Warum das ersehnte Allzeithoch im DAX kein echtes Allzeithoch ist

Die Finanzwelt, so scheint es, hat mal wieder den Champagner kalt gestellt. Zu Recht?

Der DAX hat am vergangenen Freitag um 9.19 Uhr erstmalig wieder die 8.000-Marke erreicht. Geht es nach den Wünschen, dann wird in den nächsten Tagen oder Wochen irgendwann das Allzeithoch im DAX geknackt. Google News weist schon über 21.000 Ergebnisse für das Stichwort aus. Manuel Prigo-Thimel erinnerte bereits letzte Woche auf Wall Street Journal Online daran, dass wir das letzte Allzeithoch im DAX am 13.7.2007 gesehen haben.

Ich will ja nicht den Spielverderber machen, aber kurz daran erinnern, dass der DAX, über den wir täglich in den Medien lesen, ein Performanceindex ist. Das bedeutet, die Dividendenerträge fließen mit in seine Berechnung ein. Damit kann er theoretisch sogar steigen, wenn die Kurse fallen.

Die Wertentwicklung ist insofern nicht mit dem Euro Stoxx, S&P 500 oder dem Dow Jones Average vergleichbar, die nur die Kursentwicklung darstellen. Im Vergleich mit diesen sieht der DAX jedes Jahr um 2 — 4% zu gut aus. Ohne die Dividendeneinrechnung lägen wir weit unter dem Rekord. Gut erkennen kann man das am DAX-Kursindex, der parallel veröffentlich wird, jedoch nur ein mediales  Nischendasein fristet. Der DAX Kursindex hat sein Allzeithoch im März 2000 mit 6.266 Punkten erreicht. Aktuell notiert er bei 4.349 Punkten.

Besonders deutlich wird das, wenn man die Verläufe der beiden Indizes in einer Grafik zusammenfasst. Möglich ist dies etwas mit dem Charttool der Comdirect. In der folgenden Grafik starten beide bei 100% am 1.1.2000:

 
DAX-Kursindex, Grafik: comdirect
 

Bei Erreichen des Allzeithochs im DAX ist also bestenfalls Sekt angezeigt. Den Champagner darf man öffnen, wenn der Kursindex seinen 13 Jahre alten Rekord knackt.
 

Crosspost von Blick Log