Sascha, sei du unser Grillo!

Unter dem genialen Titel „Unsere Mütter, unsere Fehler“ hat Sascha Lobo mit der einflusslosen Netzpolitik abgerechnet. Aber was nun? Es gibt nur eine Lösung: Er muss selbst antreten!

Die Italiener haben uns im Februar gezeigt, wie man aus dem Netz heraus Wahlen gewinnt. 25 Prozent im Erstschlag! Und das nur dreieinhalb Jahre nach der Parteigründung. Und wir? Wir kloppen uns vier Jahre lang mit gefühlt 100.000 Protestbeiträgen ums Leistungsschutzrecht und verlieren dann gegen den Hinterbänkler Ansgar Heveling. Wir blasen eine Piratenpartei auf 15 Prozent Volks-Zustimmung auf und lassen sie dann zusammenfallen wie ein Hefeküchlein. Das ist nicht fair.

In einem glänzenden Beitrag hat uns Sascha Lobo (137.000 Twitter-Follower!!!) nun die Mutter aller Fehler erklärt:

„Wir sind viele, wir sind schnell, wir sind technisch superknorke aufgestellt, wir sind irre klug und verfügen über die Geduld und die Konzentration, um – oh, schaut Euch diese niedlichen Katzenbabys an!“

Ja, jetzt lecken die Netzpolitiker ihre Wunden. Und die professionellen Beobachter aus den Altmedien kleben noch ein Pflästerchen Mitleid und Verständnis oben drauf. Und die echten Politiker im Netz (Jens Berger, Frank Lübberding etc.) wundern sich weiter, warum sich „die Netzgemeinde“ so ausdauernd für „Orchideenthemen“ interessiert, und so wenig für Euro, Energiewende, soziale Gerechtigkeit und Zypern. Aber hängt nicht alles mit allem zusammen?

Jetzt, im Blues der netzpolitischen Niederlage, ist die Gelegenheit günstig, um in sich zu gehen und mit den richtigen Konsequenzen wieder herauszukommen. Aber mit welchen? Sascha Lobo fordert die Erweiterung der netzpolitischen Einheiz-Front um zwei entscheidende Zielgruppen: 1. die reichweitenstarke YouTube-Generation der Y-Tittys und 2. die smarten, coolen Internet-Unternehmer aus dem neuen Mittelstand. Diese breite Bewegung könnte dem Standort Deutschland den erhofften Modernitätsschub und den Netzthemen die überfällige Anerkennung bringen.

Aber dazu müssten die bestehenden Grüppchen wohl Abschied nehmen von ihren alten Parteien und ihren kuscheligen Spielecken. Und das ist nicht leicht. Das schafft nur eine Integrationsfigur mit Format und Mutterwitz.

Sascha, sei du unser Frontrunner. Mach es wie Beppe!!

 

Ein besonderer Dank geht an Farlion für seine tolle Fotomontage. Das Originalfoto stammt von Niccolò Caranti (CC BY-SA)