Wolfgang Michal

#Offshore-Leaks: Reine Routinefragen (Update)

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Während die beteiligten Medien stolz ihren „Scoop“ aufbereiten und mit Fortsetzungsgeschichten die Seiten füllen, stellen Beobachter erste Fragen. Besonders beliebt: Woher kommen die Daten? Und wem nützen sie?

06.04.2013 | 

Update vom 11. Mai »
 
Journalismus beginnt ja eher selten mit dem Sortieren von Datensätzen. Meist beginnt er mit dem Stellen blöder Fragen. Von zehn solchen Fragen führen neun in die Irre, doch eine verfolgt möglicherweise eine vielversprechende Spur. Ganz wie beim Tatort. Dort sagen die Ermittler oft entschuldigend: Tut uns leid, aber wir müssen solche Fragen stellen. Reine Routinefragen.

Zunächst die bekannten Fakten: Man habe, so die Süddeutsche Zeitung, 260 Gigabyte Datenmaterial zur Prüfung bekommen! Per Post. 86 Journalisten aus 46 Ländern hätten die Daten in einer 15-monatigen „Mammutrecherche“ (= Datenaufbereitung) lesbar gemacht. Eine tolle Team-Leistung. Oder, wie es einer der Beteiligten offen ausdrückte: „Ein Gegenentwurf zu WikiLeaks“.

Da wäre als erstes die Frage: Wie schafft man es in einer durchlässigen Medienwelt, 15 Monate lang dicht zu halten?* Wie wurden die 86 Journalisten ausgewählt und welche Verträge mussten sie unterschreiben? Warum fehlten unter den eingeweihten Medien ausgerechnet die Dickschiffe des Enthüllungsjournalismus: die New York Times, der Spiegel, El Pais? Waren diese Medien an den Daten nicht interessiert? Oder wollten sie die Daten exklusiv?

Auf der Liste der eingebundenen Journalisten findet sich (außerhalb des engeren Kreises des ICIJ-Netzwerks) nur ein einziger Kollege aus den USA – von der Washington Post. Die anderen stammen aus Russland, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Serbien, Kosovo, Rumänien, Moldawien und dem asiatischen Raum. Von dort, von Singapur, könnte die Festplatte ihren Weg nach Washington gefunden haben.

260 Gigabyte! Welcher „anonyme Hinweisgeber“ (SZ) konnte sich ein derart umfassendes Wissen aneignen? Wer – außer absoluten Insidern, außer global agierenden Hackern oder Geheimdiensten – hätte überhaupt Zugriff auf Daten von 122.000 Briefkastenfirmen in zehn über die ganze Welt verstreuten Steueroasen? Auf 130.000 Personendaten aus 170 Ländern? Gibt es tatsächlich eine einzelne Firma (in Singapur oder in der Karibik), die so viele Briefkastenfirmen „betreut“ und so viele Daten an einer zentralen Stelle bunkert?

 

Aufklärung Ost

Der Adressat des entwendeten Datenpakets, das „Internationale Consortium für Investigativen Journalismus“ (ICIJ), sitzt in Washington D.C. und ist ein Projekt des „Center for Public Integrity“ (CPI). Geldgeber sind die beiden Großstifter Knight-Foundation (Florida) und Ford-Foundation (New York). Der Absender hat seine Ware dort angeblich in den Briefkasten geworfen. Warum gerade dort?

In den bisher bekannt gewordenen Teilen des Pakets fehlen die wichtigsten europäischen und amerikanischen Steueroasen. Darauf hat Christian Humborg schon hingewiesen. Es fehlen auch (mit wenigen Ausnahmen) bekannte Namen aus „dem Westen“. Vielleicht, weil alle außer dem toten “Playboy” Gunter Sachs und dem früheren Wahlkampfmanager von Francois Hollande ihr Geld brav versteuern?

Gab es möglicherweise eine Art Vorfilterung durch den Überbringer der Daten, durch das ICIJ-Konsortium selbst (das offenbar nicht das Rohmaterial an die Journalisten gegeben hat) oder durch die beteiligten Redaktionen? Wäre es völlig abwegig anzunehmen, dass die Daten von einem nationalen Sicherheitsdienst zunächst geprüft wurden, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden – wie teilweise bei den Botschaftsdepeschen und den Irak-Warfiles geschehen? Oder könnte es sein, dass die „Verräter“ der Daten erst mal bestimmte Steueroasen auswählten und andere Länder noch aussparten?

Das sind Fragen, die gestellt werden müssen – auch wenn man die Aktion (inkl. der Entschlüsselungsarbeit) ganz großartig findet. Wie gesagt: Es sind reine Routinefragen (die bislang nur von René Martens im Altpapier angedeutet werden).

 

Das Motiv des Täters

Am interessantesten erscheint sicher die Frage nach dem Motiv des Täters: Jemand könnte schlecht behandelt worden sein und wollte sich an seinem ehemaligen Arbeitgeber rächen. Jemand hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen. Jemand wollte mit den Datensätzen einen Haufen Geld verdienen. Jemand war als eingeschleuster verdeckter Ermittler auf die brisanten Daten gestoßen.

Alle diese Motive kommen in Frage, aber wie konnte ein Einzelner an derart große Datenmengen gelangen, an verschlüsselte Daten, die weltweit verstreut auf Hunderten von Servern liegen? Irgendjemand musste die Daten doch irgendwo zusammengeführt haben? Sind es die beiden auf die Einrichtung von Briefkastenfirmen spezialisierten „Unternehmen“ aus der Karibik und aus Singapur? Oder gibt es ein zentrales Archiv mit den erst später zusammengeführten Kopien? Das könnte dann ein staatliches Archiv sein. Gibt es am Ende einen zweiten Bradley Manning?

Auch viele Regierungen hätten ein gutes Tatmotiv für die Enthüllung; vor allem hätten sie die geeigneten Mittel, um an die Daten zu gelangen. Ihre Staaten sind hoch verschuldet und suchen nach neuen Einnahmequellen. Die Reichen und die Superreichen, die Waffenhändler und die Drogenbarone, die sich dem Zugriff von Steuerbehörden und Polizei seit Jahrzehnten erfolgreich entziehen, sind in der Finanzkrise wieder frisch ins Visier geraten. Und die Politiker reagieren auf das „Datenleck“ so, als hätten sie nur darauf gewartet. Wann schlägt der erste von ihnen eine Art Zypern-Lösung vor (ein Rasieren der Briefkasten-Eigner)?

Es könnte also durchaus sein, dass hier gar kein Daten-Leck vorliegt, sondern ein geschicktes Spiel über Bande stattfindet**. Macht nichts, werden viele sagen, Hauptsache, es trifft die Richtigen. Es wird schon alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Wir stellen – wie gesagt – nur reine Routinefragen.

*Update 8.4.: Ganz so geheim war das Projekt #offshoreleaks offenbar nicht. Am 9. Januar 2013 twitterte einer der Beteiligten, dass er noch bis April an einem tollen Projekt arbeite. Er nannte auch gleich die Adresse: ‪http://www.icij.org/offshore

**Der Basler Strafrechtsprofessor und Anti-Korruptionsexperte Mark Pieth hat sich auf dem „Stuhl“ der „Rundschau“ des Schweizer Fernsehens (10.4., 21:00 Uhr) ähnliche Fragen zu #offshoreleaks gestellt. Pieth hält es für denkbar, dass die Datensätze vor der Veröffentlichung gesäubert wurden, und dass der Leak gezielt von interessierter Stelle lanciert wurde. In der Mediathek des SRF kann man das Interview noch nachhören. Leider ist das Schwyzer Dütsch nicht mit deutschen Untertiteln versehen.

 
Update, 11. Mai

 

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30 Kommentare

  1. Wolfgang Ksoll |  07.04.2013 | 12:00 | permalink  

    ICIJ und Wikileaks sind tatsächlich völlig gegenteilige Dinge. Bei Wikileaks wurden Daten radikal veröffentlicht, um Straftäter zur Strecke zu bringen. Wie zum Beispiel die Mörder aus der US-Army, die im Irak unbewaffnete Journalisten aus dem Hubschrauber gejagt und ermordet haben. Dafür ist z.B. der Informant Mannings ins Gefängnis gegangen, die US-Regierung lässt aber Mörder frei herumlaufen. Wie sie es auch mit den Mördern von Zivilisten macht, die in Pakistan Zivilisten völkerrechtswidrig in einem Angriffskrieg mit heimtückischen Drohnen auch tun.

    Bei der ICIJ werden dagegen keine Daten veröffentlicht. Die Absicht der Journalisten ist, mit ihren Berichten Geld zu verdienen. Sie haben klar gesagt, dass ie die Strafverfolgungsorgane nicht unterstützen werden:
    http://www.icij.org/blog/2013/04/why-we-will-not-turn-over-offshore-files-government-agencies

    (gelöscht. Bitte halten Sie sich an die Kommentarregeln. Die Red.)

  2. Wolfgang Michal |  07.04.2013 | 13:35 | permalink  

    Da nicht alles strafbar ist, was in den so genannten Steueroasen geschieht, kann man die Daten nicht einfach so ins Internet stellen: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/steueroasen112.html

    Ob Steueroasen nicht an sich illegitim sind, ist eine politische Frage. Insofern haben die Medien durchaus Spielraum. Es gibt ja keine Pflicht, ausschließlich über Strafbares zu berichten.

  3. Wolfgang Ksoll |  07.04.2013 | 14:09 | permalink  

    @Wolfgang Michal #2

    Wenn der BND Millionen von E-Mails rastert, sind auch nicht in allen Mails Straftatenhinweise. Wenn die Polizei Funzellenabfragen macht, dann geht die Polizei auch nicht davon aus, dass alle Anwesenden Straftaten begangen haben.
    Bei der Tagesschau heisst aber auch:
    “Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste.”

    Es wäre aber eine absurde Diskussion, wenn wir sagten, dass die Teilnahme an Demonstrationen keine Straftat ist, dass deshalb die Journalisten aus Profitstreben Straftaten verheimlichen dürften und Straftäter decken dürften.

    Die Süddeutsche Zeitung z.B., die mit zum Täterkomplex gehört, hat den Anfangsverdacht publiziert, dass es sich auch um Kriminalität handele, was sie decke:
    “Steuern – Kriminalität: Analyse: «Offshore Leaks» macht Tricks der Reichen sichtbar”
    http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1437230

  4. Wolfgang Michal |  07.04.2013 | 14:24 | permalink  

    Eine Zeitung ist eben nicht die Polizei oder die Rasterfahndung oder die Staatsanwaltschaft. Sie muss lediglich – gemäß ihrer Sorgfaltspflicht – prüfen, was sie veröffentlicht und was nicht. Über diesen Filter würde man gerne mal was erfahren.

    Das gestern veröffentlichte Helden-Statement, sie werde ihre “Informanten” schützen, ist allerdings etwas seltsam, denn sie kennt ja die Informanten gar nicht. Es geht da eher um eine vertragliche Zusicherung an das ICIJ, die Daten nicht an staatliche Stellen weiter zu geben.

    Mit diesem Verhalten gehört die SZ aber nicht zum “Täterkomplex”, also bleiben Sie bitte sachlich und lassen Sie Unterstellungen!

  5. Wolfgang Ksoll |  07.04.2013 | 14:49 | permalink  

    Mit der aktiven Weigerung, Information über Straftaten preiszugeben, könnten die Journalisten der Süddeutschen Zeitung selbst zu Straftätern werden:
    “Sobald der Journalist aber Anlass zu der Annahme gibt, dass er darüber hinaus aktiv darauf hin- oder daran mitwirkt, dass der Täter sich und seine Tat verschleiern, verdunkeln oder verbergen kann, könnte ein Staatsanwalt Merkmale der Strafvereitelung als vorliegend ansehen. ” (§258 StGB Strafvereitelung)

    http://researchandreport.wordpress.com/2012/07/20/bundesgesetz-starkt-pressefreiheit-nicht/

    Der Hinweis auf die vertragliche Zusicherung, das Beweismaterial für Straftaten nicht an Strafverfolgungsbehörden weiterzugeben, ist lustig. Das macht die Mafia regelmäßig auch. Die nennen diese Vertragsbestandteile Omerta :-)

  6. Offshore-Leaks – Journalisten schützen Steuerflüchtlinge und Geldwäscher — Wirtschaftsthemen |  07.04.2013 | 16:19 | permalink  

    [...] Weitere Fragen stellt Carta.info [...]

  7. frank |  07.04.2013 | 17:27 | permalink  

    Sehr schön, Routinefragen. Einige wurmen mich auch seit dem ersten Artikel. Neu dazu gekommen: warum findet sich bei der bbc oder beim guardian nix auf der Seite, wenn doch beide von der Süddeutschen als “Mitglieder” des Konsortiums aufgeführt werden? Selbst die Suche auf der jeweiligen Seite bringt nix zu tage. hmm.

  8. C. Müller |  07.04.2013 | 18:18 | permalink  

    Für die Medien kommt Offshore-Leaks wie geschaffen, denn Medien leben von Skandalen und Enthüllungen. Wer hinter den Medien steckt und welche Motive er hat, ist in der Tat eine interessante Frage. Allerdings ändert das nichts daran, dass mutmassliche Steuerhinterziehung bzw. allenfalls sogar Steuerbetrug nicht in Ordnung sind.

  9. Wolfgang Ksoll |  07.04.2013 | 19:42 | permalink  

    Heribert Prantl erzählt in der SZ zum Thema schöne Vergleiche aus der Gesternwelt.
    “Journalisten sind keine Hilfsorgane von Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung. Deswegen wird die “Süddeutschen Zeitung” das Offshore-Leaks-Material nicht an die Behörden weitergeben.
    “Ein guter Journalismus bäckt das tägliche Brot der Demokratie. Er beliefert damit einen jeden, der das will – auch die Behörden, auch die Polizei, die Staatsanwaltschaft, Finanzverwaltung und die Steuerfahndung. Aber er bäckt das Brot nicht mit diesen Behörden zusammen, und er liefert ihnen auch nicht die Rezepte und die Ingredienzien.”
    http://www.sueddeutsche.de/medien/offshore-leaks-gefaehrliche-lust-auf-die-festplatte-1.1642515

    Es sei ihm unbenommen, dass er im 150-järhiegn Rückblick, Journalismus mit Brot backen vergleicht. Sei es. Aber heute haben wir andere Wahlmöglichkeiten:
    a) Wikileaks veröffentlicht an jeden alle Infromation ohne ansehen der Person und ohen kommerzielles Interesse oder
    b) Journalismus mit kommerziellem Interesse a la Prantl, der unter der Schutzbehauptung, Informanten seien zu schützen, die Fakten eben nicht veröffentlicht und im Zweifelsfalle Strafvereitelung bei Steuerkriminalität verübt (und Straftaten vermutet die SZ ja auch und Prantl ist Jurist), um auch länger kommerziellen Profit von der Aktion zu haben.

    Meines Erachtens schaden damit die Handeln dem Journalismus, wenn sie die mutmaßlichen Straftäter aus kommerziellem Interesse decken. Ich für meinen Teil halte da die Arbeitsweise von Wikileaks für zukunftsträchiger, weil dort keine Beihilfe geleistet wird, sondern schonungslos veröffentlicht wird.

  10. Wolfgang Michal |  07.04.2013 | 20:23 | permalink  

    Man merkt, dass ihr Verantwortungsgefühl nicht sehr ausgeprägt ist. Prantl geht es sicher nicht allein um die Interessen seines Blattes, sondern auch um bewährte journalistische Grundregeln.

    Auch WikiLeaks hat es in der Zusammenarbeit mit den Medien (NYT, Guardian, Spiegel) akzeptiert, dass das Rohmaterial gesichtet und gefiltert wurde, um Dritte zu schützen. Erst später kam es darüber zum Dissens.

    Und bevor Sie jetzt wieder von Strafvereitelung reden: Es geht z.B. um den Schutz jener, die in den Millionen E-Mails auftauchen, obwohl sie völlig unbeteiligt sind. Was eben so in Büros hin- und hergeschrieben wird. Das geht niemanden etwas an. Also kann man nicht einfach die Rohdaten veröffentlichen, sondern muss vorher prüfen.

    Viel interessanter ist doch die Frage, was die Journalisten bekommen haben.

  11. Wolfgang Ksoll |  07.04.2013 | 21:16 | permalink  

    Nun halten wir fest, das Prantls altbackenes Journalismus-Modell geeignet ist, den Niedergang der Zeitungen zu beschleunigen. Wie Sie ja selbst darstellen, war das alte Modell bei Wikileaks nicht tragfähig.

    Strafvereitelung mit Verantwortungsgefühl zu begründen, ist schon recht merkwürdig. Bei jedem Strafverfahren sind auch unverdächtige beteiligt. Wenn die Polizei Funkzellenabfragen macht, dann sind fast alle unschuldig. Und Sie halten dann die Polizei für verantwortungslos? Rasterfahndung ist verantwortungslos?

    Wenn die Presse Informanten schützen will, dann soll sie das tun. Aber nicht zu dem Preis, dass massenhaft Schwerkriminelle zu schützen, mit dem einzigen Zweck, Geld damit zu verdienen. Prantl arbeitet nicht für eine gemeinnützige Stiftung oder die Kirche, sondern für eine Zeitung, die gewinnorientiert arbeitet. Wenn Prantl das Gewinnstreben nicht passt, dann soll er woanders arbeiten. Aber nach Profit streben und den gemeinnützigen Helden spielen, dem es nur darum geht, Informanten zu schützen zum Preise, dass man bei tausenden Steuerkriminellen die Strafverfolgung behindert, ist skurril und gegen die Presse gerichtet.

    Es ist auch falsch im historischen Kontext. Seymour Hersh ging es in My Lai nur darum, Straftaten und Täter offen zu legen. Dafür hat er zu Recht den Pulitzer Preis bekommen. Wer Straftäter nicht zur Bestrafung bringen will, sollte keinen “investigativen” Journalismus machen. Die Bevölkerung wird keinerlei Verständnis dafür haben, dass sich Heribert Prantl mit der SZ schützend vor tausende von Steuerkriminellen wirft. Die ist es leid, verharmlosend von “Steueroasen” zu sprechen. Es ist keine Pressefreiheit, Kriminelle zu schützen, sondern nur plumpe Beihilfe aus kommerziellen Interesse.

    Wer aber sich so vor Steuerkriminelle wirft, wird das Echo verantworten müssen. Prantl hat sich nicht mal die Mühe gemacht, abzuwägen, welchen Beitrag die SZ machen kann, ohne Informanten zu kompromittieren. Statt dessen macht man sich kompromisslos zum Mittäter. Komische Verantwortung. Wahrscheinlich nicht konsensfähig. Da wird man besser warten, bis Wikileaks wieder ordentlich arbeitet. Die stellen sich nicht schützend mit fadenscheinigen Argumenten für ihr Geschäftsmodell vor Kriminelle. Totengräber von Print.

  12. impulshund |  07.04.2013 | 22:27 | permalink  

  13. Offshore-Leak zeigt, wie wir zu Muppets gemacht werden und lässt Politik und Finanzbranche Worthülsen produzieren |  08.04.2013 | 01:10 | permalink  

    [...] die an dem Projekt in den letzten Monaten gearbeitet haben. Das Projekt hat hier trotz zahlreicher unbeantworteter Fragen offensichtlich eine echte Fleißarbeit hingelegt, die zeigt, wofür professioneller [...]

  14. Uli Buhr |  08.04.2013 | 08:33 | permalink  

    Dem Kommentar von Herrn Ksoll zolle ich Respekt. Bei Jauch wird das Thema zerredet. Die “Bild” als Rächer des Proletariats hält sich auffallend zurück. Viele Fragen bleiben offen.
    Bis jetzt gehe ich trotzdem davon aus, das Schäuble am Ende seine Kassen ordentlich füllen darf. Denn ein Aspekt wird ausgeklammert: Die Steuerlast ist deshalb so hoch, weil jedes Jahr Milliardenbeträge beiseite geschafft werden. Wenn der Staat in Zukunft seine Aufgaben erfüllen soll, muss er an dieses Geld ran.

  15. ama |  08.04.2013 | 12:02 | permalink  

    “Das sind Fragen, die gestellt werden müssen – auch wenn man die Aktion (inkl. der Entschlüsselungsarbeit) ganz großartig findet. Wie gesagt: Es sind reine Routinefragen (die bislang nur von René Martens im Altpapier angedeutet werden).”

    Nein, das TG-1 war einen Tag schneller:

    http://transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=7754

  16. Mina |  08.04.2013 | 14:25 | permalink  

    Ich bin ebenso der Meinung, die Daten nicht zu übergeben, allerdings aus etwas anderen Gründen als die Argumentation von Herrn Prantl, die ich so seltsam fand, dass mich das u.a. auf diese Seite, also hierhin, geführt hat.

    Ich glaube die SZ hat bezüglich der Art und Weise ihrer Präsentation und Ankündigung einen Fehler gemacht. Und der Kommentar von Herrn Prantl macht das nicht besser. Denn er ist derjenige, der vor einen Glaubwürdigkeits-GAU warnt, ohne zu erkennen, daß eben die SZ möglicherweise schon längst vor einem Glaubwürdigkeits-GAU steht.

  17. Wolfgang Michal |  08.04.2013 | 15:12 | permalink  

    Ein Argument, warum Journalisten keine Daten an den Staat herausgeben wollen: Es sind die Staaten, die Steueroasen zulassen!!

  18. #OffshoreLeaks: Die eigentliche Arbeit beginnt erst |  08.04.2013 | 17:10 | permalink  

    [...] Michal, ebenfalls bei Carta, nutzt, um eine ganze Reihe von aus seiner Sicht unbeantworteten “Routinefragen” zur Genese von OffshoreLeaks zu stellen und die Möglichkeit anzusprechen, “dass hier [...]

  19. #offshoreleaks: Wie wir zu Muppets wurden — Carta |  09.04.2013 | 10:10 | permalink  

    [...] der ICIJ, die in den letzten Monaten an dem Projekt gearbeitet haben. Sie haben trotz zahlreicher unbeantworteter Fragen offensichtlich eine echte Fleißarbeit hingelegt, die zeigt, weshalb professioneller [...]

  20. Sebastian Mondial |  11.04.2013 | 10:59 | permalink  

    Schöne Routinefragen, das meine ich ganz ironiefrei. Als einer der beteiligten Journalisten finde ich kritische Fragen wichtig.

    Nun die Frage zurück: Haben Sie die Fragen mal jemanden tatsächlich gesendet, damit diese auch hier beantwortet werden? Den Eindruck habe ich nämlich nicht.

    Alle aus dem Team von NDR und SZ + meine Person haben seit der Veröffentlichung versucht, alle Fragen zu beantworten, wenn diese per Mail, Telefon oder im Interview gestellt wurden sofern es nicht um weitere Namen aus den Daten oder Fragen nach der Quelle betrifft.

    Ein passiver Post mit Fragen führt im besten Fall dazu das die Kommentatoren die Links zu den Antworten zusammentragen (bequem für den Autor) und im schlechtesten zu krassen Spekulationen; Ist ja nichts beantwortet worden – da muss man ja das schlimmste annehmen …

  21. Wolfgang Michal |  11.04.2013 | 12:15 | permalink  

    Lieber Sebastian Mondial,
    leider ist die mit 20 gut bezahlten Investigativreportern besetzte Carta-Redaktion zur Zeit nicht in der Lage, drei ihrer Leute nach Washington, nach Singapur und zu den Jungferninseln zu schicken… ;-)
    Aber im Ernst: Wir können wenigstens die Fragen stellen, die anderswo nicht mal gestellt werden. Und die Fragen haben ja ihr Ziel erreicht. Ich stelle Sie Ihnen gern auch ganz offiziell und würde mich z.B. über einen Gastbeitrag mit Ihren Antworten freuen, auf die dann natürlich wieder Nachfragen folgen. (Natürlich erwarte ich auch ein wenig, dass der Spiegel, falls er momentan Zeit hat, diesen Fragen nachgeht).
    Es sind, wie gesagt, reine Routinefragen…
    Beste Grüße
    Wolfgang Michal

  22. Sebastian Mondial |  11.04.2013 | 12:30 | permalink  

    Lieber Wolfgang Michal,

    danke für den Anfang eines Dialogs. Mir ist Transparenz über meine Arbeit wichtig. Aber auch die Form: Wenn Sie mir die noch offenen Fragen senden, bekommen Sie auch die Antworten ohne Wieselsprache, die ich in meinem Rahmen geben kann – so wie bei allen KollegInnen aus den Medien (und damit meine ich auch ausdrücklich Blogs). Daraus können Sie dann ein weiteres Stück machen. (Mail ist intern schon da – ansonsten via XING/Linked.in)

    Man könnte sich auch mal öffentlich unterhalten – Republica13(schon zu spät?), Netzwerk-Recherche-Tagung(Im Juni), etc. und das Ergebnis dann ins Netz streamen bzw. stellen. Was meinen Sie?

    Beste Grüße,
    Sebastian Mondial

  23. Wolfgang Michal |  11.04.2013 | 12:43 | permalink  

    Ja gern, machen wir. Post ist unterwegs.

  24. Wolfgang Ksoll |  11.04.2013 | 14:22 | permalink  

    Ist ja lustig: Transparenz offline im Hinterzimmer :-) Old-Style-Journalisten unter sich? Ich glaube, da ist mir die echte öffentliche Transparenz von Wikileaks lieber. Bei der SZ z.B. werden durch Vorzensur Kommentare gelöscht. Die Mühe macht man sich dann nicht mehr.

  25. Sebastian Mondial |  11.04.2013 | 15:32 | permalink  

    Liebe Herr Ksoll,

    sie haben eine besondere Art von Humor: Meinen Sie nicht, dass wir – um transparenz zu vermeiden – unser Treffen eher ganz unsichtbar per Mail ausgemacht hätten? Ich antworte hier, um transparent zu sein. Auch für Sie, wenn Sie Fragen haben, kann ich auch hier in meinem bescheidenen Zeitrahmen diese beantworten oder verlinken.

    Der eigentliche Grund: Für eine echte öffentliche Diskussion ist es manchmal ganz praktisch, die Kontaktdaten auszutauschen. Das mache ich aber nicht hier im Forum.

    Und: Es ist in Ordnung, wenn sie Wikileaks vorziehen. Pluralität hilft fast immer bei fast allem.

    Ich hätte auch gleich eine Frage an Sie: Was halten Sie von dem “Leak” von Montag bei Wikileaks? Ich kann mir darauf nämlich keinen Reim machen.

    Freundlicher Gruß,
    Sebastian Mondial

  26. Wolfgang Ksoll |  11.04.2013 | 17:26 | permalink  

    @Sebastian Mondial
    Zu Ihren Hinterzimmer “Transparenztreffen” (süße Idee) will ich mich nicht weiter äußern :-)

    Zu den Wikileaks Aktivitäten diese Woche: Meinen Sie die Kissinger Cables?
    Das ist doch eine prächtige Sache. Es gibt einige, die Herrn Kissinger für einen Verbrecher halten. Siehe z.B.:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Akte_Kissinger
    Das ist eine spannende Sache, wegen der illustren Schritte des Herrn Kissinger:
    Wie Herr Dr. Mengele (über die Kaiser Wilhelm Gesellschaft in Dahlem) stand Herr Kissinger auf der Payroll der Rockefeller Foundation
    http://en.wikipedia.org/wiki/Rockefeller_Foundation
    Nach US-Gesetzen werden Papiere mit Geheimschutz nach endlicher Zeit freigegeben. So kam bei Kissinger heraus, dass er dafür plädierte (ich glaube 1975), eventuell aufkommende Jugendrevolten in Indien mit Anthrax zu bekämpfen (also Massentötungen).
    Bekannt ist auch, dass er den Vietnamkrieg aus wahltaktischen Gründen verzögerte, was viele Menschen das Leben gekostet hat.

    Bei solch eklatanten Verdächtigungen ist es nur hilfreich,. dass Akten, der Geheimschutz abgelaufen ist, zeitnah veröffentlicht werden, wie Assange das nun wieder angekündigt hat.

    Man kann das als Open Data sehen: Regierungshandeln wird einfach im Internet öffentlich gemacht statt in Hinterzimmern als “Transparenzgespräch” wie unter Metternich geheim gehalten (über den Kissinger übrigens promoviert hat: “Das Gleichgewicht der Großmächte”. In Seinem China-Buch ist er über diesen Erkenntnisstand aus den 1950er Jahren dann auch nicht mehr hinaus gekommen. Nur Kalter Krieg.)
    Auch wenn in den immer noch versucht wird, das gestern zu retten, sieht es immer mehr danach aus, als wenn die Spackaria recht bekäme, dass die Privatheit im Internetzeitalter was anderes ist, als früher in der Totbaumzeit wie hier noch bei der NZZ
    http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/offshore-leaks–angsterregender-datenhandel-1.18060296

    Gerade bei Personen in öffentlichen Ämter ist die Geheimpolitik der österreichsichen Monarchie aus dem 19. Jahrhundert nicht mehr angemessen. Bei Kissinger kommt ja erschwerend hinzu, dass er immer noch aktiv ist und z.B. den Herrn Guttenberg fördert und auch dieser bei CFR von Rockefeller gefördert wird :-)

    Aber das muss Sie nicht interessieren. Es reicht ja, wenn Wikileaks die Daten der U-Regierung zeitnah, sobald der Geheimschutz entfällt weltweit im Internet zur Verfügung stellt. Die klassischen gewinnorientierten “investigativen” Journalisten waren ja auch bei der Aufdeckung Guttenbergs Betrug nicht beteiligt. Aber die Bevölkerung interessiert schon, wer und was dahinter steckt, wenn Herr Guttenberg bei der Bundesregierung Werbung für die nächsten Kriege macht, in die Frau Merkel Soldaten und Waffen schicken soll.

    Aber Sie werden das schon richtig machen mit der appropriaten Verwaltung Ihrer Kontaktdaten usw.

    Aber ich glaube, die Zeit schreitet dennoch voran :-)

  27. medienschnipsel | Heute gelesen |  11.05.2013 | 14:23 | permalink  

    [...] Wolfang Michal erklärt  auf carta.info am Beispiel der Offshore-Leaks, warum Routinefragen immer zum Grundhandwerk des Journalismus gehören. Die Updates bekräftigen seine These umso mehr. [...]

  28. #offshoreleaks: Der seltsame Scoop — Carta |  11.05.2013 | 15:33 | permalink  

    [...] meine am 6. April bei Carta veröffentlichten skeptischen „Routine-Fragen“ zu diesem Medien-Scoop hat man sich in Kreisen der Beteiligten offenbar sehr geärgert. Wurde [...]

  29. Woche woanders #6: Surfen, Sport, Selbstversuche und Kinder, die Sachen essen |  15.05.2013 | 07:39 | permalink  

    [...] Wolfgang Michal stellt “Reine Routinefragen” zu den #Offshoreleaks. [...]

  30. Die schöne Geschichte von #offshoreleaks und weitere lästige Fragen — Carta |  17.06.2013 | 10:22 | permalink  

    [...] Carta mehrfach Zweifel am vermeintlichen „Medien-Scoop Offshoreleaks“ angemeldet (z.B. hier und hier). Ich kann natürlich falsch liegen, aber der Ablauf der Aktion, die Lücken im [...]

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