Michael Spreng

Mobbingpause

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So kurz nach Weihnachten sind die Lobpreisungen noch griffbereit, auch, wenn sie nur der eigenen Großartigkeit gelten.

07.01.2013 | 

Die FDP hat auf ihrem Dreikönigstreffen lediglich eine Mobbingpause eingelegt, eine Feuerpause. Mehr nicht. Das “friendly fire” auf Parteichef Philip Rösler wurde vorübergehend eingestellt. Stattdessen wurde von der FDP kräftig das Weihrauchfass geschwunden, nicht um den Herrn zu loben, sondern um sich selbst in den Himmel zu heben.

Wer verfolgte, wie überzogen Dirk Niebel, Rösler und vor allem Rainer Brüderle priesen, was alles die FDP in Deutschland erreicht und durchgesetzt habe, der fragte sich, wie Gott die Welt ohne FDP erschaffen konnte. Aber es reichte wohl nicht einmal zur Autosuggestion, geschweige zur Wählersuggestion.

Beim Selbstbeweihräuchern blieb es weitgehend, die existenzielle Krise der Partei wurde ausgeblendet. Niebel sagte lediglich, so könne es mit der FDP nicht weitergehen, Rösler mahnte – in eigener Sache – zu Fairness und Solidarität im Umgang.

Dass allerdings ausgerechnet Dirk Niebel, der gerade dem Rösler-Mobbing frischen Schwung verliehen hat, neue “Regeln des gegenseitigen Anstands” forderte, musste Rösler wie eine Verhöhnung vorkommen. Und es war ein Musterbeispiel an politischer Heuchelei.

Spannender waren die Untertöne und Randbeobachtungen. Niebel sprach nicht vom Parteichef, sondern vom Team, von der notwendigen Mannschaftaufstellung – so, als müsse Rösler wenigstens eingebunden werden, wenn man ihn schon nicht los werde.  Und als Brüderle, wie ein pater familias, jeden einzelnen Minister lobte, gab es für jeden Beifall, nur für “Wachstumsminister” Rösler nicht.

Die Partei ist wohl schon über Rösler hinweg, obwohl er noch amtiert. Nicht zufällig erwähnte Brüderle Christian Lindner, als er über “unsere FDP” sprach. Das soll das Rettungsteam werden: Brüderle und Lindner, das alte Schlachtross und der junge  Wahlsieger aus NRW. Das ist das letzte Aufgebot. Mit Genschers Segen.
 
Crosspost von Sprengsatz

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2 Kommentare

  1. Michael Lohmann |  07.01.2013 | 15:31 | permalink  

    Rösler ist ein Vorsitzender auf Abruf. Der Grund ist der, dass er in den Medien nicht als Sympathieträger und Star der FDP funktioniert, wie man es sich vor seiner Wahl erhofft hatte in der Partei. Sein Image ist schlecht. Man verbindet mit ihm eher die Fortsetzung der Krise der FDP. Deshalb breitet sich Unbehagen bei den Liberalen aus. Sie haben Angst vor der Wahlniederlage und sehnen sich daher nach einem Strahlemann als Vorsitzenden, der auch von der Bevölkerung wieder als Macher und Gewinnertyp wahrgenommen wird.

    Es geht bei den jüngsten Attacken also vorrangig um ein Medienimage. Was Rösler als Parteichef kann oder nicht, ist für den Normalbürger ja nicht erkennbar. Er kann nur sehen, wie Rösler in der Presse wegkommt. Röslers organisatorische oder konzeptionelle Kompetenzen kann kein Leser wirklich bewerten. Und das weiß man natürlich in der FDP. Man weiß, dass der Medieneindruck erheblich mehr Auswirkungen hat als das, was Rösler tagtäglich in seinem Büro leistet. Deshalb wollen viele ihn auch loswerden, weil er in den Medien als blasser Verlierer erscheint.

    Spannend daran ist, wie lautstark diese Forderungen der Opferung Röslers derzeit sind. Es erinnert durchaus an die Kritik an Rudolf Scharping, einst der Quotenkiller in der SPD in den frühen 1990er Jahren. Scharping hatte aber auf dem Höhepunkt der Kritik durchsetzen können, dass er als einziger Kandidat für den Parteivorsitz wiedernominiert wurde. Dass er dann doch 1995 in Mannheim von Oskar Lafontaine aus dem Amt gejagt worden ist, lag mehr an der verpatzten Inszenierung des Parteitages als Zeichen der “Geschlossenheit” der Partei. (Ich hoffe, ich darf doch mal so eitel sein und auf meine Darstellung des Mannheimer Parteitages verlinken: http://www.heise.de/tp/artikel/37/37345/1.html)

    Um es mal kurz zu machen: Was in der FDP gegenwärtig geschieht, ist keine “Heuchelei”, sondern eine ganz rationale Strategie, die eigenen Wahlchancen zu verbessern durch medial besser funktionierende Parteirepräsentanten. Solches geschieht nicht nur in der FDP.

  2. dr.do |  07.01.2013 | 16:15 | permalink  

    Rösler wurde seinerzeit aus einer temporären Verkrampfung der Partei ein wenig gegen seinen Willen nach vorne geschoben und heute versuchen ihn dieselben verzagten Leute wieder einzufangen. Er wirkte total geschockt gestern. Nicht ganz fair, aber er versteht es hoffentlich, damit umzugehen und aus Fehlern zu lernen. Die FDP ist in Panik und wird sich hoffentlich nicht aus Furcht vor dem Tode selbst massakrieren. Brüderle erscheint mir da eher wie ein Totengräber.

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