Wolfgang Michal

Hat das Netz seine Kraft verloren?

 | 63 Kommentar(e)


Die e-Petition gegen das Leistungsschutzrecht ist trotz aller Aufrufe gescheitert. Hat die deutsche Netzpolitik ihre vereinte Kampagnen-Kraft verloren?

11.10.2012 | 

Auch Superman Sascha Lobo konnte die Sache nicht mehr herumreißen. Die Petition gegen das Leistungsschutzrecht hat das Quorum von 50.000 Unterschriften deutlich verfehlt.

Das ist eine Zäsur für das netzpolitische Engagement der alten Kämpen. Und eine herbe Niederlage für die ganze „Netzgemeinde“. Denn kein Thema – außer vielleicht der Kampf gegen ACTA und die Vorratsdatenspeicherung – konstituierte ‚das historische Subjekt Netzgemeinde’ so zuverlässig wie das Thema Leistungsschutzrecht. Die Beiträge, Kommentare und Rants zum #LSR sind Legion; die Anklagen gegen die „unfähigen Vertreter“ der alten Medienwelt waren nirgends so heftig wie hier. Mit der Kritik am Leistungsschutzrecht wurde die Netz-Freiheit gegen die geballte Ignoranz der Rückständigen verteidigt.

Und nun das. Nicht einmal die Hälfte der benötigten 50.000 Unterschriften wurde erreicht, trotz zahlloser Aufrufe und Bitten von bekannten Blogs, Clubs, Aktivisten und Follower-starken Twitterern. Woran lag’s? Es lag, glaube ich, nicht an der schlechten Formulierung der Petition oder am zu diffusen Thema.

  • Die Kehrtwende kam einfach zu spät, und sie war nicht glaubwürdig genug. Erst drei Wochen, nachdem der Pirat Bruno Kramm seine einsame Initiative gestartet hatte, bequemten sich einige, auf den dahinschleichenden Zug aufzuspringen und die Initiative neu zu befeuern; doch selbst jetzt unterstützten sie die Petition nur „halb“, denn sie vergaßen selbstverständlich nie, die Mängel der Piraten-Initiative tadelnd hervorzuheben.
  • Die Kehrtwende wurde nicht von allen Aktivisten gleichermaßen getragen. Markus Beckedahl, der die Initiative noch am Tag 1 der Zeichnungsfrist als netzpolitischen Ego-Trip der Piratenpartei verurteilt hatte, war nicht derjenige, der den Sinneswandel bei netzpolitik.org begründete (es war Andre Meister). Von außen konnte man das als Geradlinigkeit Beckedahls interpretieren, als fortdauernde und instinktsichere Distanzierung. Und Sascha Lobo (Mitglied im Online-Beirat der SPD) warb für die Petition zwar meinungsstark auf seinem Blog, nicht aber in seiner tausend Mal reichweitenstärkeren Spiegel Online-Kolumne. Leidenschaftliche Unterstützung sieht anders aus.
  • Manche Blogger, die gegen das Leistungsschutzrecht für Presseverlage aufriefen, arbeiten zudem immer häufiger selbst für jene Medien, die das Leistungsschutzrecht fordern. Das bringt sie in gewisse Erklärungsnöte, selbst wenn man berücksichtigt, dass einige Online-Redaktionen das Vorhaben ihrer Verlage tapfer ablehnen.
  • Die Mediennutzung im Netz hat sich stark verändert. Auch wenn es die Leitwölfe unter den Bloggern gerne verdrängen: Sie haben sich beruflich, soziokulturell und generationenmäßig weit von jener „Community“ entfernt, an die sie ihre Appelle richten. Schon beim Thema ACTA war erkennbar: Hier demonstriert eine ganz neue Generation. Die konnte gut mit YouTube-Videos erreicht werden, aber nicht mit Blogs und Experten-Interviews für die Tagesschau oder das Deutschlandradio.
  • Bei den Piraten ist sowieso Katerstimmung. Es gibt dort zu viele Solisten, deren „Einzel-Aktionen“ von der Mitgliedschaft nicht mehr ausreichend wahrgenommen oder gar mit Missachtung gestraft werden. Nur ein Bruchteil der 34.000 Piratenmitglieder hat sich an der e-Petition des Piraten Bruno Kramm beteiligt.
  • Viele User sahen auch die Notwendigkeit der e-Petition nicht ein. In der jüngsten Fassung des LSR-Gesetzentwurfs sind die nicht-kommerziellen Nutzer von Lizenzzahlungen verschont geblieben. Das Leistungsschutzrecht wird im Bundestag und im Bundesrat diskutiert. Sämtliche Urheber-, Nutzer- und Verwerterverbände üben seit Jahren erheblichen Lobby-Druck aus. Die Länderkammer könnte das Gesetz über den Vermittlungsausschuss noch stoppen (wenn die CDU in Niedersachsen im Januar die Macht verliert). Das LSR ist also (mit Ausnahme der Printmedien) kein wirklich totgeschwiegenes Thema – im Gegenteil, es lässt sich sogar ein leichter Überdruss an der unverhältnismäßig breiten Behandlung dieses Themas feststellen. Warum sollte eine e-Petition also auf mehr Öffentlichkeit dringen, wenn diese Öffentlichkeit bereits zur Genüge vorhanden ist?

Der verspätete Sinneswandel mancher Netzpolitiker, die Petition des Piraten Bruno Kramm trotz anfänglicher Kritik doch noch zu unterstützen, um ein überzeugendes Signal aus dem Netz ‚nach draußen’ zu senden, verschlimmert aber nun die Niederlage. Denn das Hin und Her legte nicht nur das wachsende Konkurrenzverhalten der netzpolitischen Fraktionen offen (SPD, Grüne, Linke, Piraten etc.), es zeigte auch alle Anzeichen einer Panikreaktion: Warum zum Teufel mussten bekannte Blogger – ohne Absprache und Koordination – sechs Tage vor Ablauf der Petition beweisen, dass sie die Kraft besitzen, das absehbare Scheitern doch noch drehen zu können?

Wäre nur Kramms Initiative gescheitert, hätte man die Schuld auf dessen Alleingang schieben können und das Thema wäre gegessen gewesen. Jetzt aber haftet die gesamte „Netzgemeinde“. Das Versagen der Piratenpartei wird zum Versagen der Netzpolitik – was man ihren Vertretern gewiss noch genüsslich aufs Butterbrot streichen wird.

Eine Konsequenz dieser Niederlage muss sein, dass jetzt das Binnen-Verhältnis der Netzpolitik zu ihrem selbsternannten „politischen Arm“, der Piratenpartei, offen zur Sprache kommt. Der Ausgang dieser Debatte könnte die Piratenpartei empfindlich treffen. Aber nicht nur sie. Denn alle netzpolitisch engagierten Parteien achten mittlerweile mit Argusaugen darauf, dass ihre ‘überparteilichen’ Vorfeld-Organisationen frei bleiben von einseitiger parteipolitischer Bevormundung.

Es wird der Netzpolitik deshalb so gehen wie der polnischen Solidarnosc-Bewegung: Ist der übermächtige gemeinsame Gegner erst weg oder nicht mehr eindeutig zu erkennen, zerfällt die Bewegung in ihre (partei-)politischen und ideologischen Fraktionen. Im bevorstehenden Bundestagswahlkampf wird dieser Zerfallsprozess aus nächster Nähe zu beobachten sein. Dabei wird sich zeigen, ob es trotz dieser Auseinander-Entwicklung noch eine parteiübergreifende Kraft in der Netzpolitik gibt.

Mehr zu : | | | | | | | | |

CARTA Kaffeekasse

63 Kommentare

  1. Kein Versagen beim Leistungsschutzrecht. | beckertim |  11.10.2012 | 01:10 | permalink  

    [...] Michael beschwört auf carta das versagen der Netzgemeinde herrauf. Die Petition 35009 – ”Ablehnung des [...]

  2. Jens Best |  11.10.2012 | 01:54 | permalink  

    Sorry, aber ein weiterer Punkt, warum die Petition von vielen nicht unterschrieben wurde, liegt vielleicht auch in der Art wie der Bundestag diese Petitionen behandelt.

    Warum sollte man für ein Verfahren seine Unterschrift hergeben, bei dem die konkrete Beeinflussungen von Gesetzgebungsverfahren weit unterhalb der Wahrnehmungsgrenze liegt?

    Bei aller Sympathie für den Petitionsausschuss und die sich dort bemühenden Abgeordneten und Bundestagsmitarbeiter – die Relevanz dieser Petitionen für tatsächliche Politikgestaltung ist nicht vorhanden.

    Es wäre also zuerst sinnvoll, wenn gewünscht, die bevölkerungs-einbindenden Verfahren im Bundestag neu zu gestalten, bevor man alles und jedes Missfallen über diese abstrus-unrelevanten Petititonsanhörungen laufen lässt.

  3. Petitionen sind fürn Arsch | Metronaut.de - Big Berlin Bullshit Blog |  11.10.2012 | 03:51 | permalink  

    [...] kann jetzt wie Wolfgang Michal das Ende der Netzgemeinde heraufbeschwören: Hat die deutsche Netzpolitik ihre vereinte Kampagnen-Kraft [...]

  4. Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach |  11.10.2012 | 06:01 | permalink  

    Ich teile diese Analyse komplett gar nicht. Außer vielleicht darin, dass das Agieren mancher vermeintlicher Blogstars latent merkwürdig war.

    Aber das Ergebins zeigt für mich was anderes – und das sehe ich positiv. Zum einen, dass Politik auf Kindergartenniveau (was keine Beleidigung von Kindergärten sein soll) nicht funktioniert. Dass also das Strategie- und Politische Intelligenz-Defizit vieler Piraten sich in dieser absurden und falschen Petition spiegelt. Ich bin saufroh, dass nur so wenige so kindisch waren, da mitzumachen. Zumal die Petition als Instrument hier m.E. falsch war. Habe ich auch zu gebloggt, siehe da.

    Und zum anderen, dass “Netzpolitik” eben kein großpolitisches Identitätsthema ist. Das LSR ist ja auch ein ordnungspolitisches und Infrastrukturthema. Diese “Niederlage” kann den noch sich verirrenden Netzpolitikerinnen also helfen, sich entlang der klassischen Großthemen neu zu sortieren. Und einzusehen, dass Mobilisierung und schnelle Erfolge nur bei Lebensweltthemen geht – was ACTA für die zweite Generation ist – , es aber bei echter Politik, die mehr als nur symbolisch sein will, auch um echte harte Arbeit geht.

    Die mangelnde Sorgfalt der Petition ist also eine Niederlage für den Spaßparteiabsatz vieler Piraten, die sich nicht mühen, mittels sprachlichen Vermögens verständlich zu überzeugen oder auch nur zu argumentieren. Sie als Niederlage “der” Netzaktiven umzuinterpretieren, ist m.E. falsch. Trotz des späten Engagements einiger.

  5. Tod der politischen Netzgemeinde? Vom Scheitern der ePetition gegen das #LSR | medienrauschen |  11.10.2012 | 07:14 | permalink  

    [...] Carta fragt sich, ob das Netz seine Kraft verloren hat. Angesichts der Thematik und der schlecht formulierten Petition die falsche Frage. Die korrekte [...]

  6. Links anne Ruhr (11.10.2012) » Pottblog |  11.10.2012 | 07:43 | permalink  

    [...] Hat das Netz seine Kraft verloren? (Carta) – Die e-Petition gegen das Leistungsschutzrecht ist trotz aller Aufrufe gescheitert. Hat die deutsche Netzpolitik ihre vereinte Kampagnen-Kraft verloren? [...]

  7. Wolfgang Michal |  11.10.2012 | 10:17 | permalink  

    @Jens Best: Die Hoffnungen der letzten Tage gingen aber dahin, dass man mit der Petition vor allem ein Zeichen setzen wollte – ganz unabhängig davon, ob die Petition im parlamentarischen Prozess eine Rolle spielt. Ansonsten teile ich deine Kritik am fehlenden Einfluss des Petitionsausschusses.

  8. Wolfgang Michal |  11.10.2012 | 10:24 | permalink  

    @Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach: Ich verstehe nicht ganz, warum das eine (ACTA) ein Lebenswelt-Thema sein soll, das andere (LSR) aber nicht. Angesichts der öffentlichen Argumentation, dass mit dem LSR die Freiheit des Netzes bedroht sei, sehe ich da eher Parallelen zu Acta. Der Unterschied ist doch eher, dass die Mobilisierung ganz anders verlaufen ist und es auch kein irritierendes Hin und Her gab.

    Und Gegenfrage: Warum haben denn so viele peinlich berührte Netzpolitiker geschwiegen, als sich einige “vermeintliche Blogstars” für die Petition in die Bresche geworfen haben?

  9. Stoppt das Leistungsschutzrecht für Presseverlage - auch ohne Petition! | Logbuch des Isarmatrosen |  11.10.2012 | 11:01 | permalink  

    [...] die Petition erfolgreich in den Petitionsausschuss zu bekommen und  Wolfgang Michal fragt sich auf Carta, ob “das Netz seine Kraft verloren” hat. Für das Versagen der Piratenpartei, die [...]

  10. Matthias Schwenk |  11.10.2012 | 11:02 | permalink  

    Eine unbequeme, aber sehr treffende Analyse. Die Folgen daraus werden die Piratenpartei jedoch härter treffen als die “Netzgemeinde”. Denn erstere hat damit gezeigt, dass sie bei einem zentralen netzpolitischen Thema weder parteiintern eine überzeugende und wirksame Vorgehensweise entwickeln, noch extern genügend Unterstützung mobilisieren kann.

    Schließlich mag sich ein besser informierter Teil unserer Gesellschaft gefragt haben, wer denn (außer vielleicht Google) von einem Leistungsschutzrecht negativ betroffen sein wird: Bis heute haben sich in Deutschland kaum neue digitale Medien in größerer Zahl entwickelt bzw. auf breiter Front durchgesetzt, die jetzt vom Vorgehen der traditionellen Medien stark gefährdet wären. Und für Nischenprodukte wie Rivva oder Carta wird sich schon irgendein kleiner Schutzschirm finden…

  11. Amigo Seure |  11.10.2012 | 11:05 | permalink  

    Es gibt keine “Netzgemeinde”. Das sind die immer gleichen Wichtigtuer wie Sacha Lobo, Mario Sixtus, Markus Beckedahl, Stefan Niggemeier, Thomas Knüwer und Konsorten, die sich des Potenzials der internettüchtigen bis internetsüchtigen jungen Männer mit mindestens Mittlerer Reife bedienen.
    Aber selbst dieses Stimmvieh für überflüssige Petitionen blickt allmählich durch. Es geht nicht um die Freiheit im Netz, sondern um die Gewinne von Apple, Amazon, Google und Facebook.

  12. Raventhird |  11.10.2012 | 11:24 | permalink  

    Mich würde sehr interessieren, wie viele der damaligen Mitzeichner der Acta-Petition tatsächlich durchs Blogs und/oder Twitter mobilisiert wurden. Habe schon lange die Theorie, dass “die Netzgemeinde” (wie sie hier verwendet wird) aus maximal 5k der immergleichen und sehr viel Lärm machenden Menschen besteht, der harte Kern sind eher ein paar hundert.

  13. Zum Scheitern der LSR-Petition | teezeh 2.0 |  11.10.2012 | 11:32 | permalink  

    [...] Zum Scheitern der LSR-Petition Es wird der Netzpolitik deshalb so gehen wie der polnischen Solidarnosc-Bewegung: Ist der übermächtige gemeinsame Gegner erst weg oder nicht mehr eindeutig zu erkennen, zerfällt die Bewegung in ihre (partei-)politischen und ideologischen Fraktionen. Im bevorstehenden Bundestagswahlkampf wird dieser Zerfallsprozess aus nächster Nähe zu beobachten sein. Dabei wird sich zeigen, ob es trotz dieser Auseinander-Entwicklung noch eine parteiübergreifende Kraft in der Netzpolitik gibt. Wolfgang Michal für CARTA [...]

  14. Wolfgang Michal |  11.10.2012 | 11:35 | permalink  

    @Raventhird/@Amigo Seure: Ich glaube schon, dass es eine netzpolitische Bewegung gibt. Weil dahinter schlicht und einfach eine die Gesellschaft umwälzende (disruptive) Technik steht. (Der Begriff “Gemeinde” ist leider schon so eingeführt, dass man praktisch gezwungen ist, ihn auch zu verwenden. Aber ich gelobe Besserung).

  15. Oydenos |  11.10.2012 | 11:54 | permalink  

    ACTA und LSR gehören einfach nicht in den selben Topf!
    ACTA hätte letztlich Teenies für das kriminalisiert, was schon vor 50 Jahren auf dem Schulhof mit Vinylscheiben und Chromdioxydbändern lief und was letztlich zu den Urheberrechtsabgaben auf USBsticks führte. Eine pseudoanaloge Kopie einer CD mit Audiograbber via linein ist auch heute vollständig legal und nur mit Aufwand von einer echten Digitalkopie zu unterscheiden.
    LSR wird die Gewinne von GooGlee schmälern, private Nutzung wird nicht erfaßt werden; so what? Und den Perlentaucher gibt es auch nach wie vor, das LSR wird daran voraussichtlich nichts ändern.
    Und wenn die Sekundärwirkung ist, daß RSS-Feeds wieder mehr genutzt werden, dann ist das mir als altem GooGlee-, MugPad- und Twatterverächter gerade recht.

  16. PETITION GEGEN DAS LEISTUNGSSCHUTZRECHT × DAFÜR INTERESSIERT SICH KEIN SCHWEIN × LEBEN × AMY&PINK |  11.10.2012 | 12:13 | permalink  

    [...] Kampf aber haben wir wohl oder übel verloren. Den gegen das Leistungsschutzrecht. Die von der Piratenpartei ins Leben gerufene Petition dagegen ist grandios gescheitert, viele [...]

  17. Jens Best |  11.10.2012 | 12:44 | permalink  

    @Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach #4

    Lieber Wolfgang, gerne würde ich deinen Kommentar inhaltlich teilen, aber im Detail ist er mir dann doch ein wenig altforsch. Ich glaube, du willst irgendwas richtig Interessantes sagen, aber es kommt nicht durch.

    “Echte Politik” ist immer eine gewagte Betitelung. Bleiben wir dabei, dass es hier um Ordnungspolitik geht (wie übrigens bei ACTA auch).

    Der Schutz prä-digitaler Gatekeeper durch das LSR drückt im Kern die Verachtung gegenüber der Unkontrollierbarkeit des Hyperlinks aus. Der Hyperlink ist kostenlos und somit etwas, das es so bekämpfen gilt. Der Hyperlink zerstört Vertriebsmodelle. Am laufenden Band. Das ist es, wenn die Herren Verlagsvertreter in schlimmster Wortwahl von dem “Geburtsfehler des Internets” sprechen.

    Weil nicht sein darf, was nicht sein darf, wird das Web, in völliger Missachtung, dass damit die Inklusion von Behinderten verächtlich gemacht wird, als Fehler der Natur(!), des natürlichen Ablaufes wirtschaftlichen Handelns dargestellt. Da haben die Herren Verlagsbesitzer eine symbolpolitische Breitseite geschlagen, gegen die jede ACTA-Demo einpacken kann. Symbolpolitik geschieht nämlich auch, wenn die Krokodilstränen der Verleger zum Schreibkrieg aufrufen, und sich die Hevelings dieser Republik in die Schlacht stürzen.

    Ich kann nachvollziehen, dass du irgendwie darauf hinweisen willst, dass Netzpolitik, verstanden als evolutionärer Gegenentwurf zu einigem Bestehenden, die alten Denkwelten kennen sollte (hauptsächlich um die Überzeugbaren damit abzuholen).
    Warum du allerdings die “klassischen Großthemen” geradezu absolut setzt, kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht würde ein weiteres Wort deinerseits mir diese unterschiedliche Bewertung von einerseits prä-digitaler intransparenter Machtpolitik (die bei LSR gespielt wurde) und anderseits wohl noch ungeschickt auf online-basierte Partizipation setzende Demokratie erklären.

    PS: Dass der Hyperlink und die Online-Suche allgemein mittlerweile von neuen Gatekeepern zu stark beeinflusst wird, ist ein wichtiger Punkt. Diesen gilt es aber nicht im Gegenspiel zu überkommenen Gatekeeper-Modellen zu regulieren, sondern auf Basis einer wertbezogenenen Reflektion der aktuellen Situation und ihren Chancen für Innovation, Gerechtigkeit und Freiheit. Ansonsten wird, wie so häufig bei netzpolitischen Themen, das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

  18. Raventhird |  11.10.2012 | 14:28 | permalink  

    @WolfgangMichal: Ja, es gibt eine riesige Masse derjenigen, die die Technologie benutzen. Diese steht aber in keinerlei Verhältnis zu der Menge an Leuten, die sich aktiv für netzpolitische Themen (mal abgesehen vom der ewigen Urheberrechts- und Netzsperrendebatte) interessieren und die gerne als “Netzgemeinde” bezeichnet wird. Der Unterschied ist etwa der zwischen der Anzahl an Autofahrern und denjenigen, die sich für die neuesten Errungenschaften der Zündkerzenhersteller begeistern können.

  19. Das Netz und die Kraft: der Himmel wird ihnen auf den Kopf fallen |  11.10.2012 | 14:35 | permalink  

    [...] Woran das liegen könnte, listet Wolfgang Michal auf Carta unter dem schönen Titel “Hat das Netz seine Kraft verloren?” [...]

  20. Warum die Petition gegen das Presseleistungsschutzrecht scheiterte — neunetz.com |  11.10.2012 | 14:43 | permalink  

    [...] Michal schaut auf die gescheiterte Petition gegen das Leistungsschutzrecht fragt auf Carta: Hat das Netz seine Kraft verloren? Er führt den Mythos von der Netzgemeinde fort und stellt Versagen fest: Das ist eine [...]

  21. Wolfgang Michal |  11.10.2012 | 14:48 | permalink  

    @Raventhird: Es gibt nicht nur eine riesige Menge von Leuten, die die Technologie benutzen, es gibt auch eine riesige Menge von Leuten, deren Leben durch die Technologie sehr stark verändert wird. Diejenigen, die sich damit bewusst auseinandersetzen, das Potential der Technik erkennen, aber auch die neu entstehenden Probleme analysieren, bilden die Minderheit einer “netzpolitischen Bewegung” (die ich nicht mehr “Gemeinde” nennen möchte).

  22. Klaus Jarchow |  11.10.2012 | 15:11 | permalink  

    Ich habe das Gequackel der Petition schlicht nicht verstanden … und eine Unterschrift für ein ungefähres ‘Wird-schon-halbwegs-stimmen’ zu leisten, ist viel verlangt. Vielleicht sollten die Piraten erst an ihrem Stil und dann erst an ihren Inhalten feilen …

  23. Warum die Petition gegen das Leistungsschutzrecht gescheitert ist | BASIC thinking |  11.10.2012 | 15:45 | permalink  

    [...] Michal von Carta fragt bereits, ob das Netz seine Zugkraft verloren habe. Irgendwie hätten alle berühmten Netzaktivisten von Lobo bis Beckedahl nicht so [...]

  24. Vera Bunse |  11.10.2012 | 15:46 | permalink  

    An Wolfgang Michals Vorwurf, nicht mehr über YouTube gemacht zu haben, ist was dran. (Hinterlässt mich aber hilflos, weil ich weder die Ahnung noch das equipment habe.) Ist unbedingt mehrerer Gedanken wert, weil sich so viele Leute erreichen und, wenn es witzig gemacht ist, auch mobilisieren lassen. Und, sorry, das können weder die Parteien noch die Lobbyisten bisher.

    Dann sollte man (wir) auch mal überlegen, ob ein alternativer Nachrichtenkanal keine Idee wäre (widerspricht allerdings dem Gedanken “raus aus dem Netz”). Zudem gibt es 1000 Medienblogs, die sich mit Medien beschäftigen und all das fein ausleuchten – aber nix davon im mainstream (dem gebührenfinanzierten, wohlgemerkt).

    Zeit, nachzudenken.

    [Hab das eben bei Metronaut geschrieben]

    Besonders der letzte Gedanke, die völlige Ignoranz der berichtenden Medien, wird mir zu wenig berücksichtigt. Netzirgendwas hin oder her, auf Dauer wird sich nur was bewegen, wenn ein überwiegender Teil der Bevölkerung die gleichen Informationen hat, innerhalb wie außerhalb des Netzes. Da wird aber der Daumen draufgehalten – wer auch nur ab und zu Tagesthemen und heute-Journal sieht, weiß, was gemeint ist. Die große Kunst des Verschweigens, des “wir berichten nicht, also gibt es auch kein Problem” ist ein Unding und eine Unverschämtheit gegenüber der Kundschaft. Wirft man das den Sendern vor, reagieren sie auch noch eingeschnappt.

    Noch so eine Albernheit: Solange Netzmenschen untereinander “Wichtigtuer” beschimpfen, obwohl gerade die Genannten eine Menge Zeit, Geld und Herzblut für ihre Wichtigtuerei investieren, wird es keine sachliche Diskussion geben oder weiterhin alles ein paar Leuten überlassen. Ist natürlich einfacher, rumzumosern, als mitzumachen. Diskurs heißt das Zauberwort, nicht: Ablehnung.

  25. Nachtwächter-Blah » Nein, Carta (und alle anderen, die so eine Bulls… |  11.10.2012 | 16:20 | permalink  

    [...] Carta (und alle anderen, die so eine Bullshit-Denke haben), das Netz hat nicht seine Kraft verloren. Das Netz hat niemals Kraft gehabt, genau so wenig, wie ein Hammer Kraft hat. Wenn jemand Kraft [...]

  26. Die deutsche Netzgemeinde ist klein und runzelig | Lummaland |  11.10.2012 | 16:23 | permalink  

    [...] Michal stellt dazu fest: Das ist eine Zäsur für das netzpolitische Engagement der alten Kämpen. Und eine herbe [...]

  27. Wolfgang Michal |  11.10.2012 | 18:09 | permalink  

    Ich sehe bisher in der Aufarbeitung der Niederlage fast nur Versuche, Schuld zu verdrängen und die Sache im Nachhinein klein zu reden. Jetzt plötzlich ist das Leistungsschutzrecht ein schwer zu kapierendes Unterfangen für einige eingeweihte Exoten und Spezialisten am Rande des Universums gewesen – ich habe aber noch die Argumente im Ohr, die von der Monopolisierung der Sprache und der Zerstörung der Netzfreiheit tönten, und das über mehrere Jahre hinweg! Dagegen war die (wesentlich erfolgreichere) Anti-Acta-Aufwallung ein Kurzläufer.

    Und dann geht die erste echte “Volksbefragung” zum Thema dermaßen schief. Das wirft Fragen auf. Ob man sich vielleicht etwas vorgemacht hat.

    Heute wird in den Blogs aber so getan als sei gar nix gewesen. Einfach abhaken. Und weil man jede “Trauerarbeit” verweigert und jede tiefer gehende Analyse scheut, versucht man ersatzweise, sich am unglücklichen Begriff der “Netzgemeinde” abzuarbeiten. Das ist klassisches Verdrängungs-Verhalten. Man will aus der Niederlage nichts lernen, sondern weitermachen wie bisher. Und genau das wird nicht klappen.

    Vielleicht sollte man einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass ein Teil der netzpolitischen Aktivisten in die Parteien abgewandert ist und ein anderer wichtiger Teil in die Medien – dort stehen die Tröge, dort gibt es die Posten. Ich kritisiere das nicht, denn von Luft und Liebe kann niemand leben. Nur sollte man sich auch nicht weiter in die Tasche lügen. Die Halbherzigkeit, die zur Niederlage geführt hat, hat auch mit einem Generationen-Umbruch zu tun. Jetzt wäre Gelegenheit, darüber nachzudenken.

  28. Fritz |  11.10.2012 | 20:53 | permalink  

    “Ob man sich vielleicht etwas vorgemacht hat …”
    Das muss ja so gewesen sein.
    Z.B. hat man sich vorgemacht, angesichts der Millionen Netzbewohner wären 50.000 Unterzeichner ein Klacks.
    Ferner dürfte es eine Fehleinschätzung sein, die Netzbewohner seien alles politische bewegte Leute – ich glaube das nicht (und halte schon die Piratenpartei für den Aufstand der Unpolitischen). “Politisch” wach werden die meisten offenbar nur, wenn sie sich sehr direkt, vor allem beim Geld, persönlich betroffen fühlen dürfen, z.B. wenn sie etwas zahlen sollen.
    Vielleicht hat man sich auch vorgemerkt, die Leute würden wirklich glauben, der Kampf zwischen Großverlagen und Google hätte viel mit ihrem Bloggen, Tweeten und Posten zu tun – diese Argumentation hat wenig gegriffen, egal mit vielen Taxifahrer-Vergleichen und Angstszenarios sie veranschaulicht wurde. Da machen viele einen Haken unter die entsprechende Blogartikel, aber die innere Überzeugung war augenscheinlich gar nicht so hoch.
    Wahr ist allerdings auch, dass die LSR-Debatte nur eine künstliche Öffentlichkeit hatte. Damit meine ich: Niemand hat darüber irgendwo in Kneipen, auf Parties, in den Kantinen diskutiert. Das Thema war nicht da außer bei denen, die es zum Thema machen wollten.
    Vermutlich reibt sich Keese jetzt die Augen: So elendig schwach sind die?! Wer hätte das gedacht. Die Überraschung scheint zu sein, dass die Netzöffentlichkeit _als solche_ nicht so wahnsinnig gut funktioniert. Das Netz besteht aus sehr vielen unterschiedlichen Milieus. Was sich als “Netzgemeinde” tituliert findet, ist offenbar nur ein Milieu unter 50 anderen und längst nicht das Bedeutsamste. Hochmeinungsaktiv, aber auch stark abgekapselt gegen andere “Lebenskreise”.
    (Disclaimer: Alles nur Thesen. Ohne ein bisschen Umfrageforschung unter Nicht-Zeichnern tappt man da im Dustern.)

  29. marco tullney |  11.10.2012 | 20:54 | permalink  

    Ich würde sagen, das Volk hat gesprochen und ist offensichtlich für ein LSR.
    Nur eine Anmerkung zu Lobo, man kann ihn mögen oder nicht, aber zu glauben, er könne im Spiegel ein Projekt forcieren, an dem der Spiegel mitverdienen würde, spricht nicht gerade für die … ähm … Urteilsfähigkeit dieses Kommentators.

  30. Detlef Borchers |  11.10.2012 | 21:16 | permalink  

    Wird hier nicht etwas arg überinterpretiert? Eine grottige Petition, ein LSR, dass in dieser Form niemals vor der BT-Wahl kommen wird? Politik ist, ob Netz oder nicht, vor allem Realpolitik. Ich sehe weit & breit keinen Grund für andere Parteien, den Piraten diesen Punktsieg zu spendieren. –Detlef

  31. Wolfgang Michal |  11.10.2012 | 21:21 | permalink  

    @fritz: Das mit der “künstlichen Öffentlichkeit” ist ein interessanter Punkt.
    @Marco Tullney: So viel Mut traue ich dem Lobo schon zu. Vielleicht wollte er nicht. Oder vielleicht hat er nicht an diese Möglichkeit gedacht.

  32. Gescheitert « Roberts Blog |  11.10.2012 | 22:18 | permalink  

    [...] Bei Carta, dem Autorenblog für digitale Öffentlichkeit, Politik und Ökonomie, findet Wolfgang Michal deutliche Worte für das Scheitern der Petition: Das sei eine Zäsur für das netzpolitische Engagement der alten Kämpen. Auch Superman Sascha Lobo (Foto lks., CC wikipedia) habe die Sache nicht mehr herumreißen können. Michal spricht von einer “herben Niederlage für die ganze Netzgemeinde“. Denn kein Thema habe das “historische Subjekt Netzgemeinde” so “zuverlässig konstituiert” wie das Thema Leistungsschutzrecht. [...]

  33. 5 Lesetipps für den 12. Oktober | Netzpiloten.de |  12.10.2012 | 09:37 | permalink  

    [...] Hat das Netz seine Kraft verloren?: Die e-Petition gegen das Leistungsschutzrecht ist trotz aller Aufrufe gescheitert. Hat die [...]

  34. Oydenos |  12.10.2012 | 11:09 | permalink  

    Netzbewohner, Netzbürger, Netzgemeinde, Netzdorf etc. pp. Was bitte soll der Quack?
    Das Netz ist eine technische Infrastruktur, die von Menschen genutzt wird. Mir ist noch niemand begegnet, der eine IP-Adresse als Wohnort angegeben hätte. (Vielleicht gibt es irgendwo einen Psychiater, der schon einen entsprechenden Patienten zu behandeln hatte.)
    Das Netz ist ein Mittel zum Zweck. Es wird sicherlich auch von Menschen genutzt, um eine Art von Vereinsleben, sei es politischer Natur oder zum Karnickel oder Brieftauben züchten im Schrebergarten zu gestalten. Die Tatsache, daß die Schrebergartenbewegung auch mal politisch war, vor über 100 Jahren, heißt noch lange nicht, daß das Netz per se politisch wäre, nur weil es auch von Schrebergärtnern genutzt wird.
    Es gibt politisch relevante Aspekte des Netzes, wie es politisch relevante Aspekte des Straßenverkehrs gibt. Trotzdem sind Straßen primär Mittel zum Zweck und nicht jeder Fußgänger oder Radfahrer oder Straßenbahnbenutzer ist gleich für jeden Aspekt der Autobahnmaut zu interessieren; im Gegentum wird sie wenigstens 99% der Genannten in intergalaktischem Abstand an der Gesäßbacke vorbeigehen und zwar weil sie die Genannten einfach nicht betrifft.
    Und der Streit zwischen GooGlee und den Zeitungsverlegern betrifft mich z.B. nur in so weit, als die wegbrechenden Einnahmen der Verlage, neben anderem, zu einer immer gleichförmigeren Berichterstattung führen; und da liegt dann die echte Gefahr für die Demokratie, da diese Vergleichförmigung auch im Totholzbereich genauso zuschlägt.
    Darob habe ich für dieses GooGleeLobbying keinerlei Verständnis.

  35. PR-Beiträge 41/2012: PR-Strategie 2013 & Endlosschleifen | kommunikationsABC.de |  12.10.2012 | 11:31 | permalink  

    [...] Hat das Netz seine Kraft verloren? [...]

  36. Aus der LSR-Petition lernen, statt zu verzweifeln — Carta |  12.10.2012 | 11:41 | permalink  

    [...] und überhaupt von Petitonen als einem stumpf gewordenen Werkzeug. Da ist ebenso wie an Wolfgang Michals Analyse etwas dran. Trotzdem finde ich es falsch, das Bild vom Scheitern der Petition, vom stumpf [...]

  37. Die Bundesregierung mag Google nicht. Und Rivva auch nicht. | Anachronistisch. |  12.10.2012 | 13:23 | permalink  

    [...] nennt ein paar Gründe, warum das Leistungsschutzrecht eben nicht so hip ist wie ACTA und Carta fragt sich, ob “das Netz seine Kraft verloren” [...]

  38. Jens Best |  12.10.2012 | 16:10 | permalink  

    @Oydenos #34

    Selten soviel Unüberlegtes in einem Kommentar vermengt gesehen (inkl. nur mässig unterdrückten Vorurteilen gegenüber dem Neuen)

    “Netz ist Mittel zum Zweck” – Niemand widerspricht hier. Es ist ein Mittel, mit dem sich Vernetzung von Menschen und Informationen und alle damit einhergehenden Aspekte um ein Vielfaches einfacher organisieren lassen.

    Das führt dazu, das über sehr viele Aspekte unseres sozialen, wirtschaftlichen wie politischen Alltags frisch nachgedacht wird. Dies wiederum führt dazu, dass einige liebgewonnene, aber unter dem Licht der neuen Möglichkeiten betrachtete verbesserungswürdige Prozesse neu gestaltet werden. Das bringt uns zu dem Momentum, das auch viele Werte, die (vermeintlich) hinter den bisherigen Prozessen standen ebenfalls neu diskutiert werden. Einigen gefällt das nicht. Eine schwarz/weiss-Denke bringt hier keine Lösung.

    PS: Alles ist somit einer neuen politischen Fragestellung unterworfen. Dies ist gut und überfällig.

    PPS: Wenn sie wirklich glauben, dass Google und das Internet an der gleichförmigen Berichterstattung ihrer achso lieben Verleger schuld ist, sind sie schlichtweg vom Neoliberalismus so gehirngewaschen, dass man ihnen wohl jeden Schuldigen vorsetzen könnte.

  39. Wer sich nur um sich selbst dreht bleibt klein und runzelig | Ruhrbarone |  12.10.2012 | 18:45 | permalink  

    [...] Wolfgang Michael von Carta hat das Netz seine Kraft verloren und Nico Lumma beschreibt die Netzgemeinde als „klein  und [...]

  40. 68er |  12.10.2012 | 20:17 | permalink  

    1. Soweit ich mir die Petitionsseite angeschaut habe, ist die Petition nicht gescheitert, da das Quorum nur eine Richtgröße ist:

    “Darüber hinaus ist es aber auch möglich, eine Petition öffentlich zu beraten, obwohl sie das nötige Quorum von 50.000 Unterstützern nicht erreicht hat. Entscheidend ist letztlich der Inhalt der Petition.”

    https://epetitionen.bundestag.de/epet/service.$$$.rubrik.quorum.html

    Aus meiner Sicht wäre der Petitionsausschuss gescheitert, wenn er sich des Themas nicht annehmen würde.

    2. Auch bei anderen Petitionen hatte ich mir überlegt, abzustimmen. Letztlich ließ ich es aber, da ich das Anmeldeprozedere scheute. Vielleicht besteht bei der “Netzgemeinde” ja ein gesundes Mißtrauen gegenüber staatlicher Datenverarbeitungsbemühungen.

  41. hardy |  13.10.2012 | 01:52 | permalink  

    ach ja, wie wäre es mir “pure boshaftigkeit” als grund für das nichtunterzeichnen?

    warum sollte ich jemand, der sich in sein schwert stürzen will, davon abhalten?

    google muss ja nichts verlinken und kann sich das geld für die deutschen verleger auch sparen. in der konsequenz sparen sich die internetnutzer das angebot der deutschen verleger, weil sie es ja nicht mehr finden.

    das war dann der moment, wo das schwert “durch” sein dürfte.

    also habe ich _nicht_ unterschrieben, lieber in eine tüte popcorn und cola investiert und gucke zu, wie aus den trotteln die gedärme herausquellen werden…

    wie gesagt, pure boshaftigkeit.

  42. Jens Best |  13.10.2012 | 12:22 | permalink  

    @Hardy #41

    Das sachliche Argument in deiner “boshaften Begründung” zieht nicht.

    Wenn die führende Suchmaschine Texte von klassischen journalistischen Sites nicht mehr in die Ergebnisse einbezieht (sei es durch robot.txt oder durch eigene Initiative) wird das Netz verstümmelt – so entstehen Unzufriedenheiten bei den Usern, mittelfristig wird dies das kommende Angebot der Verlage – Abogebühren mehrerer News-Sites, die sich zusammenschliessen (wie in Polen und anderen osteuropäischen Ländern bereits geschehen) in ihrer Attraktivität aufwerten.

    Das mittelfristige Ziel dieser Leistungsschutzrechts-Farce ist die Verstümmelung des offenen Webs und die Einführung von Abo-Modellen, um die dann faktisch existierenden Walls zu überwinden.

  43. Amigo Seure |  13.10.2012 | 12:37 | permalink  

    Die führenden Webseiten mit aktuellem Material sind “Bild.de” und “Spiegel Online”. Die brauchen Google (News) nicht.

  44. Lautes Nachdenken über Blogs & so « … Kaffee bei mir? |  13.10.2012 | 14:29 | permalink  

    [...] Themen interessieren Viele (Quartett, Blogger Camp, andere entstehen gerade). @Wolfgang Michal hat geschrieben, er könne nicht verstehen, warum für den LSR-Protest YouTube nicht genutzt wurde – da hat [...]

  45. Jens Best |  13.10.2012 | 17:12 | permalink  

    @Amigo Seure

    Unterirdisches Kommentarniveau.

    1. Was soll “aktuelles Material” sein? dpa-Ticker etwa? Den haben hunderte von Sites eingebunden. Aktuelle eigene Artikel etwa? Da gibt es eine ganze Reihe weiterer journalistischer Sites, teilweise mit großen Namen.

    Die Tatsache, dass du Bild und SPON aufführst, zeigt wie boulevardesk deine Filterblase zu sein scheint.

    2. Google News ist ein, wenn auch sicher der dominierende Such-Aggregator. Hilfestellungen von zivilgesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Suchhilfen ist ein Dienst an User UND Nachrichtenprovider, da diese helfen die Informationsflut zu filtern.
    Das geradezu lächerliche Anliegen diesen Service einer Abgabe an die Info-Provider zu unterwerfen, die das bestehende (und ausreichende) Urheberrecht ergänzt, zeigt wie weit die alten Herren der Filterblasen das frie Web nicht verstanden haben, verachten und zerstören wollen.

  46. Oydenos |  13.10.2012 | 23:58 | permalink  

    @ Jens Best #38
    Ein bisschen viel Wunschdenken in Ihren Posting.
    Ich wünsche Ihnen dann schon mal viel Erfolg beim langen Marsch durch die Institutionen. Verzweifeln Sie nicht, wenn Sie irgendwann feststellen, daß die Karawane einfach weiter gezogen ist.

    There is nothing new under the lights.

  47. Jens Best |  14.10.2012 | 00:15 | permalink  

    @ Oydenos #46

    “Wunschdenken” – Was genau an #38 soll ihrer Ansicht Wunschdenken sein?
    “Marsch durch Institutionen” – Ich schrieb nicht über mich, sondern über gesellschaftlichen Wandel, wie er aktuell bereits an vielen Stellen zutage tritt.

    Im Gegensatz zu meinen konkreten Ausführungen in #38 verlieren sie sich in besserwisserischen Andeutungen. Offensichtlich sind sie an einer sachlichen Diskussion nicht interessiert.

  48. hardy |  14.10.2012 | 05:49 | permalink  

    jens (42)

    >> wird das Netz verstümmelt

    warum? weil ich nicht mehr kostenlos auf dem “spiegel” rumstöbern kann, mir verborgen bleiben könnte, was der pochard in der “welt” wieder für einen stuss blubbert, ich mich nicht mehr über die hetze ehemalige sexpostillenautoren aufregen muss? kann mir im grunde komplett gestohlen bleiben, brauche ich nicht …

    ehrlich, wenn mich mein newstral nicht mehr damit anschreien würde, würde ich doch gar nicht nachgucken. beim “spiegel” gucke ich übrigens schon aus prinzip nicht mehr nach. na gut, ich hätte vielleicht Martenstein verpasst, der meine gefühle hier ganz gut zusammenfasst.

    >> Verstümmelung des offenen Webs und die Einführung von Abo-Modellen

    oh, g*tt, ich habe fast eine herzattacke bekommen bei der vorstellung – ach was ich scherze nur, im grunde fände ich das sogar klasse, wenn die das endlich machen würden.

    wer sich den “spiegel” unbedingt antun muss, der soll halt dafür bezahlen. das ergebnis wird sicher _nicht_ sein, daß der spiegel mehr leser bekommt, eine menge trolle werden ihren lieblingsort verlieren oder eben dafür bezahlen, daß sie dort ihren neurotischen müll entsorgen.

    was soll daran nun wirklich schlimm sein?

    das, was mich interessiert (die französische “Rock & Folk” zb.) abonniere ich eh, weil mir etwas an der zeitung liegt. am spiegel, an der welt und wie diese orte, an denen meinungen erzeugt und fleissig die selben öden tickermeldungen kopiert werden, alle heissen, liegt mir _zero_. wem was daran liegt, der kann auch dafür bezahlen.

    ich denke, bei diesem ganzen sich jammernd um die litfaßsäule tasten wird übersehen, daß diese zeitungen doch mit einem rieseneinsatz von geld verhindern, daß die wunderbare welt der blogger zu einem geschäftsmodell werden könnte.

    für mich ist der “gegner” nicht ein gesetz, daß diese “burschen” sich so dringend wünschen und nun bekommen, sondern diese “burschen” selbst und ihre fähigkeit, mit ihrem geld die konkurrenz kaputtzumachen.

    ansonsten: mir reicht eigentlich das netz und vor allem das wortradio (der dlf zb.), da fühle ich mich besser informiert und weniger manipuliert. die mainstreampresse jedenfalls brauche ich nicht und wenn sie jetzt unbedingt in das selbstaufgestellte schwert springen will, kann ich nur einen alten song von mastino abspielen:

    “Spring, spring in die klinge, spring!”

    ob’s den auf youDupe gibt? keine ahnung – ich brauche auch das nicht, ich hab’s auf band ;-)

  49. Andreas |  14.10.2012 | 08:00 | permalink  

    Die Entwicklung ist so rasant, dass sich einige Thesen über die online Welt in kürzester Zeit selbst erledigen.

  50. Andre@s Sc Helper |  14.10.2012 | 12:00 | permalink  

    Hallo,

    was Du für mich nicht ausreichend dargestellt hast ist das Phänomen, dass jede Woche mindestens ein Aufruf herum geht, irgend eine Petition für Avaaz und wasweissichnicht zu unterstützen.

    Das machst du das dritte ‘mal mit, wenn das Thema dich interessiert, danach gehen die Emails in den Ordner für unerwünschte Massennachrichten.

    Persönlich nervt es mich auch, als Bittsteller vor einem anonymen Gremium aufzutreten. Wir wollen eine politische Position durchsetzen und dazu brauchen wir politische Mehrheiten und keine beachtlichen Minderheiten auf einer Seite der Budestagsverwaltung über den Petitionsausschuss.

    Es gibt keinen parteiübergreifenden Konsens zur Netzpolitik. Du hast die Wahl!

    Where we go from here is a choise I leave to you!

  51. Reader laufen über: Vielfalt wird auf Dauer zu viel › Netzexil |  14.10.2012 | 15:06 | permalink  

    [...] so. Deutschen Blogs geht die Kampagnenfähigkeit ab. Unser Bloggergeschwätz hat also keine Relevanz, trotz großer [...]

  52. dosentelefon.eu - Leistungsschutzrecht: Worüber Presseverlage, Blogger, Google & Co. eigentlich diskutieren |  16.10.2012 | 06:15 | permalink  

    [...] Hat das Netz seine Kraft verloren? (carta.info, 11.10.12) [...]

  53. Anderthemen – Texte & Diskurse (3) « Der Lampiongarten |  16.10.2012 | 13:01 | permalink  

    [...] 2. ““Hat das Netz seine Kraft verloren?”” – Carta.info [...]

  54. Oydenos |  19.10.2012 | 22:04 | permalink  

    Nicht nur in D, in Brasilien gibt es die gleiche Situation, nur daß die Zeitungsverleger dort direkt bei GooGleeNews aussteigen:
    https://knightcenter.utexas.edu/blog/00-11803-brazilian-newspapers-leave-google-news-en-masse
    Könnte noch richtig interessant werden.

  55. Publicviewer |  20.10.2012 | 03:38 | permalink  

    Noch einmal eine Meinung vom sogenannten Kommentariat.
    Viele selbstverliebte Blogger schauen hier auch nicht wirklich über den Tellerrand.
    Nach dem Motto, “Es kann nicht sein, was nicht sein darf”.
    Das die Entwicklung der Medien in unserer Gesellschaft, sich immer mehr nach privatwirtschaftlichen, also profitorientierten Gesetzmäßigkeiten richtet und dadurch kritische Inhalte eben auch mehr und mehr auf der Strecke bleiben, ist ihnen sicher nicht entgangen.
    Durch die in letzter Zeit, umgreifenden Restriktionen, gerade was das Urheberrecht angeht, gehen vor allem die Printmedien einen selbstmörderischen Weg, der in einer gleichgeschalteten Sackgasse enden wird.
    Durch die Instrumentalisierung des Urheberechtes, werden nun auch die Blogger gezwungen, sich zweimal zu überlegen, welches Bild sie einstellen und welchen Beitrag sie wie verlinken können, bzw. dürfen.
    Die Abmahnanwälte, Ausgeburten des neoliberalistischen Sytems haben Hochkonjunktur.
    Abhilfe sehe ich nur darin, das sich die namhaften Blogger zusammentun, sich vernetzen, treffen, gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, wie man diese Plage wieder loswerden kann.
    Von parlamentarischer Seite, sehe ich da wenig Hoffnung.
    Im Gegenteil, sehe ich mit Besorgnis, die weiter Verschärfung auf die freie und kritische Berichterstattung auf uns zu rollen.

  56. hardy |  20.10.2012 | 04:31 | permalink  

    oydenos,

    und die andere meldung des tages ist die, daß google die französischen medienseiten nicht mehr verlinken wollen, wenn sie dafür geld bezahlen müssen …

    da liegen also die karten auf dem tisch und wir erkennen: es geht nur darum, wer jetzt das geld raustut. die reaktion der brasilianer ist dabei definitiv klüger als die der europäer, die verstehen das als “investition in die zukunft”, die der deutschen und franzosen erinnert stark an mitropa-restaurants “zukunft? hamm’wer nicht!”. eben …

    publicviewer,

    du hast mich ziemlich ratlos mit deinem post zurückgelassen.

    wie meinst du das mit “Es kann nicht sein, was nicht sein darf”.

    das las sich so als ob du jetzt mit einem echten gedanken rüberkommen würdest, aber leider hast du dich danach in eine nichts sagende ansammlung von fensterreden-allgemeinplätzen verloren.

  57. Publicviewer |  20.10.2012 | 05:17 | permalink  

    @ 56 hardy
    Ich meine damit, das wohl die Meisten noch nicht gemerkt haben, das es der Plan ist, mit dem Urheberrecht, ACTA, IPRED und wie auch immer deren Nachfolger heißen werden, ganz bewusst die Mehrheit der Netzgemeinde von kritischen Inhalten auszuschließen.
    Nämlich indem man ihnen Angst einjagt und wenn das nicht hilft, eben kriminalisiert.
    Es geht hier nicht nur einzig und allein um das Interesse der sogenannten Urheber oder der Verlage.
    Es geht darum, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, so das sich Gegenbewegungen, auf ein Mindestmaß reduzieren lassen.
    Die Herrschenden haben sehr wohl begriffen, das sich jedweder Widerstand im Netz rekrutiert.
    Was benötigen wir zur Durchsetzung eines all umfassenden Urheberrechtes?
    natürlich auch eine ebenso umfassende Kontrolle.
    Die Vorratsdatenspeicherung, die wir zwar gar nicht haben dürften, zumindest nach deutschem Recht, wir aber derweil, sogar noch Strafe zahlen, weil die “EU Kommision” es uns auf oktroyiert.
    Schaut doch mal nach Spanien, was dort gerade passiert.
    Dort wird in zukünftig der Aufruf im Netz, zu passiven Widerstand, kriminalisiert.
    Jüngstens, möchten sie das Photografieren von Beamten der Polizeikräfte unter Strafe stellen.
    Dort steht die Armee schon Gewehr bei Fuß.
    Glaubt ihr wirklich, das es noch lange so weitergeht?
    Ich bin mir ganz sicher das auch bei uns, sehr bald die Bundeswehr innerstaatlich eingesetzt werden wird.

  58. der Herr Karl |  20.10.2012 | 11:42 | permalink  

    “Hat das Netz seine Kraft verloren?”
    Hat das Netz jemals eine ernstzunehmende Kraft gehabt?

    Wie glaubwürdig ist ein Kampf gegen das Leistungsschutzrecht, wenn sich Blogger bemüssigt fühlen, selbst die zu einem Artikel abgegebenen Kommentare unter urheberrechtlichen Schutz stellen?

  59. hardy |  20.10.2012 | 18:44 | permalink  

    publicviewer

    kennst du william s. burroughs?

    “paranoia zu haben, heißt noch lange nicht, daß SIE dich am ende nicht doch kriegen”

    [..] Ich bin mir ganz sicher das auch bei uns, sehr
    [..] bald die Bundeswehr innerstaatlich eingesetzt werden wird.

    raffiniert, das ans ende zu setzen – hätte es weiter oben gestanden, hätte ich nicht weitergelesen.

  60. Publicviewer |  20.10.2012 | 18:58 | permalink  

    Na, Du wirst es schon auch noch begreifen….das ist einfach die Realität.
    In Spanien ist es sicher bald soweit.
    Mich bekommen sie jedenfalls nicht, I am prepared…;-)

  61. hardy |  20.10.2012 | 21:33 | permalink  

    [.. ] Du wirst es schon auch noch begreifen

    was? daß in “Ich bin mir ganz sicher das auch bei uns, sehr” das komma an der falschen stele und ein ß statt eines s hier hätte anwendung finden müssen.

    doch, das habe ich begriffen, so wie ich begriffen habe, daß politiker keine “charaktermasken” sind und nicht in schränken vor den volksgerichtshof gehören …

    bitte nicht die eigene paranoia mit dem politischen zustand in diesem land verwechseln … die bundeswehr im inneren einzusetzen, gehört zu den absoluten “no gos” in diesem land, jedenfalls aus der sicht derer, die noch wissen, warum das so ist.

  62. LabourNet Germany: Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah, gesellschaftskritisch » ePetition: Ablehnung von Leistungsschutzrecht durch Piraten |  26.12.2012 | 00:26 | permalink  

    [...] Hat das Netz seine Kraft verloren? „Die e-Petition gegen das Leistungsschutzrecht ist trotz aller Aufrufe gescheitert. Hat die deutsche Netzpolitik ihre vereinte Kampagnen-Kraft verloren? Auch Superman Sascha Lobo konnte die Sache nicht mehr herumreißen. Die Petition gegen das Leistungsschutzrecht hat das Quorum von 50.000 Unterschriften deutlich verfehlt. Das ist eine Zäsur für das netzpolitische Engagement der alten Kämpen. Und eine herbe Niederlage für die ganze „Netzgemeinde“…“ Artikel von Wolfgang Michal vom 11.10.2012 bei Carta [...]

  63. Diskussion um Verhältnis von Piratenpartei zur »Netzgemeinde« und zur »Schuldfrage« am Versagen der Netzpolitik | Popcorn Piraten |  26.03.2013 | 11:06 | permalink  

    [...] carta.info schreibt Wolfgang Michal zur gescheiterten e-Petition gegen das [...]

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.