Antje Schrupp

Euer Facebook-Gejammere nervt!

 | 30 Kommentar(e)


Es gibt viele Gründe, Facebook nicht zu mögen. Aber auch ein paar sehr gute, es trotzdem zu benutzen.

23.11.2012 | 

Seit geraumer Zeit ärgere ich mich über das Facebook-Gejammere dieser “Netzgemeinde”. Der gefühlt fünfttrillionste Artikel mit der Überschrift “Facebook nervt” von Maik Söhler aus der heutigen taz ist jetzt mal der Anlass, darüber zu bloggen.

Der Hauptgrund, der von den Facebook-Verächterinnen vorgebracht wird, ist natürlich die Bevormundung dieser Plattform. Alle drei Tage werden wieder irgendwelche Einstellungen verändert, man hat keinerlei Kontrolle (haha) über das, was einer so in die Timeline gespült wird. Undurchsichtige Algorithmen schreiben mir vor, was ich lesen soll, lauter langweiliges Zeug kommt da oder – oh Göttin! – Werbung, die ich nicht bestellt habe. Die Daten gehören sowieso Herrn Zuckerberg, alles, was ich bei Facebook poste, wird überwacht, ausgenutzt und im Zweifelsfall gegen mich verwendet. Und dann diese ganzen Poesiealbumssprüche.

Ja, das stimmt alles.

Und ja, es gibt viele schönere Orte im Internet, zum Beispiel Blogs oder Twitter oder noch irgendwelche anderen Seiten, die noch viel nerdiger und selbstbestimmter und unüberwachter sind. Und das ist gut so, und es spricht nichts dagegen, sie zu nutzen.

Aber.

Es ist halt einfach so, dass die allermeisten Menschen, wenn sie überhaupt irgendwo in diesem “sozialen Netz” sind, bei Facebook sind, und nicht anderswo. Laut aktueller Online-Studie von ARD und ZDF nutzen 43 Prozent der Internetnutzerinnen “soziale Netzwerke” (faktisch: Facebook), während nur 8 Prozent bloggen und nur 4 Prozent bei Twitter sind. Und warum ist das so?

Ich behaupte, dass der Grund gerade der “bevormundende” Ansatz von Facebook ist. Menschen, die nicht schon seit den Anfangsjahren auf Twitter sind, finden sich da nämlich kaum zurecht. Ich kann mich erinnern, dass es mir selbst anfangs ziemlich komisch vorkam, und dabei war Twitter im Jahr 2009 noch lange nicht so komisch, wie es jetzt ist. Es ist in der Zwischenzeit praktisch eine eigene Sprache entstanden, eine eigene Kultur, mit eigenen Codes usw., die man beherrschen muss, wenn man irgendwie Spaß haben will. Es ist, als ob man auf eine Party geht, die schon seit Tagen läuft, wo man niemanden kennt (die anderen kennen sich aber schon seit Kindertagen), und das Ganze auch noch auf einem fremden Planeten, ohne Sprachkenntnisse und ohne Wissen, wie man sich hier benimmt. Und wem von diesen Millionen Twitterinnen soll ich folgen? Und wie mache ich auf mich aufmerksam, mit null oder zwei Followerinnen am Anfang?

Von zehn Menschen, die ich überrede, auf Facebook oder Twitter zu kommen, bleiben bei Facebook acht bis neun da, bei Twitter höchstens eine.

Bloggen ist leider auch keine Alternative. Für ein neues Blog Aufmerksamkeit zu bekommen, ist heute viel schwerer als vor drei, vier Jahren noch. Und Mitdiskutieren in den Kommentaren? Meine Güte, reihenweise Bloggerinnen machen neuerdings ihre Kommentare ja wieder zu, weil sie den ätzenden Tonfall, der dort normalerweise herrscht, selbst nicht ertragen. Wieso sollte eine Neu-Netz-2.0-Bürgerin sich das antun?

Es ist schwer, in diesem sozialen Internet-Dingens Fuß zu fassen, wenn man nicht selbst schon lange drin ist.

Bei Facebook ist das anders. Da findet jede Neuanfängerin gleich Freundinnen, die werden ihr praktisch auf die Nase gebunden. Da ist die Hürde, auch selbst mal was in dieses gefährliche Internet hineinzuschreiben, gering, zum Beispiel kann sie erstmal vorsichtig mit einem “gefällt mir” beginnen.

Um sich relevante Timelines zusammen zu stellen, braucht man Know-How, Wissen und Zeit. Bei Facebook nicht, da ist – den bevormundenden Algorithmen sei Dank – gleich schon mal was. Und was versierte Timeline-Konfiguriererinnen als Bevormundung empfinden, ist für Leute, die nicht wissen, was eine Timeline ist, geschweige denn, wie sie funktioniert, ein hilfreiches Tool.

Mir gefällt Facebook auch nicht, aus all den guten Gründen, die momentan so ausufernd ins Internet geschrieben werden.

Mir gefällt Facebook aber sehr, sehr gut, weil ich dort all die Menschen treffe, mit denen ich mich gerne austauschen möchte. Facebook ist der einzige Ort im Internet, wo ich sie treffe. Ich treffe sie nicht auf Twitter, ich treffe sie nicht in meinem Blog (manche lesen, aber fast nie kommentieren sie).

Und da kann ich selbst auch etwas dazu tun, dass sich die notwendige Medienkompetenz etwas verbreitet. Ich kann Bekannte darauf hinweisen, dass es nicht so cool ist, wenn sie Fotos von Dritten posten, ich kann Hinweise zum Urheberrecht und zur Datensicherheit anbringen. Ich kann erklären, was “lol” bedeutet, oder wie man Herzchen macht.

Und vielleicht kommt dann irgendwann der Punkt, wo sich die Facebook-Nutzerinnen dann auch jenseits davon umschauen. Der Punkt, wo sie auch mal in einem Blog kommentieren, oder sich Twitter anschauen, oder was es dann irgendwann mal geben wird. Und deshalb bin ich bei Facebook und werde es auch noch solange bleiben, wie es nötig ist.

Meinen Netzschwerpunkt muss ich dort freilich nicht  haben, aus all den genannten guten Gründen nicht. Aber weil ich daran interessiert bin, dass die Möglichkeiten, die das Internet bietet, nicht nur Spielwiese für ein paar Spezialinteressierte bleibt, sondern ein Tool wird, das für Frau Meier und Frau Müller so selbstverständlich ist wie heute das Telefon – deshalb bin ich  Facebook dankbar dafür, dass es eine Plattform bietet, die den Zugang zum interaktiven Internet leicht macht. Eine Plattform, die die Schwellen niedrig hängt, die lockt und verlockt, und die offenbar schafft, was andere Plattformen eben nicht schaffen.

Facebook ist momentan sozusagen der Durchlauferhitzer, der eine Brücke baut zwischen denen, die “drinnen” sind, und denen, die noch “draußen” sind. Und das ist gut so.
 

Crosspost von Aus Liebe zur Freiheit
 

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30 Kommentare

  1. Julia Seeliger |  23.11.2012 | 12:13 | permalink  

    Und die Diskurse?

  2. Nadine Michel |  23.11.2012 | 12:30 | permalink  

    Sehr interessanter Beitrag, so habe ich das noch nie betrachtet. Am besten gefällt mir das Bild von der Party, die seit Tagen steigt – das trifft den Nagel auf den Kopf!

  3. Michael |  23.11.2012 | 12:34 | permalink  

    D’accord, aber wenn schon “Facebook-Verächterinnen” und “oh Göttin”, dann aber auch “Frau Zuckerberg”!

  4. Antje Schrupp |  23.11.2012 | 12:35 | permalink  

    @Julia – Welche Diskurse und was ist mit denen?

  5. Erbloggtes |  23.11.2012 | 12:48 | permalink  

    Wer nur über Facebook jammert, kann leicht in den Verdacht geraten, das Zuckerberg-Imperium damit zu Verbesserungen bewegen zu wollen. Sinnloser Versuch, wie auch die neuesten “Aktualisierungen der Datenverwendungsrichtlinien und der Erklärung der Rechte und Pflichten” demonstrieren.

    Man kann aber nicht auf Facebook aktiv sein und seine Real-Life-Freunde dort ständig darauf hinweisen, dass sie sich ins Unglück stürzen, wenn sie Partybilder posten, ihre Adressbücher hochladen oder Spam weiterverbreiten. Dann tut man da ja nichts anderes mehr.

    Das Bedürfnis zu niederschwelligen Angeboten ist ganz richtig. Aber Offliner dazu aufzufordern, erste Schritte im Netz an der Hand des Großen Bruders zu machen und ihm für diese Chance seine Seele zu verkaufen, ist unverantwortlich.

    Netzaffine Menschen sollten daher stärker die Alternativen beachten (und dafür werben). Einfacher als Vernetzung durch Twitter oder Blogs sind etwa nichtkommerzielle soziale Netzwerke mit Facebook-Funktionalitäten, etwas weniger Bevormundung, dafür großer Selbstbestimmung: Hier habe ich etwa Friendica und Diaspora erwähnt, wo die Server (und die Datenhoheit) den Nutzern selbst gehören können.

    Wenn wir nicht aufpassen, wird die bürgerliche Öffentlichkeit, für die das Netz neue Chancen bietet, in ummauertes Privatgelände umgewandelt.

  6. Julia Seeliger |  23.11.2012 | 13:10 | permalink  

    Die Debattenkultur bei Facebook ist anstrengend. Nutzer können ihre Kommentare selbst löschen. Das hört sich nach einer kleinen Sache an, aber wenn jemand Quatsch schreibt und kurze Zeit später wieder löscht, kann ich ihn nicht auf das Argument festnageln.

    Geht in dem Interview auch noch weiter. Wer das Argument da oben interessant findet, möge diesen Link klicken.

  7. Antje Schrupp |  23.11.2012 | 13:23 | permalink  

    @Julia – Ja, das stimmt, aber wenn jemand in den Kommentaren nervt, entfreunde ich einfach, wobei ich bei Leuten, zu denen ich keine persönliche Beziehung habe, damit auch nicht lange fackele. Anstrengend wird es für mich eher, wenn verschiedene “Szenen” sich unter meinen Post in die Haare kriegen, der FDP-Onkel mit den Feministinnen oder die Räucherstäbchen- mit der Queer-Fraktion usw. Aber das kann dann manchmal eben auch wieder besonders interessant werden…

  8. Julia Seeliger |  23.11.2012 | 13:23 | permalink  

    Und zu den anderen Argumenten

    1) es gibt Telefon und E-Mail. Ich nutze sowas wieder häufiger. Der Vorteil: es ist privater.
    2) als Kontaktmanager kann man Facebook nutzen, geschenkt. Ich hörte, sogar Fefe nutze es für sowas.
    3) Mein neues Blog habe ich 2011 aus dem Nichts gestartet. Klar, mich kannten viele, aber ich hatte zB überhaupt kein Backing aus der so genannten “netzfeministischen Szene”, im Gegenteil. Ich sehe ja, wer mich (nicht) verlinkt. Obwohl ich Feministin bin. Dennoch läuft es heute, knapp 1 1/2 Jahre nach dem Start, gut mit meinem Blog, ich bin zufrieden.

    4) Warum bin ich zufrieden? Weil mir wenige gute Kommentare (=guter Content) heute wichtiger sind als viele nervige Trolle. Ach wichtiger als Klicks – die sehe ich gar nicht an. Nervige Trolle und dumme Kommentatoren schmeiße ich raus. Zudem habe ich ein diskussionsfreundliches Design gewählt. Dafür braucht man natürlich Community-Management-Kompetenzen, die viele von den mimimis nicht haben. Aber wäre es nicht besser, die mimimis würden sich solche Kompetenzen aneignen, als dass sie die Kommentare abschalten? Wenn alle die Kommentare in ihren Blogs abschalten, führt das doch am Ende nur dazu, dass gar nicht mehr (zivilgesellschaftlich) gesprochen wird. Sowas ärgert mich.

  9. Kunterbunte Blogger-Welt: Vampire & Adventskalender | Jeden Tag ein Tipp |  23.11.2012 | 14:57 | permalink  

    [...] DDR-Postkontrolle in der Bundesrepublik Sprengsatz: Die sinnlosen Koalitionsversprechen CARTA: Euer Facebook-Gejammere nervt! Stiftung Warentest: Strompreiserhöhungen: Vattenfall informiert zu [...]

  10. hardy |  24.11.2012 | 03:21 | permalink  

    süß.

    darf ich mal übersetzen:

    wenn ich, sagen wir einmal, auf dem oktoberfest an den tischen entlang gehe und sage: “erstens: ihr werdet ihr unfassbar abgezockt bei den preisen. zweitens: alkohol macht betrunken und betrunkene menschen sind irgendwie eklig. drittens: hätte ich euch mal besser nicht gesagt, weil, ahem, _ihr_ seid betrunken und seid eigentlich gar nicht mehr in der lage, zu verstehen, was ich sage”.

    dann würde mir sicher einer als “spaßverderber” eine versemmeln.

    das schöne am internet ist, daß du, antje, mich nicht schlagen kannst, wenn ich sage: eigentlich besteht zwischen f#ckbook und dem oktoberfest kein unterschied. und klar nerven leute, die einen ständig darauf hinweisen, daß alkohol eine schlechte droge ist.

    ich verstehe, daß es irgendwie zwei arten von leuten gibt.

    die einen gehen aufs oktoberfest, lassen sich volllaufen und machen dann jeden noch so peinlichen sch#### mit. die anderen mögen diese art von veranstaltung überhaupt nicht, weil sie alles ernst nehmen müssen und eben weniger gesellig sind.

    das ändert leider wenig daran, daß alkohol leute betrunken macht und betrunkene ihre eigene situation nur sehr schlecht einschätzen können, ja sogar dazu neigen, ihre fähigkeiten, die dinge unter kontrolle zu halten, maßlos überschätzen ;-)

    in dieser hinsicht bin ich “nüchtern”. geworden. aus den erfahrungen, die begeisterte facebook-user heute offensichtlich peu a peu selbst machen müssen. das ist der lauf der dinge. so ist das mit den “erfahrungen”, man muss sie selber machen, und es wachsen jeden tag neue nach, denen das so geht, also wird die “bubble facebook” noch eine geraume zeit schillern, bevor sie platzt.

    ach ja: die front liegt hier im hause heute zwischen einem facebook verächter – ich konnte schon mit faxgeräten und mobiltelefonen nix anfangen, obwohl mein erster rechner gerade mal 64kb hauptspeicher und eine kassette als datenträger hatte. ich kann für die letzten 2 jahrzehnte nur zwei wirklich nützliche innovationen sehen, die usb-schnittstelle und mp3 player, alles andere wird überschätzt) und einer unbekümmerten nutzerin, die mir gelegentlich berichtet, was meine töchter so alles posten. ;-)

    sie _benutzt_ nüchtern facebook und hat ein handy, einen pad, ein notebook, die könnte überall online gehen. ich will das eigentlich gar nicht und ich schüttele nur den kopf über facebook: ich will nichts, was als ständige versuchung in mir reflexe auslöst, wenn mich meine töchter bekochen.

    lange rede, kurzer sinn: wir benutzen diese dinge und sie verändern uns.

    die “jammerer” sind die nüchternen, die sich ihr leben eben auch anders vorstellen können. du solltest nicht über sie schimpfen, du wirst dich an ihr “gejammer” an dem tag erinnern, in den du dir in den allerwertesten beissen möchtest, nicht auf sie gehört zu haben.

    *gd&rvvvvvf*

  11. OliverH |  24.11.2012 | 10:30 | permalink  

    @hardy

    Nüchtern? Sorry, aber in der Vergangenheit zu leben ist nicht “nüchtern” sondern schlichtweg genauso eine Form von Realitätsverzerrung wie eine übertriebene Euphorie.

    “Wir benutzen diese Dinge und sie verändern uns” – überflüssiger könnte ein Diskussionsbeitrag kaum sein – das gleiche lässt sich über das Auto oder die Bahn auch sagen. Mehr noch: Sie verändern selbst die, die sie nicht selbst benutzen – weil andere sie benutzen und damit unsere Umgebung formen. Ob argentinisches Steak, Drachenfrucht oder Seefisch – ohne schnelle Transporte über lange Strecken wäre das in Bayern undenkbar.

    Dein Problem ist nicht Facebook – aber Du machst Dein Problem recht deutlich “ich will nichts, was als ständige versuchung in mir reflexe auslöst, wenn mich meine töcher bekochen” – Dein Problem ist mangelnde Selbstdisziplin.

    Das ist aber nicht die Schuld von Facebook.

  12. hardy |  24.11.2012 | 18:20 | permalink  

    oliver,

    [...] ach?

    falls du das überlesen haben solltest: “i was a punk before you were …”.

    die lustigen kicks, die man sich bei facebook holen kann, dieses “oh, mich kennt man jetzt in der großen weiten welt” … äh, die hatte ich ca 1994 in compuserve … inclusive eines – heute nennt man das shitstorm – “flamewars” über ca 3 foren hinweg unter der beteiligung von ca 40 mitspielern. das war vor 18 jahren …

    mag ja sein, daß ein facebok-fanboy, und du scheinst mir einer zu sein, die wichtigkeit seiner eigenen person oder dessen, woran er teilnimmt, maßlos überschätzt und glaubt, in der “realität” zu leben – ich habe mich jedenfalls ende der 90er dafür entschieden, freunde wieder anzufassen, statt sie mir aus der ganzen welt ab und an an den kamin einzuladen und sie sonst nur zu “sehen”, wenn ich ihre beiträge aus den foren mit navcis herunterzuladen.

    meine freunde, von denen mir einige auch nach 14 jahren immer noch geblieben sind, lebten zb. damals davon, daß sie einen filter für das erste word geschrieben hatten und nun zwischen japan und sf. hin und her düsten, mal eben einen zwischenstopp einlegten oder mit der ganzen familie eintrudelten. ich denke nicht, daß viele von denen ein facebook konto haben. wir schreiben uns emails.

    sagen wir es so, ich habe das, was du für die “zukunft” oder die gegenwart hälst, in der _vergangenheit_ erlebt und mit den paar dutzend leuten, die das damals spielten, vom fröhlichen anfang bis zum bitteren ende durchexerziert.

    wie gesagt: erfahrungen kann man nicht vermitteln. jeder ist dazu verdammt, sie zu machen.

    klar geht das heute alles schneller … aber die sache ist haargenau die selbe. man ist teil einer operation am offenen gehirn und die scheint einen so blöde zu machen, daß man die “realität” mit ihrem virtuellen pendant verwechselt.

    [...] Dein Problem ist mangelnde Selbstdisziplin.

    echt?

    oops. ich bin seit ende der 80er selbstständiger programmierer. selbstdisziplin, die fähigkeit, mein leben zu organisieren und so aufzuteilen, daß die arbeit gemacht, meine kinder geknuddelt werden und _echte_ dinge passieren, ist sozusagen meine existenzgrundlage. seit 25 jahren … wie lange machst du das schon?

    wie gesagt: alkohol. benebelte gehirne. euphorische selbstüberschätzung.

    ansonsten: gestern gab’s eine schöne webschau mit martina schulte über die abschaffung der mitbestimmungsrechte bei facebook.

    man kann also durchaus fast 20 jahre jünger sein als ich und trotzdem seinen verstand zusammen haben und nicht die euphorie schon mit “in der gegenwart leben” verwechseln.

    daß dir meine bemerkung über die veränderungen, denen wir unterworfen sind, “banal” erscheint, liegt – denke ich mal – daran, daß man in der gegenwart immer probleme hat, sie als “geschichte” zu begreifen und die veränderungen auch wirklich zu verstehen und was sie mit uns machen.

    man trifft entscheidungen. meine war, zu einer zeit, als sich menschen noch holzattrappen ins auto bauen liessen, den von meinem damaligen arbeitgeber angebotenen einbau eines mobiltelefons zu verweigern: “ich höre unterwegs hörspiele und möchte nicht gestört werden”. ich habe bis heute kein handy, aber ich sehe, wie sich die menschen, die welt um mich herum durch diese dinger verändern. die sehen das nicht, sie stecken ja drin …

    ich stehe neben dran und sage: hey, ich bin nicht technophob, ich liebe technik, aber … ich bin ich und möchte nicht ein versuchskaninchen in einem experiment mit offenem ausgang sein, schon gar nicht mit den gemachten erfahrungen – morgens aufstehen und als erstes mal nachgucken, wer mir was geschrieben hat.

    damals hielt ich das für eine ziemlich kranke sache, die nur nachtschaffende programmierer machen … heute macht das jeder und es ist “normal”. oha! nur, es ist eigentlich immer noch “krank”. wenn man es selbst macht, wie du, ist es “normal”, aber in ein paar jahren hast du vielleicht verstanden, was ich dir versucht habe, zu sagen.

    in diesem sinne, viel spaß bei f#ckbook.

  13. hardy |  24.11.2012 | 18:28 | permalink  

    ps: mein kompletter alptraum kommt übrigens erst noch: brillen, die die realität erweitern. ich schwärme zwar (immer noch) für die erweiterung des bewußtseins, aber ich befürchte, es kommt gerade die komplette verblödung zu autistischen krüppeln deformierter versuchskaninchen …

  14. Art Vanderley |  24.11.2012 | 18:40 | permalink  

    Natürlich kann man facebook und andere konstruktiv nutzen , und ganz sicher gibt es Viele , die das aus den verschiedensten Gründen tun.

    Aber es gibt im Zusammenhang mit den sozialen Netzwerken überall diesen doch etwas lächerlichen Hype , diesen Herdentrieb , bei dem immer so mitschwingt , daß man halt ein Ewiggestriger ist , wenn man da vielleicht Vorbehalte hat .

    Wer nicht alles Neue prinzipiell als das Ding schlechthin betrachtet und nicht auf Konpfdruck mitmacht , wenn die Masse “dalang” schreit ,der muß sich dann schon mal – meist eher zwischen den Zeilen – anhören , daß er halt diese neuen Sachen nicht mehr versteht.

    Meine Lieblingsfraktion sind dann diejenigen , die vor sich hertragen, wie “jugendlich” sie seien , weil sie “dabei” sind , blabla , und oft habe ich den Verdacht , daß da nicht mal jeder so jung ist , wie er tut.

    Ich finde es erfrischend , wenn Leute ein grundsätzliches Mißtrauen haben gegenüber alldem , was sehr schnell und sehr laut als etwas propagiert wird ,was jetzt aber nun wirklich angesagt ist und wo man unbedingt dabei sein muß.

  15. hardy |  25.11.2012 | 01:54 | permalink  

    art,

    [...] Ewiggestriger

    ich erinnere mich an den belustigten gesichtsausdruck, mit dem mich meine freunde bedachten, als ich ihnen erzählte, ich programmiere gerade eine adressverwaltung – und sie mir dann ihre terminkalender unter die nase hielten: “guck ma’, geht ganz ohne strom”. die haben heute alle ein handy …

    ich hab’ keins, aber eines meiner softwarepakete läuft seit 14 jahren rund um die uhr in ca 90 filialen eines unternehmens hier in der region. immerhin, die können heute ihre tollen kleinen nervensägendinger bedienen – ich wäre wahrscheinlich komplett überfordert.

    ich denke, das hat wenig zu tun mit “ewiggestrig”, es hat etwas mit der fähigkeit, den nutzen einer sache zu beurteilen und wie sich diese sache auf uns auswirkt, zu tun. ich will nicht ständig erreichbar sein, ich will nicht in dieses internetdingens gehen, nur um mal schnell was nachzugucken. ich weiss es oder ich weiss es nicht – und ich habe auch schon vor wikipedia eine basis an wissen angehäuft, die heute dazu führt, daß ich höre: “gucks nicht im internet nach, frag den hardy …”

    diese dinge sind krücken.

    sie sollen uns beim gehen helfen – aber sie hinterlassen uns als faule maden, die nur noch kriechen können. alle verlassen sich auf diese dinger, laden ihre musiksammlung in die cloud hoch – ich denke permanent den ausfall des netzes mit und liebe usb-festplatten.

    man verliert schnell den überblick. es macht sich heute keiner mehr gedanken darüber, daß er für mr. zuckerberg, den ich für ein ausgemachtes ####loch halte, _kostenlos_ arbeitet. man steht morgens auf und vergrößert das vermögen dieser schleimigen kröte. coole sache das.

    ich konnte mir das damals nicht vorstellen, wenn ich ehrlich bin. wir waren “so gut”, hippies halt, alles miteinander teilen, geld nur für die dinge verlangen, die uns nervten (buchhaltungsprogramme …), der rest wird verschenkt. wir dachten, das geht ewig so weiter.

    wir waren so blöd.

    es musste ja nur jemand kommen, dem der zynismus aus jeder pore quillt und alle regeln des guten miteinanders über den haufen werfen und endlich die kohle absahnen. okay, wenn man sich nicht schlecht fühlt dabei: viel spaß bei f#ckbook.

    dass man damit alles verrät, woran man vielleicht mal glaubte, okay … daß es mitbestimmung bei f#ckbook gab, bis gestern, wen hat das je interessiert. daür ist es nicht da. es ist dafür da, daß man “mein haus, mein boot, mein auto” sagen kann und jeder das sieht. das mag man für kommunikation halten.

    man kann auch den reinen exhibitionismus erkennen.

    wenn man denn noch so nüchtern ist, überhaupt noch etwas erkennen zu können.

    [...] “jugendlich”

    wir waren gestern essen und auf dem parkplatz stand ein paar in etwa unserem alter, das trank dort bier aus einer flasche. das hat bei mir eine kleine kette von assoziationen ausgelöst.

    ich konnte mich daran erinnern, daß ich ja auch mal “jung” war und auch bier auf parkplätzen getrunken habe – und mich nicht dafür genierte.

    heute bin ich “alt”, obwohl ich irgendwie nicht mitbekommen haben muss, daß ich nicht mehr in den 20ern bin, weil ich auf die “ruts” oder “eddie & the hot rods” heute noch so abgehe wie vor 30 jahren und mir auch das eine oder andere schlicht nicht abgewöhnt habe. weil ich “so bin”. ich muss nicht “so tun”, sprich eine baseballcap verkehrt aufsetzen und die sprache und gewohnheiten meiner kinder nachäffen ;-)

    [...] erfrischend

    danke ;-)

  16. OliverH |  25.11.2012 | 11:06 | permalink  

    @hardy

    Danke, dass Du so deutlich zeigst, dass Dir Fakten relativ egal sind und Du Dir im Zweifelsfall lieber selbst etwas zusammenerfindest, nur um kontern zu können. Es mag ja sein, dass Du in den 90er schon auf Compuserve aktiv warst. Dumm nur, dass Dir das keinen Vorsprung vor mir gibt. Noch dümmer, dass Du Dich offensichtlich seitdem kein bisschen weiterentwickelt hast.

    Du hast Dich entschieden, Freunde “wieder anzufassen”. Und Leute, deren reale Freunde über die ganze Welt verstreut leben, die haben eben Pech gehabt…

    Nicht ich bin es, der sich zu wichtig nimmt, sondern Du. Deine “Argumente” entsprechen genau jener pubertären Einstellung, dass auf jeden Fall die ganze Welt nur von Deppen bevölkert ist und man selbst der einzige der Ahnung hat – selbst wenn man real sich nur die Welt zusammenspinnt.

    Also nochmal zum mitschreiben: Ich war in den Neunzigern auch schon im Internet unterwegs. Ich habe Ende der 90er in den USA gelebt und das Internet auch privat intensiver genutzt als mancher sich das in Deutschland mangels Flatrate leisten konnte. Deine narzisstische Selbstbeweihräucherung ist daher nichts als peinlich.

    Mehr noch: Ich habe Verwandte eine Generation vor mir, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit um die ganze Welt gereist sind und in Teams aus der ganzen Welt gearbeitet haben. Facebook hat ihnen die Möglichkeit gegeben, mit diesen wieder Kontakt zu knüpfen.

    Aber vermutlich sind Leute, mit denen man 20 Jahre lang zusammengearbeitet hat, keine “echten” Freunde, wenn man mit ihnen über Facebook kommuniziert?

    Nein, Hardy, Deine Position hat mit “Vernunft” ungefähr soviel zu tun wie der Narzissmuss eines pubertären Teenagers. Für den funtkioniert die Welt auch nach der Methode “weil nicht sein kann was nicht sein darf”.

    Fähigkeit, den Nutzen einer Sache zu beurteilen? Dass ich nicht lache. Wärst Du zu einer seriösen Analyse von Sachverhalten in der Lage, Du hättest Deine Replik an mich nicht so geschrieben, wie Du es getan hast, sondern Dir überlegt, was Du tatsächlich über mich weisst.

    Stattdessen hast Du mich behandelt wie einen pubertären Teenager und Dich dabei entlarvt, dass Du selbst in dem Stadium steckengeblieben bist.

  17. OliverH |  25.11.2012 | 11:10 | permalink  

    @Art Vanderley

    “Meine Lieblingsfraktion sind dann diejenigen , die vor sich hertragen, wie “jugendlich” sie seien , weil sie “dabei” sind , blabla , und oft habe ich den Verdacht , daß da nicht mal jeder so jung ist , wie er tut.”

    Und was ist mit den Leuten, die bei jeder neuen Entwicklung reflexartig sagen “brauchen wir nicht, alles Unfug, Spielerei”?

    Wären diese die dominante Fraktion, wir würden kaum diese Zeilen hier schreiben…

    “Ich finde es erfrischend , wenn Leute ein grundsätzliches Mißtrauen haben gegenüber alldem , was sehr schnell und sehr laut als etwas propagiert wird ,was jetzt aber nun wirklich angesagt ist und wo man unbedingt dabei sein muß.”

    Und ich finde es peinlich, wenn Leute wie Hardy es als “Vernunft” verkaufen wollen, ihren Beissreflex auszuleben.

    Ein Mißtrauen bedeutet übrigens Voreingenommenheit – man verschließt sich damit von vorneherein einer seriösen Analyse.

  18. hardy |  25.11.2012 | 20:31 | permalink  

    oliver

    [...] was Du tatsächlich über mich weisst.

    nichts ausser dem, was du erzählst. erwartest du, daß ich mir einen f#ckbook account zulege, und nachgucke? in einem forum, in dem ich deinen namen herausdestillen könnte, hätte ich dich nachgelesen.

    [...] hast Du mich behandelt wie einen pubertären Teenager

    oh, habe ich das?

    ich habe erzählt, wie ich das persönlich erlebt habe und wann ich welche entscheidung getroffen habe, die man nur verstehen kann, wenn ich mich vorher “selbst beweihräuchere” oder, nüchterner betrachtet, deutlich darauf hinweise, daß ich das nicht aus einem vorurteil sondern aus _erfahrungen_ heraus so mache.

    die entscheidung, nicht “verfügungsmasse” für arbeitgeber zu sein, immer erreichbar zu sein, habe ich sehr früh getroffen. ob ich mich da “nicht weiter entwickelt” – also meine skepsis aufgegebe, um mich vergnügt in dieses experiment am offenen gehirn zu stürzen – weiss ich nicht, ich denke, es ist _konsequent_ und durch die an mir selbst beobachteten verhaltensweisen auch gedeckt.

    ich weiss wirklich nicht, wer von uns beiden sich da nicht weiterentwickelt hat, weil du, wenn du das so lange machst, dich selbst ja auch bei diesen dingen beobachtet haben solltest. es sei denn, du guckst gar nicht und hälst alles, was du so tust, eben für “alternativlos”.

    ich habe alternativen.

    [...] pubertär … narzistisch …

    geschenkt.

    ich verstecke mich nicht hinter abstraktem, ich erzähle, wie es mir persönlich ergangen ist und warum ich wann zu welchen erkenntnissen komme – und habe das gerade (bewußt) “f#ckbook-like” getan – auch um genau diese reaktion zu bekommen.

    ich tue dies nicht um mir am bauch zu pinseln sondern um deutlich zu verstehen zu geben, daß ich kein älterer herr bin, der dem neuen per se mißtraut, sondern dieses neue mitgestaltet hat – und zur erkenntnis kommt, daß man sein eigenes tun mit skepsis betrachten sollte.

    daß du darauf so heftg reagierst, sagt mir nur, daß ich einen punkt getroffen habe, der schmerzt: vielleicht verdrängst du einfach, daß du die selben erfahrungen gemacht hast, sie dich aber nicht zu einer änderung deines verhältnisses zu dieser internet sache ganz allgemein gebracht haben.

    [...] argumente

    oliver, was erwartest du? daß ich mich hinter holzschnitt-thesen verstecke?

    wenn du jetzt – statt mir inkompetenz in der sache zu unterstellen – einen kleinen blick auf den link geworfen hättest, der hinter meinem namen liegt, hättest du verstanden, daß ich nicht in einer höhle sitze und mir die welt nur vorstelle. es gbt da offensichtlich von sehr jungen menschen in DR Wissen vorgetragene gute argumente, f#ckbook nicht zu nutzen (obwohl ich immer ziemlich irritiert höre, man möge das doch mit den selben leuten auf f#ckbook diskutieren). soll ich dir einen kleinen strauß an beiträgen zusammenstellen, die mehrere jahre zurückreichen?

    ich rede also nicht über abstrakten schnickschnack, ich rede von meinen persönlichen erfahrungen – die mich lehren, daß das internet eben “nur” das internet ist und daß es kompletter schwachsinn ist, sich in einem immer schneller laufenden hamsterrad mitzudrehen, jede entwicklung mit zu machen – nur um ein paar monate später festzustellen, daß schon das nächste ding lauert. wenn du das wirklich schon so lange machst, solltest du die ganzen gräber kennen, an denen wir stehen. second life zb. wir werden uns am grab von f#ckbook wohl wieder sehen …

    daß es ein hamsterrad ist, versteht man erst, wenn man _aufhört zu laufen_.

    ich habe erklärt, warum ich aufgehört habe zu laufen.

    nicht, weil ich aus einer position der unkenntnis heraus diesen “neumodischen sachen” nicht traue, sondern weil meine erfahrungen mit diesen dingen mich lehren, daß sie ein billiger zeitvertreib sind und jede stunde mit einem guten hörbuch oder seinen kindern besser investiert ist als das befüttern der zuckerbergschen geldmaschine, in der ein zynisches ####loch ganz alleine die spielregeln festlegt und sich jeder demokratischen kontrolle entzieht.

    ich verstehe den unterschied zwischen dem googleschen “don’t be evil” und der “leck mich am ####” haltung eines mark zuckerberg nur zu gut – und ich befüttere sie nicht durch unbezahlte arbeit.

    ganz am anfang habe ich übrigens “ich arbeite doch nicht umsonst für die geheimdienste der welt” formuliert, “die sollen mich gefälligst dafür bezahlen”.

    ganz allgemein:

    ich stelle nicht die fähigkeit einzelner in frage, mit allem und jedem “bewußt” umzugehen, sein online-leben in den griff zu bekommen, die instrumente zu beherrschen und sich nicht von ihnen beherrschen zu lassen.

    aber, du magst da eine leuchtende ausnahme sein – ich bin es nicht.

    ich bin nicht nur diesem spielzeug gegenüber skeptisch, ich bin es vor allem mir selbst gegenüber – und eine der frage, die sich mir zunehmend mehr stellt ist: womit verbringe ich meine zeit. die rinnt nämlich aus und ich habe einfach keine überflüssige, die ich herrn zuckerman “opfern” möchte. es ist schön, wenn du die hast, ich hab’ sie einfach nicht.

    so ein tag hat nur 24 stunden.

    ich verstehe sowieso nicht, wie alle menschen, denen ich im netz so begegne, dieses riesenpensum an informationsaufnahme (angeblich) geregelt bekommen, das sie online referrieren. ich frage mich dann immer “habt ihr eigentlich kein leben, oder was?”. weil ich im grunde nicht glaube, daß der tag von jemand anders länger sein könnte als meiner oder daß jemand mehr zeit für sich alleine hat. ich arbeite nachts, die zeit gehört komplett mir alleine.

    wie macht man das also, wenn man arbeiten geht?

    dann bleiben einem ja im grunde nur ein paar stunden für sich selbst, jedenfalls erheblich weniger als mir. wenn ich mir jetzt vorstelle, daß menschen essen, fernsehen gucken, ins kino gehen, mit physisch existenten leuten umgehen etc etc – wann zum teufel eignen sich menschen eigentlich diese kompetenz an, die sie immer beanspruchen.

    das geht nur durch exklusion.

    oder durch die illusion, daß das alles schon irgendwie klasse ist.

    ist es nicht …

  19. hardy |  25.11.2012 | 20:40 | permalink  

    ich schiebe mal gerade einen link zu einem meiner posts nach im hamsterrad

    hat mal jemand eine antwort darauf, wie man aus diesen vier stunden 12 macht und dann jeden sch#### mitmachen kann, den die vergnügungsmaschine internet einem aufdrängelt?

    ich nicht …

  20. hardy |  25.11.2012 | 20:48 | permalink  

    und diesen link dieser hass

    jürgen hat bis zu dem tag, als ihm der groschen fiel, sicher genau anders herum argumentiert und sein verhalten, sein durchhalten, gerechtfertigt.

    es gibt halt immer ein “vor” und ein “nach” einer _erkenntis_.

  21. Art Vanderley |  25.11.2012 | 21:46 | permalink  

    “Und was ist mit den Leuten, die bei jeder neuen Entwicklung reflexartig sagen “brauchen wir nicht, alles Unfug, Spielerei”?

    Wären diese die dominante Fraktion, wir würden kaum diese Zeilen hier schreiben…”

    Habe ich das gesagt? So eine prinzipielle Einstellung führt nicht weiter , stimme zu , mich verwundert aber die automatische Einordnung einer facebook – Kritik als grundsätzliche Fortschrittsfeindlichkeit.
    Warum soll facebook ein “alternativloser” Fortschritt sein und von jeder Kritik ausgenommen?

    “Ein Mißtrauen bedeutet übrigens Voreingenommenheit – man verschließt sich damit von vorneherein einer seriösen Analyse.”

    Stimmt nicht , nicht umsonst heißt es “gesundes Mißtrauen”. Gerade wenn irgendein Phänomen einem so heftigen Hype unterliegt , finde ich es ganz gut , wenn Leute hellhörig werden – vor allem dann , wenn Kritiker quasi vorrausschauend abqualifiziert werden , noch bevor sie überhaupt was gesagt haben.

  22. Art Vanderley |  25.11.2012 | 21:47 | permalink  

    Vorheriger Kommentar richtet sich @ OliverH

  23. hardy |  25.11.2012 | 22:32 | permalink  

    @art

    ich hätte oliver vielleicht erzählen sollen, daß ich einen “diaspora” account habe (martina schulte hat mich da hin gelockt), aber irgendwie immer noch keinen sinn darin erkennen kann, die leute alle 10 minuten über meine körperfunktionen auf dem laufenden zu halten ;-)

    meine daten dort gehören _mir_, ich kann sie löschen, mitnehmen, was immer ich will.

    aber diaspora ist halt “nur” so was wie br alpha … und wer guckt das schon, wenn er doch pro7 mit werbeeinblendungen gucken kann ….

  24. Antje Schrupp |  25.11.2012 | 23:07 | permalink  

    @Julia – Telefon und E-Mail, jau. Aber das geht nur mit einer kleinen Gruppe von Menschen, sonst kostet es zu viel Zeit. Es gibt eine Menge Leute, mit denen ich nicht eng genug “befreundet” sein will, um mit ihnen zu telefonieren oder zu mailen, aber doch gerne in losem Kontakt stehe.
    Zu den Kommentaren: Ich finde es auch schade, wenn Kommentare abgeschaltet werden, aber dass viele auf diese Art Debatten keinen Spaß haben, ist halt einfach so. Oder keine Lust darauf. Das entscheidet ja jede für sich selber.
    Aber es gibt nochmal einen Unterschied zum Umgang mit Trollen oder destruktiven Typen (dagegen hilft die von dir erwähnte Internetkompetenz) und dem Wunsch/Willen, sich sehr kontroversen Debatten mit Leuten aus anderen Szenen, die aber keine Trolle sind, zu stellen.
    Ich hatte eigentlich letzteres im Blick – und die Unlust darauf betrifft nicht die Leute, die bloggen, aber wegen Sexismus ihre Kommentare schließen, sondern diejenigen, die generell nicht “einsehen”, warum sie sich überhaupt öffentlichen Debatten aussetzen sollen.
    Das sind zum Beispiel Frauen, die ich manchmal treffe, und die meinen Blog samt Kommentaren lesen (wo sie ja die Trolle schon gar nicht treffen, weil ich die vorher gelöscht habe), aber mich trotzdem fragen, warum “ich mir das antue”.
    Ich denke, hier ist ein kultureller Wandel noch nicht vollzogen, der darauf hinauslaufen könnte, dass alle Menschen sich nachvollziehbar an öffentlichen Debatten beteiligen (was ich mit “Bloggen als Bürgerinnenpflicht” meine). Viele Offlinerinnen sehen sich immer noch irgendwie nicht dafür zuständig, sie unterscheiden zwischen privaten Diskussionen unter mehr oder weniger Gleichgesinnten, während für den öffentlichen Diskurs “Profis” zuständig sind (Oft sagen sie dann auch, sie verstehen, warum ich das mache, denn es sei ja mein “Job”).
    Wir haben zwar inzwischen mit dem Internet die Tools für eine öffentliche Debatte unter allen, aber wir haben noch nicht die Kultur dafür. Und es ist ein Schritt in diese Richtung, die Facebook imho mit dieser niedrigschwelligen Art, Leute zum immerhin semiöffentlichen Diskurs zu animieren, befördert. Und das finde ich gut.

  25. hardy |  25.11.2012 | 23:22 | permalink  

    @oliver

    kleiner nachtritt und sozusagen dienst am kunden.

    ich habe dir eben auf meinem quixiot-blog eine kleine liste all der podcasts zusammengestellt, die ich auf der tv3.seite in den letzten jahren angeboten habe, sprich – die habe ich vorher gehört.

    das ist das, wie ich zu meinem urteil komme.

    du wolltest argumente: ich schlage also vor, du hörst das durch und dann verfügen wir beide über den selben kenntnisstand ;-)

  26. Timo |  26.11.2012 | 12:00 | permalink  

    Ich bin komplett anderer Meinung. Es gibt noch nicht annähernd genug Facebook-Gejammere. Facebook ist ein Internet im Internet, und es ist eine schlechte Alternative.

    Viele jammern auch über den Erfolg der Bild-Zeitung, über Dieter Bohlen, über qualitativ minderwertiges Fastfood und Plastik-Essen aus dem Supermarkt, über die Einheitsmöbel von IKEA usw. usw. Ich finde das Gejammere völlig gerechtfertigt.

    “Da findet jede Neuanfängerin gleich Freundinnen, die werden ihr praktisch auf die Nase gebunden. Da ist die Hürde, auch selbst mal was in dieses gefährliche Internet hineinzuschreiben, gering, zum Beispiel kann sie erstmal vorsichtig mit einem “gefällt mir” beginnen.” Ähm. Hm. Bin mir auch nach mehrfachem Lesen nicht sicher, ob dieser vermeintliche Facebook-”Vorteil” ironisch gemeint sein soll!?!

  27. nik |  26.11.2012 | 15:54 | permalink  

    Wie heißt es so schön: Es kist alles gesagt, nur noch nicht von jedem.

    Ich finde, es kann gar nicht genug Kritik an Facebook geben. Das tut diesem Imperium sicher nicht weh, im Gegenteil verschwindet die Kritik aber eben nicht in der Versenkung und es setzen sich immer ein paar Leute/FB Neueinsteiger damit auseinander. Noch besser wäre, wenn ein fähiges Unternehmen oder eine fähige Community das Potential erkennen würde, das ein “Facebook” ohne diese ganzen Kritikpunkte böte. Und eines entwickeln würden. Woher soll sonst der Impuls kommen? Kritik ist doch das beste Feedback, was man bekommen kann. Wenn das dem Zuckerberg egal ist, kann vielleicht jemand anderes was draus machen.

  28. Art Vanderley |  26.11.2012 | 20:27 | permalink  

    @ nik

    “Noch besser wäre, wenn ein fähiges Unternehmen oder eine fähige Community das Potential erkennen würde, das ein “Facebook” ohne diese ganzen Kritikpunkte böte. ”

    Exakt. Was für eine Marktlücke.

  29. Facebook, ein Sehnsuchtsort | zeitrafferin |  30.11.2012 | 13:47 | permalink  

    [...] Schrupp schrieb als Reaktion auf Maiks Artikel dann: “Euer Facebook-Gejammere nervt”. Schrupp sagt, die Beliebtheit von Facebook (im Vergleich zur anspruchsvolleren bzw. [...]

  30. Michael |  01.12.2012 | 22:22 | permalink  

    Offenbar muss ich mich als Mann nicht angesprochen fühlen, da die Authorin hier offentsichtlich nur Nachhilfestunden für weibliche Netzuser(inen) gibt. Ob das die Frauen allerding wirklich noch nötig haben…?

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