War die FTD eine Studentenzeitung?

Gestern, am 17. Dezember, erschien die „Protest Times“, die inoffizielle Nachfolgezeitung der „Financial Times Deutschland“. Hergestellt und verteilt von den „FTD-Studis“. Wie bitte?

Ja, von den 350 Mitarbeitern aus Verlag und Redaktion, die bei den Gruner & Jahr-Wirtschaftsmedien nun vor der Entlassung stehen, arbeiteten keineswegs alle in unbefristeten Verhältnissen (das waren nur 234). Ein gewichtiger Teil der Arbeit wurde

FTD

nicht von Redakteuren und dafür ausgebildeten Verlagsleuten, sondern von studentischen Hilfskräften erledigt. 57 Studenten und Doktoranden sind betroffen (das ist rund ein Sechstel der Belegschaft). Und diese 57 werden bei der Ausarbeitung des Sozialplans wohl das Nachsehen haben. Dazu heißt es in der Protest Times:

„Einige von uns sind schon seit acht Jahren angestellt. Wir übernehmen für die FTD und die Magazine Tätigkeiten, die auch von Festangestellten ausgeführt werden. Wir arbeiten für die Honorarbuchhaltung, die Anzeigenherstellung, sind als Büroassistenten tätig, gestalten das Layout, unterstützen die IT, schreiben Onlineartikel, erstellen Infographiken, übernehmen die Bildbearbeitung, sind beim Leserservice die Stimme nach außen, belichten am Abend die Seiten und lektorieren Artikel. Einige von uns arbeiten in manchen Wochen 40 Stunden und mehr. Dafür erhalten wir Bruttostundenlöhne zwischen 10 und 12,50 Euro. Sonntags-, Feiertags- und Spätschichten werden nicht gesondert vergütet… Dabei muss der Verlag uns nicht einmal krankenversichern und auch keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen… Wir haben nur einen Monat Kündigungsfrist und kein Anrecht auf Arbeitslosengeld.“

Jetzt stehen die Studis auf der Straße. Und der ehemalige stellvertretende Chefredakteur sagt:

„Was wäre wohl aus uns geworden ohne das Heer unserer studentischen Hilfskräfte? Eine Loseblattsammlung … in der Orthografie eines Zweitklässlers.“

So sieht die Realität im Journalismus aus.