Entscheidungshilfe für SPD-Mitglieder

| 15.11.2013 | 4 Kommentare

In Leipzig wird gerade Werbung gemacht: Die SPD-Führung will den beim Parteikonvent anwesenden 230 Delegierten die Zustimmung zur Aushandlung eines Koalitionsvertrags verkaufen.

Die Werbestrategie ist zweistufig, denn der fertige Vertrag benötigt dann auch noch die Zustimmung aller gut 470.000 Mitglieder. Die Berichte aus den bisherigen Gesprächen lassen hoffen, dass es der SPD gelingen wird, im Vertrag sozialdemokratische Markierungen zu setzen.

Die beobachtete Kultur in der SPD und der Wunsch nach Geschlossenheit legen nahe, dass mit einer Zustimmung der Delegierten zu rechnen ist. Was aussieht wie eine Verhandlung, ist daher vielmehr ein Werben.
 

SPD Bundesparteitag 2013, Foto: © Manuela Schwesig

SPD Bundesparteitag 2013, Foto: © Manuela Schwesig

 
Die eigentlichen Verhandlungspartner sind die über 470.000 Mitglieder, denn ohne sie soll diesmal nichts laufen bei der Regierungsbildung. SPD und Union werden ihnen in den nächsten Wochen mit einem Koalitionsvertrag ein konkretes Angebot machen.

Jedes Mitglied sollte sich rechtzeitig Gedanken machen, unter welchen Umständen es die Offerte annimmt oder ablehnt.

 

Jedes SPD-Mitglied braucht eine BATNA

Die Mitglieder haben ein Stimmrecht bei dieser Großen Koalition. Partizipation bedeutet sowieso immer Freiheit UND Verantwortung. Bei dieser Mitmach-Aktion liegt gar die Zukunft unserer Nation in ihren Händen.

So viel Verantwortung macht Angst. Angst macht unsicher. Unsicherheit öffnet Türen für Manipulation. Um sich in dieser Frage nicht von Emotionen leiten zu lassen und womöglich eine falsche Entscheidung zu treffen, sollte jedes Mitglied seine individuelle Schmerzgrenze vorher festlegen.

In der Verhandlungstaktik gibt es die so genannte BATNA: Sie ist die „best alternative to a negotiated agreement”, also die beste Alternative zu einer gewünschten Vereinbarung.

Dabei legen die Verhandlungspartner VOR dem Einstieg in eine Verhandlung fest, welches Ergebnis sie sich im besten Fall erhoffen. Im nächsten Schritt formulieren sie die beste Alternative – wenn schon das ideale Ergebnis nicht erreicht wird, mit welchen Kompromissen kann ich leben? Die Alternative markiert gleichzeitig die Grenze der Kompromissbereitschaft: Alles, was darunter liegt, wird nicht akzeptiert.

Verhandlungspartner schützen sich so davor, sich herunterhandeln zu lassen. Denn manchmal ist es klüger, ganz aus der Verhandlung auszusteigen, statt irgendeinem Ergebnis zuliebe einen schmerzhaften Kompromiss einzugehen, über den man sich später ärgert.

 
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