Deutsche HuffPost: Sie kommt, sie kommt nicht, sie kommt!

Seit Ende 2011 sucht die Huffington Post nach einem deutschen Partner. Nun hat sie einen gefunden.

Die Huffington Post hat – nach eigenen Angaben – rund 70 Millionen „Unique Visitors“ im Monat. Angeblich arbeiten für das Portal 500 Reporter und Redakteure und mehr als 30.000 Blogger (vermutlich werden die Angehörigen mitgerechnet). Dieses stehende Heer in Divisionsstärke publiziert täglich (!) 1600 Geschichten, Spiegel Online etwa 100. Das Tollste aber: Die HuffPost ist gratis und finanziert sich allein durch Werbung.

Seit November 2011 suchte Ariana Huffington einen deutschen Partner für ihre Online-Zeitung. Aber sie fand keinen. Springer, Holtzbrinck, Spiegel, SZ und Gruner & Jahr winkten ab. Wen wundert’s!? Laut HuffPost-CEO Jimmy Maymann soll die „Arbeitsteilung“ so aussehen: Die Amerikaner kümmern sich um Personal und Technik, der deutsche Partner übernimmt Marketing und Kooperationen. Das sieht weniger nach echter Partnerschaft als nach Koch & Kellner aus.

Viel zu großspurig sehen die Amerikaner auch ihre Marktnische. Maymann: „Ich sehe uns nicht so sehr in Konkurrenz zu Bild, sondern mehr zu Stern, Focus oder Spiegel.“ (hüstel). Maymann will mit der deutschen Ausgabe der Huffington Post schon nach kurzer Zeit Geld verdienen und „in drei bis fünf Jahren“ unter die „Top Five“ der Nachrichtenangebote aufrücken. Man darf das getrost unter Marketing-Geschwätz verbuchen.

 

Koch und Kellner

Nun soll Burdas Tomorrow Focus AG den Kellner für Arianna Huffington spielen. Das 2001 gegründete Internetunternehmen verfügt zwar über reichlich Erfahrung mit der deutschen Ausgabe des Playboy und einigen Reise- und Partnerschaftsportalen, aber ob solche Zielgruppen zur Vermarktung einer Spiegel Online-Konkurrenz passen, steht doch sehr in Frage. Und wenn man – dem eigenen Opportunismus gehorchend – das ehrgeizige Ziel, künftig Spiegel Online Konkurrenz zu machen, nun doch wieder aufgeben sollte, so bliebe immer noch das andere Problem: Wie will man neben bild.de bestehen? Offenbar haben die Amerikaner nach dem letzten Strohhalm gegriffen, der übrig war.

Würde der Spiegel allerdings eine Paywall um SpOn errichten, stünden die Chancen für eine kostenlose HuffPost gar nicht mal so schlecht. Aber wo will die Redaktion 1000 Blogger hernehmen, die für lau und gleichzeitig für den Milliardär Burda arbeiten wollen? Auch ist keineswegs sicher, dass der Klatsch aus Babelsberg die News aus Hollywood ersetzen kann. Und die wenigsten werden nach Dietls Zettl-Desaster in Berlin-Mitte ernsthaft glauben, dass die deutsche Hauptstadt mehr Kir Royal-Geschichten ausspuckt als in eine schmale Zeitungsspalte passen.

Während die hiesigen Verlagshäuser also eher darüber nachdenken, wie sie den HuffPost-Ableger am geschicktesten torpedieren können (weil er alle Paywall-Pläne über den Haufen wirft), formulierte Blogger Nico Lumma schon mal einen Aufruf zum Do-it-yourself:

 

„Wenn die Huffington Post so spannend ist, dass schon seit Jahren darüber diskutiert wird, wer sie denn endlich nach Deutschland holt, dann sollte doch eigentlich eher die Frage gestellt werden, warum kein deutsches Medienhaus die Grundidee der Huffington Post aufgreift und mit Vehemenz umsetzt.

Warum muss seit Jahren rumgelabert werden, wer das Konzept endlich lizensiert? Ich würde nicht einen Cent für eine dusselige Lizenz ausgeben, sondern einen guten Namen finden, ein Redaktionsteam zusammenstellen, ein attraktives Vergütungsmodell für freiwillige Autoren finden, das auch auf Ruhm und Ehre aufsetzt, und genau in die Lücken gehen, die der deutsche Zeitungsmarkt gerade zu bieten hat…“

Ja, wenn es so einfach wäre! Denn 1. gibt es vielleicht keine Lücke, 2. gibt es kein attraktives Vergütungsmodell, und 3. gibt es auch keine überzeugende Zielgruppe. Die deutschen Blogger sind (noch) nicht so professionell wie die amerikanischen – und die deutschen Zeitungen sind noch lange nicht so ausgeblutet wie die US-Blätter.

Das einzige, was es hier wie dort in rauen Mengen gibt, sind Ruhm und Ehre.
 

  • Martina Schulte über die Hochzeit der Huffington Post mit der Tomorrow Focus AG, DRadio Wissen am 30. April: Deutscher Partner der HuffPo