Fleischhauer: Schuss ins Knie

Grüne Steuerpläne würden bloß unseren Wohlstand gefährden, schon der kleine Facharbeiter wäre davon erheblich betroffen – so schallt es uns derzeit aus jeder besseren Gazette entgegen.

Aus den Blättern derjenigen reichen Familien also, deren Herzensanliegen wunschgemäß die tägliche Vorwärtsverteidigung der Bourgeoisie zu sein hat.

Doch des ‘Spiegels’ Rechtester, der Jan Fleischhauer, geht auch hier seinen aparten Weg, was mich erneut am Zustand seines logischen Apparats erheblich zweifeln lässt. Weil er ständig rechts blinkt und links abbiegt. Er führt selbst den blitzeblanken Nachweis des Gegenteils, was erstens seinen Intentionen schnurstracks zuwiderlaufen dürfte, und zweitens einen ‘gemeinsamen Kampf’ aller Marktradikalen bloß noch parodiert. Er erweist sich damit als der Postillon der sozialen Lage in diesem Land.

Zunächst einmal wendet er sich jenem altbekannten Argument zu, dass die Grünen wie auch die grünen Wähler wohlsituiert wären, dass es sich quasi um eine ‘FDP mit Gewissen’ handele, dass diese verblödeten Parteigranden bloß ihre eigenen Wähler mit schrecklichen Steuerplänen vergraulen würden. Wo die anderen aber allen mit dem Butzemann drohen, schreibt unser Dschang vom ‘anderen Stern’ uns hierzu wörtlich folgendes in die Kolumne:

 

“Das ist eher Moral-Floristik als soziologisch belastbare Wahrheit. Die Anhänger der Grünen sind überdurchschnittlich wohlhabend, aber damit gehören sie noch nicht automatisch zu den Vielverdienern, wie die Reichen jetzt heißen. … Leider ist der grüne Millionär bis heute die Ausnahme.”

 

Aha, soso – aber wieso ‘leider’? ‘Überdurchschnittlich wohlhabend’ wären die Grünen also, sagt uns das Orakel von der Hamburger Ericusspitze. Das halten wir hier mal fest. Trotzdem würden die furchtbaren Steuerpläne diese Öko-Fuzzies ja gar nicht selbst betreffen, sondern tatsächlich und wie geplant nur ‘die Reichen’, was Fleischhauers Sohn sofort als eine besondere Perfidie überdurchschnittlich wohlhabender armer Schlucker an den Pranger des ‘Spiegel’ stellt:
 

“Der typische Grünen-Wähler lebt nicht in der freien Wirtschaft, sondern im Staatsdienst, und da wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Das Jahresbruttogehalt eines Studienrats mit Familie in Hessen beträgt in der mittleren Einkommensgruppe rund 53.000 Euro, das eines C3-Professors 56.000 und das eines Richters oder Oberstaatsanwalts 62.000 Euro. … In jedem Fall wird die Mehrheit der Anhänger von der Anhebung des Spitzensteuersatzes weitgehend verschont bleiben.”

 

Halten wir also fest – grüne Einkommen bewegen sich erstens weit oberhalb dessen, was ein Facharbeiter verdient, sie seien damit “überdurchschnittlich wohlhabend“, womit der Fleischhauer schon mal all das soziale Gebarme derer von der INSM oder vom Handelsblatt schlankweg in die Tonne tritt. Die fiskalischen Pläne der Nachhaltigkeitsapostel beträfen weder Fachkräfte noch ‘Mittelstand’. Oder wir müssten – zweitens – diesen Mittelstand arithmetisch schon sehr weit von der Mitte entfernt ansiedeln. Also eher bei den oberen zehn Prozent der Einkommen oder aber in der ‘freien Wirtschaft’ dort, wo es täglich tonnenweise leckere Boni schneit. Dann aber wäre auch dieser ‘Mittelstand’ nur noch ein Begriff aus der Rosstäuschersprache konservativer Journalisten.

Was der Jan im Kern hier nachweist: Grüne Steuerpläne betreffen noch nicht einmal die ‘wohlhabenden Schichten’, zu denen er die Grünen ja durchaus zählt, sondern allenfalls die ‘Happy Few’ an der Spitze der Gesellschaft. Kurzum: Der Jan Fleischhauer ist der glaubhafteste Zeuge für die Richtigkeit dieses grünen Fiskalansatzes. Das hat er sicherlich auch nicht von sich gedacht, dass er sich derart ins Knie schießen könnte. Ich dagegen schon … je unzeitgemäßer die eigene Position, desto größer die Verrenkungen.

 
Crosspost vom Stilstand