Lutz Hachmeister: Bundeskanzlerin Angela Merkel agiert vor einer optimalen publizistischen Kulisse

Warum wird Angela Merkel so positiv dargestellt? Thomas Leif hat mit Lutz Hachmeister über den Medien-Wahlkampf und dessen journalistische Begleitung gesprochen.

Die Mehrheit der tonangebenden Journalisten und relevanten Leitmedien verfolgt nach Einschätzung des Direktors des  Berliner Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM), Dr. Lutz Hachmeister, eine „eigene Ideologie“, die „im Kern bürgerlich-konservativ“ geprägt ist. Aus dieser Haltung entfalte sich gegenüber der Bundeskanzlerin „eine Art von Bewunderung für eine Machtpolitikerin, eine Frau, die auch noch aus dem Osten kommt. Das hat es so noch nicht gegeben.“

Dieser Trend habe sich bereits seit 2005 herausgebildet, als sich zahlreiche Medien – von FAZ bis Spiegel – als „publizistische Opposition“ gegen den damaligen Kanzler Gerhard Schröder verstanden hätten. Bereits 2007 bilanzierte Hachmeister in seinem Buch `Nervöse Zone – Politik und Journalismus in der Berliner Republik´ (DVA München): „Der meinungsführende Journalismus hat sich in der Berliner Republik nach rechts bewegt, in Richtung eines neokonservativen Zentrismus.“

Insgesamt sei eine „innenpolitisch diverse Auseinandersetzung“ verloren gegangen, eine „Ermüdung, eine Abkehr von politischen Prozessen“ im Journalismus festzustellen. Alles ist in „einer müden Suppe gelandet“.

Auch die öffentlich-rechtlichen Programmanbieter setzten hier keinen Kontrapunkt. Sie haben nur noch eine „visuelle Präsenz, spielen aber keinerlei politische Rolle“. „Inhaltlich-politisch im Sinne einer kritischen Reflexion sind sie tot.“ Politiker seien mit diesem Zustand „ganz zufrieden“. Für sie ist es attraktiv, wenn sie „nicht so sehr drangsaliert werden“, wenn Journalisten „das Mikrofon statuarisch hinhalten“. Schuld an dieser Entwicklung sei aber auch eine Opposition, die „so schwach ist, wie nie zuvor“. Mit Hannelore Kraft als politischer Herausforderin würde die Lage wahrscheinlich anders ausschauen.

Lutz Hachmeister beobachtet in der Berliner Medien-Szene eine intellektuelle Auszehrung. Es gebe unter den führenden Publizisten nur noch einen „einzigen Intellektuellen“: Frank Schirrmacher, Feuilleton-Chef der FAZ. Im Entwerfen und Durchsetzen von Projekten und dem Schmieden von Koalitionen „ist er völlig solitär“.
 

 
Zwei weitere Interviews zur politischen Bewertung des derzeitigen Medien-Wahlkampfs aus der Sicht von Prof. Dr. Elmar Wiesenthal (Agentur für politische Strategie) und Prof. Dr. Gerd Mielke (Universität Mainz) sind auf www.talk-republik.de dokumentiert.