Frank Lübberding

Skandal! Oder doch nicht?

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Eine kleine Anregung für die Bundeskanzlerin, Weihnachten über das Vertrauen der Kapitalmärkte nachzudenken.

21.12.2012 | 

Man konnte bekanntlich am Sinn des Rückkaufsprogramms griechischer Staatsschulden Zweifel haben. Der offiziell formulierte Sinn bestand darin, die Schuldenstandsquote Griechenlands nominal zu senken. Ökonomie-Bürokraten meinen, dass der nominale Schuldenstand das entscheidende Kriterium für die Rückkehr Griechenlands an die Kapitalmärkte sei. Nur muss man sich natürlich fragen, welche praktische Relevanz in diesem Fall solche Quoten haben.

Griechenland ist auf dem Kapitalmarkt schon lange nicht mehr zahlungsfähig. Seine Schulden kann man entweder streichen, oder die Refinanzierung durch die EU sicherstellen – auf welchem Weg auch immer. Das Rückkaufprogramm wird dabei wenig nutzen. Allerdings wurden griechische Banken und Pensionsfonds die griechischen Bonds los, die ihre Bilanzen bis dahin unter Wasser gesetzt hatten. Das war auch das inoffizielle Ziel der Aktion – dem griechischen Finanzsektor wieder auf die Beine zu helfen. Ob das jetzt der griechischen Volkswirtschaft zur Finanzierung neuer Investionen hilft? Dafür müssten erst einmal die Einkommen stabilisiert werden, und damit auch die Absatzerwartungen der Unternehmen. Ansonsten bleibt das Licht am Ende des Tunnels das des entgegenkommenden Zugs. Aber jetzt kommt der Skandal: Ein Hedgefonds hat mit dem Rückkaufprogramm Geld verdient. Na sowas!

Es ist ganz simpel. Third Point kaufte auf dem Sekundärmarkt die Bonds zu dem faktischen Insolvenzpreis und verkaufte sie jetzt zu dem offiziellen Rückkaufpreis dem Staat Griechenland. Mit der Marge verdiente er 500 Mio. $. Der Fonds kalkulierte auf das politische Handeln der EU – und der Bundesregierung. Geschadet worden ist aber – niemandem! Weder den Leuten, die dem Fonds die Bonds zu dem damaligen Preis verkauften, noch dem griechischen Staat. Letzterer kann die Differenz zwischen dem Nominalwert und dem Marktpreis seiner Bonds als Gewinn betrachten. Er bekam das damals aufgenommene Geld nachträglich zum größten Teil geschenkt.

Wie gesagt: Man kann das Rückkaufprogramm für ökonomischen Schwachsinn halten. Das ist es ganz sicher, wenn Griechenland ökonomisch nicht auf die Beine kommt. Und etwa die griechischen Banken ihre liquiden Mittel jetzt für den Kauf deutscher Staatsanleihen oder Berliner Immobilien nutzen sollten. Man kann jetzt auch die These formulieren, dass diese sogenannten Kapitalmärkte ein schlechter Witz sind. Sie hängen von politischen Entscheidungen ab – und das ist wie Lotto spielen. Wer weiß schon, was die Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache plötzlich als ökonomisch sinnvoll formuliert? Aber bekanntlich will die Bundeskanzlerin das “Vertrauen der Kapitalmärkte” als Ziel ihrer Europapolitik zurückgewinnen. Die versuchen allerdings nur noch eines: Aus den Handlungen von Frau Merkel profitable Rückschlüsse zu ziehen.

Ist es ein Skandal, dass dieser Hedgefonds 500 Mio. $ verdient hat? Niemand wurde geschädigt. Aber es ist absurd, dass es immer noch Leute gibt, die ernsthaft das “Vertrauen in die Kapitalmärkte” für einen sinnvollen Ausweg aus der Eurokrise halten. Vielleicht sollte die Bundeskanzlerin Weihnachten nutzen, um über diesen Sachverhalt einmal nachzudenken.

 

Crosspost von Wiesaussieht

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2 Kommentare

  1. Andreas Moser |  21.12.2012 | 09:22 | permalink  

    Ich wünsche, unsere Abgeordneten würden die Märkte einfach ignorieren. Schließlich haben wir gewählt, nicht “die Märkte”: http://mosereien.wordpress.com/2012/08/15/wir-mussen-die-maerkte-beruhigen/

  2. Ulrich |  23.12.2012 | 12:09 | permalink  

    Geschadet worden ist aber – niemandem! Weder den Leuten, die dem Fonds die Bonds zu dem damaligen Preis verkauften, noch dem griechischen Staat.

    Leider falsch. Auf den Märkten gibt es keine Zauberei. Im Laufe der Zeit haben Marktteilnehmer die Papiere zu einem niedrigeren Preis verkauft, als sie sie gekauft haben. Die Verluste sind aber gestreut, d.h. sie fallen nicht so stark auf wie jetzt der Gewinn von Third Point.

    Auf den Finanzmärkten gibt es neben den Zockern, die gewinnen, natürlich immer auch die Zocker, die verlieren – wird in der Diskussion gern unterschlagen.

    Kurz gesagt: There’s no free lunch!

    Aber bekanntlich will die Bundeskanzlerin das “Vertrauen der Kapitalmärkte” als Ziel ihrer Europapolitik zurückgewinnen. Die versuchen allerdings nur noch eines: Aus den Handlungen von Frau Merkel profitable Rückschlüsse zu ziehen.

    Leider richtig. De facto haben die Finanzmärkte ja das volle Vertrauen der Regierungen, d.h. egal wieviel Unsinn die Zocker anstellen, die Politik wird sie belohnen – und oft ist der Politik nicht bewußt, daß sie sie belohnt.

    Die Politik sollte allmählich begreifen, daß sie der Komplexität der Märkte niemals Herr werden wird. Zockerfirmen verstehen nur eine Sprache: die der Zahlungsunfähigkeit. Darum waren all die Bail-outs natürlich der größte Fehler, den die Politik machen konnte.

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