Thomas Koch

Sieben Thesen zur Zukunft von Medien und Werbung

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Wir schreiben das Jahr 2020. Ich konstatiere: Das Ende der Massenmedien ist nun wohl endgültig gekommen. Wie auch das endgültige Aus der herkömmlichen „Frontal“-Werbung.

17.02.2013 | 

Das Ende der sinnleeren, verblödenden Reklame. Wie lange haben wir diesen Augenblick herbeigesehnt …

 

Erste These:

Analoges wie auch hybrides Fernsehen ist out. TV ist endlich in der digitalen Welt angekommen. Aus dem realen Lagerfeuer, um das sich früher die Familie versammelte, ist ein virtuelles Lagerfeuer geworden. Es gibt kaum mehr Sender (na gut, RTL hat überlebt), die einen „Programmablauf“ ausstrahlen. Es gibt unzählige TV-Mediatheken und Pay-TVs. Aus YouTube und GoogleTV sind breitgefächerte Themen-Videotheken geworden. Die Menschen versammeln sich via Social Media zu Gruppen, die gemeinsam ihre ausgewählte Sendung schauen. Größere Zuschauermassen werden nur noch von Sportereignissen wie Olympia, Fußball-WM, SuperBowl und Papstwahl angezogen, die nach wie vor zu einer festen Zeit ausgestrahlt werden.

Die Mediaagenturen buchen schon lange keine Sende(r)plätze mehr nach Zeitschienen, sondern ausgewählte Sendungen, die ihre Zuschauer über die Zeit und über verschiedenste Kanäle (Kino, TV, Online-Mediathek, Digital Signage, Mobile) einsammeln.

Die werbefinanzierten Programm-Theken stellen den Zuschauern zwar Werbefilme zur Auswahl, über die sie jedoch (mithilfe zuvor erstellter Interessenlisten) abstimmen. Von der Mehrzahl der individuellen Zuschauergruppe nicht erwünschte Werbung wird nicht ausgeliefert. Basta. Das hat die Qualität der Spots enorm gesteigert, aber natürlich auch ihre Werbewirkung.

 

Zweite These:

Radio ist nach wie vor der Tagesbegleiter Nummer eins geblieben. Wir hören aber nicht mehr nur ein oder zwei Lieblingssender, sondern empfangen auf digitalem Wege verschiedenste, zuvor ausgewählte Programme. Wir programmieren Dutzende Sender nach Programmkompetenz, Musikpräferenz und Tagesstimmung: Für jeden Content einen anderen Sender. Wir hören Programm, nicht mehr Sender.

Die Reichweiten vieler Radio-Sender sanken dadurch signifikant. Mediaplaner buchen längst nicht mehr Sender, sondern Programme, um ihre Zielgruppen zu bestimmten Zeiten oder über den Tag einzusammeln. Ein durchaus angenehmer Nebeneffekt für die Sender: Die Werbeeinnahmen stiegen.

Die Radiowerbung selbst ist endlich erwachsen geworden. Sie schreit die Zuhörer schon lange nicht mehr an, sondern begleitet sie, wie das Programm, über den Tag. Längst dominieren (Image-) Spots, die den Zuhörer fesseln und Audio-Werbe-Sendungen, die zum Zuhören einladen. Die Werbebranche hat das Phänomen Radio endlich verstanden.

 

Dritte These:

Noch mehr als die ehemaligen „elektronischen“ Medien hat sich Print verändert. Die meisten Menschen nutzen Print-Content auf iPads, eBooks und neuartigen, großformatigen „DiFos“: Digital-Folien, auf die sie die gewünschten, redaktionellen Angebote laden. Seit dem Niedergang der Großverlage liefern unabhängige, gut vernetzte Redaktionsbüros die begehrten Inhalte, teils lokal organisiert, teils auf (Special Interest-) Themen wie Sport, Politik, Wirtschaft oder Katzen spezialisiert. Sie erzeugen den Content, den früher regionale Zeitungen und die verschiedenartigsten Zeitschriften auf Papier lieferten. Die Zahl der Blogger (früher sprach man von „Verlegern“) hat sich in den letzten Jahren vervielfacht.

Digitaler „Print“-Content wird im Abo bezogen, wahlweise komplett oder ausgewählte Artikel. Gegen Aufpreis ist ein Ausdruck der „Zeitung“ oder „Zeitschrift“ möglich. Von dieser Renaissance der ehemaligen Print-Medien profitieren vor allem Wochenzeitungen und Special-Interest-Magazine. Ausgedruckt sind sie auch in „Print Malls“ zu erwerben, die Abertausende solcher Printmedien aus aller Welt in Minutenschnelle bereithalten. Diese neue Printnutzung konzentriert sich immer stärker aufs Wochenende, an dem sich überwiegend die gebildeten Verbraucher eine Auszeit („Sabadigital“) von ihren Screens gönnen. Immer beliebter werden auch Lese-Wochenenden, die gern in den ehemaligen, leer stehenden Gebäuden der Großverlage verbracht werden.

Die Werbung hat schnell erkannt, dass sie hier die wertvollsten Leser vor sich haben, die Print je besaß. Print hat, allen Unkenrufen aus den frühen 2010er-Jahren zum Trotz, tatsächlich überlebt.

 

Vierte These:

Den 360-Grad-Paradigmenwechsel leistete sich die Außenwerbung. Nachdem die Digitalisierung der Plakatflächen die wenigen Out Of Home-Anbieter fast an den Rand des Ruins brachte und sich Passanten und Autofahrer mithilfe von TiVo-Brillen gegen das digitale Geflimmere an jeder Straßenecke zur Wehr setzten, erlebte die Branche eine unerwartete Umkehr. Sie baute – bis auf wenige Ausnahmen – weite Teile ihrer Netze zurück, bietet nun praktisch als einziges Medium wieder die Vorteile des stehenden Bildes und verdoppelte damit ihre Werbeumsätze. Junge Mediengestalter, die nie zuvor die Schönheit eines ruhenden Bildes genießen durften, lassen sich umschulen. Die Michael-Schirner-Hochschule für Ruhende Bilder kann sich der Nachfrage kaum erwehren.

 

Fünfte These:

Die Online-Medien, natürlich nicht aus unserer Welt wegzudenken, erleben als Werbemedien ebenso ihre verdiente Renaissance. Nach dem Einbruch der Klickraten in den 2010er-Jahren und erst recht nach den öffentlichen Protesten gegen Online-Stalking (Targeting, Re-Targeting, Behavioral Targeting und der seinerzeitigen Steigerung ins Emotional- und In-Brain-Targeting) besann sich die Branche ihrer Verantwortung für Big Data. Sie kreierte neue Story Telling-Werbeformate, die Zielpersonen in ihre Werbewelten entführen. Diese Content-Formate erfreuen sich unter den Verbrauchern großer Beliebtheit und führten zuletzt wieder zu einem Online-Werbeanteil von nahezu zehn Prozent.

 

Sechste These:

Social Media, heute eines der größten Werbemedien, wächst immer weiter. Facebook, inzwischen abgelöst durch Where’sTheBeef und Who’sGotIt, sowie Twitter und Sina Weibo gehören zu den reichweitenstärksten Social-Plattformen weltweit. Inzwischen haben sich jedoch zahlreiche neue Networks entwickelt, die allen nur denkbaren Zielgruppen eine Heimat bieten. Sie machen es Werbekunden und Agenturen leicht, die gewünschten Communities aufzuspüren. Heutzutage sind die Hälfte aller Mitarbeiter in Kommunikationsabteilungen und Agenturen damit beschäftigt, mit ihren Zielgruppen aktiv zu kommunizieren und die Social Media mit Content zu bestücken. Content Marketing hat seinen Höhepunkt gewiss noch immer nicht erreicht.

 

Siebte These:

Die Werbe- und Mediaagenturen denken und konzipieren schon lange nicht mehr in und für Medien, sondern in und für Zielgruppen. Es hat zwar sehr lange gedauert, bis sich die Konzentration auf Zielgruppen-„Menschen“, auf ihre individuellen Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte durchsetzte, aber nun sind die Agenturen offenbar endlich in der realen Welt angekommen.

Dabei ist die digitale Transformation an den Werbe- und Mediaagenturen natürlich nicht spurlos vorübergezogen. Nach der Zerschlagung der weltweiten, börsennotierten Agentur-Networks ist es eine neuartige Vielfalt, die die Branche prägt. Crowd Sourcing ist nur eines der Stilmittel der Werber. Sie versammeln und vernetzen (endlich) die besten Talente weltweit um sich und haben damit eine neue Ära der Kreativität eingeläutet. Im gleichen Atemzug entstand auch ein neuer Typus Mediaagentur. Sie erlauben nur so viel Automation wie nötig, um der Datenflut Herr zu werden. Angetrieben werden sie jedoch von kreativen Köpfen, die für jeden Kunden unique, absolut individuelle Zielgruppen-Pakete entwickeln und schnüren.
Wir schreiben den 15. Februar 2020. Ich bin froh, dass unsere Medien- und Werbe-Branche diese Entwicklung genommen hat. Sie hat sich in den letzten zehn Jahren stärker verändert als je zuvor. Aber es macht wieder Spaß, Werbung zu machen. In der 2020er-Rangliste der begehrtesten Berufe sind „Werbeleute“ endlich wieder in den Top Ten. Weil man unsere Arbeit respektiert. Weil Werbung den Menschen anspricht und einen Nutzen bringt. Weil Werbung für sie einen Sinn ergibt. Und weil auch ihnen Werbung endlich wieder Spaß macht.
Crosspost von ufomedia’s posterous

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26 Kommentare

  1. Peter |  17.02.2013 | 11:26 | permalink  

    Dieses (mehr oder weniger) geschickte Sich-Einschleichen der Reklame in immer mehr Lebensbereiche wie oben beschrieben klingt für mich eher nach einer Horrorvision. Nirgends hat man Ruhe vor dem Kommerz. Was für eine Vergeudung kreativer Ressourcen…

  2. Oydenos |  17.02.2013 | 12:10 | permalink  

    Seit wann gibt es auf CARTA HorrorHeftchenAuszüge?

    Ich wäre bereit, für Inhalte, nicht für Content, zu bezahlen,

    wenn das so anonym wie am Bahnhofskiosk in der übernächsten Großstadt am Freitag Nachmittag möglich ist,

    ich dafür ein absolut werbefreies Erzeugnis bekomme,

    zu einem Viertel des Preises
    -ist wohl bei den Einsparungen, die bei rein digitalen Produkten sich ergeben immer noch überbezahlt-
    der ehemaligen marketingversifften Dreckerzeugisse.

    Ansonsten könnt ihr euren Mist behalten.

  3. Oydenos |  17.02.2013 | 12:14 | permalink  

    Ich meine natürlich Druckerzeugnisse.

    Wieder so ein interessanter freudscher Dreckfuhler.

  4. Gerald Fix |  17.02.2013 | 14:17 | permalink  

    Und das alles in 7 Jahren? Eher nicht …

  5. lea |  17.02.2013 | 15:00 | permalink  

    8. These

    Die Medien- und die Werbebranche haben fusioniert, die Ausbildungsprofile Journalist und Werbefachmann wurden konsolidiert. Der “Content” wird immer weniger von sog. ehemaligen Printmedien und deren Onlineauftritten erbracht, sondern direkt von den subventionierenden Herstellern. Werbung ist in content eingebettet – schon heute die zukunftsträchtigste Strategie, nachdem die altbackenen und ihre Wirkung umstritten sind und vom Werbekunden in Frage gestellt werden. Das ohnehin schon recht flügellahme UWG wird nochmals leicht korrigiert (Unterscheidung redaktionell und anziege nicht mehr notwenig), et voila.

    @ Gerald Fix: die die geschilderte Entwicklung bereits heute auf dem Weg ist, reichen 7 Jahre allemal …

  6. Sieben Thesen zur Zukunft von Medien und Werbung | Perception of our daily reality | Scoop.it |  17.02.2013 | 17:08 | permalink  

    [...] Wir schreiben das Jahr 2020. Ich konstatiere: Das Ende der Massenmedien ist nun wohl endgültig gekommen. Wie auch das endgültige Aus der herkömmlichen „Frontal“-Werbung.  [...]

  7. Thomas |  17.02.2013 | 21:41 | permalink  

    @2.Oydenos  Warum nicht gleich umsonst? Wenn es nach dir ginge kann man die Redaktionen gleich dicht machen und Computerprogramme Inhalte erstellen lassen, aber selbst die kosten Geld. Allmählich verstehe ich, arum niemand sich dafür interessiert, was die sogenannte Netzgmeinde mitzuteilen hat, das hat weder Hand noch Fuß, keine Anerkennung für die Leistung 10.000er Redakture und Journalisten und wirklich null Hintergrundwissen oder ökonomischen Sachverstand.

  8. DJ Nameless |  18.02.2013 | 04:45 | permalink  

    Thomas Koch schireb als siebte These:
    “Die Werbe- und Mediaagenturen denken und konzipieren schon lange nicht mehr in und für Medien, sondern in und für Zielgruppen.”

    Es gibt also offensichtlich immer noch Leute, die diese “Zielgruppen”-Denkweise immer noch glauben. Dabei haben schon viele Wirtschaftsexperten diese Sache schon in den 90er-Jahren widerlegt. Im Alltag existieren hierfür auch zahlreiche Beweise. So gibt es in der Musikwelt, viele Rockfans, die sich niemals eine Techno-Platte kaufen würden. Zeitgleich beweisen Sampler wie “Bravo Hits”, dass es auch viele Leute gibt, die unterschiedliche Musik gerne hören. Da kommt die Idee “von der Mehrzahl der individuellen Zuschauergruppe nicht erwünschte Werbung wird nicht ausgeliefert” wohl an ihre Grenzen. Da reicht doch schon das Beispiel, wenn nur zwei Leute fernsehen: Jetzt kommt ein Werbespot für Bier. Während vielleicht beim einen Zuschauer ein Kaufimpuls ausgelöst wird, der andere Zuschauer aber Anti-Alkoholiker ist, wird die Werbung immer manche Leute erreichen, und andere nicht – selbst wenn beide gerade vor demselben Fernseher sitzen.

  9. Sieben Thesen zur Zukunft von Medien und Werbung | PR, Kommunikation und Social Media | Scoop.it |  18.02.2013 | 10:46 | permalink  

    [...] Wir schreiben das Jahr 2020. Ich konstatiere: Das Ende der Massenmedien ist nun wohl endgültig gekommen. Wie auch das endgültige Aus der herkömmlichen „Frontal“-Werbung.  [...]

  10. dr.do |  18.02.2013 | 11:23 | permalink  

    Seltsame Geschichte. Es hat mich schon immer interessiert, wie die Spezies aus der Werbeindustrie die Welt sehen. Und wo sie auf dem falschen Dampfer sind. Vielleicht 2020 noch nicht, aber 2025 wird es als unethisch gelten, jemandem etwas unaufgefordert anzubieten, und sei es nur eine Information über ein Produkt. Wenn Werbung, dann als Gebrauchsvideo auf der Verpackung im Laden oder im Internet. Aber nirgendwo anders als auf Seiten, die als Portale zu Händlerfirmen gekennzeichnet sind. Alles, was es darüber hinaus heute an Werbung gibt, wird verboten. Und zwar aufgrund der neuesten Erkenntnisse über die psychische Gesundheit von Individuen und ihre komplexen Zusammenhänge mit der soziologischen Dynamik des Massenverhaltens und der politischen Willensbildung. Das Hauptargument: Der Selbsterhalt!

  11. Lesetipp: 7 Thesen zur Zukunft von Medien und Werbung | Brain-Cube ∙ Marc-Ch. Berger |  18.02.2013 | 12:05 | permalink  

    [...] carta.info/54466/sieben-thesen-zur-zukunft-von-medien-und-werbung/ [...]

  12. Klaas Kramer |  18.02.2013 | 13:20 | permalink  

    @dj_nameless “Zielgruppe” ist in der Tat ein antiquierter Begriff, der nicht erst seit Gerd Gerken 1989/90 entsorgt werden sollte, sich aber immer wieder in die Wirtschaftspraxis weingeschlichen hat.
    Gemeint (so verstehe ich Thomas Koch auch) ist keine nach demografischen Kriterien definierte Zielgruppe, sondern die Gesamtheit aller Menschen, die zu einem Zeitpunkt X das gemeinsame aktuelle Bedürfnis Y haben.
    Eine administrative Kommunkations- und Mediaplanung könnte mit so einem flüchtigen Zielgruppenverständnis natürlich nicht arbeiten, deshalb ist diese Planungspraxis auch zunehmend überholt.

  13. Oydenos |  18.02.2013 | 18:31 | permalink  

    @Thomas,#7: Bei rein digitalen Produkten entfallen 99,99% der Vertriebs- und Druckkosten sowie ein nicht unerheblicher Teil der Verwaltungskosten. Die Server- und anderen Netzkosten sind im Vergleich dazu vernachlässigbar.
    Die Kosten der Redaktionen sind in der Zwischenzeit auch schon ziemlich zusammengeschrumpft worden; um wieder Inhalte statt nur werbetragenden Content zu liefern wären da erst mal erhebliche Investitionen notwendig. Bevor diese geleistet sind bin ich nicht bereit, feiste BWLer zu mästen. Und vorher wäre alles was über 25% der derzeitigen Preise für den marktingversifften Contentschrott hinausgeht -für absolut werbefreie Erzeugnisse wohlgemerkt- nichts anderes als BWLermästen. Wie gesagt, dazu bin ich nicht bereit.

  14. Sieben Thesen zur Zukunft von Medien und Werbung | Pressearbeit Hannover | Scoop.it |  19.02.2013 | 09:32 | permalink  

    [...] Wir schreiben das Jahr 2020. Ich konstatiere: Das Ende der Massenmedien ist nun wohl endgültig gekommen. Wie auch das endgültige Aus der herkömmlichen „Frontal“-Werbung.  [...]

  15. Bob B. |  19.02.2013 | 10:06 | permalink  

    Mich erstaunt dieses Pamphlet an diesem Platz. Thomas Koch scheint weder Wissen über Medienentwicklungen der Vergangenheit zu besitzen (Rieplsches Gesetz), noch jemals in einer Redaktion oder Werbeagentur gearbeitet zu haben. Seine Tätigkeit als Medienberater und -unterstützer dient wohl nur als Aushängeschild. Der Text vermittelt den Eindruck, als wäre er selbst nicht im Stande eine auf Verstand basierende Beratungstätigkeit auszuführen.

    Diese sieben Thesen käuen einerseits die Allgemeinplätze der einseitig informierten Netzgemeinschaft wieder und sind andererseits mit Hirngespinsten eines alternden Medienweisen versetzt, der noch vom “Wissen” aus Medientheorien der frühen 80er Jahre zehrt.

    Mein Tipp: Thomas Koch und sein “Follower” sollten sich mal mit dem Prinzip der Autopoiesis auseinander setzen.

  16. René Artois |  19.02.2013 | 13:12 | permalink  

    Krude, eher welt- und lebensfremde Thesen sind das. Ein wichtiges Print-Segment ist ganz außen vor geblieben: Die nach wie vor und auch ab absehbare Zeit boomende und weiter wachsende Sparte professionell und richtig gemachter und streuverlustfrei vertriebener Kundenzeitschriften – vor allem im B2B-Bereich. DAS Mittel zur B2B-Kundenbindung schlechthin, wenn man weiß, wie’s geht.

  17. GRS |  19.02.2013 | 14:30 | permalink  

    Ein ähnliches Szenario wurde bereits vor 10 Jahren beschrieben. Fazit war damals: Plötzlich entdeckt einer in der papierlosen Zeit (kein Print mehr) dass man mit einer gedruckten Zeitung auch Fisch einwickeln und den Vogelkäfig auslegen konnte – das ist der Neubeginn!

  18. Klaas Kramer |  19.02.2013 | 15:13 | permalink  

    Vielleicht sollten die letzten Kommentatoren noch einmal den Artikel lesen. Es geht doch hier nicht um “Medien” im Sinne von “Art der Materie/Energieform”, sondern um das Geschäftsmodell von Medienunternehmen “Verkauf von Fläche/Schaltzeit für Werbung”.
    Der Titel besagt es “Thesen zur Zukunft von Medien und Werbung”.
    Kundenzeitschriften sind keine Plattformen für Mediawerbung. (“Owned Media” in Unterscheidung zu ” Bought Media)

    Im Übrigen ist der Autor Thomas Koch ist nicht irgendein “Berater”, der sich mit ein paar Thesen profilieren möchte, sondern eine anerkannte Größe in Sachen Medien (=Große Printverlage, Fernsehkonzerne etc.), Werbe- und Mediaagenturen.

    Es empfiehlt sich, sich zu informieren, bevor man lostrollt.

    Man mag ja andere Zukunftsprognosen sehen, aber solche Kommentare machen sich selbst lächerlich.

  19. Thomas Koch |  19.02.2013 | 15:38 | permalink  

    @Klaas Kramer Danke, dass Sie mich in “Schutz” nehmen. Immer wieder schade, dass einige in den Kommentaren so beleidigend lospoltern…

  20. Bob B. |  19.02.2013 | 15:56 | permalink  

    @Klaas Kramer: Wie Sie meinem Kommentar entnehmen konnten, war ich über ihren Hinweis informiert und stelle eine auf der Grundlage von Verstand qualifizierte Beratungsfunktion dennoch in Frage. Die hier dargestellten Thesen lassen leider keinen anderen Schluss zu.

    Wie ihr Kommentar allerdings vermuten lässt, haben Sie sich ihrerseits mit meinen Hinweisen nicht auseinander setzen wollen. Ein typischer Fall von sympathiegetragener Forumsunterstützung.

    Vorwürfe der Lächerlichkeit, der Beleidigung oder des Trollens weise ich vehement zurück und möchte sie näher ausgeführt wissen. Wer solche pamphletischen Textstück verursacht, sollte sich über die hier aufgeführten Reaktionen nicht beschweren, sondern damit beginnen, sich mit ihnen auseinander zu setzen.

  21. Bob B. |  19.02.2013 | 16:00 | permalink  

    P.S. eine “anerkannte Größe in Sachen Medien (=Große Printverlage, Fernsehkonzerne etc.), Werbe- und Mediaagenturen” darzustellen, bedeutet nicht zwangsläufig sich mit Verstand zu qualifizieren. Christian Wullf war auch kein soziales Vorbild und wurde dennoch in den Stand des Bundespräsidenten erhoben.

  22. Klaas Kramer |  19.02.2013 | 18:21 | permalink  

    Bei allem Respekt @Bob_B., eine Äußerung, in der einem Menschen abgesprochen wird, seinen Verstand qualifiziert einzusetzen, ist in meinen Augen “trollig”.

    Möglicherweise urteile ich selbst inkompetent, denn mir ist weder ein seriöser wissenschaftlicher Ansatz bekannt, der zwischen “Qualifizierung für einen Sachverhalt durch Verstand” und “Qualifizierung für einen Sachverhalt ohne Gebrauch des Verstandes” unterscheidet, noch vertraue ich einer Methode, die ein solches Urteil (wenn es denn per se zulässig wäre) per Ferndiagnose zulässt.

  23. Bob B. |  20.02.2013 | 10:30 | permalink  

    @Klaas Kramer: Lesen Sie

    Giddens, Anthony (1984): The Constitution of Society. Outline of the Theory of Structuration. Berkeley, Los Angeles: University of California Press, S. 5ff.

    Sie werden sich korrigieren müssen und verstehen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Akteuren, die sich in das Gefüge einer Struktur einfügen und handeln (Qualifikation durch Tätigkeit), und jenen Akteuren, die zu ihrem Handeln ein diskursives Bewusstsein gegenüber der sie umgebenden Struktur aufbauen (Qualifikation durch theoretisches Verständnis der Gründe ihres Handelns). Ich sprach lediglich davon, dass Herr Kochs Äußerungen nicht gerade davon zeugen, dass sie einem diskursiven Verständnis seiner Tätigkeitsumwelt (Mediensystem) folgen.

    Aber um zum Stoff zurück zu kehren, empfehle ich nach wie vor sich mit dem Prinzip der Autopoesis auseinander zu setzen, um den Ansatz meiner Kritik überhaupt verstehen zu können.

    Und @Thomas Koch, Sie äußern sich zwar zum Ton ihrer Kommentatoren, aber nicht zum Inhalt. Damit bestätigen Sie meine oben geschilderte Kritik abermals.

  24. Thomas Koch |  20.02.2013 | 12:10 | permalink  

    @Bob B. Ich reagiere normalerweise nicht auf Kommentatoren, die meinen Verstand in Zweifel ziehen und beleidigend über meine Ausführungen herziehen. Ich bitte dafür um Verständnis.
    Das Rieplsche Gesetz ist mir durchaus bekannt, inzwischen in Frage gestellt und dürfte die digitale Tranformation der heutigen Medien nicht erklären.
    Das Prinzip der Autopoiesis – (für die, die es nicht kennen: „Und so arbeitet auch das System der Massenmedien in der Annahme, dass die eigenen Kommunikationen in der nächsten Stunde oder am nächsten Tag fortgesetzt werden. Jede Sendung verspricht eine weitere Sendung. Nie geht es dabei um Repräsentation der Welt, wie sie im Augenblick ist.“ Luhmann: Die Realität der Massenmedien, 2009)
    - ist bei der Bewertung, wie sich die Mediennutzung und damit die Werbung verändert, auch nicht sonderlich hilfreich.
    Ich möchte hinzufügen, dass ich mich in meiner Praxis nicht erinnern kann, solche Theorien mit großen Werbekunden wie P&G oder Vodafone jemals ernsthaft diskutiert zu haben.

  25. Grafiker |  27.02.2013 | 17:05 | permalink  

    Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass diese Thesen zur Realität werden, für sehr gering. Das Printsterben wird auf der einen Seite weitergehen, auf der anderen Seite wird es mehr Special Interest geben. Aber selektive Radio- und TV-Nutzung daran glaube ich nicht. Die Fernbedinung bleibt der Zufallsentscheider.

  26. Sieben Thesen zur Zukunft von Medien und Werbun... |  14.06.2013 | 09:29 | permalink  

    [...] Wir schreiben das Jahr 2020. Ich konstatiere: Das Ende der Massenmedien ist nun wohl endgültig gekommen. Wie auch das endgültige Aus der herkömmlichen „Frontal“-Werbung.  [...]

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