Steffen Daniel Meyer

Finanzierung des Journalismus: Die falsche Debatte

 | 33 Kommentar(e)


Die Zukunft des Journalismus hängt nicht von Subventionen oder Stiftungen ab, sondern von den Journalisten selbst. Jeder Einzelne kann etwas tun. Möglichkeiten gibt es genug.

27.11.2012 | 

Die Frankfurter Rundschau und die Financial Times Deutschland sind pleite, und plötzlich ist der gesamte Journalismus gefährdet, einige rufen nach einer Art GEZ-Gebühr für Zeitungen, andere nach einem Stiftungswesen.

Doch warum eigentlich?

Wegen zwei Zeitungen, die jahrelang auf wackeligen Beinen standen und deren Geschäftsmodell nie Fuß fassen konnte? Es ist natürlich traurig, dass es diese Marken nicht mehr gibt, und auch, dass viele Journalisten ihren Job verloren haben. Doch Tatsache ist: Es sind Print-Produkte, die pleite gegangen sind. Und es werden nicht die letzten sein. Das Zeitungssterben, das in den USA schon mehrere Blätter dahingerafft hat, hat nun auch Deutschland erreicht. Es vollzieht sich ein Strukturwandel in den Medien – der Staat oder reiche Stifter können diesen vielleicht künstlich verlangsamen, aber aufhalten können sie ihn nicht.

Die Diskussion um die Finanzierung lohnt daher nicht. Die Medienbranche muss hingegen überlegen, wie sie diesem Wandel begegnet. Und was für eine Rolle das Internet dabei spielen kann, offenbart ein Blick auf die Bilanzen.

So machen die Produktions- und Vertriebskosten eines Zeitungshauses rund 50 Prozent seiner Gesamtkosten aus. Die angestellten Redakteure und die beauftragten freien Journalisten müssen sich den Rest mit der Marketingabteilung und der Verwaltung teilen. Und das Unternehmen will natürlich auch noch Gewinn machen: unter wirtschaftslexikon.com ist dies mit 4 Prozent veranschlagt.

Eine Internetredaktion hat laut wirtschaftslexikon.com keine Produktions- und Vertriebskosten (wobei ich mich da frage, wo in der Rechnung die Serverkosten auftauchen). Dafür entfallen 96 Prozent auf Marketing, Verwaltung und Journalismus – die restlichen vier Prozent sind wieder Gewinn. Kurzum: Es bleibt mehr Geld für das Kerngeschäft, den Journalismus. Der Ballast von Produktions- und Vertriebskosten – rund 50 Prozentpunkte – fällt annähernd weg.

In der Diskussion um das Internet beklagen Kritiker meist nur die Einnahmeseite: Mit digitaler Werbung lässt sich kaum Geld verdienen. Dabei lassen sie die Ausgabenseite außer Acht, die im Vergleich zu Printprodukten um einiges niedriger ist. So kann sich Spiegel Online 100 Redakteure leisten und trotz verhältnismäßig geringer Anzeigenpreise Gewinn machen.

Klar, Spiegel Online ist zusammen mit Bild.de der Marktführer, andere Nachrichtensites stecken noch immer in den roten Zahlen. Doch keine andere Anzeigenform verzeichnet ein so hohes Wachstum wie die digitale Werbung, und ich sehe keinen Grund, warum sich das ändern sollte. Die Medien stehen am Anfang einer Entwicklung, die noch lange nicht abgeschlossen ist.
 

Muss eine Lokalzeitung jeden Tag erscheinen?

Kleine Lokalzeitungen müssen sich fragen, ob sie es sich leisten können, sechs Mal die Woche ein Blatt zu drucken und zu verteilen. Vielleicht reicht auch drei Mal.

Neben den gesunken Produktions- und Vertriebskosten müssten die Redakteure zudem nicht jeden Tag die Seiten füllen, sondern hätten mehr Zeit für hintergründige Recherche, für tiefergehende Geschichten – für besseren Journalismus im Blatt. Damit die Leser sich trotzdem täglich informieren können, muss die Lokalzeitung über aktuelle Ereignisse auf ihrer Internetseite berichten.

Und was  ist mit den alten Leuten, die sich nur durch die Tageszeitung informieren? Ich habe meine Oma gefragt: „Was würdest du lieber haben: Sechs Mal pro Woche eine Zeitung, so wie sie jetzt ist, oder lieber dreimal pro Woche ein Zeitung, dafür aber mit interessanteren Geschichten?“ Ihre Antwort: „Ach, in der Zeitung steht oft gar nichts drin.“ Wenn die Zeitung interessanter dadurch werde, wenn sie nicht mehr jeden Tag kommt, dann könne sie damit leben. Meine Oma repräsentiert natürlich nicht alle Tageszeitungsleser. Aber vielleicht könnten junge Journalisten mal ihre Großeltern fragen, was sie von der Idee halten, es würde mich interessieren.

Viele Menschen – Drucker, Grossisten, Zeitungsausträger – würden durch eine solche Kürzung ihre Jobs verlieren.  Aber ein Strukturwandel fordert immer Opfer. Es bringt nichts, darüber zu jammern, nur ein optimistischer Blick nach vorne hilft weiter. Begleitende Maßnahmen versprechen mehr Erfolg, als mit einem „Einfach weiter so“ in die Pleite zu rennen – wodurch alle, auch Journalisten und Verleger, ihre Jobs verlieren würden.

Einige Zeitungsverleger pochen und hoffen jedoch noch immer auf das „Rieplsche Gesetz“: Es besagt, dass kein Medium ein anderes verdrängen wird – die Zeitungen also nicht untergehen werden. Abgesehen davon, dass Wolfgang Riepl dies im Jahr 1913 geschrieben hat und die These nie empirisch nachgewiesen wurde, blenden die Verleger den zweiten Teil ihrer „Beruhigungspille“ gerne aus. Journalistik-Professor Klaus Meier bringt es in seinem Lehrbuch auf den Punkt:

„Neue Medien bringen alte Medien zwar nicht um, sie zwingen sie aber zu einer anderen publizistischen und ökonomischen Strategie (zu einem Funktionswandel). Wer den Anpassungsdruck nicht rechtzeitig erkennt, kann untergehen.“

Wie die Industrialisierung ganze Wirtschaftszweige umgekrempelt hat, tut es nun auch die Digitalisierung. Damals führte es zu den Weberaufständen, heute zur Verleger-Empörung. Der Wandel war und ist trotzdem nicht aufzuhalten: Alte Geschäftsmodelle werden untergehen, neue an ihre Stelle treten (einige Ansätze dazu finden sich hier). Der Ökonom Joseph Schumpeter nennt das „schöpferische Zerstörung“.
 

Der vernachlässigte Nachwuchs

Aber nur das Internet mit seinen günstigen Produktions- und Vertriebskosten wird den Journalismus nicht retten. Die Medienbranche – wie jede andere Branche – kann nur existieren, wenn Menschen für ihre Produkte Geld ausgeben, auch im Netz. Und das geht nur über Qualität.

Doch der Nährboden für diese Qualität wird wenig gepflegt: Junge Journalisten hangeln sich von Praktikum zu Praktikum, mit dessen Gehalt sie nicht einmal ihre Miete bezahlen können, unerfahrene Volontäre ersetzen Redakteure und bekommen kaum Weiterbildungen, Journalistenschulen bieten nur wenige Plätze an, die universitäre Ausbildung ist zu weit von der Praxis entfernt.

Natürlich sind das Pauschalurteile: Das System bringt auch gute Journalisten hervor, keine Frage. Doch es könnten mehr sein. Mehr gute Journalisten bedeuten mehr Qualität. Mehr Qualität bedeutet Geld.

Eine bessere Ausbildung muss auch nicht viel kosten: Es würde schon reichen, wenn Redakteure die Praktikanten bei sich auf der Couch schlafen lassen, damit deren mickrige Aufwandsentschädigung nicht gleich von der Miete aufgefressen wird. Wenn Redaktionen ihren Journalisten einen freien Tag pro Jahr einräumen, um Workshops an Universitäten zu halten, trifft die Praxis auf die Theorie. Wenn Redakteure nach der Arbeit mit den Volontären ein Bier trinken gehen und ehrlich über deren Arbeit sprechen, bringt das vielleicht sogar mehr als teure Weiterbildungen. Menschlichkeit ist in Euro nicht zu beziffern.

Ich selbst, 26 Jahre alt, bin ein angehender Journalist und weiß nicht, ob ich bestehen oder untergehen werde. Was ich aber weiß: Journalismus ist ein harter und hartumkämpfter Job. An das große Geld darf ich jetzt noch gar nicht denken – deswegen werde ich ja auch nicht Journalist. Ich will über meine ungewisse Finanzierung nicht jammern, wie gesagt: Das bringt eh nichts. Ich will Qualität abliefern und ich glaube daran, dass dafür die Menschen auch in Zukunft zahlen werden.

Deswegen: Lasst uns aufhören über die Finanzierung per Stiftung oder Staatshilfe zu diskutieren, sondern lasst uns darüber sprechen, was jeder Einzelne tun kann, um den Journalismus ein Stückweit besser zu machen. Der ewige Untergangs-Pessimismus wird uns nicht weiterbringen, im Gegenteil:  Er verbreitet nur Angst. Doch wenn wir Journalisten heute und in Zukunft eines brauchen, dann ist es Mut.
 

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33 Kommentare

  1. Fragen, denken, schreiben: Journalist sein ist Berufung und nicht Beruf - arlesheimreloaded |  27.11.2012 | 09:39 | permalink  

    [...] das noch: Finanzierung des Journalismus – die Falsche Debatte Related PostsMacht euch nichts vor: Jetzt kommt das ganz grosse Redaktionsstellenstreichen (Nov [...]

  2. A. G. |  27.11.2012 | 10:29 | permalink  

    „Die Frankfurter Rundschau und die Financial Times Deutschland sind pleite, und plötzlich ist der gesamte Journalismus gefährdet, einige rufen nach einer Art GEZ-Gebühr für Zeitungen, andere nach einem Stiftungswesen.“

    Ich meine auch, hier wird von den Medien derzeit Untergangsstimmung im eigenen Metier verbreitet, was falsch ist. Den Eigentümern der FTD geht’s ausgesprochen gut:

    „G+J Wirtschaftsmedien GmbH & Co. KG
    Hamburg
    Amtsgericht Hamburg (HRA 92810)

    Die Gesellschaft macht für den Jahresabschluss zum 31. Dezember 2010 von den Befreiungsmöglichkeiten des § 264b HGB Gebrauch.
    Die Gesellschaft ist im Konzernabschluss der Bertelsmann AG einbezogen, der im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht wird.“

    „Das Geschäftsjahr 2011 im Überblick
    Im Geschäftsjahr 2011 erzielte Bertelsmann einen leichten Umsatzanstieg und ein solides operatives Ergebnis. Der Konzernumsatz aus fortgeführten Aktivitäten erhöhte sich auf 15,3 Mrd. € (Vj.: 15,1 Mrd. €). Das um Portfolio- und Wechselkurseffekte bereinigte organische Wachstum lag mit 1,7 Prozent im Bereich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in den geografischen Kernmärkten. Das Operating EBIT belief sich auf 1.746 Mio. € nach 1.825 Mio. € im Vorjahr. Das Operating EBITDA lag bei 2.234 Mio. € (Vj.: 2.355 Mio. €). Einer guten Performance der werbegetriebenen Geschäfte und einem dynamisch wachsenden E-Book-Absatz standen planmäßige Anlaufverluste, ein schwacher Geschäftsverlauf in einigen Druckeinheiten sowie Rückgänge in den Replikations- und Direktmarketinggeschäften gegenüber. Mit einer Umsatzrendite von 11,4 Prozent ist das Ertragsniveau weiterhin gut. Hohe Sondereinflüsse führten zu einem Rückgang des Konzernergebnisses auf 612 Mio. € (Vj.: 656 Mio. €).“

    Die Frankfurter Rundschau wurde seit Jahren durch die Gesellschafter finanziert. Recherchierbar unter http://www.bundesanzeiger.de .

    Manche (Nischen-)Produkte laufen nicht. Das ist in einer Marktwirtschaft nicht ungewöhnlich, rechtfertigt keinen Aufschrei.

    Der Verfasser des Carta-Beitrags und er hier: http://www.welt.de/debatte/article111363883/Der-Journalismus-hat-das-Beste-noch-vor-sich.html sind gar nicht weit auseinander.

  3. A. G. |  27.11.2012 | 10:48 | permalink  

    “rechtfertigt keinen Aufschrei.” war gemeint als “rechtfertigt keinen Aufschrei in der gesamten Branche”. Denn der geht es, jedenfalls aus Eigentümersicht, erstaunlich gut. Dort befindet sich auch die wirtschaftliche Schlagkraft, um Nischen aufzutun. Insoweit dürfte der Informationsverarbeitungs- und Unterhaltungsmarkt auch künftig vom “Kapital” bestimmt werden. Hier würde das Wort “Aufschrei” passen?

  4. Fritz |  27.11.2012 | 11:20 | permalink  

    “Die Medienbranche – wie jede andere Branche – kann nur existieren, wenn Menschen für ihre Produkte Geld ausgeben, auch im Netz. Und das geht nur über Qualität.”
    Das bezweifel ich ganz gewaltig.
    Die Frage ist zum Beispiel, wie groß die Bezahl-Nachfrage nach “Qualität” überhaupt ist. Nach allen bisher vorliegenden Erfahrungen ist sie gering und insgesamt (einschließlich Printprodukte) abnehmend.
    Die TAZ hat neulich ausführlich dargestellt, dass sie aus der hohen Besucherfrequenz auf ihrem Internetangebot nicht annhähernd einen subsistenzfähigen Betrag erlösen kann, trotz inständiger Bettelei bei den politisch hoch bewussten Leserinnen und Lesern.
    Was im Netz mengen- und daher auch einkommensmäßig reüssiert, ist eben nicht “Qualität”, sondern eher das, wofür man gut ausgebildete, von Idealen erfüllte und fair bezahlte Journalisten gerade nicht benötigt.
    Dass die großen Verlagshäuser keine Existenzschwierigkeiten haben, liegt ebenfalls nicht an der Treue zur journalistischer Qualität, sondern an der Abkehr davon. Qualitätsprodukte müssen sich aus sich selbst heraus kalkulatorisch darstellen lassen. Wo das nicht der Fall ist, ist ein Objekt entsprechend bedroht. Daher das Heulen und Zähneklappern.
    Wenn jetzt überall festgestellt, es gäbe kein Internet-induziertes Zeitungssterben, ist das zwar teils richtig. Aber jede Zeitung kennt ihre eigene Situation, die abnehmenden Abo-Zahlen, das nahezu komplette Ausklinken der nachwachsenden Generation aus der Schicht der Zeitungskäufer etc.
    Am Ende zieht sich die Schlinge beschleunigt zu. Es gibt bei jeder Zeitung einen negativen Tipping-Point, also den Punkt der unumkehrbaren Agonie.
    Das eigentlich Desaster ist aber, wie gesagt, dass sich bald nur noch Müll bezahlt macht, während Qualität zum Subventionsgeschäft wird. Und irgendwoher müssen die Subventionen kommen: von “quer”, von Stiftungen, von Steuern, von Abgaben …
    (P.S. Ich finde es zunehmend rührend zu sehen, wie eifrig die sog. “Netzbefürworter” in ihren Antworten auf den bitteren Schirrmacher sich an ihre Hoffnungsschimmer und Visionen anklammern und sich mehr oder minder fadenscheinige Gegenargumente zusammensuchen, ohne zu sehen, dass sie von der massiven Beschädigung des professionellen Journalismus letztlich auch derbe betroffen sind. Das ist doch alles ein in enger Verbindung stehendes System. Geht ein Blatt wie die FR ein, stirbt eine Informationsquelle – z.B. tiefes Aufatmen bei der Polizeibehörde Frankfurt, die bislang vom Netz eben gar nichts zu befürchten hat …)

  5. Steffen Meyer |  27.11.2012 | 12:07 | permalink  

    @Fritz:

    Du hast natürlich damit Recht, dass auf Nachrichtenseiten mit allerlei Boulevard für Reichweite gesorgt wird, um eben Klicks zu generieren. Ich hab das in den Redaktionen oft genug miterlebt wie Klickstrecken wie “Die größten Dekolletes des Oktoberfests” in den Statistiken einschlagen wie eine Bombe. Doch die Sache: Sowas gucken sich zwar viele an, zahlen würde dafür aber niemand.

    Ich beziehe Die Zeit und den Spiegel im Digital-Abo und lese die Ausgaben auf dem iPad. Mir ist es egal, ob das nun gedruckt ist oder nicht, ich zahle für den Journalismus. Ich würde auch für Spiegel Online etwas zahlen (nicht viel, vielleicht höchstens 5 Euro im Monat), aber das brauche ich ja glücklicherweise nicht, weil es über Anzeigen finanziert wird.

    Dass Bezahlen im Netz aber funktionieren kann, macht seit Längerem ft.com vor – und jetzt zieht auch nyt.com nach (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/paid-content-new-york-times-fuehrt-das-digitalabo-ein-a-751555.html). Doch dafür müssen die Inhalte so wertvoll sein, dass Leser für sie bezahlen wollen. Und Leser bezahlen für Qualität, deswegen verzeichnet Die Zeit ja auch steigende Abozahlen (http://www.zeitverlag.de/pressemitteilungen/ivw-i2012-die-auflage-der-zeit-steigt-auf-505945-exemplare/).

    Um es nochmal klar zu sagen: “Müll” wie du es nennst wird nie bezahlt werden, “Müll” ist für die Reichweite da, für die Klicks, um Anzeigenkunden zufriedenzustellen. Qualität hingegen bringt keine Klicks, aber Leser – und ich glaube, Leser, die auf Qualität wert legen, sind bereit dafür zu zahlen.

  6. Steffen Meyer |  27.11.2012 | 12:09 | permalink  

    @ A.G.

    “Insoweit dürfte der Informationsverarbeitungs- und Unterhaltungsmarkt auch künftig vom “Kapital” bestimmt werden.”

    Ganz so drastisch würde ich das nicht sehen – wir haben ja noch die Öffentlich-Rechtlichen. Und ganz abgesehen davon: Was ist denn die Alternative zu einem Journalismus, der durch das “Kapital”, also den “Markt”, bestimmt wird. Ein staatlicher?

  7. Irene |  27.11.2012 | 12:14 | permalink  

    Es würde schon reichen, wenn Redakteure die Praktikanten bei sich auf der Couch schlafen lassen, damit deren mickrige Aufwandsentschädigung nicht gleich von der Miete aufgefressen wird.

    Das ist ja wohl ein Scherz, oder?

    Wenn Redakteure nach der Arbeit mit den Volontären ein Bier trinken gehen und ehrlich über deren Arbeit sprechen, bringt das vielleicht sogar mehr als teure Weiterbildungen.

    Und was spricht dagegen, in der Arbeit ehrlich über journalistische Arbeit zu sprechen?

  8. Steffen Meyer |  27.11.2012 | 12:19 | permalink  

    @Irene

    “Das ist ja wohl ein Scherz, oder?”

    Warum?

    “Und was spricht dagegen, in der Arbeit ehrlich über journalistische Arbeit zu sprechen?”

    Nichts. Aber was ich so von Bekannten gehört habe: Da macht es keiner.

  9. A. G. |  27.11.2012 | 12:49 | permalink  

    @Steffen Meyer: ” wir haben ja noch die Öffentlich-Rechtlichen.” ?

    Es gibt wenige Lenker (Eigentümer/Gesellschafter, Einflussreiche bei ÖR) und viele Rezipienten. “Kapital” ist mit “Markt” nicht gleichzusetzen.

    Formel: ‚Wenige lenken den Markt für viele und erschweren den Zugang für Neues von anderen.‘ (Sie erschweren den Zugang von Konkurrenten durch ihre wirtschaftliche Schlagkraft. Einengung. Markteinengung. Qualitätseinbußen.)

    Das ist ein echtes Problem, aber kein neues. Nur sollte dies bei der ganzen Krisen- und Pleitediskussion, die blödsinnig ist, nicht aus dem Auge verloren werden.

  10. Falk Sinß |  27.11.2012 | 13:15 | permalink  

    Ich denke, dass Print schon noch überleben kann, aber dafür müssten die Tageszeitungen sich grundlegend wandeln. Und die Überregionalen haben es dabei meiner Meinung nach schwerer als Lokalzeitungen.
    Die Lokalzeitung wird gekauft, weil die Leser sich über ihre Stadt/Region informieren wollen. Die Konkurrenz im Netz, die diese Aufgabe auch übernehmen könnte, ist meist noch gering. Warum also nicht den Mantel streichen und sich auf den Kern besinnen und wirklich eine reine Lokalzeitung machen. Niemand kauft eine Lokalzeitung wegen der tollen Politik- oder Wirtschaftsberichterstattung. Fällt der Mantel weg, werden finanzielle und personelle Ressourcen frei, die ins Kernprodukt gesteckt werden und dieses verbessern könnten.
    Überregionale Zeitungen haben es da schwerer. Die Ansammlung an Meldungen und Berichten in Politik- und Wirtschaftsteilen, die sich dort meist finden und die einfach nur den vorigen Tag wiedergeben, braucht doch niemand mehr. Das erfahre ich alles im Netz. Und da auch noch aktuell. Die Zeitungen müssten also endlich die Analysen, Reportagen und Hintergründe liefern, von denen in Festtagsreden immer gesprochen wird. Dann hätten vielleicht auch die überregionalen Zeitungen noch eine Überlebenschance.

  11. Wolfgang Messer |  27.11.2012 | 13:39 | permalink  

    Das mit der reduzierten Erscheinungsweise von Lokalzeitungen ist keine neue Idee. Ich bin schon in den 1960ern in Flörsheim/Main mit einer Zeitung aufgewachsen, die nur zweimal pro Woche kam (“Maingau-Bote”, dienstags und freitags, heute “Flörsheimer Zeitung”). Mehr musste nicht sein.

  12. Steffen Meyer |  27.11.2012 | 14:06 | permalink  

    @A.G.

    Ah, sie sprechen von der oligopolartigen Struktur unserer Medien. Ich glaube, dass dies in der Vergangenheit ein notwendiges Übel war, da man nur mit ausreichend Kapital eine große Leserschaft erreichen konnte (Drucken von Zeitungen/Zeitschriften und Verteilen). Schaut man aber in die USA, sieht man wie das Internet die Medienlandschaft dezentralisiert hat: Dort lesen viel mehr Menschen Blogs als in Europa, und es gibt viele Blogger, die mit dem Schreiben Geld verdienen.

    Große Medienhäuser gibt es dort auch immer noch, aber das ist auch gut so: Für aufwändige Recherchen und juristische Auseinandersetzungen brauchen Journalisten eine starke Marktmacht hinter sich. Trotz aller Lobhudelei über das freie Internet benötigt der Journalismus starke Verlage, die überhaupt guten Journalismus finanzieren können. Deswegen hoffe ich auch, dass viele von ihnen überleben werden – und den Anpassungsdruck rechtzeitig erkennen.

    @Falk Sinß

    Stimmt.

    @Wolfgang Messer

    Danke für den Tipp, hatte davon noch nicht gehört.

  13. A. G. |  27.11.2012 | 14:29 | permalink  

    @Steffen Meyer, den Anpassungsdruck haben die Verlage längst erkannt und nehmen Umstruktrurierungen vor. D.h. auch, dass sie sich von Verlustgeschäften wie unrentablen Zeitungen trennen; dafür neue Felder erschließen. Das Jammern schadet der Branche. Betroffen sind hingegen einzelne Arbeitnehmer und freie Mitarbeiter. Was passiert da? Was unternehmen die Verlage?

  14. Beate Barrein |  27.11.2012 | 14:41 | permalink  

    Hi Steffen, interessante Überlegungen! Habe sie auf unserer Ortsseite gepostet. http://www.facebook.com/dju.Hannover.Leine.Weser
    Wenn du mal keine Lust mehr hast – ich hab sie nicht mehr – etwas Einzeln für unsere Arbeitsbedingungen zu tun, dann kann ich dir die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union empfehlen. Du triffst in jedem Fall Gleichgesinnte. :-)

  15. Juliane |  27.11.2012 | 14:56 | permalink  

    Bin mir nicht sicher ob ich da was falsch verstehe. Ich finde die Aussage mit dem auf-dem-Sofa-schlafen-lassen auch wirklich zu krass und weit hergeholt. Da kann ich ja nachträglich echt froh sein, bei meinen bisherigen Prakitas zuhause gewohnt zu haben…und freuen könnte ich mich auf zukünftige nicht wirklich.
    Ich verstehe die Kern-Aussage so, dass wir jungen Menschen, wir Studenten, angehende Journalisten mit dem “wenig gepflegten Nährboden”, in dem komplett unterfinanzierten System, in dem ich meine Ausbildung mache, einfach gefälligst klar kommen sollen und weniger jammern sollen.
    Jammern wir, wenn wir eine bessere Finanzierung unserer Unis, die so überfordert sind mit den Massen, die jetzt angefangen haben, kleinere Seminare und mehr weiterführende Praxiseinheiten fordern? Das ist doch unser gutes Recht und das sollten wir ganz selbstbewusst tun können. So ein bisschen läuft mein Verständnisproblem darauf hinaus: was zuerst da war / da sein sollte: journalistische Qualität oder anständige Finanzierung?
    Würde mich über eine Antwort freuen :)

  16. Vera Bunse |  27.11.2012 | 15:38 | permalink  

    @Juliane
    Ich fand das Bild sehr gelungen. Das prägt sich eher ein als die trockene Feststellung, “ich verdiene zu wenig und kann meinen Lebensunterhalt davon nicht bestreiten”.

  17. Irene |  27.11.2012 | 15:46 | permalink  

    “Das ist ja wohl ein Scherz, oder?”

    Warum?

    Einfach mal nachdenken, was die Aufgaben von Arbeitnehmern sind.

    Am Ende soll der Redakteur noch mit dem Praktikanten kuscheln und schlafen, weil der eifrige Praktikant so viel für die Zeitung arbeitet, dass sein Freund ihn verlassen hat, oder wie? *)

    Das Praktikanten-Unwesen ist ein Thema für sich. Praktika in überschaubarer Zahl gehören zum Studium dazu, und wer sich trotz Abschluss als Praktikant verheizen lässt, kann ja ein Gehalt einklagen. Ein Protokoll über ausgeführte Tätigkeiten soll hilfreich sein.

    *) Ob dieser Satz jetzt generisch-maskulin ist oder schwul, dürft ihr euch aussuchen.

  18. Irene |  27.11.2012 | 16:05 | permalink  

    @ Beate: Auch ne Antwort. Manche Dinge muss man aber trotz Gewerkschaft noch alleine tun. Etwa nachdenken, bevor man einen Vertrag unterschreibt, anstatt zu glauben, dass der offiziöse Schrieb aus dem ehrenwerten Haus schon seine Richtigkeit haben wird. Oder nachdenken, bevor man so einen Blogeintrag veröffentlicht.

  19. Steffen Meyer |  27.11.2012 | 16:20 | permalink  

    @ Juliane

    “Jammern wir, wenn wir eine bessere Finanzierung unserer Unis, die so überfordert sind mit den Massen, die jetzt angefangen haben, kleinere Seminare und mehr weiterführende Praxiseinheiten fordern? Das ist doch unser gutes Recht und das sollten wir ganz selbstbewusst tun können.”

    Darf und kann man, klar. Ich glaube nur nicht, dass es etwas bringt, wenn man nur andere / das System verantwortlich macht und auf “die da oben” schimpft. Meistens hilft es, sich mal an die eigene Nase zu fassen und zu überlegen: Was kann ich selbst tun?

    “So ein bisschen läuft mein Verständnisproblem darauf hinaus: was zuerst da war / da sein sollte: journalistische Qualität oder anständige Finanzierung?
    Würde mich über eine Antwort freuen :)”

    Ganz einfache Antwort: Zuerst da sein SOLLTE die anständige Finanzierung. Ist sie aber nicht. Darüber kann man jammern und hoffen, dass sich etwas ändert, oder man nutzt die Energie, um das Beste draus zu machen oder etwas daran zu verändern.

    @ Irene

    “Einfach mal nachdenken, was die Aufgaben von Arbeitnehmern sind.”

    Wenn ich Redakteur bei einem Medium wäre und ein Praktikant mir erzählt, dass er sein Praktikum nicht wahrnehmen kann, weil er keine Wohnung findet oder die Miete nicht bezahlen kann, würde ich ihm sofort mein Gästezimmer anbieten. Das ist nicht meine Aufgabe als Arbeitnehmer, sondern als Mensch. Bevor ich mich darüber beklage, dass mein Arbeitgeber nicht genug Gehalt für die Praktikanten bezahlt, mach ich lieber selbst was.

    Eine Alternative wäre, ein Solidarfonds für Praktikanten zu gründen, in den jeder Redakteur einen Teil seines Gehaltes einzahlt, um damit die Miete von bedürftigen Praktikanten zu zahlen. Aber da müssten dann alle mitziehen und das halte selbst ich für illusorisch. Oder?

    “Am Ende soll der Redakteur noch mit dem Praktikanten kuscheln und schlafen, weil der eifrige Praktikant so viel für die Zeitung arbeitet, dass sein Freund ihn verlassen hat, oder wie? *)”

    Nein.

    “Das Praktikanten-Unwesen ist ein Thema für sich. Praktika in überschaubarer Zahl gehören zum Studium dazu, und wer sich trotz Abschluss als Praktikant verheizen lässt, kann ja ein Gehalt einklagen. Ein Protokoll über ausgeführte Tätigkeiten soll hilfreich sein.”

    Gegen einen Arbeitgeber in einer Branche zu klagen, die so eng miteinander vernetzt ist, würde ich mal mit beruflichen Selbstmord gleichsetzen. Vielleicht bin ich da aber auch zu naiv.

  20. Ulf J. Froitzheim |  27.11.2012 | 17:00 | permalink  

    Wenn wir so weit sind, dass Volos und Praktikanten bei Redakteuren auf dem Sofa schlafen müssen, frage ich mich, warum noch jemand Journalist werden möchte. Für welchen Beruf sonst würden Menschen solche Zumutungen (ist das für beide) auf sich nehmen?
    Tatsache ist: Man kann es niemandem empfehlen, in diesen Jahren diesen Beruf zu wählen. Ein Beruf soll einen ja in die Lage versetzen, anständig seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das geht leider nur mit einem geringeren Arbeitskräfteangebot. An diesem Überangebot, verbunden mit Chefs, die nach dem Preis und nicht nach der Qualität einkaufen, geht sonst früher oder später der Journalismus kaputt.

  21. Steffen Meyer |  27.11.2012 | 17:12 | permalink  

    “Wenn wir so weit sind, dass Volos und Praktikanten bei Redakteuren auf dem Sofa schlafen müssen, frage ich mich, warum noch jemand Journalist werden möchte.”

    Aus Leidenschaft.

    Für welchen Beruf sonst würden Menschen solche Zumutungen (ist das für beide) auf sich nehmen?”

    Für kaum einen.

    “Tatsache ist: Man kann es niemanden empfehlen, in diesen Jahren diesen Beruf zu wählen.”

    Wenn der Beruf einem Sicherheit geben soll, stimmt das. Wenn man für den Beruf brennt, stimmt das nicht.

  22. Juliane |  27.11.2012 | 17:26 | permalink  

    Ich glaube ich kann Dir in großen Teilen zustimmen. Nur hab ich das vor knapp einem Jahr selbst erlebt. Wenn höchstens noch die Leidenschaft fürs Fach brennt, du dich ansonsten aber mehr ausgebrannt fühlst, und die Leitung nachhause heiß läuft, weil man Geld braucht. Richtiges Scheißgefühl. Und jetzt nenn mir mal jemanden, der in Berlin noch Geld für ein Gästezimmer in seiner Wohnung hat…
    Sich selber an die Nase fassen? Den Ausdruck kenn ich nur im Zusammenhang mit selber etwas falsch gemacht haben. Wüsste nicht, was.
    Nebenher noch was anderes arbeiten – das funktioniert so auch nicht. Nicht wenn mans richtig machen will. Zumindest bei meinem Studium bisher nicht.
    Ich würde generell für mehr konstruktive Positivität stimmen, so wie Du. Aber neben dem “sich selber an die Nase fassen” sollte man auch jeden Fall bisschen Lärm machen, um Bewusstsein für dieses strukturelle Problem zu schaffen und Lösungen dieses Problems zu fordern.

  23. Steffen Meyer |  27.11.2012 | 18:02 | permalink  

    @Juliane

    Ich kann dich voll verstehen. Ich habe auch Angst vor der Zukunft, ich weiß auch nicht, ob ich bestehen oder scheitern werde. Doch wenn es daneben geht, dann habe ich es wenigstens versucht.

    Ich habe neben meinem Bachelor-Studium auch nicht die Zeit gefunden, viel richtigen Journalismus zu machen. Und ich vermute mal, da sind wir nicht die einzigen. Wenn ich in die großen Zeitungen und Zeitschriften gucke und sehe, dass dort teilweise Leute in meinem Alter schon Redakteure sind, bekomme ich ein komisches Gefühl. Dann schaue ich mir die Lebensläufe an und denke mir: Die haben aber auch übel dafür gearbeitet.

    Ich muss mir jeden Tag aufs Neue Mut zusprechen, was in dieser Untergangs-Stimmung nicht gerade leicht ist. Doch was anderes als nach vorne zu blicken und auf sich selbst zu vertrauen, kommt mir nicht in den Sinn.

    Und Lärm machen ist immer gut, was anderes mache ich ja mit diesem Blog-Eintrag auch nicht :) Ich appeliere aber nicht an die Verleger oder die Unis, sondern an jeden einzelnen Journalisten, dass er sich der Situation des Nachwuchses bewusst wird und vielleicht selbst etwas zur Lösung beisteuern kann. Zum Beispiel auch, indem er so etwas Simples tut, wie klammen Praktikanten eine Couch oder ein Gästezimmer anzubieten. Auch wenn sich einige hier darüber lustig machen, als Praktikant würde ich mich über eine solche Geste freuen.

  24. Ulf J. Froitzheim |  27.11.2012 | 18:06 | permalink  

    Sorry, Steffen, das ist dann nur noch Berufung, aber kein Beruf mehr. Ohne den durch keine Vernunft zu bremsenden Andrang junger Idealisten fiele es den Verlegern, Radiobetreibern und Onlineunternehmern schwerer, zu derart geringen Kosten “Content” zu produzieren, wie es heute üblich ist. Die Nachfrage nach journalistischen Jobs übersteigt bei weitem die Nachfrage nach Inhalten, die aus journalistischer Sicht die Mühe wert sind (also mehr als bloßer Content, der Seiten füllt).

    Meine Generation wollte ja auch aus Idealismus in diesen Beruf. Schon 1980 habe ich allerdings nicht eingesehen, für die damals schon lächerlichen “Honorare” bei der Lokalzeitung zu jobben. Ich habe mir Studentenjobs gesucht, mit denen ich meinen Lebensunterhalt in München besser bestreiten konnte als mit Zeilenschindergeld – abseits der Medien. Ich hatte keine schlechteren Jobchancen als vergleichbar begabte Kommilitonen mit dem unbedingten Willen, ihren Namen ständig in der Zeitung zu lesen.

    30 Jahre lang habe ich meine Entscheidung nicht bereut, Journalist zu werden. Es war mein Traumberuf, er hat mir viel gegeben. Aber heute würde ich mich als junger Mensch nicht mehr trauen. Ihr braucht doch auch eine Vorstellung davon, wo Ihr 2050 mit Mitte 60 angekommen sein wollt. Gut möglich, dass es bis dahin eine Renaissance des Journalismus gibt und sorgfältige Arbeit wieder Wertschätzung erfährt (auch im monetären Sinne). Darauf hoffe auch ich ganz schwer.

    Vorher geht aber die Talfahrt erst einmal weiter. Erst einmal muss die Gesellschaft merken, dass ihr etwas fehlt. Gerade die lokalen Zeitungen werden keinem fehlen, wenn sie sich nicht rasch auf ihre Stärken besinnen. Stichwort Oma: Meine Mutter, über 80, liest die Lokalzeitung schon seit Jahrzehnten gegen den Strich und streicht jeden Fehler an. Sie hat das Abo wohl nur noch, damit sie sich über etwas aufregen kann. Solche Leser wachsen nicht nach.

    Das, was ich über das Geschehen am Ort wissen muss, erfahre ich gratis aus dem Anzeigenblatt – der wöchentliche Verlautbarungsjournalismus ist identisch mit dem, den ich im bezahlten Abo täglich bekomme. Eine bundesweite Zeitung wie FAZ oder SZ hat dagegen wenigstens die kritische Masse, einige wichtige Themengebiete mit fachlich spezialisierten Autoren zu besetzen und muss nicht alles von dpa kaufen. Sie kann im gesellschaftlichen Diskurs relevant bleiben.
    (Nebenbei: drei Zeitungen pro Woche sind nichts Halbes und nichts Ganzes. Der Mensch lebt in natürlichen oder gelebten Zyklen: Tag, Woche, Monat.)

    Bis es wieder aufwärts geht, sollte man sich nach Alternativen umsehen. Falls die Zeiten wirklich besser werden, könnt Ihr doch immer noch als Quereinsteiger oder Rückkehrer Euren Traum leben.

  25. Ulf J. Froitzheim |  27.11.2012 | 18:09 | permalink  

    Nachtrag: 24 bezog sich natürlich auf 21.
    23 rutschte kurz vorher von mir unbemerkt rein.

  26. Steffen Meyer |  27.11.2012 | 18:31 | permalink  

    @Ulf J. Froitzheim

    Ich glaub, wir sind da gar nicht so verschieden: Nach freiberuflicher Mitarbeit und anschließendem Volontariat bei einer Lokalzeitung habe ich mich auch für ein Studium entschieden, damit ich in Zukunft nicht auf kleines Zeilengeld angewiesen bin. Neben dem Bachelor habe auch ich nicht-journalistische Jobs gemacht, ganz einfach weil sie besser bezahlt waren und ich als Student in einer fremden Stadt jeden Euro brauchte. Mittlerweile habe ich einen ganz gut bezahlten Nebenjob im Journalismus, der natürlich nicht meiner Idealvorstellung entspricht, aber trotzdem besser ist als vieles andere, und kann ab und zu für Medien schreiben, die ordentlich für gute Inhalte bezahlen.

    Zudem studiere ich jetzt im Master Europäische Kultur und Wirtschaft: einerseits, weil mich Europa(s Politik, Wirtschaft und Kultur) fasziniert und interessiert, andererseits natürlich auch, weil ich mich so spezialisieren kann. Denn Sie haben Recht, das Angebot an journalistischen Arbeitskräften übersteigt die Nachfrage und jeder muss sehen, wo er seine Nische findet. Idealistisch verblendet bin ich also nicht :)

    Ich mache es jedoch anders herum, als Sie mir vorschlagen, und versuche erst in den Journalismus einzusteigen. Wenn das dann nichts wird, sehe ich mich nach Alternativen um. Noch bin ich jung, habe keine Familie, um die ich mich kümmern muss, und kann mich den Sachen widmen, auf die ich Lust habe. Und wenn ich merke, dass das auf Dauer nicht funktioniert, wie gesagt: Dann habe ich es wenigstens versucht.

  27. Irene |  28.11.2012 | 00:30 | permalink  

    Die FAZ will sich nicht auf Leidenschaft verlassen und unterhält ein Gästehaus für Volontäre und Praktikanten: http://seeliger.cc/2011/appartment-freitag/

  28. Finanzierung des Journalismus: Die falsche Debatte | Journalismus 2.0 | Scoop.it |  28.11.2012 | 07:47 | permalink  

    [...] Kurzum: Es bleibt mehr Geld für das Kerngeschäft, den Journalismus. Der Ballast von Produktions- und Vertriebskosten – rund 50 Prozentpunkte – fällt annähernd weg. In der Diskussion um das Internet beklagen Kritiker …  [...]

  29. Beate Barrein |  28.11.2012 | 10:19 | permalink  

    @ Irene Schon mal drüber nachgedacht ;), dass sich der Einzelne genau bei einem Vertrag, den er doch bitteschön unterschreiben soll, damit er weiter Aufträge (ich habe hier ein Pauschalisten-Beispiel im Sinn) etc bekommt, super verunsichert ist? Wohl kaum, sonst wäre es ja nicht das Hauptanliegen deines Posts anzugreifen. Und genau für diese Einzelnen ist es wichtig, dass es Interessensvertretungen gibt, die hier eine Plattform schaffen. Denn, schon mal drüber nachgedacht, dass der Einzelne für Arbeitgeber, Redaktionen, Auftraggeber immer leichter zu handeln ist? Wohl kaum. Natürlich ohne das Wollen des Einzelnen geht es nicht, aber danach muss es nicht zwingend so weiter gehen. Und ohne nachzudenken, ist es im Journalismus denke ich sowieso…schwierig.

  30. Irene |  28.11.2012 | 12:45 | permalink  

    Beate, ich war vor bald zehn Jahren eine Weile für die Mailingliste der SZ-Freien zum Thema Buy-Out-Vertrag verantwortlich. Für manche kam dieser Austausch zu spät, sie hatten die angebliche Formsache aus dem ehrenwerten Haus bereits unterzeichnet. Andere hat die Vernetzung mit Kollegen davon abgehalten, den Buy-Out-Vertrag zu unterschreiben oder ermutigt, Honorare für nicht vereinbarte Verwertungen (DVD…) einzufordern. Aber die Unsitten in der Branche hat das auch nicht angegriffen – dafür waren wir zu wenige. Und die dju in ver.di, in der ich ebenfalls Mitglied bin, hat damals an das individuelle Rückgrat der Freien appelliert und darauf verwiesen, dass irgendwann gemeinsame Vergütungsregeln kommen werden.

    Ich fürchte, die Freischreiber sind erfolgreicher als wir, gerade weil sie sich naiver auf den ganzen Buy-Out-Scheiß eingelassen haben und jetzt ehrlich empört darüber sind, dass ihre bürgerlich-individualistische Rechnung nicht aufgegangen ist.

  31. Steffen Meyer |  28.11.2012 | 12:51 | permalink  

    @Irene

    “Die FAZ will sich nicht auf Leidenschaft verlassen und unterhält ein Gästehaus für Volontäre und Praktikanten: http://seeliger.cc/2011/appartment-freitag/

    Das ist natürlich die beste Lösung. Zur Nachahmung empfohlen. Danke für den Hinweis :)

  32. Beate |  28.11.2012 | 19:14 | permalink  

    Danke, Irene, nun verstehe ich dich. Auch deine Argumente sind schlüssig. Die Sache mit den “bürgerlich-individualistischen” Freischreibern sehe ich aber auch so, dass sie auf den Zug aufgesprungen sind, als schon viele Verhandlungen geführt waren und nun die Schneise nutzen. Selbst da würde ich eine Zusammenarbeit begrüßen, denn in diesem Segment ggf gegeneinander zu arbeiten ist unnötiger Kräfteverlust. Wenn es um das Profilieren von Organisationen geht sowieso. :) Ursprünglich war mir wichtig, in diese Diskussion die Existenz von Solidarität einzubringen.

  33. Das Riepl’sche Gesetz | Folia lib. |  06.12.2012 | 04:49 | permalink  

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