Rundfunks in allen untersuchten Ländern diskutiert wurden. Es zeigen sich jedoch auch unterschiedliche Schwerpunkte in der Berichterstattung: Während in Österreich häufig über die Führung des Österreichischen Rundfunks (ORF) diskutiert wird („Im Würgegriff der Parteien“), steht in der Schweiz der Streit zwischen den Verlegern und der Schweizerischen Rundfunkgesellschaft (SRG) über Online-Werbung („SRG und Presse sind weiter uneins“) im Zentrum.

In Irland ist der öffentliche Rundfunk Raidió Teilifís Éireann (RTÉ) stark von der Wirtschaftskrise betroffen, weshalb die Reformpläne von Generaldirektor Noel Curran viel Aufmerksamkeit erhalten haben („RTÉ: Budget and Broadcasting Act are to blame for €16.8m net deficit“).

In den untersuchten Zeitungen ist der öffentliche Rundfunk also durchaus ein Thema. Die Tendenz, negativ zu werten, scheint sich länder- und zeitungsübergreifend zu bestätigen. In Bezug auf den Umfang und die Vielfalt der Berichterstattung zeichnet sich zudem eine Kluft zwischen Elite-, Forums- und Boulevardzeitungen ab. Insofern bieten die Massenmedien nur bedingt eine geeignete Bühne für eine gesellschaftliche Debatte um die Zukunft des öffentlichen Rundfunks.
 


* In der Schweiz ist der öffentliche Rundfunk privat-rechtlich institutionalisiert (wenn auch mit öffentlich-rechtlichem Auftrag), daher benutzt die Autorin den Begriff öffentlich.
 

Im Vorlauf der Tagung ist bereits der für Carta aufbereitete Text von Martin Emmer, „Medienpolitische Herausforderungen in Deutschland“ als Schlaglicht vorab veröffentlicht worden. Es folgen morgen Thomas N. Friemel und Mareike Dötsch mit „Spiegeln Onlinekommentare die öffentliche Meinung wider?“

Abstracts zu den einzelnen Vorträgen finden Sie im Tagungsprogramm.

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