Xing & Co.: Die neuen Aggregationsmächte im Nachrichtenmarkt?

Während Zeitungen noch nach Online-Geschäftsmodellen ringen, verdienen Xing & Co. bereits prächtig an den Diskussionen ihrer Mitglieder. Der Gesprächsstoff hierfür kommt aus den Verlagen, die aufpassen sollten, nicht bloß Steigbügelhalter der Netzwerke zu sein.


Auf den ersten Blick sind Businessnetzwerke, wie LinkedIn oder Xing, eine Sache für sich und haben mit Medien (im klassischen Sinn) nichts zu tun: Geschäftsleute knüpfen Kontakte und bahnen Geschäfte an. Headhunter suchen nach passenden Kandidaten für freie Stellen. Und mancher verbessert mit einem Profil dort auch nur sein „Google-Karma„.

Kein Thema also für Zeitungsverlage und Medienmacher? Doch. Denn hinter den oft etwas klischeehaft anmutenden Erläuterungen, was die Menschen auf Businessnetzwerken so machen, darf die Realität nicht übersehen werden. Eine ganz wesentliche Beschäftigung der Teilnehmer in diesen Netzwerken ist die Konversation. Dafür aber braucht es „Gesprächsstoff“ und der ist nicht von Haus aus in einem Netzwerk vorhanden. Also tragen ihn die Mitglieder hinein, in dem sie sich dort in Gruppen organisieren und dann diskutieren.

Etwas überspitzt könnte man also formulieren, dass die Medien die Schlagzeilen liefern und in den Social Networks dann darüber diskutiert wird. Das Dumme ist nur: Die Zeitungen suchen noch händeringend nach Geschäftsmodellen im Internet und geben derzeit ihren Content meist kostenlos ab, während Plattformen wie LinkedIn oder Xing profitabel arbeiten und somit an den Diskussionen ihrer Mitglieder Geld verdienen.

Dass diese Gegenüberstellung gar nicht so weit her geholt ist, beweist die Tatsache, dass Xing im Dezember 2008 das amerikanische Startup Socialmedian übernommen hat. Socialmedian ist ein Nachrichten-Aggregator, d. h. seine (derzeit noch) kostenlos registrierten Mitglieder geben sich darin gegenseitig Leseempfehlungen. Empfohlen werden Artikel aus allen Onlinemedien, von Zeitungen bis zu Blogs. Dieser Vorgang wird zudem durch Gewichtungsfaktoren beeinflusst. Vereinfacht ausgedrückt könnte man Socialmedian als eine personalisierte Fassung von Digg bezeichnen.

In die gleiche Kerbe schlägt eine Formulierung des Europaschefs von LinkedIn, Kevin Eyres: Demnach will LinkedIn „in den kommenden Wochen einige Kooperationen mit Verlagen ankündigen, um lokale Inhalte zu bekommen“. Hier müssen die Medien aufpassen, dass sie nicht zum Steigbügelhalter von anderen werden!

Die Integration von Socialmedian in Xing könnte nämlich zum Ziel haben, dass die Mitglieder des Netzwerkes ihren täglichen Nachrichtenüberblick gleich auf Xing bekommen und gar nicht mehr die Webseiten einzelner Zeitungen oder von Spiegel Online ansteuern müssen. Selbst ein moderner Meme-Tracker wie Rivva würde da alt aussehen.

Vor diesem Hintergrund ist speziell den Zeitungen dringend zu empfehlen, mehr Augenmerk auf die eigene Leserschaft im Internet zu richten und ihre Onlinecommunity besser zu pflegen. Zugleich zeigt diese Entwicklung, dass auch die Businessnetzwerke nicht unverwundbar sind: Ihre Suche nach mehr Substanz belegt, dass sie wenig Vertrauen in die als Kernfunktion gepriesene Möglichkeit setzen, Geschäftskontakte zu ermöglichen.

RSS Feed