Wolfgang Michal

ZDF: Öder durch Söder

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Dass ARD und ZDF von Parteien und Regierungen für politische Zwecke eingespannt werden, ist kein Geheimnis. Sonst gäbe es ja keine Hofberichterstattung.

04.11.2012 | 

Holla, nun auch der Söder! Welche Überraschung!!

Natürlich nahmen und nehmen die großen Parteizentralen und Staatskanzleien über ihre Sprecher und verwandten Schutztruppen Einfluss. Vor allem auf ARD und ZDF, denn zwischen den beiden Sendeanstalten und den Parteien und Regierungen herrscht seit eh und je ein reger Personalfluss. Man ist – in den oberen Etagen – quasi unter sich. Und da sich die kommerziellen Sender – was ernst zu nehmende Nachrichtensendungen angeht – jeglicher Konkurrenz enthalten, gibt es auch keinen Anlass, die Tendenz zur Hofberichterstattung zu ändern.

ARD und ZDF sind so große Dinos, dass sie außer der KEF-Kommission keine natürlichen Fressfeinde mehr haben. Und selbst der KEF-Vorsitzende wurde ja direkt in der Bayerischen Staatskanzlei und beim dortigen Ministerpräsidenten sozialisiert. Man kennt sich, man sieht sich.

Ähnlich eng und vertraut geht es in den Gremien zu. Eva Christiansen, treueste Mitarbeiterin Angela Merkels im Kanzleramt, sitzt ebenso im ZDF-Fernsehrat wie zahlreiche Staatsminister, Staatssekretäre und Staatsräte aus den Regierungen der 16 Bundesländer. Hinzu kommen Generalsekretäre, Fraktionsvorsitzende, Ausschussvorsitzende etc.

Im 14-köpfigen Verwaltungsrat des ZDF, jener Instanz, die sich auch Personalentscheidungen anmaßt, sitzen fünf Ministerpräsidenten, der Kulturstaatsminister der Bundesregierung, eine ehemalige Staatsministerin, eine ehemalige Präsidentin des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände, ein Präsidialmitglied des Deutschen Landkreistages, ein Ministerialdirigent, ein Rektor, eine Professorin, ein pensionierter Ex-Intendant. Staatsferne sieht anders aus.

Sorgenvoll hatte sich deshalb im Januar (bei Carta) eine ZDF-interne „Oppositionsgruppe“ zu Wort gemeldet. Auch im ZDF, hieß es, gebe es…

„…politische Einflussnahme und eine übergroße Nähe mancher Journalisten zur Politik (allein zwei ZDFler wurden als Kandidaten für Sprecher-Posten in der Bundesregierung genannt – einer ist es ja dann geworden). Auch der Wechsel eines ehemaligen Staatskanzlei-Chefs auf einen Direktorenposten sowie die Spekulationen um einen erneuten Wechsel eines noch amtierenden Staatskanzlei-Chefs auf eine Verwaltungs-Position bleiben unkommentiert. Dies alles hat, wenn überhaupt, nur leisen Protest ausgelöst…“

Vor lauter Angst, ihre Kritik könnte berufliche Konsequenzen haben, wollten die „Rebellen“ aber lieber anonym bleiben. Klar, mit solchen Angsthasen ist eine Änderung der Verhältnisse nicht zu erreichen. Dazu bedürfte es einer offenen Opposition, die aus den Anstalten heraus agiert (wie es die freien Journalisten des ORF vorgemacht haben).

Eine solche Aktion aber wird durch zwei Faktoren behindert: Die Journalisten in den Anstalten wissen sehr genau, dass sie den Anforderungen und Zumutungen des heutigen Journalismus außerhalb ihrer privilegierten, sanatoriumsähnlichen Behörden nicht gewachsen wären. Und sie wollen die Beamten-ähnliche Überversorgung in ihren bestausgestatteten Häusern nicht gefährden. Deshalb bleiben sie lieber Duckmäuser.

So lange es keine Empörung von Mitarbeitern gibt, die öffentlich bekennen: „Ja, ich wurde von XY unter Druck gesetzt“ (das kann auch der eigene Chef gewesen sein), so lange wird in den Anstalten alles beim Alten bleiben – es sei denn, unzufriedene Bürger nehmen die Sache selbst in die Hand: durch Abschalten, Gebührenboykott oder phantasievolle Aktionen gegen Filz und herrschende Programmpolitik.

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18 Kommentare

  1. Matthias Krämer |  04.11.2012 | 21:15 | permalink  

    Im vorletzten Absatz suggerieren Sie, Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seien per se qualitativ schlecht, faul und feige. Der ÖRR müsste durch und durch verrottete Rekrutierungsmechanismen haben, damit es möglich wäre, dass bei so guter Ausstattung kein guter, fleißiger oder mutiger Journalist sich dort bewirbt oder eingestellt wird. Ich hoffe mal, dass es ganz so schlimm nicht ist.

    Dass es Leute gibt, die das System von innen verändern wollen und dafür anonym bleiben müssen, ist einerseits beruhigend (immerhin: es gibt sie!), andererseits desillusionierend (es ist so schlimm, dass sie dabei ihre Namen nicht können). Außerdem demonstriert es auch die enge Verflechtung zwischen Staat und öffentlich-rechtlichem Rundfunk, die Sie im oberen Teil großartig skizzieren. Mich bestärkt das in der Überzeugung, dass die Parole “Politiker raus aus Rundfunkräten!” nur ein erster Schritt und für sich genommen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein kann.

    Unsere Gesellschaft wird künftig weder Hofberichterstattungs-, noch Verlautbarungs-Journalismus benötigen. Dafür hat die innere Veränderung der “Kanzlerdemokratie” seit Adenauers Tagen ebenso gesorgt wie die weltpolitische Großwetterlage und die europäische Integration. Noch viel stärker als diese Rahmenbedingungen ist aber der Einfluss des technischen Fortschritts auf die Anforderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Zukunft: Eine Bundeskanzlerin, die “Kanzlerdemokratie” wohl als Ideal ansieht statt als Schimpfwort, kommuniziert im Internet selbst und durch ein großes Medienteam direkt mit den Bürgern. Ihre Videobotschaften kann sich jeder anschauen, der sie sehen will. Dass man heute selbst sendet, gilt nicht nur für die Bundesregierung, sondern bis hinunter zum Bürgermeister und in die Wirtschaft: Wofür werden Medien benötigt, die das nachbeten, was Pressesprecher vorformuliert haben? “Auswahl und Einordnung”, heißt es da häufig. Das ist aber allzuoft nur eine Floskel, die für “was mir wichtig ist oder Quote bringt” und “meine persönliche Meinung oder der vorgegebene Spin” steht.

    Damit Journalisten wirklich eine gesellschaftliche Funktion erfüllen, man ihre “Auswahl und Einordnung” für relevanter halten kann als die meines Nachbarn, müssen sie besser informiert sein als mein Nachbar. Dafür reicht es aber nicht aus, die Pressemitteilungen zu lesen, die auch mein Nachbar online abrufen könnte, und Interviews mit Leuten zu führen, die gemäß dem vorgegebenen Spin die üblichen Parolen der Partei/der Regierung/des Unternehmens zum Besten geben, die auch mein Nachbar vorher schon kennt.

    Recherche, Recherche, Recherche ist die gesellschaftliche Funktion von echtem Journalismus. Dafür dürfte der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch gern seine privilegierten Zustände genießen. Aber als “Medium”, als “Vermittler” von schon vorhandenen Informationen vom Absender zum Empfänger, dafür brauchen wir keine milliardenschweren Rundfunkdinos. Da reichen auch Spiegel Online, Youtube, RTL und Google.

  2. hardy |  05.11.2012 | 02:24 | permalink  

    ich habe gehört, das zdf habe sich das ehrgeizige ziel gesetzt, innerhalb eines jahres das durchschnittliche alter seiner zuschauer von 61 auf 60 zu senken.

    da sag mal einer, es bewege sich nix!

    ansonsten ÖRR ist nicht gleich ÖRR. von mir aus können sie die ARD und das ZDF (dem gestern ja von tom hanks ein wunderbares zeugnis ausgestellt wurde, wie ich höre) abschalten und das geld lieber in phoenix, arte und vor allem das wortradio stecken.

    obwohl, auch an dieser stelle mein hauptargument FÜR die ARD und das ZDF: in diesem lande dämmern menschen ihrem ende in krankenhäusern und altenheimen ihrem ende entgegen. denen den letzten spaß zu nehmen und durch RTL etc zu ersetzen hielte ich jetzt für eine nicht zu rechtfertigende maßnahme.. das ist dann aber mittlerweile schon das einzige (ernst gemeinte) argument, daß mir noch zu ARD & ZDF einfällt …

  3. Wolfgang Michal |  05.11.2012 | 10:28 | permalink  

    Es geht hier um den Nachrichtenjournalismus in ARD und ZDF. Und anschließend um jene, die unzufrieden sind, aber in Deckung bleiben. Es geht nicht “per se” um alle.

  4. Art Vanderley |  05.11.2012 | 21:35 | permalink  

    Der Nachrichtenjournalismus ist eigentlich in fast allen Sendern nur noch eine Zumutung , die ein oder andere Ausnahme abgesehen.
    Was beim ZDF tierisch nervt , ist diese neue Linie , das Durchschnittsalter der Zuschauer senken zu wollen .

    Als ob es darauf ankäme , auf Niveau kommt es an , und – Überraschung! – mit Niveau lassen sich junge und ältere Menschen gleichermaßen ködern.

    Fernsehmacher jedoch verstehen Verjüngung grundsätzlich als Verblödung und Verflachung , und rennen sabbernd einem Zeitgeist hinterher , den es überhaupt nicht gibt und den sie geradezu zwanghaft in der latenten Nähe der privaten Müllformate vermuten.
    Es ist einfach nur noch peinlich , Leute im gesetzten Erwachsenenalter laufen hechelnd dem hinterher , was sie für “jung” halten .

    Das ZDF hat jetzt seine wohl beste Sendung , das “nachtstudio” aus dem Programm genommen , wahrscheinlich – Hilfe! – zu alt , sitzen ja nur Leute rum und reden , keine kreischenden Berufsanimateure , die ihren Gästen zu nahe auf die Pelle rücken und ständig ins Wort fallen , keine dauergrinsenden Selbstdarsteller , keine “angesagten” Schwachsinnigen aus dem Boulevard , sowas geht ja nun gar nicht mehr , man muß ja schließlich mit der Zeit gehen.

    Mögen auch politische Gründe eine Rolle spielen , bei der Bestzung der Intendanz war das mit Sicherheit so.

    Es muß sich etwas ändern , die ör-Sender sind keine private Spielwiese für politische Speichellecker und für TV-Führungskräfte , die die ör- Sender ganz offensichtlich als ihren privaten Raum betrachten , in dem sie ein bißchen Quote und Zeitgeist spielen und sich einbilden können , sie wären auf du-und-du mit den “wirklich hippen” TV-Leuten , also denen , die gerade deshalb erfolgreich sind , weil sie sich assozial verhalten und keine drei Sätze formulieren können.

    Die ÖR haben einen klaren Auftrag , es wird Zeit , sie daran zu erinnern , und zwar mit Nachdruck.

  5. hardy |  06.11.2012 | 03:24 | permalink  

    @art

    wie immer will ich im ersten moment uneingeschränkt zustimmen – und dann frage ich mich, ob ich dich mißverstehe.

    du meinst mit den versuchen des ZDF hoffentlich nicht so tolle sachen wie “neoPlanet”, “bambule”, “wild germany” etc … das sind nämlich die sachen, die ich gerne zuhauptsendezeiten im ZDF sehen möchte. und wenn die ARD probleme hat mit humor, wie wär’s – verdammt noch mal! – mit “walulis” zur besten sendezeit? läuft alles noch auf den digitalen.

    vielleicht berücksichtigst du bei deinem rundumschlag auch meinen dezenten hinweis auf menschen, die das private zappelTV noch eher ins jenseits treiben würde. ich finde schon, so sehr das meinen eigenen sehgewohnheiten wiederspricht, daß das tatsächlich zu deren “auftrag” gehört.

    wir sind da gerne voreilig zu “selfish”, wollen, daß die anderen auch so tolle sachen wie “gewaltfrieden” sehen müssen und zwar von morgens bis abends …

    wobei die ganze reihe um “gewaltfrieden” bis hin zu “machtergreifung” es leider nur von br alpha bis zu bayern 3 geschafft hat, wo doch “gewaltfrieden” für jeden, für den der name harry graf kessler ein begriff ist, eine OFFENBARUNG (sorry, ging definitiv nicht kleiner …) ist und für jeden, der sich halbwegs mit der weimarer republik auskennt, ein bad im vollen. matthieu carriere mit der spritze im am als deutscher emissär in versailles? yikes!

    das werde ich wohl ab sofort ein oder zweimal im jahr vollständig gucken wie die lesung der “schatzinsel” von walther andreas schwarz einmal im jahr minimum lauft bis ich umfalle. aufnahme aus den 90ern, swr2, “fortsetzung folgt”, von band gekratzt.

    war das genug “namedropping”?

    die sache im dem ÖR ist sehr diffizil und komplex, wir sollten da vielleicht weniger unsere eigenen erwartungen zum maßstab machen und … vor allem … im auge behalten, was “die anderen”, die privaten in den letzten 20 jahren aus diesem land gemacht haben. (otto brenner stiftung, neue studie hohle idole und alles ist gesagt …)

    ein kleiner radiotipp zum abrunden: die geschichte Edward Bernays in 30 köstlichen radiofeature minuten erzählt, erklärt vielleicht einiges – und ist ein gutes beispiel dafür, warum ich jedenfalls jubelnd die GEZ bezahle …

    ich könnte die liste spontan um ca 20 bildschirmseiten verlängern.

    daß andere zu beschränkt sind, die ARD/ZDF mit dem ÖR verwechseln, und sich dann über die eigene kurzsichtigkeit beschweren, ist nicht mein problem ;-) ich bin happy, sollen die doch bei “wetten daß …” oder auf dem traumschiff vor sich hin dümpeln.

    mein ÖR hat mir jedenfalls ein komfortables bildungspaket eröffnet und bedient mich seit ca 1987 hervorragend, ich kann wirklich nicht klagen, ich musste nur zuhören lernen.

  6. hardy |  06.11.2012 | 03:36 | permalink  

    kleines ps, um nicht zu weit OOT zu beiben:

    mit den privaten haben die politiker weniger probleme – die müssen sie einfach nur _kaufen_ und wenn sie das tun, wird keiner darüber berichten.

    daß so jemand wie söder oder dieser luschensprecher im ÖR “den hengst machen” kann, hat _früher_ stillschweigend funktioniert – und eigentlich sollten “wir” lieber gerade mal zur kenntnis nehmen, daß sich auch hier die zeiten _gerade_ ändern.

    ich halte diese ganze geschichte also eher für _sehr erfreulich_, vielleicht auch, weil ich keinen “beweis” mehr brauche und deshalb eher das halb volle glas sehe.

  7. Art Vanderley |  06.11.2012 | 11:38 | permalink  

    @ hardy

    “du meinst mit den versuchen des ZDF hoffentlich nicht so tolle sachen wie “neoPlanet”, “bambule”, “wild germany” etc … das sind nämlich die sachen, die ich gerne zuhauptsendezeiten im ZDF sehen möchte. ”

    Nein , die meine ich ausdrücklich nicht , nur sind die meines Wissens noch aus der Zeit der vorherigen Intendanz, zynisch – und leider immer wieder realistisch – würde ich fast davon ausgehen , daß solche Formate ebenfalls auf der Abschußliste stehen.

    Übrigens stammen die noch aus der Anfangszeit von ZDFneo , in jüngerer Zeit kommt da jede Menge pseudomodernes Zeug für halbintelligente Flachpfeiffen dazu.

    Das ZDF war bis vor kurzem noch ein gewisser Gegenpol zur verflachenden ARD , fängt aber seit Anfang des Jahres an , sich fleißig anzupassen an den um sich greifenden Wahn der Totalverblödung.
    Alles , was da noch gut ist ,soll ganz offensichtlich gezielt demontiert werden , und es ist nur noch eine Frage der Zeit , bis auch die Spartensender in den Fokus der Volksverdummer geraten , allen voran 3sat , bei arte waren sie schließlich bereits recht erfolgreich.
    Immerhin scheint die Wut darüber zuzunehmen , wurde auch Zeit , im Gegensatz zu manch selbstverliebtem Elfenbeinturm-Bewohner bin ich durchaus der Meinung , daß niveauvolles Fernsehen eine Form von Kultur ist.

  8. hardy |  06.11.2012 | 18:15 | permalink  

    @art

    ich liebe fernsehen. gutes.

    und ich habe eine fernsehzeitung (obwohl ich selbst seit einem dutzend jahren ja ein programm mache) mit der und einem rotstift bewaffnet, ich dem chaos begegne und ordnung schaffe. sie hat auch einen ausführlichen radioteil ;-)

    es ist, denke ich, am ende eine frage der selbstorganisation, sich das herauszupicken, was gut ist. das kann jeder. macht aber nicht jeder und oft wird über dinge gejammert, die bloß der eigene unfähigkeit, statt mit der fernbedienung herumzuzappeln einfach einen P.L.A.N. zu machen.

    zum zdf: den theaterkanal jedenfalls haben sie gründlichst ruiniert, mir sind nur noch die konzerte und later with jools geblieben. da würde ich also in deine kleine wutrede miteinstimmen, neo war schon immer so ein kleiner (liebenswerter) bastard.

    aber ich denke mal da ist es so wie mit der “heute show” – zu erfolgreich, um daran herumzupfuschen oder “hineinzuregieren” (denke ich mal, optimistisch wie ich nun mal bin).

    ansonsten jammere ich natürlich auch über die verflachung bei arte oder 3sat, aber wie gesagt: dann höre ich halt ein hörbuch, ein hörspiel oder ein feature – ich muss ja nicht fernsehen,

    du bist leider nicht auf mein ps. eingegangen: könnte man das, was gerade passiert, nicht auch (sic!) als “gutes zeichen” sehen? und ist die zukunft nicht in den händen der _jungen_ menschen und – ich meine das wirklich ernst – müssen wir nicht irgendwo ein paar lächerliche kompromisse zugunsten bettlägeriger, dementer und eben allgemein nicht sonderlich heller menschen machen?

    aus meiner perspektive: wir jammern auf hohem niveau. niemand zwingt und, das traumschiff zu gucken. sind wir da vielleicht ein bißchen neidig, daß so viel geld für fußball und “wetten daß …” (von dem wir nun aus dem munde von tom hanks wissen, was davon zu halten ist) ausgegeben wird.

    wie gesagt: mir egal.

    zur not krame ich die 7 staffeln “buffy” aus dem archiv oder vergnüge mich mit den “walking dead” (eine großartige diskussion über menschlichkeit, wenn man mich fragt), gucke ein der tollen dokus von ken burns (jazz, the war, american civil war) oder eben “gewaltfrieden”.

    ich kann – und will – mich einfach nicht beschweren ;-)

  9. hardy |  06.11.2012 | 18:49 | permalink  

    kleiner nachtritt:

    es ist natürlich köstlich, heute zu beobachten, wie die “qualitätspresse” alle anstalten unternimmt, tom hanks herunterzuspielen – um sich im nachhinein zu attestieren, daß jeder bericht über das fahrende sofa seriöse berichterstattung ist.

    wir leben halt in einem land, wo alle könige ohne klamotten herumlaufen und sich gegenseitig zu ihrem modegeschmack gratulieren.

  10. Matthias Krämer |  06.11.2012 | 19:03 | permalink  

    @hardy & Art: Danke für die interessanten Hinweise, aber ich dachte, es ginge hier um Journalismus. Wenn man Unser Charly, Wetten dass, heute journal und Sportstudio in einen Topf wirft (weil sie einen normalen Samstagabend im ZDF ausmachen), macht man dann nicht den Fehler zu ignorieren, dass der ÖRR verschiedene Funktionen hat, die nicht alle auf Unterhaltung reduzierbar sind? Ich habe ja häufig den Eindruck, dass sogar Journalismus viel zu sehr auf seine Unterhaltsamkeit achtet. Aber deshalb sollte man an Journalismus doch nicht nur Unterhaltungsansprüche formulieren, oder?

  11. hardy |  06.11.2012 | 19:38 | permalink  

    @matthias

    oh, ich dachte immer (naja, seit ca 20 jahren), daß so etwas wie “heute” und “tagesthemen” in die abteilung “unterhaltung” der jeweiligen sender verlegt worden sind, da die “berichterstattung” zu einer art popcorn verkommen ist, das nur mit einem schluck cola herunterzuspülen ist.

    journalismus kann ich persönlich nur noch bei den ÖR wortradios (dlf, drk, hr, swr – der wdr wird ja auch zunehmend zur klitsche) entdecken. da sitzen die leute, denen ich vertraue. auf klaus kleber und wie diese gesichtsträger alle heissen gebe ich einen feuchten kehricht.

  12. Matthias Krämer |  06.11.2012 | 19:55 | permalink  

    Genau! Der Eindruck, dass Journalismus im Fernsehen von den Verantwortlichen als “Unterhaltung” kategorisiert wird, ist nur allzu verständlich. Man könnte sogar meinen, das sei selbstverständlich. Ich empfinde das aber als großen Missstand und bin auch nicht der Ansicht, dass der enorme finanzielle Aufwand für Nachrichtensendungen gerechtfertigt werden kann, wenn man stattdessen einen Zusammenschnitt von Youtube-Videos zeigen könnte, der gewiss ebenso unterhaltsam wäre.

    Ausführlicher habe ich mich hier zu den verschiedenen Funktionen des ÖRR geäußert.

  13. hardy |  07.11.2012 | 18:55 | permalink  

    noch ein kleiner tipp: heute (mi) abend 22:15 in einsfestival “heitschi bumm beidschi”

    sollte man gesehen haben, um zu verstehen, wie dieses land _immer noch!_ funktioniert ;-)

  14. Art Vanderley |  07.11.2012 | 20:53 | permalink  

    @ hardy

    “es ist, denke ich, am ende eine frage der selbstorganisation, sich das herauszupicken, was gut ist. ”

    Absolut , wie auch anders.
    Kennst Du den Spruch

    “Lächle und sei froh , es hätte schlimmer kommen können.
    Und ich lächelte und war froh , und es kam schlimmer.”

    Noch ist Fernsehen auf gutem Niveau möglich , die Kompetenz des richtigen Suchens jetzt einfach vorausgesetzt, allerdings werden entfernte gute Formate nicht in gleichem Maße ersetzt , etwa durch Verschiebung in die Spartenkanäle, es ist also absehbar , daß das Ganze irgendwann gegen Null tendiert.

    Es scheint mir daher besser , ordentlich vom Leder zu ziehen , bevor auch das letzte Bißchen Niveau beiseite geräumt ist , nicht nur in diesem Bereich übrigens.

    “ein paar lächerliche kompromisse zugunsten bettlägeriger, dementer und eben allgemein nicht sonderlich heller menschen machen?”

    Wieso Kompromisse?
    Im Moment sind die dabei , das Programm vollständig zu übernehmen, zumindest in der Tendenz.

    @ Matthias Krämer

    Journalismus und Unterhaltung sind strikt zu trennen , das sehe ich ganz genauso.

    Beides soll seinen Platz haben , wobei der gern gemachte Fehlschluß vermieden werden sollte , daß Unterhaltung automatisch seicht sein müsse.
    Unterhaltung mit Anspruch muß sein , kann ja nicht sein , daß sich Leute mit Anspruch immer nur mit den schweren Themen herumplagen müssen , während irgendwelche Idioten exzessiv mit Blödsinn “versorgt” werden.

    Der Auftrag der ÖRR geht natürlich über den Unterhaltungsbereich hinaus , und auch über den reinen Nachrichtenbereich – sofern es ihn noch gibt….

    Dem klaren Bekenntnis zum ÖRR stimme ich übrigens zu.

  15. hardy |  07.11.2012 | 21:09 | permalink  

    @art

    “ordentlich vom Leder zu ziehen”

    schon okay, art, ich bin im moment wahrscheinlich einfach zu “altersmilde” und angesichts der kleinen perlen, die in der muschel digitalkanäle wachsen, auch zu optimistisch, daß sich da ein sog daraus entwickeln könnte, der mal ins hauptprogramm schwappen könnte.

    ansonsten: wenn du zeit hast heute abend, zieh’ dir dieses “heitschi bumm beidschi” rein. ich hatte die zeit ja erlebt – aber verstanden habe ich sie eigentlich erst _nach_ dieser doku, in der schön gezeigt wird, wie die subtil immer noch wirksame NS-erziehung der deutschen zu so lustigen sachen wie einem deutsch singenden elvis führt.

    ich denke, wir sind im kern immer noch so d’rauf und die reaktionen des spiegel etwa auf den beißenden spott tom hanks über lanz, heute noch getoppt von der FAZ, zeigt mir, wie provinziell dieses land immer noch ist – was soll man da von seinem TV programm erwarten.

    viel spaß mit dem erkenntnisgewinn ;-)

  16. Art Vanderley |  08.11.2012 | 17:40 | permalink  

    @ hardy

    Eben. Was wäre die Welt ohne den trash-Kult-Faktor des deutschen Schlagers….

  17. Patrick S. |  08.11.2012 | 18:12 | permalink  

    Die ÖR haben natürlich kein Interesse das sich was am System ändert. Sie müssten ja dann um ihr übermäßiges Auskommen fürchten.
    Es ist ja kein Zufall das Herr Schächter damals nichts gemacht hat als Brender gefeuert wurde. Als Intendat hätte Schächter dagegen klagen können.(Kontroll- Klage) Er hat es nicht gemacht. Das sagt doch schon alles….
    Die Politiker sind von den ÖR abhängig und die ÖR sind von der Politik abhängig. Beide Seiten geht es so sehr gut. Von diesen Seiten wird sich nichts ändern. Da sind die Bürger gefragt.

    Aber es geht ja nicht nur um die Politiker in den Aufsichtsräten.
    Machen den die anderen Gruppen in den Räten eine gute Arbeit?
    Ich sehe nicht das dort der Aufsichtspflicht nachgekommen wird.
    Es muß eine Experten Aufsicht wie bei der BBC her (BBC Trust).
    Eine Teilzeit Aufsichten von Politikern und Funktionären funktioniert nicht!

  18. hardy |  08.11.2012 | 18:43 | permalink  

    tyler,

    schon wieder was kommentiert, was sie entweder nicht gesehen oder nicht verstanden haben?

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