Wolfgang Michal | 32 Kommentar(e)
Ach, diese Kolumnisten. Sie wissen immer alles schon vorher. Und ganz präzise! Anfang Juni schrieb Wolfgang Münchau in seiner Spiegel Online-Kolumne, die Tage des Euro seien gezählt. Höchstwahrscheinlich. Jetzt kritisiert er „Peer Steinbrücks größte Fehleinschätzung“. Seine eigene hat er offenbar schon vergessen.
08.10.2012 |
Wolfgang Münchau weiß es immer ganz genau. Peer Steinbrück, schreibt er, rede heute in der Opposition völlig anders als vor vier Jahren in der Großen Koalition. Doch als gewählter Krisenmanager würde er nicht anders handeln als Angela Merkel. Das ist eine Aussage, deren prognostische Kraft man – aufgrund bisheriger Erfahrungen – nachvollziehen kann.
Warum aber müssen unsere hartkantigen und hoch geschätzten Ökonomie-Kolumnisten immer gleich das ökonomische Voll-Desaster an die Wand malen? „Zusammenbruch“, „Crash“, „Katastrophe“ – darunter tun sie es nicht. Mit dieser Jahrmarktverkäufer- und Prediger-Attitüde schüren sie fahrlässig Ängste und verdienen gutes Geld: Liebe Leute, morgen früh um acht ist Weltuntergang, aber heute gibt’s bei mir noch drei Paar Socken für den Preis von zweien! Kaufen Sie, dann können Sie ihr armseliges Leben vielleicht noch retten!!!
Wolfgang Münchau argumentiert dabei mit schlitzohriger Präzision. Auch sein neuestes Orakel verfährt nach dieser Methode:
„Nach meiner Einschätzung der Krisendynamik werden wir noch vor der Bundestagswahl einige unangenehme Überraschungen erleben, in Griechenland, Portugal und Spanien, möglicherweise auch in Italien. Der hohe Respekt, den Merkel wegen ihres Krisenmanagements in Deutschland genießt, würde sich unter diesen Voraussetzungen schnell in sein Gegenteil umkehren. Dann wäre die SPD mit einem Kandidaten besser bedient, der eine echte Alternative vertritt.“
Ja, wenn es so kommt! Wenn die „unangenehmen Überraschungen“ tatsächlich eintreten. Wenn die Voraussetzungen stimmen. Wenn die Unkenrufe berechtigt waren. Wenn aber nicht?
Münchaus größte Fehleinschätzung
Vor vier Monaten, am 6. Juni 2012, schrieb Wolfgang Münchau unter der Überschrift „Ahnungslos in die Euro-Dämmerung“, dass uns das Euro-Armaggedon unmittelbar bevorstehe. Möglicherweise. Der Euro, das habe er bei einer Zugfahrt von Brüssel nach Westfalen unter den Passagieren aufgeschnappt, werde schon in wenigen Wochen zerbrechen – und der große George Soros sei mit seiner Prognose, der Euro habe noch höchstens drei Gnadenmonate vor sich, viel zu optimistisch gewesen. Vermutlich.
Wolfgang Münchau sichert solche Crash-Prognosen gern mit Relativierungsvokabeln ab: vermutlich, vielleicht, möglicherweise, wenn die Voraussetzungen stimmen, früher oder später. Das ist auch bitter nötig, denn bei seiner vermutlich “größten Fehleinschätzung” – der vom 6. Juni – stützte er seine ‚Analyse’ offenbar allein auf das Geschwätz von irgendwelchen „Managern“ im Zug:
„Einer der Manager war sich sicher, dass der Euro den Monat Juni nicht überleben werde. Dass es früher oder später mit dem Euro zu Ende geht, gilt in der Branche mittlerweile als gesetzt. Und zum ersten Mal höre ich, dass Profis hohe Wetten auf einen Zusammenbruch der Euro-Zone abschließen. Es sind diesmal nicht nur die üblichen Spekulanten. Die Zockerei mit der Euro-Dämmerung hat begonnen.“
Der Untergang des Euro gilt in der Branche also „als gesetzt“. Früher oder später. Und auch die Zwischenüberschrift soll uns den Angstschweiß auf die Stirn treiben:
„Für eine Rettung ist es möglicherweise schon zu spät“
Doch Gottseidank haben wir ja Münchau. Sein schonungsloser Blick in die Glaskugel offenbart seine innersten Glaubens-Sätze:
„Bislang habe ich geglaubt, kein rational denkender Politiker würde einen unkontrollierten Zusammenbruch der Währungsunion zulassen. Ich glaube das letztlich immer noch, doch möglicherweise ist es für eine Rettung schon zu spät. Es besteht die Gefahr, dass sich die Ereignisse überschlagen, bevor die Politik reagieren kann.“
In der Tat!! Es besteht immer die Gefahr, dass sich die Ereignisse überschlagen. Und „früher oder später“ könnte es zu spät sein. Und bei ungünstigen Bedingungen könnte es zur Katastrophe kommen… Glaskugel, Glaskugel, was willst du uns mit derart banalen Sätzen sagen? Doch Münchau spekuliert munter weiter:
„Herman van Rompuy, der Präsident des Europäischen Rates, bastelt jetzt mit Hochgeschwindigkeit an einer Bankenunion, einer Fiskalunion und einer politischen Union. Das ist in der Tat eine bemerkenswerte Entwicklung. Aber kann er das in der kurzen Zeit von wenigen Wochen und Monaten schaffen? Die Investoren an den Finanzmärkten wollen konkrete Beschlüsse sehen, keine Verlautbarungen und vor allem keine Verwässerungen.“
Dummerweise schaffte es van Rompuy doch nicht. Die Investoren warteten vergeblich. Und die von Münchau und seiner geheimnisvollen „Branche“ gesetzte Frist für den Euro („wenige Wochen und Monate“) ist ohne Crash verstrichen. Warum der prophezeite Zusammenbruch nicht erfolgte, werden wir wahrscheinlich – früher oder später – in einer weiteren Münchhausen Münchau-Kolumne erfahren. Falls sich die Ereignisse nicht vorher überschlagen.
Der Schluss der Glaskugel-Geschichte vom nahen Ende des Euro ist dann an Aussagekraft kaum noch zu überbieten:
„Die Narrative dieser Krise sind völlig außer Kontrolle geraten, und die Politik weiß nicht, wie sie sie wieder einfängt. Das geht Merkel nicht anders. Vielleicht kommt die politische Union. Vielleicht kommt der Zusammenbruch. Eines von beiden wird aber kommen, und Deutschland hat sich auf keines der beiden Szenarien vorbereitet.“
So ist es. Morgen wird es vielleicht regnen, vielleicht scheint aber auch die Sonne. Auf keines der beiden Szenarien ist Deutschland vorbereitet. Wie gut, dass wir Wolfgang Münchau haben, der uns mit sicherer Hand durch die ökonomische Großwetterlage führt.
Siehe auch Klaus Jarchow im Stilstand






Ich bin auch kein Fan von Prognosejournalismus, aber es war doch tatsächlich überraschend, dass die europäischen Regierungen sich in so einem Ausmass Zeit kaufen würden. Das Problem der Schulden und der fehlenden Restrukturierungen hat sich damit ja nur verzögert, und auch der Euro ist keineswegs eine Währung, die nicht nächstens aufbrechen könnte. Die Probleme sind hochaktuell, ein Crash, auch ein grösserer, ist jederzeit möglich. Meine persönliche Wette geht bis Ende 2012: http://blog.ronniegrob.com/2011/06/05/crash-coming/
Satirische Hochrechnungen finde ich ja völlig in Ordnung, aber hier schreiben ja keine Satiriker, sondern seriöse Ökonomen. Besonders schätze ich Weltuntergänge mit lauter Hintertürchen.
Aber gut, was ist denn ein größerer Crash und wie viel wetten wir?
“Lasst hunderttausend Gesichtspalmen blühen”, denke ich mir jedesmal, wenn ich dem Impuls nachgegeben habe, den neuesten Klugschiss von Herrn Münchau wider besseres Wissen doch anzuklicken. Es nervt ja nicht nur sein apokalyptisches Dauergeraune, sondern auch die Besserwisserei bezüglich der Vergangenheit: Deutsche Wiedervereinigung ein schwerer Fehler, erkannte er neulich. Endlich sagts mal einer – aber konsequenterweise hätte man bei der Diagnose nicht stehenbleiben dürfen, sondern man hätte auch den Zweiten Weltkrieg, der ja mehr oder weniger direkt ursächlich war für die deutsche Teilung, als Fehler anprangern müssen. Von da aus hätte die weitere Rückverfolgung der Fehlerkette unweigerlich nach Versailles geführt und weiter zurück zur kaiserlichen Unterzeichnung jener unseligen Beistandspakte, die das deutsche Reich in den Kriegstaumel rissen. Und was auf dem Wiener Kongress nicht alles an Mist beschlossen, der Westfälische Friede war dilettantisch verhandelt, und eigentlich wären die Germanen besser beraten gewesen, bei der Völkerwanderung eine andere Route einzuschlagen…
Münchau ist einer der wenigen, die offen sagen, dass die augenblickliche Politik auf einem Holzweg ist. Es hat sich noch niemand aus der Rezession herausgespart.
Und bei der Kritik an der fehlgegangenen Prognose darf man eins nicht vergessen: Seit der Prognose und jetzt steht eine EZB, die endlich das macht, was sie schon lange hätte tun sollen: Durch Anleihekäufe die Zinsen fehlbewerteter Staaten zu drücken.
Und @RonnieGrob: Es gibt kein Schuldenproblem. Spanien hat kein Schuldenproblem der öffentlichen Haushalte. Sondern eine massive Wirtschaftskrise. Eigentlich müsste Spanien die Staatsausgaben erhöhen, um die Rezession zu bekämpfen (25% Arbeitslosigkeit !). Stattdessen wird schwäbische Hausfrauenpolitik gepredigt, vor allem von Deutschland. Diese Politik nach Ideologie statt Wissenschaft ist schon in den 30ern voll gegen die Wand gefahren. Leider haben wir offensichtlich nichts daraus gelernt.
Wie oft die Welt schon unterging! Toll!
[...] carta: Euro-Crash-Propheten: Münchaus große Glaskugel [...]
Der Wolfgang Münchau ist der Hans-Ulrich Jörges des Wirtschaftsjournalismus. Das weiß man doch …
Apropos: Ich hatte ihn im Jahr 2008 wegen der gleichen Meinungswendigkeit schon mal am Wickel.
“Crash” ist natürlich ein unsinniges Wort, aber in einem hat Münchau recht: Der wirtschaftliche Schaden durch die bankenfreundliche Politik ist enorm, und er ist auch jetzt schon da. Die rasant gestiegene Staatsverschuldung reduziert den politischen Spielraum in den nächsten 10-15 Jahren sehr stark. Nun hat die Politik entschieden, dieses Problem durch höhere Inflation zu lösen, die in 2-3 Jahren anlaufen wird und die natürlich Probleme ganz anderer Art hervorbringen wird.
Die Politik kann den Schaden nicht verhindern, sie kann nur beeinflussen, welcher Art er sein soll.
@ _Flin_
Doch: Island und die baltischen Staaten. Sie haben so auf die Krise reagiert, wie jeder solide Kaufmann reagieren würde – mit seriösem Haushalten. Das tut 2 Jahre weh, aber danach geht es rasant voran. Man kann ihre Situation nicht 1:1 auf Griechenland & Co. projizieren, aber die grundsätzliche Strategie ist richtig.
@_Flin_ Natürlich ist er einer der wenigen, die lachsrosa Farbe in den Wirtschaftsteil bringen. Und ich finde, er hätte diese Crash-Orakelei der Ottes und Müllers gar nicht nötig. Siehe… umpf… heutiger Spiegel-Titel.
Rainer Heißmann hatte vor einem Jahr schon mal aufgelistet, in welcher Tradition das steht
Dank an Wofgang Michal für den ausgezeichneten Beitrag. Offensichtlich bedingt der Markt des Wirtschaftsjournalismus, dass man besonders laut schreien muss, um noch wahrgenommen zu werden. Tatsächlich gibt es kaum einen journalistischen Zweig, bei dem Anspruch und Können so sehr differieren. Vielleicht sind einige von denen auch fürs Horoskop zuständig.
“Der Untergang des Euro gilt in der Branche also „als gesetzt“. ”
Eine solche Prognose aus dieser “kompetenten” Branche läßt noch eine lange Lebensdauer des Euro vermuten.
Kassandra-Geschrei auf den Euro-Crash ist überzogen , die Warnung vor einem zweiten ökonomischen Zusammenbruch jedoch nicht.
Die grundsätzlichen Probleme sind weiter völlig ungelöst – mangelnde Regulierung , Lobbyismus , zu ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen usw.
Die Banken zocken munter weiter und leihen sich noch in aller Dreistigkeit Geld von der EZB dafür, im sicheren Gefühl der Absicherung durch die ach so bösen bösen Staaten.
Und _Flin_ hat Recht , das staatliche Schuldenproblem ist eine Mär , in die Welt gesetzt von Leuten , die davon profitieren , wenn die Politik der “schwäbischen Hausfrau” gegen die Menschen durchgeboxt wird.
jetzt mal ehrlich:
wer hier oder andernorts behauptet, er verstünde nach den letzten vier fünf jahren, was eigentlich das problem ist oder was vor sich geht, oder wer gar einen “plan” hat – der macht sich per se etwas vor, ist ideologisch vernagelt, hat eine “agenda” oder steht auf einer “payroll”.
ich jedenfalls (2 jahre HH, 2 jahre WG, VWL eigentlich durch die bank immer eine eins) habe es aufgegeben, das alles “verstehen” zu wollen, weil alle regeln, die ich mal gelernt habe, komplett ausser kraft gesetzt zu sein scheinen.
sich da bei leuten orientieren zu wollen, die das “richtig” gelernt haben, denen also diese regeln noch stärker eingebleut wurden, bis sie sich zur ideologischen vernarrtheit verfestigt haben, ist komplett sinnlos. die spekulieren wie münchau nur wild rum und geiern um die aufmerksamkeit, die ich ihnen einfach nicht mehr gewähre.
das zu lesen ist so sinnlos, wie sich über das aufzuregen, was irgendwelche hirnis sich dann daraus so zurechtdestillieren … einfach mal eine woche die leserbriefe im handelsblatt lesen und jeder versteht sofort, was ich meine:die welt ist voller leute, die nicht mehr als einen gedanken haben. wenn sie zwei denken sollen, fällt ihnen sofort einer aus dem gehirn.
was übrigens den kern der debatte ausmacht: es hat sich eingebürgert, daß _entweder_ als ein ökonomisches _oder_ als politische problem zu betrachten. schlimmer kann es ja eigentlich nicht mehr kommen
am ende, denke ich mal, geht es einfach nur um die angst, die man versucht, uns einzujagen, was – wenn man die konstante beliebtheit der regentin betrachtet – hervorragend zu funktionieren scheint.
ps: ehrlich (…) ist ja eigentlich nur der sinn, der gibt am ende des interviews wenigstens zu, daß er alt und verschuldet ist – das geld also dringendst braucht …
aber eigentlich will er, was alle wollen: aufmerksamkeit und recht haben …
das bekommen von mir aber weder münchau noch sinn ;-)
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, worauf Michal hier hinaus will. Münchau vertritt ja explizit keine genaue Prognose über das zusammenbrechen des Euro und Prognosen stehen überhaupt nicht im Mittelpunkt des Beitrags. Er stellt die Diskrepanz zwischen der Stimmung in der Bevölkerung und der Finanzelite dar. Dann skizziert er die Grundprobleme (extreme wirtschaftliche Ungleichgewichte, Target-Salden) und entwickelt verschiedene mögliche Szenarien wie diese zu beheben wären – temporär (durch EZB-Intervention) oder dauerhaft (durch politische Union oder Auflösung der Währungsunion). Es scheint mir etwas sonderbar Münchau hieraus einen Strick drehen zu wollen, wenn er a) keine genaue Prognose abgibt, b) die EZB genau so interveniert hat, wie in Münchaus Text beschrieben, also dadurch das System weiter am Leben erhält, c) keines der von Münchau angesprochenen tieferliegenden Probleme bisher wirklich gelöst wurde, d) es Münchau anscheinend vor allem darum geht, darauf hinzuweisen, wie teuer Austritte aus der Währungsunion (oder eine Auflösung) uns Deutschen kämen.
Meines Erachtens besteht hier immer noch ein gewaltiger Unterschied zwischen einer solchen Analyse und einem oh-mein-gott-die-welt-geht-unter-katastrophismus.
Davon mal abgesehen würde ich gerne von Michal wissen, wo das steht: “Der Euro, das habe er bei einer Zugfahrt von Brüssel nach Westfalen unter den Passagieren aufgeschnappt, werde schon in wenigen Wochen zerbrechen[...]”
Wer anderen Leuten falsche Prognosen vorwirft sollte wenigstens so sauber paraphrasieren können, dass er nicht fehlende Prognosen einfach in den Text dichtet. Die Leute im Zug haben ja von der Entwicklung nach Münchaus Ansicht keine Ahnung.
@FS Münchaus Text beginnt so:
“Neulich fuhr ich mit dem Zug von Brüssel nach Deutschland, tief in die westfälische Provinz. Und als ich den Leuten dort im Zug zuhörte, wurde mir plötzlich klar, dass sie von alldem nichts ahnen, was demnächst auf sie zukommen wird. Sie reden natürlich alle über den Euro. Selbst im meinem Abteil entkam ich dem Thema nicht. Doch sie reden über den Euro als ein Problem da draußen, ganz weit weg…”
Und dann folgt eben jenes apokalyptische Geraune, das ich zitiert habe, natürlich immer abgesichert durch viele “früher oder später” “vielleicht” etc.
Es wird hier (völlig überflüssigerweise) mit Ängsten gespielt. Und diese Ängste führen genau dazu, dass sich “alternativlose Politik” überhaupt durchsetzen kann. Münchau gräbt sich mit seinen Crash-Prognosen nämlich genau das Grab, in das seine richtigen Analysen hineinstürzen. Er kritisiert also nicht Merkels Politik, er stützt sie.
Eben. Da steht aber nirgends, dass im Zug über den baldigen Zusammenbruch des Euro geredet wurde – im Gegenteil, es erscheint ja alles ganz weit weg, ganz abstrakt.
Münchau geht es gerade darum, die Diskrepanz von Bevölkerungsstimmung und Stimmung der Finanzelite darzustellen. Und die schlechte Stimmung, die Münchau zu der damaligen Zeit unter der Finanzelite ausmacht, die hat es m.E auch gegeben – war ja alles vor der EZB-Intervention.
Abgesehen davon weiß ich nicht, ob hier wirklich mit Ängsten gespielt wird. Das ein Zusammenbruch der Eurozone für die deutschen Finanzinstitutionen und/oder den deutschen Steuerzahler (je nachdem wie das mit den Target-Forderungen dann wirklich läuft) auch sehr teuer werden kann, steht meines Erachtens außer Zweifel. Genau deshalb argumentiert Münchau dagegen. Haben Sie wirklich Argumente dagegen? Denn mir erscheint es etwas wohlfeil, wenn man gut begründete Einwände einfach damit abtut, dass das alles Panikmache sei. Die Grundprobleme, die Münchau anspricht, existieren (weitherhin), und sie werden sich nicht auflösen, indem man einfach sagt: Das sind ja alles Untergangsszenarien.
@FS Natürlich steht das da. Ist doch zitiert. Können Sie nicht lesen? Und der Satz “Für eine Rettung ist es möglicherweise schon zu spät” ist nach Ihrer Meinung kein Spiel mit Ängsten?
Nur mal am Rande: “Früher kann es nicht zu spät sein, es sei denn der Zeitpunkt des Zusammenbruchs stünde schon fest und nur ein Mann kennt ihn, will ihn aber nicht verraten.”
@ Wolfgang Michal
Im Text von Münchau steht bzgl. der Zugfahrt weder etwas von BALD noch vom ZUSAMMENBRUCH des Euro, und hätte Münchau das bei der Zugfahrt aufgeschnappt, dann könnte er wohl kaum eine Gegenüberstellung im Sinne, von ” dass sie von alldem nichts ahnen, was demnächst auf sie zukommen wird” meinen, denn dann wäre der Otto-Normalzugfahrer ja ziemlich genau auf dem gleichen Stand wie die Hedgefonds-Manager. Insofern haben Sie Münchau genau sinnverkehrt paraphrasiert.
Im Nachhinein lassen sich Prognosen, und seien sie alarmistisch oder optimistisch, immer kleinmachen, wenn sie nicht eingetreten sind. In Münchaus Fall hat er aber bestimmte Bedingungen genannt, unter denen seiner Ansicht nach das Auseinanderfallen der Eurozone nicht eintritt – EZB-Intervention und/oder stärkere Vereinigung. Münchau sieht letzteres als in der kurzen Frist nicht machbar an und ist deshalb skeptisch. Die EZB-Intervention ist ja inzwischen gekommen. Wie weit die politische Integration jetzt kommt, werden wir sehen. Punkt ist nur, dass die von Münchau genannten Probleme wirtschaftlicher Ungleichheit weiter bestehen. Wenn Sie meinen, dass das keine oder nicht so überwältigende Probleme sind Herr Michal, dann bin ich gespannt auf ihre nähere Begründung dazu. Nur sehe ich nicht, dass Münchau da ungerechtfertigte Panikmache betreibt.
@ Wolfgang Michal
Die Manager traf Münchau in Brüssel, nicht im Zug – kann sein, dass Sie das verwechselt haben ?!
“@FS 19: Sie schreiben: “Im Nachhinein lassen sich Prognosen, und seien sie alarmistisch oder optimistisch, immer kleinmachen, wenn sie nicht eingetreten sind.”
Das geht den Leuten, die Horoskope erstellen, auch so.
@FS 20: Was würde das ändern?
FS: Lesen Sie mal alle Kolumnen von Münchau auf Spon. Mehr Drama geht eigentlich nicht. Und das – nicht ein einzelnes Zitat – ist das Problem, was Wolfgang Michal hier aufgreift.
@ Wolfgang Michal bzgl FS 20
Siehe FS 14 letzter Absatz. QED.
@FS 20: Sie haben Recht. Der zitierte (leider nicht benannte) Manager, der den Zusammenbruch des Euro auf Juni 2012 datiert hatte, sagte das nicht im Zug, sondern in Brüssel.
Am Euro-Crash versuchen sich viele. Aber die Thematik ist komplex. Ein Aufsatz, der viele Aspekte berücksichtigt, würde raumfüllend. Zudem muß man sich wohl auch der Frage stellen, verstehe ich wirklich, worum es geht? Kenne ich die geheimen Wege der Kapitalströme?
Ich denke, der Euro wird scheitern. So oder so, und zwar zum ersten daran, daß sich die Korruption immer höher ins System frißt. zum zweiten, daß wir zielgerade auf einen Monopolkapitalismus zusteuern. Zum dritten an der irrigen Vorstellung, daß der vernetzte PC mit seinen tausenden Indikatoren die Lösung anzeigt. Das Gegenteil ist der Fall, denn er zwingt dem Betrachter Balkendiagramme auf, für die sich die höchsten Instanzen EZB oder IWF schlußendlich als Steuerleute zuständig fühlen.
Politik soll Rahmenbedingungen schaffen und nicht selber handelnd eingreifen!
Heute morgen beispielsweise kam die Meldung, daß die EZB zu Lohnkürzungen aufrufe. Der IWF hatte auch irgendwas zu sagen. – Derartige “Empfehlungen” gibt es gehäuft und sie belegen, daß der freie Markt gefesselt ist von einer planwirtschaftlichen Gleichschaltung, die eben genau das Gegenteil von dem erzeugt, was man postuliert, die Wettbewerbsverzerrung zu Gunsten der ohnehin sich monopolisierenden Konzerne.
Und es ist auch zu beobachten, daß Werbung immer häufiger als Nachricht auftritt und zwar durch alle Medien bis hin zur Tageschau. Die letzte versteckte Schleichwerbung war in der Headline aller renommierten Blätter: Das iPhone 5 ist auf dem Markt!
Der Weg ins Meta-Kartell ist lange gelegt, das Monopolyspiel im vollen Gange:
Grenzüberschreitende Verschmelzung von Kapitalgesellschaften
http://europa.eu/legislation_summaries/internal_market/businesses/company_law/l26041_de.htm
Ein Kartell kann nicht aus sich selber heraus existieren. Hier baut sich ein Tsunamie auf und im Wellental entsteht ein Sog, der alle kleinen und mittleren Betrieben zerreißt.
Vom Handy wird man nicht satt. Und Größenwahn ist schwer zu erkennen, solange man sich als Teil des Systems versteht.
Natürlich ist das nur ein Ausschnitt. Aber ein wesentlicher. Der Euro wird scheitern, ob mit oder ohne Massen von Propheten.
[...] Euro-Crash-Propheten: Münchaus große Glaskugel Ach, diese Kolumnisten. Sie wissen immer alles schon vorher. Und ganz präzise! Anfang Juni schrieb Wolfgang Münchau in seiner Spiegel Online-Kolumne, die Tage des Euro seien gezählt. Höchstwahrscheinlich. Jetzt kritisiert er „Peer Steinbrücks größte Fehleinschätzung“. Seine eigene hat er offenbar schon vergessen. Quelle: Carta [...]
Beim Titel der neuesten Münchau-Analyse kann man sich angesichts dieser Super-Analyse hier ein Lächeln nicht verkneifen:
“Die spanische Bombe”
http://www.spiegel.de/wirtschaft/schulden-in-spanien-wolfgang-muenchau-ueber-den-ausweg-aus-der-krise-a-860462.html
Notiz…
Paul Krugman hat eine Grafik zur Entwicklung des GDP (deutsch: BPI) in den Jahren der Politik der Austerität: (Paul Krugman) Mit einem Wort: es geht bergab, und zwar in einem…
[...] Euro-Crash-Propheten: Münchaus große Glaskugel: Über die Prognosen des SPIEGEL-Kolumnisten Wolfgang Münchau. [...]
guter Beitrag !
Wolfgang Münchau hat sich bereits seit längerem als Crashprophet geoutet. Sein Drang nach Aktionismus mag möglicherweise auch seiner Assoziation mit Banken geschuldet sein, die von staatlicher Unterstützung profitieren würden.
Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass er inhaltlich was seine Handlungsemphehlungen angeht keine so schlechten Vorschläge macht, meiner Meinung nah. Ist die Panik übertrieben? Wahrscheinlich, aber das gehört zum Journalismus dazu. Ohne Panik keine Auflage, der Leser ist selbst schuld. Münchau liegt aber richtig, wenn er die bisherige Krisenpolitik als dilettantisch abkanzelt und eine Abkehr fordert. Die bisherigen Ergebnisse der Sparpolitik sind schlichtweg als Katastrophe zu bezeichnen und dafür braucht es keiner Dramatisierung. Die Austeritätspolitik basiert auf guter Hoffnung und einer selektiven Faktenauswahl im Vorfeld und wird bei Fortführung weitere Opfer nach sich ziehen:
http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/austeritatspolitik-bei-einem.html
Man kann von keinem Menschen den genauen Zeitpunkt eines Crashes erwartet.
Das ist reines Schätzen. Aber in der Geschichte sind alle Papierwährungen
die nicht durch Sachwerte gedeckt waren gescheitert. Und das wird auch diesmal
so sein. Geld wird heute giral erzeugt und hat absolut nichts mit der Realwirtschaft
zu tun. Das Geldsystem wächst darüber hinaus auch geometrisch.Zinses Zins
Die Realwirtschaft läuft bestenfalls linear , in den Südländern stagniert sie
sogar. Der Euro Raum ist kein Homogener Währungsraum.
Das heißt quasi eine Schuldenunion. Also, würde mich wundern wenn das noch
10 Jahre dauert.