Gesa Ziemer: Komplizenschaft kann emanzipatorisch wirken

Komplizenschaft gibt es nicht nur unter Kriminellen, meint die Philosophin Gesa Ziemer im Carta-Interview. Der Begriff hat auch ein emanzipatorisches Potenzial, das bislang weitgehend brach liegt.

Die allgegenwärtige Vernetzung der modernen Gesellschaft hat nicht zuletzt auch neue Formen der Kollektivität hervorgebracht. War in den 80er Jahren die „Teamwork“ das Gebot der Stunde, entstand in den 90ern der Imperativ der jederzeitigen und umfassenden „Vernetzung“. Ein Begriff wie „Solidarität“ hingegen ist fast schon in Vergessenheit geraten, wirkt durch die Art, wie er Kollektivität einzufordern scheint, fast schon unzeitgemäß. Auch Freundschaften sind nicht mehr das, was sie mal waren: Sie lassen sich schlechter als früher von anderen Formen affektiver Bindung abgrenzen.

Etwa von der Komplizenschaft. Muss Komplizenschaft, eine Form zeitlich begrenzter und doch teils sehr intensiver, stark engagierter Kooperation, immer etwas Negatives sein? Oder lässt sich der Begriff aufwerten und zu einem Werkzeug der Emanzipation machen?

Auf dem Complicity-Kongress der Berliner Gazette im November 2013 entstand dieses Interview mit Gesa Ziemer, Professorin für Kulturtheorie und Vizepräsidentin für Forschung an der HafenCity Universität in Hamburg. Sie ist Sprecherin des Graduiertenkollegs »Versammlung und Teilhabe« und forscht an den Schnittstellen von Kunst, Kulturwissenschaft und Alltag. Ihr Buch „Komplizenschaft. Neue Perspektiven auf Kollektivität“ ist im Oktober 2013 beim transcript Verlag erschienen.

Unter den Kommentaren zu diesem Interview verlost Carta ein Exemplar des Buches. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, die Gewinnerin oder der Gewinner wird per Mail benachrichtigt. Die Aktion endet, wenn dieser Beitrag nicht mehr auf der Startseite von CARTA zu sehen ist.