Das Video: Wie engagiert darf, wie neutral muss Journalismus sein?

Am 10. Dezember feierte Carta im Berliner Basecamp sein fünfjähriges Bestehen. Und wie sich das für ein Debattenportal gehört, begann die Feier mit einer engagierten Diskussion.

In der gut einstündigen Debatte ging es um die Frage: „Wie engagiert darf, wie neutral muss Journalismus sein?“ Gilt die gute alte „Doktrin“ des Fernsehjournalisten Hanns-Joachim Friedrichs: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten …“ immer noch ohne jede Einschränkung? Oder muss dieser Leitsatz – nach Wikileaks und Snowden – modifiziert werden?

Journalisten, Publizisten, schreibende Zeitgenossen, die sich aktiv in öffentliche Angelegenheiten einmischen – statt sich auf Bericht und Kommentar zu beschränken – gibt es seit 120 Jahren. Seit der Dreyfus-Affäre in Frankreich (1894ff.), seit dem Aufkommen des Muckraker-Journalismus in Amerika (ab 1900) ist der „aktivistische Journalismus“ heftig umstritten. Er blieb es in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Kommunisten Egon Erwin Kisch und Leo Lania als rasende Reporter oder undercover die Demokratie gegen den aufkommenden Faschismus verteidigten.

Er blieb es in der Nach-68er-Ära, als Günter Wallraffs und Barbara Ehrenreichs Reportagen aus der Arbeitswelt für Aufsehen sorgten. In den neunziger Jahren polarisierten die Filme Michael Moores das Publikum. Und heute sind es die Aktivitäten von Autoren wie Jeremy Scahill, Amy Goodman, Laura Poitras oder Glenn Greenwald, die die Aufgaben und Grenzen des Journalistenberufs neu definieren wollen. Man könnte die Ausgangsfrage also genauso gut umgekehrt stellen: „Wie engagiert muss, wie neutral darf Journalismus sein?“

Die Teilnehmer der Debatte waren:

  • Juliane Leopold, Redakteurin bei ZEIT Online
  • Franz Sommerfeld, Vorstandsmitglied des Kölner Verlags M.DuMont Schauberg und
  • Wolfgang Michal, Carta-Herausgeber.

Souverän moderiert wurde das Gespräch von der Medienjournalistin Vera Linß (Deutschlandradio Kultur).

Die ursprünglich angekündigte ehemalige Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, musste ihre Teilnahme am Vorabend der Veranstaltung leider krankheitsbedingt absagen. Der Editorial Director der Huffington Post Deutschland, Cherno Jobatey, hatte Probleme mit seinem Flug nach Berlin.

Zu Beginn der Video-Aufzeichnung sprechen die Carta-Herausgeber Leonard Novy und Tatjana Brode ein paar einführende Worte aus Anlass des 5-jährigen Bestehens von Carta.