Hermann Rotermund

Second Screen first

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Die ewig diskutierten, bisher jedoch nur spärlichst eingeführten “neuen Inhalte” werden das Fernsehen als Leitmedium nicht retten. Dagegen erfreut sich der Second Screen steigender Beliebtheit.

15.06.2013 | 

 

Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist Themenschwerpunkt bei Carta, dazu veröffentlichen wir eine Serie von Beiträgen. Es geht vor allem um seine Ausgestaltung angesichts der veränderten technologischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

In diesem Kontext war Carta auch Kooperationspartner einer Podiumsdiskussion am 7. Juni 2013 beim Medienforum NRW, gemeinsam mit dem Deutschlandradio.

 
Wer noch bezweifelt, dass Paralleluniversen existieren, muss sich gelegentlich das Nachmittagsprogramm von N3 ansehen. Das Dritte des NDR brachte am 2. Juni 2013 unter dem Titel „Unser NDR – reden wir drüber!“ eine Live-Übertragung vom Landpartie-Fest in Plön. Mit von der Partie war die Führungsspitze des NDR – Intendant Marmor (auch ARD-Vorsitzender), der Fernsehdirektor, der Hörfunkdirektor und der Direktor des Landesfunkhauses.

Wer jetzt erwartete, es ginge um den Rundfunkbeitrag, die Transparenz der Finanzen und der Entscheidungen des Senders oder darum, aus der Perspektive der Internet-Erfahrungen junger Generationen neue Programmformate zu entwickeln, sah sich grundlegend getäuscht.

Zu Wort kamen heavy user der öffentlich-rechtlichen Angebote, längst nicht alle über Siebzig, und sie verlangten mehr (!) Volksmusik sowie einmal mehr, einmal weniger Pferdesport im Fernsehen und mehr Jazz im Radio. Unverlangt berichtete Intendant Marmor dann noch, dass der NDR sich nicht nur der Kultur verpflichtet fühlt (siehe oben – Volksmusik), sondern auch der Jugend. Um diese zu begeistern, nehmen die NDR-Fernsehmacher gern Anregungen aus der eigenen Radiowelle N-Joy auf – dort sind die jungen Leute ja zuhause – und bieten manche Inhalte sogar in einem ganz neuen Medium an, im Internet. Das nennt man trimedial!

Das wurde live im Jahr 2013 gesendet, nicht 1998, und der ARD-Vorsitzende schien sich in diesem Universum ganz wohl zu fühlen. Mit den Medienerfahrungen der jüngeren Teile unserer Nation sind diese Gesprächsgegenstände jedoch kaum noch verbunden.

Natürlich sind die Welten nicht nur an der Linie alt/jung geteilt. Neben den Generationsgewohnheiten sollte auch die bildungsspezifische Mediennutzung berücksichtigt werden. Nicht nur Thüringer Rentner, sondern auch junge nordrhein-westfälische Hochhausbewohner sehen fünfmal so viel Fernsehen wie bayerische Gymnasiasten. In den USA gibt es ähnliche Zahlen, dort werden auch ethnische Besonderheiten registriert – die schwarze Unterschicht übertrifft die Thüringer Rentner noch um einiges, und der asiatische Mittelstand ist mindestens so TV-abstinent wie bayerische Studenten. Anders als bei der alten Generation verändert sich jedoch bei den Unterschichten die Mediennutzung dynamisch.

Das Plöner Paralleluniversum ist für die traditionellen Fernsehmacher vor allem auch deshalb in Ordnung, weil die globalen Nutzungsziffern ihre Prioritäten und die von ihnen präferierte Form der Verbreitung zu bestätigen scheinen. Die Fernsehnutzung nimmt nicht ab – also ist Fernsehen relevant – und deshalb darf die Quote mit Relevanz gleichgesetzt werden.

Diese Sicht, die von Intendanten auf medienpolitischen Foren immer wieder verfochten wird, krankt vor allem an einer Stelle, und das ist der Relevanz-Begriff.
Welches Medium ist Jugendlichen zwischen 12 und 19 wichtig? Die JIM-Studie 2012 gibt umfassend Auskunft: Musikhören (90%), Internetnutzung (88%), Handynutzung (81%), Radio (56%), Fernsehen (51%).
Mit 20 ist für Jugendliche das Fernsehen sogar noch deutlich weniger wichtig als mit 15. Der Sender, den Jugendliche einschalten, heißt ProSieben (51%), gefolgt von RTL (16%), RTL2 (5%) und dem Rest, darunter der ARD (2,5%). Wichtigkeit und eingeschaltet sein ist im Übrigen nicht kongruent: Selbst, wenn das Fernsehgerät an der Wohnzimmerwand „on“ ist, muss es nicht das als relevant empfundene Medium sein.

Paralleluniversen gibt es auch in der Forschung. Eine Studie wie „Couchpotato 3.0 – wie wir in Zukunft fernsehen!“ (2012) scheint aus der Zeit gefallen. Die in ihr vorgetragenen Thesen fußen auf Ladenhüter-Prognosen, die schon Mitte der neunziger Jahre verbreitet wurden: Das Lean-Back-Medium Fernsehen ermöglicht eine neue, verständliche und bequeme Form des Internet-Surfens – neue Techniken ermöglichen den zeitsouveränen Abruf von Sendungen – EPGs ermöglichen eine unangestrengte Programmauswahl – automatisierte personalisierte Programmangebote erleichtern die Auswahl noch mehr – Mitmachangebote und interaktive TV-Werbung haben ein großes Potential.

Keine dieser Prognosen ist der Realisierung in den letzten 15 Jahren näher gekommen. Im Gegenteil, es ist heute viel schlimmer als damals: Niemand im Medien-Universum der Jüngeren und Gebildeteren begeistert sich für fernsehzentrierte Zusatzangebote. Der Grund: das Fernsehen selbst – als Medium – interessiert nicht mehr.

In der genannten Studie tauchen weitere Schlagworte auf, die auch aktuell häufig traktiert werden. Die Entdeckung, dass eine Mehrheit der Konsumenten zwei Bildschirmmedien gleichzeitig nutzt, hat nach ersten Irritationen darüber, dass das Fernsehen sein Publikum nicht durchgängig zu fesseln vermag, zur Ausfabulierung einer Roll-Back-Phantasie geführt.

Die Fernsehunternehmen und andere Firmen stellen sich vor, dass die Mediennutzer vom laufenden Fernsehprogramm noch nicht genug haben und deshalb parallel nach Ergänzungen und Zusätzen Ausschau halten – wohl auch, weil sie sonst nichts mit ihren digitalen Gadgets anzufangen wissen. Nutzer, die gleichzeitig zweimal dasselbe Programm wählen, und das eine Mal sich auch noch aktiv mit ihm auseinandersetzen, sind eine paradiesische Vorstellung für Customer Relationship Manager und Marktforscher.

Diese Phantasie trägt die Bezeichnung Second Screen. Es gibt allerdings nur wenige verlässliche Untersuchungen über die Inhalte, die tatsächlich auf dem Laptop, Tablet oder Smartphone genutzt werden, während ein Fernseher läuft. Keinesfalls kann davon ausgegangen werden, dass es primär Angebote oder Inhalte sind, die mit dem Fernsehprogramm korrespondieren. Die allermeisten Nutzer versenden nicht aufs TV-Programm bezogene Textnachrichten oder widmen sich den laufenden Vorgängen auf einer Social Networking Site.

Es drängt sich jedoch eine ganz andere Frage auf, die merkwürdigerweise in Second-Screen-Studien oft gar nicht gestellt wird, nämlich die, ob der Fernsehbildschirm tatsächlich der Screen ist, der die Nutzungspriorität genießt. Wenn das „zweite“ Medium eines ist, dem äußerst aktiv, lesend und schreibend, die Aufmerksamkeit gilt, steht gerade diese Behauptung der Priorität auf papiernen Füßen.

Die Online-Medien haben in unserem Medien-Universum die Funktion des Leitmediums übernommen. Diese kann auch durch spitzfindige Fragestellungen nicht irritiert werden. In der erwähnten JIM-Studie erklären 12- bis 19-Jährige, die Tageszeitung (48%) sei das glaubwürdigste Medium, weit vor Fernsehen (22%) oder Internet (11%). Diese Werte sind umgekehrt proportional zur tatsächlichen Nutzung dieser Medien und bilden ein tradiertes, aber nicht durch eigene Erfahrung erworbenes Werteverständnis ab. Von den Zeitungsverlegern war zu diesen Ergebnissen auch kein erleichterter Seufzer zu vernehmen.

Unser Medien-Universum ist das der großen Mehrheit der Internet-Nutzer, ganz gleich, ob per PC, Laptop, Tablet oder Smartphone. Wir erleben gerade mit einem lachenden und einem weinenden Auge die fortschreitende Erosion des Leitmediums Fernsehen, dessen Relevanz sich weder durch Quotenkalkulationen noch durch pathetische Qualitätsbehauptungen glaubwürdig stützen lässt. Die Bestrebungen, das Fernsehen durch Second-Screen-Apps und Social-TV noch einmal attraktiver zu machen, sind zum Scheitern verurteilte Rückzugsgefechte.

Es gibt kein Universum, in dem die Mehrheit der Internet-Nutzer, und schon gar nicht die 15- bis 40-Jährigen, auf das „bequemere“ Internet per TV-Fernbedienung warten. Auch die Second-Screen-App für das iPad, in der es werbeumkränzte Zusatzinfos zu laufenden Sendungen gibt, wird sie nicht begeistern. Und erst recht werden sich nicht als „Social-TV“ getarnte Marktforschungs-Apps als Chance zur partizipativen Mediennutzung verkaufen lassen.

Das Fernsehen ist ein gelegentlich unterhaltsames Begleitmedium. Zum Muss und somit zum First Screen wird es letztlich nur bei Live-Events (Sport, manche Shows). In allen anderen Situationen fesselt das lineare Programm sein Publikum nicht mehr. Dort gilt also: Second Screen first.

 

Hermann Rotermund ist Mitglied im Projekt Grundversorgung 2.0 an der Leuphana Universität. Das Forschungsprojekt Grundversorgung 2.0 untersucht, wie sich das Angebot von audiovisueller Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung im digitalen Zeitalter wandelt und wird in enger Zusammenarbeit mit den anderen Laboren und Projekten im Zentrum für Digitale Kulturen (CDC) durchgeführt.

 

In der Carta-Serie zum öffentlich-rechtlichen Rundkunk bereits erschienen:

 

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18 Kommentare

  1. Second Screen first | Grundversorgung 2.0 Blog |  16.06.2013 | 18:04 | permalink  

    [...] Crosspost von Carta. [...]

  2. Tim |  17.06.2013 | 09:10 | permalink  

    Hervorragend nüchtern analysiert. In der Konsequenz auch ein Plädoyer für die Abschaffung oder zumindest weitgehende Abholzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Gestrüpps.

  3. Denis Krick |  17.06.2013 | 09:48 | permalink  

    Da hatte ich auch schon ähnliche Gedanken: http://www.couchmonster.de/2013/04/05/kritik-am-hype-um-second-screen-app/

    Schön, dass man nicht allein ist.

  4. theo |  17.06.2013 | 10:13 | permalink  

    “Die Online-Medien haben in unserem Medien-Universum die Funktion des Leitmediums übernommen.”

    Irgendeinen Beleg für die Grundthese hätte ich hier dann doch erwartet.

  5. DJ Doena |  17.06.2013 | 10:14 | permalink  

    Der First und der Second Screen sind in meiner Welt der linke und rechte LCD-Monitor.

    Fernsehen aus der Antennendose kommt in meiner Welt de facto nicht mehr vor.

    Und das sage ich als ausgemachter TV-Junkie!

    Auf dem linken Monitor läuft nebenbei eine Folge einer Comedy-Serie und auf dem rechten Monitor werden Internetbeiträge wie dieser hier gelesen.

    Wenn man rechts zu konzentriert gelesen hat, wird die Folge eben mal um 5 Minuten zurückgespult und die Szene nochmal geguckt – d.h. wenn rechts nicht wieder zuviel Aufmerksamkeit gefordert ist.

  6. Michael |  17.06.2013 | 14:48 | permalink  

    Fernsehen? Was ist das?

    Wenn ich eine Serie gut finde und auch anschauen mag, seh’ ich zu, dass ich sie als DVD-Sammlung bekomme und jederzeit zu mir genehmen Zeiten schauen kann, ohne Werbeunterbrechung, ohne zusätzliche Schnitte, sogar in mehreren Sprachen usw usf.

    Fernsehen ist für mich eine gnadenlos veraltete Unterhaltungsform, die zudem immer unattraktiver wird, dank Billigformate für’s Prekariat. Statt zu informieren werden höchstens noch niederste Instinkte angesprochen. Dazu noch die Werbung, welche ich persönlich als absolute Lebenszeitvergeudung ansehe, welche jede Spannung aus den Filmen nimmt und mich belästigt, statt zu informieren. Überhaupt: Fernsehen belästigt.

    Aus dem Grund ist das Medium für mich unbrauchbar.

  7. theo |  17.06.2013 | 18:23 | permalink  

    Michael (6):

    “Fernsehen? Was ist das?”

    Fernsehen ist u.a. der Produktionsapparat, der die Serien erstellen lässt, die du dann auf DVD schaust (und andere via Web).

  8. hiro |  18.06.2013 | 08:47 | permalink  

    Herr Rotermund macht denselben Fehler, den er dem “Paralleluniversum” vorwirft: Die Fernsehmacher – ich fasse sie mal so zusammen – sehen ihr Produkt als “First Screen”, Herr Rotermund seines. Das ist dieselbe Fehlannahme, nur mit anderem Vorzeichen.

    Tatsächlich sieht es doch eher so aus, dass “Fernsehen” und “Online” in ständiger Konkurrenz stehen – neben “Radio”, “Tageszeitung”, “Zeitschrift”, “Buch” usw. Wenn ein Medium fesselt, ist es das Primärmedium, der “First Screen”. Wenn nicht, wird ein anderes hinzugezogen, vielleicht nur zeitweise, vielleicht auch vollständig gewechselt, und alles andere wird zum “Second Screen” (oder gleich abgeschaltet).

    Dieser Mechanismus ist weit durchlässiger, als die dogmatischen Aussagen des “Onliners” Rotermund oder des “Fernsehers” Lutz Marmor vermuten lassen. “First” und “Second” Screen existieren nur in der Phantasie der Vermarkter. Für den Konsumenten gibt es hier keine feste Hierarchie.

    Dass bei der Veranstaltung zu einer betulichen Fernsehsendung vor allem diejenigen anwesend sein werden, die die betuliche Fernsehsendung auch regelmäßig zu ihrem “First Screen” machen, ist übrigens wenig überraschend. Man kann das abwertend als “Paralleluniversum” bezeichnen, man kann es aber auch als Bereicherung der kulturellen Vielfalt ansehen – so wie bei anderen “Paralleluniversen”, etwa Fußball, Gothic-Treffen oder LAN-Partys.

  9. Second Screen first | Das neue Fernsehen | Scoo... |  18.06.2013 | 10:51 | permalink  

    [...] Die ewig diskutierten, bisher jedoch nur spärlichst eingeführten "neuen Inhalte" werden das Fernsehen als Leitmedium nicht retten. Dagegen erfreut sich der Second Screen steigender Beliebtheit.  [...]

  10. Hermann Rotermund |  18.06.2013 | 17:04 | permalink  

    Ich stimme dem Einwand, meine kleine Polemik würde die einseitige Fokussierung des “First Screen” nur umdrehen, nur bedingt zu. Mir geht es vor allem darum, dass die Begriffe First Screen und Social-TV kaum belegbare Wunschvorstellungen enthalten. In welchem Maße die Umkehrung von erstem und zweiten Screen empirisch belegbar ist, wie sich überhaupt das jeweils aktuelle “relevante” Medium ermitteln lässt, kann und muss noch untersucht und diskutiert werden. Die Dynamik des Medienwandels und des Relevanzverlusts klassischer Medien ist jedoch unübersehbar. Dies bleibt mein Punkt. Gerade weil für mich “First Screen” eher ein Kampfbegriff ist als ein analytischer oder beschreibender, würde ich ihn in einer sachlichen Diskussion auch nicht umkehren und auf die Online-Medien anwenden.

  11. theo |  18.06.2013 | 17:49 | permalink  

    @H. Rotermund

    “Die Online-Medien haben in unserem Medien-Universum die Funktion des Leitmediums übernommen.”

    Dann:

    “In welchem Maße die Umkehrung von erstem und zweiten Screen empirisch belegbar ist, wie sich überhaupt das jeweils aktuelle “relevante” Medium ermitteln lässt, kann und muss noch untersucht und diskutiert werden.”

    Tja.

  12. Hermann Rotermund |  18.06.2013 | 18:02 | permalink  

    Leitmedium (wichtige Rolle bei der Konstitution von Öffentlichkeit) und Relevanz (Beachtung, Wertschätzung) des einzelnen Mediums bei mehreren gleichzeitig eingeschalteten werfe nicht in einen Topf. Letzteres erfordert intensive Blicke in die Wohnzimmer und intensive Befragungen, die noch anstehen. Über die Funktion des Fernsehens oder des Internet als Leitmedium kann auf einer anderen Basis diskutiert werden, oder?

  13. theo |  19.06.2013 | 14:59 | permalink  

    Belegt wird aber weder das Eine noch das Andere.

  14. Peter |  20.06.2013 | 00:08 | permalink  

    @hiro (#8)

    Dass man aber für die eine Art der Bereicherung der kulturellen Vielfalt zwangsweise zur Kasse gebeten werden soll, während die Macher der anderen Arten mal zuschauen können, ob danach noch Geld für sie übrig ist, hat wohl mit Förderung von Vielfalt weniger zu tun als mit der Sicherung gewohnter Pfründe.

    Ich bleibe dabei: Sogar gutes Fernsehen macht dumm. Das Lesen eines schlechten Buches schult wenigstens die Kenntnis der (deutschen) Rechtschreibung.

    Deshalb soll, wer glaubt, TV zu brauchen, das bitte doch privat bezahlen. Zumindest bedarf es einer klaren Bremse: Nur wenn das Nettoeinkommen der Mitte der Bevölkerung steigt, kann öffentlich-rechtliches Fernsehen auch mehr Geld bekommen. Dann hätten sie Interesse, Bildung und Information zu liefern statt stundenlanger Verblödung, um Leute zu haben, die ohne zu Meckern zahlen.

    Dass Herr Marmor etwas anderes feiert, ist mit einem Blick auf seinen Gehaltszettel und seine Pensionsansprüche schnell erklärt. Die verschwurbelten Erklärungen, wie TV die Zukunft gewinnen wolle, lohnen daher kaum der Betrachtung.

  15. theo |  21.06.2013 | 22:16 | permalink  

    Peter,

    nehmen Sie einfach zur Kenntnis, dass – glaubt man allen entsprechenden Umfragen – Sie mit ihrer Total-Ablehnung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens bei weitem nicht die Mehrheit der Bevölkerung auf ihrer Seite haben.

    Sagen Sie mal: hat Ihnen irgendwann mal einer von den ÖR etwas Böses getan? Das würde ihre ausdauernde (und auch erfolglose) Agitation erklären.

  16. Peter |  21.06.2013 | 22:27 | permalink  

    @theo (#15)

    Sie haben es nicht gelesen. Ich bin zwar überzeugt, dass uns allen eher etwas geschenkt (nämlich Entscheidungsfreiheit, auch über unser Netto-Einkommen; Anreize; sich mehr zu bewegen und aktiv zu kommunizieren) denn etwas genommen würde, aber der Vorschlag, den ich unterbreite, spricht doch nicht von totaler Abschaffung. Das steht: Koppeln an das Nettoeinkommen der Bevölkerung!

    Was ist denn eigentlich dagegen zu sagen?

  17. Die Flucht aus der Realität – Unterhaltung bei ARD und ZDF — Carta |  14.07.2013 | 20:40 | permalink  

    [...] Hermann Rotermund: Second Screen first [...]

  18. Alfred |  21.07.2013 | 23:06 | permalink  

    Ganz sicher tut sich vieles im Mediennutzungsverhalten. Darin würde ich den Beitrag unterstreichen. Es ist auch sicher nicht haltbar, das ÖR-Fernsehen in allen Nutzungssituationen als Leitmedium aufzufassen.

    Aber wie kann man einfach so, ohne jede Empirie, das Folgende behaupten:

    “Das Fernsehen ist ein gelegentlich unterhaltsames Begleitmedium. Zum Muss und somit zum First Screen wird es letztlich nur bei Live-Events (Sport, manche Shows). In allen anderen Situationen fesselt das lineare Programm sein Publikum nicht mehr. Dort gilt also: Second Screen first.”

    Dahinter scheint doch eine sehr persönliche Wertung von Inhalten zu stecken, gepaart mit dem Wunsch, diese Wertung durch gezielte Empirie eines Tages zum Prinzip erklären zu können.

    Gegenbeispiel: Ich selbst und viele andere nutze den Laptop-Bildischirm gerade während Live-Sendungen als “First Screen”, weil mich die meisten Live-Sendungen kaum zu fesseln vermögen. Was mich hingegen so sehr fesselt, dass Fernsehen nicht nur zum “First Screen”, sondern sogar zum “Only Screen” wird, sind gute Fiction-Produktionen. Bei anderen Leuten sind es vielleicht Dokumentarfilme.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass manche Leute diese von mir favorisierten Inhalte ablehnen. Aber ich kann es schwer hinnehmen, wenn einfach mal ein plattes und auf persönlichen Werturteilen basierendes Dogma aufgestellt wird. Das hat ein bisschen den Nimbus des “Andereschlechtmachenmüssens”, um die eigene Bedeutung zu untermauern. Es zeugt letztlich von Zweifel um die eigene Bedeutung.

    Was ich im Artikel daher zwischen den Zeilen lese: Den Wunsch, das Fernsehen als Leitmedium abzulösen.

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