Der Fall Suhrkamp: Nachhutgefechte unterm Regenbogen

Ein absurdes Gesellschafterdrama offenbart, wie fremd uns die Suhrkamp-Kultur bereits geworden ist

Ja, das waren noch Zeiten, als man von der „Suhrkamp-Kultur“ und vom Suhrkamp-Verlag als dem intellektuellen Kraft-Zentrum der Bundesrepublik sprach. Das ist rund 40 Jahre her. Und die Buchrücken der edition suhrkamp in den Fichtenholzregalen, die – nebeneinander stehend – einen intellektuellen Regenbogen erzeugen, sieht man auch immer seltener. Das intellektuelle Zentrum ist ein Christ-Kindle geworden oder ein iPad für die intellektuelle Espressomaschine.

Es fällt auf, dass der erbitterte Streit um das Haus Suhrkamp im Netz kaum Widerhall findet – während die Feuilleton-Platzhirsche zwischen Berlin, Hamburg, Frankfurt und München ihre listigen Deutungsoberhoheitsschlachten schlagen.

Im Pulverdampf, den die rekrutierten (und meist schon ergrauten) Suhrkamp-Autoren und die sie kommandierenden Feuilletonchefs erzeugen, kann man nicht mehr so recht erkennen, worum es eigentlich geht. Um den Welt-Geist des Hauses Suhrkamp oder doch nur um die Kaltmiete und die teuren Einrichtungsgegenstände für die an den Verlag untervermieteten Teile der Privat-Villa der Verlegerin? Am klarsten hat es Jürgen Kaube gleich zu Beginn der Debatte in der FAZ ausgedrückt – wohl unmittelbar nach der deprimierenden Lektüre des Landgerichtsurteils vom 10. Dezember 2012:

„Die Zeit, in der sich Unseld oder Suhrkamp spielen ließ, ist tatsächlich abgelaufen.“

Der Rest sind Nachhutgefechte (etwa hierhier, hier, hier, hier und hier).