Wolfgang Michal

Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben

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Weder die Turbulenzen der schwarz-gelben Regierung noch die Finanzkrise haben den klassischen linken (und linksliberalen) Zeitungen neue Leser zugetrieben. Woran liegt’s?

18.11.2012 | 

Machen wir zunächst einen Kassensturz, bevor wir nach den Gründen für das ausbleibende Morgenrot suchen:

- Die Frankfurter Rundschau, Jahrzehnte lang das Flaggschiff der linken Mitte, das Pflichtblatt sozialdemokratischer Gewerkschafter mit Bildungshintergrund, wichtigste Gegenstimme zur flächendeckenden Hegemonie der konservativen Regional- und Qualitätsblätter, hat seit der Jahrtausendwende einen beispiellosen Niedergang erlitten (an dem die SPD als Mit-Verlegerin nicht ganz unschuldig war). Heute bringt die Zeitung, die einst zu den „großen Vier“ gehörte (FAZ, SZ, Welt, FR) gerade noch 115.000 verkaufte Exemplare auf die Waage, wobei die harte Auflage aus Abonnements und Einzelverkäufen bereits unter der psychologisch wichtigen 100.000er-Marke liegt: etwa 80.000 Mal verkauft sich das Blatt noch regulär. Und eine erkennbare Haltung links vom Mainstream (eine irgendwie erahnbare Blattlinie) ist kaum noch auszumachen. Jetzt haben die Eigentümer, der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg und die mit der SPD verbandelte Medienholding DDVG, Insolvenzantrag gestellt.

- Die Berliner Zeitung, einst dem Zentralkomitee der SED unterstellt und nach der Wende von Gruner & Jahr zur „deutschen Washington Post“-Hoffnung aufgeblasen, kann sich zwar immer noch als größte Zeitung Ostberlins bezeichnen, aber irgendeine Bedeutung über den Berliner Kiez hinaus hat sie nicht. Der Finanz“investor“ David Montgomery, der die Zeitung 2005 übernahm und 2009 an M. DuMont Schauberg weiter verscherbelte, hat dem Blatt jeden überregionalen Anspruch ausgetrieben. Eine Zeit lang wurden die Redaktionen von Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung zusammengelegt. Genützt hat es nichts.

- Die taz, das Leib- und Magenblatt von über 12.000 taz-Genossen, lag vor fünf Jahren bei 55.000 verkauften Exemplaren. Dort liegt sie – trotz zahlreicher Bettelaktionen – noch immer. Bei der taz herrscht Gemeinde-Stabilität auf niedrigem Niveau. Eine nennenswerte Wirkung über Berlin und einige Großstädte hinaus hat die taz aber nicht mehr. Den Status als Journalistenschule der Nation und als Kreativitätspool hat sie ans Internet verloren.

- Dem neuen deutschland, das sich im Untertitel „sozialistische Tageszeitung“ nennt, sterben sowieso seit 20 Jahren die Alt-Abonnenten weg. Inzwischen ist man bei 34.000 verkauften Exemplaren angekommen. Und trotz mancher Reformen und einer Beteiligungsgenossenschaft als Mitverleger geht es weiter abwärts.

- Die junge welt, 1989 mit einer Auflage von 1,6 Millionen die größte Tageszeitung der DDR (und das Zentralorgan der FDJ), ist in Existenznot geraten. Nur 17.000 Exemplare werden von der „marxistisch orientierten“ Zeitung täglich verkauft, trotz Genossenschaftsmodell und Crowdfunding. Ähnlich wie beim neuen deutschland hat man sich deshalb dazu entschlossen, den eigenen Namen nur noch klein zu schreiben.

- Die Wochenzeitung der Freitag, seit der Übernahme durch den Journalisten und Spiegel-Erben Jakob Augstein auf bestem Wege, ein linksliberales Meinungsmedium für das nicht-konservative Bildungsbürgertum zu werden, kommt auflagenmäßig nicht vom Fleck. Nachdem das Blatt eine Zeitlang aus den IVW-Statistiken verschwunden war, ist seit Herbst 2011 wieder zu sehen, wie die Auflage – stagniert. Knapp 14.000 Exemplare verkaufte der Freitag im dritten Quartal 2011. Und auf diesem Niveau bewegt er sich auch ein Jahr später, trotz ansprechender Renovierungsarbeiten, trotz unterstützender Netz-Community und eines journalistisch überaus umtriebigen Verlagsleiters. Ohne die Zuschüsse aus dem Vermögen des Chefs wäre das Blatt wohl längst über die Spree gegangen.

- Der Vorwärts, einst sozialdemokratische Wochenzeitung, die bis in die achtziger Jahre immerhin 60.000 Exemplare verkaufte, ist aus Kostengründen mit dem Mitgliedermagazin zusammengelegt und entsprechend verunstaltet worden. Als Zeitung kann man das schlaffe Endprodukt nicht mehr bezeichnen – wie übrigens die meisten der (in der Regel achtlos weggeworfenen) Gewerkschaftsblättchen, die nur den Öffentlichkeitsetat ihrer Mutter-Organisationen belasten.

- Das Schicksal der Woche, 1993 von Manfred Bissinger gegründet und zeitweise (optisches) Vorbild der deutschen Presselandschaft, ist typisch für die unzureichende gesellschaftliche Verankerung der linken Presse. Auch Die Woche hat ihre vorgesehene Reiseflughöhe nie erreicht. Das Bordpersonal war zu teuer, die harte verkaufte Auflage blieb unter der wichtigen 100.000er-Marke. Nach neun Jahren war Schluss. Der Zeitschriften-Verleger Thomas Ganske wollte kein Geld mehr verbrennen. Gemeinsam mit der Woche gingen die Restbestände der Wochenpost unter.

Geblieben sind ein paar kleine „Inseln der Vernunft in einem Meer von Unsinn“ – so der Werbeslogan der Blätter für deutsche und internationale Politik (verkaufte Auflage: 9000 Exemplare). Fragt man Journalisten, warum das so ist, lauten die Argumente meist: Blattlinien werden heute nicht mehr gebraucht. Die Bevormundung der Leserschaft ist out. Die Bestätigung der eigenen politischen Meinung reicht als Leseinhalt nicht aus.

Das mag richtig sein. Aber sonderbarerweise wirft man dies der liberal-konservativen Presse, die in Nachrichtenauswahl und Kommentierung genau diese Vorwürfe bestätigt, nicht vor. Solche Zeitungen gelten weiter als unabhängig, objektiv und pluralistisch.

 

Die Bekenntnisscheu der Aufsteigermilieus

Was also sind die wahren Gründe für das flächendeckende Versagen der linksliberalen und linken Medien? Zunächst und vor allem die geänderten Rahmenbedingungen:

- Die Wende von 1989 war das Ende der Systemkonkurrenz. Wer dennoch an linkem Gedankengut festhielt, war ein unverbesserlicher Ideologe. Weder Gewerkschaften noch Sozialdemokratie vermochten es, sich gegen die Verunglimpfung ihres Denkens, das ja aus dem selben Wurzelwerk hervorgegangen war wie der Wortschatz der untergegangenen autoritären Systeme, erfolgreich zu wehren. Die gesamte Linke – nicht nur die kommunistische – war diskreditiert und wurde in Mithaftung genommen. Dies bezahlen die beiden Großorganisationen und ihre Umfeld-Medien bis heute mit Bedeutungsverlust.

- Der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft transformierte auch die Arbeitnehmerschaft: Höhere Bildung, die Emanzipation der Frauen, die Anerkennung gesellschaftlicher Minderheiten, neu auftauchende Fragen der Lebensqualität (Ökologie, Arbeitszufriedenheit) und nicht zuletzt das Welt verändernde Universal-Werkzeug Computer sorgten für eine allmähliche Ausdifferenzierung, die sich – zeitversetzt – auch in der Zersplitterung des Parteiensystems (SPD, Grüne, Linke, Piraten) und der Zerfaserung der Einheitsgewerkschaften (Berufsverbände, Mini-Gewerkschaften – Ärzte, Fluglotsen, Lokführer etc.) niederschlug.

- Das Leserpotential linker Zeitungen zersplitterte darüber hinaus durch die Einführung neuer, billiger und visuell orientierter Medien: Heute befriedigen Boulevardzeitungen, Fernsehkanäle und das World Wide Web die Neugier und das schnelle Informationsbedürfnis. Das Publikum teilte sich in vier größere Milieus, die untereinander wenig Durchlässigkeit aufweisen: 1. Facharbeiterschaft und technische Intelligenz, 2. aufstiegsorientiertes neues Bildungsbürgertum (vielfach die Kinder von 1), 3. verarmende „bildungsferne“ Schichten und 4. sicherheitsorientiertes Kleinbürgertum (Provinz, Rentner etc.). Doch fast alle Printmedien links vom Mainstream konzentrierten sich nach der Wende ausschließlich auf das zweite Milieu: das aufstiegsorientierte neue Bildungsbürgertum (das vor allem in den Großstädten lebt).

- In dieser stark umworbenen Gruppe entwickelte sich seit den neunziger Jahren – vor dem Hintergrund einer krisenhaften Ökonomie – eine Außenseiter- und Abstiegsangst, die sich u.a. darin äußert, Medien des linken Spektrums lieber nicht zu abonnieren, um nicht unangenehm aufzufallen und den eigenen Status zu riskieren. So schrieb etwa die FAZ anlässlich eines Interviews mit der Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth: Sie kommt aus Babenhausen in Bayern, einem konservativen Ort, in dem ihre Familie als linksliberal galt, weil der Postbote jeden Montag den „Spiegel“ in den Briefkasten steckte“. Übertragen auf die heutige Zielgruppe linker Medien heißt das: Nicht jeder, der etwas werden (und zur neuen Mitte gehören) will, möchte sich mit der taz oder dem Freitag oder gar der jungen welt exponieren, also greift man lieber zu etwas Unverfänglichem oder verzichtet gleich ganz auf ein sichtbares Zeitungs-Abo.

- Das Internet hat den unbestreitbaren Vorteil, dass es die drohende (soziale) Stigmatisierung verhindert. Da das World Wide Web sämtliche Inhalte in neutraler Verpackung bietet, muss sich der Leser nicht zu etwas bekennen. Seine Haltung bleibt (zumindest nach außen hin) unsichtbar. Der Leser verfügt über das notwendige Maß an Privatheit und Autonomie. Er kann selbst bestimmen, was er gerade sein möchte. Weder Kindle noch iPad verraten, was er denkt. Der Inhalt kommt so unauffällig wie das Sexspielzeug im Postpaket. Kein markanter Zeitungskopf offenbart die Denkrichtung des Lesers. Gerade die aufstiegs- und bildungsorientierten Schichten, die mit linken Medien vielleicht sympathisieren, aber von ihnen nicht „vereinnahmt“ oder „abgestempelt“ werden wollen, wandern aus diesen Gründen (natürlich nicht nur aus diesen!) ins Netz.

- Dort treffen sie auf eine Generation, die mit Zeitungen sowieso nichts mehr anfangen kann, weil a) schon das Wort „Zeitungslektüre“ an überkommene altbackene Verhaltensrituale erinnert und b) die aufgrund des Anzeigenrückgangs stark erhöhten Zeitungspreise abschreckend wirken.

Aber reichen die politische Großwetterlage und die Charakteristika bestimmter Lesermilieus als Begründung aus? Liegt der Niedergang nicht auch an den Zeitungen selbst?

 

Linkes Feuilleton gibt es schon genug

Den wichtigsten Grund für den Misserfolg – die Konzentration auf eine ganz bestimmte (und weitgehend unberechenbare) Zielgruppe – habe ich bereits genannt. Im Folgenden will ich versuchen, einige Aspekte, die sich daraus ergeben, etwas näher zu beleuchten:

- Anders als die liberal-konservativen Flaggschiffe können die linken Zeitungen oft kein Vollprogramm (mehr) bieten. Ihre Berichterstattung ist nicht umfassend und nicht in allen Ressorts gleichermaßen kompetent. Linke Zeitungen kommen deshalb oft nur als „Zweitzeitung“ in Betracht, als Ergänzung und Korrektiv. Ihre Redaktionen sind hoffnungslos unterbesetzt, die eigene Recherche wird – aus Kostengründen – vernachlässigt, ihre Mitarbeiter sind von vielen Hintergrund-Gesprächen und Zugängen in Politik und Wirtschaftsleben ausgeschlossen (man lädt sie gar nicht erst ein). Die unzureichende Qualität des Angebots und die schwierigen Rahmenbedingungen haben zur Folge, dass fachlich und handwerklich gut ausgebildete Journalisten die Arbeit bei einer linken Zeitung oft als Sackgasse und zu große persönliche Abhängigkeit empfinden („Wer nimmt mich denn danach noch?“). Diese Sorge ist durchaus berechtigt, denn die meisten Journalisten entstammen exakt jenen aufstiegs- und bildungsorientierten Schichten, für die sie am liebsten schreiben.

- Oft bereichern die Inhalte linker Zeitungen ihre Leser zu wenig. Es gibt für das Publikum wenig neue Erkenntnisse, kaum überraschende Einsichten oder Aha-Erlebnisse, kein Dazulernen, keinen Mehrwert – zur großen Enttäuschung der unterschätzten Leserschaft. Ein linkes Netzangebot wie die NachDenkSeiten stellt heute mehr profundes Wirtschaftswissen bereit als manches (besser ausgestattete) Printmedium. Das bloße Bestätigen vorhandener Meinungen zu politischen Vorgängen reicht nicht. Anstatt nun aber inhaltliche Tiefenbohrungen zu unternehmen und an Themen und Geschichten dranzubleiben, verschrecken linke Feuilletonisten ihre Leser lieber mit provozierender politischer Inkorrektheit (was zweifellos billiger und leichter zu haben ist).

- Obwohl die Wissenschaften in den letzten 20 Jahren viele Erkenntnisse lieferten, die linke Zeitungen eigentlich frohlocken lassen müssten, überträgt sich die aus diesen Forschungsergebnissen resultierende Grundstimmung kaum auf die linken Medien: So entdeckten Hirnforscher das „Social Brain“, Sozialwissenschaftler die Kraft der Empathie, Tierforscher die Kooperation, Genforscher das sozialisierte Gen, Mathematiker die spieltheoretische Gegenseitigkeit, Ökonomen die  Beziehungsökonomie und das Social Business. Doch weder verfügen linke Zeitungen über die entsprechenden Kenntnisse noch ergänzen sie ihre Kritik der Verhältnisse durch solche „Alternativen“. Sie erschöpfen sich lieber in kulturpessimistischem Gejammer.

- Auch möchten zu viele linke Journalisten exakt dort konkurrieren, wo die liberal-konservativen Medien unbestreitbar im Vorteil sind: im Feuilleton, in der Magazingeschichte, in der Glosse, im Interview, im Porträt. Dieses Wettrennen ist nicht zu gewinnen. Denn die linksliberalen Feuilletons in den liberal-konservativen Zeitungen, die Seite-3-Reportagen, die Wochenmagazine der Zeitungen, die Zeit und der Spiegel mit allen ihren Nebenlinien, die Avantgarde-Zeitschriften von Monopol bis dummy decken die Bedürfnisse nicht-konservativer Leser bestens ab. Im Zweifel sind deren Feuilletons und Reportagen auch radikaler als die der linken Zeitungen – eben weil ihre rebellischen Nischen geschützt, relativiert und abgefedert werden durch ein politisch und ökonomisch eher konservatives Umfeld. In der Finanzkrise z.B. gebärdete sich das FAZ-Feuilleton wie die Kommunistische Plattform der frühen Sahra Wagenknecht. Und Jakob Augsteins Kolumne „Im Zweifel links“ wirkt bei Spiegel Online oft pointierter als der Leitartikel im eigenen Blatt.

- Die Fixierung auf das Feuilleton und die politische Talkshow (auf die reine Personalpolitik der Parteien) zeigt darüber hinaus, wo die großen Lücken der linken Zeitungen klaffen: in der Wirtschaft und im Lokalen. Diese Lücken wurden – außer zu den Hochzeiten der Frankfurter Rundschau – nie mit Leben gefüllt.

- Kurz: Das kuschelige Zusammenglucken der aufstiegs- und bildungsorientierten Milieus auf beiden Seiten des linken Mediums (auf Journalisten- wie auf Leserseite) bewirkt, dass der riesige Bereich der Nicht-Dazugehörenden total vernachlässigt wird. Weder im Boulevard noch im Fernsehen noch im Netz gibt es nennenswerte Versuche, einen größeren Leser-Zuschauer-Produzenten-Kreis zu erschließen. Dort aber spielt die Musik. Und das ist das Problem.

Mit diesem Beitrag eröffnet Carta eine kleine Serie über die Lage der oppositionellen Medien in Deutschland. Als nächstes schreibt Dr.Wolfgang Storz, von 2002 bis 2006 Chefredakteur der “Frankfurter Rundschau”.
 

 

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96 Kommentare

  1. Till Westermayer |  18.11.2012 | 13:31 | permalink  

    Reicht der Blick auf die Auflagenhöhe, um etwas über Relevanz zu sagen? Die taz wird- meiner Wahrnehmung nach – inzwischen und noch immer von JournalistInnen gelesen, und taucht als Bezugspunkt in Presseschauen und Kommentaren auf. Mit der Wochenzeitung kontext wagt sie linksbürgerliche Experimente im Lokalen. Und dann gibt es noch Journalismus, der gar nicht den Anspruch auf Mainstream hat. Im Internet, aber auch die Jungle World wäre hier zu nennen.

  2. Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben | Likeitnow |  18.11.2012 | 13:50 | permalink  

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  3. Vera Bunse |  18.11.2012 | 14:04 | permalink  

    @Till
    Im Prinzip ja, aber — Ohne wirtschaftlichen Erfolg lässt sich nun mal auch keine Zeitung führen, und Journalisten sind ein relativ überschaubarer Leserkreis. Die Breitenwirkung bleibt aus.

  4. gabriel |  18.11.2012 | 14:04 | permalink  

    die Jungle World fehlt mir hier auch. und der freitag wird m.E. mitsamt jakob augstein überschätzt. und seine sponline-kolumne ist mit ihrem titel eine anmaßung. (jedoch finde ich im freitag die artikel im feuilleton meistens am ansprechendsten).

  5. theo |  18.11.2012 | 15:00 | permalink  

    Ein interessanter Debattenbeitrag, dem ich in wesentlichen Punkten zustimmen möchte. Nur würde ich nicht die Nachdenkseiten als Ort profunder Wirtschaftsberichterstattung sehen, gerade in diesen Dingen betätigen sich die Autoren dort doch zu gerne als Sprachrohr Lafontaines, da ist zu viel Ideologie im Spiel. Sie liegen nicht immer falsch damit, aber sie sind zu einseitig. Dass Leute wie Jens Berger ihre eigenen Ansichten für unumstößlich halten, ist nichts weiter als “das bloße Bestätigen vorhandener Meinungen”.

  6. Matze |  18.11.2012 | 16:48 | permalink  

    Dass die Feuilletonteile der linken Zeitungen eine Konkurrenz auch in den linken Feuilletons der eher konservativen Zeitungen haben, halte ich für eine ziemlich interessante Beobachtung, der ich auch vollumfänglich zustimmen würde.

    Was ich aber nicht nachvollziehen kann ist die vermeintliche “Peinlichkeit” des Linke-Zeitung-Kaufens. In meinem Bekanntenkreis – ich würde sagen, eher links, viele Grünenwähler etc. – ist es nicht verpönt, die taz zu lesen, wohl aber, die Welt zu lesen (ich wurde während eines Praktikums im FAZ-Feuilleton sogar mal von der Freundin eines freundes gefragt wie ich das mit meinem Gewissen ausmachen könne, dort zu arbeiten) – und wir relativ jungen Akademiker sind doch die, auf die sich der Absatz oben bezieht, oder!?

    Warum also wirklich gerade die linken Zeitungen “aussterben”, weiß ich auch nicht. wobei man ja bedenken muss, dass auch die rechten Zeitungen finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet scheinen – vielleicht können sie einfach besser wirtschaften, vielleicht ist es auch Zufall.

  7. Klaus Jarchow |  18.11.2012 | 17:31 | permalink  

    Würdest du ‘Welt’, ‘FAZ’, ‘Cicero’, ‘WAZ’, ‘Bild’, ‘Rheinische Post’, ‘Nordwestzeitung’, ‘Bayernkurier’ und das ganze rechte und neoliberale Spektrum untersuchen, kämst du zu ähnlichen Resultaten. Nicht diese oder jene publizistische Ausrichtung ist in der Krise, sondern das Prinzip ‘Zeitung’ generell.

    Dem allgemeinen Verfall gegenüber ist die ‘taz’ mit einer stabilen Auflage ja fast ein Wunder …

  8. Neuro Ticker |  18.11.2012 | 17:32 | permalink  

    Sind “Süddeutsche”, “Spiegel”, “Stern” und “Zeit” liberal-konservativ?
    Warum tendieren sie dann eher zu den Grünen und der SPD als zur CDU/CSU oder gar FDP?

  9. hardy |  18.11.2012 | 18:27 | permalink  

    lieber neuro ticker,

    eine einfache antwort auf deine frage: wie kann man zu parteien tendieren, die tagtäglich den unsäglichsten schrott als regierung produzieren und deren gesellschaftspolitische vorstellungen sich tag für tag als lächerlich unhaltbare positionen entpuppen????

    und, auch wenn das an dir vorbeigegangen sein sollte: wir leben 2012. bestimmte vorstellungen, die die grünen in die debatte eingebracht haben, sind mittlerweile gesellschaftlicher konsens ohne noch “grün” zu sein oder als “grün” wahrgenommen zu werden.

    wenn du also die vorstellung hast, daß so bürgerlich konservative blätter wie der “spiegel” “links” seien, dann ist irgendwie die zeit an dir vorbeigerauscht und du lebst noch in den 50ern …

  10. marco tullney |  18.11.2012 | 18:28 | permalink  

    Ich würde weder die FAZ noch die Süddeutsche als konservativ bezeichnen. Die FaZ ist in vieler Hinsicht kritishcher und mutiger als die Taz. Die Junge Welt ist ehrlich gesagt keine Zeitung, sondern ein ideologisches Revolverblatt.

  11. westernworld |  18.11.2012 | 19:28 | permalink  

    wolfgang blau schrob anläßlich des ablebens der FR einen kommentar auf seiner facebook seite des zentraler satz lautet “Das inzwischen fragliche journalistische Konstrukt namens Tageszeitung wird selbst jedoch äußerst selten als Grund genannt.”

    genau das ist der punkt auf den es ankommt und genau hier wird jede noch so gut gemeinte sozialstrukturanalyse der zeitungskrise durch veteranen wie herrn michal unausweichlich zur beantwortung der frage mit welcher sauce der vegetarier sein schnitzel haben wolle.

    es geht nicht nur darum das zeitungen ihr klassisches verknappungsgeschäftsmodell durch den wegfall der rubrikenanzeigen wegbrach, es geht darum das durch das netz die institution der tageszeitung an sich immer irrelevanter wird und zwar im print wie im netz.

    das mag im einen milieu, der einen kohorte schneller oder langsamer gehen, das mag durch wirtschaftliche beharrungszusammenhänge auch noch jahrzehnte weiterwerkeln, aber die tageszeitung als kulturelle und institutionelle organisationseinheit gesellschaftlicher meinungs und reflexionsbildung hat ungefähr so fertig wie wie das theater oder die zünfte vor ihm durch den wandel der zeit.

    dass das etwas ist was man sich als journalist nicht vorstellen will finde ich menschlich zutiefst verständlich.

  12. Alex |  18.11.2012 | 19:32 | permalink  

    Kurze Verständnisfrage: Was sind denn oppositionelle Medien in Deutschland? Und ist das gleichzusetzen mit linken Medien oder ist es hier nur ein Teilaspekt? Was erwartet mich noch in dieser kleinen Serie?

    Fragen über Fragen…

  13. hardy |  18.11.2012 | 19:47 | permalink  

    wolfgang,

    hinter meinem rücken manifestiert sich in einem ausufernden regal meine liebesaffäre zu bedrucktem papier. früher habe ich wohl die hälfte meines geldes (die andere ging für sex & drugs & rock’n’roll d’rauf) für diese leidenschaft ausgegeben, kein “dr lüstern” oder “frigitte”, keine titanic oder pardon, die dieser leidenschaft entgangen wären …

    man könnte also sagen, ich sei das zielpublikum in person. aber seit ca 10 jahren ist diese liebe erloschen, weil ich zunehmend festgestellt habe, daß es eben nichts mehr gibt, was mich noch interessieren könnte. das “alleinstellungsmerkmal” fehlt. warum sollte ich geld ausgeben für eine FR, wenn da doch der selbe mist drin steht, wie ihn alle anderen straight aus dem ticker in ihr blatt gepostet haben. da kann ich doch gleich dpa abonnieren …

    “missy” fand ich ganz interessant und die erstausgabe von “alleycat” habe ich meiner mittleren verpasst, die davon megabegeistert hat -hat aber leider die null nummer nicht überlebt. statt dessen gibt es nur diesen langweiligen einheitsbrei in die mitte drängender angepasster yuppies ohne eigene meinung.

    früher habe ich es geliebt, am bahnhof vor dem zeitungsregal zu stehen, heute greife ich die tv hören und sehen ab, nehme ne c’t mit und das war’s dann auch schon. das stöbern erlebe ich so nur noch in frankreich, auch wenn dort die bédéX zunehmend seltener werden und blätter wie “circus” oder “bodoi” verschwunden sind. das einzige abo, das ich mir noch gönne, ist das der “rock & folk”. in deutschland gehört die rockmusik der springer presse.

    aber deutsche zeitungen? irgendjemand hat in den letzten tagen gesagt, es würden auch ein paar hundert leute ausreichen, um die tickermeldungen umzuformulieren. sehe ich genau so. journalisten sind heute doch im grunde werbefachleute.

    wer radio hört, braucht den kram nicht. die zeitungen arbeiten sich in der regel immer an dem ab, was ich schon seit tagen oder gelegentlich auch schon mal seit einem jahr kenne.

    jetzt liegen halt bücher auf meinem stillen örtchen statt zeitungen.

    @marco

    in der FAZ gibt es tatsächlich ab und an gute artikel – ich habe die beiträge über einen landdeligen aus bayern damals sehr genossen, weil es offensichtlich nur noch in der FAS leute gab, die ihn an seinen (vorgeblich) eigenen regeln maß, während der rest entweder komplett hysterisch war oder eben “die nächste sau durch’s dorf treiben” spielte. die TAZ lese ich nicht, ich kenne die “libération” und dem vergleich hat sie noch nie stand gehalten.

  14. Art Vanderley |  18.11.2012 | 20:02 | permalink  

    Engagierter und guter Beitrag , insbesondere der Hinweis auf die “Nicht Dazugehörigen”.

    Es gibt “da draußen” ein riesiges Potenzial an Leuten , die sehr aufgeschlossen wären gegenüber einer Zeitung , in denen sie mal komplett verschont würden von neoliberalen Klosprüchen , von gróßen Fanphotos “führender” Wirtschaftsgrößen , von der Diffarmierung so bezeichneter Unterschichten usw.usw.

    Es ist sehr verwunderlich , daß das der Markt nicht richtet und stattdessen alle wie eine Herde Schafe nur in eine Richtung rennen.
    Die FR ist da ein Paradebeispiel , sicher ist ( oder war ) sie nicht das Flaggschiff der Marktradikalen , aber auch sie hat sich in Teilen an diesen Mainstream angebiedert ( einfach mal Götz Aly lesen…) .

    Ob dahinter die “Meinungsmache ” steht , wie sie von den NDS vertreten wird , oder ob es der simple Herdendrang ist , das Ergebnis muß zwangsläufig der Niedergang sein , spätestens wenn das Anzeigengeschäft knapp wird.

    Daß dabei linke Medien zuerst “dran” sind , ist folgerichtig , sie leben vielmehr als der Mainstream von der eigenen Autenthizität , von der eigenen Nische.

  15. Wolfgang Wegener |  18.11.2012 | 21:16 | permalink  

    Zitat Wolfgang Michal: “Blattlinien werden heute nicht mehr gebraucht. Die Bevormundung der Leserschaft ist out. Die Bestätigung der eigenen politischen Meinung reicht als Leseinhalt nicht aus. Das mag richtig sein. Aber sonderbarerweise wirft man dies der liberal-konservativen Presse, die in Nachrichtenauswahl und Kommentierung genau diese Vorwürfe bestätigt, nicht vor. ”

    Die Tatsachenbehauptung im letzten Satz ist ja wohl nicht Ihr Ernst, oder? Ich lese jeden Tag die FAZ und verzichte oft schon auf die Nachrichten des ÖRR (Tagesschau, geschweige denn Heute-Journal). . Die paar Stunden bis zum nächsten Tag kann ich warten, und dann bekomme ich sorgfältige Berichte, Kommentar und Bericht sauber getrennt etc. Mich interessieren Fakten, meine Meinung kann ich mir selbst bilden. M. E. sollte eine Zeitung nicht links oder rechts sein, sondern einfach berichten. Punkt. Dass die FAZ nicht liberal-konservativ im Sinne von regierungsnah ist, zeigen eine Fülle von Beispielen. Berichten z. B. zur Eurorettung, Betreuungsgeld, Planwirtschaft nach Energiewende etc..

  16. Aktuelles 19. November 2012 — neunetz.com |  19.11.2012 | 06:01 | permalink  

    [...] Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben — Carta [...]

  17. Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website |  19.11.2012 | 09:03 | permalink  

    [...] Oft bereichern die Inhalte linker Zeitungen ihre Leser zu wenig. Es gibt für das Publikum wenig neue Erkenntnisse, kaum überraschende Einsichten oder Aha-Erlebnisse, kein Dazulernen, keinen Mehrwert – zur großen Enttäuschung der unterschätzten Leserschaft. Ein linkes Netzangebot wie die NachDenkSeiten stellt heute mehr profundes Wirtschaftswissen bereit als manches (besser ausgestattete) Printmedium. Quelle: Carta [...]

  18. Mike |  19.11.2012 | 10:52 | permalink  

    Das Beispiel mit Claudia Roth ist doch sehr schwach. Ich will ihr nicht zu nahe treten, aber Roths Kindheit liegt nun auch Jahrzehnte zurück.
    Stellen Sie mal zwei Leute nebeneinander und der eine sagt er wäre links und der andere sagt er wäre rechts, was meinen Sie wer als politisch extrem abgestempelt wird? (Kleiner Tipp: “Kampf gegen Rechts” nicht “Kampf gegen Nazis”)

    Die Linke hat das Problem, dass durch ihren Deutungsanspruch und die damit einhergehende Bevölkerung von öffentlichkeitswirksamen Positionen wie Journalisten und Lehrer ihre Positionen zwanghaft durchgesetzt wurden. Die Linke ist im Mainstream angekommen und wehrt sich immernoch dagegen. Der absolute Großteil der Journalisten ist SPD, Grüne und Die Linke Wähler. Darüber hinaus sollten Sie merken, dass sogar Ex-DDR Blätter noch beliebt sind, obwohl diese fröhlich das Morden in der DDR unterstützt haben. Das wäre mit rechten Zeitungen undenkbar.

    Dass Problem ist ein ganz anderes. Die Zeitungen haben das Internet nicht verstanden bzw falsch interpretiert. Sie setzen immernoch auf schnelle, oberflächliche News und Stimmungsmache. Dabei gibt es beides doch viel schneller und härter im Internet.
    Die richtige Antwort wären gerade tiefgreifende Artikel und Hintergründe gewesen. Das Geschwindigkeitsduell gegen Twitter kann man nicht gewinnen. Man kann auch keine kontroverseren Meinungen vertreten als gewisse Blogs.
    Der Schritt Richtung Qualität wurde verpasst, wieso sollte ich mir eine Zeitung für ein paar Agenturmeldungen kaufen, die ich gestern schon im Internet gelesen habe? Dazu kommt, dass der Journalismus wirklich nur noch aus Copy und Paste besteht, alles wird ungeprüpft übernommen. Investigativen Journalimus gibt es nicht mehr.

    PS:
    Eine Zeitung wie die FR ist zum Glück Pleite gegangen, Zeitungen dürfen niemals zu einer Partei gehören genauso wie Politiker aus den Rundfunkräten gehören.

  19. Wolfgang Michal |  19.11.2012 | 11:18 | permalink  

    Die Grünen – über die es hoffentlich auch noch einen Beitrag geben wird (Frage: Warum sind die Grünen ohne grüne Medien erfolgreich?) – passen ins aufstiegsorientierte neue Bildungsbürgertum. Anders als die klassische Linke, die ja mit ihren Parteien, Vereinen, Medien lange Zeit eine komplette Gegengesellschaft bilden musste, brauchten und brauchen die in der Bundesrepublik groß gewordenen Grünen keine “eigenen” Medien. Bei den Piraten mag das wieder anders sein. Die merken gerade in diesen Wochen, wie ausgeliefert sie Medien sein können, wenn sie nicht mehr gehätschelt werden.

  20. Carta: „Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben“ | Amyklai |  19.11.2012 | 12:38 | permalink  

    [...] Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben — Carta Von Klaas | Montag, 19. November 2012, 12:38 Kommentar-RSS-Feed | Kurzlink  Zeit: „Urfaschismus“ [...]

  21. andereraspekt |  19.11.2012 | 13:19 | permalink  

    Naja, mal ganz abgesehen vom Netz: Wer hat denn heute, als Marginal-Intellektueller/”Arbeitsloser”/Taxifahrer-Akademiker/Ewiger Praktikant/Ein-Euro-Ich-AG/durchschnittliche Familie noch Geld für ein Zeitungsabo übrig?! Das leistet man sich doch nur, wenn man es unbedingt beruflich braucht, ansonsten kommen davor ein paar Dutzend andere Dinge, die man sich heute auch schon versagen muss.

    Da hat eben die rotgrüne Schröder-Gürtel-enger-schnallen-Reformpolitik mit ihren stagnierenden Realeinkommen “für den Wirtschaftsstandort” den Ast abgesägt, an dem sie pressemäßig selbst hing. Die Leute, die durch diese Reformen reicher wurden, lesen (und wählen) dann halt eher was anderes. Da diese Politik in einigen der oben zitierten Gazetten aber angepriesen, verkauft und verteidigt wurde, tw. sogar noch bis heute wird, habe ich da eigentlich wenig Mitleid: Good riddance!

  22. Links vom Montag, 19.11.12 | Herbstrevolver |  19.11.2012 | 14:09 | permalink  

    [...] Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben — Carta [...]

  23. Lisa |  19.11.2012 | 14:15 | permalink  

    Der Artikelschreiber hat es richtig erkannt, das Produkt “linke Zeitung” richtet sich ausschließlich an ein linkes bzw. alternatives Bildungsbürgertum. Meiner Ansicht nach ein Klientel, das sich vorzugsweise selbst beklatscht und alles niederredet was nicht ein gewisses Niveau hat. Am Niedergang der linken Zeitungslandschaft macht sich das Problem der Linken zum Einen im Westen fest, mit der unerträglichen Arroganz gegen Alles was nur nach Mainstream riecht, auf der Anderen Seite der Osten, den die umgekehrte Alterspyramide eben genauso trifft, wie den Rest der Welt. Keiner verlangt, das linke Medien zur BILD mutieren, aber die Themen sind meist so überkandidelt, die Probleme werden oft mit soviel Tiefgang abgehandelt, dass man schon nach dem ersten Absatz zu lesen aufhört, weil man eigentlich gar keine Zeit dazu hat. Die Informationsflut ist so groß, dass man kaum noch herausfiltern kann, was wichtig ist. In sozialen Netzwerken ist es so, da kommen die Themen auf deiner Timeline vorbei und du klickst an, was für dich wichtig klingt. Als Seitenadmin weiß ich, das viel Information über Bilder erfolgt. Lange Texte kommen nicht mehr an. Und wer gibt schon Geld aus für Informationen, die er in der Menge gar nicht mehr erfassen kann in einem normalen Alltag zwischen Infos aus dem Netz, TV und sonstigen Quellen?

  24. Walter Koppe |  19.11.2012 | 14:29 | permalink  

    Bravo für die sehr fundiert-detaillierte Arbeit,
    die ich in einigen mir wichtigen Bereichen bestätigen bzw. ergänzen möchte.
    Zitat: “Die Fixierung auf das Feuilleton und die politische Talkshow (auf die reine Personalpolitik der Parteien) zeigt darüber hinaus, wo die großen Lücken der linken Zeitungen klaffen: in der Wirtschaft und im Lokalen”
    Weil ich den Mangel einer kritischen Berichterstattung im Lokaen gerade in konservativen Regionen recht massiv und in zahlreichen Beispielen kennengelernt habe, hatte ich mir mit xED.de das etwas zu große Ziel gesteckt, in der eigenen Provinz eine linksalternative Seite ins Web zu stellen, die Philosophie einer sehr breiten politischen Bandbreite ausgelegt, die dann allerdings nie wirklich bzgl. des kreativen Potentials des Mitmachens über Insider-Kreise hinauskam, den einen entweder zu links, den anderen nicht links genug war.
    Eine Arbeit, die ich mir innerhalb dieses Rahmens gemacht habe, betraf dann auch die eigenen Erfahrungen als jemand, der sich nicht diesem Mainstream mit seinen Netzwerken unterwarf, dafür aber um so offen-inovativere Projekte entwickelte, etwa die inzw. bayernweit eingesetzte Pendler-Mitfahrzentrale MiFaZ oder gerade auch des allgemeinkommunikativen Mankos wegen einen regionalen Literatenverein, mit bizarren Geschichten als Negativschlagzeile mich wiederholt auf den Seiten von Regionalzeitungen brachte, und trotz gesellschaftlichen bzw. ökol. Nutzens von einigen Mio € zum politisch gemobbten HartzIV-Empfänger zu werden (www.erding-life.de/xed/mifaz-story.html).

    Ich denke also, auch wenn sich die Erfahrungen meiner Geschichte sehr extrem lesen, so scheint mir die Tendenz durchaus bereits mit dem beschriebenen Text in Verbindung zu stehen – oder auch mit jener Untersuchung zur Verteilung der Sendezeiten der pol. Parteien bei ARD, ZDF & Co, siehe http://www.erding-life.de/xed/mediendemokratie.html
    Demnach existiert ein Druck in Richtung Mainstream, und damit auch in Richtung dieses Denkens; mitsamt des sanften Druckes, dazu zu gehören, und damit andere auszuschließen. Letzteres bedeutet, dass energieaufwendigeres gegen-den-Mainstream-Denken oder -Lesen dem persönlichen Vorwährtskommen nicht gerade förderlich ist, und sogar das Gegenteil bewirken kann, und gerade in einer Zeit des Auseinanderdriftens unserer Gesellschaft wesentliche Details unserer Demokratie für viel zu viele nicht mehr existentiell an vorderster Front steht.
    Gerade aufgrund der letzten Erkenntnis wünsche ich allen Alternativmedien wie dieser hier, und da gehören für mich auch die Nachdenkseiten dazu (die auch sehr wertvolle Links setzen), oder alle, die es zumindest versuchen, sehr viel Kraft, Mut – und Zuversicht!

  25. Jürgen Gundlach |  19.11.2012 | 15:19 | permalink  

    Ja, Wolfgang Blau hat Recht. Am Folgetag nach der Ankündigung der Insolvenz der FR erschien sie mit einer Infographik mit dem Titel „40% Frau …“. Zweidrittel der Tabloidseite waren damit ausgefüllt: eine Nachricht, so alt wie… Der Aufmacher der FR mit Nullinformationsgehalt, das ist irre. Es muss in der FR eine kleine gallische Abteilung geben, die den Zeitgeist-Römern trotzt.

    Kurzum, kein Mensch braucht das. Wenn in Deutschland hunderte Journos alle mit dem gleichen beschäftigt sind, nämlich den Rohstoff News hastig und oberflächlich anzureichern, dies dann im Internet veröffentlichen, wo es dann ein-klick-weit voneinander um Aufmerksamkeit buhlt, dann ist das ebenfalls irre, einfach irre.

    Ein Vorschlag in Güte. Alle großen Zeitungen kooperieren bei der Newsveredelung, eine Redaktion, von mir aus die dpa, versorgt sie alle, und der Rest der dann freigewordenen Mannschaft geht dann zum edlen Teil journalistischer Arbeit über: Hintergründe liefern, Zusammenhänge aufzeigen etc.

    Positives K a r t e l l – Alle digitalen Nachrichten-Formate kosten Geld, aus Solidarität mit den anderen sogar SPON. Nur der Newsteil ist bei allen frei zugänglich, da austauschbar. Ob das Bundeskartellamt etwas dagegen hätte?

  26. hardy |  19.11.2012 | 16:38 | permalink  

    @wolfgang

    [...] Anders als die klassische Linke, die ja mit ihren Parteien,
    [...] Vereinen, Medien lange Zeit eine komplette Gegengesellschaft bilden musste

    äh, also ich erinnere das anders: wir waren _vorher_ schon die “komplette gegengesellschaft” mit einer breiten palette an zeitschriften, ich erinnere da zb. “das blatt” oder den “pflasterstrand”, nur um mal zwei zu nennen. ich würde sogar den “blues” dazu rechnen, damals war die grenze zwischen extrem linken positionen und dem, was mal die grünen werden sollten, sehr dünn. die grünen selbst sind ja im grunde aus dieser “gegengesellschaft”, ob sie sich nun als “sponti”, “freak” oder was auch immer bezeichnete, erst entstanden.

    das problem damals war, daß sich die SPD zu sehr in richtung “sachzwang” – dem damaligen pendant zum heutigen “alternativlos” – entwickelte, es nur diese rumpf- und rest-kommunistischen kadergrüppchen gab, denen man ja unter keinen umständen noch beitreten wollte. und auch die DKP, die in meinem heimatort mal 7% bekam, war nicht wirklich attraktiv, wenn man darüber nachdachte, das land irgendwie nachhaltig zu verändern

    @lisa

    [...] Als Seitenadmin weiß ich, das viel Information über Bilder erfolgt.
    [...] Lange Texte kommen nicht mehr an.

    sehe ich anders: junge menschen sind heute nicht mehr in der lage, lange texte zu verstehen, und kommen nur mit nachrichtenpopcorn zurecht. bildern eben. am besten von süßen katzen

    @mike

    [...] Die Linke hat das Problem, dass … ihre Positionen zwanghaft
    [...] durchgesetzt wurden

    das ist, gelinde gesagt, kompletter blödsinn. ich kann nicht erkennen, daß dieses land oder diese gesellschaft “links” wäre, ist es nicht, es ist bürgerlich ängstlich bis in die knochen. diese theorie von den lehrern/journalisten, die angeblich einen linken mainstream begründen kann man nur “kaufen”, wenn man nicht versteht, daß es ideen gibt, die sich mit der zeit durchsetzen, weil sie _vernünftig_ sind und menschen mit verstand sich nur ungern dazu zwingen lassen, dumme ideen weiter dogmatisch durchzupauken.

    [...] Das wäre mit rechten Zeitungen undenkbar.

    ja, es ist heute sehr schwer für “rechte” zeitungen, eine solide begeisterung für faschistische diktaturen zb. zu äußern. das ging früher noch problemlos, so wie hetze gegen den politischen gegner.

    da hat sich was dran geändert, aber eigentlich eher wegen der einfachen demographischen entwicklung: es sind zunehmend menschen, die von den nazis erzogen wurden oder sich für diese begeisterten, schlicht weggestorben.

    was im grunde die ganze sache besser erklärt: die medienlandschaft wird um so mehr “links”, je größer die distanz zum NS-system ist.

    die gesellschaft rückt also nicht wirklich nach links – nope, es wird nur weniger nazistoff als pseudodemokratisch verkauft.

    ganz einfache nummer.

  27. Wolfgang Michal |  19.11.2012 | 16:58 | permalink  

    Lieber @hardy,
    daran sieht man, wie jung du bist. ;-) Mit der Bemerkung zur “klassischen Linken” in Kommentar 19 war die Linke vor ’33 gemeint (im Grunde sogar: vor 1914).

    @Alex (12): Der Beitrag ist der Auftakt zu einer Serie. Also ein Teilaspekt.

  28. Michael Schöfer |  19.11.2012 | 17:16 | permalink  

    Die FR hatte früher sicherlich einmal einen Mehrwert, der über das Bestätigen bereits vorhandener Meinungen hinausging. So kann ich mich erinnern, dass sie z.B. in der Nato-Nachrüstungsdebatte viel zur Aufklärung der Hintergründe beitrug. Die ganzseitigen Dokumentationen waren ja Legende. Und vielleicht ist einigen noch der Name Anton Andreas Guha ein Begriff. Auch wirtschaftspolitisch hatte sie, etwa mit Rolf Dietrich Schwartz, ein publizistisches Schwergewicht zu bieten. Das ist heute leider anders. In der Beschneidungsdebatte hat sie ihren Lesern konsequent das Contra vorenthalten, Andersdenkende als “antisemitische Meinungstrottel” verunglimpft oder einen gewissen Mosebach in puncto Blasphemie “Vom Wert des Verbietens” schwadronieren lassen.

    Warum die taz nur schwer mit den Flaggschiffen der bürgerlichen Presse mithalten kann, ist m.E. die unzureichende Berichterstattung. Ein Beispiel:

    Im Fall des CIA-Chefs David Petraeus und des Generals John Allen hat die taz am 13.11.2012 in dem Artikel “Affäre wird zum flotten Vierer” geschrieben: “Auch in ihrem Fall handelt es sich nur um eine außereheliche Beziehung von zwei erwachsenen verheirateten Personen. Eine Straftat ist das, zumindest im Zivilrecht, nicht. Aber das FBI ermittelt weiter.” Damit endete der Artikel. Am Tag zuvor las man in der taz einen bestimmt spaßig gemeinten Artikel (“Das afghanische Opium ist Schuld”), in dem über die möglichen Hintergründe des Rücktritts von Petraeus spekuliert wurde. Unter anderem: “Dass in Afghanistan unter seinem Kommando die größte Opium,-und Heroin-Produktion aller Zeiten entstand hat den General auf den Geschmack gebracht. Nachden nun in Colorado Marihuana legalisiert wurde will er dort jetzt eine Hanffarm aufmachen.”

    Die Süddeutsche informierte ihre Leser hingegen am 14.11.2012 in dem Artikel “Untreuen US-Soldaten drohen drakonische Strafen” darüber, dass das Militärstrafgesetzbuch der amerikanischen Streitkräfte Ehebruch nach wie vor unter Strafe stellt: “…wenn es dem Ruf der Streitkräfte schadet und die Disziplin und die Ordnung in der Truppe gefährdet. Unehrenhafte Entlassung, Verlust aller Pensionsansprüche und sogar ein Jahr Gefängnis sieht der Paragraf 134 des UCMJ vor.”

    Eine Information, die die Leser der taz vielleicht auch interessiert hätte und im vorliegenden Zusammenhang nicht unbedeutend ist. Stattdessen hat die taz Platz für den Spaßartikel vergeudet. Diese Qualitätskluft liegt nicht darin begründet, dass man zu Hintergrundgesprächen einfach nicht eingeladen wird. Und das ist nur ein Beispiel. Kein Wunder, wenn “linke” Zeitungen mehr und mehr vor sich hindümpeln.

  29. Wolfgang Stock |  19.11.2012 | 17:36 | permalink  

    Die Frankfurter Rundschau ist nicht an ihrer redaktionellen Linie zugrunde gegangen, sondern an ihrem verlegerischen Unvemögen. Sie hat einfach keinen verlegerischen Fokus gehabt. Stadtzeitung oder Regionalblatt oder überregionele Zeitung?
    http://stockpress.de/2012/11/13/und-nun-frankfurter-rundschau/
    Die FR ist immer hin und her geschwankt, das kann verlegerisch nicht gut gehen. Nur Zeitungen mit einem klaren verlegerischen Profil werden überleben.

  30. hardy |  19.11.2012 | 17:40 | permalink  

    werter wolfgang,

    stimmt, soooo alt bin ich jetzt tatsächlich nicht.

    was die perioden unterscheidet: ende des 19. und anfang des 20. jhrdts. gab es aj eher so etwas wie abgeschlossene “milieus”, etwas, was man ja selbst noch in der brd bis in die 80er erleben konnte. es gab den klassischen sozen, den nationalkonservativen, den liberalen – und jedes dieser klar voneinander abgegrenzten milieus hatte seine eigenen zeitungen, die halfen, gegen das jeweils andere milieu _abzugrenzen_. die geburtsstunde des “lagerwahlkampfs” der “bürgerlichen mitte” gegen den kommunismus ….

    die grünen waren einfach die kinder von irgendwem, die kamen ja aus allen milieus und haben – in der konsequenz – diese milieus aufgelöst. ich will das jetzt nicht als deren “verdienst” reklamieren, aber ich denke mal, da gibt es einen zusammenhang, der sich nicht zuletzt in so etwas wie “attac” manifestiert.

    kleine persönliche anekdote: ich bin mal in den 80ern in eine versammlung der JU und habe denen die geschichte erzählt, die lafontaine damals in sb auf dem theaterplatz loslies: 7 minuten. sprich jede der seiten hatte 3 1/2 minuten die raketen zu starten. ich musste nur auf die uhr gucken und 7 minuten quatschen, damit die verstanden, worum es geht bei diesen “mittelstreckenraketen”. die haben das verstanden und waren überrascht, daß ihnen ihre eigenen leute das nie so erklären und wenn sie es denn täten, sie auch gegen die pershings wären.

    aber das ist nicht der kern. der kern ist dieses “zum feind gehen” und _mit_ statt _über ihn_ zu reden. so macht man das auch bei attac.

    das “problem”. je mehr eine gesellschaft sich öffnet, um so verwischter werden die konturen. heute weiss doch im grunde kein schwein mehr, was “links” oder “rechts” ist, das sind ja nur noch konturen oder denkfiguren für menschen, die nicht frei denken können und orientierung brauchen.

    es geht da mehr um pubertäre abgrenzung nach dem motto: “was du findest tokyo hotel gut? ich steh auf zappa!” und eben diese bindekraft der zeitungen gibt es nicht mehr, die die eigene klientel zusammenhielt und gegen die andere aufbrachte.

    damit macht dann aber eine weichgespülte FR noch weniger sinn als eine klar konturierte FAZ. keine frage, warum die abgenippelt ist. die TAZ wiederum bindet eine “gemeinde”.

    wie gesagt: ich gebe nur geld aus für papier, das mich bindet – und sei es fremdsprachlich ;-)

  31. hardy |  19.11.2012 | 17:48 | permalink  

    @michael

    also, diese peträus geschichte: wenn ich das da richtig verstehe, gibt es gar keine “affäre” sondern nur eine zu große vertrautheit und einen etwas zu flappsigen stil in emails. aber keinen sex, der existiert offensichtlich nur in der berichterstattung.

    ist aber ein perfektes beispiel, warum ich den mist nicht mehr kaufe: es geht nicht mehr um inhalt, es geht um den anschein eines solchen, das übernehmen eines schon laufenden gerüchts, das dann in einen skandal aufgeblasen und als solcher verkauft wird.

    brauche ich nicht, ich finde es eher ärgerlich, daß heute zeitungen auf RTL2 niveau angekommen sind.

  32. Wolfgang Michal |  19.11.2012 | 17:49 | permalink  

    @Michael Schöfer: Was Sie schreiben, ist richtig. Anker-Journalisten wie Guha oder Schwartz findet man nicht mehr. Heute sucht man “Namen”, die für etwas stehen – für Kompetenz, Haltung und/oder Stil – eher bei der SZ oder bei der FAS.
    Aber die Früher-war-alles-besser-Fraktion sollte nicht am Tresen stehen und klagen – sie muss neue Medien entwerfen.

  33. Michael Schöfer |  19.11.2012 | 19:10 | permalink  

    @Hardy
    Ich bin ganz Deiner Meinung, dass es m.E. keine Affäre ist, sondern das Ganze dem Privatleben der Beteiligten zuzuordnen ist. Es wurde aber, warum auch immer, zu einer Affäre gemacht und hat ja auch politische Auswirkungen gehabt. Es geht mir lediglich darum, möglichst alle zur Beurteilung wichtigen Informationen zu bekommen. Und diesbezüglich muss ich sagen: 1 : 0 für die SZ. (Es ging hier schließlich um linke Zeitungen.)

    @Wolfgang Michal
    Klar, die Welt wandelt sich und ich bin mit meinen Bedürfnissen vielleicht nicht mehr repräsentativ (sofern ich es überhaupt jemals war). Und früher war sicherlich nicht alles besser. Im Gegenteil, ich bin oft und gerne im Netz unterwegs und lese heute viel mehr als früher. Allerdings weiß ich als (unzufrieden gewordener) Zeitungskonsument auch nicht, wie man die Situation verbessern könnte, schließlich kann ich nicht mehr tun, als eine Zeitung zu kaufen (ob als Print- oder ePaper-Ausgabe ist egal). Es existiert eine Angebots- (immer weniger Zeitungen, die es wert sind gekauft zu werden) und gleichzeitig eine Nachfragkrise (die nachwachsende Generation liest – wenn überhaupt – mehr im Netz und weniger Zeitungen). Vom Wandel auf dem Anzeigenmarkt ganz zu schweigen. Aber wenn ich einen Ausweg wüsste, würde ich ihn bestimmt verraten. Vielleicht sollte man das Fernsehen verbieten. ;-)

  34. hardy |  19.11.2012 | 20:17 | permalink  

    michael,

    es gibt eine einfache erklärung: das mittney wollte kalif werden an stelle des kalifen und da war der weg vom “benghazi skandal” in die unterhose von petraeus sehr kurz.

    wie gut die taz berichtet, keine ahnung. ist nicht mein milieu. als mir die “libé” von den aufmarschplänen am golf (bush sen.) berichtete, feilten die noch an “kein blut für öl”, das war mir damals schon zu blöd.

    sz und faz lese ich, nachdem ich mir eine meinung gebildet habe, als fundierte “bonus tracks”, ich bevorzuge wortradio, das, soweit ich das beurteilen kann, in den letzten 20 jahren _nicht_ schlechter wurde. eher besser. oder, naja, meine fähigkeit das “andere” zu ertragen bzw. überhaupt erst als anders zu erkennen.

    überhaupt, wozu sollte ich die sz lesen. die haben heute angefangen zu verstehen, was ich offensichtlich letzte woche schon verstanden hatte, als die noch damit beschäftigt waren, ihre amerikanischen tickermeldungen abzuarbeiten.

    ist mir alles einfach zu deutsch.

  35. martin |  19.11.2012 | 20:27 | permalink  

    naja, könnte man auch genauso für das rechte Spektrum sehen: Die FAZ hat in den letzten zehn Jahren über 50.000 Abonnenten verloren.
    FTD? Wird wohl abgeschafft. DIE WELT? Hat sich noch nie gerechnet. Rheinischer Merkur ist nur noch ne Mini-ZEIT-Beilage. Und sogar mit der BILD geht’s stetig bergab. Scheint also doch nicht viel mit Rinks-Lechts zu tun zu haben.

  36. Wolfgang Michal |  19.11.2012 | 20:32 | permalink  

    Es gibt so eine Zwangsreaktion im Netz, alles, was heute an News in Zeitungen steht, als umformulierte Tickermeldung abzuqualifizieren. Es gibt auch Korrespondenten und Reporter, die eigene Recherchen betreiben.

    Richtig ist, dass heute interessierte Leser den Wert von Zeitungsberichten besser überprüfen können, indem sie aufdecken, wer wo abschreibt, wer sich aus welchen Quellen bedient, ohne diese zu nennen etc. Sie können Medien miteinander vergleichen, sie können Textpassagen googeln.

    Aber es schreiben eben nicht “alle” “immer” ab. Lasst die Kirche im Dorf!

  37. Wolfgang Michal |  19.11.2012 | 20:36 | permalink  

    @martin: Die Linken sind abwärts einfach schneller ;-) Und da lautet die berechtigte Frage: Warum?

  38. hardy |  19.11.2012 | 20:46 | permalink  

    wolfgang,

    [...] Zwangsreaktion

    wenn ich die “blätter für internationale politik” oder (anschleim) deine beiträge lese, weiss ich, daß das nicht aus dem ticker stammt, daß sich da jemand gedanken gemacht hat und das goutiere ich.

    wenn ich auf den spiegel gegangen bin, um aktuelle nachrichten zu haben, fand ich da in der regel eine umformulierte dpa meldung. das ist ja, du erinnerst dich an das “gedanken machen”?, auch sinnvoll – man muss ja darüber nachdenken, bevor man sich eine meinung bildet.

    was mich dann aber vollends nervt, ist, wenn sich alle meinungen in einem spektrum bewegen, das an selbstverliebter dummheit nicht mehr zu übertreffen ist – und dieser einheitsbrei zieht sich halt über alle blätter hinweg. da fragt man sich: ist das jetzt der selbe ticker oder sind die bloß alle nur doof?

    ja, es gibt recherche.

    ich mag zb. die arbeit von marc thörner, esther saoub, gabi weber etc etc. nur, die finden im radio statt, unterscheiden sich massiv vom publizistischen mainstream und ihrer konsensuellen tickersucht. ich denke nicht, daß ich es mir da “zu einfach mache”, ich habe den vergleich und da schneidet das papier halt einfach zu schlecht ab, als daß ich geld dafür ausgeben möchte.

  39. hardy |  19.11.2012 | 20:53 | permalink  

    und (37)

    wolfgang, “links” heisst seit ich denken kann “selbstkritik” bis hin zur selbstzerfleischung, kapriziöser dogmatismus und rechthaberischer futterneid.

    zu all dem kommt die portion hedonismus, die dazu führt, daß “linke” projekte nicht so eine monumentale laufzeit haben wie “rechte”, wo es darum geht, alte hüte über jahrzehnte weg als den neuesten schrei zu handeln.

    zudem sind “rechte” ja immer glücklich zu machen, wenn sie zu einer einsicht gelangen, die “linke” schon seit einem jahrhundert haben. “rechte” tun dann (fukushima, unlängst merkels vorstoß in sachen mindestlohn) so, als ob sie das erfunden hätten. dieses geschäftsmodell funktioniert definitiv besser als eines, bei dem die entrepreneurs permanent an sich selbst rummosern.

  40. linsenspaeller |  19.11.2012 | 21:11 | permalink  

    Das Thema ist bemerkenswert kompakt und ohne Schnörkel abgehandelt, hätte wahrscheinlich genau so in der Süddeutschen stehen können. Bloß der letzte Absatz vermittelt einen Widerspruch. Es ist doch Unfug, einerseits besonders spezifisch sein zu wollen, egal ob vom Anspruch her oder im Angebot, andererseits aber nach “Versuchen” auszuschauen, “einen größeren Leser-Zuschauer-Produzenten-Kreis zu erschließen”.

    Was die Zukunft betrifft, sehe ich ein wachsendes staatliches Bedürfnis nach Kontrolle. Das könnte dazu führen, daß sich der potentielle Leser schon vorab überlegt, ob es sinnvoll ist, sich in der ein oder anderen Richtung überhaupt informieren zu wollen. Man kann nämlich tatsächlich ohne Zeitungen und politische Information existieren. Hier glaubt mir das niemand, ist schon klar.

  41. hardy |  19.11.2012 | 21:14 | permalink  

    und, kleiner nachklapp zur “bubble” und wie ich bloß darauf komme:

    während der deutsche journalismus versucht, sich in seiner eigenen bubble zu orientieren, die tweets und blogs auszuwerten, auf denen eh steht, was man sich selbst vorher schon dachte (das inzestmodell und seine debilen kinder), kann man auch einfach auf reddit gehen.

    dort tobt eben diese diskussion seit ganzen zwei wochen.

    lustig, daß von dieser ausufernden debatte jetzt auch endlich was in die redaktion der SZ geschwappt ist.

    also wofür, zum teufel, brauche ich dann eine tageszeitung, in der heute gerechtfertigt wird, daß man sich gestern irrte?

  42. Matthias Süß |  19.11.2012 | 21:33 | permalink  

    Oder ganz einfach: Die Menschen haben den belehrenden Ton der linken Blätter satt?

  43. Wolfgang Michal |  19.11.2012 | 21:46 | permalink  

    @linsenspaeller: Das ist ein interessanter Punkt. Die Zeitungs-Strategen verhalten sich ja ähnlich wie die Parteien: Sie sind der festen Überzeugung, die Leser/die Wahlen werden “in der Mitte gewonnen”.

    Das heißt, alle konzentrieren sich auf das gleiche schmale und anspruchsvolle Segment. Und darüber vergisst man all die Bevölkerungsteile, die eigentlich zu den Stammwählern/zum Stammpublikum zählen (und die über die billigeren Medien Fernsehen, Boulevard und Netz erreicht werden).

    Auch den tragenden Mittelbau der Parteien (das sind die Funktionäre) kann man sehr schön mit dem tragenden Mittelbau der Zeitungen vergleichen (das sind die Redakteure). In beiden Fällen handelt es sich um das aufstiegsorientierte bildungsbürgerliche Milieu.

  44. judas thomas kuhl |  19.11.2012 | 22:50 | permalink  

    intellektuelle lesen das feuilleton zuerst und lesen erst dann im mantel was heute aktuell versaubeutelt wurde

    weil das feuilleton das zugrundeliegende thematisiert und insofern dem aktualitätenhopping entgegenläuft

    die sau die heute durchs dorf getrieben wird liefert mir die talkshow oder phoenix

    es fehlen die langen linien mit tiefe

    mein judaskulturmagazin.wordpress,com ist in sechs jahren von 5hundert auf 10tausend leser gestiegen

    selbstgemacht mit freunden im netz

    wenn ich jetzt noch einen anzeigenwerber hätte würde ich sogar geld damit verdienen

    die einseitige betrachtung der aufsteigermilieus übersieht die “kleinen leute”

    beides war mal spd

    bis schröder mit seiner agenda die partei zerlegt hat

    die einzige linke partei ist die linke

    spdgrün sind hartz-täter und die piraten ein hobbyverein

    dieses dilemma sieht man dann auch in der “linken” presse

    der wagen steckt im graben

  45. Tyler Durden Volland |  19.11.2012 | 23:11 | permalink  

    „Fragt man Journalisten, warum das so ist, lauten die Argumente meist: Blattlinien werden heute nicht mehr gebraucht. Die Bevormundung der Leserschaft ist out. Die Bestätigung der eigenen politischen Meinung reicht als Leseinhalt nicht aus.“

    Wenn dies der Wahrheit entspricht, wenn Journalisten solchen Unsinn glauben so zeigt es, dass diese tatsächlich gar keinen Bezug zur Realität mehr haben, und ihr Verschwinden kein Problem ist.
    Das was im Artikel als „linke“ Blätter bezeichnet ist genauso wenig akzeptabel wie die „rechten“. Auf beiden Seiten wird völlig einseitig berichtet und gerade in den Foren wird ALLES zensiert, was der Meinung des entweder rechten oder linken Spiessers widerspricht. Im Redaktionellen- und im Meinungs- Teil werden ÜBERALL ausschliesslich Meldungen wiederholt, die der eigenen Linie entsprechen. Kritik oder selber denken ist unerwünscht.
    Zu behaupten „Die Bevormundung der Leserschaft ist out“ ist schlicht und einfach eine Unverschämtheit. Am widerlichsten tun sich hierbei die NDS hervor, weil die sich zwar auf ihr Fähnchen schreiben, dass sie WEGEN Meinungsmache und Manipulation gegründet wurden, aber genau dasselbe treiben. Einseitigste Anti-Information. Nicht einmal ein Forum ist zugelassen. Denn da müsste man entweder Widerspruch zulassen, was man nicht will, oder genau wie andere auch zensieren. Und so tief will man denn doch nicht sinken….
    Man versucht mit denselben Mitteln wie die von den NDS kritisierten Medien die Leser Richtung Linke (was früher mal die SPD war) zu beeinflussen. Das hat NICHTS mit meiner Meinung zur Linken zu tun, aber es zeigt dass sich die NDS keineswegs vom Rest unterscheiden, der Zweck heiligt auch hier die Mittel.

    Es ist ein Trauerspiel, dass es in DE im Grunde nur noch eine wenigstens teilweise lesbare Zeitung gibt, die FAZ. Als selber denkender Linker landet man in DE im 21. Jahrhundert bei der konservativen FAZ, wenn man wenigstens ab und zu mal einen aussergewöhnlichen Artikel lesen will!
    Ausgerechnet bei diesem Blatt gibt es in einem der Blogs als EINZIGEM Ort eine zensurlose Diskussion auf einem für normale Menschen lesbaren Niveau.

    Ursache für den Zustand der Medienlandschaft war allerdings, und darüber sollten sich alle mal als allererstes klar werden, die äusserst erfolgreiche Verdummungskampagne der Medien. Denn auch hier irren die eingangs zitierten „Journalisten völlig: „Die Bestätigung der eigenen politischen Meinung reicht als Leseinhalt nicht aus.“

    Es ist genau umgekehrt, alles was überhaupt noch verkauft wird dient ausschliesslich diesem einen Zweck. Was stattfindet sind kein tatsächliches Denken, Kritisieren oder Diskutieren.
    Alles was noch passiert ist geistige Inzucht.
    Wer ehrlich ist, der kann all dies an einem unwiderlegbaren Ergebnis ablesen: den Wahlergebnissen! Ein Volk das mal Willy Brandt gewählt hat, wählt seit 30 Jahren Kohl, Schröder und Merkel… was sagt das über ein Volk aus.

    Typisch für diese Entwicklung ist die Karriere des Herausgebers des Pflasterstrandes. Eines linken Magazins, wenn es mal eines gegeben hat.
    Heute ist er pensionsberechtigter Sesselfurzer in Brüssel, wo er politisch korrektes Gut-Menschen Geseich von sich gibt und vertritt eine Partei die die Unverschämtheit besitzt sich Grüne zu nennen.

  46. hardy |  19.11.2012 | 23:22 | permalink  

    @wolfgang & linsenspaeller

    jetzt dachte ich, du hättest einen von den zwei wirklich interessanten punkt in linsenspaellers post entdeckt, aber … du kaprizierst dich auf den einzigen, der doch eigentlich klar war.

    linsenspaeller hat nämlich absolut recht mit seinem dezenten hinweis darauf, daß sich alle auf den rücken legen und den bauch kraulen lassen, während nebenan der datensammler sitzt und sich freut, daß er das alles gar nicht mehr “ermitteln” muss – er kriegt’s frei hause. the stasi would LIKE that.

    alle sind so vergnügt und mit ihren luxusproblemchen beschäftigt, daß offensichtlich niemand über die zukunft nachdenkt. als ich anfing, mich im internet zu bewegen, habe ich mich immer “beobachtet” gefühlt, obwohl es damals kaum personal, hardware und know how gab, das wirklich zu tun. ich hätte also ruhig mal in compuserves rotlichtbezirk abtauchen können, ohne mich zu genieren ;-)

    heute gibt es das alles. wenn ich auf einer seite lese “wir werden ihre daten niemals weitergeben” denke ich immer, “ja, ihr … noch gehört euch ja noch der laden. morgen habt ihr ihn verkauft und meine daten gleich mit”. mein vertrauen darin, mich im internet unbeobachtet bewegen zu können, ist in den letzten 20 jahren gegen NULL gesunken.

    bei dem zweiten interessanten punkt, dem

    [ ... ] “Man kann nämlich tatsächlich ohne Zeitungen
    [ ... ] und politische Information existieren.”

    bin ich allerdings nicht deiner meinung: man kann, aber es ist keine gute idee.

    klar, ich kann jenseits der zivilisation im wald leben und den gräsern beim wachsen zugucken, über zen-geschichten meditieren und ganz “im hier und jetzt” und all das … mit 20 kann man das.

    wenn man keine kinder hat und sich kein klitzekleines bißchen sorgt, wie sich deren welt so gestaltet, kann man uninformiert die gestaltung den anderen überlassen. die lücke füllen dann zuerst die uninformierten blöderberger und illuminieten fanboys und später dann die hardcore uniform fetischisten.

  47. hardy |  19.11.2012 | 23:27 | permalink  

    tyler,

    ich hasse das, aber: ich kann dem, was du über die NDS sagst nur uneingeschränkt zustimmen. der rest, vor allem deine dämliche suada über DCB wiederum sagt mir, daß es sich damit auch schon mit den gemeinsamkeiten hat.

    zum thema “gutmenschen” gab’s übrigens gestern eine nette sendung auf arte, aber ich denke mal, die würde bei dir auch nicht weiterhelfen, du bist erkenntnisresistent.

  48. Woanders – heute über Duftkerzen, Autofahren, demente Großmütter und anderes | Herzdamengeschichten |  20.11.2012 | 06:26 | permalink  

    [...] In der letzten Woche wurde das Ende der FR überall im Netz diskutiert, die meisten Kommentatoren schrieben dabei in einem unverkennbaren „Nänänä-Tonfall“, denn die deutsche 2.0-Szene weiß vor allem eines: besser. Und das wortreich. Im Grunde größtenteils unerträglich, manchmal aber schon wieder erheiternd in der hyperventilierenden Selbstüberschätzung: „Ich hab’s gewusst! Ich hab‘s gewusst! Ich habe es immer gesagt! Ich, ich, ich, Du nicht! Ich! Bin! So! Schlau!“  Absolut schrecklich. Ein etwas tiefer schürfender Essay zu linken Medien in Deutschland von Wolfgang Michal hier bei Carta. [...]

  49. Fragen zu einer Analyse über die wirtschaftlichen Probleme linker Zeitungen « stefanolix |  20.11.2012 | 08:51 | permalink  

    [...] den letzten Tagen wurde oft ein Carta-Artikel zitiert, in dem es um die wirtschaftlichen Probleme der eher links orientierten Zeitungen [...]

  50. linsenspaeller |  20.11.2012 | 09:56 | permalink  

    Ich halte es für ein verbreitetes Mißverständnis, dass “all die Bevölkerungsteile, die eigentlich zu den Stammwählern/zum Stammpublikum zählen… über die billigeren Medien Fernsehen, Boulevard und Netz erreicht werden” [W. Michal] Ist es nicht viel häufger so, dass es eben Informationen regnet und die Leute werden zwangsläufig naß, wenn sie sich nicht rechtzeitig unterstellen?

    Auch die Sache mit der geistigen Inzucht und den notorischen Selberdenkern ist ein Anspruch, die Dinge realistisch sehen zu wollen, der sich jederzeit als Manie entpuppen kann. Selbst davon kann sich das genervte Individuum noch zurück ziehen, wenn es sich dadurch gefährdet fühlt. Es ist da eben kein “Unser täglich Brot gib uns heute” als Trotzgebet, das immer zuletzt doch als Basis übrig bleibt. Wenn alles Informierenwollen letztlich mit einer Gewinnabsicht verquickt ist, muß man der Zielgruppe zwangsläufig die Freiheit lassen, den Kopf lieber in den Sand zu stecken und sich um eventuelle Nachteile dieses Verhaltens nicht zu scheren.

  51. Claus |  20.11.2012 | 11:57 | permalink  

    Wer verdient heute noch Geld im deutschen Printjournalismus? Die Zeit.
    Wer noch halbwegs? Der Spiegel.
    Wer nur noch mit Vermischung von Werbung und redaktionellem Teil bei dramtatisch fallenden Auflagen? Die Bildzeitung
    Wer hat noch nie (ohne Fusion mit Berliner Mopo und WamS) Geld verdient? Die Welt.
    Wem gehet es auch nicht mehr so prächtig? Der FAZ.

    Wo genau hatten Sie den Zusammenhang zwischen politischer Orientierung und wirtschaftlichen Problemen erkannt?

  52. Walter Koppe |  20.11.2012 | 12:12 | permalink  

    Matze (6):
    Dass die Feuilletons konservativer Zeitungen auch mal Links blinken dürfen, ist vergleichbar damit, dass Urban Priol alle paar Wochen mal vom RegierungssprecherSender ZDF bezahlt wird. Hinterher läuft dort mehrmals pro Tag Heute oder Heute-Journal, und Markus Lanz & Co können wieder zur Genüge FDP-Politiker einladen. Wenn dort auch Grüne mit dabei sein dürfen, vor einiger Zeit auch massenweise Piraten, liegt einfach daran, dass die nur so tun, als hätten sie Zähne im Mund.
    Ähnliches gilt für die taz. Inzwischen Lektüre vieler Lehrer und Beamten wird sie von den Medienmächtigen inzwischen als Farbtupfer akzeptiert, siehe z.B. Presseclub – im krassem Gegensatz übrigens zur “jungen Welt” oder gar zum “Neues Deutschland”. Die wichtigste Frage betrifft genau diesen Unterschied, und dieser ist auch der Frage nach dem riesigen Unterschied der Medienpräsenz zwischen Grüne und Linke sehr ähnlich. Grün wird von den Medienmächtigen längst nicht mehr als Gefahr gesehen, die dürfen inzwischen auch überall mitspielen, sogar bei der CDU, mit Links aber spielt man nicht. Das gilt inzwischen auch für die Grünen – und das wusste schon Degenhardt.
    @Matze, Und dass gerade linke Zeitungen in Finanznot geraten, ist doch klar.
    Je mehr sich eine Zeitung links gibt, desto weniger vertritt sie die Interessen der großen Anzeigenkunden. Verliert sie aber Werbeeinnahmen, muss sie entweder bei journalistischer Qualität oder thematischer Bandbreite einsparen, oder wird für die Leser teurer, und gerade für jene unerschwniglich, deren Interessen das Blatt eigentlich ja zu vertreten sucht.

  53. Wolfgang Michal |  20.11.2012 | 12:16 | permalink  

    @Claus: Nicht das ‘neoliberale’ Handelsblatt von Gabor Steinhart steht auf der Kippe (trotz Zuschussbedarf), sondern die FTD, die hin und wieder auch keynesianische Positionen in lachsrosa vertrat.

    In meinem Beitrag geht es um die (fehlende/sinkende) Nachfrage nach linken und linksliberalen Zeitungen (nicht um mögliche Gewinnspannen!).

  54. Walter Koppe |  20.11.2012 | 13:06 | permalink  

    tyler:
    Ich verwende NDS auch nicht als Diskussionsforum, sondern um mich ganz gezielt bzgl. Gegenmeinungen des pol. Mainstream zu informieren.
    Würde ich die seltenen Randmedien auch noch zur Meinungsvielfalt verpflichten, bedeute dies, dass sich auch hier sehr schnell der Mainstream abzeichnet, den ich von ARDZDFSPDCDU schon zur Genüge kenne, bzgl. “Schuldenkrise” und das “Gürtel-enger-schnallen”. Dann aber brauche ich keine NDS mehr.

    Und bzgl. des fast schon zum Kampfbegriff mutierten Begriff “Gutmensch”:
    Die Frage ist tatsächlich, ob eine Gesellschaft noch irgendeinen Plan hat, in der es um gesellschaftliche Entwicklungen geht. Wäre es nicht Aufgabe der Politik, auch positive Visionen zu entwerfen, die eben nicht nur Wettbewerb und Besser sein müssen als der andere zum Sinn hat?
    Die Lösung für eine sozial und ökologisch funktionierende Welt kann der “Schlechtmensch” jedenfalls nicht sein. Und Deutschland als Exportnation täte gut daran, für die positive Philosophie von Demokratie, den Sinn von Gewerkschaften und damit eigentlich linker Politik auch in China, Indien und den Rest der Welt zu werben – was man aber nur glaubhaft tun kann, in dem man auch innenpolitisch entsprechend handelt, Menschen also nicht gegeneinander auszuspielen, die Unterschiede vergrößernd, die Potentiale der Menschen sind ja ähnlich. Da der Schlechtmensch gleich Krieg und Bürgerkrieg tendiert, sehe ich darin nichts Erstrebenswertes.

  55. Michael Schöfer |  20.11.2012 | 13:25 | permalink  

    @Walter Koppe
    Du schreibst: “Ähnliches gilt für die taz. Inzwischen Lektüre vieler Lehrer und Beamten wird sie von den Medienmächtigen inzwischen als Farbtupfer akzeptiert, siehe z.B. Presseclub – im krassem Gegensatz übrigens zur ‘jungen Welt’…”

    Bei einer Zeitung, in der der einstige RAF-Terrorist Christian Klar nach seiner Haft ausdrücklich begrüßt wird (“Willkommen in der Freiheit, Genosse Christian Klar.” – junge welt vom 27.11.2008) und die den Grenzsoldaten der ehemaligen DDR am 50. Jahrestag des Mauerbaus für 28 Jahre Friedenssicherung dankt (“Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke.” – junge welt vom 13.08.2011), fällt es mir schwer, sie als “links” zu bezeichnen. Jedenfalls habe ich, was das angeht, andere Vorstellungen darüber, was “links” ist. Die jw ist in meinen Augen nicht links, sondern dämlich.

  56. saito |  20.11.2012 | 13:34 | permalink  

    Früher einst -lang ist es her- schrieben linken Zeitungen für ihre Leser in derem
    Interesse.
    Ist das etwa heute noch der Fall? Ich merke davon nur wenig.

    Aber für Propaganda oder Political Correctness zu zahlen, fällt eben immer weniger Menschen ein.
    Es gibt sehr wohl noch “Milieus” und “Klassen” und die meisten Menschen wissen,
    wo sie hingehören. Die Journalisten aber – oder zumindest die “linken” Verleger-
    wissen es nicht mehr und kommen mit ihren Blättern immer weniger bei den Lesern an, für die sie angeblich schreiben wollen.

    mit freundlichen Grüßen

  57. Mehring1 » Blog Archiv » Linker Publizismus in der Krise |  20.11.2012 | 15:18 | permalink  

    [...] Weiterlesen in “Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben” [...]

  58. Walter Koppe |  20.11.2012 | 15:19 | permalink  

    @Michael Schöfer: Ich kenne nicht alle Ausgaben von jw und ND, aber wenn das so ist, geb ich Dir recht.
    Trotzdem wäre es wichtig, sich auf die aktuelle Politik zu konzentrieren, und da bin ich froh über jede einzelne Facette von Meinung.

  59. stefanolix |  20.11.2012 | 20:50 | permalink  

    Wenn es wirklich stimmen sollte, dass sich kaum jemand mit einer gedruckten linken Tageszeitung auf die Straße traut (was ich vehement abstreite): Warum reicht dann die immer wieder hochgehaltene Solidarität der Linken nicht für Online-Abos der linken Zeitungen? Oder für mehr Genossenschafts-Anteile?

    @#55: Natürlich ist die »junge welt« links: Wer würde sonst einen linksextremen Terroristen in der Freiheit begrüßen, wer würde sonst die bewaffneten Organe und das MfS der ersten »Diktatur des Proletariats auf deutschem Boden« loben? Ich habe die friedliche Revolution 1989 mit 22 erlebt, also im besten Alter für scharfes politisches Beobachten. Als ich das »Danke« an die Schutz- und Sicherheitsorgane der DDR aus der »jungen welt« hörte, dachte ich, dass Honecker sich noch mal aus dem Jenseits meldet. Was haben denn die für eine Zielgruppe?

  60. Michael Schöfer |  20.11.2012 | 22:58 | permalink  

    @stefanolix
    Ich habe die DDR nie für links gehalten, sondern immer für eine kleinbürgerliche Diktatur. Honecker war dafür wohl das beste Beispiel. Und die RAF? Okay, linksradikal, das schon. Insofern ist die jw eine linksradikale Zeitung, aber keine linke. Ich denke, Michal wollte nicht über Sektierer schreiben.

  61. Tyler Durden Volland |  21.11.2012 | 00:07 | permalink  

    @hardy | 19.11.2012 | 23:27 | „ich hasse das, aber: ich kann dem, was du über die NDS sagst nur uneingeschränkt zustimmen. der rest, vor allem deine dämliche suada über DCB wiederum sagt mir, daß es sich damit auch schon mit den gemeinsamkeiten hat. „

    Ja, so wie du sind sie halt unsere Denker. Wenns unangenehm wird, ist schnell vorbei mit dem Denken. Was der eigenen Wunschwelt widerspricht, das muss ganz einfach dämlich sein. Denn DEINE politisch korrekte Einstellung die ist „alternativlos“ und vor allem für deine Seite „System relevant“, gell?

    Ach ja, all die verkappten Merkel Fans… und sie merken es nicht mal.

    @Walter Koppe | 20.11.2012 | 13:06 | „Ich verwende NDS auch nicht als Diskussionsforum, sondern um mich ganz gezielt bzgl. Gegenmeinungen des pol. Mainstream zu informieren.“

    Ja so hab ich das auch ein paar Jahre lang gemacht, nur musste ich dabei beobachten, dass die NDS mittlerweile eben genau dasselbe machen, wie die gleichgeschaltete reaktionäre Presse .

    „Die Frage ist tatsächlich, ob eine Gesellschaft noch irgendeinen Plan hat, in der es um gesellschaftliche Entwicklungen geht.“

    Es ist Politik und Wirtschaft, natürlich in erster Linie der Finanz-Wirtschaft leider gelungen die kurzfristige Profitmaximierung zum obersten aller Werte, und zwar als Gegenmittel gegen jeglichen „Plan“, in den Bürger Köpfen zu etablieren. Mein Problem ist dabei, dass es hierzu mal in allererster Linie, ein Volk geben muss, das dumm genug um dies mit sich machen zu lassen.

    „Die Lösung für eine sozial und ökologisch funktionierende Welt kann der “Schlechtmensch” jedenfalls nicht sein.“

    Das hat doch niemand behauptet, oder? Der „Schlechtmensch“ behauptet schlicht und einfach, dass sich die real existierende Welt NIEMALS in, wie du es nennst: „eine sozial und ökologisch funktionierende Welt“ verwandeln lässt. Die gab es nie und es wird sie auch nie geben. Der Gutmensch weigert sich gegen besseres Wissen dies zu lernen, weil er wie alle Kleinkinder hofft, dass nicht sein kann, was laut seinem Weltbild ja nicht sein darf. Siehe obigen Kommentar, der als Gegenargument anführt, das sei „dämlich“. Weiter geht’s in so einer Welt halt nicht.
    Der „Gutmensch“ ist ja auch keineswegs wegen seines ihm zugestandenen guten Willens zu kritisieren, sondern weil er als nützlicher Idiot die Zustände nicht nur erst möglich gemacht hat, sondern auch jegliche künftige Änderung verhindert.

    Die gegenwärtigen Machtverhältnisse in der Medienwelt verhindern ein Anwachsen Der Linken und sie werden deshalb dafür sorgen können, dass auch nach der nächsten Wahl dasselbe Gesindel weiter regieren wird, wie jetzt auch.
    Ein wenig unter deinem sonstigen Niveau ist hingegen: „Da der Schlechtmensch gleich Krieg und Bürgerkrieg tendiert, sehe ich darin nichts Erstrebenswertes.“
    Wenn, dann ist der Schlechtmensch jemand, der sagt, dass es nicht sonderlich ungerecht sein kann, wenn die Verursacher der Probleme, also die Bürger/Wähler die Rechnungen bezahlen müssen, die sie ja selber erst ermöglicht haben.

    Aber, um auf dein “Argument” einzugehen: Wenn ein Rechtsstaat so degeneriert ist wie dieser, und zulässt, dass die Steuereinnahmen den Banken überwiesen werden können, oder auch konkret, dass ein Nonnenmacher völlig legal Millionen für seine Abzockerei einsacken darf, dann kann man argumentieren, dass die Grenze zum Recht auf Widerstand überschritten wäre.
    Wenn, ja wenn es da eben nicht ein Volk wäre, das wie du es sagst Ruhe zur obersten Bürgerpflicht erklärt.
    Deutschland ist ein Land, das gegen den Willen der Bürger Kriege führt, in dem die Überwachung unglaubliche Ausmasse erreicht hat und weiter fortschreitet, das Millionen seiner Bürger verarmen lässt, und in dem die öffentliche Meinung manipuliert wird, um nur ein paar beispiele zu geben…..

    Sag mir also mal; wo genau siehst du die Grenze wo der Widerstand nicht nur legitimiert, sondern auch sinnvoll wird?
    Erst wenn KZs gebaut werden?

  62. Michael Schöfer |  21.11.2012 | 07:37 | permalink  

    @Tyler
    Es geht nicht bloß darum, wogegen man ist, sondern auch wofür. Mit anderen Worten: Es ist wichtig zu wissen, wie die Alternative aussieht. Und aus der Erfahrung heraus: Es kann nicht nur darum gehen, die Einwohner der Villen auszutauschen. Das, was die jw verteidigt, war auch nur eine Ausbeutung – sie nannte sich bloß sozialistisch. Doch das hatte Rosa Luxemburg bereits 1917 so gesagt (in “Zur russuschen Revolution”).

  63. stefanolix |  21.11.2012 | 09:48 | permalink  

    @Michael Schöfer: Es war eine Diktatur der SED. Die SED war laut ihrem Selbstverständnis und ihrer Ideologie eine Partei der Arbeiterklasse.

    Ob sich die führenden Politiker der SED in der Siedlung Wandlitz kleinbürgerlich eingerichtet und verhalten haben, tut eigentlich überhaupt nichts zur Sache. Sie stehen nun vor der Geschichte als kleinkarierte Spießer da.

    Was würde es denn aber am Gesamtbild der DDR ändern, wenn Wandlitz eine Mustersiedlung in der Tradition des Bauhauses gewesen wäre, wenn dort avantgardistische Dichter aufgetreten wären und wenn das SED-Politbüro für Wandlitz moderne Kunst angekauft hätte?

    Entscheidend ist doch nicht die private Lebensführung von Honecker, Mielke, Stalin und Breschnew. Vielleicht waren Pol Pot und seine Clique gar nicht kleinbürgerlich, sondern sehr fortschrittlich ausgerichtet?

    Am Beispiel der DDR und am Beispiel vieler anderer sozialistischer Experimente kann man sehr deutlich erkennen: Sobald unter dem Vorwand einer Befreiung der Arbeiterklasse Demokratie und Rechtsstaat abgeschafft werden, endet es über kurz oder lang in einem Staat mit Mauern, Stacheldraht, Gefängnissen für politische Gefangene und Unterdrückung der Meinungsfreiheit.

    Und wenn ich an einer Zeitung auch nur Anzeichen davon erkenne, dass es in diese Richtung laufen sollte, dann werde ich mich hart mit dem Inhalt dieser Zeitung auseinandersetzen. Sie sind zwar im Rahmen der Meinungsfreiheit zugelassen, aber gleichzeitig gefährlich für den demokratischen Rechtsstaat.

    Im Originalartikel hat der Autor übrigens »neues deutschland« und »junge welt« explizit erwähnt. An der wirtschaftlichen Situation dieser Blätter zeigt sich: Die Leser sind nicht bereit, zu einem nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg beizutragen. In der Linken-Sprache: »Die Leser_Innen verhalten nicht solidarisch.« Diese Zeitungen werden sich also allmählich von der Bildfläche verabschieden, weil die Stalinisten und Kommunisten einen sehr hohen Altersdurchschnitt aufweisen. Und ich kann nicht behaupten, dass ich darüber traurig wäre.

  64. Tyler Durden Volland |  21.11.2012 | 10:43 | permalink  

    @Michale Schöfer

    Na, wenn du meinst, dann zeig doch mal was für das man sein könnte?

    Allerdings sollte es schon eine Bedingung erfüllen: Es muss in der real existierenden Welt auch erreichbar sein. (Und bitte jetzt keine albernen Ideologien, ja? So dumm bist du nicht….)

    Da es sowas aber nicht gibt, stellt sich automatisch die Frage: wie lange bist du denn bereit die Dinge zu akzeptieren, nur weil du nichts besseres anzubieten hast?

  65. Wolfgang Michal |  21.11.2012 | 12:55 | permalink  

    Wollt ihr hier die alten Schlachten noch mal schlagen?
    Man sollte eine Zeitung nicht an ein, zwei dummen und geschmacklosen Beiträgen messen (auch in der taz gab es das schon, und niemand würde deshalb gleich das ganze Blatt verdammen).
    Kommt mal wieder zum Thema zurück. – Möglicherweise seid ihr aber auch ein gutes Beispiel für das Problem linker Zeitungen ;-)

  66. Zeitungskrise: Das Publikum geht leer aus — Carta |  21.11.2012 | 13:04 | permalink  

    [...] will mich zuerst mit dem Kassensturz von Wolfgang Michal auseinandersetzen, weil sich nach dem die Frage stellt: Sollen wir über linke Zeitungen oder [...]

  67. stefanolix |  21.11.2012 | 16:11 | permalink  

    Ich bin definitiv kein »gutes Beispiel für das Problem linker Zeitungen«. Ich betone nur, dass in einer pluralistischen Gesellschaft möglichst mehrere erscheinen sollten (natürlich nur, wenn die Leser sie haben wollen).

    Bis zur Abwahl Helmut Kohls habe ich die »taz« sicher vier bis fünf Mal in der Woche gekauft und gelesen, weil sie mit einer frischen und bunten Oppositionshaltung gemacht war. Als Rot/Grün an die Macht kam, habe ich mir konsequenterweise als Gegengewicht die F.A.Z. gekauft. In der Zeit der Großen Koalition war sie auch notwendig. Später bin ich dann dabei geblieben, weil die neue schwarz-gelbe Regierung von Anfang an auch in der F.A.Z. recht sachlich kritisiert wurde. Vieles von dem, was die »taz« Anfang bis Mitte der 1990er Jahre gefordert hat, ist ja inzwischen auch erreicht.

    Heute habe ich wenig Zeit. Ich würde mir weder am rechten noch am linken Rand auch nur eine der einschlägig bekannten Zeitungen kaufen ;-)

  68. Detlef Borchers |  21.11.2012 | 17:04 | permalink  

    Ich habe die FR jedenfalls gerne gelesen, solange dort Journalisten vom Schlage eines Eckart Spoos arbeiteten. Und die taz war unverzichtbar, solange es das Netzwerk Selbsthilfe gab. Achja, was normale Zeitung – linke Zeitung anbelangt:

    http://www.sopos.org/aufsaetze/4f1d272224b2a/1.phtml

    –Detlef

  69. JJPreston |  21.11.2012 | 17:40 | permalink  

    Hehe… wer glaubt, dass die Post-WW2-SPD jemals politisch links war, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten und eine Meerkatze miaut.

  70. Aufgelesen … Nr. 49 – 2012 | Post von Horn |  21.11.2012 | 17:41 | permalink  

    [...] die beiden Großorganisationen und ihre Umfeld-Medien bis heute mit Bedeutungsverlust. Aus: Carta b. Zeitungskrise: Das Publikum geht leer aus Die Frankfurter Rundschau ist nicht zugrunde [...]

  71. linsenspaeller |  21.11.2012 | 17:46 | permalink  

    Ich lebe seit 15 Jahren ohne festes Zeitungsabonnement, und zwar, weil es sich kassensturzmäßig als Luxus darstellte. Damit läßt sich auch die Titel-Frage beantworten: “Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben?” Sie sind für einen Großteil der linken Klientel zum Luxusgut geworden. Und nebenbei erfährt man natürlich erst durch die Ablehnung eigener Online-Kommentare wirklich, was man durch redaktionelles Standgericht in seiner Papier-Zeitung nie zu lesen bekäme, Information hin, Meinungsfreiheit her. Wenn das keine neue Qualität ist. Wer z.B. nur den brillianten Artikel von Prof. Brumlik über Giordano Bruno heute in der taz lesen möchte, muß mindestens acht Seiten bedrucktes Papier drum herum kaufen. Und wenn er links genug ist, ärgert er sich hernach vielleicht sogar so sehr darüber, dass er Papierzeitungen für eine altmodische Abzocker-Masche hält. Den politisch neutralen Leser kann man so simpel nicht verscheißern.

  72. OliverH |  21.11.2012 | 18:32 | permalink  

    @jjpreston

    Und wer glaubt, alleine definieren zu können, was “politisch links” ist, der glaubt auch dass “Freiheit” bedeutet, alle anderen haben die Freiheit, seiner Meinung zuzustimmen.

    Danke, solche “Linke” sind ihren jeweiligen Ländern und auch den Arbeitern dort selten gut bekommen.

  73. Michael Schöfer |  21.11.2012 | 22:58 | permalink  

    @linsenspaeller
    Das Beispiel des Artikels über Bruno (übrigens bereits der zweite) ist bezeichnend für die Krise: Ob es fair ist, der Giordano-Bruno-Stiftung wegen des Antisemitismus von Bruno gleichfalls Antisemitismus zu unterstellen, lasse ich mal bewusst offen. Doch wenn das korrekt wäre, müsste man Margot Käßmann heute das Gleiche vorwerfen, schließlich war auch Luther ein Judenfeind. Bezeichnend ist, dass in der taz Vertreter der Giordano-Bruno-Stiftung nicht zu Wort kamen. Rede und Gegenrede machen ein Blatt aber erst richtig interessant. Schade, dass man diesen journalistischen Grundsatz nur noch bei wenigen Zeitungen konsequent verfolgt. Ich glaube, auf Dauer fühlen sich die Leser einseitig informiert. Da kommt die Meinungsvielfalt im Internet gerade recht. Aber wer braucht dann noch Zeitungen?

  74. linsenspaeller |  22.11.2012 | 01:15 | permalink  

    @Michael Schöfer:
    Es ist natürlich nicht fair, aber raffiniert. Denn es ist keine Polemik, sondern pure Information. Die Leute von der GB-Stifung sind ja oft der reinen Polemik zugetan.

    Und wer braucht noch Zeitungen? – Ich fürchte, Zeitungen sind unökologisch, nicht nachhaltig und haben einen schlechten Einfluß auf Gesundheit und allgemeines Wohlbefinden. Man wird sie demnächst mit einem Cent auf dem Strompreis rehabilitieren müssen.

  75. hardy |  22.11.2012 | 05:14 | permalink  

    tyler

    [...] Ach ja, all die verkappten Merkel Fans…

    an der stelle ist es praktisch, auf meinen blog bei tv3.de verweisen zu können. geh zurück ins jahr 2007 und lies es nach …

    für die zeit davor gerne hier

    wo kann ich nachlesen, was du so denkst ;-)

  76. Michael Schöfer |  22.11.2012 | 12:06 | permalink  

    @linsenspaeller
    Ich fand es schon polemisch und überdies sachlich falsch, den Vertretern der Giordano-Bruno-Stiftung im Zusammenhang mit der Beschneidungsdebatte Antisemitismus vorzuwerfen und zur Untermauerung Bruno (1548-1600) heranzuziehen.

  77. PR-Beiträge 47/2012: Double-opt-in & Dezember-PR | kommunikationsABC.de |  23.11.2012 | 10:41 | permalink  

    [...] Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben [...]

  78. Linus |  23.11.2012 | 11:41 | permalink  

    Stichwort Nachdenkseiten: Die Nachdenkseiten verlinken auf wohl über 100 verschiedene Quellen. Müsste ich die alle abonnieren, wäre ich pleite.

    Ich lese aber nicht nur die Nachdenkseiten, sondern möchte auch mal einen Artikel von der Welt lesen, von Haaretz, von der Washington Post, Asia Times von einer der Lokalzeitungen, ein Fachblatt etc..

    Es sollte doch mittlerweile klar sein, dass der Witz von einem informativen Angebot nicht in der Alleinstellung, sondern in der Vielfalt liegt. Genau das ist doch die Botschaft des Internet.

    Was hindert die Zeitungen eigentlich daran, sich zu Sammelabonnemonts zusammen zu schliessen? In Zeiten des Web2.0 wäre es sogar denkbar, dass sich jeder User sein eigenes Paket schnürt. Technisch alles kein Problem.
    Natürlich wäre es dann notwendig, einen Verteilungsschlüssel für die Ausschüttungen zu finden. Das wäre Sache von Verhandlungen. Da könnte man reden über z.B.:
    - Anzahl Klicks, also Click-Points, wobei es viele Möglichkeiten gibt, den Wert eines Click-Points zu bestimmen (entweder von der Zeitung selbst festgelegt oder in einem Gremium ausgehandelt oder …).
    - Werbung könnte gegengerechnet werden. Wer genug Werbeeinnahmen hat, braucht keine weitere Unterstützung.
    - usw.

    Ein grosser Anteil der potentiellen Kunden informiert sich heute über das Internet. Viele wären vermutlich sogar bereit, etwas dafür zu bezahlen, aber nicht unter den gegebenen Modalitäten. Daher ist bisher völlig unklar, wieviel Geld sich da einsammeln liesse, und damit ist auch völlig unklar, wieviel “uns” gute Information überhaupt wert ist?

    Vermutlich gibt es heute zu viele Journalisten. Die aktuellen Modalitäten führen aber nicht zu einem Selektionsprozess nach journalistisch qualitativen Kriterien, sondern fördern den, der maximale Werbeeinnahmen generieren kann.

    Es ist der Journalismus selbst, der sich Geschäftsmodelle überlegen muss, die SEINEM journalistischen Paradigma und Ethos entsprechen und eben nicht dem Paradigma der Profit-Maximierung. Und bisher hat er das wohl verschlafen.

  79. Wolfgang Michal |  23.11.2012 | 12:19 | permalink  

    @Linus: Sammelabos gibt es schon lange. Wenn man aber die deutschen Verlage auf das Modell “Piano” hinweist, das in Polen, Slowenien und der Slowakei funktioniert (eine Art Abo-Flat), weichen sie aus – aber vielleicht basteln sie ja selbst an einem solchen Modell. Der Zusammenschluss der großen Verlage zu einem Verlagshaus Deutschland könnte darauf hinweisen. http://is.gd/evTyjc

  80. Linus |  23.11.2012 | 13:07 | permalink  

    @Wolfgang Michal:
    Na also, umso besser. Macht das in Selbstorganisation, dann habt ihr eine transparente Institution und spart euch noch die 30% an Piano.

    Das ganze Modell ist beliebig skalierbar, zwanglos und kann parallel zu anderen Geschäftsmodellen betrieben werden.
    Blogs scheinen mir sehr geeignet, da sie halbwegs frei von kommerziellen Interessen sind und das System im Kleinen vortesten können.

    Mal ganz ketzerisch gefragt: Warum Zeitungen, wenn es ein flexibler, vom User selbst zusammenstellbarer Autorenverbund genauso tut? Zeitungen hätten dann eher die Aufgabe, aus ihrer Sicht relevante Artikel vorzusortieren und zu bündeln, also ähnlich den Nachdenkseiten. Natürlich gäbe es daneben noch diverse Aufgabenbereiche wie z.B. dpa-Meldungen, Infrastruktur jeder Art als journalistische Arbeitsbasis etc. Aber was Reflexion, Kritik, Recherche etc. anbetrifft, wäre der Grundbaustein wieder der einzelne Autor und nicht der Verlag. Ein riesiger Zugewinn an Vielfalt.

    Ich gebe zu. Alles in allem dürfte vielen Verlagen eine solche Entwicklung eher weniger gefallen. Eine Zeitung als Tool für ein Autorenkollektiv, und nicht ein Autorenkollektiv als Tool für eine Zeitung.

  81. westernworld |  23.11.2012 | 18:15 | permalink  

    ein vorschlag zur güte an den illustren kreis der überlebenden der achziger jahre im geiste: wir ziehen alle abonenten und kioskkäufer über vierzig ab und überlegen welche tagespresseerzeugnisse in deutschland dann noch eine nachhaltige zukunft haben und ob das dann immer noch einen bias zu ungunsten der vermeindlich linken presse nahelegt.

    meine vermutung wäre das dann kaum noch etwas übrig bliebe worüber sich zu streiten lohnte.

  82. DAS ZEITUNGSSTERBEN HAT BEGONNEN « falksinss.de/blog |  26.11.2012 | 12:37 | permalink  

    [...] Die FR war schon seit Jahren in Schieflage, war zu lesen, durch die Gemeinschaftsredaktion habe sie ihr linksliberales Profil verloren oder sie habe es versäumt, sich im Rhein-Main-Gebiet lokal zu verorten. Die FTD schreibe seit [...]

  83. Zeitungen und ihre Leser: Für wen wird die Tagespresse eigentlich gemacht? — Carta |  26.11.2012 | 17:51 | permalink  

    [...] Gesellschaft. Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben, fragt sich auch Wolfgang Michal und macht die soziale Lage des aufstiegsorientierten Bildungsmilieus als Haupterklärungsfaktor [...]

  84. Linkdump vom So, 18. November 2012 bis Mi, 28. November 2012 Links synapsenschnappsen |  28.11.2012 | 10:01 | permalink  

    [...] Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben — Carta [...]

  85. Grüne Medien? Schreibt was ihr wollt, auf Papier oder ins Netz! — Carta |  10.12.2012 | 12:45 | permalink  

    [...] 1. Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben. Von Wolfgang Michal [...]

  86. Medley |  20.12.2012 | 17:22 | permalink  

    Also, dass im Jahre 2012 niemand mehr die FR abonnieren will, weil er Angst hat, dass sein Chef vielleicht konspirativ(mittels einer Detektivagentur???) seinen Briefkasten ausspioniert oder dass der Briefträger ihn möglicherweise an den Blockwart oder an den Verfassungsschutz verpfeift, dass halte ich, -ehrlich gesagt- schon für ziemlich weit hergeholt. Eher müsste man solche Befürchtungen in den 1950ziger, 1960ziger oder in den RAF-geprägten 1970ziger Jahren haben, NUR, damalig verkaufte sich die Frankfurter Rundschau wie geschnittenes Brot. Zudem konnte man ja die FR immer anonym, -zusammen mit dem Playboy und dem Bodybuilding Magazin- am Kiosk kaufen. Wäre also insofern kein Hinderungsgrund diese Linkspostille nicht zu lesen. Zumal die Inhalte der FR auch so mainstreamig waren, dass keiner befürchten musste, dass er wegen dem lesen der Zeitung diskriminiert oder stigmatisiert werden würde, denn was dort drin stand, dass unterschied sich in absolut, aber auch ABSOLUT GARNICHTS, was nicht auch im öffentlich-rechtlichen Staatsfunk von Morgens bis Abends hoheitlich verkündet wird. Man wäre also insofern mit der FR in der Post -zeitgeistig gesehen- immer auf der richtigen staats- und gesellschaftstragenden Seite gewesen. Und wer sagt eigentlich, dass der Chef nicht selbst die FR gelesen hatte, um sich mit ihr unter dem Arm des dunkelgrauen “Hugo Boss”-Businessanzuges als aufgeklärter, kosmopolitischer Freigeist zu outen? Um so höher die soziale Position und um so dicker die Brieftasche, um so mehr schmückt man sich mit linken Gebaren und Gehabe. Ist doch allgemein bekannt. Nennt man übrigens auch “Salon-Bolschewismus”. Bestes Beispiel dafür ist der gelernte Sohn, geerbte Multimillionär und Publizist Jakob Augstein, der die moralische Wochenzeitschrift “der Freitag” als Lebensabschnittsprojekt herausgibt…..noch herausgibt. ;-)

    Eher hat also die Problematik ganz andere Gründe, nämlich in der Form der Aufsplitterung der “fortschrittlichen” Szene im immerwährenden Wettbewerb um den leuchtesten Pfad zum sozialistischen Paradies. Es gibt zwei etablierte konservative Parteien im Politikmarkt. Das ist die CDU/CSU und die FDF. Dafür aber doppelt so viele etablierte linke Parteien die untereinander in den Parlamenten in Konkurrenz stehen. Nämlich die SPD, Die Grünen, Die Linke und Die Piratenpartei. Genauso ist es aber auch auf dem Medienmarkt. Da haben wir die linksdrehende ARD, das linksdrehende ZDF, die auch eher linksorientierte politische Berichterstattung bei RTL(falls es dort überhaupt so etwas gibt), den linken Spiegel, den linken Stern, den linken Cicero, die linke Zeit, den linken Tagesspiegel, die linke Süddeutsche, die linken WAZ-Blätter, die linken DuMont-Druckerzeugnisse, undsoweiterundsofort. Wo also der Artikelautor eine flächendeckende Hegemonie der konservativ-bürgerlichen Regional- und Qualitätsblätter erkannt haben will , -wenn man mal von den Springer-Publikationen und der FAZ absieht- ist mir ehrlich gesagt ein Rätzel.

    “…verschrecken linke Feuilletonisten ihre Leser lieber mit provozierender politischer Inkorrektheit (was zweifellos billiger und leichter zu haben ist).”

    Häääh? Was ist das denn für ein verschwörungstheoretischer Ansatz? “Linke Feuilletonisten” arbeiten (aus Verzweiflung???)gezielt mit “provozierender (rechter???)politischer Inkorrektheit”, um so für ihre Verlage(Arbeitgeber) “billiger”, weil “leichter” an neue Leser(-schichten) ranzukommen, bzw. um so….mmmh….irgendwie….Kosten(“billiger”) zu sparen, oder was? Habe ich das so richtig vestanden? Wer glaubt denn sowas? Da möchte ich zuallererst mal gerne solche vermeindlich provozierenden “politischen Inkorrektheiten” zu eigenen Augen zum abchecken bekommen, bevor ich glaube, dass diese überhaupt existent sind. Lachhaft! Noch nicht mal in den konservativen Medien wagt man es politisch inkorrekt zu sein, geschweige denn in den linken. Also bitte diesbezüglich mal ein paar Quellenangaben zum Beweis dieser Behauptung rausrücken.

    Ach ja, und hier noch ein interessanter LINK: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/warum_die_linkspresse_eingeht_ein_nachruf/

  87. Wolfgang Michal |  20.12.2012 | 17:34 | permalink  

    @Medley. Sie schreiben: “Da haben wir die linksdrehende ARD, das linksdrehende ZDF, die auch eher linksorientierte politische Berichterstattung bei RTL (falls es dort überhaupt so etwas gibt), den linken Spiegel, den linken Stern, den linken Cicero, die linke Zeit, den linken Tagesspiegel, die linke Süddeutsche, die linken WAZ-Blätter, die linken DuMont-Druckerzeugnisse, undsoweiterundsofort…”

    Von der “Jungen Freiheit” aus gesehen haben Sie Recht ;-)

  88. Medley |  20.12.2012 | 19:19 | permalink  

    @Wolfgang Michal

    Falsch, ganz Herr Michal. Von der Postition eines konservativen Normalbürgers aus gesehen, der weder jemals eine rechtsradikale Partei gewählt, noch jemals eine rechtlastige Zeitung käuflich erworben hat. Von der Postition eines konservativen Normalbürgers aus gesehen, bitteschön. Meine Leib- und Magenblatt war über fast zwei Jahrzehnte “Der Spiegel”. Und Spiegel-Online ist auch heute noch meine Internetstartseite, obwohl ich mich jeden Tag darüber ärgere, was da oftmals so für ein “…Pip…” drinsteht. Naja. Aber, wissen Sie, ich bin halt ein toleranter Typ, der gerne mal fünfe grade sein lässt, auch wenn mich das Nerven kostet. Und das die Institution des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von den nachgeborenen “Öko_68ziger_Klaus_Kleber’s” fast komplett durchmaschiert worden ist, dass wollen sie doch nicht wirklich anzweifeln, oder?! Und dafür gibt’s sogar faktische Belege. Bitte lesen Sie selbst: http://medienwoche.ch/2012/10/29/mein-schatz-hats-gruen-so-gern/#more-10428

  89. Wolfgang Michal |  20.12.2012 | 19:33 | permalink  

    Darauf hat Tobias Schwarz ja schon hingewiesen, siehe http://carta.info/51999/grune-medien-schreibt-was-ihr-wollt-auf-papier-oder-ins-netz/
    Und über “die Vierteilung der Opposition” gab’s hier auch schon was.
    Sie sollten mehr Carta lesen!
    Waren Sie nicht mal beim “stern”?

  90. Medley |  20.12.2012 | 20:37 | permalink  

    @#88 Medley | 20.12.2012 | 17:22

    Nur ganz kurz: Was ich in meinem Posting #88 vergessen habe, daß ist das Resüme nach meinen ganzen langatmigen Ausführungen zu ziehen. Worauf wollte ich hinaus? Ganz einfach: Es gibt viel zu viele linke Medienangebote in einem stagnierenden oder sogar schrumpfenden Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt. Daher kommt es jetzt in Folge zu einer dringend notwendigen “kanibalistischen” Bereinigung des Überangebotes. Die FR und die FTD sind daher nur die ersten Opfer und auch nur der Anfang dieser Entwicklung. Wer in diesem Segment(“Linkspresse”) dann am Ende noch übrig bleibt, der hat indess gute Chancen, in den nächsten Jahrzehnten journalistisch erfolgreich und wirtschaftlich profitabel weiter im Wettbewerb um zahlungswillige Leser zu bestehen.

    Schöne Weihnachtsfeiertage wünscht,
    Medley

  91. Medley |  20.12.2012 | 20:46 | permalink  

    @#90 Medley | 20.12.2012 | 20:37

    Ah, zu dumm. Ich meinte natürlich mein Posting #86 und nicht das Posting #88. Ich bitte um Entschuldigung.

    @Wolfgang Michal

    “Darauf hat Tobias Schwarz ja schon hingewiesen…..Sie sollten mehr Carta lesen!”

    Da haben Sie Recht. Ich bin neu hier und kenne mich daher leider auch noch nicht so gut aus.

    “Waren Sie nicht mal beim “stern”?”

    ? Inwiefern? Nein……

  92. hardy |  20.12.2012 | 20:51 | permalink  

    @90 meddley

    ich bin immer wieder entzückt, daß noch jemand “weiss”, was das ist “links”.

    meistens ist es aber nur das projezierte feindbild derer, an denen die _gegenwart_ vorbeigezogen ist und nun unverständig nach erklärmodellen suchen, was bloß in ihrem verständnis der veränderten welt schiefgelaufen ist.

    “linkspresse”? ich kenne nur angepasste middle of the road surfer …

  93. Anna |  20.12.2012 | 20:58 | permalink  

    Sie schreiben: “Nicht jeder, der etwas werden (und zur neuen Mitte gehören) will, möchte sich mit der taz oder dem Freitag oder gar der jungen welt exponieren”

    Das halte ich für völlig an den Haaren herbeigezogen. Gut, mit der Jungen Welt eckt man an, wenn man Jungle-World-Leser trifft – aber wie wahrscheinlich ist das denn? Aber taz oder Freitag? Die taz ist Mainstream, den Freitag kennt niemand, und dazu sieht der noch harmlos aus. Wie es schon geschrieben wurde, ist ein Welt-Abo deutlich verräterischer als eines der taz.

    Aber schauen Sie doch mal weiter nach rechts, lesen Sie einer der Zeitungen, die selbst vom “Netz gegen Nazis” vor allem deswegen als gefährlich eingestuft werden, weil an ihnen “nichts Rechtsextremes [zu] erkennen” (siehe netz-gegen-nazis.de über die Junge Freiheit) ist. Dann kriegen Sie echten Ärger: nicht nur die Nachbarn werden sich abwenden, sondern engagierte Mitbürger werden ihren Arbeitgeber, ihren Vermieter, ihren Lieblingskneipen-Wirt informieren. Meinen sie wirklich, diese Art von Zerstörung von Lebensentwürfen unterläuft jemandem, der den Freitag abonniert?

    Nein, das ist nicht der Fall.

    Als langjähriger Junge-Welt-Abonnent denke ich, daß der Grund zum einen daran liegt, daß es ja eigentlich kaum gegenteilige Meinungen gibt (und sich deswegen die Leser einfach mit allem zufrieden geben und nichts spezielles abonnieren) und dann natürlich der Print-Niedergang. Auch die Junge Freiheit vom Millionärssöhnchen Stein, die sich über ihre 20.000 Verkäufe freut, wird nie rentabel werden.

  94. Wolfgang Michal |  20.12.2012 | 21:38 | permalink  

    Jetzt hab ich gelesen, was der Wolfgang Röhl (ich glaub, der war mal beim stern) auf der “Achse des Guten” geschrieben hat.

    Wenn man den Medien-Mainstream für links hält, ist die Republik natürlich mit “linken Medien” überversorgt. Doch wie kann es andererseits sein, dass ein Land, das von lauter linken Medien gedanklich kujoniert wird, von schwarz-gelb regiert wird? Das passt doch nicht zusammen. Doch doch, sagen die Verschwörungstheoretiker von der Achse des Guten dann eifrig, die Merkel und die von der Leyen und der Lindner, die sind doch in Wahrheit rote Socken (siehe Gertrud Höhler). Und schon stimmt das eigene Weltbild wieder.

    Dagegen kann man schlecht argumentieren.

  95. Turing |  20.12.2012 | 23:41 | permalink  

    Das Problem linker Zeitungen ist selbst verursacht. Die Qualität stimmt einfach nicht. In der Schule lernt man, dass Bericht und Meinung getrennt werden. Linke Journalisten scheinen das zu vergessen haben oder opfern bereitwillig diesen hegen Anspruch für ihre Weltverbesserungsfantasien. Tagesthemen und Heute-Journal kann man auch nicht mehr schauen. Das ist ja ein gruseliges Durcheinander, bei denen grüne Standpunkte immer die richtigen Standpunkte sind. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist außerdem links und damit gibt man monatlich 17 € nochwas für linke Medien aus.

    Absurd finde ich auch die Theorie, dass man sich nicht mit dem Spiegel oder taz blicken lassen könnte. Ich habe vor Jahren mal einen Business-Typen in Anzug mit Krawatte und Koffer im ICE gesehen, der die FR las. – Meine Erfahrungen sind ganz andere: Am peinlichsten ist es, mit der FDP in Verbindung gebracht zu werden und auch mit ihren Publikationen. Ich bin seit Jahren Abonnent der Zeitschrift “liberal”. Ich wollte meine alten Hefte loswerden und bevor man sowas wegwirft, versucht man sie an Freunde zu verschenken. Es sind ja kluge Essays in diesen Heften. Keiner wollte die Hefte haben, wegen der Nähe der zur FDP.

  96. Wolfgang Michal |  20.12.2012 | 23:57 | permalink  

    Es kommen jetzt viele Leser von der Achse des Guten hier herüber, und es ist wirklich erschütternd, wie schlecht Liberale und Konservative in diesem Lande behandelt werden. Das muss aufhören, oder?

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