Wirtschaftsnobelpreis für Shiller, Fama und Hansen

| 15.10.2013 | Ein Kommentar

Dass Robert Shiller den Wirtschaftsnobelpreis bekommt, ist eigentlich überfällig.

(Vorab: Ich weiß, dass es kein richtiger Nobelpreis ist. Ich nenne ihn trotzdem so. Punkt.)

Robert Shiller ist einer der wenigen Ökonomen, die schon früh gegen die Grundannahmen der modernen Ökonomie angeforscht und angeschrieben hat. Er hat also immer argumentiert, dass in den Märkten nicht immer alle Informationen enthalten sind, weil die Marktteilnehmer keine vollständig rationalen Wesen sind. Denn es gibt Komponenten wie Gier oder den Herdentrieb, die die Märkte in unvorstellbare Höhen (und Tiefen) treiben. Das führte 2000 zur Internetblase oder in den Jahren danach (so bis 2006/2007) zur US-Immobilienblase.

Shiller hat aber nicht nur in der Theorie zu diesem Thema – irrationales Verhalten, sich ändernde Risikopräferenzen, Finanzmarktblasen – gearbeitet, sondern auch mindestens zwei sehr gut verständliche Bücher zu zwei real existierenden Blasen geschrieben. Und zwar nicht als Analyse nach dem Platzen der Blase, sondern vorher.

Mit diesem nahezu perfekten Timing hat er sich in meiner Liste der Ökonomen, denen man zuhören sollte, ganz weit nach oben katapultiert. Denn er hat bewiesen, dass er seine Theorien auch praktisch – in der realen Welt außerhalb des Elfenbeinturms der Ökonomie – anwenden kann. Anlegern wie auch Politikern wäre eine Menge Ärger erspart geblieben, wenn sie frühzeitig auf Shillers Warnungen reagiert hätten. Shiller ist daher quasi Stammgast bei den Linkempfehlungen in meinem Blog …

Dass gleichzeitig Eugene Fama ein weiteres Drittel des Preises bekommen hat, kann man eigentlich nur als Witz werten. Klar, die Arbeit ist eine der meist zitierten ever in der modernen Wirtschaftswissenschaft, aber in den letzten 10 Jahren dürfte der Großteil der Zitate aus der kritischen Ecke kommen. Also von denen, die Famas Theorie kritisieren, erweitern, aber manchmal auch schlicht widerlegen. Dazu muss man natürlich auch die zu widerlegende Theorie erst mal beschreiben und zitieren; hier wirkt das Paradoxon, dass ein wissenschaftlicher Artikel auch durch vermehrte Kritik noch wichtiger werden kann.

Fama war übrigens dafür, auch Großbanken pleitegehen zu lassen (im Interview unten). Haben wir mit Lehman ausprobiert – war keine gute Idee …

Zu Fama kann man nur dieses Interview von John Cassidy für The New Yorker empfehlen:
 

“I don’t know what a credit bubble means. I don’t even know what a bubble means.”

 
Hättste mal den Shiller gelesen … Fama ist am Ende von der Effizienz der Märkte und der Rationalität der Marktteilnehmer ein wenig zu überzeugt. Und da wird er dann auch gefährlich: Wenn die Märkte alles besser wissen, gibt die Politik in der Konsequenz dem Markt mehr Macht. Was auch keine gute Idee war.

Gut, Fama kommt vielleicht bis hierher etwas zu schlecht weg. Denn dass die Finanzmärkte ziemlich (sogar verdammt) effizient sind, hat er als Erster gezeigt. Und dass die Marktteilnehmer Informationen ziemlich effizient verarbeiten und schnellstens in die Kurse einarbeiten, stimmt eben auch. All das führt dazu, dass die Mehrheit der Fondsmanager schlechter performen als der Aktienmarkt, den sie eigentlich schlagen sollen. Aber dazu muss man Fama und seine Aussagen wohlwollend lesen. Wenn ich mir einige Aussagen von ihm anschaue, würde ich ihn leicht in die Schublade der “Unbelehrbaren der-Markt-regelt-alles-Gläubigen” stecken. Und vielleicht steckt er da auch zurecht.

Zum dritten Preisträger kann ich ad hoc nichts sagen (ich könnte meine Unwissenheit verbergen und wie die professionellen Journalisten schnell was aus der Wikipedia abschreiben — OK, war gemein). Er scheint aber nicht ganz unbekannt zu sein, zumindest hatte die FAZ-Wirtschaftsredaktion Lars Peter Hansen auf ihrer Favoritenliste. Wenn ich mir die Kurzbeschreibung seiner Forschung anschaue, hat er massiv am Bild des Homo oeconomicus gekratzt. Die Menschen entscheiden eben doch nicht nur rational. Tja, dann sind mir die Ergebnisse seiner Forschung bekannter als der Name (wie “das Lied kenn ich aus dem Radio, weiß nur nicht, wer das singt”).

Dass der Wirtschaftsnobelpreis an Fama geht, aber gleichzeitig an zwei Forscher, die wesentliche Teile der Fama-Forschungsarbeit angreifen, ist ziemlich obskur. Man stelle sich vor, der Chemienobelpreis ginge an drei Forscher. Zwei davon zeigen, dass man Moleküle und chemische Reaktionen im Computer berechnen und simulieren kann, und gleichzeitig sagt der Dritte, dass das völlig unmöglich ist. Strange.

Irgendwie belegt diese Preisvergabe einen Teil der Vorurteile, die Naturwissenschaftler gegenüber der unpräzisen Wirtschaftswissenschaft (als Teil der Sozialwissenschaften) haben: das sei alles mehr Religion als Wissenschaft. Mag sein, aber dann haltet euch einfach an “The Church of Shiller”. Das ist die Richtige. ;)

 
Ein paar Links noch zum Thema (wird wohl noch ergänzt, wenn ich was Spannendes finde):

 
Crosspost von Die wunderbare Welt der Wirtschaft