re:publica 2013 · IN/SIDE/OUT: Verlinkt euch nach draußen

| 03.05.2013 | Ein Kommentar

Das Motto der #rp13 ist gut gewählt: Höchste Zeit, in die Öffentlichkeit zu gehen, zu informieren, zu erklären und Schnittstellen zu finden, die Netz und Gesellschaft haltbar verbinden.

Am Montag um 10.15 Uhr eröffnen Andreas Gebhard, Markus Beckedahl und Tanja und Johnny Haeusler in der Berliner Station die siebte re:publica. Das Programm findet ihr hier (PDF). Vorab könnt ihr schon nachschauen, wen oder was ihr auf den sieben Bühnen hören und sehen möchtet.

rp13-Sessions

Es gibt sechs Themenbereiche: business & innovation, science & technology, politics & society, research & education, culture und media, die Veranstaltungen unter re:publica und re:campaign, viele Workshops und natürlich wieder jede Menge Highlights. Pia Kleine Wieskamp hat nachgezählt und ist auf 450 SprecherInnen und 263 Vorträge, Diskussionen und Workshops gekommen.

Besondere Beachtung finden dieses Jahr sicher neben Stars wie Gunter Dueck und Sascha Lobo die Vorträge von Anne Wizorek, Ihr wollt also wissen, was #aufschrei gebracht hat?, Yoani Sánchez, die u.a. über Blogging in Kuba berichtet, und Birgitta Jónsdóttir, die von dem gescheiterten Politikexperiment in Island spricht.

Ansonsten folgt einfach diesem hilfreichen Zeitplan für die Social Media-Berichterstattung, damit ihr nichts vergesst. Nicht wegwerfen, könnt ihr nächstes Jahr wieder brauchen, und übernächstes und überüber – na, bis dahin gibt es wohl andere Tools. Punkt 1 habt ihr bestimmt schon erledigt:
 

Eine Woche vorher:

  • Zahlreiche Tweets und Statusupdates über die Reiseplanung nach Berlin. Für Puristen: Suche nach Mitfahrgelegenheiten mit Hashtag #followerpower, der Bitte um Retweets/Teilen und dem Hinweis, dass Verweise auf mitfahrzentrale.de stinken. Für Abenteurer: Instagrams von Flug- oder Bahntickets.
  • Getweetete Hinweise an Mobilfunkbetreiber, wonach der Bedarf nach Datenfunk rund um Station vom 6. bis 8. ansteigen wird und dass doch bitte die Kapazität zu erhöhen sei.

 
Das ist witzig, und die Mechanismen, die Jörn Schaar da beschreibt, lassen sich jedes Jahr amüsiert aufs Neue beobachten. Doch die re:publica ist nicht länger ein lustiges Treffen der Netzszene und der (Social-)Media-People. Sie ist zu einem politischen Ereignis geworden, das zunehmend von Akteuren aus der Politik wahrgenommen und besucht wird. Ein Teil der Menschen, die sich in der Internetenquête getroffen haben, werden sich auch auf der re:publica sehen.

Die Anwesenheit prominenter Besucher und Redner verbessert hoffentlich die Berichterstattung in den Medien, die ich nach der #rp12 angemeckert habe. Nach den ACTA-Protesten und vielen Diskussionen, die im letzten Jahr endlich in den Mainstream gelangt sind, erwarte ich dieses Jahr die Entsendung neugieriger Journalisten und sachliche, ausführliche Informationen für Leser, Zuschauer und Zuhörer, die nicht ständig online sind. Das aktuelle öffentliche Interesse an den Drosselplänen der Telekom kann da nur nützlich sein.

Eines der Themen der re:publica ist die Datengier des Staats: der Schutz persönlicher Daten wird immer wichtiger. Internationale Politik und globale Netzpolitik sind nicht mehr zu trennen und müssen zusammenwachsen. Sie stehen ebenso auf der rp13-Agenda wie die Dauerbrenner Urheberrecht, die anachronistische Trennung in Print, Rundfunk, Bild und Ton und die Zukunft des Journalismus – alles Themen, die jeden Bürger betreffen, On- wie Offliner.

Ich wünsche mir klare Impulse nach außen: An Politik und Medien, die endlich beginnen müssen, das Internet in der Öffentlichkeit mit all seinen Chancen positiv darzustellen; an die Gesellschaft, der die große Bedeutung des globalen Netzes verständlich erklärt werden muss.

Aktivismus im Netz erzeugt viel Bewegung in der filter bubble. Aber es geht um die Wahrnehmung der sogenannten Netzthemen da draußen.
 

IN/SIDE/OUT war schließlich schon der Grundgedanke der allerersten re:publica im Jahr 2007: Raus aus dem Netz, rein in die physische Welt wollten die Veranstalter [..]
Seit nun bald sieben Jahre ist es das Ziel der re:publica, Mittler zwischen Online und Offline, oder eben: IN und OUT zu sein.

 
Die Aufmerksamkeit der Medien habt ihr. Kriegt das bitte hin.