Gebt Eure Daten frei!

Endlich eine Hymne auf das Prism-Programm

Ihr habt es überall gelesen: Das amerikanische PRISM-Programm zieht uns aus allen Körperöffnungen Daten, bis wir keine mehr haben. Hinter den weitreichenden Überwachungsaktivitäten steckt die National Security Agency (NSA), die seit ihrer offiziellen Gründung im Jahr 1952 nichts anderes macht, als “Daten zu ziehen”, wie es im Datenziehjargon heißt. Aber worüber regen wir uns eigentlich auf?

Wir könnten uns auf den Standpunkt stellen, dass man dort in den rund 60 Jahren Arbeit ein gewisses Know-how beim Thema Datensammeln gesammelt hat. Wo wären unsere Daten besser aufgehoben, als auf den NSA-Servern in Crypto City, Fort Meade, Maryland, USA?
 

National Security Agency headquarters, Fort Meade, Maryland

Begehbarer Überwachungstresor. Die Autos gehören vermutlich notorischen Datensammlern. Foto: NSA

 
Ich plädiere deshalb für die Öffnung aller Datenbanken, die sensible persönliche Daten von uns enthalten, zu Gunsten der NSA. Wie lange schon kämpfen wir für Transparenz, Datenschutz und Freiheit im Netz? Geben wir der NSA die Freiheit, Daten zu übernehmen, vor fremden Diensten zu schützen und transparent intern auszuwerten – wir schlagen drei Fliegen mit einer Klappe.

Was könnte die NSA mit den Daten nicht alles machen! Durch intelligente Analyse wäre es ihr möglich, Regierungswechsel vorauszusagen – zum Beispiel, wenn soundsoviele Leute Diesunddas bei Amazon bestellen, kommt es in soundsoviel Monaten zum Umsturz – und notfalls einzugreifen; Verbrecher zu identifzieren, die nicht wissen, dass sie Verbrecher sind, wie in Minority Report.

Die NSA würde den Verkehr besser regeln, das Klima schützen, Kriege gewinnen, Krankheiten besiegen, neue Shopping-Apps mit nie dagewesenen Empfehlungsengines entwickeln und – ein paar Gesetzes- und AGB-Änderungen später – nach Eurem Ableben Euer komplettes Leben als Vermächtnis in Eure Facebook-Timeline einarbeiten. Die Daten müssen also nicht immer nur in eine Richtung fließen.

Es ist klar, dass einige Egoisten jetzt nölen, sie möchten ihre Daten trotz aller sozialen Vorzüge nicht der NSA überlassen. Noch ist unsere Gesellschaft nicht so weit.

Falls Ihr aber trotzdem schon einmal die Aufmerksamkeit der Datenprofis auf Euch ziehen und von ihren Dienstleistungen profitieren möchtet, folgende Tipps: Ihr solltet zunächst bei Google Maps das NSA-Gelände auskundschaften.

Anschließend probiert ihr eine Google-Suche mit Wörtern wie “explosives” und “instructions” aus. Im dritten Schritt kauft Euch bei Amazon einen Reiseführer zur Stadt Baltimore und sucht schon einmal bei einem Portal Eures Vertrauens nach günstigen Flugtickets. Wenn Ihr nun immer noch nicht ins Visier der NSA geratet, haben die Eure Daten nicht verdient!

Übrigens: Wenn Ihr hier jetzt keine Blogeinträge mehr findet, hat mich die NSA zu Eurem Wohl aus dem Netzverkehr gezogen.
 
Crosspost von Robotergesetze