amazon ist nun Vergangenheit

| 02.11.2012 | 54 Kommentare

Es scheint in Mode gekommen zu sein, dass Kunden über bezahlte Inhalte nicht frei verfügen dürfen: amazon hat eine sehr eigenartige Auffassung von "Erwerb".

Und ich muss nachher mal meine Digitalkamera rausholen.

Es ist tatsächlich so: Kappe ich die Kundenbeziehung zu amazon, wird auch mein Kindle gelöscht. Denn (fett von mir)

Beachten Sie, sobald Ihr Konto geschlossen ist, ist kein Zugriff mehr möglich auf:

  • Ihr Kundenkonto für Online-Einkäufe bei Amazon.de
  • Ihr Verkäuferkonto für die Plattform Amazon.de Marketplace
  • Digitale Inhalte in Zusammenhang mit der Amazon Cloud und dem Cloud Player
  • Inhalte und Abonnements für Kindle
  • Konten bei Amazon.co.uk, Amazon.com, Amazon.ca, Amazon.fr oder Amazon.co.jp
  • Ihr Konto bei Javari.de, Amazon BuyVIP und Amazon Payments
  • Ihr Konto beim Amazon.de Partnerprogramm falls ein solches Konto besteht
  • Ihr Konto bei Audible.de und die dort erworbenen Hörbücher
  • Ihren Amazon Wunschzettel und andere Listen, falls solche angelegt wurden
  • “Meine Seite” bei Amazon
  • Ihren Zugang zu Author Central und die damit zusammenhängende Autoren-Seite

Das kann keinem Recht sein, weder den Kunden, noch Verlagen, Autoren und amazon selbst.

 

12 Jahre Kundenbeziehung

amazon ist in den letzten Jahren immens gewachsen. Als ich damals Kundin wurde, hat mich Angebot und vor allem Service und Geschwindigkeit überzeugt. Zwar saß ich in Berlin mitten unter Buchläden, aber bis ich alles gefunden hätte was ich für meine Arbeit gebraucht habe, wären Tage vergangen.

Ich habe alles miterlebt. Wie man amazon den baldigen Tod vorausgesagt hatte, irgendwann 2002 muss das gewesen sein, mitten im Niedergang der Dotcommer. Aber die habens immer gepackt. Plötzlich gabs Socken und Klamotten, Elektronik und Haushaltswaren (in einer Stadt wie Berlin war das wie Wasser in der Wüste – kein Schleppen, kein langes Suchen, kein Transport mit den Öffentlichen), und irgendwann gabs Lebensmittel. Und dann eben auch Schuhe+Handtaschen, der Beginn des Ärgers vor ein paar Tagen.

Es gab Autorenseiten, das irgendie rudimentär gebliebene author central mit ein paar Statistiktools, die fast noch weniger aussagen als der nackte Verkaufsrang – und es gab den Kindle. Lauter völlig neue Geschäftsfelder – alle verknüpft mit nur einem einzigen Kundenkonto.

 

Der Kindle bleibt leer Der Kindle bleibt leer?

Ich glaube, es wäre besser gewesen, amazon hätte den Kunden überlassen, ob sie ihr Kundenkonto auf alle diese Bereiche ausdehnen wollen. Man hätte das ja modular anbieten können, mit einer Liste zum Klicken.

So aber stehe ich jetzt vor der dämlichen Situation, kein Kunde mehr von amazon sein zu wollen, aber meine dort bezahlten digitalen Inhalte bin ich ebenfalls los. Was in mein Kundengehirn nicht reinpasst. Oder muss ich meine Waschmaschine und meine Bootsschuhe ebenfalls jetzt zurückschicken?

Für mich als Kundin ist das ärgerlich, für mich als Autorin ist das noch ärgerlicher. Ich mag eBooks, und ich glaube an einen Markt dafür. Ich glaube aber nicht daran, dass es eine gute Idee ist, bezahlte Inhalte aus bezahlten Kundengeräten zu löschen, nur, weil der Kunde sich entscheidet, nicht länger Kunde zu sein. Kein Softwarehaus macht so was, obwohl auch die nur Lizenzen handeln. Niemand löscht mein schönes Windows 8, nur weil ich jetzt lieber bei Apple einkaufe. Falls ich das täte.

Auf meine Nachfrage, ob man nicht Warenhaus und Kindle irgendwie entkoppeln könnte, damit meine Inhalte erhalten bleiben, nur die lapidare Antwort:

Auf Amazon.de angebotene Inhalte (wie digitale Bücher, Zeitungen und Zeitschriften) sind für Kindle Lese-Geräte und Kindle Lese-Apps definiert. Aufgrund lizenzrechtlicher Bestimmungen können diese Inhalte nur auf dem Kindle oder auf Geräten mit einer Kindle Lese-App gelesen werden, die mit Ihrem Amazon.de-Konto verknüpft sind.

Ich glaube, das wird fatal sein für amazon. Zudem steht nichts davon in der Kindle-Nutzungsvereinbarung. Keine Silbe. Erst, wenn man sein Konto schließen lassen möchte, erhält man die obige Liste. Das ist aber so, als würde man im Supermarkt an der Kasse erfahren, dass zuhause gerade die Nudeln aus dem Voratsschrank entfernt werden, nur, weil man seit Neuestem aus demselben Laden keinen Käse mehr will.

Ach ja, meine Kamera. Die brauche ich. Morgen muss ich ein Bild vom Postboten machen, denn den werde ich jetzt wohl nie mehr wiedersehen.

 

Der Moritat 2. Teil

Weiterhin Chaos mit Konten und Kindle

Spannend. Nach meinem Beitrag von gestern (siehe oben) und der weitergehenden Frage, was daraufhin mit meinen digitalen Büchern auf meinem Kindle passiert, sind mehr Fragen als Gewissheiten geblieben.

Zentral ist: Was geschieht mit meinen Daten, die ich via USB oder auf anderen Wegen auf mein Kindle-GERÄT gepackt habe? Sind die noch da? Können die ominös gelöscht werden?

Geschichten kursieren, Gerüchte, viel Halbwissen. Googeln sollte man keinesfalls nach der Frage!

Der amazon-Kundendienst ist da allerdings ebenfalls wenig konkret und wenig hilfreich. Von dort erreicht mich immer dieselbe Aufzählung, was geschieht, wenn ich mein Konto schließe. Nämlich diese.

Im Kindleshop selbst auch kein Szenario zu “Was geschieht, wenn ich mein Kundenkonto lösche?”.

Also nochmal zurück zur Kundenhotline. Ganz konkret gefragt, kann ich meine eBooks behalten? Nein, das gehe nur mit amazon-Konto. Offen bleibt, was mit “Inhalte” gemeint ist, und ob mein Gerät oder mein Account gemeint ist.

Eine Nacht drüber geschlafen und neue Kommentare gelesen, und das klingt logisch: wenn ich den Kindle offline lasse, dann müsste alles unangetastet bleiben.

Klarheit wird der Versuch bringen, den ich aber erst starten kann, wenn der Zeitraum, den die Kontenschließung benötigen wird, verstrichen ist. Ich bleibe dran.

Schwerwiegend aber finde ich, dass niemand, wirklich niemand, richtig Bescheid wusste. Ich werde noch mal auf anderen Wegen mit amazon Kontakt aufnehmen und versuchen, das endgültig zu klären. Die manchmal etwas schräg formulierten (übersetzten?) Nutzungsbedingungen waren für mich jedenfalls keine ausreichende Hilfe.

Überhaupt scheinen online-Plattformen nie davon auszugehen, es könnte den Kunden geben, der wieder gehen möchte. “Wie schließe ich mein Konto?” oder “Wie lösche ich meinen account?” sind internetweit die gefühlt am besten versteckten Menüpunkte ever.
Crosspost von Denkding