Dirk Elsner

Die Grenzen des Wachstums für Unternehmen

 | 3 Kommentar(e)


Wie wird Wachstum definiert? Mit welchen Kriterien kann man seine Grenzen beschreiben? Ein Vorschlag zur möglichen Herangehensweise.

01.12.2012 | 

Im Blog des Wirtschaftswurms sind bereits viele Beiträge zu der Blogparade* für November zum Thema “Grenzen des Wachstums” gesammelt. Ich tue mich schwer mit dem Thema, weil ich überlege, unter welchem Aspekt man sich mit den “Grenzen des Wachstums” überhaupt befassen soll. Was folgt konkret daraus, wenn man die Grenzen des Wachstums betrachtet? Kann man die Grenzen des Wachstums betrachten, und was versteht die Ökonomie überhaupt unter Wachstum?

Wachstum lässt sich volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich betrachten, was eher meine Domäne ist. Und wenn ich es richtig gesehen habe, befassen sich die meisten anderen Autoren dieser Blogparade eher mit den volkswirtschaftlichen Aspekten der Wachstumsgrenzen.

In dem Buch “Wege zum Wachstum” heißt es im Geleitwort von Markus Sulzberger:

“Wachstum ist heute eine der wichtigsten Themenstellungen und Herausforderungen in der Unternehmensführung. Es finden sich kaum ernstzunehmende Meinungsmacher und Unternehmerpersönlichkeiten, die die Notwendigkeit einer wohlüberlegten Wachstumsstrategie negieren. Bei dieser Ausgangslage treten Fragen der Gewichtung der Wachstumskomponenten, der Ausgewogenheit und der Umsetzung in den Vordergrund.”

Sebastian Raisch, Gilbert Probst und Peter Gomez haben ein 272-Seiten-Buch darüber geschrieben, wie man nachhaltigen Unternehmenserfolg erzielt. Für sie stehen Umsatz und Gewinn im Vordergrund der Wachstumsgrößen.

Nach dieser Sichtweise wird Wachstum unreflektiert als positiv angesehen, und tatsächlich stellt kaum jemand in der Wirtschaftspraxis das Wachstumsparadigma grundsätzlich in Frage. Immerhin werden die gesellschaftlich relevanten Nebenwirkungen des Wachstums, wie sie etwa der Club of Rome populär gemacht hat, mittlerweile auch in Unternehmen berücksichtigt. Dies geschieht aber oft nicht aus einer tieferen Einsichtnahme, sondern weil die “rücksichtslose” Verfolgung von Wachstumszielen negativ durch Kunden und Staat sanktioniert werden könnte und so künftiges Wachstum mindern würde.

Aber selbst, wenn Unternehmen stets nach Wachstum streben, so ist ihren Managern und Mitarbeitern sehr wohl bewusst, wie fragil jeweils das Wachstum des eigenen Unternehmens ist. Der Lebenszyklus der meisten Produkte geht nie ins Unendliche, sondern endet irgendwann.

 

Produktlebenszyklus, Autor: Deef, Wikipedia

 

Es ist eine Binsenweisheit, dass mit dem Ende von Produkten immer wieder auch Unternehmen enden, wenn sie sich nicht, in welcher Form auch immer, neu erfinden.

Für Einzelunternehmen scheint es aber nicht nur aufgrund des Produktlebenszyklus, sondern auch aus anderen Gründen kein grenzenloses Wachstum zu geben. Ronald Coase hat dazu die theoretischen Grundlagen gelegt. Er schrieb schon 1937 :

„… ein Unternehmen neigt dazu, sich zu vergrößern, bis die Kosten der Organisation einer zusätzlichen Transaktion innerhalb des Unternehmens den Kosten der Durchführung derselben Transaktion im Tauschwege auf dem offenen Markt oder den Kosten der Organisation in einem anderen Unternehmen gleich werden.“

Wir bewegen uns damit in der neuen Institutionenökonomik, die zeigt, dass u.a. unter Berücksichtigung von Transaktionskosten, Informationsasymmetrie  und opportunistisch handelnden Personen die Grenzen von Unternehmen aufgezeigt werden können.

Ich habe jetzt für diesen Text nicht nach entsprechenden Studien geschaut, aber viele Untersuchungen werden zeigen, dass Unternehmen gerade nicht unbegrenzt wachsen (sollen), und ab einer bestimmten Größe eher Probleme dadurch haben.

Ich belasse es vorläufig bei dieser Betrachtung, die natürlich unvollständig sein muss. In unserem nächsten Ökonomen-Hangout am 11. Dezember werden wir uns noch einmal intensiver mit den Grenzen des Wachstums befassen. Da werden vermutlich wieder eher die volkswirtschaftlichen Fragen im Vordergrund stehen, vielleicht lassen die sich aber auch durch die institutionenökonomische Brille betrachten.
 
Crosspost von Blick Log. *Der Text ist Teil einer Ökonomen-Blogparade. Dabei schreiben mehrere Blogger – wie hier – über ein bestimmtes Thema, oder sie verabreden sich, zu einer bestimmten Gelegenheit Beiträge über frei gewählte Themen einzureichen.
 

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3 Kommentare

  1. dr.do |  01.12.2012 | 10:18 | permalink  

    Ich vermisse in diesem Versuch, die Fragestellung der Überschrift zu untermauern, einen Hinweis auf die Grenzen der Finanzierung. Wären Unternehmen nur aus Eigenkapital finanziert, würden die Grenzen für ihr Wachstum sehr schnell augenscheinlich. Da aber die heutige Produktion in sehr hohem Maße kreditfinanziert ist, im günstigsten Falle nur vorfinanziert, so ergeben sich die Grenzen des möglichen Wachstums letztendlich aus der Abschätzung der Kreditwürdigkeit. Das ist keine vollständig rationale Angelegenheit. Worin sich auch die chaotische Determination der gegenwärtigen hochtechnisierten Gesellschaft darstellt. Das Irrationale ist sozusagen immanent, es bewohnt nicht nur die Labyrinthe in den menschlichen Köpfen, es steckt sogar im scheinbar technologisch oder wissenschaftlich perfekt Verstehbaren. Doch jeder weiß: Niemand bekommt unbegrenzt Kredit.

  2. A. G. |  01.12.2012 | 13:23 | permalink  

    „Wir bewegen uns damit in der neuen Institutionenökonomik, die zeigt, dass u.a. unter Berücksichtigung von Transaktionskosten, Informationsasymmetrie und opportunistisch handelnden Personen die Grenzen von Unternehmen aufgezeigt werden können.“

    Ein sehr interessantes Posting. Ein paar Gedanken dazu:

    „Produkt“ wird nach Zertifizierungsnormen synonym für „Dienstleistung“ benutzt.

    Der nicht-opportunistische, pfiffe Unternehmer begrenzt das Wachstum in der Phase II auf etwa halber Strecke, verfügt in der darauffolgenden Phase über eine bessere Gewinnsituation als der Branchendurchschnitt, kann sodann aufgrund der kleineren Unternehmensstruktur anpassungsfähiger auf die neue Marktsituation reagieren.

    These und Frage:
    Die Phase II ist diejenige, bei der die Frage lautet: Weiter wachsen oder nicht?
    Wenn Ja (= weiter wachsen), dann muss es Gründe geben, die außerhalb (!) des Produktes zu suchen sind. Sonst müsste die Frage mit Nein beantwortet werden. D.h. auch, Wachstum muss in der Phase II künstlich begrenzt werden. Das funktioniert aber nur, wenn der Markt weitgehend von Opportunisten (Wachtumsbefürwortern) beherrscht wird.

    Die „neue Institutionenökonomik“ ist bei näherer Betrachtung schon veraltet, wenn Opportunismus als nicht mehr zeitgemäß angesehen wird. Die wirklich neue Institutionenökonomik definiert sich als (…..) .

  3. Oydenos |  01.12.2012 | 23:08 | permalink  

    Zur Grafik:

    Wie ist die Gewinnrate denn definiert?
    Ich vermute Gewinn/Umsatz.

    1: Zum Zeitpunkt null ist sie somit nicht definiert,
    da attempted division by zero.
    2: Sie beginnt im negativen Bereich und wird positiv, sobald aus dem Verlust ein Gewinn wird.
    3: Sie wird erst dann wieder negativ, wenn aus dem Gewinn wieder ein Verlust wurde.

    Es sei denn die Definition der Gewinnratte wäre eine andere, was aber zum Verständnis notwendig zum Posting dazugehörte.
    Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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