Scheitert die Piratenpartei am Ehrenamt?

Ein politisches Amt erfordert viel Kraft und Zeit. Das gilt umso mehr für eine Führungsposition. Blöd, wenn man sie neben Studium oder Brotberuf wahrnehmen und auch noch Geld mitbringen muss.

Jetzt hat auch Katharina Nocun, noch amtierende politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, angekündigt, für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen. Als Begründung schreibt sie in ihrem Blog:
 

“Das kann ich mir weder zeitlich noch finanziell erlauben.”

 
Spätestens jetzt ist es an der Zeit, die Idee mit dem totalen Ehrenamt bei der Piratenpartei kritisch zu hinterfragen.

Ich bin ja schon länger der Meinung, dass man für die Partei wichtige Positionen mit bezahlten Mitarbeitern besetzen sollte. Ganz einfach aus folgendem Grund: Wenn jemand, der die Arbeit freiwillig und unbezahlt macht, keine Lust mehr hat, kann er von heute auf morgen gehen. Das kann gewaltige Lücken reißen und wichtige Arbeit zumindest zeitweise unmöglich machen. Damit wird der Partei als Ganzes geschadet.

Natürlich kann man auch trotz Bezahlung keine Lust mehr haben. Ein plötzliches Ausscheiden ist dann aber aufgrund bestehender Verträge nicht mehr so einfach möglich. Auch ist das Verhältnis ein anderes. Argumente wie “Ich reiß mir für euch kostenlos den Allerwertesten auf und werde dafür auch noch dumm angemacht” hört man oft. Bei einer Bezahlung gibt es diese Begründung nicht mehr – und wenn man die Bezahlung als eine Art Schmerzensgeld für die Anmache der notorischen Flamer sieht.

Zu diesem Problem kommt noch ein anderes, und das wird aus Katharinas Abschiedstext deutlich: Es ist nicht mehr möglich, sich einen derartigen “Job” zeitlich und finanziell leisten zu können. Was folgt daraus? Vorstandsjobs können nur noch Menschen ausüben, die entweder genug Geld in der Hinterhand haben, um sich die Arbeit in der Piratenpartei finanziell leisten zu können, oder Hartz IV-Empfänger. Diese allerdings nur so lange, bis sie nicht Arbeit zugewiesen bekommen. Alle anderen Menschen werden durch das Ehrenamt ausgegrenzt, und damit entgeht der Piratenpartei eine immense Menge an Kompetenz.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Piratenpartei, will sie nicht völlig in der Bedeutungslosigkeit versinken, neben vielen anderen Dingen über eine Bezahlung von Vorständen und wichtigen Positionen wie IT-Verantwortlichen mindestens ab Landesebene nachdenken muss.

Auf dass wir die Chance haben, kompetente Menschen in die Vorstände zu bekommen, die dann auch länger als ein paar Monate ihren Job machen können, ohne dass sie das “wirkliche Leben” zwingt, ihre Parteiarbeit aufgeben zu müssen.

Die Piratenpartei steht für das bedingungslose Grundeinkommen. Fangen wir doch bei unseren Vorständen damit an.
 
Crosspost von Aranitas Gedanken