Beppe Grillo, Silvio Berlusconi & Frank Stronach lassen grüßen

Eine neue nationale Provinzpartei will versuchen, die Anti-Euro-Gefühle der Deutschen auf ihre Mühlen zu leiten. Die Auftaktveranstaltung findet am 11. März in Oberursel (!) statt.

Die Euro-Politik der etablierten Parteien ist inzwischen – gefühlt – so alternativlos, hinterzimmerig und hässlich (= postdemokratisch), dass jede zusammengestoppelte Anti-Euro-Partei locker 25 Prozent der Wähler anlocken könnte. Bei den Landtagswahlen in Kärnten und Niederösterreich holte das euro-kritische Team Stronach am Sonntag auf Anhieb rund 11 Prozent. In Italien kamen die sehr unterschiedlichen Wahlkämpfer Beppe Grillo (25,5%) und Silvio Berlusconi (29,2%) auch mit grellen Anti-Europa-Euro-Merkel-Parolen über 50 Prozent. Das Durchschnittsalter der drei Hoffnungsträger Grillo, Berlusconi und Stronach liegt bei 73 Jahren!

Betagt sind auch die Herren der „Alternative für Deutschland“, die ihre neue Partei im April aus der T(r)aufe heben wollen. Diese Alternative ist klar gegen TINA gerichtet, gegen das Merkelsche Mantra: There Is No Alternative. Die Gründer der allerneuesten Partei setzen darauf, dass die CDU beim Anblick von Prof. Dr. Ing. E.h. Hans-Olaf Henkel vor lauter Schreck zusammenfällt wie ein misslungenes Rhabarber-Soufflé. Denn der Reformkurs Angela Merkels hat nach Meinung der Alternativen bereits so viele Christdemokraten vergrätzt, dass sie zusammengenomen eine satte Mehrheit bilden. Die Wahlergebnisse in Italien und Österreich lassen hoffen.

Doch ist die „Alternative für Deutschland“ wirklich eine politische Alternative? Nach allem, was man hört (siehe Wahlbündnis mit den Freien Wählern in Niedersachsen) würde ich vermuten: Sie ist es (noch) nicht. Hier wehren sich mal wieder alte weiße Männer gegen den Niedergang ihrer alten weißen Männerwelt (Dieser Gedanke ist von Jakob Augstein geborgt).

Rechts von der ‘modernisierten’ CDU ist zwar viel Platz frei geworden, aber keine rechte Splittergruppe hat es bislang vermocht, diesen Platz überzeugend zu besetzen. In der Vergangenheit konnte die FDP diese Aufgabe übernehmen, aber die Lindner-, Rösler- und Bahr-FDP ist gerade dabei, diesen Platz aufzugeben, weil sie (nach der #aufschrei-Affäre) endlich Anschluss finden muss an die neuen städtischen Mittelschichten. Eine verjüngte FDP braucht dringend eine neue Wählerbasis. Und die CDU streift weiter im Rekordtempo ihre alten Häute (bzw. Hüte) ab, pro forma gebremst von der Schwesterpartei CSU.

Rechts von CDU/CSU ist also enorm viel Platz für politische Alternativen. Und so sagen sich die alternativen Parteigründer: Wann, wenn nicht jetzt!? Die Situation erscheint ihnen günstig. Mit dem wirtschaftlichen Abschwung der südeuropäischen Länder verbinden sie wachsende Schuldenberge zu Lasten Deutschlands. Der Zorn darüber soll die neue Partei ins Parlament katapultieren.

Doch das Problem der Deutschland-Alternative ist, dass sie mehr den Professoren-Muff unter den Talaren verströmt als den Anti-Korruptions-Aufstand in den Metropolen repräsentiert: Hans-Olaf Henkel ist kein Beppe Grillo. Ihm fehlen das Piratige und das Linke, das Grüne und das Rosarote, das Vulgäre und das Populäre, der Zorn der Intellektuellen und die Unterstützung der Künstler (einen Dario Fo oder einen Adriano Celentano kann man sich schwer als Henkel-Unterstützer vorstellen).

Hans-Olaf ist aber auch kein Stronach und kein Berlusconi – er besitzt weder eigene Fernsehsender noch eine eigene Ausstrahlung: Die von der „Alternativ-Partei“ aufgebotenen älteren Herren kann man sich eher als Sargträger für den Euro vorstellen denn als lustvolle Antiparteien-Opposition.
 
P.S. Wer das Phänomen Beppe Grillo erfassen möchte, lese z.B. das Blog meiner Kollegin Petra Reski. Die in Venedig lebende Autorin findet es absurd, dass in deutschen Zeitungen nur das wiedergekäut wird, was vorher in italienischen Zeitungen gestanden hat. Denn Beppe Grillos Erfolg beruhte zu einem gewichtigen Teil auf seiner gezielten Ausgrenzung der traditionellen, dem alten System zugerechneten Medien.