Thomas Leif

18 Thesen zur schwindenden Pressevielfalt

 | 33 Kommentar(e)


Die deutschen Zeitungsverlage besitzen trotz Krise noch immer eine starke Marktmacht. Denn sie treffen auf eine passive Medienpolitik und eine schwache Zivilgesellschaft.

06.11.2012 | 

Meine Kernthese* lautet: Zeitungen werden von Medienmanagern und Verlagen zu „Geschäftsmodellen“ ausgerichtet. In ausgereiften und abgeschotteten Märkten (Oligopolen) entscheiden die Werbeumsätze über die Qualität der „publizistischen Vielfalt“. Verlage vernachlässigen ihr klassisches Redaktions-Geschäft und investieren weniger in den Journalismus. Sie konzentrieren ihre Innovationen allein auf neue profitable Business-Modelle im Internet, die wenig bis nichts mit Journalismus zu tun haben. Die gesamte Geschäftspraxis der Verlage basiert auf der Trendannahme: „Print verliert – Digital gewinnt.“

 

Die Konzentration schreitet voran und reduziert Vielfalt

1. CDU/CSU und FDP haben am 19. Oktober 2012 im Bundestag per Gesetz künftige Pressefusionen und sogenannte „Sanierungsfusionen“ erheblich erleichtert. Die Umsatz-Höchstgrenzen, die bislang Fusionen verhinderten, wurden deutlich nach oben verschoben. Kartellamtsprüfungen wurden damit massiv reduziert. Wirtschaftlich gefährdete Verlage können zudem leichter von marktbeherrschenden Konkurrenten übernommen werden. Dieser Beschluss hat weder eine öffentliche Diskussion noch Gegenpositionen hervorgerufen. Er ist ein Ergebnis der Marktmacht und institutionellen Absicherung der Verlage. Im Bundesrat ist nicht mit einer Korrektur des (selbst vom Präsidenten des Bundeskartellamts kritisierten) Gesetzes zu rechnen.

2. „Die Abgeordneten haben sich der Verlegerlobby gebeugt“ (DJV). Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die ohnehin schon weitgehend ausgereifte (regionale) Monopolstellung großer Verlage können nun noch weiter ausgedehnt werden. Eine öffentliche Diskussion oder eine analytische Begleitung der „Medienkritik“ hat nicht stattgefunden. Das ‚mobile Sofa’ von „Wettendass“ hat offenbar eine größere Relevanz als die weiter drohende Reduzierung der Pressevielfalt. Basis der öffentlichen Nicht-Kommunikation über die Gestaltung des Pressewesens ist eine heimliche Koalition zwischen Journalisten und Verlegern in der Medienpublizistik. Über die Bedrohung der Pressefreiheit durch die „Tagesschau App“ wird prominent berichtet, die schleichende Reduzierung der Pressevielfalt oder die Auflösung bzw. Verschmelzung von Redaktionen ist höchstens eine Randnotiz. Nur selten gibt es Ausnahmen, etwa die jüngste Expertise: „Der Medienrechtler Dieter Dörr hat die konzentrationsrechtlichen Vorschriften im Landesmediengesetz von Nordrhein-Westfalen mit deutlichen Worten kritisiert.“ (Funkkorrespondenz 42/2012 vom 19.10.12). Zumindest soll es in NRW einen eigenen „Medienkonzentrationsbericht“ geben.

3. Warum ist die Konzentration von Medienmacht kein Thema (mehr)? Die etablierte (Medien)-Politik ist abhängig vom Wohlwollen der großen (Regional)-Verlage und sieht sich in der politischen Praxis in einem symbiotischen Arbeitsverhältnis nicht selten als „Füllfederhalter“ von Verlagsmanagern. Ein Ministerpräsident mit nur vier Zeitungen in klar abgegrenzten Regionen wird wenig Neigung verspüren, sich an dieser Front zu „verkämpfen.“ Ein Medien-Profi bringt die Lage auf den Punkt: „Die Verleger sind gegenüber den Staatskanzleien die stärksten Lobbyisten“ (Ex-ZDF-Intendant). Folglich wurde das Thema „Pressefusionen“ von den Medienpolitikern aller Parteien weitgehend ignoriert; auch im Bundesrat wird der eingeschlagene Weg in Richtung einer weiteren Pressekonzentration wohl von einer sehr großen Koalition bestätigt.

 

Oligopole beherrschen den Markt

4. Die zehn führenden deutschen Verlagsgruppen konzentrieren heute fast 60 Prozent der verkauften Zeitungsauflage auf sich. Der Marktanteil der fünf größten Verlagsgruppen (Springer 18,8%, Südwest Presse, WAZ, DuMont, Madsack) beträgt 44,2 Prozent. „Die Beziehungen zwischen den großen Marktteilnehmern werden immer enger“ (Horst Röper, format, 11.6.12) Heute gibt es noch 133 „Publizistische Einheiten“, also Kernredaktionen, die zumindest einen eigenständigen „Mantel“ herstellen. Auch der Trend zur Zusammenlegung von Redaktionen – wie jüngst im Fall des Hamburger Abendblatts mit den Zeitungen der Welt-Gruppe (vgl. taz, 26.10.12) – erschüttert weder Medienpolitik noch Öffentlichkeit.

5. Der klassische Verleger mit innerem Wertekompass ist heute weitgehend von seelenlosen Verlagsmanagern abgelöst worden, die Zeitungen wie jedes x-beliebige andere Geschäftsmodell führen. Sie sehen ihre Rolle verstärkt als (anonyme) Redaktionsmanager, die Kostensenkung, „Monetarisierung von Inhalten“, Synergieeffekte und Business-Modelle gegen die ohnehin ausgedünnten Redaktionen und rationalisierten Produktionsprozesse durchsetzen. Ihr zentrales betriebswirtschaftliches Ziel: mit weniger Journalisten und Quellen mehr Umsatz zu erzielen oder den erzielten Status Quo zu sichern, und sich eng an den Vorgaben der Werbeindustrie zu orientieren (Newsroom, Personalreduktion auf allen Ebenen, Einsatz von „Kiezreportern“  und „Freizeit-Journalisten“ – Leser-Reportern -, PR- und Unterhaltungs-Orientierung, Agentur-Ausdünnung, neue Werbeformen, Einführung neuer Produktlinien jenseits des Kerngeschäfts, Bildung von regionalen Marktmonopolen auch von Anzeigenblättern zur Abschöpfung des Werbe- und Lesermarktes etc.).

6. Die von „spezialisierten“ Unternehmensberatungen seit Jahren vollzogenen Sparrunden haben die Redaktionen auf ein kaum mehr zu unterschreitendes Mitarbeiter/innen-Minimum ausgezehrt. Die Spareffekte sind kaum noch steigerbar. Bernd Ziesemer (Ex-Handelsblatt-Chefredakteur) hat diesen langfristigen Trend in einer historischen Rede auf den Punkt gebracht: „Sie behandeln Journalisten wie die Bandarbeiter der Lückenfüllerproduktion zwischen den Anzeigen.“ (…) „Einige der Powerpoint-Präsentationen  (…) waren in ihrer fachlichen Lächerlichkeit, intellektuellen Dumpfheit, betriebswirtschaftlichen Vordergründigkeit und moralischen Impertinenz nicht mehr zu überbieten.“ (MediumMagazin, 11/2009)

 

Der Trend geht weiter in Richtung Kostenreduktion

7. Der WAZ-Konzern will mittelfristig seine Kosten um 20 Prozent reduzieren, die Nürnberger Zeitung ein Fünftel der Redakteursstellen streichen. Beim Berliner Abendblatt, dem Berliner Kurier und der Berliner Zeitung sind 50 Arbeitsplätze bedroht. Auch in anderen Regionen Deutschlands gibt es ähnliche Tendenzen. (München u.a.). Mehrere bundesweite Zeitungen planen oder prüfen die Einstellung ihrer Print-Ausgaben und sollen nur noch digital erscheinen (FR, ftd, Junge Welt…). Am 2.10.2012 gab die Nachrichtenagentur dpad ihre Zahlungsunfähigkeit bekannt. Auf dem wichtigen Feld der Nachrichtenagenturen ist die Ausdünnung ebenfalls weit fortgeschritten (de facto dpa-Alleinstellung als Agentur mit umfassendem redaktionellen Anspruch). Übernahmen sind noch nicht gestoppt: Die Rheinische Post übernimmt beispielsweise die Saarbrücker Zeitung. Weitere, eigenständige Regionalzeitungen sind gefährdet. Im 3. Quartal 2012 sind die deutschen Tageszeitungen (Abonnement und Einzelverkauf) erstmals unter die Marke von 20 Millionen Exemplaren gesunken. Eine weitere Qualitätsreduktion und Personalauszehrung – besonders im lokalen Bereich – wird die Akzeptanz weiter reduzieren. Auch die internationale Entwicklung geht in eine ähnliche Richtung: El Pais (Spanien) reduziert trotz schwarzer Zahlen massiv; das US-Magazin Newsweek erscheint nur noch digital; der US-Markt gilt in vielen Verlagen als Vorbote für den absehbaren  Medienwandel und gilt als Treiber für die Lageeinschätzung: „Print verliert – Digital gewinnt“.

8. Die Pressevielfalt und damit der Lesernutzen leidet nicht nur im Feld der Regionalzeitungen: „Einen überregionalen Anspruch haben etliche Regionalzeitungen wie das Hamburger Abendblatt oder die Berliner Zeitung in der Vergangenheit zwar immer erhoben, aber selten eingehalten.“ „Nun hat man sich vielerorts dazu durchgerungen, ihn auch offiziell aufzugeben“ (Wolfgang Krach, stellvertretender Chefredakteur der SZ). Der Spiegel analysiert: SZ und FAZ sind die „letzten verbliebenen deutschen Tageszeitungen mit einem entschieden nationalen Anspruch.“ (Der Spiegel, 42/2012).

9. Der Beruf des Journalisten wandelt sich – mit Ausnahmen – unter dem ökonomischen Druck zu einem „Material-Konfektionisten“ aus zweiter Hand und unter Zeitdruck. Der Journalismus wird häufig zur  „Kommentierung von Marketing“ und lebt von gefilterter Luft. Die zunehmende Verschmelzung von PR und Unterhaltung bedroht den öffentlichen Auftrag und eigenen Anspruch des Journalismus (Umkehr der Wichtigkeiten, Veränderung des Relevanzbegriffs, Orientierung und Verstärkung der jeweiligen „Empörungswellen“ etc.). Immer weniger Journalisten machen immer mehr, sie werden zu Mulitimedia-Managern (Print, Online, TV, Anzeigenblätter). Im Jahr 2000 gab es noch 15.306 Redakteure bei Tages- und Wochenzeitungen. 2011 waren es nur noch 12.966. Auch die Prekarisierung dieses „Bildungs-Berufs“ schreitet voran (vgl. Web-Kommentare von Betroffenen). Die Folge: Handschriften gehen verloren, Analysen schwinden, die Interpretationsvielfalt der sozialen Wirklichkeit verdunstet, das Informationsverstehen leidet, der „sanfte“ Boulevard, die Empörungskultur, die Eindruckserweckung in Inszenierungswellen verdrängt oft eine demokratische Öffentlichkeit, die sich aus vielfältigen, differenzierten, erfahrungsgesättigten Quellen und direkter Beobachtung der Autor(inn)en speist. Die Begegnung mit der sozialen Wirklichkeit findet immer häufiger ohne direkten Kontakt mit der Alltagswelt statt.

 

Die Werbemärkte bestimmen die künftigen Medientrends

10. Der digitale Werbemarkt steigt prozentual am stärksten. Die Online-Werbung übertrifft erstmals den TV-Werbemarkt. „Das Internet ist laut einer aktuellen PWC-Studie mit einem Marktanteil von 23 Prozent der größte Umsatzträger im Unterhaltungs- und Medienmarkt“ (Handelsblatt, 24.10.2012). „Die Verlagerung der Werbebudgets ins Internet und zugunsten von digitalen Medien wird auch in den kommenden Jahren nicht nachlassen“ (ebd.). PWC-Prognose: „Internet dominiert globales Werbewachstum“ (21.6.2012). „Digital ist mittlerweile Standard und Common Sense.“ Entscheidend ist, wie digital künftig kapitalisiert wird (PWC-Chef Fenez).

11. Bei der Digitalisierung handelt es sich nicht nur um einen grundlegenden Geschäftstrend, sondern um eine neue kulturelle Dimension. Springer-Chef Döpfner drückt diesen Trend lakonisch aus: „Die goldenen Zeiten des Zeitungsgeschäfts sind vorbei, aber die silbernen können auch noch ganz schön sein“ (Reuters, 18.10.12). Verlage und deren Manager orientieren ihre gesamte Geschäftstätigkeit an diesem Mega-Trend.

12. Die Verleger haben mit ihrem Prinzip der Kostenloskultur im Netz ihre Erlösmodelle selbst reduziert und „ihre“ Presse-Krise damit selbst verschuldet. Die Zeitungskrise – jenseits der auffallend positiven Bilanzen der großen Verlage – ist auch eine Strategiekrise der Steuermänner.

Offen ist, wie das eingeläutete Ende der „Kostenloskultur“ (Döpfner) sich auf den Zeitungsmarkt auswirken wird? „Die Medienbranche will kein Freibier mehr ausschenken“ (kress, 19.10.2012). Der „Welt“-Auftritt soll noch in diesem Jahr kostenpflichtig werden. Weitere Spitzenverleger (FAZ, SZ) sind dieser Ankündigung von „Bezahlschranken“ gefolgt, auch wenn es bisher dafür „noch kein einfaches und kostengünstiges Bezahlsystem“ gebe (Berliner Zeitung, 26.10.2012). Offen ist, wie die gesamte Branche auf diese „First Mover“ reagieren wird und welche Auswirkungen die „Bezahlschranken“ auf das Konsum- und Nutzerverhalten der Bürger  haben werden?

13. In der Zeitungsbranche ist der Stellenwert und die Bedeutung der Online-Angebote nach wie vor umstritten – auch weil die publizistische Eigenständigkeit und die Alleinstellung dieser Angebote nicht von allen Marktteilnehmern gesehen werden. So warnte die Chefredakteurin der Berliner Zeitung, Brigitte Fehrle, generell vor der Überschätzung der Online-Medien: „Die entscheidenden Inhalte, die auch heute online stehen, kommen immer noch aus den Print-Redaktionen“ (Reutlinger Generalanzeiger, dpa, 27.10.2012). Die interne Marktforschung gibt offenbar auch keine eindeutigen Ergebnisse her.

14. Die meisten Verleger haben im Online-Markt bislang kaum journalistische Innovationen etabliert und ermöglicht, sondern lediglich mit neuen Service-Dienstleistungen und medienfremden Dienstleistungen und Portalen gepunktet. ASV-Chef Döpfner sagt zwar: „Wir verteidigen nicht die gedruckte Zeitung, wir verteidigen den Journalismus“ (Reuters, 18.10.2012), diese Aussage ist jedoch blutleer und orientierungslos, da das „Digital-Haus Springer“ schon seit Jahren beachtliche Renditen mit Reise-, Immobilien-, Job-, Auto-, Rabatt-, Mode- und Finanzportalen macht (vgl. die Analysen der Commerzbank dazu). Wo ist der journalistische Mehrwert des Online-Journalismus heute – Ausnahmen ausgenommen – belastbar zu dokumentieren? (z.b. lokale Portale, schon zahlenmäßig begrenzte lokale Blogs – vgl. Spiegel 42/2012 – Bürgerjournalismus …?, ein deutsches, unabhängiges, spendenfinanziertes Recherche-Portal nach US-Vorbild etc.). Zahlreiche Regionalzeitungen verzichten bewusst auf ein ausladendes Online-Angebot, um mit diesem Verzicht die Print-Ausgaben nicht zu kannibalisieren.

15. Die großen „Verlage“ sind – anders als öffentlich kommuniziert – besonders innovativ im Medienwandel: Sie bauen die Verlage „zu großen internationalen Serviceagenturen um, zu Handelshäusern, Gemischtwarenläden, Event-Dienstleistern und Volksbildungsheimen“ (Wolfgang Michal, Carta, 24.6.2012). Über die publizistischen Auswirkungen dieses Megatrends gibt es jedoch keine öffentliche Debatte, keine vernehmbaren Gegenstrategien von Medienpolitikern und keine analytische Begleitung der zuständigen Medienkritik.

16. Zeitgleich werden aus den großen Internet-Plattformen potente Verlage und Inhalte-Anbieter (YouTube, Google, iTunes, Twitter, Amazon, Facebook u.a., vgl. Wolfgang Michal, Carta, 27.8.2012). Auch dieser Trend steht – trotz solider Argumentation – nicht im Blickfeld der Medienakteure.

 

Es gibt kaum Problembewusstsein jenseits der medialen Peer Groups

17. Die Medienkritik hat das Langzeitgedächtnis einer Ameise; abseits von wenigen, dazu noch bedrohten Kleinst-Inseln, ist sie notleidend. Die etablierte Medienpolitik sieht sich im Wesentlichen als Transfersystem für eine geschmeidige Standortpolitik jenseits öffentlicher Beachtung oder gar vitaler parlamentarischer Kontrolle. Die großen Herausforderungen des Medienwandels stehen nicht auf der Tagesordnung der Medienpolitik. Medienpolitik ist heute vor allem „Nicht-Medienpolitik“ oder die Beschäftigung mit Randthemen bzw. Machtabsicherung. Die Organisations- und Solidarisierungsfähigkeit von Journalisten und deren Gewerkschaften ist – wie bereits vielfach belegt – arg begrenzt. Eine artikulationsfähige, medienkritische „Bürgeröffentlichkeit“ gibt es nicht. Alle reden von einer Mediendemokratie; aber in dieser Mediendemokratie gibt es keine handlungsfähigen Demokraten, keine ihrer machtpolitischen  Bedeutung angemessene diskurs- und organisationsfähige Öffentlichkeit.

18. Wettbewerbsfördernde Optionen sind möglich und dringend geboten, aber wohl unrealistisch in einer entwickelten Postdemokratie:

  • Stiftung Journalismus – zur Finanzierung von journalistischer Aus- und Weiterbildung und der Förderung von innovativen Medienprojekten.
  • Neugründung publizistischer Förder-Organisationen und einer publizistisch-institutionellen Neuerfindung von Projekten, die Medienvielfalt und Medienkritik fördern. Welche Medien braucht eine funktionierende Demokratie?
  • (Co)-Finanzierung von Zeitungen, Agenturen und Projekten nach modernen und modifizierten Standards, die eine gesellschaftliche Repräsentanz sichern. Ziel: Förderung von Wettbewerb und Vielfalt.
  • Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen zur Verhinderung von weiteren Konzentrationsprozessen (Konzentrationsberichte und Einführung von Grenzwerten).
  • Erhöhung der Rechenschaftspflicht von Verlagen und Senderverantwortlichen – Jahresbericht zur Lage der Medien in Deutschland (vgl. Rau-Experten-Rat).
  • Gründung einer unabhängigen Stiftung Medienkritik und Medienvielfalt.
  • Pflege und Etablierung der Idee einer demokratischen Öffentlichkeit auf vielfältigen Wegen (Schulen, Weiterbildung, Universitäten). Mediennutzung muss zu einem Bildungsthema werden (vgl. von Lojewski-These: „Medien bestimmen Politik“. Aber – durch wen wird diese „Macht“ legitimiert?).
  • Nicht aufhören, anzufangen.

 

*Dieser Text beruht auf einem Vortrag, den Thomas Leif Ende Oktober in Reutlingen beim Fritz-Erler-Forum der Friedrich Ebert-Stiftung gehalten hat.

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33 Kommentare

  1. Klaus Jarchow |  06.11.2012 | 13:45 | permalink  

    Das Problembewusstsein ist auch deshalb so gering, weil die großen Medien sich in die Irrelevanzfalle ökonomisiert haben. Mit anderen Worten: Die Massenmedien überschätzen sich und ihren Einfluss maßlos.Sie schreiben sich eine Bedeutung zu, die sie längst nicht mehr besitzen. Die ach so tumbe Gesellschaftsherde, die sie gern wie einst im Mai ‘formieren’ möchten, die ist längst weitergezogen. Was übrigens für die Intelligenz der Herde spricht. Insofern ist es auch unwichtig, ob die Großmedien sich umorientieren, zusammenschließen, monopolisieren oder was auch immer. Die Großmedien gleichen längst Ben Cartwright – und kaum ein Mensch guckt noch ‘Bonanza’ …

  2. Fritz |  06.11.2012 | 14:29 | permalink  

    Danke für diese Analyse.
    Vielleicht war die Arbeit der Redaktionen immer schon problematisch und fand meistenorts in einiger Entfernung von den Idealen statt, doch in den letzten Jahren greift die Banalsierung des Berufs des Journalisten bis in die Sektoren über, die früher diesen Idealen noch nahe standen. Die Lethargie, mit der dieser Agonie zugeguckt wird, empfinde ich zunehmend als gespenstisch.
    Trotzdem, man kann sich darüber streiten, ob das Ende des Bezahl-Journalismus eine Katastrophe ist oder nicht – aber eben dies muss man viel, viel dringender tun als z.B. Google vor irgendwelchen LSR-Zumutungen zu retten.
    Vielleicht wäre ja ein QSR (Qualitätsschutzrecht) angebracht, bei dem eher die Journalisten über die Verteil-Modalitäten entscheiden würden als ausgerechnet die nur noch zahlenorientierten Manager der Verlagskonzerne.
    Welche demokratische, politische, gesellschaftliche Öffentlichkeit wollen wir haben? Der Totalausfall der Medienpolitik und der medienpolitischen Debatte ist seltsam. Eine kritisch kompetente Öffentlichkeit stand allerdings noch nie im Fokus der Interessen von Regierungsparteien.
    Ein Punkt fehlt übrigens in der Analyse: Was ist mit den Leserinnen und Lesern? Wo sind die hin?

  3. Amigo Seure |  06.11.2012 | 14:55 | permalink  

    Ist der Autor nicht der Mann, der zurücktreten musste beim “Netzwerk Recherche”?

  4. stefanolix |  06.11.2012 | 16:42 | permalink  

    Ich finde viele Punkte der Zusammenfassung richtig und wichtig, aber ein Punkt stimmt nicht ganz: Medienkritik gibt es im Netz durchaus. Leider geht sie in den Erregungswellen (Shitstorms) völlig unter. Die Presse macht sich selbst kaputt, weil sie gerade flächendeckend das journalistische Handwerk kaputtmacht.

    Ein Beispiel: Als im Sommer 2012 in der Dresdner Presse die völlig absurde Meldung »Sachsen will für 390.000 Euro die eigenen Bürger auf Facebook bespitzeln« aufkam, haben sich via Twitter tausende Leute darüber aufgeregt. Es drohte mindestens die Wiederauferstehung der Staatssicherheit.

    Ich habe nach kurzer intensiver Recherche nachgewiesen, dass die Zeitungen diesen Blödsinn ohne eigene Recherchen aus der Pressemitteilung eines Oppositionsabgeordneten abgeschrieben hatten. Sie haben sich die verzerrte Darstellung des Abgeordneten zu eigen gemacht.

    Über eine Zwischenstation kam dann ein Link zur richtiggestellten Information ins BILD-Blog. Vermutlich hat von den tausenden erregten Leuten kaum jemand gemerkt, dass er von Journalisten getäuscht wurde, die einfach die Regeln ihres Handwerks verletzt haben (oder der Regierung Sachsens bewusst schaden wollten?). Solche Vorgänge gefährden unsere Demokratie.

    Der Journalismus ist aber auch dadurch gefährdet, dass er sich der PR geradezu anbiedert und anbietet: Journalisten schreiben inzwischen PR-Texte über Unternehmen sogar für den redaktionellen Teil des eigenen Blatts und zeichnen diesen Textschrott auch noch namentlich. Auch sehr beliebt: Unternehmens-PR unter dem Vorwand, einen regionalen »Wirtschaftspreis« zu vergeben.

    Den Unternehmen werden darüber hinaus schamlos Koppelgeschäfte angeboten (siehe: Rechercheblog der taz aus dem April 2011). Glaubt jemand ernsthaft, dass die selben Unternehmen noch bereit sein werden, für unabhängigen Journalismus Geld zu spenden oder unabhängiges Sponsoring zu betreiben?

  5. Klaus Jarchow |  06.11.2012 | 17:20 | permalink  

    @ stefanolix: Richtig, das im Netz keine Medienkritik stattfände, ist auch solch ein hartnäckiger Mythos, der hier auf fehlender Recherche des Mannes vom ‘Netzwerk Recherche’ beruht. Ich habe sogar kürzlich satte 620 Seiten davon produziert. Wenn’s aber der Journalist nicht liest und fröhlich drauflos schwadroniert, was willst du machen …?

  6. stefanolix |  06.11.2012 | 18:04 | permalink  

    Es fehlt hierzulande an einer Institution, der ich gern den Arbeitstitel »Stiftung Medientest« geben würde. Die Zeitungen müssten richtiggehend Respekt vor den Tests dieser Stiftung haben. Wenn diese Stiftung wirklich unabhängig eingerichtet werden könnte, würde ich sogar befürworten, dafür Geld von den Rundfunkgebühren abzuzweigen. Offene Fragen:

    - Wie macht man eine solche Qualitätskontrolle unabhängig?
    - Welche Definition der Qualität legt man zugrunde?
    - Welche Konsequenzen hätte die Aufdeckung von Fehlern?

    Das Problembewusstsein scheint mir in der Tat die unbekannte Größe zu sein. Hätte ich genügend Geld, würde ich gern eine fundierte repräsentative Umfrage zur Qualität der Printmedien in Auftrag geben. Anhand von Beispielen würde ich dabei auch gern die Medienkompetenz testen und daraus Rückschlüsse ziehen. Zur Zeit bin ich in dieser Beziehung sehr pessimistisch.

    @Klaus Jarchow: Der persönlichen Kritik am Autor mag ich mich hier nicht anschließen. Der Artikel zeigt viele wichtige Themen auf. Er könnte allerdings eine Überarbeitung vertragen. Er liest sich streckenweise wie der abgetippte Mitschnitt eines noch nicht ganz ausgereiften Vortrags. Nichts für ungut, aber 18 Gliederungspunkte ergeben noch keine Struktur ;-)

  7. 18 Thesen zur schwindenden Pressevielfalt — Carta | Journalismus 2.0 | Scoop.it |  06.11.2012 | 18:31 | permalink  

    [...] Verlage vernachlässigen ihr klassisches Redaktions-Geschäft und investieren weniger in den Journalismus. Sie konzentrieren ihre Innovationen allein auf neue profitable Business-Modelle im Internet, die wenig bis nichts mit …  [...]

  8. carabito / matthias hoelkeskamp |  06.11.2012 | 18:41 | permalink  

    Ich persönlich versuchs mit sponsored Content. Halte ich eigentlich für nicht weniger ehrlich als das herkömmliche Presse-Erlösmodell der Werbefinanzierung. Meine Magazine laufen online: brandjobber und als Auskopplung mediabouts, eine Publikation, die für meinen Sponsor Traffic generiert und ihm Möglichkeit zur Darstellung z.B. in Interviewform bietet. Transparenz hinsichtlich Abhängigkeiten ist 100% gegegeben. Im Unterschied zu vielen sonstigen Publikationen gehe ich selbst noch dahin wovon ich berichte – fotografiere, filme, schreibe. Das Modell ist skalierbar aber anscheinend nicht ausreichend attraktiv für Verlagshäuser, für die Internet keinen journalistischen Kanal, sondern offensichtlich eine Geldmaschine darstellt (so hätten sie es wenigstens gerne, abzulesen an den auf monetäre Selbstläufer-Mechaniken abzielenden Start-ups). Darum wohl die Zurückhaltung. Fazit: Mangels Mitteln ist der brandjobber immer noch auf freiwilliges Engagement im technischen Support angewiesen. So kommt es dann dazu, dass eine Landingpage auch einmal nicht richtig läuft. Eigentlich schade. Dabei steckt vielmehr Potenzial in diesem Ansatz – ganz gleich ob er sich jetzt als Brandjobber zu Themen der Kreativwirtschaft oder unter anderem Titel zu Themen junger und alternativer Kultur oder zu sonst etwas aufstellt. Oder. Oder. Oder. Freue mich über weiterführende Kontaktaufnahmen ;-) – Einfach unter http://www.brandjobber.com ins Impressum schaun.

  9. Amigo Seure |  06.11.2012 | 19:10 | permalink  

    Statt “Stiftung Medientest” empfehle ich ein “Wahrheitsministerium”.

  10. hardy |  06.11.2012 | 23:27 | permalink  

    @klaus

    zickenkrieg???

    ich hol mal schnell popcorn & die gute luxembourger cherry-coke.

    könntet ihr euch bitte mit babyöl einreiben? das macht dann mehr spaß beim zugucken.

  11. Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website |  07.11.2012 | 08:53 | permalink  

    [...] Thomas Leif: 18 Thesen zur schwindenden Pressevielfalt Meine Kernthese lautet: Zeitungen werden von Medienmanagern und Verlagen zu „Geschäftsmodellen“ ausgerichtet. In ausgereiften und abgeschotteten Märkten (Oligopolen) entscheiden die Werbeumsätze über die Qualität der „publizistischen Vielfalt“. Verlage vernachlässigen ihr klassisches Redaktions-Geschäft und investieren weniger in den Journalismus… Die zehn führenden deutschen Verlagsgruppen konzentrieren heute fast 60 Prozent der verkauften Zeitungsauflage auf sich. Der Marktanteil der fünf größten Verlagsgruppen (Springer 18,8%, Südwest Presse, WAZ, DuMont, Madsack) beträgt 44,2 Prozent. „Die Beziehungen zwischen den großen Marktteilnehmern werden immer enger“ (Horst Röper, format, 11.6.12) Heute gibt es noch 133 „Publizistische Einheiten“, also Kernredaktionen, die zumindest einen eigenständigen „Mantel“ herstellen. Auch der Trend zur Zusammenlegung von Redaktionen – wie jüngst im Fall des Hamburger Abendblatts mit den Zeitungen der Welt-Gruppe (vgl. taz, 26.10.12) – erschüttert weder Medienpolitik noch Öffentlichkeit… Der Beruf des Journalisten wandelt sich – mit Ausnahmen – unter dem ökonomischen Druck zu einem „Material-Konfektionisten“ aus zweiter Hand und unter Zeitdruck. Der Journalismus wird häufig zur „Kommentierung von Marketing“ und lebt von gefilterter Luft. Die zunehmende Verschmelzung von PR und Unterhaltung bedroht den öffentlichen Auftrag und eigenen Anspruch des Journalismus… Quelle: Carta [...]

  12. Klaus Jarchow |  07.11.2012 | 09:40 | permalink  

    @ stefanolix: Hier ein Hinweis auf einen Gefahrenpunkt – ich würde nicht etwas messen wollen, was die Verleger selbst zuvor als PR-Begriff selbst eingeführt haben. Der Begriff ‘moderner Qualitätsjournalismus’ wurde doch von ihnen erfunden, um ihren Content [noch so'n Wort!] bei gleichzeitig massivem Personalabbau zu schützen, obwohl das angeblich schützenswerte Gebrabbel mit seinem “Industrieton” (C. Seibt) doch nur selten noch als Attraktor fürs Publikum wirkt.

    Einer Stiftung ‘Medientest’ müsste daher gewissermaßen ein anderer, ein literarischer Qualitätsbegriff zugrundeliegen: Verzicht auf Stanzen aus der publizistischen Sprach-Antike, Abschied vom ‘Rudeljournalismus’, stimmige Metaphern, Bezug von Belegen und Referenzen aus unkontaminierten Quellen, PR-Ferne, Subjektivität, Dialogbereitschaft usw. Dass sich wiederum auf diese Weise ein ‘Focus’ gar nicht mehr befüllen ließe, ist mir schon klar.

    Die ‘persönliche Kritik’ war – für meine Maßstäbe – doch nur in homöopathischen Dosen vorhanden …

  13. Nina |  07.11.2012 | 11:12 | permalink  

    Sehr geehrter Herr Leif,
    sie schreiben in ihrem Artikel die Änderungen bei der Pressefusion hätten ” weder eine öffentliche Diskussion noch Gegenpositionen hervorgerufen”. Das stimmt so nicht. Es gab sowohl öffentlich (http://gruenlink.de/db9), als auch im Parlament (http://gruenlink.de/db7 und ebenso http://gruenlink.de/db8) von einigen Abgeordneten (nicht nur der Grünen, auch der anderen Oppositionsfraktionen) durchaus deutliche Kritik an der gelockerten Pressefusionskontrolle. Allerdings hat diese Kritik keine Zeitung wiedergegeben – jedenfalls, so weit uns bekannt ist.

  14. Volker Birk |  07.11.2012 | 11:19 | permalink  

    Erst einmal: Gratulation zu dieser im Ganzen scharfsinnigen Analyse!

    Eines jedoch stört mich in der ganzen Diskussion von je her: die sogenannte “Kostenloskultur” des “Digitalen”. Deshalb möchte ich auf dieses Thema kurz eingehen:

    Dieser Kampfbegriff geht völlig an der Sache vorbei. Wer das immer noch nicht erfasst hat, soll doch mal erklären, wie denn Google überhaupt Geld verdient, wo doch alles “kostenlos” ist. Und wer jetzt das Standardrepertoire herunterziehen will:

    Die Provokation ist beabsichtigt. Denn wer sich die ganzen Ausreden dazu einverleibt hat, wird niemals den wirtschaftlichen Erfolg eines Spiegel-Online nachbilden können. Und darum geht es wirklich.

    Es gibt nämlich funktionierende Geschäftsmodelle für Online-Journalismus. Und so wenig mir die Seite inhaltlich gefällt, das muss man den Sponern zugestehen, dass sie das können.

    Was ist denn nötig, um im Netz Geld zu verdienen, so dass Journalismus machbar ist? Es ist das glatte Gegenteil dessen, was in den Verlagen passiert. Ein digitales Medium muss:

    – überregional sein; aber nicht in dem Sinne, dass man nur Agenturmeldungen kopiert, sondern mit eigenen Geschichten
    – wie die Leser getaktet sein; für einen Online-Leser sind Zeitungen sonst “der Printout der Agenturmeldungen von gestern”
    – mit Gefühl für die Werbung gestaltet; Werbung muss sein, aber sie muss so sein, dass sie den Leser nicht stört
    – das Medium muss schnell und übersichtlich sein; die Gestaltung von SPON ist hier richtungsweisend, es stellt sich die Frage, warum das nicht viele nachbilden
    – und, das ist überhaupt das Wichtigste, das zeigen Medien wie der Guardian: eine Netzzeitung muss kritisch und gut recherchiert sein; Agenturmeldungen gibt’s auch direkt auf deren Homepage. Eine Stellungnahme ist gewünscht, und zwar eine ausserhalb des Nachplapperns des Mainstreams.
    – Netzzeitungen können etwas bieten, was sonst keiner kann; der Guardian und die deutsche Tagesschau machen’s vor: interaktive grafische Aufbereitung von Informationen

    Journalismus ist im Netz mehr gefragt denn je. Und diese Nachfrage wird kaum erfüllt. Die Verleger haben sich zwar eine optimale politische Position erkorrumpiert, aber sie werden letztlich genauso damit untergehen wie die Musikindustrie; man kann die Konsumenten nicht zwingen zu bezahlen. Man benötigt massiv Reichweite, und dann Leute, die gerne für Werbung bezahlen. Das ist im Netz doch nicht anders als im Printbereich.

    Wer eine Paywall aufbaut, wird nur eines erleben: den Zusammenbruch der Leserzahlen. Denn das Netz ist schnell. Die Leser sind viel schneller weg, als dass man sie wieder kriegen könnte.

    Zurück zum eigentlichen Thema:

    Das Verleger-Oligopol zerstört den Journalismus in Deutschland. Entweder man findet wieder Verleger mit Haltung, oder es sind weitere journalistische Kollektive gefragt. Solange die Journalisten jedoch alle mitspielen und sich so zur Minderleistung drücken und erpressen lassen, nimmt die Zeitungs-Erosion weiter ihren Lauf.

    Journalisten aller (Bundes-)Länder, vereinigt Euch! ;-)

  15. 18 Thesen zur schwindenden Pressevielfalt von Thomas Leif | Mediaclub | Scoop.it |  07.11.2012 | 12:02 | permalink  

    [...] Die deutschen Zeitungsverlage besitzen trotz Krise noch immer eine starke Marktmacht. Denn sie treffen auf eine passive Medienpolitik und eine schwache Zivilgesellschaft.  [...]

  16. Volker Birk |  07.11.2012 | 14:17 | permalink  

    Ein Nachtrag noch:

    Ich möchte hier dringend die NachDenkSeiten empfehlen, http://nachdenkseiten.de

    Das ist ein wirklich guter Versuch, Medienkritik in Deutschland zu üben. Vielleicht brauchen wir auch mehr Blogs – die USA machen’s vor. Dort gibt es Blogs mit Reichweiten, von denen so manche “grosse” Zeitung in Deutschland nur träumen kann. Warum eigentlich hier nicht?

    Blogs finanzieren sich übrigens nicht immer nur über flattr, sondern durchaus auch über Werbung. Es sind ja nicht alle Blogs so klein wie meines ;-)

  17. Vera Bunse |  07.11.2012 | 14:26 | permalink  

    Nikolaus Brender auf BZ online, Den Turbo-Journalismus stoppen, geht in dieselbe Richtung.

  18. Hach « …Und So Zeug |  07.11.2012 | 21:02 | permalink  

    [...] nämlich der wirtschaftlichen, beklagt Thomas Leif die schwindende Vielfalt und stellt ihr 18 Thesen gegenüber. Kann man machen, muss man machen. Wenn der Name Thomas Leif fällt (der wohl - ähnlich wie [...]

  19. hardy |  08.11.2012 | 00:38 | permalink  

    @volker

    ich finde, blogs ohne die möglichkeit zu kommentieren und blogs mit zu vielen videos sind reine zeitverschwendung.

    ausserdem hat der auf den NDS damals wahlkampf _für_ brandt gemacht – während ich die plakate für die CDU in bonn tannenbusch geklebt habe [jugendsünde!] ;-)

  20. Tyler Durden Volland |  08.11.2012 | 00:58 | permalink  

    Was soll so ein Unsinns Beitrag?

    Zeitungen und die meisten anderen Medien sind im Privatbesitz.

    Gibt es ein Gesetz, eine Verordnung, oder Ähnliches, das den Besitzern von Zeitungen und deren Verlagen verbietet ihr Produkt für ihre eigenen politischen und ökonomischen Interessen zu benutzen?

    Sollen wie jetzt erstaunt sein über die seit vielen Jahren schon banale Feststellung, dass die Medien manipulieren und Meinungsmache betreiben, oder gar darüber, dass ihre Besitzer damit in erster Linie Geld verdienen wollen? Dass es nicht eine einzige wirkliche Qualitäts Zeitung mehr gibt? Warum sollte Herr Döpfner nicht einfach nur den Journalismus verteidigen der ihm in die politische und ökonomische Richtung passt?

    Dem Autor steht es doch frei ein Produkt, also eine Zeitung, auf den Markt zu bringen die journalistische Qualität über den Profit stellt. Was hindert ihn denn daran? Die Einsicht dass es dafür keinen Markt gibt, weil die Bürger nun mal so sind wie sie sind?

    Warum sollte eine CDU/FDP Regierung etwas gegen eine solche Medien Struktur haben?
    Ist es den Damen Friede Springer und Liz Mohn verboten ihre Freundin im Kanzleramt mit all den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen, inkl Verdummung der Massen, da sie ja offensichtlich dieselben politischen Interessen wie Merkel haben und vertreten? Frau Merkel wurde nicht von Springer/Mohn installiert, sie wurde mit der Mehrheit der deutschen Wählerstimmen zur Kanzlerin gemacht.

    Warum also beschweren sie sich nicht über die Verursacher des Problems?

  21. hardy |  08.11.2012 | 03:13 | permalink  

    @tyler

    also, ich habe mir zur angewohnheit gemacht, einen artikel, den ich kommentiere, auch zu lesen. möglichst _vorher_.

    dir hätte eigentlich schon das lesen des ersten absatzes, der “kernthese” reichen müssen, um zu bemerken, daß du entweder faselst oder einen anderen artikel kommentierst.

    in dem hier ging es, soweit ich ihn verstanden habe, nicht darum, daß leif gerne jemandem vorschreiben möchte, welche meinung er gefälligst zu vertreten hat – sondern darum, daß “qualitätsjournalismus” nicht das kopieren von tickermeldungen unter hinzufügen eines quäntchens verlagsspezifischer vorlieben sein kann und journalismus zu einer unterabteilung des marketing verkommen ist, in dem nicht mehr meinungsstarke herausgeber eben jene unter’s volk bringen sondern “reklame” für produkte welcher art auch immer machen, weil sie _dafür_ bezahlt werden und eben nicht mehr für ihre meinung oder sachkompetenz.

    aber, danke, daß du daran erinnerst, daß es wohl der deutsche wähler war, der der FDP mehr als 14% stimmen schenkte – das will ja heute niemand mehr gewesen sein und die merkelsche hat auch niemand gewählt.

    so schön kann alzheimer sein.

    wie wir – allgemein – in diese lage gekommen sind, erklärt übrigens das tolle feature über Edward Bernays von nora bauer …

  22. stefanolix |  08.11.2012 | 09:10 | permalink  

    @Klaus Jarchow: Danke für den Hinweis auf einen »Gefahrenpunkt«. Muss man darüber streiten, ob der Begriff journalistische Qualität möglicherweise von Interessengruppen vereinnahmt wurde? Ich habe dabei nicht nur die Verleger in Verdacht. Überfliegen Sie bitte mal die Beiträge zum Qualitätsjournalismus im Blog der Nachrichtenagentur dapd. Noch ist »Qualitätsjournalismus« kein PR-Sloganeiner Gruppe und wir sollten dafür sorgen, dass es so bleibt.

    Die vier wichtigen Interessengruppen sind:

    - die Medienanbieter
    - die Medienpolitiker
    - die Wirtschaft
    - die Rezipienten

    Leider stehen die Rezipienten momentan weit außerhalb der Debatte. Momentan konzentriert sich die Diskussion auf die Anbieter. Wichtig wäre aber eine Diskussion über den Begriff der Qualität. Und dabei meine ich nicht in erster Linie die sprachliche Qualität.

    Sie schreiben: Einer Stiftung ‘Medientest’ müsste daher gewissermaßen ein anderer, ein literarischer Qualitätsbegriff zugrundeliegen: Verzicht auf Stanzen aus der publizistischen Sprach-Antike, Abschied vom ‘Rudeljournalismus’, stimmige Metaphern, Bezug von Belegen und Referenzen aus unkontaminierten Quellen, PR-Ferne, Subjektivität, Dialogbereitschaft usw.

    Vielleicht sollte ich konkretisieren, was ich erreichen will: Eine »Stiftung Medientest« oder auch »Medienverbraucherzentrale« soll – von sich aus oder auf Hinweis – bestimmte Verstöße gegen die Regeln des journalistischen Handwerks untersuchen. Es sollten dann Punkte oder Noten vergeben werden, die man als Leser im Netz abrufen kann. Priorität sollte dabei die Untersuchung der überregional und lokal dominierenden Medien haben.

    Ein ähnliches Portal gibt es bereits für Lebensmittel. Für mich sind Zeitungen auch ein Lebensmittel ;-)

    Eine ganz offene persönliche Frage: Würden Sie mir ein Rezensionsexemplar oder ein Probekapitel Ihres Buches zur Verfügung stellen?

  23. Tyler Durden Volland |  08.11.2012 | 10:18 | permalink  

    @hardy “…sondern darum, daß “qualitätsjournalismus” nicht das kopieren von tickermeldungen unter hinzufügen eines quäntchens verlagsspezifischer vorlieben sein kann und journalismus zu einer unterabteilung des marketing verkommen ist,…”

    Es geht wohl weniger um mein Lesen-können als um ihr Überfordert-Sein mit dem Begreifen dessen was ich schreibe, denn sonst hätten sie mitbekommen, dass ich genau dies hinterfragte: Warum soll ein Konzern Interesse an dem haben, was SIE unter Qualitätsjournalismus verstehen? Konzerne verdienen an verdummten Konsumenten, nicht an denen die dem Hobby des Lesens des Qualitätsjournalismus frönen wollen. Wenn sie solchen betreiben wollen, dann bringen sie einfach ihre eigene Zeitung heraus und sie werden sehr schnell sehen mit welcher Geschwindigkeit sie Pleite gehen werden.

    Mein Beitrag sollte ihnen verdeutlichen, dass die Welt in der es ihren Journalismus noch geben kann, längst nicht mehr interessiert. Dass sie dies anscheinend weder wissen, noch wissen wollen, spricht nicht gerade dafür, dass sie überhaupt die Fähigkeit besitzen “Qualitätsjournalismus” zu produzieren.
    Die Demokratie ist längst zur Post-Demokratie (sie kennen Colin Crouchs Buch?) verkommen. Diejenigen die Georg Schramm so treffend wie politisch inkorrekt den “Urnenpöbel” nannte, die haben das sagen und sind mit dem völlig zufrieden, das ihnen ehemalige Qualitätsmedien wie SZ oder Spiegel bieten, um nur die beiden Übelsten zu nennen, die mittlerweile zu widerwärtigsten Schmierenblättern verkommen sind.
    Die Forderungen in dem Artikel gehen an dieser Welt völlig vorbei, sie sind die albernen und infantilen Träume von Gut-Menschen, die mit der eigentlichen Realität nichts zu tun haben wollen. Und sie haben den Nerv mir davon zu sprechen, dass solche Leute Qualitätsjournalismus produzieren könnten, wenn man sie nur liesse?

    Sie machen sich ja lächerlich…..

  24. hardy |  08.11.2012 | 18:39 | permalink  

    @tyler

    da sie ja schon die artikel, die sie kommentieren nicht zu lesen scheinen, kann ich nicht erwarten, daß sie sich durch meine kleinen abschweifungen wühlen und bemerkt haben, daß ich weder der gesellschaft noch den !qualiätstjournalisten” die fähigkeit unterstelle, etwas jenseits der daily soaps, die sie produzieren/konsumieren zu goutieren.

    im kern also wahrscheinlich ziemlich genau ihre analyse. nur, daß ich artikel eben lese und zu verstehen suche, statt ihnen permanent das zu unterschieben, was in meinem kopf so rotiert. ich denke mal,. _das_ ist der unterschied.

    ob ich mich damit lächerlich mache (in ihrem universum), mag sein, ist mir aber ziemlich egal. ich bin’s gewohnt, daß man die dinge, die ich so bemerke, für “lächerlich” hält – und beobachte dann über die jahrzehnte, wie sie sich langsam in den köpfen derer breit machen, die sie vorher lächerlich fanden.

    crouch ist mir übrigens ein begriff und ich sehe auch das durchaus ähnlich.

  25. Tyler Durden Volland |  09.11.2012 | 01:28 | permalink  

    @hardy
    Damit sie sich nicht die Mühe machen müssem noch mal nach oben zu scrollen, hire die Punkte die den Artikel abschliessen und zur verbesserung der welt führen sollen:

    Stiftung Journalismus – zur Finanzierung von journalistischer Aus- und Weiterbildung und der Förderung von innovativen Medienprojekten.
    Neugründung publizistischer Förder-Organisationen und einer publizistisch-institutionellen Neuerfindung von Projekten, die Medienvielfalt und Medienkritik fördern. Welche Medien braucht eine funktionierende Demokratie?
    (Co)-Finanzierung von Zeitungen, Agenturen und Projekten nach modernen und modifizierten Standards, die eine gesellschaftliche Repräsentanz sichern. Ziel: Förderung von Wettbewerb und Vielfalt.
    Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen zur Verhinderung von weiteren Konzentrationsprozessen (Konzentrationsberichte und Einführung von Grenzwerten).
    Erhöhung der Rechenschaftspflicht von Verlagen und Senderverantwortlichen – Jahresbericht zur Lage der Medien in Deutschland (vgl. Rau-Experten-Rat).
    Gründung einer unabhängigen Stiftung Medienkritik und Medienvielfalt.
    Pflege und Etablierung der Idee einer demokratischen Öffentlichkeit auf vielfältigen Wegen (Schulen, Weiterbildung, Universitäten). Mediennutzung muss zu einem Bildungsthema werden (vgl. von Lojewski-These: „Medien bestimmen Politik“. Aber – durch wen wird diese „Macht“ legitimiert?).
    Nicht aufhören, anzufangen. ”

    Ich habe nirgends behauptet, dass an dieser Analyse etwas falsch sei, ich habe lediglich angemerkt, dass solche Überlegungen kindisch und albern sind. Wenn wir in einer Welt leben würden, in der solche Verbesserungen möglich wären, dann hätten wir solche Zustände überhaupt nicht.

    Man kann also heutzutage entweder einen Bliog wie diesen betreiben, in dem sich dann auch wieder nur diejenigen zusammenfinden, die sowieso schon dieser Meinung sind, oder die Realität anerkennen und die Konsequenz daraus ziehen.
    Also: Sich umdrehen und weggehen. Züchten sie Schafe oder bauen sie meinetwegen marijuana an, aber tun sie was Sinnvolles. Dass sie gern ein guter Mensch sein wollen, glaube ich ihnen. Aber die Vorstellung man könne diesbezüglich was tun, verdummt die Menschen nur weiter und trägt damit zur weiteren Festigung des Status Quo bei.

  26. hardy |  09.11.2012 | 03:31 | permalink  

    [..] dass solche Überlegungen kindisch und albern sind

    gehört nun mal zu den dingen, die ich seit ich denken kann, immer von leuten zu hören bekomme, denen es an zwei dingen mangelt: der fähigkeit, sich etwas vorzustellen und der energie, den hintern hochzubekommen. etwas zu tun, statt von der empore aus waldorf und stadler zum besten geben, also maulaffen feilhalten.

    das wird heute gerne mit “gutmenschen” gewürzt …

    ich weiss ehrlich nicht, wie man so eine blöde vokabel verwenden kann, ohne sich stante pede zu erbrechen – aber soweit ich das verstehe, geht es wohl darum, zu verteidigen, daß man gerne ein phantasielos inaktiver “bösmensch” sein möchte und das unwohlsein (früher schlechtes gewissen genannt) dazu drängt, präventiv das gegenüber zu diffamieren.

    schon okay: die wunderbare welt der projektionen …

    [..] Also: Sich umdrehen und weggehen.

    und der kraftmeierei …

    [..] Züchten sie Schafe oder bauen sie meinetwegen marijuana an

    ich bin leider nicht in maine

    auch da sieht es wohl so aus, daß es leute gibt, die sich etwas vorstellen können und dann den hintern hochbekommen. und eben die, die – wie immer – vorher schon genau wissen, daß das “kindisch und albern” ist.

    das kenne ich nun schon ein halbes jahrhundert,

    und ich könnte nicht sagen, daß es auch nur ein einziges mal gestimmt hätte.

  27. Tyler Durden Volland |  09.11.2012 | 07:46 | permalink  

    Wissen sie? Sie sind einfach nur ein Schwätzer, nicht mehr….

    Nicht an einer Stelle gehen sie auf eines meiner Argumente ein, das interessiert sie alles gar nicht. Alles was kindische linke Spiesser wie sie immer wieder vorbringen können ist, dass ihnen dieses und jenes an meinem Ton nicht gefällt. In der Sache selber kein Wort. Und wenn man ihnen seit einem halben Jahrhundert stets dasselbe sagt… ist ihnen da nicht ein einziges der Gedanke gekommen, veileicht sei ja was dran? Nun dann dann will ich sie nicht länger stören…

  28. Medien, Journalismus und das fehlende ‘Ich’ im obektiven Zirkus der erzwungenen Selbstvermarktung « World-Net-News: Weblog |  11.11.2012 | 10:38 | permalink  

    [...] Warum Entwicklungen oder Verstrickungen in aufkommen wird wohl auch die schwindende Pressevielfalt, Dank ökonomischer Optimierung zu verdanken sein. Hier -und auch im Bereich Politik und Kultur- wird es wohl ein immer weniger [...]

  29. Agnes Tillmann-Steinbuß |  11.11.2012 | 13:37 | permalink  

    Wer nicht den Profit an die erste Stelle stellt, sei kindisch? Welches Menschenbild haben Sie Herr Durden Volland? Meines ist radikal anders, und ich glaube, dass Ihres auch nicht mehrheitsfähig ist! Diskutieren können wir über Glaubenssätze allerdings nicht.

  30. Tyler Durden Volland |  12.11.2012 | 02:59 | permalink  

    @Agnes Tillmann-Steinbu

    Naja, ihr Beitrag erklärt wenigstens das unterirdische Niveau des Journalismus generell…

    Ist ihnen nie der Gedanke gekommen, dass eine simple Beschreibung der tatsächlich existierenden Realität nicht unbedingt mit dem Ideal, das dem Verfasser eines Forenbeitrags vorschwebt, identisch sein muss?

    Ihr Denk Niveau tröstet mich deshalb zumindest darüber hinweg, dass der Verlust dessen was ihresgleichen unter “Qualitätsverlust” verstehen muss, gar kein allzu grosser Verlust für die Menschheit sein kann. Vielen Dank also…..

  31. Links – Montag, 12.11.12 bis Dienstag, 13.11.12 | Herbstrevolver |  13.11.2012 | 13:21 | permalink  

    [...] Thomas Leif: 18 Thesen zur schwindenden Pressevielfalt — Carta Meine Kernthese* lautet: Zeitungen werden von Medienmanagern und Verlagen zu „Geschäftsmodellen“ ausgerichtet. In ausgereiften und abgeschotteten Märkten (Oligopolen) entscheiden die Werbeumsätze über die Qualität der „publizistischen Vielfalt“. Verlage vernachlässigen ihr klassisches Redaktions-Geschäft und investieren weniger in den Journalismus. [...]

  32. Volker Birk |  23.11.2012 | 14:40 | permalink  

    @hardy: da hast Du durchaus recht. Mein Blog nutze ich, wie ein Web-Log ursprünglich gedacht war: ich notiere mit, was im Netz an mir vorbeiscrollt.

    Das kann Dich interessieren oder eben nicht. Es ist nicht viel mehr als ‘ne Soup oder ein Tumblr mit ein wenig mehr Textbeiträgen.

    Wenn’s Dich nicht interessiert, was ich gesehen habe: schau’s einfach nicht an.

  33. hardy |  24.11.2012 | 01:16 | permalink  

    volker,

    ich glaube, ich habe mich über die NDS ausgelassen, deinen blog habe nur mal kurz geguckt und weder etwas dafür noch dagegen zu sagen, weshalb auch, du machst das so, wie du das machst und das ist – für mich – okay. du spielst dich ja auch nicht zum retter der nation vor den bösen neoliberalen auf.

    wenn man letzteres tut, oder doch so eine große gemeinde an gläubigen mit ideen versorgt, wie das die NDS tun, dann sollte man der gemeinde doch die möglichkeit der diskussion bieten. im moment sehe ich keinen großen unterschied zwischen der katholischen kirche und den NDS. man muss es halt glauben und kann den obrigkeiten nicht widersprechen.

    das finde ich irgendwie überholt.

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