Und jetzt: Die FRAZ

| 01.03.2013 | 3 Kommentare

Nicht nur über 300 Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau werden entlassen. Die neueste Form der Medienvielfalt - never judge a book by its cover - behandelt auch die Leser nicht gut.

Das Bundeskartellamt hat am Dienstag bekanntgegeben, dass es die Übernahme der Frankfurter Rundschau durch die FAZ genehmigen werde. Von der bisherigen Redaktion werden nur 28 Journalisten übernommen. 340 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Auch die Druckerei in Neu-Isenburg wird es nicht mehr geben. Nachdem der Druckauftrag für die Bild-Zeitung nach über 30 Jahren gekündigt worden war, ist sie für Investoren uninteressant. Der Vorgang wirft ein Licht auf die Abhängigkeit einer Zeitung aus dem linken Spektrum von der Springer-Presse. Die Rundschau, wie auch immer sie in den letzten Jahren abgebaut haben mag, gab es, solange ich sie kenne. Gut zehn Jahre war ich Abonnent, wenn das auch leider schon etwas her ist – gekündigt habe ich letztlich nur, weil dort auch die rechte Dreckschleuder Bild gedruckt wurde.
 

„Auch die Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS) und die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg), begrüßten die Entscheidung des Kartellamtes. Man verbinde damit [bei] MDS und ddvg die Hoffnung, dass die Stimme der FR dauerhaft erhalten bleibe.“

 
Das kann nicht ernst gemeint sein. Denn wenn die FAZ die FR kauft und 28 Lokalredakteure übernimmt, ist das etwa so, als übernähme die CDU die SPD nicht nur ideell, sondern endlich auch ganz. Danach stände weiterhin ein rotes Kästchen auf dem Wahlzettel, das man jederzeit gefahrlos ankreuzen könnte: darin steckte garantiert der konservative Inhalt des Stärkeren. Manche meinen, so weit sei es schon längst, andere haben das bezweifelt.

Wieder andere haben schon im vergangenen Dezember vorsorglich die Frankfurter Regionalberichterstattung, die nun angesichts von FAZ, Frankfurter Neue Presse und leichengefledderter FR ganz und gar in Schwarz daherkommt, als Blogger in die eigene Hand genommen. Dieses bürgerschaftliche Engagement ist wichtig: es erinnert an den Aufstieg der Blogs in den USA angesichts der einmütig Bush-freundlichen und neoliberalen Presse.

Ich denke an die 28 Lokalredakteure, die ein Angebot erhalten werden, ab dem 1. März für die FAZ-FR zu arbeiten. Auch eingedenk aller Flexibilität, die die Rundschau-Redaktion in den letzten Jahren an den Tag gelegt hat: Wie fühlt man sich dabei? Und: Ist aus Lesersicht die journalistische Arbeit dieser Mitarbeiter glaubwürdig?

Der Abgesang auf die Blogs dürfte in jedem Fall zu früh erfolgt sein.
 

Crosspost von schneeschmelze