ZDF: Öder durch Söder

Dass ARD und ZDF von Parteien und Regierungen für politische Zwecke eingespannt werden, ist kein Geheimnis. Sonst gäbe es ja keine Hofberichterstattung.

Holla, nun auch der Söder! Welche Überraschung!!

Natürlich nahmen und nehmen die großen Parteizentralen und Staatskanzleien über ihre Sprecher und verwandten Schutztruppen Einfluss. Vor allem auf ARD und ZDF, denn zwischen den beiden Sendeanstalten und den Parteien und Regierungen herrscht seit eh und je ein reger Personalfluss. Man ist – in den oberen Etagen – quasi unter sich. Und da sich die kommerziellen Sender – was ernst zu nehmende Nachrichtensendungen angeht – jeglicher Konkurrenz enthalten, gibt es auch keinen Anlass, die Tendenz zur Hofberichterstattung zu ändern.

ARD und ZDF sind so große Dinos, dass sie außer der KEF-Kommission keine natürlichen Fressfeinde mehr haben. Und selbst der KEF-Vorsitzende wurde ja direkt in der Bayerischen Staatskanzlei und beim dortigen Ministerpräsidenten sozialisiert. Man kennt sich, man sieht sich.

Ähnlich eng und vertraut geht es in den Gremien zu. Eva Christiansen, treueste Mitarbeiterin Angela Merkels im Kanzleramt, sitzt ebenso im ZDF-Fernsehrat wie zahlreiche Staatsminister, Staatssekretäre und Staatsräte aus den Regierungen der 16 Bundesländer. Hinzu kommen Generalsekretäre, Fraktionsvorsitzende, Ausschussvorsitzende etc.

Im 14-köpfigen Verwaltungsrat des ZDF, jener Instanz, die sich auch Personalentscheidungen anmaßt, sitzen fünf Ministerpräsidenten, der Kulturstaatsminister der Bundesregierung, eine ehemalige Staatsministerin, eine ehemalige Präsidentin des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände, ein Präsidialmitglied des Deutschen Landkreistages, ein Ministerialdirigent, ein Rektor, eine Professorin, ein pensionierter Ex-Intendant. Staatsferne sieht anders aus.

Sorgenvoll hatte sich deshalb im Januar (bei Carta) eine ZDF-interne „Oppositionsgruppe“ zu Wort gemeldet. Auch im ZDF, hieß es, gebe es…

„…politische Einflussnahme und eine übergroße Nähe mancher Journalisten zur Politik (allein zwei ZDFler wurden als Kandidaten für Sprecher-Posten in der Bundesregierung genannt – einer ist es ja dann geworden). Auch der Wechsel eines ehemaligen Staatskanzlei-Chefs auf einen Direktorenposten sowie die Spekulationen um einen erneuten Wechsel eines noch amtierenden Staatskanzlei-Chefs auf eine Verwaltungs-Position bleiben unkommentiert. Dies alles hat, wenn überhaupt, nur leisen Protest ausgelöst…“

Vor lauter Angst, ihre Kritik könnte berufliche Konsequenzen haben, wollten die „Rebellen“ aber lieber anonym bleiben. Klar, mit solchen Angsthasen ist eine Änderung der Verhältnisse nicht zu erreichen. Dazu bedürfte es einer offenen Opposition, die aus den Anstalten heraus agiert (wie es die freien Journalisten des ORF vorgemacht haben).

Eine solche Aktion aber wird durch zwei Faktoren behindert: Die Journalisten in den Anstalten wissen sehr genau, dass sie den Anforderungen und Zumutungen des heutigen Journalismus außerhalb ihrer privilegierten, sanatoriumsähnlichen Behörden nicht gewachsen wären. Und sie wollen die Beamten-ähnliche Überversorgung in ihren bestausgestatteten Häusern nicht gefährden. Deshalb bleiben sie lieber Duckmäuser.

So lange es keine Empörung von Mitarbeitern gibt, die öffentlich bekennen: „Ja, ich wurde von XY unter Druck gesetzt“ (das kann auch der eigene Chef gewesen sein), so lange wird in den Anstalten alles beim Alten bleiben – es sei denn, unzufriedene Bürger nehmen die Sache selbst in die Hand: durch Abschalten, Gebührenboykott oder phantasievolle Aktionen gegen Filz und herrschende Programmpolitik.