Klaus Jarchow

Griff ins Klo beim Cicero

 | 42 Kommentar(e)


Nur ein merkwürdiger Zufall, dass das “Magazin für politische Kultur” das eigene Publikum beschimpft? Oder könnte man aus einer gewissen zeitlichen Nähe Rückschlüsse ziehen?

03.12.2012 | 

Sind denen in der Kantine beim ‘Cicero’ die Tofu-Burger verschimmelt? Hat das ökologische Terror-Regime den Zigarettenständer im Supermarkt abmontiert? Gab’s etwa Geld von der Großstadt-CDU, diesem politischen Oxymoron? Jedenfalls wirkt der derzeitige Online-Auftritt ein wenig multipel in seiner Themeneinfalt:

1. Das neue Öko-Bürgertum: Autoritär, etatistisch, regelungsverliebt.

2. 20 Gründe, warum Ökobürger nerven!

3. Möchtegern-Elite: Öko-Konsum bedeutet nicht Bürgertum

Ergänzung: Das leicht verschnarchte Thema scheint dort beim Möchtegern-Großstadtmagazin gerade unendlich aktuell zu sein. Inzwischen treiben die Monomanen dort ihr Spiel noch weiter: „Die Grünen blasen zum Angriff auf die CDU.“ Tscha – ich muss es wohl an den Ohren haben, denn ich habe bisher so gar keine Trompeten gehört. Klar ist jedenfalls, dass der ‘Cicero’ auf dem medialen Meer etwas fährt, was wir umgangssprachlich eine ‘Kampagne’ zu nennen pflegen. Bleibt die Frage, was das bloß bewirken soll?

Der ‘Cicero’ trat einst an, um das neue intellektuelle Großstadtmagazin zu werden – so etwa in der Nachfolge von Enzensbergers ‘Transatlantik’. Denker und Lenker sollten dort zu Wort kommen. Davon sind sie heute weit entfernt. Inzwischen müssen wir dort solche Sätze lesen, von einem Alexander Grau, die den Beweis führen, dass der Verfasser nachweislich weder das eine noch das andere ist:

“Das so genannte neue Bürgertum ist eine Sammlungsbewegung der Furchtsamen, der Übervorsichtigen und Mutlosen: Man ängstigt sich vor Kernkraftwerken, Elektrosmog, vor Gentechnologie, „den Märkten“ oder auch nur den Ungleichheiten, die das Leben so mit sich bringen kann.“

Gut, wir haben es hier also klarerweise mit einer Publikumsbeschimpfung zu tun, mit einer Eigenpublikums-beschimpfung sogar. Denn die Frage ist doch, welches Publikum hier beschimpft wird. Es ist die gebildete, bürgerlich kultivierte Leistungselite aus den Reihen der ‘LoHas’, die sich hier derart niedermachen lassen muss, obwohl sie im urbanen Raum längst die Mehrheiten stellt. Der ‘Cicero’ schießt derzeit aus allen Rohren auf sein eigenes Leserpotenzial, das man doch eigentlich zu gewinnen trachten sollte.

Alexander Grau aber möchte wohl lieber jene Leute erreichen, die in den Ferien vor Kernkraftwerken campen, die jeden Morgen mit Elektrosmog duschen, sich mit Vorliebe Genfood aufs Brötchen schmieren, trotz aller Erfahrungen noch immer ‘den Märkten’ vertrauen und jede Form von Ungleichheit für gottgewollt halten. Denn das seien die wahren Aufgeklärten. Nun ja, nachts sind auch alle Katzen Grau. Folgerichtig melden sich seine Geistesgenossen, die hier vorurteilsmäßig adressierte kleinbürgerlich-wissenschaftsferne Schicht der ‘Klimaskeptiker’ und sonst irgendwie Verrannten als erstes zu Wort. Die äußern sich in ihrer Blindheit beispielsweise so, ohne je den Balken im eigenen Auge zu sehen:

“Was vielleicht auch noch zu erwähnen wäre, ist die überbordende Liebe des Öko-Kleinbürgers zu Tieren. Leid und Not anderer Menschen sind diesem Typus weitestgehend egal, aber wehe jemand wagt es, ein Tier auch nur schief anzusehen, geschweige denn in den Verdacht zu geraten, es schlecht zu behandeln. Ebenfalls würde ich in diesem Milieu die Neigung verorten, sich, sofern man dabei auch schön anonym bleibt, pöbelnd, geifernd und mit Schaum vorm Mund über alle Dinge und Personen, die nicht in das grüne Weltbild passen, in Internet-Foren und Kommentar-Bereichen von Zeitungen Luft zu machen.“

Gut, gut, lass das Geifern, Kleinbürger, wir haben verstanden – es geht um diese angeblich geifernden Grünen, wie sie auf jedem Parteitag zu besichtigen sind. Erst allmählich, nach einer Pause angemessener Reflexion, meldet sich dann auch jene Schicht zu Wort, die doch das eigentliche Publikum des ‘Cicero’ sein sollte:

Was hat die Energiewende mit Fortschrittsfeindlichkeit und Technikpessimismus zu tun? Warum ist die Homosexuellenehe antiliberal? Wieso ist Obama-Verehrung “antiamerikanisch”? Warum bedeutet der Besuch staatlicher Schulen den Willen zur “Gleichschaltung”? Der Autor reiht seine persönlichen Feindbilder munter aneinander, und nichts passt zusammen.

Damit wurden so ziemlich alle realitätsfernen Ansichten des Alexander Grau mit dem Mittel der rhetorischen Frage auf den Meeresgrund geschickt. Denn plausible Antworten gibt es auf solche Fragen nach Begründungen für massive Vorurteile nun mal nicht. Das bringt mich auf meine These zurück: Nicht das Internet macht es, dass die Zellulosemedien untergehen, es sind diese Medien höchstselbst, die sich gerade unter großem Blubb-Blubb auf Grund setzen. Leser aus der Zielgruppe sehen das ähnlich – ganz ohne Geifer vor dem Mund:

“Ich erinnere mich daran, daß ich meiner ältesten Tochter die erste Ausgabe von “Cicero” schenkte. Das war damals ein kluges Blatt. Heute würde die mich angucken, als ob ich sie nicht mehr alle hätte, wenn ich ihr ein neues Heft mitbringen würde. Wenn man diesen Artikel liest und die ihm innewohnende Unfähigkeit sieht, das “Andere” auch als solches zu erkennen, kann man das verstehen. Stammtisch pur … und das in dem, was ich mal “mein Cicero” nannte. Schade. so schnell kann’s bergab gehen.”

Vermutlich liegt die Unfähigkeit falsche publizistische Strategien zu erkennen, ja, überhaupt eine sich ändernde Welt zu erblicken – das jedenfalls ist meine Vermutung – an einer schlichten rekursiven Schleife der Weltwahrnehmung: Der ‘Cicero’ guckt, was die Kollegen vom ‘Spiegel’ meinen, der ‘Spiegel’ guckt in die ‘FAZ’, die ‘FAZ’ in die Süddeutsche’, die ‘Süddeutsche’ in die ‘Zeit’, die ‘Zeit’ wieder in den ‘Cicero’ – im Kern aber bleibt es eine Gruppe nahezu Gleichaltriger auf allen Chefsesseln, die einst im Hedonismus der 90er Jahre aufwuchsen, und die jetzt nicht merken oder merken wollen, wie ihre alte Welt hinter dem Horizont versinkt. Deshalb, weil ja der Kollege auch nichts darüber schreibt.

Die Medienkrise wäre also primär das Problem einer begrenzten Alterskohorte, die strikt darauf achtet, dass niemand ins System gelangt, der nicht ihre Ansichten teilt. So kommt es, dass solche Schlachtkreuzer im Extremfall sogar aus allen Rohren auf das potentiell eigene Publikum ballern, wie derzeit just der ‘Cicero’ … andererseits aber ist am Wochenende auch CDU-Parteitag, und da gilt es im Vorfeld, die aufflammende Schwarz-Grün-Debatte mit allen medialen Mitteln auszutreten.
 
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42 Kommentare

  1. Wolfgang Michal |  03.12.2012 | 16:18 | permalink  

    Der Cicero fährt jetzt die Roger Köppel-Strategie der Achse des Guten.

  2. Christoph Seils |  03.12.2012 | 17:02 | permalink  

    Nur die Hälfte der Texte gelesen und schon wird aus einer Debatte eine Kampagne, dass nennt man dann wohl am Klo vorbei gesprungen…
    http://www.cicero.de/dossier/kommt-jetzt-das-oeko-buergertum
    Christoph Seils, Magazin Cicero – Ressortleiter Online

  3. Klaus Jarchow |  03.12.2012 | 17:28 | permalink  

    Ach ja? Tagelang Rants, garniert mit zwei Alibibeiträgen. Headlines wie “Der neue Sound des Vollkorn-Bürgertums” haben mit Vorurteilen auch eher wenig zu tun, sondern mehr damit, dass hier wohl der kecke Pegasus mit dem wortgewaltigen Herrn Seils durchging.

    Aber gut, ich antworte besser gar nicht selbst, sondern ich lasse unter Ihrem Beitrag zu dieser ‘Non-Kampagne’ mal Ihr Publikum zu Wort kommen: “Es ist so niedlich, wenn Unverständige versuchen, etwas zu erklären, was sie partout nicht verstehen wollen – und es dann (notgedrungen) in ihr eigenes kleinkariertes Weltbild pressen müssen. Am Ende weiss man immer, wie es im Kopf des Erklärenden wohl aussehen mag … aber über den Inhalt des zu Erklärenden ist man auch nicht schlauer als zuvor. aber immerhin hat man mal in eine spinnwebgarnierte Rumpelkammer gucken durfen.” Mir ist nur nicht ganz klar, worauf der Schreiber mit dieser absolut unfairen Tirade zielte, auf die ‘Rumpelkammer’ unterhalb Ihrer Haarwurzeln oder auf Ihren ‘Cicero’ in toto. Jedenfalls, zu einem ‘Publikum’ scheint mir auch der nicht mutiert zu sein …

  4. Gabriele_Kaufrausch |  03.12.2012 | 18:09 | permalink  

    Vielleicht wollen sie vom Focus Leser/innen abwerben und gehen deshalb auf das dortige Niveau.

  5. hardy |  03.12.2012 | 19:35 | permalink  

    klaus,

    ich erkläre es dir nur zu gerne ;-)

    du hättest an der stelle auch einen anderen kommentar zitieren können, in dem ich dem autor erkläre, daß ich meiner ältesten die erste ausgabe von cicero gekauft habe, um sie zum lesen von zeitungen zu verführen – was mir damals mit den ersten heften auch tatsächlich gelangt.

    nur heute würde die mich angucken, als ob ich sie nicht mehr alle hätte, wenn ich das noch mal mit dem cicero probiert hätte – das heft ist zu einer klitsche für alte herren verkommen … und entsprechen sind auch die “witze”.

    “skeptikern”, die man besser “ignoranten” nennen sollte sei dies an herz gelegt

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/11/30/drw_201211301502_grenzen_des_wachstums_-_gespraech_53367af2.mp3

    und wer’s nicht verstanden hat

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/11/30/dlf_20121130_1636_035a4212.mp3

    viel spaß mit der verheerenden einsicht:

    “pont of no return? wir sind schon längst drüber. have a nice life”

  6. Klaus Jarchow |  03.12.2012 | 20:11 | permalink  

    @ hardy: Das mit der ‘Klitsche der alten Herren’ stimmt nicht ganz. Es geht nicht um Hans-Olaf Henkel oder Arnulf Baring. Es sind wohl eher Leute in den Endvierzigern oder in den frühen Fuffzigern, also ‘in den besten Jahren’, die sich zwar schon die Haare färben lassen müssen, die sich aber noch immer für ‘hip’ halten. In ihrer Jugend hießen sie mal ‘Popper’, das waren also diejenigen, die ‘Spandau Ballet’, ‘ABC’ und derartige Lenor-Musik für cool hielten und glaubten, bei allen großen Weltfragen ginge es bloß um Klamotten oder Cocktails … kurzum – es ist diese Ulf-Poschardt-Generation, welche die neue Welt nicht mehr verstehen kann, weil sie unverdrossen glaubt, es wäre doch sie, die so etwas von ‘postmodern’ sei. Dass nach ihrem ‘post’ die Post dann nochmals richtig abging, das verstehen sie schon nicht mehr. Und deswegen verwechseln sie auch ständig vorne und hinten …

  7. hardy |  03.12.2012 | 20:26 | permalink  

    klaus,

    ich merke – du siehst das _haargenau_ so wie ich …

    das ist das, wenn ich immer darüber klage, daß die aktuelle generation von journalisten es einfach nicht _kann_, weil ihnen das wissen über und das verständnis/wissen der dinge komplett abgeht.

    die tun nur noch so “als ob”.

    in “wirklichkeit” hatten sie es nur drauf, ein “erzeugnis” zu verkaufen – und gerade geht ihnen die fähigkeit ab, weil sie zT. ihre leserbriefspalten mit ihrer kundschaft verwechseln.

    jeder vollidiot spuckt seinen mageninhalt in solche kommentare – und die, die eigentlich “kundschaft” wären (ich zb.), sind so angewidert von der dummheit, die aus solchen kommentaren, daß sie sich in der regel an dem “zirkus” nicht mehr beteiligen.

    ich denke, herr seils war damals für die “zeit” zuständig, als ich die redaktion anschrieb (muss um 2004/5 herum gewesen sein) und sie über die (ersten) rassistischen beiträge in ihren kommentaren aufmerksam machte (und natürlich gleichzeitig den zentralrat der muslime) und sie als redaktion doch bitte mal “kommunizieren” und stellung beziehen sollten.

    ergebnis: die zeit führte eine “nanny” ein, die den beiträgen die “schärfe” nahm. leider auch denen, die sich gegen diese entwicklung richteten. heute gehören diese foren genau diesen leuten und ich poste da höchstens eins, zwei mal im jahr. weil es mir zuwider ist, dem pack als popcorn zu dienen.

    im “handelsblatt” habe ich in einem halben jahr genau _einmal_ erlebt, daß ein autor seinem widerwillen gegen das unterirdische treiben ausdruck verlieh, _ein_ mal, was angesichts des sumpfes, der dort herrscht, schon auf leidensfähigkeit oder heimliche paktiererei schliessen läßt.

    ich denke mal, die kommen zunehmend zur überzeugung, daß haargenau das ihr zielpublikum sein könnte – und bedienen es eben.

    so kommen dann diese altherrenwitze zustande.

    pochard ist übrigens die pest. früher habe ich ja noch den rolling stone gelesen, dann bekam er ihn in die finger. dafür ist mir mein geld nun wirklich zu schade.

  8. hardy |  03.12.2012 | 20:58 | permalink  

    ps. es war märz 2007, es ging um den islamophoben beitrag eines detlefbarkman, der heute nicht mehr gross auffallen würde. 90% der kommentare sind ja heute von solchen irren …

  9. Art Vanderley |  03.12.2012 | 21:00 | permalink  

    Zunächst mal gibt es das kleinbürgerliche Öko-Publikum tatsächlich . Ökologisch geprägt , sonst eher kleinkariert, als Teilaspekt der gesamten Öko-Ecke.
    Die angeführten Cicero – Passagen zielen aber keineswegs in diese Richtung , sondern attackieren die überwiegend völlig berechtigten Inhalte.

    Wo aber die Wut auf diesen Typus herkommen könnte , wird im thread gleich mitgelifert:
    “Denn die Frage ist doch, welches Publikum hier beschimpft wird. Es ist die gebildete, bürgerlich kultivierte Leistungselite aus den Reihen der ‘LoHas’, die sich hier derart niedermachen lassen muss, obwohl sie im urbanen Raum längst die Mehrheiten stellt. ”

    Würg! Ich brauch nen Eimer.

    Ich habs mehrfach gelesen , aber dieser Satz ist offenbar eine Verteidigung dieser ” Leistungselite” , wenn nicht , bitte ich , mich zu korrigieren.

    Kultiviert , Leistungselite , oh Gott….

    “In ihrer Jugend hießen sie mal ‘Popper’, das waren also diejenigen, die ‘Spandau Ballet’, ‘ABC’ und derartige Lenor-Musik für cool ….”

    Wow , gerade vor zwei Tagen hab ich mit einem Kumpel über diese Fraktion gesprochen , die immer sehr schnell dabei war , eine bestimmte Musik einem bestimmten Typus zuzuordnen , daß es das immer noch gibt…..

    Ulf Poschardt allerdings ist zum Kotzen , da stimme ich voll und ganz zu.

  10. hardy |  03.12.2012 | 21:21 | permalink  

    art,

    ich würde es hassen, als “kleinbürgerlich” verstanden zu werden. ich war, bin und bleibe ein “freak”. so nannte man nerds, bevor das wort in umlauf war.

    und – natürlich – definiere ich mich auch über die musik, die ich höre (can, die dead, moondog) und verstehe den kulturellen unterschied, der sich aus so etwas automatisch ergibt: die einen sind über rockmusik _sozialisiert_ – die anderen nur auf einen hippen zug aufgesprungen. “popper”, damit hat klaus absolut recht, ist genau diese generation politisch indifferenter und nur am konsum interessierter maden, denen aber leider als generation das land gehört.

    eine denkfigur dieser “so als ob” yuppies ist etwa “die 68er”. die ja – dummerweise zu ideologisch – politisch waren und somit immer diesen geschmack von schlechtem gewissen hinterlassen, weil yuppies halt komplett unpolitisch sind.

    die “kritik” von yuppies, poppern oder wie immer man die nennen will, steht unter diesem selbstrechtfertigungszwang: man will “kritisch” sein (mein lieblingsbeispiel sind interviews im heute journal: aggressiv und zu dumm zum zuhören) mit politikern. es geht nicht mehr um den inhalt, es geht um die form.

    und ja:

    [...] Zunächst mal gibt es das kleinbürgerliche Öko-Publikum tatsächlich

    stimmt. nur, die sind nicht “grün” oder als “grüner” wird man “so”. es ist eher so, daß es den bourgeois schon immer gab und immer geben wird, er hat halt ein zeitgeistkostüm an. hier hier – denkfigurenmäßig – das pferd von hinten gesattelt.

    und das mit absicht: man will ein schwein sein (schade, daß ich das hier nicht mit der stimme von wolfgang neuss, “die mauer” posten kann) und erträgt es nicht, daß sich andere gedanken/sorgen machen – also wird gestänkert, die dinge verdreht.

    nicht die grünen sind “bürgerlicher” geworden, die bürgerliche gesellschaft ist grün geworden. so wird ein schuh draus – und was aus den cicero-artikeln aus jeder pore stinkt, ist der versuch, sich gegen die modernisierung der gesellschaft zu sträuben, so zu tun, als verstünde man nicht, daß uns die k****e bis zum kinn steht und fröhlich im wald zu pfeifen.

    “grüne”, so wie ich sie verstehe (nicht diese masse, die in die neue grüne mitte strömt) sind spaßverderber – und die lieblingsplatte von pochard, seils und co ist

    markus – ich will spaß.

  11. hardy |  03.12.2012 | 21:32 | permalink  

    kleines ps, weil vor drei tagen sein todes tag war: harry graf kessler.

    [...] Kultiviert , Leistungselite , oh Gott….

    guck, es ist im grunde so, daß man sich an diesen dummbratzen, die die medien dominieren orientieren kann und sich über “kultiviert” sein erregt. ich finde die kenntnis seines namens, seiner geschichte und eines teils seiner tagebücher (google ist dein freund) hat mich _bereichert_ und etwas zu meiner “kultivierung” beigetragen.

    man darf heute montaigne, kessler und “the dark knight returns” (den comic) nebeneinander stellen und kann “kultiviert” sein. du verwechselst da, glaube ich, deine eigenen vorurteile mit dem, was an “kulturschatz” auf dich wartet, wenn du nur daran interessiert wärst.

    so spielst du den lafontainschen fuchs. (äh, nicht _der_ lafo sondern der, den man kennt, wenn man “kultiviert” ist …)

    laß also bitte nicht zu sehr den punk raushängen, ich war auch einer. ca 1976 …

  12. theo |  03.12.2012 | 21:33 | permalink  

    Ich wusste gar nicht, dass Cicero überhaupt noch existiert. Na ja, es erscheint wohl auch mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

    Ich kannte auch nicht Herrn Grau und weiß nun dank seiner Homepage:

    “Für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und manager-magazin-online schreibt Alexander Grau zudem über die wirklich wichtigen und interessanten Dingen des Lebens: Herrenmode, Genussmittel, Accessoires und all die anderen Sachen, die das Leben schöner und besser machen.”

    Tja. Noch Fragen? ;-)

  13. Wolfgang Michal |  03.12.2012 | 23:02 | permalink  

    Noch ein Kommentar für die schöne Sammlung:
    http://www.cicero.de/salon/transparenz-ist-die-tugend-der-lumpen/52488

  14. Klaus Jarchow |  03.12.2012 | 23:14 | permalink  

    Oh Mann, Wolfgang – wo hast du den denn her? Aus der Grabbelkiste mit den Leuchten des Abendlandes? “Der Erfinder der Transparenz ist Martin Luther.” Klar – ausgerechnet jener Mann, der sich jahrelang als ‘Junker Jörg’ ganz stiekum auf der Wartburg verkroch. …

    Noch so’n Mitglied der immerfort wachsenden Pippi-Langstrumpf-Fraktion. Tritt zumeist als Journalist auf. Widdewiddewitt …

  15. Klaus Jarchow |  03.12.2012 | 23:22 | permalink  

    @ Art Vanderley: Das ist keine Erfindung von mir – diese Figuren definierten sich tatsächlich nur über Äußerlichkeiten, über ihre Cashmere-Pullover, über Pappis Beruf, über ihre Frisur, über ihre Musik usw. Über ihre Gedanken konnten sie sich schlecht definieren – da war Hohlraum, bestenfalls Stuckrad-Barré, juchhe!

  16. Peer Steinbock |  04.12.2012 | 00:51 | permalink  

    @ Klaus Jarchow: Die anderen Menschen nennen Sie “diese Figuren”, in ihren Köpfen sehen sie “Hohlraum”.
    Als was würden Sie sich bezeichnen?
    Gibt es Anzeichen, dass sich unterhalb Ihrer Haarwurzeln mehr befindet?

  17. hardy |  04.12.2012 | 02:41 | permalink  

    peer,

    “früher” hatte man, wenn man denn in die emphase kultivierter empörung verfallen musste, wenigstens noch mit dem begriff “_charakter_-masken” zu kämpfen, wenn man respekt für die eigene person einfordern musste. oder dem vorwurf, ein “reaktionär” zu sein …

    heute kann ich da leider nur noch ken-kopieen (eben hohle figuren) erkennen, die die in den 60ern und 70ern begonnene entwicklung der gesellschaft in den 80ern/90ern mit ihrer höhnisch, konsumistischen yuppie-attitüde in ein neues biedermeier verwandelt haben, in der marcus lanz als kummulation der allgemeinen mittelmäßigkeit repräsentativen charakter bezitzt.

    willkommen in der rumpelkammer voller spinnweben, der adenauerwelt, an die sich die yuppie-kens angepasst haben – und, um davon abzulenken, wie spießig sie selbst geworden sind, wird halt über die gelästert, die sich _angeblich_ angepasst haben.

    oder zur abwechslung – wenn man sie denn so nennt, wie sie sind – weinerlich respekt einfordern und auf den einhalt der guten manieren pochen. süß.

    wovor sollte ich zb. denn respekt haben? vor der “leistung” dieser “elite”, die – seit zwanzig jahren mit dem internet konfrontiert – unfähig ist, damit umzugehen?

    statt dessen: snobistische yuppies auf koks, die nur höhnen, spotten, ausgrenzen, elite-bewusstsein raushängen lassen.

    nur eben eben “nichts _ernst_ nehmen”.

    nicht das internet, nicht die klimaveränderungen, nicht die tatsache, daß die welt nun leider ab sofort, sollte die sache “gut” gehen, den freaks und nerds gehören wird. also denen, die sich schon mal ein paar gedanken machen, ein paar sorgen.

    nicht dieses geschwätz von “lagerwahlkampf”, “bürgerlich” oder “premium” etwa oder eben die daily soap der jagd auf die nächste sau, mit dem die kens seit 30 jahrzehnten medial alles blockieren, was dank der tatsache, daß sie im kopf hohl sind einfach nicht _verstanden_ werden kann. die anhänger des neolib-kults, die denken, es “rechne” sich, redaktionen zu “straffen” –

    wenn man erst mal den rechten euphemismus hat, geht der rest wie von selbst, betonte der lemming, bevor er den nächsten, entscheidenden schritt nach _vorne_ machte.

    schon okay, die hohlen figuren haben ihre welt eben in besagten soaps und nachmittäglichen talkshows ertastet, man kann ihnen keinen vorwurf daraus machen, daß sie hohl sind. den macht klaus ja auch nicht, er stellt nur _zurecht_ fest: hohle popanze.

    wovor sollte man also respekt haben?

    heute sitzen immer noch zunehmend inkompetentere “nieten in anzügen” (buchtitel aus den 90ern, wenn ich recht erinnere, es hat sich nichts geändert) an den stellen, an denen das land weiterentwickelt werden sollten.

    die sollten ideen haben, eine “vision”, einen “plan” – statt dessen: ratlosigkeit.

    gejammer, ausgesprochen dumme ideen wie dieses LSR, “alternativlosigkeit” (sprich “uns fällt gerade nix besseres ein…”), ausgrenzung, hohn und spott über alles, was man einfach nicht versteht …. na danke.

    sorry, peer, das verdient keinen respekt – nur verachtung.

    nicht die grünen sind schuld, daß sich dieses land in eine provinzielle klitsche verwandelt – die sind gerade mal in BaWü “an der macht”.

    nope, es sind genau diese angepassten hohlen figuren, die “haltet den dieb” kreischen …

  18. Klaus Jarchow |  04.12.2012 | 08:22 | permalink  

    @ Peer Steinbock: Wenn Sie mögen, dürfen Sie sich in meinem Fall 620 Seiten lang von vorhandener Gehirnsubstanz überzeugen. Jedenfalls spanne ich nie mal eben den Luther und die Transparenz vor meinen Karren, egal, ob sie sich vertragen, nur weil mir just nach unhaltbaren Behauptungen zumute war. Und ‘diese Figuren’ – die sind doch selbst vor allem darauf bedacht, überall ‘bella figura’ zu machen. Weshalb sollte ich sie dann nicht so nennen, wie sie sich vorkommen …?

  19. Peer Steinbock |  04.12.2012 | 14:40 | permalink  

    @Klaus Jarchow: Ihr Buch habe ich mir schon längst gekauft, allerdings nur die elektronische Fassung.
    Ihre herablassende Art anders denkenden oder fühlenden oder lebenden Menschen gegenüber gefällt mir nicht. Was unterscheidet das von der sonst so viel beklagten “gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit”?

  20. Klaus Jarchow |  04.12.2012 | 15:37 | permalink  

    @ Peer Steinbrock: Damit dürfte doch dann ihre Frage nach dem, was ich unter dem Haarschopf trage, als bloßer rhetorischer Einwurf erwiesen haben. Herablassend handle ich übrigens nur solchen gegenüber, die unbegründet Überlegenheit zur Schau stellen. Wie in diesem Fall … wo ich ‘Figuren’ auf dem Schachbrett anderer Leute auch ‘Figuren’ nannte. Was in meinen Augen noch nicht einmal eine Invektive ist.

    Apropos – so herablassend, wie die hier glossierten Vorurteilten ihre erfundenen “Öko-Bürger” abmeiern, so derbe möchte ich gar nicht formulieren können: “eine besonders abstoßende Form der schönen neuen Welt”, “tiefe Sehnsucht nach Volksgemeinschaft”, “neue Spießer, mindestens ebenso selbstgerecht und vernagelt wie ihre Vorgänger”, “Möchtegern-Elite”, “Ökospießer”, “kultiviert ist nur, wer genießen kann” … all dieser hanebüchene Quatsch, der dort mit großbürgerlich sein wollender Grandezza wie Kamelle unters Volk geworfen wird, obwohl doch nur ‘dä Prinz kütt’. Aber klar, Herablassung ist es natürlich nur bei mir …

    Ihr Ausdruck ‘gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit’ ist mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen. Vermutlich aber meint der Begriff, dass man deshalb nicht gegen Nazis sein darf, weil ja auch in solchen Kreisen durchaus mal ein anständiger Kerl darunter sein könnte. Das allerdings wäre mir viel zu christlich gedacht …

  21. Peer Steinbock |  04.12.2012 | 17:01 | permalink  

    @Klaus Jarchow: Ihr Buch ist ganz schön lang, aber durchaus empfehlenswert. Die erste Hälfte habe ich schon durch. Aber das Lesen am PC ist mir zu anstrengend. Ich werde mir ein kleines Lesegerät zulegen. Ich tendiere zum Kindle mit Beleuchtung.

  22. Art Vanderley |  04.12.2012 | 18:51 | permalink  

    @ hardy

    Eins nochmal zur Klarstellung: Selbstverständlich ist niemand , der ökologisch denkt , automatisch ein Öko-Spießer , müßte ich mich bis zu einem gewissen Grad ja selber so bezeichnen.
    Ich teile auch diese Wut über das dümmliche Heruntermachen ökologischer Ideen , die wir noch bis vor ganz kurzer Zeit hatten.

    “die einen sind über rockmusik _sozialisiert_ – die anderen nur auf einen hippen zug aufgesprungen. “popper”, damit hat …”

    Naja. Was glaubst Du , wieviele Rockmusik-hörende Spießer ich schon getroffen habe …? Und es gibt doch wohl in diesem Bereich noch etwas mehr als “Popper” oder “Rocker” ….

    Ich denke übrigens nicht , daß sich diese neoliberalen Dummschwätzer tatsächlich aus dem Milieu der “Popper” generieren, nicht einmal die frühen Yuppies sind mit dieser Bagage einfach gleichzusetzen.
    Denke eher , das waren die “nerds” , richtig , aber eher so auffälig unscheinbare Typen , die entweder Amok laufen oder BWL studieren , um endlich mal zu den “Angesagten” zu gehören.

    “Ich will Spaß”

    Ach Quark- nicht jeder , der NDW-Zeugs gehört hat , wird später zum Neolib.

    Genau darum ging es doch , diese dröge Spaßfeindlichkeit der klassischen Linken aufzubrechen ,warum soll kritisches Denken immer mit Frust einhergehen?
    Und Kultur , habe ich nicht das Geringste dagegen , ich werde nur mißtrauisch , wenn jemand die eigene “Kultiviertheit” vor sich her trägt , die Erfahrung läßt dann eher das Gegenteil befürchten.

    @ Klaus Jarchow

    Klar gabs die .Es gab und gibt aber auch diejenigen , die alles , was mit elektronischer Musik zu tun hatte , automatisch dem aufkommenden Neoliberalismus zuordneten.

    Das will ich hier jetzt gar nicht unterstellen , aber da gab und gibt es die schönsten – und auch sehr amüsanten – Vorurteile.

    Bei “Spandau Ballet” mag da noch was dran sein , “We gotta fight for ourselves ” wurde sogar – zumindest laut einer arte-doku – als Sundtrack zum Thatcherismus bezeichnet.
    Bei ABC gehts dann schon los , und was ist mit Sachen wie human league oder heaven 17 ?

  23. Agnes Tillmann-Steinbuß |  04.12.2012 | 19:51 | permalink  

    Die zugespitzte These zum Papier-Zeitungssterben gefällt mir, den Beitrag habe ich gerade verlinkt.

  24. hardy |  04.12.2012 | 20:41 | permalink  

    @art

    ich weiss, ich neige zu vereinfachungen. nicht weil ich die dinge für “einfach” halte, sie sind es nie, und mir ist schon klar, daß es zwischen spandau ballet und captain beefheart eine menge platz für individuelle sozialisierungen gibt.

    [..] Was glaubst Du , wieviele Rockmusik-hörende Spießer ich schon getroffen habe

    siehst du, das ist doch der punkt: die “logik” der stammtischler würde jetzt zur “erkenntnis” führen, daß “die” rock-musik fans spießer sind. halt die art von “logik”, die nicht verstehen will, daß es nie “die” (grünen, rockfans …) gibt.

    die gibt es nur in den köpfen der leute, denen die welt zu komplex ist und die nun das, was in ihrem kopf ist, auf “die” (anderen) projezieren. das ist der kern meiner post auf “cicero”: der autor offenbart eben nur die spinnweben in seinem kopf, über “die” grünen sagt das nichts.

    es ist halt dieses “abgrenzungsding”. wir und die anderen.

    der gehört dazu oder eben nicht. da hat sich nun die gesellschaft seit den 60ern (dramatisch, ich hab’ erlebt und erlitten) verändert, geöffnet, alles wurde komplexer … und da kommen diese hirnis daher und schwafeln vom “bürgerlichen” lager

    dann bemerken sie, ooops, die gesellschaft kennt jetzt mehr grautöne/farben … eigentlich haben sie sich an die grünen angepasst – und wie reagieren sie: “alles ist schwarz weiss, ihr gehört nicht dazu. und vor allem _ihr_ seid die spießer”.

    jämmerlich.

    [..] milieu der “popper”

    art, es gibt eben die “verrückten” und die “normalen”. die verrückten hören “echte” musik die anderen konsumieren ein substrat, das so tut, als sei es musik. ist aber nur eine tapete oder ein bigMac aus synthetischen tönen. aber doch nicht rockmusik.

    unter den wenigen programmierern, die ich in den 80ern kennengelernt habe, war kein “popper”, alles kiffende & acid schluckende hippies, die hörten grateful dead und brachten ihre ideen aus ihrer sozialisation ein … du kennst das, man nennt es “freeware”. einer der texter der dead ist heute head der EFF (barlow).

    die hippies haben das internet erfunden … und nicht die redakteure des “cicero”.

    die popper grinsten mich damals an, wenn ich erzählte, ich programmiere gerade eine adressverwaltung und zogen ihre filofaxe raus – analgie klar? heute haben die alle handys ..

    die “normalen” spotten über die arbeit, die die “verrückten” sich machen, nutzen aber hinterher die errungenschaften und tun so als hätten _sie_ es erfunden.

    so ist das mit den grünen und ihrer rezeption durch den cicero. ewige, besserwissende popper, keinen plan von nix, aber die nie endende bereitschaft zur dummdreisten häme und zum blockieren des _besseren_, bis es eben nicht mehr geht und am ende die CDU (!) die akws stilllegt …

    sorry, ich finde _die_ gehören – nachdem ihr neolib konzept so gegen die wand gefahren ist, nicht mehr dazu – oder sie sollten zumindest mal langsam eine erklärung für ihr versagen bereit halten, statt sich lustig zu machen.

    dafür gibt es keinen grund – wir, die verrückten, haben unsere arbeit nämlich gemacht, die welt verändert, ihnen ihr spielzeug gegeben und sie … haben eigentlich nur höhnisch rumgegiftet, was nicht in ihre kleinkarierten köppe passt

    [..] Kultur

    auch hier, art, entweder geht es um die sache oder um die abgrenzung. “ich bin kultiviert” heisst dann übersetzt: du nicht! der rest ist dann das abfeiern von “ritualen” und “(dress)codes”.

    in dem sinne bin ich “unkultiviert wie sau” und immer noch ein punk. halt einer, der harry graf kessler, montaigne oder die tagebücher von pepys so schätzt wie die arbeit von moebius, yslaire oder bilal.

    für mich ist rockmusik “geschichtsschreibung”. für popper eben nur tapete.

    und: abc & heaven 17 sind natürlich großartig.

  25. hardy |  05.12.2012 | 02:10 | permalink  

    nachdem peer es da oben so schön demonstriert hat, liefert übrigens gerade die zeit eine weitere demonstration der herzergreifenden strategie.

    über jahrzehnte wurde über “die homos” & die “schwuchteln” gelästert, sie wurden ausgegrenzt und verhöhnt, man gewährt ihnen bis heute nicht die selben rechte, auf die man als “hetero” selbstverständlich ein g*ttgegebenes recht hat.

    und wenn sich mal was ändert, wie reagiert diese brut von ausgrenzern?

    sie fängt an zu jammern und zu heulen, wie unfair man mit ihnen umgeht …

  26. Klaus Jarchow |  05.12.2012 | 10:52 | permalink  

    @ hardy: Der Trick läuft doch anders – der Lenz Jacobsen dort in der ‘Zeit’ streicht die faktische Majorität gegen die Homoehe (vor allem in der Union) als eine arme verfolgte Minderheit an, die es allein aus Gründen der Demokratie zu schützen gelte, obwohl sie allesamt – was auch er konstatiert – in der Birne schon ein wenig weich und unterbelichtet seien. ‘Schützt unsere Doofen und ihr spießiges Habitat!’ lautet sein ökologisch-politisches Anliegen, nachdem er die bunten Playmobil-Figuren in einer feindlich konstruierten Umwelt entsprechend aufgestellt hat. Mit der Realität hat das allerdings nur wenig zu tun, es ist ein selbstverliebtes Plantschen im Anti-Mainstream, eine bloße Fingerübung. In den Public Relations könnte es der Mann noch weit bringen …

  27. hardy |  05.12.2012 | 18:29 | permalink  

    klaus,

    mit der “realität” habe ich so meine probleme – für mich sieht das nämlich so aus, daß diese “realität” für die “qualitätspresse” oder die cdu so etwas wie ein science fiction film ist – und für unsereins eher eine doku über die vergangenheit …

    gesellschaftlich sind in diesem land doch dinge gang und gäbe, “normal” und selbstverständlich, die dann die “nächste merkel” in einer kraftanstrengung einnorden muss … in ca 30 jahren.

    bis dahin werden beide weiter so tun, als lebten wir immer noch in den 60ern … schlimmer noch, sie werden dafür sorgen, daß es menschen gibt, die an diese erzählung glauben, sprich – sie sind verantwortlich für den stillstand, über den ich mich da oben so aufgeregt habe.

    das mit der “homoehe” (ich könnte schon kotzen bei dem wort alleine) ist, jedenfalls in meiner “realität” (und der meiner umgebung) so klar wie kloßbrühe.

    es ist so selbstverständlich wie die tatsache, daß ich hier in der (weit abgelegenen) region an jeder xbeliebigen tankstelle zwischen x verschiedenen sorten an jointpapers wählen kann, an der größten hier existiert gar ein super angebot an bongs … entweder sind unsere brummifahrer mittlerweile zu kiffern geworden oder es besteht eine nachfrage, die mit größter selbstverständlichkeit auch bedient wird.

    hier differerieren dargestellte “relität” und praktisches leben erheblich: diese gesellschaft ist in vielem erheblich weiter, als uns das von ewig gestringen jammeren propagiert wird.

  28. Art Vanderley |  05.12.2012 | 20:46 | permalink  

    @hardy

    “die “normalen” spotten über die arbeit, die die “verrückten” sich machen, nutzen aber hinterher die errungenschaften und tun so als hätten _sie_ es erfunden.”

    Da ist was dran…

    “für mich ist rockmusik “geschichtsschreibung”. für popper eben nur tapete.”

    Etwas pathetisch , im Kern aber richtig, irgendeine Musik hören , weil sie angesagt ist , nicht weil sie gefällt.

  29. hardy |  05.12.2012 | 21:26 | permalink  

    ist jetzt komplett “out of topic” …

    pathetisch?

    ich habe seit jahren einen kleinkrieg in sachen tv mit meinem mir angetrautem weib, die immer denkt, ich interpretiere da zu viel ‘rein. in den letzten beiden wochen lief in arte diese sehenswerte reihe “amerika im wohnzimmer” …

    und ooops, alles, was ich seit jahren zu diesem thema sage, stimmt.

    es ist eine frage, ob man – wie man “uns” das beigebracht hat – die rockmusik für etwas wie “unterhaltung” hält … oder versteht, daß rockmusik sozusagen die “lingua franca” unserer tage ist: jeder japaner “spricht” ac/dc fließend …

    auch wenn das noch pathetischer klingt: die rockmusik hat den planeten energischst verändert und war wohl die wichtigste sache der letzten 50 jahre vor dem internet.

    deshalb bin ich da auch so empfindlich …

  30. Klaus Jarchow |  05.12.2012 | 23:16 | permalink  

    Wo uns so schön das Thema entrauscht, darf ich dazu vielleicht auch noch mal was sagen: Ich alter Sack wurde damals mit Jefferson Airplane, den Dead, Incredible String Band, Can, Doors, Quintessence, Mahavishnu Orchestra, den frühen King Crimson, aber auch Blues wie Free, Van der Graaf, Mayall, Spirit, Allman Brothers, Brian Auger, Siegel-Schwall usw. sozialisiert. Ich wuchs halt in Bremerhaven auf, inmitten von lauter Vietnam-traumatisierten GI’s – ringsum musikalische Anregungen zuhauf.

    Der Abstieg begann, als auf einmal die Klamotten auf der Bühne wichtiger wurden als die Musik, um die es nach meinem Verständnis bei der Musik doch eigentlich gehen müsste: Als also T-Rex, Slade, Elton John, Sweet, Bay City Rollers, später Roxy Music und so’n Gesocks aufkamen, all diese Vorläufer, Vorbilder und Role-Models von Britney Spears, Justin Bieber, Madonna, Prince, Lady Gaga, wo die Optik das fehlende Können und die mangelnde Vision zu ersetzen hatte – auch, als der Beat Club auf einmal Musikladen hieß. Das alles hängt übrigens auch mit einem gesellschaftlichen Drogenwechsel zusammen, statt Acid und Shit wurde auf einmal Speed und Koks konsumiert, also die großen Unkreativmach-Drogen par excellence.

    Ich ging auf Tauchstation, schlug mich mit Green on Red, Replacements, Bevis Frond, Sister Double Happiness, Swell und ähnlichem randständigem Tüch durch, bis mit Uncle Tupelo, American Music Club, Giant Sand, Birddog, Centro-Matic, Gov’t Mule, Tortoise, Morphine, Lucinda Williams und ähnlichem allmählich wieder ein wenig Musikalität in eine verkorkste Billboard-Szene einzog, wenn auch eher ‘independent-mäßig’.

    Die Rockmusik ist ein wichtiger Teil jeder Biographie, denke ich. Nur lief es wohl bei jedem verschieden. Und es gibt Auswüchse, die sind bei keinem Menschen satisfaktionsfähig. Wer jemals das Synthie-Gefiepse von Depeche Mode, Duran Duran, Visage und ähnlichem liebte, alles das, was damals in der Presse ‘romantisch’, ‘unbeschwert’ und ‘tanzbar’ hieß, aus dem wurde im Leben nichts Kulturtragendes mehr. Und ich habe dann ihm gegenüber Vorbehalte …

  31. hardy |  06.12.2012 | 00:38 | permalink  

    schon interessant, daß ich – als eingefleischter deadhead – deine liste (incl. siegel schwall, die ja nun wirklich am rande des horizonts liegen mit ihrer wunderbaren “3 pieces for orchestra”) mit heftigen kopfnicken abarbeiten könnte und zur feier des tages jetzt “blues from laurel canyon” auflegen werde.

    das gilt zum teil auch für die neueren sachen, ich denke mal für opal, dream syndicate, phish etc. hat die zeit nicht gereicht. die “paisly cowpunks” haben übrigens ca 1983 bei mir dazu geführt, daß ich meine maxisinglecollection auf den tapes gelöscht und danach wieder nur ganze “lps” gehört habe – und ich würde natürlich auch die punky-reggae-party und den krautrock d’rauflegen ;-)

    mit der rockmusik ist es wie mit den computern: die idee als solche, die sprache, all das ist in der welt und kann nicht mehr in die flasche zurück, und nun verständigt sich der planet langsam aber sicher.

    auch die vermarktung des einen wie des anderen ist parallel, aus einem saftigen steak wird nun der leicht konsumierbare whopper für die massen.

    dem teil mit den drogen kann ich natürlich auch nur zustimmen, hier haben halt die drogen, die “leistungsfähiger” machen sollen die, die das bewusstsein erweiterten, ersetzt. aber – wie ich da oben andeutete – auch hier ist natürlich die masse derer, die kifft, in diesem land so dramatisch angestiegen wie beschrieben. jede tankstelle führt heute “paraphernalia”.

    das macht mich nicht sonderlich unglücklich, weil wir ja dabei zusehen, wie die dahinter stehenden ideen zwar für ein paar jahrzehnte zu schlafen schienen, sich aber – siehe zb. die idee der “freeware” – a la longue einfach durchsetzen. die hippies haben das internet und die sozialen netzwerke erfunden (“the well” …) und jetzt sickern ihre gedanken konstant in die gesellschaft.

    seit man sich nicht mehr “die gammler” anhören muss, die ideen also vom image getrennt agieren, hält das ja auch jeder für “normal”.

    [...] Nur lief es wohl bei jedem verschieden

    so ist es, aber wie man sieht: so verschieden auch wieder nicht.

    als ich vor 20 jahren ins netz ging, lebte ich noch in diesem “deadhead”-elite bewusstsein, ich hatte ja auch meinen ra. wilson gelesen (70er) … überraschung: das waren damals _alle_ und alle hatten ihren “cosmic trigger” drauf, der erste hacker, der ins pentagon eindrang, hatte seinen nom de guerre direktemang aus “illuminatus!”.

    im frühen spiegel forum zeigte sich, daß auch so gut wie alle kiffer waren (jedenfalls die, die damals an meinem kamin herumlagen und die ernte des jahres verkosteten). wenn man, wie ich, in einen “flamewar” verwickelt wurde, konnte man seinen “gegner” dadurch in die falle locken, daß man dezent fragte, was bei “ecstasy” zu beachten sei, dem gegenüber dabei zugucken, wie er sich auf den köder stürzte und sich dann der ungehemmten solidarität derer gewiss sein, die sich von einem pinscher nicht in ihrem drogenkonsum anpieseln lassen wollten ….

    wir sind nicht so “verschieden”, wie wir uns das manchmal “einbilden”. wir hatten damals bloß noch nicht zusammengefunden und erkannt, wie ähnlich wir uns doch sind. vorher waren wir dem geschnatter ausgesetzt, das uns in unsere ecke drängen sollte und uns als nerds oder freaks ausgrenzen wollte.

    heute gehört, in aller bescheidenheit, _uns_ die welt.

    wie’s aussieht, lernen wir auch gerade, das geschnatter von der message (die ja das medium ist) zu unterscheiden. wir leben jetzt halt mit denen, die diese ganzen entwicklungen zwar er- und durchleben, die aber nicht diesen schritt zurück treten, um eine perspektive auf “das ganze” zu bekommen und zu fragen: woher kommt das?

    einfache sache: das internet wurde von acid schluckenden freaks erdacht und zuerst belebt, die – behauptet jedenfalls tim leary – ja erst einmal acid schlucken mussten, um überhaupt in der lage zu sein, einen “neuen raum”, den cyberspace zu betreten.

    die squareheads hätten das nicht gekonnt in ihrer borniertheit, aber als die tür auf war, sind alle zur party gekommen. da sind wir jetzt: sie konsumieren es und finden sich selbst immer noch schrecklich wichtig und cool. wie die popper eben. und vor allem: sie behaupten, sie hätten diese party veranstaltet, alles ihre idee.

    sieht man, wie sie darin agieren (LSR, gejammer der “konservativen”, publizistik) kommt man zum ergebnis: nein, sie haben die sache als solche offensichtlich immer noch nicht verstanden und umgehen können sie auch nicht damit.

    die wollen wieder zurück in die 60er. und wenn ich mir gerade so anhöre, daß die frage “wer regiert demnächst das internet” diskutiert wird, befürchte ich, daß wir demnächst vielleicht mit renationalisierten netzen zu tun haben könnten.

    und zuständen wie in ungarn.

    grüße von hie nach da.

  32. Peer Steinbock |  06.12.2012 | 01:03 | permalink  

    Was ist das für ein spätpubertärer Quatsch? Wer denselben Musikgeschmack hat, gehört zu den Guten. Wer etwas anderes hört, hat einen schlechten Charakter. Vielleicht ist es auch ein Warnsignal für Alzheimer, wenn man sich nur noch an die Musik seiner Jugendjahre erinnert.
    Ich wurde nicht mit den Rolling Stones sozialisiert, sondern ich hörte ihre Platten gerne. Nie aber würde ich jetzt noch in ein Konzert dieser reichen, alten Männer gehen.

  33. hardy |  06.12.2012 | 02:12 | permalink  

    peer,

    es ist keine frage, _was_ jemand hört. es geht darum, was es aus einem macht, in welcher umgebung man das hört und welches selbstverständnis daraus entsteht. rockmusik “steht” ja für “etwas”. für gefühle, ideen, überzeugungen. bei den meisten – gerade in den 80ern – eher für gefühle.

    das mit den stones verhält sich so wie mit der madelaine in “auf der suche nach der verlorenen zeit”. es gibt menschen, bei denen das die erinnerung an ihre kindheit oder jugend wieder wach ruft. andere bekommen dieses gefühl eben in einem konzert von bon jovi. für spätgeborene ist es eben “nur ein kuchen” …

    bei cicero (um zu deren intellektuellen basis zurückzukehren) hört man wahrscheinlich jon bon jovi oder, wenn man sich irgendwie “punky” fühlt, gönnt man sich eine karte zu einem stones konzert, weil die so “aufmüpfig” sind.

    da war der freiherr mit seinem ac/dc fandom schon “weiter entwickelt”

  34. Klaus Jarchow |  06.12.2012 | 09:22 | permalink  

    @ Peer: Ganz kurz. Jugend hat sich seit jeher entlang von Musikrichtungen aufgestellt – aber darum geht es hier nicht. Es gibt noch einen anderen Unterschied, ob man Musik hört, weil es Musik ist, oder ob man Musik hört, weil es zur Mode dazu gehört. Es geht auch nicht um alte oder neue Musik, sondern um Lüge oder Wahrheit. Von letzteren gibt es auch heute noch so einige

  35. Art Vanderley |  06.12.2012 | 19:07 | permalink  

    @ Klaus Jarchow

    Diese reinen Kunstprodukte nerven ,schon klar , boygroups und ihre Nachfolger, aber Bieber und Gaga gleichsetzen , da gehts schon los…

    Hinter ihrer Haltung steht genau das , was ich befüchtet habe , diese alten Vorurteile der ach so toleranten Alternativszene gegenüber allem “Synthetischen”.

    Und immer hat man den Eindruck , es ginge um eine Art religiösen Kulturkampf , genau deshalb konnte und kann man diesen Typus des Alternativen so schön auf die Rolle nehmen…

    Klar , Depeche Mode – Hörer , alles kulturlose Idioten , also auch meine Wenigkeit , Visage,” fade to gray “, tolles Stück ,aber sorry, ist ja nur Gefiepse…

    Es wird mir ein weiteres Mal klar , warum ich lieber als oberflächlicher Trottel gelte , zumindest nach dieser Sorte alternativer Maßstäbe , als allzu viel zu tun zu haben mit Jenen , die allen Ernstes glauben , ihr eigener Musikgeschmack sei das Maß aller Dinge , und die letztlich auf ihre Art genauso verbohrt sind wie jene , die schon beim Aufkommen des Rock`n Roll über die Verderbnis der Jugend schwadronierten.

  36. Quentin Quencher |  06.12.2012 | 21:18 | permalink  

    Tja, getroffene Hunde bellen. Mag sein dass der Cicero teilweise überzeichnet, doch es durchaus nicht neu was da zu lesen war und ist. Aber es trifft den Kern der Sache. Das neue grüne Bürgerlichkeitsspießertum unterscheidet sich vom Biedermeier nur insofern, dass letzterer keine Ideologie benötigte.

  37. hardy |  06.12.2012 | 22:26 | permalink  

    art,

    [...] “visage”

    also, ABC ist grandioser “kitsch” im besten sinne des wortes und Heaven 17 politisch & zynisch bis in die knochen, damit kann ich etwas anfangen.

    visage ist eher “new romantics”. spielt also im umfeld von, sagen wir mal, culture club. junge menschen, die sich lustige kostüme anziehen und wie die “jeunesse doree” party machen – die revolution ist vorbei, laßt uns spaß haben.

    kann man mögen (madelaine), kann man angesichts der permanenten bedrohung des gesamten planeten durch atomraketen sogar verstehen (“tanz auf dem vulkan”, hansaplast).

    es ist aber, wenn es einem um die musik geht, “unbefriedigend”. das macht nicht “satt” und ist – ohne kulturkampf-attitüde – ein “whopper”. lecker, wenn man es mag, aber eben kein steak.

    das steak in dem sinne war die erste version von “ultravox!” (noch mit ausrufezeichen und john foxx, der ja später von midge ure ersetzt wurde).

    das mag jetzt “geschmackssache” sein, aber mir geht es eben mit “my sex”, “hiroshima mon amour” etc besser als mit “fade to grey”. letzteres ist “konsumierbar” – erstere konnten einen damals ziemlich “verstören”.

    gute musik sollte “verstören” oder “satt machen”.

    ansonsten ist es so, wie wolfgang das erklärt hat: man hat eine peer group und entweder glück oder pech. wenn in deiner peer group damals eine mischung aus (sagen wir einmal) XTC, kevin coyne, the ruts, can, max romeo oder quicksilver messenger service zb. gelaufen wäre, wärst du heute kein fan von depeche mode.

    nichts gegen depeche mode: ich fand simple minds oder – schlimmer noch – the smiths damals viel gruseliger ;-)

  38. Klaus Jarchow |  07.12.2012 | 09:59 | permalink  

    @ Art: Ach Quatsch – Vorbehalte gegen ‘Synthetisches’: Wäre das so, dann hätte ich ja den ganzen Postrock, die Chicago-Scene nie mit Begeisterung hören dürfen – Tortoise nannte ich als Beispiel ja schon, dazu völlig durcheinander wüstes Zeug wie Young Marble Giants, Euclid, Letter E, Don Caballero, Little Axe, Vetiver, Tricky, Trans Am, Folk Implosion, ST 37, Sonic Youth, Six Organs of Admittance, Red Stars Theory, Hugo Race usw. usf. Überall fiepste und waberte das bis zur Hirnerweichung, alles wurde -zigmal durch die Halbleiter gedreht.

    Mein Hang, musikalisch zur amerikanischen Seite zu neigen, hängt eher damit zusammen, dass die USA größer sind und mehr Vielfalt bieten, wenn du Konfektionsklitschen wie New York, LA, Vegas oder Nashville mal verlässt. Während in GB alles im kleinen und maßlos überschätzten London seine Inzucht betreibt, wo zugleich nicht erst seit Malcolm McLarens Tagen die Musik immer eng mit ‘Klamottigkeit’ verknüpft war, also mit der Mode-Szene. Neue Musik konnte demnach nur gut sein, wenn du zugleich einen bestimmten Dress-Code prägtest oder ihm folgtest. Das aber gehört nun mal nicht zusammen – das ist zumindest meine Meinung, und dieses Missverständnis des Musikalischen verbindet dann wiederum auch Lady Gaga und Justin Bieber. Hauptsache, gut aussehen, den Rest macht dann der Mann am Mischpult. Noch anders ausgedrückt: Beide haben keine Stimme …

    Das ist jetzt aber mein letzter Beitrag zum Thema – der Thread ist eh schon völlig ausgeartet. Sorry, Carta.

    @ Quentin Quencher: Geht’s dir denn jetzt besser? Und grüß’ mir die avancierten Bildungsbürger von der Schützenbruderschaft ‘Zum röhrenden Hirschen’ …

  39. beyerle |  07.12.2012 | 16:27 | permalink  

    Cicero kann man beglückwünschen, dass Leute wie dieser dauerschwallende Jarchow nicht zu seinen Käufern und anscheinend auch Lesern zählen

  40. Klaus Jarchow |  07.12.2012 | 17:32 | permalink  

    Oha – ein Justin-Bieber-Anhänger …

  41. Art Vanderley |  07.12.2012 | 20:55 | permalink  

    @ Klaus Jarchow

    “wo zugleich nicht erst seit Malcolm McLarens Tagen die Musik immer eng mit ‘Klamottigkeit’ verknüpft war”

    Da muß man aufpassen ,stimmt , man kann die Musik aber auch hören , ohne den Modequatsch mitzumachen.

    “Neue Musik konnte demnach nur gut sein, wenn du zugleich einen bestimmten Dress-Code prägtest oder ihm folgtest. ”

    Da ist was dran , da gab es regelrechte Ideologen , allerdings auch von der “Gitarrenfraktion” her , um mal selber ein Klischee zu dreschen.

    Gab und gibt übrigens nicht wenige Fans von Depeche Mode und Konsorten , denen es von Herzen egal war und ist , ob sie nach Meinung Anderer einen dresscode zu befolgen hätten , und das sind und waren oft die interessantesten Leute.

    Sonic Youth sind übrigens Klasse .

    @ hardy

    “das mag jetzt “geschmackssache” sein, aber mir geht es eben mit “my sex”, “hiroshima mon amour” etc besser als mit “fade to grey”. ”

    Hab ich keinerlei Probleme damit , ich ziehe selber gerne mal vom Leder , wenn mir eine bestimmte Musik so richtig auf den Keks geht .
    Das gehört dazu , ich finde nur den Rückschluß auf Kulturlosigkeit und auf den Menschen selber verfehlt.

    Die frühen simple minds sind nicht schlecht “I travel” z.B.

  42. hardy |  08.12.2012 | 02:18 | permalink  

    @wolfgang

    [..] der Thread ist eh schon völlig ausgeartet. Sorry, Carta

    leben neigt nun einmal dazu “auszuarten”, nur totes läßt sich schön ordentlich aufreihen und der eher persönliche anteil läßt doch erst den menschen hinter einem text erkennen. abstraktes führt zur projektion und schneller zu dem, was jürgen vielmeier unlängst beschrieben hat.

    [..] young marble giants

    sind ja gerade als “the xx” in einer jugendlichen variante wieder auf dem markt.

    @art

    [..] ich finde nur den Rückschluß auf Kulturlosigkeit …

    es geht weniger um kultur-”losigkeit” als unterschiedliche kulturen, “stämme” mit differierenden “wortschätzen” und den daraus resultierenden mißverständnissen. erst dann geht es um abgrenzung des eigenen “tribe” gegen einen anderen.

    wenn kiddies zb. tokyo hotel “total blöde” finden, tun sie das ja in der regel, weil sie glauben, sich gegen die “freaks” abgrenzen müssen, um “normal” zu sein. sie wissen sie nicht, daß junge israelis und franzosen deutschkurse besuchen, um deren texte zu übersetzen – was mich wiederum zum “fan” macht, auch wenn die musik todsterbenslangweilig ist.

    hier sind ja eine menge namen “gedroppt” worden. das kann man als “mein geschmack ist besser als deiner” mißverstehen – oder, nach einer phase der instinktiven abwehrhaltung, tatsächlich mal zb, ein grateful dead konzert hören.

    es gibt da jemanden, der – “die böhsen onkelz”-sozialisiert – mich über jahre mit 50cent und eminem gequält hat … und plötzlich verstand, daß er vorher keine ahnung hatte, was musik ist oder sein kann.

    man isst also entweder ständig kuchen und sehnt sich nach seiner vergangenheit zurück oder man entdeckt bei einem steely dan oder grateful dead konzert was musik auch sein kann.

    um zum thema zurückzukommen und so etwas wie die rettung der diskussion zu probieren: was hat eigentlich christopher seils gehört? wahrscheinlich etwas, wozu man sich schon damals schick machte … und den sprung in eine “so als ob” konservative pose erleichterte. politische überzeugung als “tapete” eben und nicht als sozialisierende erfahrung.

    das führt dann eben zu diesen wortblasen. jon bon jovi, dünn, aber es gibt halt ein zu bedienendes publikum.

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