Antje Schrupp

#aufschrei: Wie Lappalien relevant werden

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Sind sexuelle Belästigungen von Frauen, die sich deutlich unterhalb strafrechlich relevanter Grenzen abspielen, eine Lappalie, oder ein vollkommen unakzeptabler Zustand?

25.01.2013 | 

Über diese Frage wird zurzeit in Deutschland diskutiert, nachdem zwei Journalistinnen über ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit berichtet haben, zuerst Annett Meiritz im Spiegel am Beispiel einiger Piraten, dann Laura Himmelreich im Stern über ihre Erlebnisse mit Rainer Brüderle von der FDP.

Seither wird offensichtlich, dass sich die “Relevanzkriterien” zu diesem Thema in der Öffentlichkeit verschoben haben. Am besten auf den Punkt gebracht hat das der hessische FDP-Justizminister Jörg-Uwe Hahn, der mit dem Satz zitiert wird: ”Diese Geschichte ist ein Tabubruch. Wer es nötig hat, so etwas als ‘Story’ zu verkaufen, hat sich von seinem Chefredakteur vor den schmutzigen Karren spannen lassen.”

Ja genau, es ist ein Tabubruch, denn bisher gehörte es sich nicht, solche Erlebnisse an die große Glocke zu hängen. Eine Frau, die es in die oberen Ränge des Alpha-Journalismus geschafft hatte, hatte dankbar zu sein, dass die Herren sie mitspielen lassen. Und nicht rumzicken wegen irgendwelcher nebensächlicher Lappalien.

Wie Jörg-Uwe Hahn gingen bis vorgestern wohl viele Männer davon aus, dass solche Begebenheiten unterhalb der Schwelle öffentlicher Erregung bleiben. Wie er waren wohl viele der Ansicht, dass so ein bisschen sexistische Anmache für sich genommen keine Story ist (man muss es ja seiner Ansicht nach noch aus irgendwelchen anderen Gründen “nötig haben”). Auch viele Männer, die sich selbst gegenüber Frauen völlig korrekt verhalten, dachten bis vorgestern: Das ist zwar nicht schön, aber doch keine Nachricht – und suchten deshalb nach “Nebengründen”, die diese Veröffentlichung erklären könnten.

Es braucht aber keine weiteren Gründe, um so eine Story zu veröffentlichen, denn es gibt inzwischen massenweise Frauen und auch Männer, die das durchaus für eine Nachricht halten. Die sexuelle Belästigung keineswegs für eine Lappalie halten, auch dann nicht, wenn sie sich auf “niedrigem Niveau” abspielt. Die nicht wollen, dass solche Leute uns regieren, weil so ein Verhalten nämlich keine Privatsache oder persönliche Macke ist, sondern viel über die Mentalität, die Rollenvorstellungen, die Haltung des Betreffenden aussagt. Für sie als Wählerinnen und Wähler ist es also aus politischen Gründen interessant, solche Berichte zu lesen.

Wie viel sich da an Ärger bereits angesammelt hatte, zeigt sich an der großen Resonanz, die unter dem Hashtag #Aufschrei gerade bei Twitter trendet. Unter diesem Tag tragen Frauen ihre Erlebnisse bezüglich solcher “Lappalien” zusammen und machen damit sichtbar, dass die “Lappalien”-Einschätzung aufgrund der schieren Menge an entsprechenden Vorfällen schlicht falsch ist. Männer beteiligen sich übrigens ebenfalls unter dem Hashtag #Scham. Auch in den klassischen Medien sind zahlreiche Kolleginnen und Kollegen Meiritz und Himmelreich zur Seite gesprungen, weil auch sie die neue Relevanz der ehemaligen “Lappalien” erkannt haben.

Dass dieser Knoten gerade jetzt geplatzt ist, war letztlich Zufall. Zuerst der Artikel gegen die Piraten, bei dem alle Etablierten noch geklatscht haben – immer druff, wir wussten ja, dass die Piraten Sexisten sind. Dieser Artikel war aber nötig, damit der  zweite Artikel erscheinen konnte: Nicht nur bei den Piraten, auch bei der FDP. Und dann gab es kein Halten mehr, weil genau diese Debatte unter der Oberfläche schon lange gebrodelt hat. Früher oder später musste sie rauskommen.

Zurück in den Sack kriegt Ihr das jetzt nicht mehr. Weil nämlich diejenigen, die so was für eine Lappalie halten, nicht mehr die maßgeblichen Meinungsmacher in Deutschland sind. Sondern Relikte aus vergangenen Zeiten.
PS: Das ist übrigens ein gutes Beispiel für politische Veränderungsprozesse, wie ich sie gegen Zizek hier kürzlich stark gemacht habe: Sie erfordern keine revolutionäre Tat, sondern sie werden über längere Zeit von sozialen Bewegungen im mehr oder weniger Unsichtbaren vorbereitet. Geschieht dann ein “Ereignis”, kommen sie lediglich ans Licht, sie werden von diesem Ereignis aber nicht ausgelöst.

PPS: Hier auch noch ein Erklärbärin-Videointerview mit Anke Domscheit-Berg zum Thema
Crosspost von Aus Liebe zur Freiheit
 

 

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62 Kommentare

  1. Irene |  25.01.2013 | 15:31 | permalink  

    Das ist zwar nicht schön, aber doch keine Nachricht – und suchten deshalb nach “Nebengründen”, die diese Veröffentlichung erklären könnten.

    Es braucht aber keine weiteren Gründe, um so eine Story zu veröffentlichen

    … weswegen der Stern sie schon vor einem Jahr hätte bringen müssen.

    Stattdessen hat der Stern wohl gewartet, dass irgendwelche Nebengründe auflaufen. (Vielleicht sollte man eher von Nebenmotiven reden, ich hätte da auch paar Ideen.)

    Gegenüber dem Deutschlandfunk erklärt sie [Himmelreich]: Vor einem Jahr habe der “Stern” keinen Grund gesehen, ein Stück über Rainer Brüderle zu schreiben. Aufgrund seiner exponierten Position habe sich die Lage geändert.

    http://www.dradio.de/aktuell/1988306/

    Dieser Artikel war aber nötig, damit der zweite Artikel erscheinen konnte: Nicht nur bei den Piraten, auch bei der FDP.

    Der Stern hätte sich auch ohne den SpOn-Artikel über die Piraten entscheiden können, den Beitrag zu bringen. So schwach ist der Stern doch nicht, dass er auf den Schultern von Spiegel Online steht.

  2. Vera Bunse |  25.01.2013 | 16:01 | permalink  

    @Irene
    Sehe ich nicht so. Ich finde es legitim, das neuerliche Interesse an der Person Brüderle zu benutzen, um diese Geschichte zu erzählen. Vor einem Jahr wäre sie – vielleicht noch nicht mal – unter “ferner liefen” erschienen. Wenn der Chefredakteur keinen Anlass für die Veröffentlichung sieht, nützen mir die schönsten Texte nichts. Die Veröffentlichung von Ann Meiritz hat das vermutlich befördert, wenn schon eine/r was geschrieben hat, ist es leichter, nachzuziehen.

  3. Irene |  25.01.2013 | 16:42 | permalink  

    Die Veröffentlichung von Ann Meiritz hat das vermutlich befördert, wenn schon eine/r was geschrieben hat, ist es leichter, nachzuziehen.

    Ja, für dich und für mich. Aber doch nicht für das Fachblatt für Hitlers Tagebücher!

  4. Klaus Jarchow |  25.01.2013 | 16:51 | permalink  

    Ein Süffel im besten Kukident-Alter, der an allem Weiblichen verbal und auch kolateral herumtatscht, was ihm in Reichweite seiner Verlangfinger gerät, der wäre mit noch so viel Liberalität in meinen Augen für kein Amt qualifiziert. Sobald er eines anstrebt, wird aus senilem Fehlverhalten dann eine ‘Story’. Die Leute müssen ja wissen, wem sie ein Amt anvertrauen.

    Ein Prostattagreis wie der Berlusconi hat immerhin offen für gewisse Dienste bezahlt …

  5. Links 2013-01-25 | -=daMax=- |  25.01.2013 | 17:28 | permalink  

    [...] carta: #aufschrei: Wie Lappalien relevant werden [...]

  6. Oydenos |  25.01.2013 | 17:36 | permalink  

    Wie lange dauert es wohl, bis die Sau auch zu Tode durchs digitale Dorf getrieben ist?

    Wie viele Wähler werden sich im September an der Urne noch dran erinnern?

    btw: Welchen Sinn machen eigentlich geschlechtsspezifische Rautenwörter bei Twatter?

  7. Thomas Elbel |  25.01.2013 | 17:58 | permalink  

    Diese Nachricht war wichtig.
    Sie war wichtig unabhängig von Ort, Zeitpunkt oder Beteiligten.
    Eine Zeitung DARF wichtige Nachrichten mit politischem Kalkül mischen, auch wenn sie “Stern” heißt.
    Ich wünsche mir noch viel mehr solche Wortmeldungen. Männer die so etwas für Lappalien oder Dorfsäue halten, könnten sich fragen, wie es sich verhielte, wenn es ihre eigene Frau gewesen wäre (nicht, dass der Zustand des Opfers als un-/verheiratet/verpartnert irgendetwas an der moralischen Relevanz dieser Nachricht ändert).

  8. Amigo Seure |  25.01.2013 | 18:03 | permalink  

    @4: Wer sich über die von Frau Himmelreich behaupteten diskriminierenden Sprüche des Herrn Brüderle erregt, sollte sich nicht seinerseits einer solchen herabwürdigenden Sprache bedienen, meine ich.
    Sind Sie, Herr Jarchow, nicht auch bald im Kukident-Alter wie der Herr Brüderle?

  9. Vera Bunse |  25.01.2013 | 18:19 | permalink  

    @Irene
    Die haben einen neuen Chef. Jetzt wird alles besser. Bestimmt.

    @Klaus
    Wenn er dazu verhilft, dass über das Thema gesprochen wird, ist er doch wenigstens für etwas gut. Außerdem wäre mal wieder bewiesen: Es ist niemand so daneben, dass er nicht als schlechtes Beispiel dienen könnte.

    @Oydenos
    Da es sich letztlich bei allen aktuellen Themen – medienentwicklungsbedingt – um Säue handelt, machen wir das Blog dann am besten zu. Und alle anderen und Twitter auch.

  10. Klaus Jarchow |  25.01.2013 | 18:34 | permalink  

    @ Amigole:

    die von Frau Himmelreich behaupteten Sprüche – Keiner Behauptung der Frau Himmelreich wurde meines Wissens bisher widersprochen.

    herabwürdigende Sprache – Soso – Sie meinen also, man dürfe einen solch zartbesaiteten Menschen nicht derart verletzen?

    bald im Kukident-Alter – Tscha, das steht nun mal jedem bevor, sofern er so weit kommt – übrigens auch Ihnen.

    @ Vera: Nun ja – die FDP hat aber jetzt auch ihren Steinbrück, aber einen wegen komplett anders gelagerter Defizite. Warten wir also ab, wann PI zur Wahl der FDP aufruft, um die ‘Diktatur der Gutmenschen’ (in diesem Fall diejenige der Frauen) zu brechen.

  11. Oydenos |  25.01.2013 | 19:16 | permalink  

    @Vera Bunse, #9:

    Zur Dorfsau wird es erst durch den gepushten Hype -#aufschrei- und geschlechtsspezifische Hashtags bei Twitter sind einfach nur dämlich. Erstens ist Fremdscham -#scham- eh höchst sonderwürdig -Stichwort: Überidentifikation- und zweitens sind unerwünschte Annäherungsversuche keine Domäne von Männern, gibt es mutatis mutandis genauso und ist dann in gleicher Weise einfach nur lästig und lächerlich.

    Daß ich von solchen Dumpfbacken nicht regiert werden will steht außer Frage, nur bedarf es selten solcher i-Tüpfelchen, um diese Halbintelligenzler als solche zu outen.

  12. Irene |  25.01.2013 | 19:26 | permalink  

    Ich sage ja gar nicht, dass man die Story zum aktellen Zeitpunkt keinesfalls hätte bringen dürfen. Es wäre aber auch früher gegangen (was Antje anscheinend anders sieht) und das wäre besser gewesen.

    Ich habe ja mittlerweile die Print-Ausgabe gelesen. In Sachen sexuelle Belästigung steht das Wesentliche online, es kommen noch einige weitere Beispiele. Dann die Themen Wein und Stimmung in diversen Variationen: Weinköniginnen, Weinprobe bei Harald Schmidt. Man hätte viele aktuelle Aufhänger für diese teils oberflächliche Geschichte konstruieren können, z.B. die letztes Jahr öfter diskutierte Frage, wofür die FDP eigentlich steht: Für Wein, Weib und Gesang?

    Auf den nächsten Seiten steht übrigens ein Interview mit dem bedächtigen SPD-Sieger aus Niedersachsen. Und unter einer von Oskar Lafontaine erzwungenen Gegendarstellung steht eine Werbung für Inkontinenzeinlagen für Männer. Alles Zufall?

  13. Vera Bunse |  25.01.2013 | 19:37 | permalink  

    @Oydenos
    Hatte hashtags bisher als sehr nützlich befunden, um Diskussionen knautschfrei folgen zu können. Kann mich aber getäuscht haben.

  14. Irene |  25.01.2013 | 19:45 | permalink  

    Zum angeblichen Tabubruch: Eine französische Journalistin beklagte sich letztes Jahr über Strauss-Kahns Zudringlichkeiten, ich habe die Geschichte aus den Augen verloren. Außerdem ging vor einem Jahr Israels Ex-Präsident Katzav wegen Vergewaltigung und Nötigung in den Knast.

  15. Oydenos |  25.01.2013 | 19:46 | permalink  

    ad#13:
    Haben Sie #11 überhaupt gelesen? Verstanden offensichtlich nicht.

  16. Thomas |  25.01.2013 | 20:07 | permalink  

    Die Sache ist doch sehr einfach, wenn sie es als bleidigend oder zudringlich empfunden hat, dann war es das auch. Aber ebenso klar ist ja auch, dass der Stern da mal wieder ein wenig Kampagne fährt. Wenn es den Priatenartikel nicht gegeben und Brüderle nicht am Aufsteigen wäre, hätte es diesen Artikel vermutlich nie gegeben, wie sind eigentlich die männlichen CvDSs beim Stern? Klar ist doch, dass die Medien es lieben, Leute aufzubauen und sie anschließend in der Luft zu zerreißen, Wulff, Steinbrück, Rössler pp. Man kann den Stern als alles mögliche bezeichnen, aber an vorderster Front der Feministenblätter hat er imo bisher icht gestanden, deswegen kaufe ich ihm das auch nicht ab.

  17. dorabella |  25.01.2013 | 21:33 | permalink  

    Den Vorwurf, der Stern fahre eine “Kampagne”, finde ich seltsam. Die Geschichte ist auf dem Titel angekündigt, na gut. Was hätten sie denn tun sollen? Sie schamhaft irgendwo hinten im Blatt verstecken, damit bloß nicht zuviele Leute sie lesen und womöglich auch noch auf die Idee kommen, sie zu twittern? Und, @Thomas: Darf das Thema Sexismus in der Politik (oder sonstwo) wirklich nur in “Feministenblättern” behandelt werden? Dann hätte das Brüderle-Porträt wohl nur in der “Emma” erscheinen dürfen.
    Und, @Irene: Ohne allzugroße Sympathien für den Stern zu hegen, finde ich es doch abwegig, der Zeitschrift heute noch die Hitlertagebücher vorzuhalten. Als die erschienen, saßen die Leute, die heute das Blatt machen, mehrheitlich noch in der Sandkiste.

  18. Stefan D. |  25.01.2013 | 21:48 | permalink  

    Den Kampagnen-Vorwurf finde ich schon deshalb unpassend, weil mit dem Artikel bis nach der Niedersachsen-Wahl gewartet wurde. Die Leute, die Brüderle als Opfer sehen … war da eigentlich jemand außerhalb der FDP bei?

  19. Irene |  25.01.2013 | 22:00 | permalink  

    @ Dorabella: Das war keine ernste Vorhaltung, das sollte einfach heißen, dass der Stern doch gern mal forsch ist und sich ohne SpOn nix traut. Also wenn die Geschichte auf anderen aufbaut, dann am ehesten auf der Strauß-Kahn-Affäre, finde ich.

  20. Irene |  25.01.2013 | 22:02 | permalink  

    …und sich ohne SpOn nix traut… ähm, natürlich andersrum.

  21. Antje Schrupp |  25.01.2013 | 23:27 | permalink  

    @Irene – Ich wollte sagen, dass es eigentlich ganz egal ist, wann es passiert ist. Für jeden solchen “Ausbruch” braucht es letzten Endes irgendwelche Zufälle – in dem Fall war es halt die erneute Aktualität von Brüderle. Wäre es nicht dieser Anlass gewesen, wäre es ein anderer gewesen, denn das Thema hat eben offensichtlich unter der Oberfläche schon längst gebrodelt.

    Interessant fand ich in dem Zusammenhang auch den Text von Bettina Gaus, wo sie erzählt, warum sie vor 15 Jahren, als sie etwas ähnliches erlebte, nie im Leben auf die Idee gekommen wäre, das öffentlich zu machen.

  22. Antje Schrupp |  25.01.2013 | 23:27 | permalink  

    Achja, hier ist der Link:. http://www.taz.de/!109760/

  23. Ein Jahr « Tante Jays Café |  26.01.2013 | 05:09 | permalink  

    [...] Den Anfang macht eine tolle Anke Schrupp auf Carta. [...]

  24. hardy |  26.01.2013 | 07:02 | permalink  

    ah, das ist mir (als gefühltem chef des martina schulte fanclubs und dessen einziges mitglied, keine ahnung wieviel trilliarden freunde die auf f#ckbook hat) jetzt wirklich ein vergnügen: ich kann ihre webschau am passenden ort verlinken

    [..] Altherrenwitze – Webschau mit Martina Schulte [..]

  25. A. G. |  26.01.2013 | 08:48 | permalink  

    Aus dem TAZ-Link unter #22: “Haben sie zu Hause keinen Spiegel? Warum sollte eine 29-Jährige es schmeichelhaft finden, wenn ein 67-Jähriger ihr Avancen macht…”

    Punkt.

  26. #aufschrei – Schreihälse – Welche Themen den lautesten Schrei verdienen könnten – weiterdenken « World-Net-News: Weblog |  26.01.2013 | 12:15 | permalink  

    [...] #AufschreiBildung, #AufschreiArmut, #AufschreiPolitik, #AufschreiEntschleunigung, etc. . ‘Sexismus und das Thema Frauen, sowie Männer’ ist keine Lappalie und schon gar nicht weitere wichtige Themen! Ab #aufschrei wird sich zeigen, ob die Twitternutzer [...]

  27. dr.do |  26.01.2013 | 15:31 | permalink  

    Der Schlenker über Strauß-Kahn zeigt doch einmal mehr, dass hier schon länger etwas gärt, das heraus will. Wollen wir doch froh sein, dass die Versuche, Herrn Sarrazin aufs emanzipatorische Glatteis zu führen, schon an einem weit vorgelagerten Level gescheitert sind. (An den Prozess Kachelmann besser gar nicht zu erinnern…) Aber um einmal ein wenig objektiv zu sein, müßten doch alle zugeben, dass der Grat zwischen sexistischer Belästigung und willkommener Abwechslung nicht übermäßig breit ist. Das Urteil darüber liegt in den Augen der Beteiligten, keinesfalls in denen der Beobachter. Fehlspekulationen über die Möglichkeiten einer Situation sind in vielerlei Weise menschlich. Gerade die Jünger der schreibenden Zuft sollten das zu würdigen wissen. Oder wollen wir die Rituale zwischenmenschlicher Anbahnung künftig formalisiert haben? Eine schöne Aufgabe für die EU-Kommission!

  28. #Aufschrei. Eine Frage des Respekts « … Kaffee bei mir? |  26.01.2013 | 15:50 | permalink  

    [...] Bei Carta habe ich kommentiert: [...]

  29. Oydenos |  26.01.2013 | 22:40 | permalink  

    Ist zwar nicht mein Lieblingsmagazin, aber dieses mal trotzdem.

  30. Irene |  26.01.2013 | 23:45 | permalink  

    Aber um einmal ein wenig objektiv zu sein, müßten doch alle zugeben, dass der Grat zwischen sexistischer Belästigung und willkommener Abwechslung nicht übermäßig breit ist. Das Urteil darüber liegt in den Augen der Beteiligten, keinesfalls in denen der Beobachter.

    Dann frage ich doch mal die Männer als potenziell Beteiligte: Wie möchtet ihr denn gern von einem zwanzig Jahre älteren schwulen Chef oder beruflichen Gesprächspartner behandelt werden? Wofür hättet ihr ob des schmalen Grats Verständnis, und wofür nicht?

  31. Falk D. |  27.01.2013 | 00:51 | permalink  

    @Irene ,#30: Sobald das Schwulsein den beruflichen Kontext überlagert, gibt es ein grundsätzliches Problem. Denn egal in welcher Konstellation gilt, dass man die Privathose von der Firmentinte trennen sollte.
    Jedoch frage ich mich, warum sie jetzt diese Konstellation wählten. Dürfen Frauen in Ihrem Weltbild keine Avancen machen? Sind bei Ihnen nur die Männer aktiv? Darf Ihre Tochter etwa doch das rosa Überraschungsei haben wollen?

  32. hardy |  27.01.2013 | 01:17 | permalink  

    @irene

    als mann wurde man ja in der G.a.Z. in eine welt hineinerzogen, in der man sich mit den anderen männern prügeln musste und nicht zur kleinen prinzessin.

    die von dir beschriebene situation hätte zu einem klaren austausch von handgreiflichkeiten oder dem verlassen des spielfelds geführt. obwohl das zu allgemein ist, weil frauen “meiner altersklasse” auch durchaus rabiat reagieren und klar die grenzen abstecken können.

    eindeutig eine frage der erziehung, wie man da reagiert, und der bereitschaft, den “spielverderber” (sybille berg) spielen zu können. weiter als prinzessin respektiert werden zu wollen, hilft da sicher nicht weiter.

    männern, die sich wie bergaffen aufführen, sollte man als emanzipierte frau verständlich machen können, daß das männliche gegenüber sich nicht wie ein neanderthaler aufführen soll.

    königinnen können das.

  33. Irene |  27.01.2013 | 01:31 | permalink  

    Falk, es fällt in der Diskussion auf, dass sich etliche Männer tendenziell mit den Angegriffenen, also der Rolle des potenziellen Belästigers identifizieren, und in der Diskussion ihre scheinbar bedrohten Freiräume im entspannten Umgang mit Frauen verteidigen.

    Deshalb das Gedankenspiel. Eine Belästigerin halte ich zwar auch für denkbar, aber weniger als Übungsbeispiel brauchbar. Da kämen garantiert Männer an, die erklären würden, dass es doch geil wäre, öfter von Frauen angegraben zu werden. Bei einem schwulen Beispiel reagieren solche Männer erfahrungsgemäß sensibler.

    Also weiter in der Übung: Wenn Wowereit so krass drauf wäre wie Brüderle anscheinend, was dürfte er dann? Dürfte er z.B. Bemerkungen zur eng sitzenden Jeans machen, die der Journalist “gut ausfüllt”, wenn es nach 23 Uhr ist (Deadline von Edathy)?

    Sobald das Schwulsein den beruflichen Kontext überlagert, gibt es ein grundsätzliches Problem.

    Was ist mit “überlagern” gemeint?

    Tag: #sisiphos statt #aufschrei

  34. hardy |  27.01.2013 | 01:43 | permalink  

    kleines ps: um nicht mißverstanden zu werden – interessanterweise finde ich als mann die #aufschrei-diskussion spannend, meine frau rauft sich die haare (königin eben)

    wir beide erinnern uns aber daran, wer “kinder” bislang erzogen hat …

    yep, in der regel frauen.

  35. Irene |  27.01.2013 | 02:24 | permalink  

    wir beide erinnern uns aber daran, wer “kinder” bislang erzogen hat …

    War ja klar: Brüderles Mutti ist schuld.

  36. hardy |  27.01.2013 | 02:58 | permalink  

    irene, deine antwort gerade war, äh, ignorant.

    na gut, ich lege mal noch einen scheit auf’s feuer.

    ich habe da gerade als mann reagiert, obwohl ich ja “die frau im hause” bin. in den kategorieen, in denen man in den 70ern frauen ja noch einsortierte nach dem motto “wenn frauen die welt regieren, ist es vorbei mit den kriegen” … das war halt noch vor margret thatcher ;-)

    in jenen fernen tagen (den G.a.Z.) lief eine diskussion, ich glaube sogar im tv, ein gespräch, – naja, ein streit – zwischen esther vilar und alice schwarzer, die ich mal für die, die mit der position von frau vilar nicht vertraut sind, für den vilar-part gerade noch mal in kürze nachzeichne. ihr “historisches erbe” verschleudert frau schwarzer ja mit ihrer islamophoben und kein noch so erbärmliches werbemedium verlegen schon alleine, für die mache ich hier nicht den zusammenfasser (ich habe damals die “courage” bevorzugt … genug namen gedroppt?)

    also esther vilar’s position sah damals im wesentlichen so aus, daß sie frauen als geschlecht sah, die – durch den krieg in einem land mit nur wenigen männern lebend – in einer konkurrenzsituation mit den anderen frauen sich befleissigten, den mann zu manipulieren und zu unterdrücken, der als ernährer gefügig gemacht werden sollte.

    für mich liegt die wahrheit in der mitte, weil esther vilar natürlich einige dinge pointierte, die nicht von der hand zu weisen waren … und sind. frauen sind oft der schlimmste feind der anderen frau. die eine (“anständig”) ist züchtig gekleidet … die andere (“offenherzig”) bietet an, was anzubieten ist, um in der konkurrenz mit dem zu hausieren, was sie eben hat.

    es gibt da diesen scherz, daß eine frau, die eine disco etc betritt nicht zuerst guckt, was für männer da sind, sondern erst mal die konkurrenz checkt. aber ich will mich hier nicht lustig machen, für mich ist das thema zu ernst für leichtfertig dahin geworfene erklärungen oder (dazu später) verallgemeinerungen.

    ein großteil des “gefechts” fand und findet also auf einer seite der “front” statt, und so lange dieser “bürgerkrieg” nicht entschieden ist, wird es wohl noch eine menge verwirrung geben.

    nun sind ja “männer”, naturbedingt, leicht unterbelichtet und opfer ihrer hormone. frauen sind so klug und sagen ihnen das nicht immer so direkt, wie ich (als “frau im haus”) das gerade tue. sie sind viel zu sehr mit ihrem konkurrenzgerangel um das schönste “weibchen” auf dem hof beschäftigt, als daß sie einen gedanken daran verschwenden würden, wie dämlich und grotteolmig sie sich manchmal aufführen.

    kluge frauen, königinnen, verstehen das und gehen damit “chillig & sophisticated” (nur gut, wenn man das martina schulte sagen lassen kann) um. prinzessinnen, offenherzige zumal, belegen immer noch die richtigkeit der gedanken von frau vilar.

    “männer” sind oft von diesem sich widersprechenden verhalten von “frauen” verwirrt. ich will damit nicht dieses “du willst es ja auch”, das ich gestern in einem berührenden bericht noch mal las, rechtfertigen, aber als hinweis kann das verständnis dieses umstandes vielleicht hilfreich sein.

    ich habe gerade “männer” und “frauen” in anführungszeichen gesetzt, weil es das eben nicht gibt. es gibt _erziehungen_, sozialisierungen, die peer group, das kulturelle umfeld. ich habe keine ahnung, wie “männer” so sind, weil ich in einem katholischen kloster aufgewachsen bin und … naja, die jungs ekelhaft fand mit ihrem groben getue.

    und von “frauen” verstehe ich noch weniger. wenn mal die grabinschriften einer normierung unterzogen werden, steht wahrscheinlich auf jedem grab “er/sie hat versucht die frauen zu verstehen und ist gescheitert”. es heisst halt, ich sei “die frau im hause”.

    wir müssen langsam mal lernen, daß dieses ganze klischeegetue uns nicht weiterbringt. es ist _rassistisch_. ich hasse es, von dir, irene, in diese “dummer mann, der rechtfertigen will, daß…”-kiste gesteckt zu werden, es ist respektlos und ignorant. so ignorant wie das dummdreiste verhalten von diesem weinköniginnen-knutscher, bloß umgedreht …

    es geht um _respekt_.

    wir müssen aufhören, kinder in rollenklischees zu erziehen, das ist der punkt.

    was mich zum letzten punkt meines minirants bringt: “emanzipation”. sorry, ich hab’s erlebt und überlebt, ohne in einer strick- und männerselbsterfahrungsgruppe zu enden. ich sage immer, daß mir frauen meiner generation leid tun, weil sie sich emanzipieren “mussten”. gruppenzwang.

    unverstandener kram, der dann gerne mal mit dem, was man als zur prinzessin erzogenes mädchen als erweiterung des eigenen anspruchs auf “dienstleistung” in die vorstellung davon, wie die welt zu sein hat, übernahm. das ergebnis: wir leben heute damit, daß eine menge “selbstverwirklichung” in wirklichkeit der schiere egoismus war und in der bauchtanzgruppe der VHS endete, weil man drei männer verschlissen hatte und nun alleine die kinder großzuziehen hatte.

    diese generation erzieht nicht nur prinzessinnen, sie hat die varianten um “kleine prinzen”, die an der kasse sich den marsriegel erbrüllen, erweitert.

    hier herrscht jetzt, wenn ich da michael winterhoff vertraue, der konkurrenzkrieg zwischen der generation der omas/opas und den müttern, wo erstere früher noch als ausgleich in sachen “wasch dir die hände, bevor du dich an den tisch setzt!” dienten … heute kaufen sie die geschenke, um bloß nicht vergessen zu werden.

    lange rede, kurzer sinn: so schön einfach, liebste irene, wie du es dir da machst, ist es leider nicht und ein bißchen finde ich diese “Also weiter in der Übung” nummer schon ein bißchen spaßig, ein bißchen wie “stöckchen werfen”.

    daß falk den dackel spielen soll, das sollte ihm, selbst wenn er sich nicht bewusst ist, daß er eher dem behinderten teil der menschheit angehört, schon klar sein.

    ich springe nicht über dieses stöckchen, ich habe die “courage” immer der “emma” vorgezogen und könnte heulen, daß der teil, der wirklich “emanzipiert” und nicht bloß katholisch/evangelisch geprägte sexualmoral als keule in die zukunft tradiert hat, am ende die oberhand gewann und esther vilar vergessen ist.

    für mich ist madonna und das, was sie repräsentiert, mindestens genau so essentiell wie frau schwarzer für die emanzipation: wir sind individuell und es ist egal, ob du ein männlein oder ein weiblein bist – wichtig ist, was du draus machst.

  37. hardy |  27.01.2013 | 03:08 | permalink  

    verdammt, schon wieder ein ps.

    ich habe vor ein paar monaten auf meinem blog einen artikel aus den siebzigern, den ich damals für unsere zeitung “urks” geschrieben habe, trotz des gelegentlich oeinlichkeitsgefühls, das einen so anspringt, wenn man dinge liest, die 35 jahre alt sind und geschrieben in einer zeit, in der die hormone noch heftigst in einem wühlten, “beweist” (hurra, endlich kann ich mal was “beweisen” …), daß mich das thema “damals” in der G.a.Z. schon umtrieb: feministenchauvinismus

    alles verjährt ;-)

  38. Igor T. |  27.01.2013 | 03:32 | permalink  

    Was gibts eigentlich groß zu diskutieren? Entweder es ist eine Straftat und muss vor Gericht gebracht werden – oder es ist eben keine und dann fällt es unter Meinungsfreiheit und muss toleriert werden. Oder aber man erwirkt Gesetzesänderungen, damit auch Lappalien mit lebenslanger Haft geahndet werden können.

    Das Timing ist sicherlich absichtlich und hat einen höchst-politischen Hintergrund – da bin ich mir ganz sicher, denn das Problem des Sexismus – der ja offensichtlich vorhanden ist – ist kein Produkt der “Moderne”.

    Wenn Frauen definieren können was Sexismus ist – allgemeingültig und für Männer verständlich – kann man es auch in neues Recht fassen und entsprechend durchsetzen/ahnden. Dann müssen sie aber auch damit rechnen, dass entsprechend auch Sexismus von Frauen geahndet werden wird, denn den gibt es ebenso. Dann kann man auch nicht mal eben vom Frauenbonus profitieren wollen und im nächsten Moment aufschreien von wegen jemand sei sexistisch. Dann würde es keine Bonis geben (dürfen), die mit dem Geschlecht zusammenhängen.

    Das Ganze ist relativ einfach – aber nur aufschreien und nichts tun bringt auch gar nichts und ich persönlich sehe viele weitaus wichtigere Themen, die viel eher eines Aufschreis bedürfen würden. Aber da ist eben das Medienecho nicht so hoch, denn die Betroffenen haben gar keinen Zugang zu Twitter.

  39. hardy |  27.01.2013 | 03:36 | permalink  

    und eine kleine korrektur

    “daß der teil, der wirklich “emanzipiert” und nicht bloß katholisch/evangelisch geprägte sexualmoral als keule in die zukunft tradiert hat, am ende die oberhand gewann”

    da fehlt ein “nicht”. “wir”, die die emanzipation immer als teil einer jahrhunderte alten “emanzipierungsbewegung”, zu der der wandervogel so sehr gehört wie die beatniks und die hippies (mein “wir”) haben den kampf nämlich verloren gegen die “alten mächte” zu deren christlich moralinsauren vertreterinnen ich bedenkenlos frau schwarzer zählen würde.

    verdammt, eigentlich wollte ich mich aus diesem thema komplett raushalten …

  40. Irene |  27.01.2013 | 15:07 | permalink  

    An Frauen zu appellieren sich zu wehren, ist böse und “victim blaiming”, aber Julia womöglich gegen ihren Willen in eine öffentliche (persönliche oder juristische) Auseinandersetzung hineinzudrängen, ist okay, weil das Copyright das hergibt?

    Meine Fresse.

  41. Peer Steinbock |  27.01.2013 | 16:53 | permalink  

    Den Exfreund oder Chef öffentlich der Vergewaltigung zu beschuldigen, dürfte der Frau mehr Nachteile bringen als eine Anzeige.

  42. Irene |  27.01.2013 | 18:02 | permalink  

  43. hardy |  27.01.2013 | 19:14 | permalink  

    irene,

    es ist vollkommen okay, mir nicht zu antworten. oder mir (?) vorzuwerfen, ich “blame” die “victims”. aber das erspart den müttern im raum, den emanzipierten zumal, nicht die frage, was “ihr” eigentlich mit _40_ jahren emanzipation angefangen habt, wenn das, was ich andernorts lesen muss deutsche wirklichkeit ist …

    warum muss MmaW eigentlich täglich für “euch” den “müll” wegräumen – sie erzieht (als last frontier) die kinder, deren mütter offensichtlich in VHS kursen wellness veranstaltet haben und lebt mit dem “isch figg dai mudda”. täglich.

    jetzt zu lesen, daß “männer halt so sind” ist erschütternd.

    komm mir also nicht mit “victim blaming”. die opfer sind unsere kinder. und (mit)-täter ist auch, wer es nicht geschafft hat, seiner tochter das rückgrat so zu stärken, daß sie damit umgehen kann. oder seinem sohn den nötigen respekt vor frauen.

    40 jahre. was habt ihr gemacht in der zeit?

  44. Art Vanderley |  27.01.2013 | 20:06 | permalink  

    Streng dich nicht an , hardy . Hier geht es um Ideologie , da helfen keine Diskussionen.
    Frau gut , Mann böse. Punkt.

    Der Feminismus , der sich so große Verdienste erworben hat , insbesondere mit dem Durchbruch beim Jahrhundertthema Mißbrauch , wirft seine Reputation selber in den Schmutz und trampelt wutentbrannt darauf herum , wie ein Immunsystem , daß nicht mehr genug zu tun hat und sich gegen sich selber wendet.

  45. Irene |  27.01.2013 | 20:14 | permalink  

    Kann mal wer das Getrolle und den Verleumdungslink von “Aufschrei” moderieren?

  46. hardy |  27.01.2013 | 21:08 | permalink  

    ja, antje, “moderier” mich, ich schreie auch nicht “zensur”.

    wenn die bösen fragen und die “neger” aus büchern weg sind, ist das problem “gelöst”. naja, es muss dann halt keiner mehr darüber nachdenken und man kann sich wunderbar den “wirklichen” problemen zuwenden.

    grund für meine jüngste wendung (“was habt ihr 40 jahre gemacht?”) ist, daß ich heute nacht blöderweise milva – “ich hab keine angst” kontrollgehört habe … und ich mich plötzlich fragen musste “was, 30 jahre alt … und die mädchen müssen immer noch angst haben?”

    das hat mich noch mehr geschockt als die vielen berichte in #aufschrei.

    aber okay, ich höre auf herumzutrollen und hinterlasse den wellness bereich denen, die beim relaxen im leid ihrer kinder nicht gestört werden möchten.

  47. hardy |  27.01.2013 | 21:25 | permalink  

    ps: irene, das mit der “aufschrei”-seite sehe ich wahrscheinlich haargenau so, wie du es siehst, aber … damit müssen wir jetzt _umgehen_. das ist leider genau so die welt, in der wir leben, wie mein “getrolle”.

    man kriegt es einfach nicht weg, wenn man es nur ignoriert.

  48. Irene |  27.01.2013 | 23:24 | permalink  

    Hardy, du beziehst hier mehrfach Dinge auf dich, die ich entweder nicht gesagt habe oder nicht auf dich bezogen. Drum hatte ich keine Lust, das alles aufzudrieseln. Aber vielleicht kann ja jemand anders was damit anfangen.

  49. Wolfgang Michal |  27.01.2013 | 23:43 | permalink  

    @40ff. Sorry, jetzt erst aufgrund eines Mail-Hinweises gesehen, gecheckt und gelöscht.

  50. dr.do |  28.01.2013 | 18:44 | permalink  

    Na, wie werden Lappalien relevant – wie man hier nachlesen kann. Aber was ist denn, wenn der Brüderle einfach annahm, er hätte es als aufstrebender Polit-Typ mit besten Zukunftschancen (nicht als Süffel im besten Kukident-Alter…) mit einer Person zu tun, die sich nicht zu fein ist, ihre Karriere in den Nächten horizontal etwas voran zu treiben? Darüber gab es doch letztjährig irgendwo in einem besseren Blatt eine statistisch aufgemotzte Reportage. Nehmen wir doch mal an, der Brüderle hätte das gelesen und öfter mit solchen Avancen zu tun. Wäre das immer noch eine Lappalie? Oder schreien jetzt die anderen?

  51. Thames Sinclair |  29.01.2013 | 03:43 | permalink  

    Eine Aktion, bei der die Spielregeln gelten, nur Frauen hätten unter #aufschrei zu berichten und Männer selbstverständlich unter #scham, soll _gegen_ Sexismus gerichtet sein? Oh, the irony …

  52. hardy |  30.01.2013 | 02:56 | permalink  

    [..] Knoten gerade jetzt geplatzt

    ich konnte sie eigentlich nie richtig leiden, aber, schande bettina röhl, nicht zu verwechseln mit der von mir verehrten bettina rühl, bringt’s auf den punkt und das, was birgit kelle anmerkt, ist auch nicht von der hand zu weisen.

    geplatzt? naja, jetzt – da alle langsam wieder ihren verstand einsetzen und nachdenken, statt im denunziationsmodus zu hyperventilieren – kommt wahrscheinlich der “backlash” und wir trösten uns mit dem gedanken, daß die nächste erregungswelle nach anti-semitismus, anti-rassismus und anti-sexismus wahrscheinlich schon in planung ist und jeder, der kein stück vom kuchen abgekriegt hat, auch eine faire chance auf seine “5 seconds of shame” bekommt.

  53. hardy |  30.01.2013 | 03:34 | permalink  

    auch hochverehrt und mit ihrem buch “leben mit neugeborenen” zur richtigen zeit am richtigen ort in meinem leben

    [..] Barbara Sichtermann zur Sexismus-Debatte [..]

    als vorschlag für die nächste debatte, die die unbedingt langsam mal geführt werden müsste, damit wir _verstehen_ lernen, warum wir so sind wie wir sind:

    Die geprügelte Generation hat leider auch nach einem jahr keinen hashtag und keine debatte ausgelöst, obwohl frau müller-münch eigentlich verdient, daß sie eine welle auslösen würde …

    läßt sich halt dummerweise nicht für dafür & dagegen-debatten instrumentalisieren. aber den schlüssel zu einem tieferen verständnis unseres verhaltens.

    aber, auf mich hört ja keiner ;-)

  54. Le Marquis |  30.01.2013 | 13:50 | permalink  

    Ich wundere mich über diese… – ja was eigentlich? Eine Diskussion bzw. ein Diskurs auf gesellschaftlicher Ebene ist das ja nicht. Durch die Okkupation dieses ernsten Themas durch die Schreihälse beider Seiten und der Menge an dementsprechenden Beiträgen all jener Medien und Foristen, denen Kompetenz fehlen mag, die aber gerne auf den Aufmerksamkeitszug aufspringen, bin ich kaum noch in der Lage sachliche Argumente aus der allgemeinen Kakaphonie herauszufiltern.

    Darüber hinaus habe ich oft nicht das Gefühl, dass die Initiatoren oder Trittbrettfahrer dieses sogenannten Aufschreis ernsthaft daran interessiert sind einen sozialgesellschaftlichen Fehler zu beheben. Nach meinem Empfinden wäre es dann nämlich gar nicht nötig über Geschlechter zu sprechen sondern darüber warum es in einer modernen von überkommenen Konventionen und Dogmen bereits teilweise befreiten Gesellschaft immer noch zu so vielen Gewalttätigkeiten – seelisch und körperlich; der Menschen untereinander kommt. Ich kann keine Prädestination eines Geschlechtes in diesem Fehlverhalten erkennen. In meinen Augen sollte die Zivilisation, deren in den letzten hundert Jahren neu entwickelter Grundkonsens der faire, höfliche und pazifistische Umgang miteinander ist, sich dieses Rückstandes in der geistigen Evolution bewusst werden und den Blick auf dieses grundlegene Problem nicht dadurch verstellen, dass die Geschlechter sich gegenseitig die Schuld daran zuweisen. Frauen schreien auf, Männer dürfen sich nur unter #scham beteiligen. Das ist mir zu einfach. Seelische oder körperliche Grausamkeit ist ein gesamtgesellschaftliches Problem an der jedes Geschlecht seinen Anteil hat.

    Viele unsachliche Beiträge in den Medien möchte ich dahingehend hinterfragen wann zu welcher Zeit das männliche Rollenbild jemals eine gesellschaftlich akzeptierte Grundlage für die Anwendung von Gewalt gegenüber anderen Personen war. Auch dieser Artikel beschränkt sich auf die Feststellung “Frauen werden von Männern schlecht behandelt”. Und impliziert in meinen Augen, dass inakzeptabele Behandlung von Menschen eine Männerdomäne ist. Dabei weiß bereits jedes Kindergartenkind, wie es sich anfühlt wenn jemand eine Machtposition missbraucht und Fehlverhalten an den Tag legt. Die Reaktion auf diese Simplifikation ist absehbar, weil die beschriebene Pauschalisierung fehl geht. Man lasse sich auf das Experiment ein und versuche als Mann in einen Frauenberuf einzusteigen. Hebamme zum Beispiel, oder Krankenschwester. In einer solchen Konstellation ist ohne weiteres ein Rollentausch möglich.

    Ich will mich nicht all jenen anschließen, die da ausrufen, “ja aber die Männer (leiden) auch”. Vorangegangens Gleichnis dient nur der Illustration der Tatsache, dass eben beide Geschlechter Teilbereiche der Gesellschaft oder Verhaltensweisen für sich in Anspruch zu nehmen geeignet sind und diese Domänen entsprechend ausleben oder “verteidigen”. Beides ist falsch wenn es die Würde eines Menschen verletzt. Für mich erscheint es ganz zweitrangig, ob es sich bei den #aufschrei beanstandeten Dingen um sexuell motivierten oder um “nur” als solchen empfundenen (Stichwort Diskriminierung) Missbrauch handelt. Es gibt meiner Ansicht nach keinen qualitativen Unterschied bei Gewalt, Diskriminierung und Missbrauch. Sexuelle und nichtsexuelle Verletzungen, körperlich oder seelisch sind gleichermaßen abzulehnen.

    Die Vielfältigkeit der Gewalt zu ignorieren und den Frauen eine besondere Opferrolle zuzuweisen, dadurch bewusst oder unbeabsichtigt anzudeuten, dass die Lösung allein im Manne liegen müsse, auf diese Weise also der Gesellschaft den mindestens ebenso wichtigen Beitrag aktiven der Frauen an der Überwindung von Rollenbildern und der Gestaltung wirklich zeitgemäßer Umgangsformen vorzuenthalten schadet in meinen Augen der Entwicklung der Zivilisation.

    In eigener Sache: Ich bin lediglich ein an der Debatte interessierter Leser und habe nicht die Absicht Partei zu ergreifen (was mir wahrscheinlich nicht gelingt, da ich sicher einer Partei zugewiesen werde). Ich würde mich über Reaktionen und sachliche Kritik freuen um herauszufinden, welche Meinungen zu meiner These entstehen.

    Le Marquis

  55. hardy |  30.01.2013 | 18:30 | permalink  

    @le marquis

    amen!

    ich muss aber mal gerade die sprachpolizei spielen. es heisst “kakophonie”, ein fehler, den ich auch immer wieder gerne mache ;-)

  56. hardy |  31.01.2013 | 02:56 | permalink  

    @le marquis

    weil ich gerade mal pause und “was ganz anderes” machen muss: meine antwort war natürlich etwas indifferent angesichts deines kleinen konvoluts und wahrscheinlich frustrierend.

    ich habe in meinen postings den begriff “emanzipation” verwendet und der flüchtige leser wird ihn als feminismus missverstehen. ich meine aber die emanzipation des individuums von der ihn umgebenden gesellschaft und mit ihr eine bewegung, die man bis in die frühen jahre des letzten jahrhunderts zurückverfolgen sollte, denn “hippies” gab’s ja schon in den 20ern. wandervogel, beatniks, hippies, feminismus, freaks, autonome, heute die occupy-bewegung. das ist eine breiter strom und der hat viele seitenarme.

    diese bewegungen werden immer vergessen, weil es keine “tradition” im sinne von “weitergabe des erkannten” gibt. kinder finden halt das, was ihre eltern so trieben, immer uninteressant und beklagen zur not, daß ihre kindheit in bio-müsli ertränkt wurde, lesen aber leider selten, was ihre eltern lasen.

    deshalb erleben wir hier seit wochen das immer wieder auf’s neue aufkochen alter kämpfe. die “kinder” müssen halt zwanghaft die kämpfe der alten wieder und wieder austragen und “spielen” nun kampf gegen den antisemitismus, gegen den rassismus, gegen den chauvinismus. was kommt als nächstes?

    das alles sind – für mich – ersatzhandlungen, das rennen im hamsterrad, ein “so als ob”. im grunde eigentlich nur das befeuern der “erregungsgesellschaft”, die nur funktionieren, weil alte debatten (ich nannte das streitgespräch esther vilar contra alice schwarzer) einfach nicht “tradiert” wurden.

    natürlich sind die “parteien” hier und andernorts auf ihre kleinkarierten interessen fokussiert, sie kochen ihr jeweiliges süppchen und es kommt den “feministinnen” (ich bin eher ein freund der “neuen F-klasse”) gerade recht, wenn sie sich in ihr element stürzen können … und den offensichtlich immer noch unerzogenen kleinen chauvis auch, sich dann daran reiben (nein, ich mache kein wortspiel, aber ich habe dabei eines im kopf) können..

    das ist _kinderkram_. es ist erbärmlich, sich an einem alten trottel aufzu….en, der seine worte – nicht mal die finger, einfach nur die worte – bei sich behalten kann.

    was geht also schief?

    einerseits: es ist ein mangel an “tradition”. die kinder wollen es nicht wissen und die “alten” sind zu faul zu erzählen, was sie bewegt hat. mütter, die statt ihren töchtern selbstbewusstsein vermitteln, ihnen den rücken stärken … und sich dann daran “delektieren”, daß ihre töchter nun diese für mich schockierenden dinge erzählen … und väter, die es offensichtlich nicht geschafft haben, ihren söhnen _respekt_ vor frauen beizubringen.

    ich kann bis jetzt nicht erkennen, daß die seiten mal in sich gehen und sich fragen, “wieso?” oder “was haben wir falsch gemacht”. statt dessen dieser rechtfertigungs und anklage-diskurs.

    erbärmlich.

    ich hoffe, ich habe deine gedanken und deine absichten einigermaßen erfasst und sie bloß mit meinen bildern widergespiegelt … so wie ich dich verstehe, meinen wir das selbe: der diskurs redet am kern des problems vorbei und entfacht nur neue grabenkämpfe.

    weil sich das aber für die “kombatanten” nicht instrumentalisieren läßt, werden weder du noch ich hier erleben, daß jemand die bälle, die wir auf’s feld kicken, aufgenommen werden.

    sie sind “das problem-anderer-leute-feld” (douglas adams) oder das ufo, das neben zwei nonnen landet und sofort eine diskussion über die jungfäulichkeit mariens auslöst (ra wilson).

    okay, ich hoffe, das war jetzt deiner respektablen mühe angemessener als mein kurz angebundenes “amen” …

    und jetzt, zurück in die minen ;-)

  57. Le Marquis |  31.01.2013 | 10:31 | permalink  

    @hardy

    haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort und die Arbeit, die Sie sich damit gemacht haben. Sie haben mir tatsächlich ein gutes Stück weitergeholfen. Den Punkt, dass es sich teilweise um einen Übertragungskonflikt und damit um einen Stellvertreterkrieg handeln könnte habe ich nämlich zunächst gar nicht bedacht. Es sind Beiträge wie der Ihre, die – manchmal nur durch Kleinigkeiten; den eigenen Horizont erweitern helfen. Über diesen Hinweis werde ich nachdenken. Möglicherweise erklärt der manches.

    Schade nur, dass unsere sogenannten Volksparteien und deren Spitzen, also diejenigen, die für sich in Anspruch nehmen als Spitzenkräfte das Volk zu leiten diese kleine Transferleistung nicht hinbekommen und sich des Themas progressiv annehmen. Ob es in deren Interesse ist, dass sich die engagierten Menschen im Lande in Grabenkämpfen verstricken und so der Handlungsdruck auf die Politik verringert wird? Ich weiß es nicht aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die gesamte politische Kaste sich unbewusst derart populistisch verhält. Deren Leidensdruck wäre mit Sicherheit größer wenn die Foristen aller Lager ihre Forderungen so formulieren würden, dass die Politik und ihre Untätigkeit in Sachen Fortentwicklung der Zivilisation im Focus stünde.

    Stattdessen geht es gegen “die Männer” oder “die Frauen”. Was für ein unreflektierter Unsinn. Beide Seiten sollten an “die Regierungskoalition” adressieren und fordern, macht die Fehler der Vergangenheit und auch unsere eigenen im Jetzt und Hier wett indem ihr in Bildung und Forschung investiert. Auch Erwachsenenbildung, denn die Eltern von gestern und heute sind es die tradierte Rollenbilder und geschlechtsspezifische Erwartungen auf Ihre Kinder übertragen. Männer und Frauen. Das sind ironischerweise teilweise dieselben Menschen, die sich danach ganz unbewusst bigott über den alltäglichen Sexismus (oder was sie gerade dafür halten) echauffieren. Aber erst dann wenn schon wer anders aufschreit, dem kann man sich dann bequem anschließen ohne sich die Mühe machen zu müssen den eigenen Standpunkt zu analysieren.

    Ich habe die Befürchtung, dass in vielen Fällen aufgeschrien wird, und auf diese Weise Lappalien plötzlich Relevanz erhalten, weil den Menschen dadurch ein Ventil angeboten wird, nicht weil unsere Gesellschaft einen geistigen Rückschritt erlebt. Die Lebenssituation in der westlich kapitalistischen Gesellschaft wird für viele immer schwieriger, da kommt jedes Feindbild gerade recht, wenn man in diese Richtung den aufgestauten Frust entladen kann. Deswegen habe ich in meinem ersten Post auch behauptet es findet gerade keine gesellschaftliche Debatte statt. Der aktuelle Zwist der Schlagzeilen und die resultierenden, oft unausgegorenen, Forderungen und Gesetzesinitaitiven können die täglich bei jedem einzelnen von uns erforderliche Arbeit für die gesellschaftliche Fortentwicklung nicht ersetzen.

    Ich finde diese Verschwendung von gesellschaftlichem Gestaltungs- und politischem Partizipationspotential beklagenswert.

    Le Marquis

  58. dr.do |  31.01.2013 | 11:37 | permalink  

    Nachdem ich gerade die Kommentare in der taz dazu gelesen habe, bin ich überzeugt, es wird in einigen Jahren eine Art Verkehrssünderkartei zum Thema geben. Wenn Trittin kein Veto einlegt.

  59. Newsletter vom 30. Januar 2013 — Carta |  31.01.2013 | 16:53 | permalink  

    [...] Schrupp: #aufschrei: Wie Lappalien relevant werden Sind sexuelle Belästigungen von Frauen, die sich deutlich unterhalb strafrechlich relevanter [...]

  60. hardy |  01.02.2013 | 01:38 | permalink  

    lieber marquis,

    ich erlaube mir mal gerade das wortspiel, daß ich mich eher dem “maquis” zuordnen würde, also als keiner truppe zugehörig, aber gerne schon mal einen eisenbahntransport sprenge. oder ein bißchen sand ins getriebe der gut geölten empörungsrituale streue. und verzichte in der folge als ein überzeugter duzer auf ein “sie” oder ein “du”.

    [..] Deren Leidensdruck wäre mit Sicherheit größer
    [..] wenn die Foristen aller Lager ihre Forderungen
    [..] so formulieren würden …

    ich befürchte, daß es darum nicht mehr geht, ein thema und mit ihm sich selbst zu beleuchten. wir sind konfrontiert mit so etwas wie “triebabfuhr”, einem gerangel darum, wer “recht hat” und nicht einem “und was können wir also lernen daraus?”.

    statt einem klaren “ich finde, daß …” werden fensterreden gehalten, das versteck hinter allgemeinplätzen und großen “wir sollten mal” gesucht und “geheckengeschützt”, um den frust loszuwerden. “der andere” ist nur ein punchingball, “das andere” per se verdammenswert und falsch, falsch, falsch. richtig ist, was ich/wir denken, weil “wir sind mehr”.

    kurze knappe salven, die in 148 zeichen passen und von gehirnen wegkonsumiert werden, die auch mehr nicht mehr fassen können. ich nenne das die “gedankenautobahn” auf der wir flitzen, uns “einordnen”, ungeduldig an dem anderen vorbeidrängel und hupen.

    ich erwarte mir nichts von “foristen” aber ich freue mich über einen gedanken, den ich noch nicht gedacht habe – und darüber, daß jemand so langsam fährt, daß er einen solchen auch erkennen kann.

    [..] Erwachsenenbildung

    oben hinter meinem namen kann man meine art, mich täglich zu “bilden” finden: das wortradio, ein feature am tag und man ist tatsächlich ein bißchen schlauer.

    heute habe ich meinen anderen blog verlinkt mit meinem tribut an meinen großvater. dort geht es allerdings nicht immer so gesittet zu, eher mehr “maquis” ;-)

    in der post vorher kann man eine top 15 meiner lieblingsautoren und ein paar ihrer features finden. nicht jedermann’s sache, aber “zuhören” zu lernen (jeder denkt ja, er kann das, aber es ein haufen arbeit, das zuhören zu lernen, den eigenen gedanken abzustellen und das andere im anderen zu erkennen und die differenz zum eigenen) ist ein guter erster schritt.

    muße. nicht dieses 148 zeichen geballere.

    [..] Lappalien plötzlich Relevanz erhalten

    ich weiß nicht, klar, diese brüderle geschichte ist hysterisiert, der mann hat ja nur seine worte und nicht etwa seine finger nicht bei sich behalten, aber ich war wirklich bewegt am samstag und habe meine töchter, soweit gerade greifbar, zum thema befragt. es kam heraus, daß beide ihr bein hoch genug für hoden heben könnten und auch vor der ohrfeige nicht zurückschrecken würden.

    wenn wir über “relevanz” reden, müssen wir uns auch fragen, inwieweit unsere erziehung stattgefunden und funktioniert hat. ich gehöre einer generation an, in der viele “antiautoritär” sagen aber “lass mich in ruhe meine sachen machen” meinten. “selbstverwirklichung” sagen, wenn egoismus gemeint ist.

    wir stehen vor einem trümmerhaufen sozialer interaktion. die familie ist dem alleinerziehenden gewichen, die großmutter, die früher noch die gerade linie (“wasch dir die hände, bevor du dich an den tisch setzt!”) in einem konkurrenzkampf um aufmerksamkeit verwickelt. (michael winterhof “lasst die kinder wieder kinder sein”)

    wie soll da _respekt_ im umgang miteinander vermittelt werden? die menschen in diesem land haben die erziehung ihrer kinder dem fernsehen – zu unser aller verheerung dem _privat_-fernsehen überlassen … und jetzt spielen wir an den details herum, statt die metathemen zu sehen. das ist beabsichtigt, wir sollen konsumieren und nicht reflektieren. das hat sehr gut funktioniert.

    ab und an wirft man uns einen ball in’s feld und wir dürfen drum rangeln. putzig.

    [..] es findet gerade keine gesellschaftliche Debatte statt

    eben deshalb habe ich es mit “amen” kommentiert.

    so isses, es sind alles bloß ersatzhandlungen. möglichst drei themen in einem monat, damit wir die sache drei monate später recyclen können.

    die schöne neue welt. wenn sie denn wenigstens die drogen freigeben würden, damit man das elend besser ertragen könnte ;-)

    grüße aus der garage

  61. Henriette |  03.02.2013 | 16:19 | permalink  

    “Dass dieser Knoten gerade jetzt geplatzt ist, war letztlich Zufall”.

    Dem widerspreche ich, denn ich glaube, dass die grauenhaften Geschehnisse in Indien, die eine tief verwurzelte Gewaltkultur ggü Frauen in Alltagssituationen sowie im häuslichen Bereich endlich öffentlich thematisierten, uns im “zivilisiert-emanzipierten” Deutschland deutlich machten, wohin der geduldete und tabuisierte Alltagssexismus führen kann.

    Dem vorausgegangen waren
    - wie von Ihnen genannt, der Spiegelbericht über Sexismus bei den Piraten, wobei schon vorher über sexistische Tendenzen bei den Piraten berichtet wurde
    - die Abweisung eines Vergewaltigungsopfers durch katholische Krankenhäuser
    - die Diskussion um die Frauenquote
    - die Wiederbekanntgabe der großen Lohnbenachteiligung von Frauen
    - die Meldung, dass überwiegend Frauen im Niedriglohnsektor und Teilzeitjobs beschäftigt sind
    - das Video einer jungen Belgierin vor einigen Monaten, worin sie Streetharassment in ihrem Brüsseler Stadtteil dokumentierte (wurde weltweit thematisiert)
    - der Anschlag auf die pakistanische Schülerin
    - die stark angestiegenen, brutalen Angriffe auf ägyptische Frauen im öffentlichen und privaten Raum durch nunmehr enthemmte fanatisierte Muslime
    - die Kachelmann-Sache (die auch das kachelmannsche “Liebesgebaren” offenlegte; wer hätte dies von diesem charmanten Wettermann gedacht?)
    - die DSK-Affäre (die endlich auch der breiteren Weltöffentlichkeit bekannt machte, dass dieser mächtige Mann über Jahre Frauen massiv belästigt hatte ohne dafür je belangt geworden zu sein)
    - die hohe (Mord-)Gewaltrate ggü Frauen im gesamten lateinamerikanischen Raum (hier insbe. Mexiko & Zentralamerika)
    - die Massenvergewaltigungen in Kriegsregionen (s. Kongo)
    und und und

  62. Le Marquis |  04.02.2013 | 22:44 | permalink  

    @ henriette,

    lassen Sie uns in 4 Monaten noch einmal schauen, welche Fortschritte die Gesellschaft bis dahin gemacht hat. Was werden wir zu dieser Zeit gelernt haben? Welche greifbaren Schritte zur Verbesserung der Situation Misshandelter und Missbrauchter Menschen werden wir unternommen haben? Wer von den heutigen Frontfiguren wird dann immer noch eine Position vertreten, die sich wohltuend progressiv von derzeitigen Populismus abhebt. Und wie wird die Diskussionskultur zu dieser Zeit sein? Ergebnisorientiert? D. h. anders als jetzt?

    Ich bin ehrlich gespannt. Aber ohne Hoffnung.

    Le Marquis

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