Kernspin-Aufnahmen: Wie sich Geld in Pixel auflöst

Jeder gute Arzt hat es schon immer gewusst: So faszinierend Bilder vom Körper sind, so sehr können sie Diagnosen verzerren. Das Beispiel Rückenschmerzen zeigt, wie viel Geld sich in Pixel auflöst.


Eine Kernspin-Aufnahme sagt in den wenigsten Fällen etwas darüber aus, warum ein Rücken wehtut oder ein Knie. Das bestätigte gerade wieder eine große Studie aus den USA: Zwischen 20 und 50 Prozent der Untersuchungen waren nicht nur überflüssig, sondern auch völlig nutzlos.

In Deutschland führen die Kassen jede dritte Krankschreibung und jeden zweiten vorzeitig gestellten Rentenantrag auf eine kaputte Wirbelsäule zurück. 25 Milliarden Euro jährlich kosten allein die Behandlungen. Doch in der Primärversorgung werden die Patienten mit einer Vielzahl von Therapien behandelt, für deren Wirksamkeit es keinen Nachweis gibt. Und längerfristige Strategien zur Behandlung chronischer Schmerzen gibt es nicht.

Wir sehen einen Vorfall auf einem Bild und glauben, er tue uns weh. Doch die Realität ist anders: 60000 Bandscheibenoperationen werden hierzulande jährlich durchgeführt, und jede zweite wäre, glauben Experten, nicht notwendig gewesen, wenn man die psychischen Auslöser des Schmerzes – Angst, Depression, Stress, Mobbing – rechtzeitig behandelt hätte. Und schlimmer noch: Nach jedem sechsten Eingriff kehren die Schmerzen bald zurück, zum Beispiel, weil sich Narbengewebe bildet und auf die sensiblen Nervenbahnen drückt.

Manchmal ist es ganz gut, Dinge auf die lange Bank zu schieben. Das zeigt sich in England, wo das staatliche Gesundheitssystem lange Wartezeiten vor eine Operation schiebt. Dort ist die Zahl der Rücken-OPs deutlich geringer als in Deutschland: 90 Prozent der Leiden nämlich haben sich innerhalb von 12 Monaten verflüchtigt, obwohl sie nicht behandelt wurden.

Oder vielleicht auch weil?